Im Jahr 4 nach der Schlacht von Yavin
Der Maschinenraum des Millenium-Falken war eng und unbequem wie eh und je. Aber so etwas störte die beiden Machtgeister der Dunklen Seite im Maschinenraum des Falken nicht. Das einzige, was sie störte, war die Anwesenheit von Obi-Wan Kenobi in Machtgeistform der Hellen Seite.
„Ich bin einerseits froh darüber, dass du dich Vader und dem Imperator stellen willst. Aber wir müssen wachsam sein."
„Ich werde Euch nicht enttäuschen, Ben. Yoda war ein exzellenter Lehrmeister."
Obi-Wan schaut Luke kritisch an.
„Ihr auch, Ben", setzte Luke eilig hinzu. „Ich werde mich Eurer Beider würdig erweisen und stark bleiben."
„Stark sein ist eine Sache. Aber, obgleich der alte Imperator nur noch eine leere Hülle dessen scheint, was er einst gewesen, so ist er doch immer noch genauso listig und verschlagen wie eh und je. Er gaukelt einem Dinge vor, die so nicht sind, verwirrt den Geist seiner Gegner. Dies zu durchschauen wird deine größte Aufgabe sein, nebst der Bindung, die du gegenüber deinem Vater hegst."
„Endlich weiß er es", sagte Shaak Ti.
„Das wird die Sache komplizierter machen, als sie ohnehin schon ist", meinte Plagueis.
„Wenn du das schon anschneidest, so muss ich dir jetzt etwas gestehen."
„Ist es so schlimm?", fragte er, als er in ihre Augen sah, in denen stummer Alarm schrillte.
„Ich habe damals auf Abraxin vor vierzehn Jahren meiner Padawan und einem Barabel deinen Sith-Namen verraten, nachdem dieser Barabel dich und deinen Droiden beschrieben hatte."
„Wieso hat dieser Barabel dies eigentlich getan?", wunderte sich Plagueis.
„Ich und Maris erinnerten ihn an jenes Jedi-Duo, welches vor langer Zeit auf Abraxin diesen Nautolaner getötet hatte. Maris ist ja auch eine Zabrak, wie der Padawan von damals, so sagte der Barabel."
„Du hast ihm und Maris nur den Sith-Namen gesagt?"
„Diesen und dass Plagueis gekommen war, um einen Schüler für seinen Orden zu suchen. Wenngleich ich deinen bürgerlichen Namen damals nur deshalb für mich behalten hatte, um Ashlas Ruf zu schützen. Nun ja, ich war nach der Erzählung des Barabels geschockt."
„Du musst dich nicht rechtfertigen", unterbrach Plagueis sie sanft. „Ich selbst hatte dir damals diese Geschichte erzählt. Also ist dir kein Vorwurf zu machen. Aber wie hat denn deine Padawan auf diese Enthüllung reagiert?"
„Maris fragte mich, woher ich das wisse und ich habe sie auf Meisterin Yaddle verwiesen, die schon längst tot ist. Es ist aber zu befürchten, dass Maris das weitererzählt und wenn wir dann später gemeinsam auftauchen, könnte das unsere Zukunft gefährden."
Er sah sie eine Weile prüfend an. Er konnte mit den Händen greifen, wie seine Geliebte ebenfalls alle möglichen Szenarien durchspulte.
„Du hast also schon damals gelogen, wenn schon nicht für mich, so doch über mich. Du hättest mit diesem Geständnis auch solange warten können, bis es vollbracht ist", meinte er schließlich. „Dass du es mir jetzt schon gebeichtet hast, zeigt, wie sehr du mir vertraust. Und deshalb will ich auch dir vertrauen. Hab keine Angst. Du hast mir alle nötigen Informationen darüber gegeben. Und deshalb weiß ich jetzt auch, was ich auf eventuelle Nachfragen sagen werde. Ich bin offiziell niemals auf Abraxin gewesen. Du hingegen weißt gar nichts. Und deshalb musst du auch nichts weiter dazu sagen, falls jemand bohren sollte."
„Vor allem, wenn Mace Windu wirklich ihr neuer Meister ist. Er ist …"
„Keine Sorge, ich weiß, wie Mace Windu ist. Und ich werde damit umgehen können", versicherte er ihr, zog sie an sich und küsste sie.
Imperator Palpatine war erschöpft. Schon seit fünf langen Minuten ließ er aus seinen alten verwelkten Händen blaue Machtblitze auf den jungen blonden Jedi vor ihm hinabschießen. Der Körper seines Opfers krümmte und wand sich vor Schmerzen. Aber Luke Skywalker schrie nicht wie die aufmüpfigen Bothaner, die er vor einem Jahr derart bestraft und getötet hatte. Luke stöhnte lediglich. Und er weigerte sich schlicht und ergreifend, zu sterben und rief stattdessen immer wieder nach seinem Vater. Eigentlich war das Ganze von Anfang an ein Vabanquespiel gewesen – das wurde Palpatine nun klar. Der junge Luke war augenscheinlich trotz seiner Jugend bereits viel zu sehr vom Jedi-Denken infiziert und geprägt worden, als dass er seinen Vater getötet hätte, so wie er, der oberste Sith-Lord, es ihm soeben befohlen hatte.
Während die blaue Energie seinen dürren Fingern entwich, überlegte Darth Sidious, welche tröstliche Belohnung er Lukes Vater dafür angedeihen lassen würde, dass dieser dazu beigetragen hatte, diese Helle Bedrohung seines Imperiums für immer zu eliminieren. Auch Sith waren nicht bar jeden Mitgefühls. Vader brauchte hin und wieder Balsam für sein verletztes Ego. Und er, Darth Sidious, würde seinem Schüler nach diesem vollzogenen Akt geben, was er brauchte. Das war nötig, denn er, der Imperator, hatte noch vor etwa sieben Minuten den Tod seines derzeitigen Schülers befohlen. Vader jedoch hielt ihm trotz erschwerender Bindungs-Umstände weiterhin die Treue. Es würde nicht mehr lange dauern, schätzte Palpatine.
Bei Plagueis hatte es damals immerhin geschlagene acht Standardminuten gedauert, bis er damals vor siebenunddreißig Jahren endlich tot gewesen war. Aber Darth Plagueis war ein Muun gewesen. Plagueis selbst hatte ihm bereits zu Anfang seiner Sith-Ausbildung gesagt, dass sein, Sidious' lediglich menschlicher Körper, nicht dazu geschaffen sei, wahrer Bestrafung wie dieser standzuhalten. Er hatte damals, bei einer dieser Bestrafungsaktionen seines Muun-Meisters auf der Vulkaninsel Aborah, die Standardminuten und später die Sekunden gezählt, die Plagueis ihn mit seinen ebenfalls blauen Machtblitzen gegrillt hatte, bis es schwarz um ihn herum wurde. ‚Immerhin fünfeinhalb Standardminuten', hatte er später still und stolz für sich bilanziert, nachdem er aus der Bewusstlosigkeit erwacht war und als erstes das wahrlich besorgte Gesicht seines Meisters über sich gesehen hatte.
