A/N: Disclaimer:
'Ninjago - Masters of Spinjitzu' is owned by The LEGO Group - not by me.
Alle Rechte an der Serie 'Ninjago - Meister des Spinjitzu' gehören der LEGO Group.
Auch in diesem Kapitel könnte es für jüngere Kinder zu heftig zugehen – aber wie zuvor nicht schlimmer als in Folge 59 der Serie.
Zoodirektor: Danke für die Reviews. :-) Ganz recht, Riesenspinnen / -insekten gibt es nur in Geschichten. Und ja, Du bist da auf der richtigen Spur, was die Aufgaben der Ninja betrifft. ;-)
Entschlossen trat Jay der angreifenden Tigerwitwe in den Weg und schoss Blitze auf sie ab.
"Nimm das, du Monster!"
Unglücklicherweise hielt das die Riesenspinne nur kurzzeitig auf. Kaum hatte sie sich von dem Elektroschock erholt, setzte sie ihren Angriff mit doppelter Heftigkeit fort. Jay wehrte sich mit aller Kraft, die er aufbringen konnte. Er schwang sein Nunchaku über dem Kopf und ließ es mit aller Wucht auf eines der widerlich borstigen Beine herabsausen. Doch der Tigerwitwe schien dies überhaupt nichts anzuhaben. Es machte sie nur noch wütender.
Erneut schoss der blaue Ninja Blitze auf seine Gegnerin ab, um ein paar Sekunden Zeit zu gewinnen, dann wirbelte er mit Spinjitzu zurück in die Zimmerecke, in der das Kästchen im Spinnennetz hing. Mit einem kurzen Airjitzu-Sprung schwang er sich hinauf - und blieb zu seinem maßlosen Entsetzen selbst an den klebrigen Spinnweben hängen! In Panik zappelte er hin und her, um sich zu befreien, doch die fingerdicken Fäden aus Spinnenseide wickelten sich nur noch fester um seine Gliedmaßen.
Schon sah er die Tigerwitwe auf sich zueilen - höhnisch lachend, wie er meinte. Voller Entsetzen bemerkte er, wie das Gift bereits an den beiden ausgeklappten Fangzähnen herunterlief! Mit dem Mut der Verzweiflung packte er den Griff seines Nunchaku und zielte genau auf den Kopf des abscheulichen Ungeheuers. Doch da seine Arme von den Klebefäden festgehalten wurden, konnte er keinen Schwung holen und erreichte nichts weiter, als dass seine Waffe auf seinen eigenen Schädel niedersauste.
"Au!", schrie er auf und ließ vor Schreck den Griff los. Mit einem lauten Scheppern fiel das Nunchaku zu Boden, direkt vor die Füße der Tigerwitwe. Diese kickte es mit einer lässigen Fußbewegung nach hinten weg und wandte sich dann wieder ihrem Opfer zu. Jay schoss einen Blitz ab, doch da er seine Arme mittlerweile gar nicht mehr bewegen konnte, vermochte er den Blitz nicht zu lenken, so dass er ein ganzes Stück an seiner Gegnerin vorbeischoss. Die Riesenspinne machte triumphierend einen Schritt auf den hilflos im Netz zappelnden Jay zu.
Der blaue Ninja schloss die Augen, um die entsetzlich scharfen, von grünem, schleimigem Gift triefenden Chelizeren nicht mehr sehen zu müssen. Sein Herz klopfte bis zum Halse und vor seinem inneren Auge sah er sein bisheriges Leben wie einen Film im Zeitraffer rückwärts vor sich ablaufen. Er sah auch die Ereignisse aus der gelöschten Zeitlinie - Nya, vom Gift geschwächt, in seinen Armen ... gleich würde er selbst spüren, wie Tigerwitwengift im Körper eines Menschen wirkte. Gleich wäre alles vorbei - und er hatte keine Gelegenheit, vorher noch mal mit den Anderen zu sprechen.
'Vergib mir, dass ich versagt habe, Cole. Es tut mir leid, dass ich deinen Humorschalter kaputtgemacht habe, Zane. Leb wohl, Nya, und sei mir bitte nicht mehr böse', dachte er bei sich in Erwartung des Tigerwitwenbisses.
Doch der blieb aus. Stattdessen bebte plötzlich das Netz, in dem er hing, und eine vertraute Stimme rief: "Wirst du wohl meinen Freund in Ruhe lassen, du Bestie!"
