Kapitel 36

Der grüne Blitz des Todesfluches verzerrte alles im Raum. Die Terrarien funkelten, die Laute der Tiere so vorhanden, verstummten und Harry hob in einer Abwehrbewegung seinen Arm, wohlwissend, dass sie eigentlich sinnlos war. Wie sollte man sich auch dem schlimmsten aller Flüche erwehren? Heute konnte er nicht auf das Opfer seiner Mutter hoffen.

Bevor Harry jedoch gewahr wurde, dass er gar nicht das Ziel des Fluches gewesen war, erklang erneut an diesem Tage eine Art Sirene in seiner unmittelbaren Nähe. Ihr folgte dann ein metallisch klingendes Klirren und als Harry aus seiner Starre erwachte, bemerkte er, wie vor den Fenstern und der Tür, durch die sie den Raum betreten hatten, schwere Eisengitter zuschlugen. Sie waren plötzlich hier eingesperrt, er war eingesperrt mit Adam und Meister Dionysus, der immer noch den Zauberstab in seinen Händen hielt.

Mit Panik im Blick starrte Harry den alten Zauberer an und wollte so schnell wie nur möglich weg von ihm. Aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Er konnte sich nicht bewegen und für eine Sekunde dachte Harry, es läge am Schock. Aber an dem war es nicht. Nein vielmehr schien irgendetwas ihn magisch daran zu hindern wegzulaufen.

„Bleib ganz ruhig Harry. Es ist nichts passiert", sagte Adam mit versucht beruhigender Stimme. Offenbar war ihm gerade klar geworden, was in Harry vor sich ging. Sie hatten ihn nicht gewarnt, nicht einmal ein Sterbenswörtchen gesagt und das obwohl man doch bei Harrys Geschichte hätten wissen müssen, dass der Todesfluch für ihn ein besondere Bedeutung hatte. Wahrscheinlich kam noch hinzu, dass er nicht wusste, dass für die nächsten Minuten jedwede Bewegungsmöglichkeiten magisch unterbunden wurden und was jetzt noch folgte. Für ihn, Adam, war es ja damals auch ein Schock gewesen.

„Nichts passiert? Willst du mich verarschen, Adam?", fuhr Harry auf, doch noch bevor er eine Antwort bekam, erklang eine magische Stimme mitten im Raum.

Achtung Zauberer und Hexen im zoologischen Lager der Akademie. In ihrer unmittelbaren Umgebung wurde eine Straftat verübt in Form eines unverzeihlichen Fluches. Der Raum wurde daher abgeriegelt und die Auroren verständigt. Bitte bewahren Sie Ruhe bis zu ihrem Eintreffen.

Harry zuckte förmlich zusammen, als die Stimme losdonnerte. Wieso traf es immer ihn? Allerdings verwunderte Harry die fehlende Reaktion von Meister Dionysus auf die Ankündigung der Auroren hin. Hatte der alte Meister denn keine Angst vor den Konsequenzen seines Handelns? Ihn aber weiter zu beobachten oder gar zu fragen, wie dies so war, dazu kam er jedoch nicht, da die Stimme erneut erklang.

Sollte Ihr Tun und Wirken jedoch aufgrund Ihres besonderen Status gerechtfertigt sein, so bleiben Ihnen noch sechzig Sekunden um nach Protokoll 64 zu verfahren.

Und auf genau diesen Satz schienen Adam und sein Mentor gewartet zu haben. Denn kaum war die Stimme verklungen, schien die bis eben noch magisch unterbundene Fähigkeit sich zu bewegen wiedergekehrt zu sein und sofort schwang Meister Dionysus den Zauberstab. Die Vitrine, aus welcher er auch den Stab genommen hatte, öffnet sich und ein dickes, in dunkles Leder gebundenes Buch schwebte in seine Richtung. Dieses blätterte wie von Geisterhand auf und ruhte schließlich auf der letzten beschriebenen Seite geöffnet vor Meister Dionysus, damit er in es schreiben konnte.

Name und Status! erklang nun eine andere, weibliche Stimme. Es klang fast so als käme sie aus dem Buch.

