A/N:
Hallo meine Lieben,
sorry, dass es ein wenig gedauert hat mit dem neuen Kapitel... Im Moment geht es etwas drunter und drüber. Viel zutun... lernen und arbeiten... ziemlich anstrengend ;)
Nun, egal.
Ich danke Euch für Eure zahlreichen Reviews und ja... Thomas ist wirklich schwer zu durchschauen und ich bin sooo gespannt, wie sich das mit Thomas noch so entwickelt wird :)
Dieses Kapitel ist aus Jacobs Sicht geschrieben! Ich hoffe Ihr habt Spaß dabei!
Freue mich natürlich auf Eure Reviews!
Bussi,
Eure MissMii
Kapitel 35
Jacob POV:
„Wieso hast du mir eigentlich nie erzählt, dass du ein Gestaltenwandler bist?" Bei diesen Worten verdrehte ich genervt die Augen, stellte meinen leeren Becher in die Spüle und drehte mich um. Ich sah in das wütende Gesicht meiner älteren Schwester und wenn ich ehrlich sein sollte, nervte sie mich ziemlich. Seit Tagen lag sie mir damit in den Ohren, dass ich ihr nicht erzählt hatte, dass ich ein Gestaltenwandler war. Ich hatte ihr viele Male erklärt, dass ich diese Tatsache selbst noch nicht so lange wusste, was ihr aber ziemlich egal war.
„Rachel, wie oft soll ich es dir eigentlich noch erklären?" Ich versuchte nett zu klingen, doch viel es mir zunehmend schwerer.
„Du hättest es mir sagen sollen. Ich bin deine Schwester.", fauchte sie mich an und ich verdrehte wieder die Augen. Sie konnte es einfach nicht verstehen.
„Ich konnte es dir einfach nicht sagen, da das Rudel einige Regeln hat und dazu gehört, dass wir nichts über unsere nichts von unserer … preisgeben. Es ist unser wichtigster Schutz. Stelle dir doch mal vor, jeder würde wissen, dass es uns gibt? Glaubst du, dann hätten wir noch eine ruhige Minute? Die Menschen würden uns verachten, wahrscheinlich auch jagen. Du solltest einfach mal deinen Kopf anschalten." Meine Stimme klang etwas fies, aber genauso wollte ich auch klingen. Ich wollte das Thema endlich vom Tisch haben.
„Ich…", begann sie wieder und funkelte mich mit ihren dunklen Augen an. Ihre Augen erinnerten mich an unsere Mutter und ich merkte, wie sich bei den Gedanken an meine Mutter, mein Magen zusammen zog.
„Du kannst wirklich froh sein, dass du es jetzt weißt. Hätte Paul sich nicht auf dich geprägt, dann hättest du es niemals erfahren.", fügte ich noch hinzu und machte mich dann auf den Weg nach Draußen.
Ich öffnete die Haustür, trat heraus und schmiss die Tür mit einen großen Schwung zu, woraufhin sie laut knallte. Ich strich mir durch meine kurzen Haare und atmete einige Male tief ein und wieder aus. Meistens half es mir, mich zu beruhigen. In letzter Zeit war mir öfter aufgefallen, dass bei mir immer schneller die Sicherungen durch brannten. Ich geriet schnell in Rage und meine Wut steigerte sich meistens so schnell, dass es mich einige Kraft kostete, mich nicht zu verwandeln. Das „Fieber", welches wir haben, war stärker geworden und ich war ziemlich rastlos. Die meisten Nächte verbrachte ich im Wald und lief Patrouille. Früher hatte ich solche Dinge nicht gemacht. Ich hatte vor darüber mit Sam zu sprechen, doch dieser hatte für meine Probleme momentan sicherlich keinen Kopf. Emily war aus ihrem gemeinsamen Haus ausgezogen und das hatte ihn ziemlich getroffen. Wahrscheinlich wollte er nicht die Probleme anderer hören. Ich seufzte und setzte mich auf die kleine Bank, die vor unserem Haus stand.
