Erst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich so lange kein Kapitel mehr geupdated habe, denn ich habe im Moment viel zu tun.
Und dann möchte ich darauf hinweisen, dass ich heute vor einem Jahr das erste Kapitel dieser Geschichte hier veröffentlicht habe. Unheimlich, wie schnell die Zeit vergeht...
LG
SevMine
34. Einsicht und Sturheit
„Was sagen sie da, Severus?", fragte Albus leicht verwirrt. „Ich soll Miss Granger der Schule verweisen? Ja, aber warum denn das?"
„Weil sie… während der Okklumentikstunden… in meine Gedanken eingedrungen ist", knurrte Severus mit vor Wut zusammengebissenen Zähnen.
„Severus, Severus", sagte Albus und ein Lächeln umspielte jetzt seine Lippen. „Sie sollten wirklich besser ihren Geist vor Schülern verschließen. Soweit ich mich erinnern kann, ist ihnen das jetzt schon zum zweiten Mal passiert."
„Machen sie sich nur über mich lustig", sagte Severus wütend. „Sie sollten ein bisschen strenger mit Schülern umgehen, die die Regel brechen!"
„Täusche ich mich oder… aber das kann nicht sein…", sagte Albus in Gedanken versunken.
„Was denken sie denn?", fragte Severus, der jetzt keine Lust auf diese Art von Albus Spielchen hatte, die er gerne mit dem Kollegium spielte. ‚Rate mal was ich jetzt denke… aber das kann eigentlich nicht wahr sein…' Das war seine typische Art zu reden, wenn er wollte, dass der Gesprächspartner genauer bei ihm nachfragte, obwohl er es eigentlich nicht wollte.
„Ich denke… Wissen sie noch, wie aufgebracht sie über Mr. Potter waren, als er ihre Erinnerung gesehen hatte?", fragte Albus.
„Wie könnte ich das bloß jemals vergessen", murmelte Severus immer noch wütend.
„Sie waren aufgebracht, denn beinahe hätte er erfahren, dass sie ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis mit seiner Mutter hatten, was er sehr wahrscheinlich fehlinterpretieren würde", sagte der Schulleiter sachlich. „Und nun hat Miss Granger ihre Gedanken gesehen… und sie sind so aufgebracht, da sie vielleicht etwas hätte sehen können, was sie nicht sehen sollte… etwas das tief in ihnen drinnen ist." Er machte eine Kunstpause. „Sie lieben Miss Granger, Severus."
Erst stand er wie versteinert da. „W-Was?", fragte Severus. „Sind sie jetzt vollkommen verrückt geworden?! Die Zitronenbonbons müssen ihnen zu Kopf gestiegen sein!"
„Severus, beruhigen sie sich", sagte Albus. „Und schieben sie nicht immer alles auf meine Bonbons!"
„Die enthalten so viel Zucker; das muss doch auf Dauer schädlich für das Gehirn sein!"
„Bleiben sie ruhig, Severus. Es ist nur Essen!"
„Aber…" Severus hielt inne. „Albus, sie sind vollkommen verrückt geworden! Ich… verliebt…in eine Schülerin! Ich würde so etwas doch nie… Albus, sie sehen das ganz falsch! Ich kann ihnen alles erklären, aber bitte – feuern sie mich nicht. Ich kann alles aufklären, ich–"
„Severus, warum sollte ich sie feuern?", fragte Albus.
„Weil sie vermuten, dass–"
„Erstens Severus, ich vermute es nicht – ich weiß es und zweitens, warum sollte das ein Grund sein, sie zu feuern. Sie sind erwachsen, Miss Granger ist erwachsen und in wenigen Monaten wird sie nicht mehr ihre Schülerin sein. Und wenn sie sich so lange zurückhalten können, dann–"
„Albus, zum fünfhunderttausendsten Mal, ich bin nicht in Miss Granger verliebt!", sagte Severus lauter, als beabsichtigt.
„Wenn sie das meinen", sagte der Schulleiter, doch ein belustigter Blick huschte über sein Gesicht und für einen Moment hätte Severus schwören können, dass er Albus Stimme hörte, die sagte: „Aber ich weiß, dass sie es sind." Doch Albus Mund bewegte sich nicht ein Mal, also musste er sich das nur eingebildet haben.