„Antonius Marcus Dionysus", sagte Adams Mentor laut und deutlich und seine Worte schrieben sich wie von Geisterhand in das Buch, „Großmeister des vierten Grades der Zauberstabmachergilde."

Grund für die Durchführung des Todeszaubers?

„Rohstoffgewinnung für einen Zauberstab, Sonderanfertigung und Meisterstück meines Adept, Ministeriumsauftragsnummer 2365, Auftragserteilung durch Ernest Fullert", erwiderte der alte Meister weiter und wartete offenbar auf die nächste Frage des magischen Buches.

Getötetes Objekt?

Hier nun blickte Meister Dionysus in Richtung Adam und dieser ging zum Terrarium und holte einen daran befestigten Zettel. Er reichte ihn seinem Meister und Harry verfolgte, wie dieser das darauf festgehaltene nach etwas bestimmten durchforstete.

„Ach hier", sagte er schließlich und las vor: „Getötetes Objekt: magischer Sumatrakreuzotter-Korallenschlangen-Hybrid, Zuchtpatentnummer 3496855, einjähriges, männliches Exemplar."

Harry schaute nun auf das schlapp in der Zange hängende tote Lebewesen und fragte sich, warum gerade dieses für seinen Zauberstab sterben musste. Die Schlange, als was er es identifizierte hatte, war ungefähr sechzig Zentimeter lang, gerademal daumenstark und hatte eine doch sehr ungewöhnliche Färbung. Nicht nur dass sie die für Korallenschlangen so typischen rot schwarz gelben Schuppenringe vorwies. Nein, es fügte sich noch eine weitere Farbe abwechselnd ein und zwar ein leuchtendes Grün, dem Todesfluch sehr ähnlich. Und genau diese Farbe, gepaart mit dem Muster einer Kreuzotter auf dem Rücken verlieh der Schlange etwas Mystisches.

„Solch eine Schlange habe ich noch nie gesehen, Adam", sagte Harry und verstummte sogleich, als der Zauberstabmacher nur die Hand hob: „Warte bitte Harry. Gleich kannst du mich alles fragen. Doch erst müssen wir das hier abschließen."

Natürlich fragte sich Harry, was er damit meinte und zuckte zusammen, als er plötzlich etwas im Raum erblickte, von dem er gehofft hatte, es nie wieder zu sehen. Doch sie war da und sie schwebte in Richtung Meister Dionysus, der danach griff.

„Nein Sir, fassen Sie sie nicht an", rief Harry entsetz. „Es ist eine Blutfeder."

Meister Dionysus drehte seine Kopf und lächelte: „Ich weiß, Mister Potter. Die Frage sollte jedoch sein, woher Sie als ein Schüler dies wissen."

Unbewusst griff sich Harry an seine rechte Hand und schmerzhafte Erinnerungen kamen wieder hoch. Meister Dionysus schien dies zu bemerken und in seinem Gesicht zeichnete sich plötzlich so etwas wie Entsetzen oder gar Unverständnis ab. Nichtsdestotrotz hatte er jedoch etwas zu Ende zu führen und wandte sich wieder dem magischen Buch zu. Er ergriff die Feder, zuckte aber nicht einmal als sich die Spitze in seine Hand bohrte und schrieb diesmal eigenhändig in das Buch: „Hiermit bestätige ich, dass mein Handeln einzig im Sinne meines Handwerks geschah, 30. August anno 1996 … Antonius Marcus Dionysus, Großmeister"

Kurz darauf verschwand die Tinte, oder besser das Blut des alten Meisters so wie Harry es bei Tom Riddles Tagebuch schon einmal gesehen hatte und dann schwebt das Buch zu Adam. Dieser ergriff die Blutfeder und schrieb nun selbst auf die wieder leere Seite: „Name: Adam Fletscher Zauberstabmacher des zweiten Grades, Meisterschüler und Adept von Meister Dionysus. Hiermit bestätige ich die Richtigkeit aller vorherigen Angabe mit meinem Blute, 1996."

