Disclaimer: Wenn ich JKR wäre, hätte ich Kohle. Ich schreibe, weil es mir Riesenspaß macht. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 33 – Blumen, Torten und Ringe

/Dracos Sicht

Die Mehrheit der Zeit fühle ich mich, als kenne ich Erebus mein ganzes Leben lang. Wir verstehen uns ohne Worte und ich betrachte ihn als meinen Lebensgefährten. Und obwohl er nie etwas dazu gesagt hat, weiß ich, dass auch er mich als seinen Lebensgefährten betrachtet. Aber manchmal habe ich doch den Eindruck, dass ich ihn gar nicht kenne.

Etwas geht in ihm vor, was mir fremd ist und was ich nicht verstehe. Er hat sich, nachdem er sich von dem Fluch Dumbledores befreit hat, nicht nur geändert, im Sinne, dass er jetzt mächtiger denn je ist und dass er über mehr Kontrolle über sich selbst verfügt. Als er von mir verlangt hat, ihm zu versprechen, dass ich ihm auch im Tod treu sein werde, wusste ich gleich, dass es etwas mit dieser russischen Seherin zu tun hat. Sie hat seinen Tod vorausgesehen. Aber was ich daran nicht verstehe ist, warum er Prophezeiungen Aufmerksamkeit schenkt. Er hat ja gesagt, der dunkle Lord habe an die Prophezeiung geglaubt was ihn in die Irre geführt habe. Dass Prophezeiungen Blödsinn seien. Und doch scheint er dem Beachtung zu schenken, was ihm diese Anna erzählt. Und das ist total untypisch für ihn und ich kann es nicht verstehen.

Zwei Tage nachdem wir aus Amerika zurückgekehrt sind, sagt er mir, er habe für uns einen Tisch in einem französischen Restaurant gebucht und dass ich mich anziehen solle. Er hat mich nicht gefragt, ob ich mit ihm essen gehen wolle. Das ist typisch Erebus. Aber was dabei untypisch ist, ist, dass er überhaupt mit mir ausgehen will. Eigentlich kann ich mich nicht an die Zeit erinnern, seit wir Hogwarts verlassen haben, dass er mit mir irgendwohin gehen wollte.

Und jetzt ist mein Inneres mit Angst gefüllt. Ich weiß nicht, was ich darüber denken soll. Und ich habe den Eindruck, dass er mir schon wieder etwas Ernstes mitteilen möchte, dass er eine tödliche Krankheit hat oder sonst was. Aber als ich mich in einen Anzug gekleidet mit ihm in der Eingangshalle treffe, spüre ich einen Hoffnungsschimmer, dass er endlich angefangen hat, seiner romantische Seite Ausdruck zu geben. Lächerlich. Erebus und Romantik gehen zusammen wie Kühe und Balletttanzen. Sie passen einfach nicht zusammen und ich weiß auch nicht, ob mir ein romantischer Erebus überhaupt gefallen würde. Er ist der dunkle Prinz. Er verlangt und bittet um gar nichts. Er nimmt sich was er will und fragt nicht nach Erlaubnis und denkt im Allgemeinen, dass sich die Welt um ihn dreht. Solche einen Erebus liebe ich und ganz ehrlich würde ich einen anderen Erebus nicht anziehend finden.

Er unterhält sich mit meinem Vater. Anscheinend gibt er ihm Anweisungen was französische Journaliste angeht, die offensichtlich nach einem Interview gebeten haben. Als sich mein Vater verbeugt und versucht den Blickkontakt mit mir aufzunehmen, schaue ich in eine andere Richtung. Er scheint auf etwas zu warten, aber als sich Erebus mir zuwendet und ich mich verbeuge, disappariert er. Ich möchte mit meinem Vater nicht reden und es gibt auch keinen Grund, es tun zu müssen. Und ich weiß auch, dass falls er etwas nettes zu mir sagen würde, dass es nur wegen Erebus wäre. Wäre ich nicht mit ihm zusammen, hätte er kein nettes Wort an mich verschwendet.

Erebus trägt überraschenderweise seinen schwarzen Anzug und eine Krawatte mit Totenkopfmuster, die ich ihm geschenkt habe. Ich dachte, dass die Totenköpfe mit verschiedenen 'Gesichtsausdrücken' sehr lustig seien und ich weiß, dass er diese Krawatte gerne trägt.

Wortlos reicht er mir die Hand und ich werde schnell mit in die Apparition gezogen. Als ich die Augen öffne, stehen wir in der Mitte einer der Hauptstraßen des französischen Zauberviertels in Paris.