Mit seltsamen Gemischten Gefühlen verließ Severus das Büro des Schulleiters. Er hatte es auch schon gemerkt und er wusste es auch, dass er in letzter Zeit Gefühle für Miss Granger entwickelt hatte, doch das musste er so schnell wie möglich beenden. Das führte doch sowieso zu nichts und wie kam er überhaupt auf die Idee sich in Miss Granger zu verlieben? Das war doch abartig!
Als er zu seinen Gemächern zurücklief fühlte er sich plötzlich verlassen und allein. Sein Herz schmerzte und er glaubte kurz vor einem Schwächeanfall zu stehen.
Na toll, jetzt hat mich Albus auch noch dazu gebracht seine wilden Theorien zu glauben, dachte er. Als wenn ich jemals in Miss Granger verliebt wäre!
Und somit verdrängte er alle möglichen freundlichen Gedanken, die er für sie haben könnte.
„Hermine? Hermine, was ist denn nur los?", fragte Ginny, als sie den Mädchenschlafsaal betrat, in den Hermine gerade eben geflüchtet war.
Doch die angesprochene weinte nur. Sie schluchzte, während ein richtiger Tränenwasserfall ihr Kissen durchnässte.
„Mine, was ist passiert? War es schon wieder Professor Snape?", fragte sie und setzte sich zu ihrer besten Freundin auf Bett.
Bei der Erwähnung dieses Namens schluchzte Hermine noch herzzerreißender auf.
„Was hat er gemacht?"
„E-Er hat gesagt… e-er hat g-gesagt, dass er m-mich nie wieder sehen will", schluchzte Hermine in ihr Kissen.
„Was?", fragte die jüngere gelassen. „Das ist alles? Und darum weinst du so?"
„D-Du verstehst mich nicht", sagte Hermine und blickte von ihrem Kissen auf. „E-Er will mich nie wieder sehen!"
„Aber was ist daran so schlimm?"
„I-Ich l-liebe ihn!", sagte Hermine lauter, als beabsichtigt.
„Waaas?", fragte die Rothaarige ungläubig.
„H-Habe ich das gerade laut gesagt?", fragte Hermine und Ginny nickte.
Peinlich berührt vergrub sie ihr Gesicht wieder in dem Kissen.
„Hey, du musst dich deswegen doch nicht schämen!", sagte Ginny aufmunternd.
„Ach ja, ich bin ja nur in meinen Lehrer verliebt. Was könnte es schlimmeres geben, Ginny?!"
„Hmm… lass mich nachdenken… du hättest mit Lord Voldemort eine Affäre haben können, während du mit dem Zaubereiminister flirtest", sagte Ginny gespielt nachdenklich.
Hermine warf ihr das Kissen gegen den Kopf und musste unwillkürlich lachen.
„So ist es besser", sagte Ginny. „Tränen stehen dir nicht so gut."
„Aber Ginny, was soll ich denn jetzt bloß machen?", fragte Hermine und suchte in ihren Taschen nach einem Taschentuch. Als ihre Finger eins fanden zog sie es heraus und wischte sich damit die Tränen vom Gesicht.
„Was ist das?", fragte Ginny erstaunt.
„Äh, ein Taschentuch?", fragte Hermine verwirrt.
„Nein, das weiß ich selber", sagte Ginny und lachte. „Ich meine das hier."
Sie zeigte auf die eingestickten Initialen S.S. – Severus Snape
„D-Das ist nichts", sagte Hermine schnell und versteckte das Taschentuch wieder in ihrer Tasche.
„Er hat dir sein Taschentuch gegeben?", fragte Ginny. „Oh, wie romantisch…"
„Ginny, sei nicht albern", sagte Hermine. „Er ist erstens mein Lehrer und zweitens nicht in mich verliebt!"
„Woher willst du das wissen?", fragte Ginny. „Immerhin durftest du sein Taschentuch behalten."
„Das zählt nicht, Ginny. Ich habe in das Taschentuch hineingeheult. Würdest du dann noch dein Taschentuch zurückhaben wollen? Wahrscheinlich hat er bestimmt noch mehr, als nur eins von diesen Stofffetzen."
Bei dem Gedanken an seine Taschentücher und folglich auch an seinen Schrank, schweiften Hermines Gedanken ab und stellten sich seine ganze Wohnung vor…
„Ja bestimmt", sagte Ginny und holte Hermine so wieder in die Wirklichkeit zurück. „Aber warum hat er dir überhaupt ein Taschentuch angeboten? Das macht er ganz bestimmt nicht bei jedem Schüler."