Kaum war auch Adams Blut von der Buchseite aufgesogen, da verschwanden auch schon die Gitter vor den Fenstern und der Tür. Sie waren wieder frei und nun konnte Harry seine Fragen stellen. Fragen auf die er Antworten wollte. Jedoch vergingen noch einige Moment, denn Meister Dionysus meinte, dass der Tee schon warten würde und man vielleicht besser wieder in sein Atelier ging.

Dort angekommen schoss es auch schon aus Harry hervor und er fragte: „Warum? Warum der Todesfluch? Hätte man nicht …"

„Nein Mister Potter, hätte man nicht", fiel ihm Meister Dionysus sofort ins Wort. „Doch um dies zu verstehen, müssen wie erst einmal verstehen, wie der Todesfluch wirkt."

„Wie er wirkt, Sir? Ganz einfach, man wird getroffen und ist tot. Etwas, dass ich für meinen Geschmack schon einmal zu oft gesehen habe." Unwillkürlich wurde Harry an die Nacht auf dem Friedhof erinnert. Die Nacht, in der Cedric starb und das nur, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Oder aber Harry kam der Traum wieder in den Sinn, als der alte Frank Bryce sterben musste, durch die Hand Voldemorts.

„Dies tut mir leid, Mister Potter, und ich entschuldige mich hiermit dafür, dass ich für einen Augenblick vergessen habe, wer Sie sind und auch Ihre Geschichte. Denn sonst hätte ich Sie gewarnt. Doch sei es wie es sei, der Todesfluch war das einzige Mittel, um beste Ergebnisse zu erreichen. Und in diesem speziellen Fall, sollten Sie die Sache mal so betrachten, Mister Potter. Der Fluch ist zur schmerzlosen Tötung eines Tieres das Beste. Es wird nicht gequält und was für uns am wichtigsten ist, ist dass seine ihm eigentümlichen Eigenschaften erhalten bleiben."

„Erhalten?", fragte Harry verwirrt.

„Ja Mister Potter …"

„Harry ... nennen Sie mich bitte Harry."

„Okay, dann eben Harry. Also wie eben versucht zu sagen, bleiben durch die Verwendung des Todesfluches alle körperlichen und magischen Eigenheiten des getöteten Objektes erhalten. Etwas, dass bei anderen Methoden nicht der Fall ist. Egal was sie tun, es gibt immer Abstriche. Sei es der sofortige Zerfall von Schuppen, ausgelöst durch die Todesangst. Oder aber die Magie der Schlangenhaut wird verunreinigt durch die benutzen Geräte bei der Tötung. Harry ich könnte noch so viel mehr Beispiele aufzählen. Aber ich denke du hast verstanden. Der Todesfluch tötet indem er Körper und Seele sofort trennt, der fleischliche Teil sofort stirbt und der spirituelle seine Reise in ein neues, größeres Abenteuer beginnt."

Harry schaute Meister Dionysus mit großen Augen an. Irgendwie machte es alles einen Sinn. Allerdings wunderte er sich über den letzten Satz des alten Mannes. Er klang genau wie Dumbledore und manchmal fragte sich Harry, ob dies mit dem Alter kam, die Dinge aus dieser Sicht zu betrachten und keine Angst vorm Sterben zu haben.

Adam hatte sich von diesem Gespräch der beiden allerdings nicht ablenken lassen und seine Aufmerksamkeit galt wieder voll seiner Arbeit. Konzentriert war der junge Stabmacher dabei die Schlange fachgerecht zu sezieren und mit Bedacht die Haut zu entfernen. Beobachtet wurde er dabei jetzt nicht nur von Harry und Meister Dionysus, sondern auch von Meister Gordon, der zurückgekehrt war und sich neben dem Großmeister niedergelassen hatte.

Harry schaute zu ihm hinüber und bemerkte den Stolz und die Anerkennung, die er Adams Arbeit schenkte. Unmerklich nickte er nach jedem Arbeitsschritt, so als wolle er sagen „Nicht schlecht". Doch es schien auch eine Menge Neugier in seinen Augen zu funkeln und so erklärte Dionysus in kurzen Worten, warum Adam so verfuhr.