Ich strich mir über die Augen und starrte in den Himmel. Das Wetter war in den letzten Tagen sehr schön gewesen und auch Heute schien die Sonne schon fast den ganzen Tag. Wenigstens konnte Bella in den letzten Tagen nicht von diesem Thomas belästigt werden, da sie mir vor einiger Zeit mal erzählt hatte, dass die Haut der Vampire in der Sonne funkelte wie unendlich viele Diamanten. Ich konnte es mir nicht vorstellen und hoffte sehr, dass ich mal einen Vampir im Sonnenlicht sehen würde. Diese Tatsache machte es für Vampire unmöglich, sich bei Sonnenlicht Draußen aufzuhalten und darüber war ich in den letzten Tagen sehr froh gewesen.
Bella hatte mich eines Abends angerufen und mir erzählt, dass dieser Thomas zwei Mal mit ihr gesprochen hatte und sie ziemlich verunsichert hatte. Ich konnte diesen Vampir nicht einschätzen und am liebsten würde ich ihm gegenüber stehen, doch wusste ich genau, wenn ich es tat, würde ich unsere Existenz verraten. Es reichte schon, dass die Cullens wussten, was wir waren. Sam erinnerte mich immer wieder daran, dass die Cullens nicht unsere Feinde waren und er hatte Recht. Mir gefiel diese Vorstellung aber nicht. Ich wollte mit keinem einzigen Vampir einen Vertrag haben und Sam wusste genau, wie ich darüber dachte. Ihm passte meine Einstellung nicht und das machte es manchmal schwer, mit mir darüber zu sprechen.
„Jake?", sagte eine weibliche Stimme und ich blickte in das Gesicht von Sophia. Sie trug ihre langen, dunklen Haare offen und sie fielen ihr sanft auf den Rücken. Ihre dunklen Augen schauten mich mit einem vorsichtigen Ausdruck an und sie hatte ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Sophia?", fragte ich verdutzt und sie lächelte mich etwas erleichterter an„Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen?" Ich schüttelte als Antwort den Kopf und sie erwiderte dies mit einem Nicken.
„Was führt dich hierher?" wollte ich wissen und Sophia senkte für einen kurzen Moment ihren Blick. Es konnte sich also nur um Emily und Sam handeln, oder?
„Es geht um Emily. Ich… ich kann es kaum ertragen, sie so zu sehen, Jake.", gestand sie und ich schaute sich erstaunt an.
„Was habe ich damit zu tun?" Ich merkte, dass mein Ton ziemlich ätzend klang und ich biss mir auf die Unterlippe. „Tut mir leid.", entschuldigte ich mich sofort und sie nickte daraufhin nur.
„Ich habe gedacht, du könntest vielleicht mal mit Emily sprechen? Auf mich hört sie nämlich nicht. Sie möchte kein Wort von mir hören. Sie meint nur, dass ich keine Ahnung habe und ich ihre Probleme sowieso nicht verstehen kann.", erzählte sie mir und ich nickte. Was konnte ich da denn bitte machen? Ich hatte keine Lust, mich in die Dinge von Sam und Emily einzumischen. Es war schon schlimm genug, dass ich Sams Anblick ertragen musste, da wollte ich nicht auch noch Emilys Anblick sehen.
„Du siehst nicht so aus, als würdest du mir helfen?" fragte sie und ihre Stimme hatte sich sofort verändert. Sie war jetzt nicht mehr vorsichtig sondern leicht gereizt. Ich zuckte mit den Schultern und trat von der kleinen Veranda herunter und schaute sie an.
„Sophia, ich habe keine Lust, mich bei den Beiden einzumischen. Ich habe meine eigenen Probleme.", versuchte ich ihr freundlich zu erklären doch sie funkelte mich nur noch mehr an.
„Etwa mit dieser Bella?" fragte sie mich dann und lächelte mich dabei ziemlich selbstgefällig an. Ich erinnerte mich an das Telefonat, was ich vor nicht allzu langer Zeit mit ihr geführt hatte und da hatte sie sich entschuldigt und wollte sich mit mir versöhnen. Dies sah nicht wirklich danach aus.
„Woher kommt diese Feindseligkeit? Ich kann mich noch an unsere Telefonat erinnern.", meinte ich und sie blickte mich erstaunt an. Hatte sie gedacht, ich kann mich daran nicht mehr erinnern? Für wie dämlich hielt sie mich eigentlich?
„Ich weiß…es macht mich aber sehr wütend, dass dir Sam und Emily egal zu sein scheinen." Ich schüttelte den Kopf und versuchte mir ein Lächeln abzuringen.