… Wahre Bestrafung …
Palpatine registrierte zufrieden, wie etwas in Lukes blauen Augen erlosch, nachdem der junge Jedi erneut erfolglos zu seinem Sith-Vater herübergeschaut und leise nach ihm gerufen hatte. Es stieß dem Imperator allerdings etwas sauer auf, dass Luke soeben den Rekord, den Sidious damals vor rund fünfzig Jahren auf Aborah im Ertragen von Machtblitzen aufgestellt hatte, um ganze zehn Standardsekunden überboten hatte! Aber das würde dem renitenten Jedi nichts mehr nützen. Ja, Luke würde schon in wenigen Sekunden nach Darth Plagueis der zweite hochkarätige Machtnutzer sein, der auf diese Art und Weise von seiner Hand den Tod finden würde!
Dann fühlte Sidious, wie er von hinten hochgehoben wurde. So, dass er mit seinen klauenartigen Händen nicht gegen seinen Angreifer hauen und kratzen konnte.
Nein, nicht schon wieder!
Verzweifelt heulte er auf und ließ den letzten Rest Machtblitze, den er aufbringen konnte, seinen Händen entquellen.
Die Blitze schossen teilweise ins Leere. Aber nicht wenige von ihnen trafen Vaders künstliche Arme, versengten seinen Rücken, hüllten ihn und seinen Meister in einen knisternden Kokon blauer Blitze.
Vader ächzte.
Er litt unter diesem letzten Aufgebot an Macht der Dunklen Seite und dem Hass, der von nun an niemals wieder seinen Sohn bedrohen würde! Mechanisch lief er einige Schritte vorwärts. Die Blitze hatten die Scharniere seiner Beine getroffen und das künstliche Nervensystem in diesem unnatürlichen Teil seines Körpers außer Kraft gesetzt. Er musste die Macht einsetzen, um sich aufrechtzuhalten – um weiterzulaufen. Ein Schritt … noch einer ... Gleich würde er da sein ….
Sidious ahnte, was sein ungetreuer Schüler vorhatte. Er hätte niemals geglaubt, dass der Junge das schaffen würde. Sicher, Vader hatte in der Vergangenheit einige zaghafte Versuche unternommen, um sich seines Meisters zu entledigen. Aber die Dunkle Seite war immer mehr mit dem Meister als mit dem Schüler gewesen. Genau wie damals bei Dooku. Ehemalige Jedi eben … Aber Dooku hatte keinen Sohn gehabt, der … Sidious unterbrach seine spontanen Gedanken abrupt. Wichtig war jetzt nur eines: Er musste weiterhin an seinem Hass festhalten! Immerhin hatte dieses Festhalten an Bekanntem damals auch seinem ersten Schüler Darth Maul ein Überleben ermöglicht, als dieser in den …
… Schacht befördert worden war, gleich dem Schacht, in den er, Mauls Meister, jetzt fiel …
Was hatte Darth Maul da unten gefunden, was ihn am Leben erhalten hatte? Behälter mit radiaktiver Flüssigkeit? Irgendwelche Wesen, deren Körper er sich vorübergehend dienstbar machen konnte? Er sah nach unten, um zu sehen, dass der Schacht in eine Öffnung mündete, die am anderen Ende wieder aus dem Todesstern austrat. Eigentlich wusste er das schon seit langem. Aber nie war dieses Wissen so dramatisch und so nahe gewesen wie jetzt. Für eine Weile würde das künstlich erzeugte Gravitationsfeld des Todessterns, seine ebenfalls künstliche Atmosphäre noch ausreichen, bevor es still und kalt um ihn werden würde.
Obgleich ihn Darth Vader schon längst losgelassen hatte, fühlte er immer noch den Nachhall des eisernen, entschlossenen Griffes der künstlichen Unterarmstümpfe Schülers an seinen schmerzenden Hüften. ‚Der erzürnte Luke hätte seine grüne Klinge besser weiter oben ansetzen sollen, anstatt seinem Vater lediglich die ebenfalls künstlichen Hände zu nehmen!', grollte Palpatine still vor sich hin. Aber dem Imperator blieb keine Zeit, sich während seines freien Falls in den Schacht neu zu orientieren. Knapp hundert Standardmeter unterhalb des Schachtrandes fühlte er plötzlich einen neuen Griff. An seinen Händen. Sidious' gelbe Augen blinzelten, schauten ungläubig um sich.
Zunächst war dieser neue Griff schwach, kaum wahrnehmbar. Dann wurde er fester. Die unsichtbaren Hände nahmen, während ihr Griff immer energischer wurde, Konturen an … Farbe … Weiß ... Weiße lange Finger, die Zeige- und Mittelfinger überproportional länger als die beiden kleineren Finger und die Daumen.
Sidious zuckte zusammen.
Er versuchte, die fordernden Hände abzuschütteln. Der sanfte, doch beharrliche Druck, den diese Hände auf seine Hände ausübten, war ihm um vieles unheimlicher als der starre, grimmige Griff Vaders vorhin. Die aus der Macht der Verzweiflung geborene wilde Entschlossenheit seines ehemaligen Schülers wich einer anderen erdrückenden Machtpräsenz. Einer Präsenz, von der er glaubte, sie niemals wieder spüren zu müssen. Darth Sidious fühlte, wie er plötzlich rasant schwächer wurde.
„Alter Mensch. Bitte schenk mir einen Moment deiner Zeit", hörte er nun die leise Stimme seines Muun-Meisters.
Der Druck von Plagueis' Händen war stärker geworden – so stark, dass er ihm an seinen eigenen Handgelenken das Blut abzuschnüren drohte. Die beiden Körper drehten und wanden sich während ihres Falles langsam umeinander herum, während eisblaues, dabei siedendheißes Elektrizitätsgewitter die Zwei umwaberte. So hatte es sich damals angefühlt, als vor vierundzwanzig Jahren Mace Windu im Kanzlerbüro seine Machtblitze zu ihrem Ursprung zurückgelenkt hatte. Und doch war es jetzt anders, noch viel erdrückender – jetzt, wo er wirklich ungemein geschwächt war. Sidious sah Plagueis in die ebenfalls gelben Augen, die gerade unter ihm glommen. Er wandte seinen Blick nach oben, um Vader am Schachtrand über sich zu sehen. Die reglos und drohend verharrende Silhouette seines Schülers sah auch ohne Gesicht grimmig und entschlossen aus - bereit, den alten Sith-Lord jederzeit wieder in den Schacht zurückzustoßen, sollte er es wagen...
Aber Vader rückte immer weiter nach oben weg.
„Was wollt Ihr, Meister?", spie Sidious mit einer nach oben verzerrten schrillen Stimme hervor.