Harry ließ die alten Meister weiter fachsimpeln und beobachtete Adam, der nun die Schlangenhaut vor sich fein säuberlich liegen hatte. Daneben zwei Fotos von denen Harry nicht einmal mitbekommen hatte, dass sie geschossen worden waren und welche die Schlange in ihrem Urzustand zeigten. Doch wie schon gesagt, jetzt lag nur noch die Schlangenhaut vor Adam auf dem Arbeitsbrett und daneben jeweils ein zugeschnittenes Stück Holz. Harry erkannte die Pappel und die Stechpalme, die ja mit der Schlangenhaut vereint werden sollten. Doch wie, das stand für Harry noch in den Sternen und dementsprechend groß war seine Neugier.

Adam bekam von dem allen nichts mit. Er war voll in seinem Element und es schien ihm sichtlich Freude zu machen. Harry glaubte, nein war sich sicher, nicht einmal Meister Dionysus könnte seinen Adept in diesem Moment unterbrechen, geschweige denn dass dieser es tun würde. Voll konzentriert zog Adam jetzt ein Paar alter, schwarzer Drachenlederhandschuhe an und legte die drei Kernkomponenten in eine gelblich schimmernde Flüssigkeit, von der Harry nur erahnen konnte, aus was sie bestand. Unwillkürlich hielt sich Harry die Nase zu als Adam den Glasdeckel der rechteckigen Schale anhob, um noch etwas mehr Flüssigkeit hinzu zu tun.

Meister Dionysus musste schmunzeln als er Harrys Gesicht sah und fragte: „Was ist denn los Harry? Magst du den Geruch von Drachenurin nicht?"

Harry schüttelte den Kopf: „Ähm nein, nicht wirklich Meister Dionysus. Aber wozu ist das nötig?"

„Er macht die Schlangenhaut härter und das Holz gleichzeitig weicher, damit ich es verdrehen kann", hört man nun Adam erklären, ohne dass er von seiner Arbeit aufsah. „Doch es ist nicht der Urin, sondern der besondere Harnstoff eines Drachen, Harry, der das bewirkt. Er macht die Drachenschuppen und die Drachenhaut auch so unempfindlich gegen Flüche und Zauber. Merk dir einfach die Regel falls du es mal mit einem Drachen zu tun bekommst, je schlimmer ein Drache stinkt, desto älter und mächtiger ist er. Drachenforscher habe dies erst vor kurzem herausgefunden. Es erklärt dann endlich auch, warum Drachen in ihren Höhle so etwas wie eine Toilette haben, in die sie aber nur pinkeln und nicht … na du weißt schon."

„Sie sammeln ihren Urin?", fragte Harry entgeistert und ihm wurde schon bei dem Gedanken daran, wie es dort stinken musste schlecht.

„Scheint so Harry, doch das ist noch nicht alles. Sie wälzen sich auch von Zeit zu Zeit darin. Daher ja auch die eben erwähnte Regel."

Ein akustisches Signal zeigte Adam an, dass er mit seinen Ausführungen warten musste, da das Holz und die Schlangenhaut bereit waren, weiter verarbeitet zu werden. Er fischte sie mit einer Zange aus dem Drachenurin und reinigte sie kurz mit einem Tuch. Dann legte er die drei Bestandteile vor sich, rechts die Pappel, links die Stechpalme und dazwischen die Schlangenhaut. Nachdenklich kratzte sich Adam am Kopf und schenkte Harry einen kalkulierenden Bick.

„Ähm Harry, was hältst du von Smaragden?", fragte er kurz. „Meinst du, ich sollte einen solchen als Fokus für deinen Stab nehmen?"

„Macht das denn einen Unterschied?", fragte Harry zurück und Adam lachte. „Nein, nur auf der Rechnung ans Ministerium."

Natürlich war das als Scherz gemeint. Denn es war egal welchen Edelstein man verwendete. Reichere Zauberer hatten gern einen Diamanten oder Rubin als Stabspitze. Doch im Grunde war es egal und so zuckte Harry mit den Schultern. Er ließ Adam einfach freie Wahl und hoffte auf das Beste.