„Sie sind mir auf keinen Fall egal, doch denke ich, dass die Beiden ihre Probleme selbst klären sollten. Sam ist wie ein großer Bruder für mich, aber ich werde mich in seine Dinge nicht einmischen.", sagte ich ihr und damit war es auch das letzte, was ich zu diesem Thema sagen wollte. Sie merkte dies und versuchte das Thema schnellst möglich zu wechseln.
„Und wie läuft eure Beziehung?" Was sollte jetzt diese Frage? Wollte sie sich deswegen etwa quälen? Wollte sie, dass es noch schwerer werden würde, wenn sie wüsste, wie meine Beziehung zu Bella war?
„Danke, gut.", sagte ich kurz und knapp, weil mir dieses Thema nun wirklich nicht gefiel. Ich hatte keine Lust mit meiner Ex-Freundin über meine neue Beziehung zu sprechen. Das machte nun wirklich keinen Sinn.
„Ich freue mich für euch, wirklich." Ich schaute sie zweifelnd an und ich konnte an ihrem Gesichtsausdruck auch erkennen, dass sie es nicht ernst meinte. Ich wusste genau, dass sie mir wochenlang hinterher getrauert hatte. Emily war in den Wochen nach unserer Trennung leicht gereizt gewesen, weil sie sich immer wieder den Kummer von Sophia anhören musste.
„Sophia, wie es damals gelaufen ist. Es tut mir wirklich leid. Es war nicht nett und ich hab mich wirklich wie ein Arsch verhalten. Ich wollte…"
„Du wolltest einfach über diese Bella hinweg kommen, nicht wahr?", beendete sie meinen Satz und schaute mich fragend an.
„Ja, das wollte ich. Ich mag dich wirklich sehr gerne und die Zeit mit dir war wirklich schön. Es war falsch von mir, die Beziehung mit dir einzugehen, da ich noch nicht frei war." Ich hatte irgendwie das Gefühl mich noch einmal bei ihr entschuldigen zu müssen, auch wenn das Thema zwischen uns geklärt war.
„Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, warum du das alles gemacht hast. Ich wollte anfangs nicht verstehen, dass du das nicht böse gemeint hattest. Du warst selbst mit deinen Gedanken nicht im Reinen und das brauchte bei mir eine Zeit, bis ich dies verstanden habe. Ich weiß auch, dass es dir leid tut und mir tut es auch leid, wie ich reagiert hatte, als du mit mir Schluss gemacht hattest. Ich… ich wusste eigentlich die ganze Zeit über, dass du mich nicht liebst. Ich wollte es nur nicht wahrhaben." Sie hörte einen kurzen Augenblick auf zu sprechen und lächelte mich wehmütig an. „Ich hatte einfach geglaubt, dass du mich irgendwann mal magst. Nun, ich bin jetzt sechszehn Jahre alt und ich bin ziemlich naiv. Auch wenn du nur ein Jahr älter bist als ich, bist du doch um einiges reifer. Manchmal frage ich mich, woher das doch kommt?" Sie starrte mich an und ich erwiderte ihren Blick. Sie wusste nichts davon, dass wir Gestaltenwandler waren. Sie hatte es damals nicht mitbekommen und Emily hatte ihr auch kein Wort gesagt. Sie schien aber zu fühlen, dass mit uns Jungs irgendetwas nicht in Ordnung war.
„Nun..ich…" Ich hörte, wie die Haustür aufging und drehte mich um. Rachel trat heraus und schaute kurz Sophia und dann mich an.
„Hallo.", sagte Sophia nur knapp und Rachel erwiderte dieses Hallo mit einem knappen Nicken.
„Kommst du mal kurz, Jake?" fragte Rachel. In ihren Augen konnte ich sehen, dass irgendetwas mit Billy nicht in Ordnung war.
„Klar. Tut mir leid, Sophia." , entschuldigte ich mich kurz und Sophia lächelte leicht. „Wir können uns ja mal treffen und vielleicht hast du ja doch noch mal kurz Zeit, mit Emily zu sprechen. Ich würde mich freuen." Sie schaute noch einmal kurz Rachel an und verschwand dann.
„Was ist los?" , fragte ich Rachel, als ich die Haustür hinter mir schloss.