Ungläubig öffnete Jay die Augen. Der Anblick, der sich ihm bot, ließ sein Herz vor Freude hüpfen! Die Tigerwitwe hatte ihm den Hinterleib zugekehrt, so dass er genau auf ihren rosa Stachel blickte, und wehrte sich mit all ihrer Kraft gegen einen Angreifer, der in einem braunen Spinjitzu-Wirbel mit geistergrüner Aura um sie herumkreiste. Ihr Kopf schnellte nach vorn und ihre Mundwerkzeuge bohrten sich in den Wirbel aus Braun und Grün.
Voller Entsetzen schrie Jay auf: "Pass auf, Cole! Tödliches Gift!"
Doch der Geisterninja lachte nur, denn die Chelizeren fuhren durch ihn hindurch wie durch Nebel oder Rauch, und auch das Gift tropfte harmlos zu Boden.
"Mir kann das Zeug nichts anhaben", grinste der Meister der Erde hinter seiner Ninjamaske, als er endlich stehenblieb.
Die Tigerwitwe packte mit ihren Pedipalpen zu, doch auch diese fuhren natürlich durch den Geist hindurch.
"Meine Güte, Blitzi! In was für eine missliche Lage hast du dich da wieder gebracht!"
"Ich hatte alles unter Kontrolle, bis du aufgetaucht bist, um meine Lorbeeren einzuheimsen", erwiderte Jay scheinbar verärgert. In Wirklichkeit jedoch wäre er seinem Freund und Bruder am liebsten um den Hals gefallen, um ihn fest an sich zu drücken.
"Na klar", grinste Cole. "Das habe ich nie bezweifelt. Warte, ich kümmere mich gleich um dich. Ich will nur vorher diese lästige Beißerei abstellen, die fängt nämlich an zu nerven."
Tatsächlich hatte die Tigerwitwe in der Zwischenzeit immer wieder sowohl ihre Chelizeren als auch ihre Pedipalpen auf den schwarzen Ninja niedersausen lassen - mit dem immer gleichen Ergebnis!
Nun schwebte Cole nach oben, und als er sich auf Höhe des Spinnenkopfes befand, fuhr er mit einer schnellen Bewegung gänzlich in ihn hinein! Jay hielt den Atem an. Gewiss hatten er und die anderen Ninja in den vergangenen Monaten einige Male erlebt, wie Cole von etwas Besitz ergriff, aber wie er nun in ein Lebewesen hineinfuhr, noch dazu eine Tigerwitwe, war wirklich kein alltäglicher Anblick.
Um die Riesenspinne leuchtete es grün auf, dann veränderten ihre acht unterschiedlich großen Augen allmählich ihre Farbe von schwarz zu grün. Cole kontrollierte nun den gigantischen Spinnenkörper und ließ ihn ins entgegengesetzte Ende des Raumes marschieren.
Kurze Zeit darauf schwebte der Geist alleine und mit zurückgeschobener Ninjahaube wieder in Jays Gesichtsfeld und grinste: "Hab' das Riesenbaby schlafen gelegt."
Dann holte er seine Sense vom Rücken und schnitt seinen Bruder in Blau vorsichtig aus dem Spinnennetz los. Dieser schob ebenfalls seine Ninjahaube zurück, sobald er wieder auf dem Boden stand.
"Hier, ich glaube, das gehört dir", sagte der schwarze Ninja und reichte Jay dessen Nunchaku, das er zuvor vom Boden aufgelesen hatte. "Ach, und pass auf, wo du hintrittst. Das Biest hat sein Gift überall hingespritzt."
Der Meister des Blitzes erstarrte auf der Stelle und war in den nächsten Augenblicken sehr damit beschäftigt, den Boden eingehend auf Giftlachen zu untersuchen. Sobald er sicher war, wo er gefahrlos hintreten konnte, machte er die notwendigen Bewegungen und schwebte einen Moment später in einer Airjitzu-Blase aus der Gefahrenzone.
Kurz darauf landete Cole neben ihm. Jay fiel auf, dass eines seiner Kniebänder fehlte.
"So, das wäre geschafft!", sagte der Erdninja. "Ist das wohl das Kästchen, das du holen solltest?"
Damit hielt er seinem Bruder die kleine braune Holzschachtel unter die Nase.
"Sag bloß, du hast es aus dem Netz geschnitten?!", rief Jay entsetzt aus.