Adam auf der anderen Seite hatte gehofft, dass Harry sich so entschied, denn er wusste ja um die Beschaffenheit von Edelsteinen und ihrer Eigenheiten bei der Verarbeitung. Allerdings entschied sich der Meisterschüler dabei nicht dafür den leichten Weg zu gehen und das rechneten ihm die beiden Meister später mit Sicherheit an. Natürlich hätte Adam einen Saphir oder Rubin nehmen können, da die leichter zu verarbeiten waren. Adam nahm aber den Smaragd um dem Anspruch seiner selbst zu wahren und machte sich an Werk den geschliffenen etwas erbsengroßen Stein mittels eines komplizierten Zaubers mit den drei Enden der drei ungefähr sechzig Zentimeter langen Holzkernen zu verschmelzen, damit er sich nie wieder lösen würde.

Harry beobachtete das Ganze mit Spannung und konnte schon förmlich die Magie spüren, die später mal von seinem neuen Stab ausgehen würde. Allerdings sah das Gebilde noch lange nicht wie ein Zauberstab aus, eher wie ein gespaltener Ast. Und wenn der Gryffindor die Länge des Holzes bedachte, könnte er den Stab wohl später auch als Spazierstock verwenden.

„So Harry, jetzt kommt der lustige Teil", sagte Adam mit leichten Sarkasmus. Er holte aus einem Schrank eine Art kleine Drechselbank, in die er das Holz einspannte. Zuerst die Smaragdseite am feststehenden Teil und dann die drei Hölzerenden parallel am Gegenstück. Harry konnte die Anspannung bei Adam spüren und auch Erregung, als er begann den Teil, wo das Holz eingeklemmt war, zu verdrehen.

„Uih uih uih, da muss eindeutig noch etwas Morgenurin ran", sagte der junge Stabmacher lapidar dahin als würde er ein Süppchen kochen und es fehlte noch etwas Salz. Ohne zu zögern griff Adam mit seinen Handschuhen in die Schale. Harry hielt sich sofort die Nase zu und drehte kurz den Kopf weg. Doch das schien Adam nicht zu kümmern. Er nahm eine Hand voll dieser ekelhaft stinkenden Brühe und rieb sie über das Holz. Dann wartete er und drehte vorsichtig weiter an der Kurbel, das Ohr immer auf das Holz gerichtet für den Fall dass es doch noch zu spröde war und weiter eingeweicht werden musste. Schließlich hatte er die erste volle Umdrehung geschaffte und dann die nächste. Insgesamt zählte Harry vierzehn volle Umdrehungen und mit Jeder stieg die Spannung – nicht nur im Holz.

Eine halbe Stunde später war es dann geschafft und das Holz und die Schlangenhaut wie bei einem Seil miteinander verdreht. Adam fiel ein Stein vom Herzen und er ließ die Schale mit dem Drachenurin verschwinden. Eine Tat für die ihm Harry sehr dankbar war und wahrscheinlich nicht nur er, sondern auch die beiden Meister. Ihr Tee war inzwischen kalt geworden, ohne dass sie auch nur einen Schluck getrunken hatten. Für Harry war dies nicht weiter verwunderlich.

„So Harry den schwersten Teil haben wir geschafft. Jetzt kommt zwar noch einmal ein heikler Moment, aber ich bin zuversichtlich." Mit diesen Worten zog Adam seine Handschuhe aus, richtete seinen eigenen Zauberstab auf den Rohling und flüsterte leise Worte.

Harry erkannte, dass der junge Mann mit Bedacht zauberte. Alles was er jedoch verstand, war das Wort „evernesca". Adam ließ also etwas verschwinden und wenn man beobachtete, dass das Holz immer heller und trockner zu werden schien, machte sich Erleichterung bei Harry breit. Offenbar kümmerte sich Adam um die Drachenpisse und ließ sie verschwinden. Ein wirklich beruhigender Gedanke.

„So Harry, jetzt ist er wieder sauber und du könntest ihn auch als Essstäbchen benutzen. Drück aber die Daumen, dass alles so klappt, wie ich es hoffe, wenn ich jetzt die Klemme löse und dass das Holz so bleibt, wie es ist."