„Billy geht es nicht gut. Er...er hat kein Insulin mehr und außerdem kann er nicht aufstehen," erzählte mir Rachel und ich merkte, wie sich mein Magen krampfhaft zusammen zog. Ich hatte in den letzten Tagen schon beobachtet, dass es ihm nicht so gut ging.
„Ich kann in die Stadt fahren und zur Apotheke gehen," sagte ich und Rachel nickte.
Ich ging ins Schlafzimmer und sah, dass Billy auf der Bettkante saß und mich mit müden Augen ansah. Sein Gesicht sah ziemlich blass aus.
„Soll ich in die Stadt fahren und dir das Insulin aus der Apotheke holen?" fragte ich ihn und er rang sich ein Lächeln ab, was ihm anscheinend viel Kraft kostete.
„Mir wird es gleich wieder besser gehen." Seine Stimme klang schwach und es kostete ihn Mühe, zu sprechen.
„Hast du nicht gemerkt, dass dein Insulin bald leer ist?"
„Doch. Ich hatte aber…" Er verstummte und strich sich durch die langen Haare, die leblos an seinem Rücken herunter fielen. Er sah wirklich nicht gut aus und ich machte mir große Sorgen.
„Gib mir mal das Rezept und dann mache ich mich schnell auf den Weg.", sagte ich und versuchte, nicht besorgt zu klingen. Billy zeigte auf die oberste Schublade seines kleinen Schrankes und ich öffnete sie und sah, dass dort das Rezept lag. Ich nahm es, faltete es und steckte es in meine Hosentasche.
„Ich bring dir dann auch noch etwas zu essen mit. Du legst dich am besten wieder hin und dann sehen wir weiter, ja?" Es war eine rein rhetorische Frage. Ich wusste, dass Billy das auch machen würde. Billy hatte seit er ein junger Mann war Diabetes mellitus. Er kannte es gar nicht anders, danach zu leben. Er musste jeden Tag drei Mal eine bestimme Einheit Insulin spritzen und dann meistens noch nach Bedarf, wenn der Blutzuckerwert schwankte.
Seit einigen Jahren saß er nun schon im Rollstuhl, weil seine Erkrankung ihren Tribut forderte. Diabetes mellitus alleine, ist nicht so schlimm, das kann man zwar nicht heilen, aber behandeln. Das Schlimme an dieser Krankheit sind ihre Folgeerkrankungen, die ziemlich gefährlich waren. Von Durchblutungsstörungen bis Gefahr zu einem Herzinfarkt und einen Schlaganfall war alles dabei.
Seine Ärzte hatten ihm damals dazu geraten, weil ihm das Laufen bereits Probleme bereitete, sich mit einem Rollstuhl an zu freunden. Ich konnte mich noch genau an einen Tag erinnern, an dem er noch nicht im Rollstuhl saß und er sich am Bein verletzt hatte. Es hatte Wochen gedauert, bis diese kleine Wunde verheilt war. Was für uns als Kleinigkeit abgetan werden konnte, hatte Billy ziemliche Sorgen bereitet. Eine der Folgeerkrankungen bei Diabetes mellitus war die Wundheilungsstörung. Nach dieser Sache hatte sich Billy dann entschieden, den Rollstuhl zu benutzen und seit dem hatte er sich auch nicht mehr groß verletzt. Er hatte sich damit abgefunden, dass seine Krankheit einfach jetzt die Folgen zeigte.
„Dann pass auf dich auf, mein Sohn.", sagte er noch mit leiser Stimme und dann nickte ich.
„Hast du deinen Blutzucker denn gemessen? Nicht, dass der Wert zu hoch ist?" Ich war in den letzten Jahren sehr mit dieser Krankheit in Berührung gekommen und hatte mich auch darüber informiert. Ich wusste die Anzeichen einer Hyperglykämie und die Anzeichen einer Hypoglykämie. Ich kannte die Werte, die noch normal, zu niedrig oder zu hoch waren.
„Er ist in Ordnung. Er ist etwas hoch, aber nicht bedenklich.", antwortete Billy und seine Augen fielen zu.
Ich ging hinaus, schloss die Tür und ging in die Küche, wo Rachel saß und in ihre Tasse Kaffee starrte. Als sie mich hörte, schaute sie mich mit einem besorgten Blick an. Ihr Kaffee war unangerührt und sie klammerte sich an ihrer Tasse fest.