Ich weiß ja, dass Todesser in Frankreich jetzt frei sind, um sich als Todesser oder Unterstützer des dunklen Ordens bekennen zu können. Aber ich habe das dunkle Frankreich nach ihrer Gründung nicht besucht. Und ich finde es äußerst seltsam, so ruhig mit Erebus durch die Straßen zu schlendern. Wobei die Zauberer und Hexen gleich disapparieren oder davon laufen wenn sie ihn erblicken, was selbstverständlich ist. Bei ihm angehakt, gehen wir weiter die Straße entlang und kommen irgendwann an einem Ministerialbeamten vorbei, der gleich kreidebleich wird und den Kopf senkt. Ich finde das ganze eigentlich ziemlich lustig, aber für Erebus scheint es eher etwas Selbstverständliches zu sein.

Ich frage mich vage, wo dieses Restaurant sein soll als wir am Postamt vorbeikommen. Die Mundwinkel von Erebus zucken als sein Blick auf die zwei Fahnen fällt. Eine davon ist die französische Fahne und die zweite ist die Fahne des dunklen Ordens. Sie steht da als das Symbol des dunklen Frankreichs aber auch als das Symbol der harten Arbeit des Lords, des Prinzen und der Todesser, die dieses Land in etwas Unerkennbares verwandelt haben. Beim bloßen Anblick der Fahne spüre ich etwas Warmes ums Herz. Diese Fahne ist die Verkörperung der Ideale und der Prinzipien des dunklen Ordens und sie zeigt deutlich, dass wir unsere Spur auf diesem Land hinterlassen haben. Zum ersten Mal in der Geschichte steht ein Land, beziehungsweise ein Teil der Welt, unter der Regierung des dunklen Stroms. Frankreich war der erste Schritt, Irland war der zweite. Aber etwas sagt mir, dass der Rest der Welt schnell ihren Fußstapfen folgen wird. Was mich mit Stolz erfüllt. Die Schwarzmagier lebten schon seit Jahrhunderten unterdrückt und waren dazu gezwungen, die Schwarzmagie im Geheimen zu praktizieren. Man wird beinahe als ein Krimineller abgestempelt, wenn entdeckt wird, dass man sich mit Schwarzmagie beschäftigt.

Der dunkle Orden hat all das geändert und heutzutage ist es umgekehrt. Die Kinder, die Neigung zur Schwarzmagie zeigen, werden sogar als die Elite betrachtet und bekommen extra Unterricht und schwarzmagische Lehrer, die dazu von dem Prinzen hoch geschätzte Todesser sind. Jetzt ist es normal und gesellschaftlich erwünscht, eher einen grauen magischen Kern zu haben als einen hellen. Aber trotz dem, was man glauben mag, sind die Hellmagier nicht unterdrückt. Sie dürfen weiter ihre Leben führen, arbeiten und haben die gleichen Rechte wie jeder Bürger der Zaubergesellschaft Frankreichs. Aber die Schwarzmagier sind zu einer Elite geworden, in welcher, in einer Gesellschaft, in der einfach kein Platz für einen Hellmagier ist.

Wenn man sich fragt, wo diese Veränderung sonst merkbar ist, soll man sich nur die Hauptstraße anschauen. Überall gibt es schwarzmagische Läden, die entweder Trankzutaten oder Bücher verkaufen. Früher war es normal, jedes Thema Schwarzmagie zu meiden, jetzt aber ist es etwas Alltägliches und man merkt es im Alltagsleben Frankreichs. Denn alles, was die Schwarzmagier lustig finden und womit sie sich beschäftigen, ist auf der Straße zur Schau gestellt worden, wo es jeder sehen kann. Für manche Hellmagier ist es eindeutig zu viel. Denn sowie es überall in der Welt der Fall ist, genießen die Schwarzmagier das gefährliche und das grausame. Solange es um böse Geister, tödliche Gefahr oder schmerzhafte Flüche handelt, ist es lustig. Aber die Hellmagier denken natürlich nicht so und meiden alle schwarzmagischen Läden und halten auch ihre Kinder weg davon.

Und die Schwarzmagier Frankreichs haben zweifelsohne Riesenspaß. Alles, was sie einmal verborgen halten mussten, ist jetzt zur Schau gestellt worden. Die schreienden Märchenbücher für schwarzmagische Kinder, die bezauberten Äxte, die von sich aus selbst bluten und die Federhalter, die als Menschenköpfe gestaltet sind, die jedes Mal, wenn man eine Feder reinsteckt, stöhnen – all das steht jetzt in den Schaufenstern, wo alle es sehen können. Zweifelsohne benimmt sich die schwarzmagische Bevölkerung wie Kinder, die nach einem langen Hausarrest endlich auf die Straße gehen und spielen dürfen. Aber ich finde diese Veränderung sehr erfrischend. Frankreich ist das erste Land, in dem Schwarzmagier frei sind.

„Hier entlang, Eure Lordschaft," reißt mich eine Stimme aus den Gedanken.