„Du hättest alles von mir haben können, Sidious. Alles. Aber das war dir nicht genug. Und jetzt … bleibt dir gar nichts mehr", erklärte Plagueis dunkel.
„Alles? Meint Ihr wirklich, ich wollte Alles von Euch haben?", höhnte Sidious mit Bitterkeit in der Stimme. „Um dann für immer die Nummer Zwei unter Euch zu bleiben? Nein! Lieber habe ich für ein paar Jahre die Hälfte ganz für mich allein als alles nur halb bis in alle Ewigkeit!"
„Hatte, Sidious … Hatte", erwiderte Plagueis betont ruhig.
Die ostentative Ruhe seines alten Meisters bei diesen drei Worten trieb Sidious die Zornesröte ins faltige Gesicht.
„Meint Ihr wirklich, Ihr könnt abwarten, bis mein Schüler mich tötet, um mich jetzt zu beerben? Wie erbärmlich!"
„Jetzt ist keine Zeit für D'un Möch, mein ehemaliger Schüler", entgegnete Plagueis kalt.
„Und wenn schon! Ihr werdet niemals bekommen, was ihr wollt!", zischte Sidious.
„Und auch da irrst du dich, Sidious", erwiderte Plagueis mit einem vergnügten Lächeln. „Denn ich habe bereits, was ich will."
Jetzt sah ihn Sidious stumm mit seinen gelben Augen an, die sich angesichts dieser Mitteilung seines alten Meisters zunächst in Verblüffung, dann in schierer Angst weiteten. Es war dieselbe Angst, die damals auf Mygeeto in ihnen gestanden hatte, als er während seines ersten Sith-Trainings beinahe die Eisklippe herab gefallen wäre. Jene Angst, als ihn sein Meister einmal mithilfe der Macht beinahe zu Tode gewürgt hatte, um dabei in aller Seelenruhe von einer Mission zu plaudern, die er einst in jungen Jahren für Darth Tenebrous erledigt hatte. Wo er ebenfalls jemanden auf diese Art und Weise zu Tode gewürgt hatte.
Der Griff von Plagueis' Händen wurde unerträglich.
Sidious schaute noch einmal nach oben zu Vader. Sein ehemaliger Schüler stand immer noch regungslos am Schachtrand. Unter normalen Umständen hätte er jetzt einen Machtstoß entfesselt, der ihn schräg von der Schachtwand abgestoßen und wieder nach oben befördert hätte - immer im Zickzack an der runden Wand entlang abstoßen – immer weiter nach oben …
… vergebliches Wunschdenken! …
Der alte Sith-Lord war nun, nachdem er beinahe seine gesamte Kraft im Machtblitzgewitter erst gegen Luke Skywalker und später gegen Vader verbraucht hatte, viel zu schwach, um sich gegen zwei Sith auf einmal zu behaupten.
„Hast du dich niemals gefragt, wie König Ars Veruna damals zu Tode kam?", fragte Plagueis mit einem dünnen Grinsen.
„Ihr werdet es mir gleich sagen", presste Sidious hervor.
„Nicht sagen, Sidious. Zeigen! … Du kannst dich sicherlich noch an die Worte deines Landsmannes, des Dichters Omar Berenko erinnern, dass er in jedem Lebewesen eine Art Bruder sehen würde, dessen Tod ihn schwächen würde", säuselte Plagueis in Sidious' Muttersprache.
„Das habt Ihr damals Ars Veruna gesagt?", fragte Sidious mit Hohn in der nun wieder ruhigeren Stimme.
„Dies und, dass es bei mir genau umgekehrt ist."
„Ihr seid nur ein jämmerlicher Machtgeist. Ihr könnt nicht …"
„Mutter Talzin war lange Zeit auch nur ein Machtgeist", flüsterte Plagueis und drückte noch etwas fester zu. „Aber mir wird ihr Schicksal nicht widerfahren."
Sidious sah ihn mit einem Blick an, in welchem sich Trotz, Hass und unbeschreiblicher Schmerz mischten.
„Und nun wirst du nach dem toten König von Naboo der Nächste sein, dem diese Ehre, mir Kraft zu schenken, zuteil werden wird", erklärte Plagueis feierlich.
Der Druck von Plagueis' Händen um seine Hände wurde nun derart intensiv, dass Sidious glaubte, der andere Sith würde seine Hände zerquetschen – oder verbrennen - während immer noch blaue Machtblitze um sie beide herumzuckten – nicht nur seine eigenen. Plagueis murmelte einige Formeln. Sidious kannte die Melodie dieser Formeln. Er hatte sie vor beinahe sechzig Jahren auf Dathomir aus dem Mund von Mutter Talzin gehört. Damals – als er noch ein junger Sith-Schüler gewesen war, begierig, alles Dunkle Wissen der Galaxis in sich aufzusaugen, dessen er habhaft werden konnte. Und jetzt sprach Plagueis diese Formeln. Ausgerechnet Plagueis, der damals, als Sidious ihn nach seiner Rückkehr von Dathomir von Mauls Existenz in seiner Obhut in Kenntnis gesetzt hatte, noch nicht einmal Talzins Namen gekannt hatte! Kein Zweifel, der Andere saugte ihn nun mit Talzins Wissen in Kombination mit seinen gierigen Händen aus, benutzte seine verbliebene Kraft, um sich wieder ins Leben zurückzukatapultieren.
Sidious fühlte, wie sich sein alter, verblichener Körper auflöste, wie er immer leichter wurde.
… Wahre Bestrafung …
Plagueis frohlockte innerlich, während er die Formeln Mutter Talzins sprach. Für einen Moment schwebten Beide in einem Zwischenreich zwischen Leben und Tod. Schon in wenigen Augenblicken würden Meister und Schüler die Schwelle zwischen beiden Reichen überschreiten. Allerdings in entgegengesetzte Richtungen. Dabei hatte ihm Darth Tenebrous damals noch gesagt, dass er, Plagueis, kein Talent für Sith-Zauberei habe. Wie eigentlich konnte der alte Bith das gewusst haben, wo er doch selbst niemals derartige Transformationen zu bewerkstelligen in der Lage gewesen war?
