... und dieses Kapitel nur für Nicktessfan... weil sie die Gina ja so mag! *duckundweg*
36. Geschwister Fürchterlich
Professor Gina Nicemeadows kochte vor Wut.
So sprang man mit ihr nicht um.
So etwas tat man ihr nicht an.
So etwas konnte sie nicht akzeptieren und tolerieren.
Sie hatte Lucius einen 45 Sekunden Cruciatus auf den Hals gehetzt und statt hinterher auf dem Boden zu kriechen, wie sie es erwartet hatte, war er aufgesprungen und ehe sie sich versah, hatte er ihr den Zauberstab entwunden und damit gedroht, ihn zu zerbrechen.
Dann war er zur Tür gegangen und hatte ihn im Rausgehen hinter Hermines Schrank geworfen. Und sie, die Professorin, musste wie ein Waschweib auf dem Parkett robben und den Stab wieder hervorziehen.
Von Lucius war dann natürlich nichts mehr zu sehen gewesen. Der sollte sich nicht wagen, noch mal nach Hause kommen!
Sie überlegte, ob sie Severus eine Eule schicken sollte, andererseits würde sie gerne sein Gesicht sehen, bei dem was sie ihm zu sagen hatte. Sie konnte es sicher besser selber in Worte kleiden, wie es aussah, als seine kleine, geliebte Frau mit ihrem Lucius im Bett lag.
Ob die kleine Schlampe wohl zu ihm gerannt war? Sicher nicht, wenn sie nicht lebensmüde war. Severus würde toben. Gina hatte sich schnell dafür entschieden, Severus noch einmal selber aufzusuchen. Weiter Weg hin oder her, dies war schließlich ein familiärer Notstand.
Schnell ließ sie Pascal eine Nachricht zukommen, dass er die Versuche gefälligst zu überwachen hätte. Sie würde nach Hogwarts gehen und erstens Severus von seiner lieben Frau erzählen und ihm zweitens die benötigten Aufzeichnungen abluchsen, nachdem sie seine Tränen getrocknet hatte. Vielleicht könnten sie sogar zusammen Essen gehen, überlegte sie. Das würde ihn auf andere Gedanken bringen.
Überrascht stellte sie fest, dass sie froh war einen Grund zu haben, bei Severus hereinzuschneien. Seit er mit Hermine verheiratet war, hatten sie wenig miteinander unternommen. Früher war das anders gewesen. Früher hatten sie immer mal wieder sehr intensive Phasen gehabt, wo sie viel Zeit miteinander verbracht hatten. Dabei hatten sie tiefgründige Gespräche geführt oder zusammen im Labor gearbeitet. Hermine hatte das alles verändert. Aber vielleicht würde es jetzt wieder etwas mehr wir früher sein.
Gina stolzierte auf ihren hochhackigen Pumps den Weg von der Appariergrenze hoch zum Schloss und ärgerte sich, dass sie nicht an bequemere Schuhe gedacht hatte.
Es war erst früher Nachmittag. Überall streunten Schüler herum. Hoffentlich war Severus nicht durch irgendeine schulische Verpflichtung geknebelt. Wenigstens war es Sonntag.
Tatsächlich fand sie ihn in seinem Büro, brütend über einem Buch.
„Gina!" für einen Moment schien er angenehm überrascht zu sein, dann verfinsterte sich sein Gesicht in einem Anflug von Ärger. Noch zu frisch war ihm der Streit vom Morgen in Erinnerung und Teufel noch eins, sie hatte ja auch noch Recht behalten.
Entgegen seinem äußeren Erscheinungsbild war er total aufgelöst gewesen, als er nach Hogwarts zurückkehrte. Einzig Verdammtes Lästiges Vieh hatte ihn aus seiner Grübelei reißen können. Das Eichhörnchen war solange auf dem Fensterbrett hin und hergesprungen, bis er es herein gelassen hatte. Erst war es durch sein Wohnzimmer getollt, hatte den Kaminsims nach Leckereien untersucht und war dann an seiner Robe herauf bis auf seine Schulter geklettert. Die kleinen Pfoten hatten durch seine Haare gewuselt und ihm ein Lächeln entlockt, nach dem ihm eigentlich nicht gewesen war. Verdammtes Lästiges Vieh wurde nun schon das dritte Jahr von ihm gefüttert. Winzig und hilflos war es gewesen, als er es damals beim Kräutersuchen gefunden hatte. Snape hatte ihm in einer alten Wollmütze ein Nest gemacht und es mit verdünnter Milch gefüttert. Als es später groß genug war, dass es alleine zurechtkommen konnte, da hatte er es in den Wald getragen und frei gelassen. Sofort war es auf einen Baum geklettert und in dem dichten Laub verschwunden. Etwas wehmütig war Snape zurückgegangen. Als er sich kurz vor dem Portal nochmals umdrehte, da sah er das fuchsrote Geschöpf hinter sich her hoppeln. Lachend hatte er es noch mal mitgenommen und es den nächsten Tag noch mal versucht. Und wieder war der kleine Lästling hinter ihm her gerannt.