So bald mich Erebus in ein Restaurant reingezogen hat, ist ein Zauberer zu uns geeilt und hat sich vor Erebus tief verbeugt.

Und er kann Englisch. Es würde mich auch nicht wundern wenn der arme Mann ein paar Sätze über Nacht gelernt hat, sodass er mit dem Prinzen reden kann, der unglücklicherweise ausgerechnet in seinem Restaurant essen wollte. Aber der Atmosphäre nach zu schließen, die im Restaurant herrscht, ist dies ein Restaurant dessen Besitzer Neigung zur Schwarzmagie zeigt. Oder sich für solch einen Zauberer ausgibt, um im neuen dunklen Frankreich überleben zu können.

Als wir an der Theke vorbei geführt werden, steht eine Hexe schnell auf und verbeugt sich. Erebus winkt in ihrer Richtung ab und als ich an der Hexe vorbeigehe, fällt mir das dunkle Mal auf ihrem Unterarm ins Auge. Eine Todesserin.

Der Zauberer, der offensichtlich der Restaurantbesitzer ist, führt uns auf die Terrasse und verbeugt sich nochmals als er auf den in der Mitte der geräumigen Terrasse stehenden Tisch deutet.

Der Tisch und die gesamte Terrasse sind eine große Überraschung. Der Tisch selbst ist mit einer mitternachtsblauen Tischdecke mit einem Sternenmuster bedeckt worden, wo unsere Teller schon auf uns warten. Die schwarze Kerze auf dem Tisch hielt der Restaurantbesitzer offensichtlich für eine bessere Wahl als eine Vase voller frischen Blumen. Volltreffer. Er hat auch die Terrasse mit ausführlichen Wärmezaubern belegt und es ist angenehm warm. Hier und da gibt es auch rote Kerzen, deren Flammen sich gar nicht bewegen, was darauf hindeutet, dass die Terrasse gut vor dem Wind geschützt ist.

Wenn ich nicht anders wüsste, würde ich behaupten, dass mich Erebus zu einem romantischen Abendessen eingeladen hat, weil das Ganze... na ja, romantisch ist. Auf eine schwarzmagische Weise, natürlich...

„Wenn Ihr irgendetwas braucht..." fängt der Restaurantbesitzer an.

„Das wäre alles," sagt der dunkle Prinz, den Mann keines Blickes würdigend. „Du darfst gehen."

Es ist selbstverständlich, dass er auf diese Weise mit seinen Anhängern redet, aber da er sich so benimmt, als sitze er auf seinem Thron im Hauptquartier und teile Befehle aus, wobei er eigentlich auf einer Terrasse in einem Restaurant sitzt und sich mit dem Kellner unterhaltet, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.

„Was ist lustig?" fragt er wie vorausgesehen.

„Ach für eine kurze Weile hatte ich den Eindruck, wir seien in der Konferenzhalle im Hauptquartier," sage ich schmunzelnd. „So redest du bei den Treffen, aber in einem Restaurant klingt es ein wenig lustig."

„Wie soll ich sonst mit den Menschen reden?" fragt der dunkle Prinz überrascht.

Ich schüttele den Kopf und grinse ihn breit an. Das Ganze gefällt mir. Aber die Anspannung hat noch nicht nachgelassen und ich erwarte jede Sekunde, dass er irgendwelche schrecklichen Nachrichten austeilt.

Als er seinen Vorspeiseteller in die Hände nimmt, mache ich es ihm gleich. Ich bin gar nicht hungrig, aber ich mag die französische Küche. Und außerdem bin ich mit Erebus hier.

Erebus hat nicht viel über unseren Angriff auf das Gefängnis gesprochen. Natürlich fragt sich der gesamte dunkle Orden, was passiert ist, als er zusammen mit Longbottom disappariert ist, aber keiner wagt sich, ihm diese Frage zu stellen. Hätte er ihn umgebracht, hätte er gefeiert und man kann nur aus seinem Benehmen schließen, dass Longbottom davongelaufen ist. Aber warum hat Erebus gesagt, er sei von ihm enttäuscht? Ich weiß, dass sie einander schreiben, aber in jenem Moment kam es mir vor, als teilten die beiden ein gemeinsames Geheimnis.

„Wie geht es weiter mit Amerika?" frage ich.

Wenn es irgendjemand wagt, ihm solche Fragen zu stellen, dann nur ich.

„Momentan geht es überhaupt nicht," antwortet er mit vollem Mund. „Wir haben die Todesritter befreit, Punkt."

„Also hattest du nie vor, den Zauberhof einzunehmen?" frage ich.

Der dunkle Prinz lächelt hämisch.

„Glauben alle Todesser daran?" fragt er.