„Was ist mit ihm?"
Ich setzte mich zu ihr, strich mir durch die Haare und schaute sie dann ernst an. Ich wusste auch nicht genau, was mit Billy los war, doch wusste ich, dass es ihm gerade nicht gut ging. Ich wollte auf jeden Fall, bevor ich losfuhr, Charlie anrufen.
„Ich weiß nicht genau, was er hat. Ich weiß nur, dass sein Insulin leer ist und er neues braucht. Ich werde mich gleich auf den Weg in die Stadt machen und Neues aus der Apotheke holen. Kennst du dich mit Diabetes mellitus aus?" Ich wusste, sie kannte sich nicht aus, doch fragte ich sie trotzdem. Rachel schüttelte nur ihren Kopf und ich nickte.
„Im Wohnzimmer im Bücherregal hab ich ein Buch über diese Krankheit. Ich hab es mir damals extra gekauft, da ich mit Billy alleine gelebt habe. Du solltest dich vielleicht einfach mal darüber informieren. Normalerweise ist der Blutzucker bei Billy sehr gut eingestellt und er hat keine Probleme. Im Moment scheint er aber damit Probleme zu haben. Mir ist in den letzten Tagen schon aufgefallen, dass er etwas schwächer wirkte und sich nicht wohl fühlte. Lese dich einfach mal darein, damit du auch die Anzeichen eines Komas, was bei dieser Krankheit passieren kann, erkennen kannst.", schlug ich vor und Rachel nickte nur. Ihre Augen sahen mich besorgt an und ich war überrascht darüber, dass sie sich solche Sorgen um Billy machte. Sie war vor Jahren ausgezogen, hatte Billy und mich alleine gelassen, was ich verstehen konnte. Das ganze Haus erinnerte sie anscheinend an unsere Mutter. Doch hatte sie sich selten gemeldet und jetzt machte sie sich große Sorgen um unseren Vater.
Ich legte meine Hand auf ihre und sie schaute mich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an. Ich wollte ihr zeigen, dass ich für sie da war, auch wenn wir unsere Probleme hatten. Wir mussten uns Beide erst einmal daran gewöhnen, dass sie wieder hier in La Push war, sie mit meinem Freund Paul zusammen war, der sich auf sie geprägt hatte und sie von unserer Existenz wusste. Ich fühlte mich immer bedroht, wenn es jemand neues gab, der von uns wusste. Jedes Mal kam eine neue Schwachstelle hinzu, die uns bedrohen konnte. Sicherlich konnte ich Rachel vertrauen aber ich wusste nicht, wie standhaft sie war, wenn sie jemand dazu bringen wollte, über uns zu sprechen.
„Dank' dir, Jake.", sagte sie leise und ich drückte ihre Hand einmal kurz und stand dann auf.
„Brauchst du noch etwas aus der Stadt?" fragte ich sie, weil ich ihr etwas Gutes tun wollte. Sie schüttelte leicht ihren Kopf.
„Nein. Ich…ich treffe mich nachher noch mit Paul und wir wollen ein wenig in der Stadt spazieren gehen.", erwiderte sie und ich nickte wissend.
„Wenn etwas ist, ich bin auf meinem Handy erreichbar, ja?"
„Gut." Sie lächelte mich noch einmal an und dann verließ ich das Haus und ging zu meinem Auto.
Ich parkte vor der Apotheke, aber blieb noch einige Minuten in meinem Auto sitzen. Ich fühlte mich fürchterlich. Meine Gedanken kreisten nur um Billy und ich machte mir große Sorgen. Wirklich große Sorgen. Ich seufzte und kramte in meiner Hosentasche und holte mein Handy heraus. Charlie hatte mir einmal seine Handynummer gegeben, falls irgendetwas los war. Ich wollte ihm aber nicht das Gefühl vermitteln, dass es ein Notfall war. Ich klappte mein Handy auf, tippte die Festnetznummer von Bella ein und wartete drauf, dass ein Freizeichen kam. Es klingelte einige Male und dann hörte ich Bellas Stimme:
„Bei Swan," sagte sie mit ihrer lieblichen Stimme und ich fühlte mich sofort besser. Ich hatte sie seit einigen Tagen nicht gesehen, da sie viel arbeitete und sich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitete, die in einigen Wochen stattfinden sollten.