Sidious fühlte, dass es für ihn kein Zurück mehr gab. Sein Meister war zu stark geworden. Wieder einmal. Eigentlich war es genau wie damals kurz vor seiner Wahl zum Kanzler. Er hatte sich schon seit langem darüber geärgert, dass sich Plagueis die ganzen zwanzig Jahre zwischen dem Attentat auf Coruscant und seiner Wahl zum Kanzler auf Sojourn versteckt hatte, um dort die Geheimnisse des ewigen Lebens zu ergründen. Um dann mit wachsendem Unbehagen mit ansehen zu müssen, wie sein Muun-Meister mit jedem seiner sporadischen Besuche auf dem Jägermond jünger und frischer geworden war, während er, Palpatine, selbst immer mehr alterte. Zum Schluss hatte Plagueis ausgesehen wie vor zweiunddreißig Jahren, als er den damals siebzehnjährigen Naboo auf dessen Heimatplaneten gefunden hatte. Aber damals zum Zeitpunkt von Palpatines Wahl zum Kanzler hatte Plagueis diese Atemmaske getragen. Jetzt jedoch hatte er keine mehr …
… Palpatine fühlte seine Hände nicht mehr … schon bald würde er gar nichts mehr fühlen …
Plagueis ließ urplötzlich die erstarrten Hände seines Schülers los. Denn jetzt machte er sich an Sidious' linkem Armgelenk zu schaffen, wo dieser sein Komlink trug. Er schaute noch einmal in die Augen seines ehemaligen Schülers. Darth Sidious' gelbe Augen waren weit aufgerissen, glasig und voller Todesagonie.
Endlich sprang die Armspange des Komlinks auf. Im selben Augenblick brachen Sidious' gelbe Augen.
Das vorletzte, was der stürzende Imperator bewusst wahrnahm, war das zweite Klicken des Armbandes seines Komlinks - um das schmale Armgelenk seines wiedererstandenen Muun-Meisters herum. Dann hörte er, wie Plagueis eine ihm bestens vertraute Nummern-Kombination eintippte. Er musste ihn vorher ausspioniert haben! Dann wurde alles um ihn herum schwarz, dumpf und leer.
„Magister Damask, es ist ja so schön, Euch wieder zu sehen", sagte 11-4D, nachdem er, seine Schubdüsen benutzend, in den Schacht geflogen gekommen war, um auf Kommando seinen früheren und nunmehr erneuten Herrn zu bergen und wieder mit ihm nach oben zu fliegen.
Als der Muun mit dem getreuen Droiden wieder zurück an den Rand des Schachtes kam, sah er, wie Vader neben demselben lag. Luke kniete neben ihm – völlig versunken in einer Vater-Sohn-Vertrautheit, die der junge Jedi das erste Mal in seinem Leben erfuhr. Plagueis bedeutete 11-4D, möglichst weit entfernt von dem Paar durch den Raum zu segeln und an einer ganz bestimmten Stelle zu landen. Er stieg ab und streckte seine linke Hand aus.
Shaak Ti stand an der rechten Seite der untersten Stufe der Treppe, die zu dem Thron führte, den Palpatine auf dem Todesstern für sich errichten hatte lassen. Vor noch zehn Minuten hatte der Imperator auf jenem Thron gesessen und sie hatte vor ihm gestanden – unbemerkt von dem Sith. Es hatte sich falsch angefühlt, dort zu stehen. Genauso falsch wie damals in des Kanzlers Apartment im Republica-500-Gebäude. Vor allem, weil 11-4D ihr gegenüber am anderen Ende der letzten Treppenstufe stand. So wie der Droide auch damals in des Kanzlers Apartment gewesen war. Nicht, dass sie gewollt hätte, dass Plagueis an des Imperators statt auf jenem Thron sitzen sollte.
Aber jetzt war der Thron verwaist und Palpatine fort. Und wenn ihr Plan aufging, dann würde er niemals wieder zurückkommen. Zehn Minuten waren vergangen. Aber in der zehnten Minute hatte Vader endlich ernst gemacht und den Imperator in den Schacht geworfen. Sie hatte während dieser elend langen Minuten überlegt, wann er endlich zur Tat schreiten würde. Wie hätte sie wohl reagiert, wenn der Imperator Ashla derart gequält hätte. Aber wahrscheinlich hatte Vader nur deshalb solange gewartet, bis er sicher war, dass der alte Imperator von seinem Machtgeblitze geschwächt genug sein würde, um sich nicht mehr wehren zu können, wenn Vader kommen würde, um seinen Sohn zu retten …
Sie sah ihren Geliebten auf sich zu kommen. Sie strahlte ihn an. Er erwiderte ihr Strahlen, obwohl sie wusste, dass er sie jetzt nicht mehr sehen konnte. Plagueis hatte es also geschafft. Er streckte ihr unauffällig seine linke Hand hin und sie ergriff sie. 11-4D rollte zu ihnen hin. Jetzt fühlte sich alles richtig an. Beinahe.
Sie gingen zu Vader, um sich an dessen andere Seite zu stellen, Luke gegenüber.
„Wer seid Ihr und was wollt Ihr hier?", fragte Luke den unbekannten Muun, welcher es wagte, die hart erkämpfte Zweisamkeit mit seinem Vater zu stören.
„Das ist eine lange Geschichte", begann Hego Damask. „Anakin … war für mich wie ein Sohn. So wie Ihr es für ihn wahrhaftig seid. Vielleicht kann ich helfen."
„Ihr … kanntet meinen Vater?", fragte Luke entgeistert, einen interessierten Blick auf den Medi-Droiden im Schlepptau des Muun werfend, welcher bereits eifrig mit zwei seiner vier Gliedmassen klapperte, um Eingriffsbereitschaft zu signalisieren.
„Jabba hatte damals viel Potential in ihm gesehen und ihn deshalb als Podrennfahrer zum Boonta-Eve-Classic-Rennen in Mos Espa zugelassen. Nun, Anakin hat das Rennen damals mit nur neun Jahren gewonnen. So wie du jetzt gewonnen hast, mein Junge!"
„Ihr habt meinen Vater als Kind gekannt?", fragte Luke andächtig.
„Nimm mir den Helm ab, damit ich dich mit eigenen Augen sehen kann", hörte er nun die Stimme seines Vaters.
„Aber, dann könntest du sterben. Wir können dich retten", versuchte Luke verzweifelt, seinen Vater zu behalten, mit dem er erst seit kurzem vereint war.
„Das hast du bereits getan", erwiderte Anakin Skywalker.
Luke nahm seinem Vater zuerst den Helm, dann die Maske ab. Er sah Anakins blasses, narbenentstelltes Gesicht. Seine Augen, die blassblau waren und ihn liebevoll anschauten.
„Wir brauchen eine Stelle von seinem natürlichen Körper, um ihn zu heilen", sagte Hego Damask in einem Ton, der keinerlei Widerspruch duldete.
Luke schaute konsterniert auf die beiden Schnitte an seines Vaters künstlichen Handgelenken.
„Dann leg ihm die Hand an die eine Wange, ich lege meine Hand an die andere", sagte Hego Damask zu dem jungen Jedi, der seiner Anweisung umgehend Folge leistete.
„So etwas hat mir Yoda damals auch gezeigt. Woher wisst Ihr so etwas?", fragte Luke neugierig.
Plagueis schenkte dem jungen Menschen ein entspanntes Lächeln. „Meine Frau ist Heilerin."