"Hey, ganz ruhig! Du musst dich nicht gleich so überschwänglich bedanken", entgegnete Cole leicht verärgert.
"Ach, du verstehst das nicht, Erdklumpen!", fuhr der blaue Ninja aufgeregt fort. "Das war mein Auftrag! Was, wenn das jetzt als Fehler zählt, dass ich es nicht eigenhändig aus den Spinnweben geholt habe?!"
Coles geistergrünes Gesicht nahm einen blasseren Farbton an. Er schluckte. Schnell drückte er seinem Freund das Kästchen in die Hand.
"Du wirst es eigenhändig zur Kreisfläche zurückbringen. Dann hast du deinen Auftrag ausgeführt. Sensei Wu und Misako sagten doch, wir sollten zusammenhalten. Ich ... ich glaube nicht, dass es so wichtig ist, wer genau das Ding aus dem Spinnennetz geholt hat."
"Wollen wir's mal hoffen", antwortete Jay voller Zweifel.
Dann wechselte er das Thema: "Sag mal, wie bist du eigentlich so plötzlich hier aufgetaucht?"
Jetzt grinste der Erdninja wieder. "Ich bin ein Geist. Ich kann durch Wände und Decken schweben."
Der blaue Ninja verdrehte die Augen. "Sehr witzig, Erdklumpen! Ich meine, woher wusstest du, dass ... dass ich ... na ja, Hilfe brauchte?"
"Machst du Witze, Blitzi? Du hast so laut geschrien, dass es vermutlich bis nach Ninjago City zu hören gewesen war!"
"Echt jetzt?", fragte Jay unangenehm berührt.
"Wenn ich es dir doch sage! Ich dachte schon, du würdest lebendig gegrillt oder so was. Na ja, war ja so ähnlich", antwortete Cole grinsend.
"Aber ... aber wie warst du so schnell hier? Du standest doch im Norden der Kreisfläche und ich bin ein ganzes Stück nach Osten gelaufen ..."
Der Geisterninja zuckte die Schultern. "Und ich bin ein ganzes Stück nach Norden gelaufen, bis zu dieser ... Grube, aus der ich den Mörser holen sollte. Dann habe ich dich schreien hören. Als ich aufschaute, stand da plötzlich dieses Schloss und ich bin deiner Stimme auf den Dachboden gefolgt."
"Kapiere, wer will! Dieses Feld hier hat einige seltsame Eigenschaften! Vor allem, was seine Geografie betrifft!"
"Genau. Entfernungen scheinen sich beliebig zu verändern. Von daher ist es besser, wenn du dich gleich mit dem Kästchen auf den Weg zu Sensei Yin machst. Nicht, dass du noch zu spät kommst, weil die Entfernung größer geworden ist oder so. Ich sorge inzwischen dafür, dass diese Monsterspinne uns nicht weiter belästigt."
Zu Coles Erstaunen blieb Jay betreten stehen.
"Was ... was genau hast du mit ihr vor, Cole?"
"Kommt drauf an, wie sie sich benimmt ... wieso?"
"Weil ... äh, weil ...", der blaue Ninja war nur selten um Worte verlegen. "Zane hat gesagt, dass es nur noch dieses eine Exemplar einer Tigerwitwe gibt. Und es wäre doch schade, wenn du sie ... du weißt schon."
Fassungslos starrte der Erdninja seinen besten Freund an. "Jay, das Vieh hätte dich fast zum Frühstück verspeist und du machst dir Gedanken um Artenschutz? Und wieso 'Tigerwitwe'? Sag, hast du vielleicht schon etwas Gift abbekommen und phantasierst jetzt?"
Besorgt fasste der Geist nach der Stirn seines Bruders. Dieser wich ihm unmutig aus. Siedendheiß fiel ihm ein, dass Cole sich an die Geschehnisse auf der Tigerwitweninsel nicht erinnerte, da sie in der gelöschten Zeitlinie stattgefunden hatten!
Zu dumm, jetzt hatte er sich verplappert! Nya wäre das nicht passiert. Und wie sollte er Cole jetzt zu dem bewegen, was er eigentlich wirklich wollte?
"Äh, Zane hat mir von dieser Spinnenart, dieser Tigerwitwe, erzählt, okay? Und ..."