Den dritten Tag hatte er dem kleinen Kerl einfach die Tür vor der Nase zugeschlagen. Eine halbe Stunde später saß Verdammtes Lästiges Vieh auf der Fensterbank seines Wohnzimmers und machte vor dem Fensterglas Männchen.
Resigniert hatte er das Fenster geöffnet. Verdammtes Lästiges Vieh war seit diesem Tag ein und ausgegangen, hatte seine neue Freiheit genossen, und doch war kein Tag vergangen, an dem es nicht zu ihm zurückgekehrt war.
Albus, der früher gelegentlich auf ein Glas Wein vorbeigekommen war, hatte ihm eines Tages gesagt: „Siehst Du Severus, das ist echte Liebe! Die Freiheit zu haben überall hinzugehen und doch immer zu dem zurückzukehren, bei dem man sich am wohlsten fühlt!"
„Papperlapapp!", hatte er damals geantwortet doch nach inzwischen drei vergangenen Jahren, war er geneigt, Albus Erklärung Glauben zu schenken.
Unwillkürlich hatte er Vergleiche mit seiner Beziehung zu Hermine gezogen.
Wenn er sie frei gab, wenn sie alle schrecklichen Details seiner Vergangenheit erfahren würde, ob sie dann noch zu ihm zurückkehren würde?
Je länger er darüber nachdachte, je fester wurde sein Entschluss.
Hermine sollte Ginas Haus verlassen. Er würde ihr die Scheidung vorschlagen und einen großzügigen Unterhalt zahlen, damit sie ihr Studium in Amerika, oder wahlweise in Russland fortsetzen konnte. Er hatte seine Finanzen überschlagen und ausgerechnet, dass ihn das nicht an den Bettelstab bringen würde.
Er war sich sicher, dass sie das Angebot des Auslandsstudiums annehmen würde, denn sie würde niemals in die Muggelwelt zurückgehen. Überall hin, aber nicht dorthin.
Das offizielle Exmatrikulationsersuchen an Gina hatte er bereits fertig geschrieben. Als Hermines Ehemann und Hauptsponsor konnte er über sie bestimmen, was das Studium anging. Wenn er es aufkündigte, durfte nicht einmal Gina als ihre Professorin dagegen etwas unternehmen. Eigentlich hatte Hermine in der altmodischen Welt der Zauberer, als seine Ehefrau nicht besonders viel Rechte, überlegte er zufrieden. Einzig ihre Zustimmung zur Scheidung war notwendig. Natürlich hoffte er inständig, dass sie nicht zustimmen würde, eigentlich hoffte er, dass sie morgen vor seiner Tür stehen würde, egal was er ihr heute früh vor den Kopf geworfen hatte. Wo sollte sie denn sonst hin? Zu Weasley? Ihm war das Angebot des kleinen Feuermelders eingefallen. Doch dann tröstete er sich damit, dass Hermine mit Sicherheit zu stolz sein würde, im Fuchsbau unterzukriechen.
Trotzdem würde er sie fortschicken müssen um ihr „die Freiheit zu geben, überall hinzugehen und doch immer zu dem zurückzukehren, bei dem man sich am wohlsten fühlt!"
So ungern er es tat, aber er musste dem schrecklichen Lucius zustimmen. Er konnte sie nicht zwingen ihn zu lieben, indem er sie in seinen Kerkern gefangen hielt. Sie musste hinaus ins Leben, musste vergleichen können und musst aus freien Stücken entscheiden dürfen, wo sie ihr Leben verbringen wollte.
Snape holte sich das aktuelle Universitätsverzeichnis aus der Bücherei und war dabei Universitäten für Hermine auszuwählen, als Gina überraschend eintrat.
„Gina!"
„Severus! Ich habe leider keine guten Neuigkeiten!"
Snape zog höhnisch die Augenbrauen hoch.
„Hattest du jemals gute Neuigkeiten für mich?"
Gina legte mit einer geschmeidigen Bewegung ihren leichten Reiseumhang aus durchsichtiger schwarzer Spitze ab und setzte sich auf den Besucherstuhl.
„Darf ich mich setzen?"
Snape schnaubte.
„Wonach sieht es aus, was Du da bereits tust?"
Gina schien seinen Ärger über ihr Erscheinen zu überhören.
„Severus, wir haben ein gemeinsames Problem!"
„Vor welchen Karren willst Du mich dieses Mal spannen, Gina?"
Ärgerlich schlug er das Buch vor sich zu.
Gina verzog nun ihrerseits verärgert das Gesicht.
„Auf dem Weg hierher habe ich mir tausend Gedanken gemacht, wie ich es dir schonend beibringen kann, aber anscheinend bist Du diese Mühe mal wieder nicht wert, deshalb will ich es ganz kurz machen!"