11-4D streckte einen seiner vier Arme aus, um den geschwächten und verletzten früheren Sith an dessen Brust zu untersuchen. Ein halbkreisförmiger Schnitt mit dem Skalpell und der Droide hatte Anakins Brust freigelegt. Ein Teil davon war graue Synthaut, ein Teil war noch natürlich rosafarben, wenngleich vernarbt. Ein bohrender Arm des Medidroiden führte eine Kanüle in die Brust des mit dem Tode ringenden Menschen ein. Luke fand, dass sowohl der Muun als auch der Droide sehr routiniert vorgingen und genau zu wissen schienen, was sie taten.
Anakin schaute zu seinem Sohn, dann kurz zu seinem ihm völlig unbekannten Erzeuger, dann wieder zu seinem Sohn. Irgendetwas ging hier vor, das unnatürlich war.
Shaak Ti fühlte das erste Mal seit sieben Jahren, dass ihre rechte Hand etwas anderes fühlte als den leichten fluffigen Druck, den sie seit ihrem Tod auf Felucia kannte. Es kribbelte ein bisschen, dann wurde es warm und – empfindlich. Sie fühlte die Hand ihres Geliebten, das erste Mal seit siebenunddreißig Jahren. Wie damals, als er ihre Hand genommen und sie in sein Schlafgemach geführt hatte. Sie sah, dass Hego Damask in äußerster Konzentration versunken war. Er murmelte bestimmt still die Formeln, die er in Gegenwart des jungen Jedi nicht laut aussprechen durfte, wollte er sich und sie nicht verdächtig machen. Sie schaute auf ihre Hand, die nun langsam ihre volle scharf umrissene rote Gestalt annahm. Wichtig war jetzt, sich völlig hinter ihrem kauernden Geliebten zu verstecken, damit ihre Wiedergeburt niemandem auffiel, bis sie vollendet sein würde. Sie fühlte, wie ihr Oberkörper wieder Gefühl bekam, wie ihn erneut Blut durchfloss. Sie fühlte den Druck an ihren Füßen, wie sie auf dem Boden standen und das wachsende Gewicht ihres Körpers trugen. Sie sah Vader an, der dieses Wunder erst ermöglichte.
Luke schaute mit seinen blauen Augen in die ebenfalls blauen seines Vaters. Shaak Ti registrierte zufrieden, dass jegliches Gelb, welches sie damals während der Order 66 im Tempel in ihnen gesehen hatte, vollständig gewichen war.
Diese wieder blauen Augen schauten plötzlich sie, Shaak Ti an.
Vader fühlte plötzlich eine helle Präsenz, von der er niemals angenommen hatte, sie jemals wieder zu spüren. Er fühlte sie umso mehr, je schwächer er selbst mit jeder weiteren verstreichenden Sekunde seines sich dem Ende zuneigenden Lebens wurde. Schließlich hatte er Gewissheit. Shaak Ti lebte.
Shaak Tis Vision war Wirklichkeit geworden. Vader liebte jemanden. Jemand liebte Vader. Um ihn schon bald für immer zu verlieren. Wegen ihr. Oder wäre Vader ohnehin gestorben? Nutzlos gestorben? So wie der Sarlacc auf Felucia? Oder war das womöglich nur eine Schutzbehauptung des Mannes gewesen, der nun vorgab, kein Sith mehr zu sein? Aber Vader hatte, seit er als Anakin Skywalker in den Tempel gekommen war, die Legende genährt, dass er dazu auserkoren sei, als Auserwählter das Gleichgewicht in der Galaxis wiederherzustellen. Wie er dies freilich tun würde, wusste niemand so genau. Vielleicht lag Vaders Leistung darin, den Imperator endlich nach langen Jahren in den Schacht befördert zu haben. Aber was, wenn Palpatines und Vaders wahre Mission darin gelegen hatte, Plagueis und ihr die Wiedergeburt zu ermöglichen, auf dass sie fortan zusammen mit Hego Damask das Gleichgewicht in der Galaxis hüten und bewahren konnte?
Sie kam zu dem Schluss, dass sie mit ihrer Argumentation wohl auch noch die scheußlichsten Verbrechen rechtfertigen könnte. Hego hingegen würde lapidar sagen: „Die Sith brauchen keine Rechtfertigung für ihr Tun. Es entspringt aus ihnen selbst und rechtfertigt sich im Nachhinein durch ihren Erfolg."
Shaak Ti fühlte etwas auf ihrem Rücken, sowie rechts und links über ihre Schultern entlanglaufen. Es glitt an ihren Brüsten vorbei nach unten bis über ihre Taille. Wie Schlangen! Sie hatte ihre Lekkus zurückerhalten! Sie war wieder vollständig. Sie war zurückgekehrt!
Es waren nur wenige Male gewesen, wo Anakin Skywalker in seinem früheren Jedi-Leben mit Shaak Ti zusammengetroffen war. Das erste Mal war in der Klonfabrik auf Kamino gewesen, wo er mit der hochgewachsenen Togruta und seinem ehemaligen Meister Obi-Wan Kenobi die dritte Generation der Klone gegen Grievous und die Separatisten verteidigt hatte.
„Ich dachte schon, Ihr wärt tot", hörte er im Geiste Obi-Wans an Shaak Ti gerichtete Worte von damals. Tot? Er hatte vor zwei Jahren auch von Starkiller gedacht, dass sein ehemaliger Schüler tot gewesen sei. Gestorben von seiner Hand auf Corellia. Und Starkiller selbst hatte ihm nur zwei Wochen zuvor beschrieben, wie Shaak Ti durch dessen Hand zu Tode gekommen war. Oder hatte er sie gar nicht getötet, sondern ihn bereits damals angelogen? Wo doch auch General Rahm Kota noch lebte? Ihm wurde bewusst, dass es ihm nicht zustand, jetzt darüber zu sinnieren, ob und wann Starkiller ihn hintergangen hatte oder nicht.
„Und Ihr seid sehr selbstgefällig für jemanden, der vielleicht auf der Verliererseite einer Schlacht steht", hörte er die harte, höhnische Stimme des Arc-Soldaten A-17 ihn auf Kamino zurechtweisen, nachdem er, der vorlaute Padawan, sich lautstark über das in seinen Augen ungehobelte Benehmen des Klons beschwert hatte. Shaak Ti hatte damals mit Obi-Wan und A-17 Blicke ausgetauscht, jedoch nichts dazu gesagt. Aber in ihrem Blick hatte Genugtuung über diese verbale Verteidigung des unter ihrer Obhut stehenden Klons gelegen.
Jetzt jedoch sah er Shaak Tis leicht verschwommenes, halb durchsichtiges Gesicht vor sich. Die Jedi-Meisterin lächelte nicht, aber in ihren Augen lag dieselbe ruhige gelassene Art, die viele damals so an ihr geschätzt hatten. Oder war Shaak Tis Präsenz jetzt nur ein Trugbild, welches ihm sein schlechtes Gewissen kurz vor seinem Tod vorgaukelte, bevor er Eins mit der Macht werden würde?