„Ich bin es, Jake.", sagte ich und ich wusste, dass sie ein Lächeln auf den Lippen hatte. Es wurde wieder Zeit, dass wir uns mal wieder sahen. In unserer Beziehung war es aber normal, dass wir uns mal einige Tage nicht sahen. Wir telefonierten aber jeden Tag und ich freute mich immer, wenn ich ihre Stimme hörte.
„Ist alles in Ordnung?", fragte sie mich dann besorgt und meine Stimme musste wirklich komisch klingen. Ich hatte mir zwar Mühe gegeben, aber viel geholfen hatte es wohl nicht.
„Ich bin gerade in Forks und…Ist Charlie da?" fragte ich dann, weil ich sie nicht beunruhigen wollte.
„Charlie?" fragte sie verwundert und ich seufzte. Ich wollte ihr keinen Grund zur Sorge geben. Sie sollte sich auf ihre Prüfungen konzentrieren und nicht auf meine Probleme, die ich gerade hatte.
„Ja, ich würde gerne mit Charlie sprechen.", sagte ich mit etwas mehr Härte in der Stimme. Meistens brachte es etwas, wenn man Bella wütend machte. Ich wollte zwar keinen Streit, wollte aber auch nicht, dass sie von meinen Problemen wusste.
„Charlie ist noch auf der Arbeit.", sagte sie enttäuscht und ich schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, weil mein Kopf anfing zu schmerzen. „Soll ich ihm ausrichten, dass du angerufen hast?" Jetzt klang ihre Stimme wütend und ich öffnete meine Augen wieder.
„Er soll sich bei mir melden, ja?" bat ich und legte dann auf. Ich klappte mein Handy zu, steckte es in meine Hosentasche und stieg dann aus. Ich wusste, dass sie jetzt ziemlich sauer sein würde und mir war es so lieber, als das sie etwas wusste.
Später hatte ich Billy etwas zu essen gekocht und hatte ihm geholfen, in seinen Rollstuhl zu kommen. Er hatte sich etwas Bequemes angezogen und saß jetzt am Küchentisch und löffelte lustlos in seiner Suppe herum.
„Jake, du hättest das alles nicht tun brauchen.", sagte Billy etwas genervt und ich rang mir ein Grinsen ab.
„Du weißt, dass du etwas essen sollst, wenn du dir das Insulin spritzt.", sagte ich gespielt streng und Billy lächelte daraufhin. Er sah jetzt schon viel besser aus, als heute Morgen. Ich hatte ihm, als ich aus der Stadt nach Hause gekommen war, zwei Brote gemacht und dann konnten wir erst das Insulin spritzen. Jetzt am frühen Abend, wollte ich noch, dass er etwas aß, bevor er sich die weitere Dosis Insulin spritzte. Ich war wirklich ein Experte im Thema Diabetes mellitus geworden.
„Was ist eigentlich los?" fragte ich, als ich mich zu ihm an den Tisch setze und auch lustlos in meiner Suppe herumrührte. Ich hörte, wie Billy zwei Mal tief ein- und wieder ausatmete und schaute mich dann an.
„Ich kann es dir nicht sagen, mein Sohn. Es fing plötzlich an und… ich fühle mich schwach, müde und ausgelaugt. Ich habe kaum Kraft aufzustehen und mich in den Rollstuhl zu setzen. Es ist…" Er verstummte und aß weiter. Seine Sorgenfalten, die er auf der Stirn hatte, waren tiefer als sonst und auch die Augenringe, die er sonst nie hatte, waren sehr ausgeprägt.
„Wenn du magst, kann ich dich Morgen mal zum Arzt fahren.", schlug ich vor und Billy schnaubte.
„Mein Sohn, das wird nichts bringen.", sagte er genervt und ich zuckte mit den Schultern.
„Woher willst du das wissen?" Meine Stimme wurde jetzt wieder etwas gereizter und ich merkte, wie die Wut in mir Aufstieg. Ich legte den Löffel zur Seite und versuchte mich etwas zu entspannen.