„Ich und Hermine sicherlich nicht," sage ich achselzuckend. „Sie glaubt, du hast uns dorthin geführt nur weil du wusstest, dass Dumbledore und Longbottom ebenfalls da sein werden. Ich hatte auch meine Zweifel aber ich bin deinen Befehlen gefolgt. Als plötzlich weitere Amerikaner zu erscheinen begannen, wusste ich, dass Sieg unmöglich war. Weswegen ich Rückzug befohlen habe."

Er nickt nur und sagt nichts dazu. Wenn es um Kriegspläne geht, muss man jedes Wort aus ihm herauskitzeln.

„Wir treffen uns wieder," murmelt er.

„Mit Longbottom?" hake ich schnell nach, bevor er den Mund zumacht und ich kein Wort mehr aus ihm herausbekommen kann. „Er nennt sich der Erbe des Lichtes. Aber ist das wahr? Ist er tatsächlich der Erbe des Lichtes?"

„Man merkt, dass er den Kampfstil von Dumbledore Nummer eins nachahmt," sagt er langsam. „Man merkt auch, dass er etwas von diesen beflügelten, fetten Kindern bekommen hat. Und trotz dem, wie tapfer er sich anstellt, weiß ich, dass er in seinem Inneren noch immer Schiss vor mir hat."

Sowie der gesamte dunkle Orden und beziehungsweise ich. Vielleicht spricht da der Schwarzmagier in mir, der sich von allem Furchterregenden angezogen fühlt. Aber wenn er nicht die feine Grenze zwischen dem Leid und dem Genuss überschreitet, mag ich – auf eine verdrehte Weise – wenn er mir Angst einjagt.

„Wie endete das Duell?" frage ich.

Erebus zuckt mit Achseln.

„Dumbledore Nummer zwei ist gekommen und ist mit Longbottom disappariert," sagt er einfach.

Aber es hört sich nicht so an, als rege er sich darüber auf. Ganz im Gegenteil.

„Wir treffen uns wieder," sagt er abwinkend. „Ich bin in keiner Eile. Und außerdem bin ich darauf gespannt, zu sehen, was er in der Zwischenzeit lernen wird."

Also ist das Ganze ein Spiel für ihn. Und dieses Katze und Maus Spiel spielt er gerne.

„Der dunkle Lord und Grindelwald werden bald zu Hause sein und ich werde wahrscheinlich den Rest des Abends bei ihnen verbringen," fährt er fort.

Er hat eine Flasche Wein bestellt und füllt ein volles Glas davon für mich ohne mich zu fragen, ob ich Wein trinken möchte. Aber ich genieße das Ganze so sehr, dass ich momentan gar nichts ablehnen würde. Es fühlt sich wie ein Traum an – er hat mich zum Abendessen eingeladen, hat dazu zum Anlass einen Anzug angezogen und sein Haar gekämmt. Und jetzt sitzen wir auf der Terrasse eines Restaurants in Paris und essen. Romantischer kann es nicht sein. Aber etwas sagt mir, dass es nicht seine Absicht war, unser Abendessen in ein romantisches Rendezvous zu verwandeln, sondern dass der Restaurantbesitzer vermutet hat, ihm würde so was gefallen. Er hat sicherlich gefragt, wie viele Gäste er mitnimmt und als ihm der dunkle Prinz gesagt hat, er komme mit noch einer Person, hat er natürlich vermutet, dass diese Person sein Liebhaber oder seine Liebhaberin ist.

Nein, er hat mich zu diesem Abendessen eingeladen weil er aus dem Hauptquartier raus wollte und weil er mir etwas mitteilen wollte. Nur was?

„Erebus, ich muss dich fragen..." fange ich an und räuspere mich, bevor ich fortfahre. „Hat diese russische Seherin eine Prophezeiung gemacht, die deinen Tod vorhersagt?"

Er stellt das Weinglas beiseite und leckt sich die Lippen. Obwohl sein Ausdruck eine Maske ist, weiß ich, dass er zu entscheiden versucht, wie er seine Antwort – falls er mir eine gibt – formulieren soll.

„Nur ein Hellmagier glaubt an das Schicksal und lässt sich von den Prophezeiungen an der Nase herumführen," sagt er langsam, dabei jedes Wort abwägend. „Denn nur ein Hellmagier lässt sich von jemandem oder etwas kontrollieren. Ein Schwarzmagier erkennt die Autorität und die Macht seines Vorgesetzten an, ist sich aber immer bewusst, dass er alleine der Schöpfer seines Schicksals ist."

„Der dunkle Lord hat mir vor vier Jahren gesagt, er glaube an das Schicksal," fährt er fort. „Aber unter diesem Begriff versteht er nicht das, was man normalerweise darunter verstehen. Er wusste immer, dass er etwas Großartiges bewirken wollte. Am Anfang wusste er natürlich nicht, was. Aber der Keim der Großartigkeit war immer da."