Anakin Skywalker fühlte, wie er schwächer wurde. Er war zu geschwächt, um noch etwas zu sagen. Die Hand von diesem grünäugigen Muun neben sich saugte irgendetwas aus seiner Wange heraus. Er warf ihm einen gequälten Blick zu. Ihm kam in den Sinn, dass er nach all seinen Missetaten sein Leben ohnehin verwirkt hatte. Ohne diesen Anzug würde er sterben. Mit diesem Anzug würde er in der neuen Republik fehl am Platze sein.
Anakin schaute wieder zu seinem Sohn, welcher nur Augen für seinen Vater hatte und alles andere um sich herum auszublenden schien. Anakins müder Blick wanderte für einen kurzen Moment zu Shaak Ti, die nun plastisch wahrnehmbar hinter dem kauernden Muun zu sehen war. Doch kein Trugbild!
„Tretet beiseite, Shaak Ti!", hörte er sich zu ihr sagen, bevor er vor Jahrzehnten mit dem Gleiter des Jedi-Tempels zu Palpatine geeilt war, um … Was hatte sich die Macht nur dabei gedacht, als ihm die Jedi-Meisterin damals den Gleiter überlassen hatte, um Palpatine zu Hilfe zu eilen? Und das alles nur wegen dieser dummen Legende von Darth Plagueis, dessen Weisheit damals weder Padmé, noch jetzt sein Leben retten konnte!
„Darum geht es jetzt nicht", hörte er nun Shaak Tis mahnende Stimme auf ihrer letzten gemeinsamen Ratssitzung in seinem Kopf. „Aber Euer Benehmen ist überaus ungebührlich", hatte die Jedi-Meisterin damals vorwurfsvoll nachgesetzt, nachdem ihm Meister Yoda ihre Tochter Ashla als Padawan verweigert hatte. Eine doppelte Demütigung! Ihm fiel ein, dass Ashla nicht nur Shaak Tis Tochter gewesen war. Sondern auch die Tochter von Palpatines Meister – eines Muuns, eines ebensolchen, wie er jetzt neben ihm kniete und mit seiner langen Hand …
Anakin Skywalker erkannte, dass es kein Zufall war, dass dieser Muun und Shaak Ti jetzt hier bei ihm und Luke waren. Endlich, das erste und letzte Mal in seinem Leben, sah er seinen Erzeuger in der Macht. Genau wie Luke ihn das letzte Mal im Leben sehen würde. Der Kreis seines Lebens als Auserwählter war dabei, sich zu schließen. Das also hatte die Macht mit Shaak Ti im Sinn gehabt, als er sie damals aufgrund der Order 69 mit ihrem Spezialtrupp Klonsoldaten hatte ziehen lassen! Entgegen der Order 66! Palpatine hatte danach nie wieder Order 69 erwähnt.
Vader verspürte immer dringlicher den Wunsch, zu sterben. Er selbst hatte Shaak Tis Tod befohlen! Und jetzt wurde er Zeuge dessen, was weit mehr war als eine alte Sith-Legende: Darth Plagueis war gerade dabei, das Leben derer zu retten, die ihm nahestanden! Wo, bei den neun Höllen Corellias, war Plagueis gewesen, als Padmé …?
Anakin Skywalker schaute noch einmal seinen Sohn an, dann brachen seine Augen und sein Kopf sackte nach hinten weg. Plagueis nahm seine Hand von Anakins Wange fort und erhob sich langsam.
„Wir haben es nicht geschafft", sagte Hego Damask betreten, während 11-4D seinen mechanischen Arm aus Vaders Brust entfernte und wieder einfuhr.
Luke nickte stumm. Für eine Weile verharrten die Drei still bei Anakin Skywalkers Leichnam. Dann trat die wiedergeborene Shaak Ti hinter dem Muun hervor.
„Ich grüsse dich, junger Jedi", sagte sie freundlich zu Luke.
„Wer seid Ihr …?", fragte Luke verwundert ob der plötzlich wahrnehmbaren hellen Präsenz.
„Meister Jedi Shaak Ti. Ich war vor der Order 66 Mitglied im Rat der Jedi", stellte sie sich vor.
„Ich bin Luke Skywalker, dann kanntet Ihr ja sicher auch meinen Vater."
Shaak Ti nickte.
„Ihr seid doch die Mutter von Ashla! Alle dachten, Ihr wärt tot", sagte Luke verwundert.
„Der Imperator hatte vor sieben Jahren seinen Lakaien nach Felucia geschickt, um mich zu vernichten. Es gab einen Kampf. Als ich wieder erwachte, war ich ein Machtgeist der Dunklen Seite geworden. Jetzt, nach dem Tod des Imperators, habe ich es geschafft, seinen Fluch zu überwinden und wieder zu der zu werden, die ich vorher war", schloss sie die neu erschaffene Legende ihres Überlebens.
„Wir müssen jetzt von hier weg. Die Rebellen werden dieses Monstrum schon bald in die Luft jagen, wenn man davon im All überhaupt sprechen kann", drängte Luke.
„Dann lasst uns aufbrechen", pflichtete ihm Hego Damask bei.
Luke hob den Körper seines Vaters hoch. Er schien viel leichter zu sein als es den Anschein hatte.
„Lasst mich Euch helfen", bot ihm Shaak Ti an und setzte sogleich die Macht ein, um Vaders Körper anzuheben.
„Wenn ich nur eine Ahnung hätte, wo die Sturmtruppler das Schiff abgestellt haben, mit dem ich hergekommen bin. Das habe ich in der Aufregung ganz vergessen", gestand Luke zerknirscht.
„VierDe, führe uns doch bitte zum nächstgelegenen Shuttle", wies Hego Damask nun seinen Droiden an.
Als das große komfortable imperiale Shuttle namens „Hesperia" vom Todesstern in Richtung Endor abhob, waren alle Anwesenden im großen Aufenthaltsraum versammelt, während 11-4D das Shuttle steuerte.
„Wer seid Ihr und was hattet Ihr eigentlich jetzt auf dem Todesstern zu tun?", fragte Luke nun den in seine schwarz-grüne Bankenclantracht gewandeten Muun, während die Rebellenschiffe in der Gegenrichtung an ihnen vorbeizogen.
„Mein Name ist Hego Damask. Palpatine hatte vor siebenunddreißig Jahren meinen Tod vorgetäuscht, um an mein Erbe zu kommen. Stattdessen hat er mich in Karbonit eingefroren. Shaak Ti hat davon erfahren und mich nun befreit."
„Dann kannten sie sich?"
„Nun, was das angeht, so bin ich Ashlas Vater."
„Oh!", entfuhr es Luke, dem sich nun zumindest die Hälfte der Konstellation ihres Zusammenseins an Bord der „Hesperia" erschloss.