„Mit dir scheint auch etwas nicht in Ordnung zu sein.", stellte Billy nüchtern fest und betrachtete mich. Ich biss die Zähne zusammen, weil ich merkte, wie die Wut und die Erregung immer weiter in mir aufstiegen.
Es dauerte einen kleinen Moment, bis ich mich wieder einigermaßen im Griff hatte. Ich strich mir den Schweiß von Stirn und schaute Billy an.
„Es geht schon.", sagte ich nur und aß dann weiter meine Suppe. Ich merkte, dass Billy mich noch einen kleinen Augenblick betrachtete und dann auch weiter aß.
Zum Glück hörte ich das Klopfen an unserer Haustür und sprang schnell auf, da mich die Stille zwischen uns Beiden, etwas verunsicherte. Ich öffnete die Tür und sah in die ebenfalls besorgten Augen von Charlie Swan.
„Jake.", begrüßte er mich mit ernster Stimme und ich ließ ihn an mir vorbei ins Haus gehen. Charlie blieb im kleinen Flur stehen und zog seine Jacke aus. „Was ist los mit ihm?" fragte er mich dann ohne Umschweife und ich zuckte mit den Schultern.
„Er fühlt sich schwach, müde und ausgelaugt. Er scheint ziemlich kraftlos zu sein und er hatte mir nicht gesagt, dass sein Insulin leer war. Ich..ich habe ihm eben vorgeschlagen, dass ich ihn Morgen zum Arzt bringe, aber er möchte das nicht." , erzählte ich Charlie und dieser nickte.
„Gut, dann werde ich mal mit ihm sprechen.", meinte Charlie und ich nickte glücklich. Wahrscheinlich würde sich Billy von Charlie mehr sagen lassen, als von seinem eigenen Sohn.
„Da ist noch etwas Suppe auf dem Herd, wenn du etwas essen möchtest.", sagte ich und das zauberte ein kleines Lächeln auf Charlies Lippen.
„Wunderbar. Ich habe auch noch nicht so viel gegessen.", erwiderte er und ich grinste ihn an. „Ach übrigens ist Bella draußen. Sie möchte mit dir sprechen. Sie wollte unbedingt mit kommen." Charlie ging in die Küche und ich blieb im Flur stehen. Ich seufzte und ging dann nach draußen.
Bella saß auf der kleinen Bank, die auf unserer kleinen Veranda stand und starrte in den Wald. Ich blieb in der Haustür stehen und beobachtete sie einen kleinen Moment. Sie war wirklich wunderschön und ich war überglücklich, dass sie mir eine Chance gegeben hatte. Ihre dunkelbraunen Haare trug sie jetzt etwas kürzer. Ich hatte die neue Frisur noch nicht gesehen, doch gefiel es mir sehr gut.
„Du kannst es nicht lassen, oder?" fragte ich sie mit einem Lächeln und sie schaute mich sofort an. Sie sah nicht mehr wütend aus, sondern eher besorgt. Ich ging zur kleinen Bank und setzte mich neben sie und Bella schmiegte sich sofort an mich. Ich legte ihr einen Arm um die Schulter und ich drückte ihren Kopf an meine Brust. Es war schön sie im Arm zu halten.
„Ich habe mir Sorgen gemacht, Jake.", sagte sie leise und ich gab ihr einen leichten Kuss aufs Haar.
„Billy geht es nicht gut.", meinte ich dann und sie nickte leicht. Ich konnte die Bewegung gegen meine Brust spüren.
„Es scheint etwas Ernstes zu sein, sonst wäre Charlie nicht sofort hierher gefahren, oder?" fragte sie und ich zuckte mit den Schultern.
„Ich kann es dir nicht sagen. Billy lässt einfach nicht mit sich reden. Ich hoffe nur, es ist nichts Ernstes." Bella schaute mich mit ihren wunderschönen Augen an.
„Du machst dir aber auch Sorgen.", stellte sie fest und ich nickte. Ich strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich mal wieder dorthin verirrt hatte.
„Deine neue Frisur gefällt mir.", meinte ich dann um das Thema zu wechseln und um ihr zu zeigen, dass mir solche Dinge auch auffielen. Die meisten Frauen hassten es, wenn ihre Freunde oder Männer nicht sahen, wenn sie ihre Haare abgeschnitten hatten oder sich die Haare gefärbt hatten.