Die theatralische Pause die sie einlegte veranlasste Snape zu einem ungeduldigen Grunzen.
„Ich habe Lucius und Hermine zusammen im Bett erwischt!"
Gina ließ die Worte auf Severus wirken und nahm wohlwollend zur Kenntnis, dass seine rechte Hand, die noch die Schreibfeder hielt, diese zu einem unbrauchbaren Stück Abfall zusammenpresste.
„Wann?", fragte er rau.
„Oh, anscheinend interessiert es dich doch?" Gina veränderte ihre Sitzposition und wandte ihm ihre linke Seite zu. In zahllosen Sitzungen vor ihrem Spiegel hatte sie herausgefunden, dass ihre linke Seite ihre Schokoladenseite war. Ein unschuldiger Augenaufschlag sah von keiner Seite so gut aus, wie von dieser. Und wenn sie dann noch den Mund etwas spitzte, so wusste sie, dann sah sie einfach bezaubernd aus.
„Gina!", stöhnte Snape, „mir ist nicht nach deinen Spielchen, sag mir was Du zu sagen hast!"
Gina fuhr sich mit der Hand durch ihre Haare. Wenn sie ihren Schopf aufstrubbelte, dann sah sie natürlicher aus.
„Es gibt nicht viel zu erzählen. Als ich nach Hause kam bin ich zu Hermine ins Zimmer gegangen und habe meinen Nochehemann und deine Nochehefrau in inniger Umarmung auf dem Bett gefunden!"
Snape sah sie misstrauisch an. „Nur in inniger Umarmung oder…oder?"
Gina ließ ihre Stimme etwas zittern.
„Du verlangst jetzt nicht von mir, dass ich dir jedes kleine schmutzige Detail schildere, oder Severus?"
Sie wischte sich eine Träne weg.
Snape schwieg und fragte sich, wieso er Lucius nicht einfach am Morgen umgebracht hatte.
Statt einer Antwort schob er Gina den Exmatrikulationsantrag zu.
Sie warf nur einen kurzen Blick darauf und sagte dann.
„Nicht nötig, Severus, ich habe sie bereits rausgeworfen und Lucius hinterher!"
Severus Stirnfalte wurde für einen Moment tiefer.
„Und wo sind sie hin?"
„Interessiert dich das noch, Severus?" fragte Gina schnippisch.
„Lässt es dich komplett kalt?" entgegnete Snape gereizt.
„Der Weg hierher war lang genug. Ich konnte mich bereits mit dem Gedanken auseinandersetzten und bin zu dem Schluss gekommen, dass Lucius nicht der richtige Mann für mich zu sein scheint!"
Snape lachte trocken auf.
„DAS ist jetzt nicht dein Ernst?"
Er schmiss sich impulsiv in seinem Stuhl nach hinten dass die Rückenlehne bedenklich knackte.
Gina stand auf, ging um seinen Schreibtisch herum und stellte sich hinter Snape. Begütigend legte sie ihre Hände auf seine Schultern und massierte sie sanft.
„Ich gebe zu, ich habe einen Fehler gemacht, aber den hast du auch gemacht, als Du diese „Partnerschaft" mit diesem jungen Ding eingegangen bist!" flüsterte sie sanft.
„Ich wiederhole mich nur ungern, mein Lieber, aber wir sind für ein geregeltes Familienleben wohl nicht geschaffen!"
Severus schüttelte ärgerlich ihre Hände ab.
„Was soll das alles Gina, Du willst mir glauben machen, Du hättest diese Entwicklung nicht kommen sehen, und hast mich in dem Glauben gelassen, es sei alles in Ordnung und Hermine bei dir wohlbehütet?"
„Daran habe ich fest geglaubt, Severus, ehrlich! Meinst Du ich bin nicht verletzt und gekränkt?"
Er stand auf und stellte sich direkt vor sie.
„Das ist alles, ‚Du bist verletzt und gekränkt?", spöttisch auf sie herabsehend fasste er sie an den Armen.
„Warum habe ich nur das Gefühl, dass mit dir etwas nicht stimmt?"
Sie entwand sich seinem Griff um ihrerseits ihre Hände auf seine Oberarme zu legen.
„Lass uns das einfach alles vergessen und an dem Genprojekt weiter arbeiten. Der Erfolg, den wir damit haben werden, wird uns für den Verlust entschädigen!"
„Bitte!"
Snape hatte sich jäh abgewandt. „Ich muss erst meine Gedanken sortieren, bevor ich mich mit dieser Materie auseinander setzten kann!"
„Natürlich!", beeilte sich Gina zu sagen. „Ich lade dich hiermit zu einem netten Abendessen ein, und dabei werden wir dann überlegen, wie alles weitergehen wird."
Sie umfasste seinen Oberkörper, zog in liebevoll an sich und nach kurzem Zögern erwiderte Snape diese Umarmung.
tbc