In diesem Moment explodierte der zweite Todesstern. Fasziniert schauten die Insassen der „Hesperia" auf den gigantischen Feuerball und den Staub- und Geröllring, der sich dem Trio plus Droiden nach der gewaltigen Explosion darbot. Shaak Ti dachte in jenem Moment an all die Wookiees und andere einfache Arbeiter, die in jener Explosion ihr Leben lassen mussten. Aber das war der Preis für den Sieg. Die Jedi und die Rebellen hatten viele einfache Leute für ihren Sieg zahlen lassen. So wie sie selbst und Hego Vader und Palpatine hatten zahlen lassen. Wo war da der Unterschied? Sie lächelte Hego an und dieser erwiderte ihr Lächeln.
„So erzählt mir doch noch etwas mehr über meinen Vater", drängte der junge Jedi nun den Muun, der in den Mittfünfzigern zu sein schien. Eine Bitte, der Hego Damask gerne nachkam.
Auf dem Mond Endor wurde ein rauschendes Fest gefeiert. Während 11-4D eifrig mit R2D2 und C3PO zwitscherte, machten sich Shaak Ti und Hego Damask mit den restlichen Führern des Widerstandes bekannt.
„Wie ist Jabba denn eigentlich genau gestorben?", wollte Hego Damask von Prinzessin Leia wissen.
„Ich habe ihn mit der Kette erwürgt, mit welcher er mich die ganze Zeit über an sich gefesselt hatte, während ich an seinem Hof sein musste", erklärte die dunkelhaarige Prinzessin mit angewidert verzogenem Mund.
„Ihr müsst beachtliche Kräfte haben, Hoheit", erwiderte der Muun mit einem anerkennenden Lächeln.
„Diese Kräfte entwickelte ich, nachdem ich erfahren hatte, dass dieses Monster meinen Geliebten ein Jahr lang in Karbonit eingefroren und als Dekoration seines Büros missbraucht hatte", zischte Leia.
„Ein Schicksal, dass mir nicht unbekannt ist. Jabba hat wahrlich verdient, was er bekommen hat", bekräftigte der Muun die Gefühle der Prinzessin.
Alle standen um den Scheiterhaufen herum, auf welchem Anakin Skywalker seine letzte Ruhe fand.
„Endlich sind die Sith endgültig vernichtet", sagte Luke feierlich in die Runde.
„Sowohl Meister als auch Schüler", pflichtete ihm Leia bei.
Shaak Ti schaute nachdenklich in die Flammen, die den Mann verzehrten, dem sie ihre Wiedergeburt verdankte. Tief im Inneren glaubte sie nicht, dass die Dunkle Seite wirklich derart vernichtet war, wie sich der junge Jedi und seine Zwillingsschwester neben ihr das in ihrer jugendlichen Naivität vorstellten. Sie schaute kurz zu Hego auf der anderen Seite neben sich. Dann fasste sich das Paar an der Hand.
„So habe ich mir das nicht vorgestellt", sagte Obi-Wans Machtgeist mit leichtem Unmut. „Anakin sollte schon längst hier sein. Aber wie es scheint, ist er wieder einmal zu spät", setzte er hinzu, dabei zuerst Qui-Gon, dann Meister Yoda anschauend, während sie zusammen über dem Mond Endor schwebten und solcherart der Siegesfeier über den Imperator beiwohnten.
Alles sah so gelöst und fröhlich aus. Viele der Rebellen tanzten ausgelassen mit den kleinen, braunfelligen Ewoks, während C3PO und R2D2 und ein unbekannter Medi-Droide miteinander schnatterten. Prinzessin Leia und Han tauschten Umarmungen und Küsse aus. Luke stand zusammen mit Shaak Ti und einem Muun vor einem provisorischen Bunker. Die Drei schienen in ein tiefes Gespräch vertieft. Immerhin lebte Shaak Ti noch. Aber wo nur steckte Anakin? Schließlich entdeckte Obi-Wan den schwarzgewandeten Körper seines früheren Padawan auf einem eigens für ihn etwas abseits vom Versammlungsplatz errichteten Scheiterhaufen. Wieso war der Körper noch da? Er hatte Anakin doch ausdrücklich …!
„Ich hatte Euch alles darüber gelehrt, was ich weiß", erwiderte Qui-Gon schulterzuckend. „Er ist Euer Padawan gewesen. So sagt Ihr mir, was nicht funktioniert hat."
„Ich kann das nicht erklären", gab Obi-Wan ungläubig zurück. „Ich weiß nur, dass auf einmal dieser Muun da war. Und kurze Zeit später Shaak Ti. Sie haben versucht, zusammen mit dem Medi-Droiden Anakin zu retten. Aber wahrscheinlich war er bereits zu geschwächt."
„Shaak Tis Tod – gespürt vor sieben Jahren ich ihn habe", warf Yodas Machtgeist verwundert ein.
„Sie hat vorhin auf dem Todesstern erklärt, es sei ihr gelungen, einen Fluch zu brechen, den Palpatine über sie gelegt habe. Aber sich gleich wieder ins Leben zurückzubringen – ich kenne keinen Jedi, der jemals über diese Fähigkeit verfügt hätte – einschließlich Eurer Wenigkeit", teilte Obi-Wan Yoda das mit, was er ein paar Stunden vorher auf dem Todesstern gesehen und gehört hatte.
„Und Hego Damask, auch zurückgekommen ohne Atemmaske – er ist … Hmmm … Ein wahres Rätsel - mir das ist", sagte Yoda, die grüne Stirn kraus ziehend.
Obi-Wans Machtgeist zuckte zusammen. Der hochgewachsene Muun da unten war also genau der Mann, dessen Tod Shaak Ti damals nach Qui-Gons Ermordung zusammen mit R2D2 nachgegangen war. Wie gut, dass Meister Yoda auch als Machtgeist noch solch ein brillantes Personengedächtnis hatte! Jetzt fiel Obi-Wan wieder ein, dass die besorgte Jedi-Meisterin ihm damals mitgeteilt hatte, einige Ungereimtheiten in der Überwachungskamera am Kaldani-Turm entdeckt zu haben. Er überlegte, ob jetzt der rechte Zeitpunkt sei, mit seinen Machtgeist-Kollegen über das Schicksal von Hego Damask zu sprechen.
Der frühere Großmeister machte dieser seiner Überlegung ein Ende, als er seinen Blick von Obi-Wan weg und hin zu Qui-Gon schweifen ließ.
„Qui-Gon, gekannt Hego Damask - du hast. Mehr zu sagen – du hast?"
Qui-Gon schüttelte den lichtumflorten Kopf. Er fühlte, dass irgendetwas an dieser euphorischen Harmonie des Sieges über Palpatine falsch war. Aber er konnte nicht genau definieren, was. Er selbst hatte Shaak Ti damals gesagt, dass er Tahl immer lieben würde. Und genauso hatte Shaak Ti ihm vor sieben Jahren gestanden, schon seit langem diesen Muun zu lieben, der jetzt an ihrer Seite stand. Und dieser schien sie auch zu lieben. Das war also nichts, woraus gerade er, Qui-Gon Jinn, der Jedi-Meisterin einen Vorwurf machen konnte. Genausowenig hatte er vor, Meister Yoda und seinen ehemaligen Padawan mit solcherlei Herzensdingen zu behelligen. Und warum überhaupt sollte er jetzt die laufende Siegesfeier stören, die die Initialzündung für die Befreiung der Galaxis und die Wiedergeburt des Ordens der Jedi sein würde?