„Ein Hellmagier behauptet, dass das Schicksal sein Leben kontrolliert und dass er dagegen gar nichts unternehmen kann und beziehungsweise soll. Die Muggel schreiben es Gott zu und betrachten es als seinen Willen. Ein Hellmagier möchte sich nicht seinem Schicksal gegenüberstellen, weil er fest überzeugt ist, dass das nirgendwo hin führt. Nur ein Schwarzmagier ist frech genug um zu behaupten, dass er der Meister seines eigenen Schicksals ist und dass er dem Weg folgen kann, dem er folgen will. Mit uns kommt es darauf an, wohin man gehen möchte. Und einem Schwarzmagier ist klar, dass auch wenn alles auf das Ende seiner irdischen Existenz hinweist, dass er alleine durch seine Willenskraft diese schon sichere Zukunft ändern kann. Weil er sich von nichts und niemandem kontrollieren lässt."

„Der Weg zur Macht und Großartigkeit ist mit den Knochen der Feiglinge gepflastert," sagt er schmunzelnd. „Vergiss das nicht, Draco."

„Du alleine darfst wissen, worum es geht, weil ich dich und Hermine als meine Stellvertreter betrachte," sagt er ernst. „Der gesamte Orden fragt sich, warum wir nach Amerika gegangen sind. Nicht wegen der Todesritter und sicherlich nicht, weil den Zauberhof erobern wollte. Momentan ist mir so was nicht im Kopf und es ist nicht die Zeit dafür. Das heißt nicht, dass ich nicht glaube, es sei nicht machbar. Wenn ich gespürt hätte, dass das das richtige zu tun ist, hätte ich es getan."

„Wie gesagt, glaube ich nicht an Prophezeiungen. Das heißt, ich glaube nicht, dass ich zulassen muss, dass sie wahr werden. Ich glaube natürlich, dass die Zukunft eine gewisse Wendung nehmen kann und dass man sie voraussehen kann. Die Zukunft ist das Ergebnis bestimmter Ereignisse und Entscheidungen, die, wenn man wie früher weitermacht, eintreten wird. Sie ist wie ein Fluss, der in einer bestimmten Richtung fließt. Aber das heißt nicht, dass man diese Richtung nicht ändern kann."

„Stell dir ein Boot und einen Menschen drin vor, der sich von dem Fluss fortbewegen lässt. Ein Hellmagier sitzt ruhig da und überlässt dem Fluss die Wahl, wo er hingetragen wird. Er stellt keine Fragen auch dann, wenn es so aussieht, als würde er einen Wasserfall hinunter getragen werden. Weil ihn der Fluss in diese Richtung trägt und weil er denkt, er könne gar nichts dagegen unternehmen, außer vielleicht 'Scheiße, ich sterbe' zu denken. Ein Schwarzmagier jedoch wünscht sich ein Paddel herbei, womit er weg von dem Wasserfall paddeln kann. Er beschafft sich das Paddel mithilfe seiner Magie weil er keine Absicht hat, den Wasserfall hinunter zu fallen. Einem Hellmagier wiederum fällt so was überhaupt nicht ein und er denkt, dass er gar nichts dagegen unternehmen kann. Verstehst du, was ich dir sagen will?"

Während er gesprochen hat, habe ich vergessen, zu essen, und habe ihn wie gebannt angestarrt. Erebus ist voller Weisheit, die er jedoch normalerweise für sich selbst behält, obwohl ich mir wünsche, er würde so was mit mir öfter teilen. Und in diesem bestimmten Moment habe ich den Eindruck, dass er in letzter Zeit wie der dunkle Lord spricht. Er ist weise, hängt es aber nicht an die große Glocke. Er kann ruhig über solche Sachen wie seine eigene Zukunft und seinen Tod reden, als wären sie etwas Alltägliches. Es wird mich stets überraschen, wie gelassen er über seine bloße Existenz reden kann, als gehe sie ihn überhaupt nichts an.

„Ja," sage ich, unfähig von ihm wegzublicken. Die grünen Augen die mich aus der Nähe anschauen, verzaubern mich und ich verliere mich in ihren Tiefen.

Er wird sogar seinen eigenen Tod beherrschen, sowie der dunkle Lord es einmal getan hat. Er tritt in der Tat in seine Fußstapfen...

„Was auch immer passiert, stehe ich zu dir und werde dir immer treu sein," sage ich leise.

Denn ich weiß, was ihm Sorgen bereitet. Dass ich etwas Dummes anstelle, falls ihm etwas passiert. Ich, im Gegensatz zu ihm, besitze die Fähigkeit, verschiedene Emotionen zu empfinden und dazu weiß ich, dass ich manchmal Sachen zu tief empfinde. Erebus meint, es werde mein Untergang sein. Und in diesem Moment ist mir wichtig, ihm zu versichern, dass ich nichts Dummes machen werde sodass er ruhig weitermachen kann und daran keine weiteren Gedanken verschwenden muss.