Plötzlich hatte er einen Einfall. "Und Sensei und Misako erzählen uns doch immer, dass selbst das schlimmste Gift für irgendetwas gut ist ... als Heilmittel oder so. Na ja, und da dachte ich, also ... es wär' vielleicht ganz gut, wenn wir eine Probe davon mit auf die Bounty nehmen. Für alle Fälle."
Cole blickte seinen besten Freund entgeistert an. "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?"
"Stell dir mal vor, einer von uns erkrankt plötzlich an einer seltenen Krankheit und dieses Tigerwitwengift ist das Einzige, was ihn wieder gesund machen kann. Da wäre es doch praktisch, wenn wir etwas davon in unserer Hausapotheke hätten und nicht erst ... sonst wohin reisen müssten, um es zu besorgen."
"Ich weiß nicht, Jay. Das erscheint mir doch alles ein bisschen absurd."
"Komm schon, Cole. Du könntest im Handumdrehen eine Feldflasche mit dem Gift füllen, ohne dass es dich in Gefahr brächte oder dir auch nur sonderlich Mühe machen würde. Glaub mir einfach, dass es unheimlich nützlich für uns sein könnte, okay?"
Der Erdninja kniff die Augen zusammen und musterte Jay kritisch. "Du sagtest, das Gift sei tödlich. Bist du sicher, dass du nicht vorhast, dein Nunchaku damit zu bestreichen oder es deinen Feinden unters Essen zu mischen?"
"Waaas?!" Der blaue Ninja machte ein entsetztes Gesicht. "Niemals! Wo denkst du hin, Cole! Ich will es nur als ... Heilmittel!"
Der Geist seufzte. "Na schön, Blitzi. Ich fülle eine Feldflasche mit dem Zeug, wenn es dich glücklich macht. Obwohl ich bezweifle, dass wir es jemals brauchen werden."
'Hoffentlich brauchen wir es nie!', dachte Jay bei sich. 'Aber falls doch noch jemand die Teekanne von Tyrahn findet ... mir ist jedenfalls wohler, wenn ich dem Dschinn nicht mit leeren Händen entgegentreten müsste.'
Gemeinsam begaben sie sich zu der gigantischen Tigerwitwe, die noch immer auf Coles Geheiß hin friedlich in einer Ecke schlummerte. Die Giftzähne hatte sie wieder eingeklappt.
"Ich werde wohl noch mal Besitz von ihr ergreifen müssen", seufzte der Geist. "Trink deine Flasche leer und gib sie mir, Jay."
Sorgfältig deponierte der schwarze Ninja die leere, geöffnete Feldflasche auf dem Boden vor dem riesigen Untier. Dann hieß er Jay zurücktreten und schlüpfte erneut in den abscheulichen Spinnenleib.
Der blaue Ninja beobachtete fasziniert aus sicherer Entfernung, wie plötzlich Leben in die Tigerwitwe kam. Sie schob in Präzisionsarbeit eine Chelizerenspitze in die Feldflasche und begann, das tödliche grüne Sekret abzusondern. Schließlich zog sie den Giftzahn wieder heraus und fiel zurück in ihre bewegungslose Starre.
Im nächsten Augenblick verließ Cole ihren Körper und verschloss die Feldflasche fest. Während er sie vorsorglich an seinem eigenen Obi verstaute, was Jay ganz recht war, sagte er: "So, das hätten wir. Jetzt siehst du zu, dass du schnellstmöglich mit dem Kästchen zu Sensei Yin kommst, während ich mich wieder meiner Aufgabe zuwende. Die Tigerwitwe lassen wir einfach hier zurück. Sie wird noch ein ganzes Weilchen schlafen, und bis sie aufwacht, sind wir längst über alle Berge."
"Okay. Ach, und Cole - danke!"
A/N: Das ist meine Abrechnung damit, dass in Folge 59 Jay in die „Höhle der Spinne" geschickt wurde, obwohl Cole völlig gefahrlos an das Gift hätte kommen können. :-)
Erdklumpen entspricht Dirtclod im Original, genau wie in der offiziellen Übersetzung. Blitzi ist meine Vorstellung einer deutschen Version von Zaptrap – irgendwie ist mir dieser Spitzname für Jay bisher nicht auf DVD begegnet (wo ich die offizielle deutsche Übersetzung nachschauen könnte), sondern nur in Fanfictions.
Chelizeren sind die Giftzähne der Tigerwitwe, Pedipalpen ihre seitlichen, gezackten Mundwerkzeuge.