Harry tat wie ihm geheißen und drückte beide Daumen. Schließlich sollte es sein Zauberstab werden. Ein letzter Blick des Stabmachers zu beiden Meistern und dann löste er die Klemme, die alle drei Enden gehalten hatte.

„Jaaa", entfuhr es Adam und er atmete durch, in seinen Händen den Rohling bestehend aus zwei verschieden Hölzern, einer Schlangenhaut und an der Spitze der leuchtende Smaragd. Er betrachtete sein Werk mit Wohlwollen und reichte ihn plötzlich Harry. „Hier probier mal", sagte er und Harry nahm den Stab zögern.

„Was soll ich tun?"

„Zaubern wäre 'ne Möglichkeit. Hab ihn schließlich dafür gemacht", grinste Adam und Harry hätte ihm am liebste für diesen Spruch ein Fluch geschenkt. Vorerst sollte es aber erst einmal ein Lumoszauber sein und als Harry ihn ausführte, prüfte Adam sofort ob der Stab nicht heiß wurde. Doch an dem war es nicht und so konnte der nächste Schritt folgen.

Adam ging zur Kommunikationskugel und sprach wieder mit dem Mann namens Peter. Dieser kam dann auch wenige Minuten später, in seinen Händen eine Art Tiegel mit einer schwarzen Masse. „Hier kleiner, du hast zehn Minuten", sagte er und stellte den Tiegel auf die Arbeitsfläche.

„Danke Peter, hast was gut bei mir", erwiderte Adam und holte nun eine Art gläserne Röhre mit einem Durchmesser von ungefähr drei Zentimetern. In diese unten verschlossene gläserne Form füllte er zuerst etwas von der schwarzen, zähen Masse und steckte dann den Zauberstabrohling, mit dem Smaragd voran, in die Röhre bis der Edelstein vollständig im Schwarz verschwunden war. Danach zentrierte er das Holz und goss den Rest der Masse hinein, bis Harrys Zauberstab vollständig bedeckt war.

Harry ahnte nun wie der Mantel seines Stabes beschaffen sein würde und Adam sollte mit seiner Aussage von vorhin recht behalten. Harrys Stab würde modern und außergewöhnlich sein. Der Geruch der ihm dabei in die Nase stieg war unverkennbar, wenn man schon mal eine Plasteschüssel hatte zu heiß werden lassen. Und doch war er für die magische Welt, die Harry kannte, wohl so neu wie ein Fernsehgerät. Denn schließlich gab es im Reich der Magie nur selten Dinge aus Kunststoff oder Polyvinylchlorid.

Die Minuten verstrichen und immer wieder maß Adam mittels Zauber die Temperatur. Er wollte schließlich sein Werk nicht vorzeitig zerstören, weil das Material vielleicht noch zu weich war. Schließlich musste der junge Stabmacher ihm noch den letzten Schliff verpassen.

Im Gegensatz zur Temperatur des Kunststoffes, die immer weiter sank, stieg bei Harry die Aufregung und Vorfreude. Zehn Minutenspäter war es dann soweit und Adam holte einen Hammer aus der Schublade. Mit einem gezielten Schlag zerbrach er das Glas und übrig blieb ein schwarzer, etwas klobiger Plastestab, welchen Adam nun erneut mit Präzision in die Drehbank einspannte.

„Okay Harry wie willst du ihn haben? Kurz und dick als Frauenglück? Oder vorn etwas dünner, dann gleichmäßig und am Ende des Schafts eine kleine Wulst die den Griff abtrennt? Ein paar Rillen wären auch nicht schlecht, damit er gut in der Hand liegt?"

Harry wusste gar nicht, auf welche Frage er zuerst antworten sollte, zumal er schon bei der ersten wieder an einen Fluch dachte, den er Adam aufhalsen konnte. Andererseits schien Adam, jetzt mit einem breiten Grinsen im Gesicht, eh seine eigenen Vorstellungen zu haben und so flogen Sekunden später auch schon die ersten schwarzen Fäden durch die Luft. Millimetergenau von Schabeeisen abgehoben landete sogar eine der kleinen Plastespiralen auf Harrys Nase. Kurz darauf nahm der Zauberstab dann seine endgültige Form an und nur ab und zu musste er ihn nochmal in die Hand nehmen, um zu prüfen ob die Balance stimmt.