Die grünen Augen mustern mich und wie vorher spüre ich seine Gegenwart in meinem Geist. Er überprüft meine Gedanken.

„Gut," stellt er sich zufrieden und nimmt wieder die Gabel in die Hand. „Jetzt da wir das geklärt haben, können wir uns dem nächsten Punkt auf meiner Liste zuwenden. Ich möchte, dass wir zusammen ein Hochzeitsritual ausführen."

Er isst weiter, wobei meine Hand mitten in der Luft schweben bleibt als mein Verstand zu begreifen versucht, was er soeben gesagt hat.

„Wie bitte?" platzt es aus mir.

„Bald werde ich volljährig sein," fährt er seelenruhig fort, seine Tomate gabelnd als wäre sie der Kopf von Neville Longbottom. „Und ich weiß, dass ihr wieder eine Party für mich plant. Dieses Mal habe ich nichts dagegen. Ich möchte aber, dass wir auch das Hochzeitsritual ausführen, das ich schreiben werde. So werde ich wenigstens gleich danach verschwinden können und mir keine arschkriechenden Todesser anhören müssen."

Er sieht sehr zufrieden mit sich selbst und mit seiner Idee aus.

„Ein Hochzeitsritual? Du... du möchtest... mich heiraten?" stottere ich.

„Wir sind ja verlobt," sagt er sachlich, die Augen verengend. „Gibt es denn ein Problem? Möchtest du mich nicht heiraten?"

„NEIN," sage ich schnell und vielleicht auch etwas zu laut. „Nein! Es gibt nichts anderes, was mir lieber wäre. Aber... warum?"

Er zieht die Augenbrauen in die Höhe und ich sehe, dass er mein Benehmen und meine Frage nicht versteht.

„Ich verstehe einfach nicht, was du dabei verwirrend findest," sagt er gereizt. „Du fragst mich, WARUM ich dich heiraten will?"

„Ja," sage ich, noch immer total überrumpelt. „Ich meine, nein!"

Ich atme tief durch und lasse meine Hand mit der Gabel sinken.

„Warum jetzt? Gibt es denn einen Grund, warum du mich ausgerechnet jetzt heiraten willst? Steht es im Zusammenhang mit dieser Prophezeiung?"

Der Ausdruck in seinem Gesicht gefällt mir gar nicht... Ich soll meine Gedanken besser formulieren.

„Erebus, du weißt schon, dass ich dich mit meinem ganzen Wesen liebe und dass ich, seit ich dich getroffen habe, von diesem Moment geträumt habe," fahre ich schnell fort. „Und du erwähnst so was so beiläufig, als wäre es gar nicht wichtig. Ich möchte nur verstehen, warum du es tun möchtest, weil ich dir dabei helfen möchte. Aber worum auch immer es geht, werde ich dich heiraten und dir immer treu sein, was auch immer passiert. Bitte versteh mich nicht falsch."

„Menschen sind echt verwirrend," murmelt er. „Und manchmal kann ich sie nicht verstehen. Aber ja, du hast Recht. Ich habe es natürlich geplant, habe aber kein Datum festgelegt. Hauptsächlich möchte ich dich jetzt heiraten weil ich vorhabe, die aus dem Hochzeitsritual entstehende Verbindung für meine Zwecke zu benutzen. Denn das Ritual dient unter anderem dazu, eine Verbindung zwischen den zwei Seiten zu erschaffen, die mir bei meinem Plan behilflich sein könnte."

„Den Tod zu besiegen?" hake ich nach.

Er nickt und schaut mich ernst an.

„Ich werde dir mithilfe des Hochzeitsrituals nicht deine Freiheit wegnehmen," sagt er. „So sehe ich die Ehe nicht. Die Ehe, meiner Meinung nach, soll eine Partnerschaft sein, wobei ein Partner nicht den anderen mit Versprechen oder Bedingungen fesselt und ihm dadurch seine Freiheit raubt. Eine Ehe soll nie ein Käfig sein. Du sollst mir dein ganzes Leben lang treu sein, sollst es aber nicht als ein Teil des Hochzeitsrituals schwören. Das ist deine Pflicht als die meines Stellvertreters, die auch Hermines Pflicht ist. Das Hochzeitsritual, das ich schreiben und mit dir ausführen werde, dient hauptsächlich dazu, unsere Seelen auf einander aufmerksam zu machen und ermöglicht ihnen, die andere als die Folge der Verbindung zu finden und mit ihr zu kommunizieren."

„Das ist unglaublich," platzt es aus mir. „Das ist außerordentliche Magie!"

„Das ist Seelenmagie," sagt Erebus ernst. „Und ich habe sie von meinem Meister erlernt. Sind wir einverstanden?"