Obi-Wans Machtgeist atmete erleichtert auf. Yoda hatte die Kompetenz in Sachen Hego Damask soeben an den älteren und weitaus erfahreneren Qui-Gon Jinn weitergereicht. Und sein früherer Meister hatte dazu geschwiegen. Wieso also sollte er jetzt noch etwas dazu sagen? Qui-Gon würde schon wissen, wann es was zu reden galt.
„Ich ernenne dich hiermit zum Jedi-Ritter", sagte Mace Windu feierlich zu Maris Brood und hielt seine gezündete lilane Klinge erst über ihre rechte, dann über ihre linke Schulter, während um sie herum die Lavaflüsse Mustafars vorbeitobten. „Wie wäre es, wenn wir dieses Ereignis in einem Restaurant feiern?"
„Mit Wein?", fragte Maris in aufkeimender Hoffnung auf einen erfreulichen Abend.
„Natürlich mit Wein", versicherte ihr der Meister mit einem Lächeln. „So ein besonderer Anlass rechtfertigt das."
Also fuhren sie in die Hauptstadt Fralideja und gingen dort in ein angesagtes Restaurant.
„Jetzt, wo deine Augen wieder ihre Naturfarbe haben, kannst du dich überall sehen lassen", meinte Mace anerkennend.
„Jetzt, wo das Imperium beseitigt ist, könnten wir wieder mehr in der Galaxis reisen", schlug die Zabrak vor, die nicht vorhatte, sich als frischgebackene Jedi-Ritterin auch nur von einem einzigen ihrer vielen schwarzen Zöpfe zu trennen.
„Und wohin möchte meine ehemalige Padawan reisen?"
„Nun, Ihr hattet mir eine Reise nach Muunilinst versprochen. Aber vorher würde ich gerne noch nach Felucia reisen. Ich hatte mich gar nicht von den Felucianern verabschiedet, als Ihr mich mitgenommen hattet", schlug sie vor.
„Das ist eine gute Idee", gab ihr Mace recht.
Die Felucianer, die die beiden Jedi zur Begrüßung auf ihrem Planeten empfingen, verfielen von feindseliger Reserviertheit abrupt in freudiges Erkennen, als sie die als Jedi wiedergeborene Maris Brood mit ihren wieder goldenen Augen erkannten.
„Ihr seid zurückgekehrt, wir haben es immer gewusst", begrüßte sie Felou, der Felucianer, der bereits sie und Shaak Ti damals vor vierundzwanzig Jahren auf dem Planeten begrüßt hatte.
„Wir wollten nach euch sehen", sagte Maris lächelnd.
„So gefallt Ihr mir schon viel besser", meinte Felou. „Seit dieser Junge hier war, ist auch kein Sith mehr aufgetaucht. Kommt wohl nur so alle sechzig Jahre vor", meinte der ältere Felucianer mit einem Lächeln.
„Alle sechzig Jahre?", fragte Mace Windu überrascht das blaufedrige Dschungelwesen, welches den Dschungel offenbar noch nie verlassen zu haben schien.
„Da war vor etwa siebzig Jahren ein Bith gekommen. Er trug ein rotes Lichtschwert und erzeugte rote Machtblitze, mit denen er viele von uns tötete und einen unserer Brüder entführte. Weder von dem Bith noch von unserem Bruder haben wir je wieder etwas gehört."
„Davon hast du mir nie erzählt", sagte Mace mit einem forschenden Blick zu seiner ehemaligen Padawan.
„Nun, wir sollten uns ja auch vorrangig um Palpatine kümmern", meinte diese mit einem verschmitzten Lächeln.
„Das sind doch nach deiner früheren Erzählung Shaak Tis Worte!", gab Mace Windu scharf zurück.
„Was ist denn, Meister?", fragte Maris erschrocken.
„Ashla konnte auch rote Machtblitze erzeugen. Und der zweite Ehemann ihrer Großmutter war ein Bith! Er soll Ashlas Muun-Vater aufgezogen haben", grollte der mittlerweile sechsundsechzigjährige Jedi-Meister dunkel.
„Zeit nach Muunilinst zu reisen", sagte Maris fröhlich.
Mace Windu nickte entschlossen. Er fand es höchste Zeit, ein klärendes Gespräch mit seiner ersten Padawan zu führen.
Ruhig flog ihr Schiff durch den Hyperraum. Mace Windu hockte über einem Datapad, um Informationen zu finden, um ihren Reiseplan zu konkretisieren. Während Maris in einem Roman schmökerte. Als sie ein Kapitel beendet hatte, wandte sie sich ihrem ehemaligen Meister zu.
„Ashla ist ja schon eine Weile mit Zilan verheiratet", schnitt Maris nun ein Thema an, welches sie dann und wann umtrieb.
„Ja, manchmal hält eine Ehe sehr lange", gab Mace Windu unbeteiligt zurück.
„Meister Windu, wart Ihr eigentlich auch einmal verliebt gewesen?", wollte die frischgebackene Jedi-Ritterin wissen.
„Jeden ereilt das früher oder später. Aber man muss als Jedi damit umgehen können und dieses Gefühl in nützlichere Bahnen leiten. Außerdem ist sie tot", erwiderte Mace hart.
„War sie auch eine Jedi?"
„Ja. Und sie war wunderschön. Und dabei so fest im Glauben und so pflichtbewusst, wie man als Jedi nur sein kann."
„Wurde auch sie während der Order 66 von den Klonsoldaten getötet?"
„Nein und ich möchte nicht weiter darüber reden", beendete der Jedi-Meister abrupt das Gespräch.
Note der Autorin: Auch in diesem Kapitel tauchen wieder Begebenheiten und Zitate aus dem Darth-Plagueis-Roman von James Luceno auf, z.B. die Geschichte vom Tod Ars Verunas.
Anakin ist am Ende von Ep. VI als Machtgeist neben Obi-Wan und Qui-Gon zu sehen. Das ist in meiner Geschichte nicht so. Es wird auch keinen Dunklen Machtgeist von Palpatine geben, der sich fremder Körper bemächtigt, bis er dann in der Comic-Serie „Dark Empire", verjüngt und rothaarig, erneut als Oberschurke brillieren darf.
Wer aufgepasst hat, findet auch eine Reminiszenz an die Mortislegende in TCW, Staffel 3, sowie eine an TCW, Staffel 4, Episode „Brüder" und Talzins Wiederauferstehung im Comic „Sohn Dathomirs".