Die beiden Meister waren mehr als nur zufrieden mit ihrem Schüler und seiner Arbeit und Harry glaubte sogar von Meister Gordon gehört zu haben, dass er selbst es so niemals versucht hätte. Stolz schwang in der Stimme mit und Anerkennung allein schon über die Idee und deren Umsetzung.

Die Minuten verstrichen und Adam näherte sich seinem Ziel. Er bemerkte nicht einmal, dass Harry den Raum verlassen hatte um seine vor Aufregung zu platzen drohende Blase zu beruhigen. Doch das konnte ihm im Nachhinein nur recht sein, denn so würde die kleine Überraschung, die er für Harry noch parat hatte umso größer werden.

„Hier Harry, er ist fertig und wenn der Vibrexzauber erloschen ist, dann kannst du deinen neuen Zauberstab offiziell in Empfang nehmen."

Adam lächelte glücklich über sein Werk, bemerkte jedoch Harrys rotes Gesicht und fragte, was sein junger Freund habe. Harry zuckte aus seinen Gedanken hoch und winkte nur ab. Er konnte dem Zauberstabmacher ja unmöglich sagen, woran er gerade erinnert wurde, als dieser den Polierzauber erwähnt hatte. Daher straffte sich Harry erst einmal, holte seine Gedanken aus der Gosse und nahm den Zauberstab entgegen.

„Danke Adam, es ist nichts. Und er ist wunderschön und ich werde ihn immer in Ehr…" Harrys Worte blieben ihm fast im Hals stecken, als er den schwarzen und nun edel glänzenden Zauberstab in seinen Händen drehte und auf eine bestimmte Stelle am Schaft starrte.

Sein Gegenüber folgte dem Blick des Jungen, lachte nun kurz und sagte: „Gefällt es dir nicht? Ich dachte mir, es ist dein Zauberstab und niemand sollte je behaupten können es sei nicht so. Sieh es als kleines Extra und als Statement, dass du in jeden Zauber legst."

„Wow", flüsterte Harry und ließ seinen Finger über den Schaft gleiten bis hin zu der Stelle wo Adam in seiner Abwesenheit noch eine Veränderung vorgenommen hatte, von welcher Harry nichts mitbekommen hatte. Denn jetzt war es nicht einfach nur Harrys neuer Zauberstab, der extra für ihn angefertigt wurde. Sondern jeder der ihn betrachtete konnte dies auch sehen, stand doch kurz vorm Griff in dicken, goldenen Lettern … Harry Potter.

„Ja wow Harry, das sind die Worte die runter gehen wie Öl. Wie gefällt dir dein Name? Ich hoffe die breiten Blitze in den Senkrechten stören dich nicht. Ich dachte mir, es ist doch dein Markenzeichen. Dafür bist du bekannt. Ein Statement wenn du willst. Also ich würde es mir schützen lassen. Wer weiß ob dein Leben nicht mal verfilmt und du ein Markenzeichen wirst."

Harry konnte darauf nichts erwidern und drehte vorsichtig den Zauberstab. Er ließ ihn über die Hand rollen und eine Träne bildete sich in seinem Auge. „Danke", sagte Harry leise und versuchte den ersten Zauber, einen Schwebezauber. Es klappte und es fühlte sich soooo gut an. Harry hatte endlich wieder einen Zauberstab, seinen eigenen und kam sich wieder komplett vor. Was folgte war das Klatschen der beiden Meister und die Glückwünsche an Adam, der ohne Zweifel seine Prüfung bestanden hatte.