„Ja," sage ich schnell und kann mir dabei nicht ein breites Grinsen verkneifen. „Ja! Ich heirate dich. Und es wird mir eine große Ehre sein, das Hochzeitsritual zusammen mit dir ausführen zu können."

„Gut," sagt er zufrieden, lehnt sich zurück und nimmt wieder das Glas in seine Hand. „Das Ritual wird also an meinem Geburtstag stattfinden. „Da du einen Monat früher als ich volljährig sein wirst, brauchen wir keine Zustimmung deiner Eltern."

Mein Gesicht schmerzt schon vom Grinsen und ich weiß einfach nicht, was ich sagen oder tun soll, um meine Freude auszudrücken. So glücklich war ich noch nie.

Schließlich packe ich ihn an der Hand und drücke sie. Sein Ausdruck verfinstert sich und mir wird plötzlich klar, dass wir uns in der Öffentlichkeit befinden und dass ich ihm versprochen habe, auf Zärtlichkeiten und jegliche Ausdrücke der Zuneigung, die auf unsere Beziehung hinweisen könnten, in der Öffentlichkeit zu verzichten.

Ich bringe seine Hand zu meinen Lippen und küsse sie.

„Ich werde dich nicht enttäuschen," sage ich leise. „Und du wirst immer und vor allem, mein Meister bleiben."

Ich habe das richtige getan und gesagt, denn die grünen Augen spiegeln Zufriedenheit. Genau das wollte er von mir hören.

„So bald ich mit dem Schreiben des Rituals fertig bin, werde ich dir beibringen, was ich von dir erwarte und was du tun musst," sagt er. „Es wird nichts schwieriges sein. Ich wiederum werde den Teil ausführen, der sich auf die Verbindung bezieht."

„Aber bis dahin, kein Wort zu keinem darüber," sagt er, mit der Gabel auf mich deutend. „Nur jene, die mir nahe stehen und die mein vollkommenes Vertrauen haben, werden davon Bescheid wissen und daran teilnehmen können. Verstanden?"

„Natürlich, Erebus," sage ich glücklich.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich so glücklich war. Und als wir weiter über den Orden und Politik plaudern, kann ich nicht aufhören, über die Hochzeit nachzudenken.

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/Harrys Sicht

Ich verstehe einfach nicht warum sich die Menschen so über Hochzeiten aufregen und warum sie davon träumen. Wenn man schon mit jemandem zusammen ist, bedeutet ein Stück Papier gar nichts. Klar, es gibt natürlich Familiengesetze, die den Partnern ermöglichen, das Eigentum zu teilen und viele heiraten aus diesem Grund. Reichtum. Geld. Manche heiraten, um Kinder haben zu können, was auch lächerlich ist. Man kann jederzeit Kinder haben und deswegen muss man nicht heiraten. Unter Schwarzmagiern gibt es den Brauch, sich einen Partner oder eine Partnerin so schnell wie möglich zu finden, der oder die auch aus einer dunklen Familie kommt. Denn durch die Kinder lebt die dunkle Magie der Partner weiter. Sogar das kann ich verstehen.

Aber was ich nicht verstehen kann ist warum Menschen eine Show daraus machen müssen. Warum man sich monatelang darauf vorbereitet und sich sogar auf diesen Zirkus freut. Frauen kaufen Hochzeitskleider und gehen zum Friseur, sogar wählen Kuchen, die bei der Hochzeit gegessen werden. Oder isst man eine Torte bei den Hochzeiten? Keine Ahnung und ich habe keine Absicht es herauszufinden. Ich werde keinen solchen Zirkus erlauben und keiner kann mir befehlen, wie meine eigene Hochzeit aussehen wird. Das, was ich brauche, sind ein Ritual und ein paar Zeugen. Ich möchte nicht, dass die ganze Welt davon Bescheid weiß, obwohl ich mir sicher bin, dass ich es nicht ewig geheim halten kann. Und außerdem weiß ich, dass sobald eine Partnerschaft mithilfe von Magie, von welcher Art auch immer, abgeschlossen wird, die Behörden davon Bescheid wissen, weil die Magie dafür sorgt, dass die gerade erschaffene Verbindung in den Archiven auftaucht.

Ich sitze mit Lord Voldemort und Grindelwald in seinem Wohnzimmer und mein Lehrer hat gelacht, als ich ihm, nachdem wir stundenlang über den Angriff auf das amerikanische Gefängnis geredet haben, von diesem Teil meines Plans erzählt habe.

Grindelwald lacht wie ein Kind und Lord Voldemort hat auch nicht besser auf die Neuigkeiten reagiert. Anscheinend haben sie zu viel Zeit miteinander verbracht.

„Ich kann mir dich als einen Familienzauberer nicht vorstellen," meint Grindelwald, der noch immer kichert.