„Ach ja", sagte Hermine. „Wollen wir wetten."
„Okay", sagte Ginny und setzte ein Grinsen auf. „Ich wette, dass ich kein Taschentuch von Prof. Snape bekommen werde, wenn ich herzzerreißend in seinem Unterricht weinen werde."
„Ich wette dagegen", sagte Hermine. „Er hat keine Gefühle für mich. Er hasst mich und Lehrer-Schüler Beziehungen sind sowieso verboten."
„Keine Sorge, ich werde dich von dem Gegenteil überzeugen", sagte Ginny, als sie den Schlafsaal verließ.
Severus sah den Schülern aus dem sechsten Jahr beim Zaubertränke brauen zu, wobei er möglich viel Abstand zu Miss Weasleys Zaubertrank hielt (er hatte den Trank, der seine Anziehsachen verschwinden gelassen hatte noch nicht vergessen). Alles schien so, wie immer zu sein. Die Schüler stellten sich wieder unglaublich dumm beim brauen und Anweisung lesen an und ab und zu hörte man ein leises „Mist!" oder „Scheiße!" von irgendeiner Ecke des Raums. Doch plötzlich durchschnitt ein ungewöhnlicher scheppernder Laut die angenehme Stille des Klassenraums. Severus sah sich um und sah, dass Miss Weasley ihr Messer fallen gelassen hatte und am ganzen Körper wie verrückt zitterte.
Was hat sie den jetzt schon wieder vor?, dachte er genervt und machte sich auf den Weg zu ihr.
„Miss Weasley, ist alles–" Doch ein lautes Schluchzen unterbrach ihn.
Ginny war in Tränen ausgebrochen und ihre Schluchzer hallten durch den ganzen Klassenraum.
„Was ist passiert?", fragte er scharf, doch bevor er eine Antwort erhalten konnte, rannte sie aus dem Raum.
„Sie brauen weiter, während ich mich um Miss Weasley kümmere", sagte Severus zu der Klasse und eilte ihr hinterher.
„Miss Weasley!", rief er. „Miss Weasley, bleiben sie stehen!"
Wie durch ein Wunder blieb sie plötzlich stehen und drehte sich zu ihm um. Ihr nasses Gesicht glänzte im Licht der Fackeln.
„Was ist denn los?"
Doch als Antwort heulte sie einfach weiter.
„Miss Weasley, ich weiß wirklich nicht, was mit ihnen los ist, aber wenn sie nicht von alleine zu weinen aufhören, muss ich ihnen einen Anti-Emotionstrank geben, der nicht gerade schmerzfrei ist."
Das brachte sie zum verstummen.
„So… fühlen sie sich jetzt wieder in der Lage meinem Unterricht folgen zu können?", fragte er und sie nickte.
„Und dann bin ich ihm wieder zurück in den Klassenraum gefolgt", schloss Ginny ihren Bericht. „Ende!"
„Was?", fragte Hermine und legte ihre Gabel beim Mittag beiseite. „Kein Taschentuch?"
Die Rothaarige schüttelte den Kopf.
„Aber das heißt ja…"
„… dass er auch Gefühle für dich hat", beendete Ginny ihren Satz.
„Ginny, du bist echt verrückt", sagte Hermine plötzlich. „Du solltest mir sagen, dass ich vollkommen krank im Gehirn sei und ich ganz schnell meine Gefühle für ihn vergessen sollte!"
„Nein, ich bin deine Freundin und ich stehe zu dir", sagte Ginny. „Und ich denke, du würdest auch dasselbe für mich tun."
„Aber, er ist fünfzehn Jahre älter als ich…"
„Na und!", sagte Ginny. „Wenn kümmert das? Hauptsache du bist glücklich!"
Eine Pause trat ein, in der Hermine nachdachte. Vielleicht ist es doch richtig, meine Gefühle vor ihm nicht zu verstecken…Vielleicht sollte ich es ihm einfach sagen, denn lange bin ich nicht mehr an der Schule… und es muss ja auch niemand erfahren…
„Danke, das du mich nicht im Stich lässt, Ginny", sagte Hermine und umarmte ihre Freundin.
„Keine Sorge", sagte Ginny, als sie sich voneinander lösten. „Wir finden schon einen Weg, damit er dir auch seine Gefühle gesteht."