Diese Worte zauberten sofort ein kleines Lächeln auf ihre Lippen und sie löste sich aus meiner Umarmung und strich sich vorsichtig durch die etwas kürzeren Haare.
„Ja ich brauchte mal etwas Neues. Die langen Haare gingen mir langsam auf den Keks." Ihre Stimme klang belustigt und ich strich ihr dann sanft über die Wange. Ihre Haut war immer so wahnsinnig weich und ich konnte sie immer und immer wieder berühren.
„Es sieht toll aus und du bist wunderschön.", sagte ich dann und mein Blick wanderte zu ihren vollen Lippen. Ich wollte sie küssen und wollte ihre Nähe spüren. Ich merkte, dass ich sie doch mehr vermisst hatte, als ich zugeben wollte. Ihre Wangen röteten sich leicht und ich strich ihr mit meinem Daumen über ihre Lippen.
„Ich hab dich vermisst, weißt du?" fragte ich sie mit rauer Stimme und ich spürte, wie ihr Körper begann auf meinen zu reagieren. Ich konnte riechen, dass sie mich genauso sehr wollte, wie ich sie und ich merkte, wie die Erregung in mir hoch stieg. Eine gute Seite an meiner momentanen Situation, dass ich immer schnell wütend wurde und mich kaum unter Kontrolle hatte war, dass meine Sinne noch geschärfter waren und ich um einiges besser hören, riechen und sehen konnte.
Meine Hand wanderte zu ihrem Nacken und ihre Haare waren dort besonders weich. Ihre Augen starrten mich an und ich zog sie fest an mich und drückte meine Lippen auf ihre. Sie versteifte sich keinen Moment und wir versanken sofort in einem leidenschaftlichen Kuss. Ich zog sie fester an mich heran und es war wundervoll, sie zu spüren. Ihre Zunge war weich und sie schmeckte unglaublich gut.
Ich merkte schnell, wie mein Herz begann schneller zu schlagen und sich das Gefühl, welches sich in meinem Bauch ausgebreitet hatte, schnell weiter nach unten schlich. Meine Hand wühlte wild in ihren Haaren herum und ich merkte, wie ich wilder wurde und mehr wollte. Ich löste mich von ihren Lippen und Bella schaute mich verlangend an.
„Komm.", sagte ich mit belegter Stimme zu ihr und stand von der Bank auf und nahm ihre Hand um sie zu mir hoch zu ziehen.
„Wo willst du hin?", fragte sich mich überrascht und ich blickte mich einen kurzen Moment um. Wo konnten wir hin? Ins Haus war schlecht, da redeten gerade Charlie und Billy miteinander. Bella folgte meinem Blick und dann blieb er auf meine Garage stehen. Dort war es eigentlich gemütlich und ich hatte sogar eine Couch dort stehen, auch wenn sie nicht ganz der neusten Mode entsprach.
„Komm, wir gehen in die Garage.", sagte ich mit einem verschmitzten Lächeln und zog Bella hinter mir her.
„Du bist verrückt, Jake.", erwiderte Bella mit lachender Stimme.
A/N:
Dieses Mal gibt es sogar eine Vorschau aufs neue Kapitel :)
(...)Das Gefühl, wie das Blut meine Kehle hinab lief und die Wärme, die sich für kurze Zeit in meinem Körper ausbreitete, bestätigte mir jedes Mal aufs Neue, dass es nichts Besseres gab, als das Blut von Menschen zu trinken. Das Blut von Tieren gab mir schlichtweg nicht solch eine Befriedigung. Es machte mich für einen kurzen Augenblick satt, aber dann hatte ich Lust auf mehr, auf Menschenblut. Jeder Mensch hatte seinen speziellen Geruch und Geschmack und meistens hatten junge Mädchen vorzügliches Blut. Leicht metallisch schmeckend, meistens aber mit einer süßlichen Note. Ich spürte, die das Mädchen, ihren Namen hatte ich schon wieder vergessen, begann in meinen Armen schlaffer zu werden. Ich spürte, wie ihr Herz langsamer zu schlagen begann und wie ich die letzten Tropfen Blut aus ihrem Körper saugte. Die Venen und Arterien begannen ihre Arbeit einzustellen und ihre Atmung wurde immer flacher. (..)