Kurz darauf hieß es für Harry Abschied zu nehmen und sich immer wieder bedankend, nicht nur für den Stab, sondern auch für die Einblicke, folgte er schließlich Adam zu Ausgang der Werkstatt. Unterwegs fragte er noch, ob er Adam jetzt schon Meister nennen durfte. Aber dieser verneinte, mit der Erklärung, dass Meister Dionysus diesen Titel um einiges feierlicher verleihen würde und dass Adam sein Handeln und Tun noch einmal schriftlich erklären und verteidigen musste. Etwas, dass jedoch nicht so schwer sein würde.

„Buh!"

Jacob!"

Hermine schreckte hoch und hielt sich das Buch, in dem sie gerade an einem der Markstände stöberte, ganz dicht an ihre Brust. „Du kannst mich doch nicht so erschrecken. Was ist, wenn ich dich aus Reflex verflucht hätte?"

Jacob Black grinste nur und hielt seinen neusten Schatz hoch, damit ihn Hermine ganz genau betrachten konnte. „Dann hätte ich den hier, um mich zu wehren, meine liebe Hermine. Kuck mal vierzehn Zoll, Drachenherzfaser und kanadischer Ahorn." Voller Stolz präsentierte Hermines Freund seinen Zauberstab und jeder im Umkreis von drei Metern musste Angst haben, dass die angeschwollene Brust des Indianerjungen jeden Moment zersprang.

Doch Hermine wäre nicht Hermine, wenn damit nicht umzugehen wüsste. Sie nahm, oder versuchte es zumindest, ihrem Freund sofort den Wind aus den Segeln und sagte: „Einen langen Stab zu besitzen, lieber Jacob, ist die eine Sache. Damit richtig umzugehen und ihn gezielt einzusetzen eine ganz andere."

Noch im Sprechen bereute Hermine ihre Worte, sah sie doch wie Jacob die Augenbrauen schelmisch zucken ließ und anzüglich grinste: „Wollen wir es testen, Schatz? Hier vor all den Leuten? Ich dachte wir gehen es langsam an und du seiest nicht ganz so exhibitionistisch."

Hermine verschluckte sich, zumal der Satz wirklich unpassender nicht hätte kommen können. Schließlich waren sie hier nicht allein, sondern in Begleitung von Esme und Carlisle. Außerdem standen hinter Jacob auch noch Alice und Rosalie, die es sich auch zur Aufgabe gemacht hatte, sie immer wieder mal mit dem Thema Sex aufzuziehen. Fehlte nur noch Emmett in der Runde, um seinen Kommentar loszuwerden. Doch da schaute Hermine auch schon alarmiert, denn eben der größte Spaßvogel in ihrer Gruppe fehlte, genau wie Harry. Hermine blickte sich um und drehte sich erst zurück, als sie die kühle Hand von Alice auf ihrer Schulter spürte. Sie lächelte und sagte: „Es ist alles in Ordnung, Hermine. Harrys Zauberstab herzustellen braucht wohl doch etwas länger und Emmett hat sich bereiterklärt und wartet auf ihn bei SMU."

„Ja der Glückspilz", sagte nun Jacob und seine Stimme trifte vor Sarkasmus. „Ganz zu schweigen davon, dass er sich von Toni wohl gerade alles erzählen lässt, was es zu Quidditch zu sagen gibt. Und was mache ich? Ich werde dazu verdonnert, mit Scary Barbie und Modemausi sämtliche Boutiquen abzuklappern."

„Schweig Bello. Hundeplatz. Du hast ja auch ein schönes modisches Flohhalsband bekommen", lachte nun Alice und Hermine fragte sich, ob es gleich einen Ausbruch seitens ihres Liebsten gab. Doch der musste warten. Denn während Carlisle einschritt um Rosalie und Alice etwas zu maßregeln, dass sie Jacob nicht immer provozierten, da wurde Hermine plötzlich von etwas, nein jemandem getroffen und fast mitgerissen. Ein jeder schaute sich um, vermutete einen Angreifer oder so. Doch es sollte sich herausstellen, dass der Störenfried kein Fremder war, sondern der noch fehlende Vampir. Emmett versuchte sich regelrecht hinter Hermine zu verstecken, besonders als die vor Wut bebende Stimme seines Verfolgers die Stille des Marktes durchschnitt: „Emmett Cullen, du bist ein toter Mann!"