Ich knirsche mit den Zähnen. Ich habe ihnen schon klargemacht, warum ich es tue, und doch machen sie sich noch immer darüber lustig.

„Erebus, gibt es etwas, was du mir sagen möchtest?" fragt Lord Voldemort plötzlich. „Ist es möglich, dass dein Liebhaber schwanger ist?"

Das ist der Gipfel. Ich werde nicht ruhig sitzen und zulassen, dass sie sich über mich lustig machen.

„Niemand ist schwanger, verdammt noch mal!" brülle ich. „Ich hab euch doch gesagt, warum ich heirate! Geht es in eure dicken Schädel nicht?"

„Ach gut," sagt Voldemort und nickt. „Denn ein Kind wäre sicherlich nur ein Hindernis. Dein Liebhaber ist ein sehr guter Heiler und solche Heiler brauchen wir im Krieg."

„Um schwanger zu werden braucht man Tränke," zische ich. „Und ich habe ihm nie erlaubt, einen für sich zu brauen. Das weiß er. Und er weiß auch, dass ich keine Absicht habe, Kinder zu haben und dass ich jeden Versuch, über mich hinweg zu handeln, ernst bestraft sein wird. Also was soll der Scheiß?"

„Zügele dein Mundwerk," sagt der dunkle Lord trocken. „Mir ist völlig klar, warum du entschieden hast, eine Verbindung auf diese Weise zwischen euch zu erschaffen, obwohl ich der Meinung bin, dass sie völlig unnötig ist. Du hast mich."

„Man kann nie sicher sein," sage ich mürrisch.

„Mir gefällt deine Denkweise, Erebus," meint der dunkle Lord. „Es scheint, dass du endlich begriffen hast, wie wichtig es ist, immer vorsichtig vorzugehen und einen zusätzlichen Plan auf Lager zu haben."

„Danke, Meister," sage ich schlechtgelaunt. „Ist das Thema Hochzeit jetzt abgeschlossen? Können wir uns dem Wichtigen zuwenden?"

„Ich hab gedacht, dass das der wichtige Teil war," wirft Grindelwald ein.

Ich werfe ihm einen vernichtenden Blick zu und der alte Schwarzmagier grinst wieder.

„Ich bin fertig mit meinen Witzen," sagt er. „Wir können weitermachen."

„Gut," sage ich. „Ihr habt schon meine Neuigkeiten gehört. Wie steht es mit euren?"

„Nun," sagt der dunkle Lord, der seufzt und seine Pfeife nachfüllt. „Nachdem wir alle Grindelwalds Knechte besucht haben..."

„Anhänger," verbessert ihn Grindelwald.

Ach wie rührend. Voldemort hat sich jemanden anderen zum Zanken gefunden. Wenigstes macht er es nicht mehr mit mir, was manchmal ermüdend ist.

„Anhänger," sagt Voldemort mit einem hämischen Lächeln. „Ja, nachdem wir die Lage unter seinen ehemaligen Anhängern eingeschätzt haben, sind wir nach Großbritannien gereist. Wir haben die Bühne für ein totales Chaos vorbereitet."

„Ja," sagt Grindelwald grinsend. „Wir haben eine Brücke in die Luft gejagt. Und dann auch ein Theater."

„Und danach haben wir einen Besuch dem Muggelminister abgestattet," sagt Voldemort.

„Ich sehe ja, dass ihr viel Spaß hattet, aber ich würde gerne wissen, was Muggel wohl mit unseren Plänen für Großbritannien zu tun haben," werfe ich trocken ein.

Gib zwei Schwarzmagiern eine gefährliche und womöglich tödliche Waffe und sie werden damit spielen als wären sie wieder acht Jahre alt.

„Ich habe es schon seit einer Weile vermutet, aber jetzt habe ich Beweise," sagt Voldemort zufrieden. „Der Muggelminister Großbritanniens steht im Kontakt mit Rufus Scrimgeour."

„Was?" platzt es aus mir. „Wie ist das nur möglich? Was ist mit dem Geheimgesetz passiert? Alle magischen Regierungen und Ministerien halten sich seit Jahrhunderten daran. Und Ihr sagt, dass ausgerechnet Rufus Scrimgeour dieses Gesetz verletzt hat?"

„Die Verletzung des Geheimgesetzes bezieht sich nur auf den Muggelminister," sagt Voldemort. „Sie arbeiten zusammen. Da der Muggelminister eine Katastrophe verhindern will, hat er uns weitere Kooperation versprochen, beziehungsweise unterschrieben."

Alles schriftlich zu haben ist zweifelsohne immer eine gute Idee. Insbesondere wenn man das Papier mit einem Fluch belegt.

„Und weitere Kooperation heißt was genau?" frage ich.

„Er wird mit Scrimgeour sprechen," sagt Voldemort. „Ihm damit drohen, dass er die bloße Existenz der Zaubergesellschaft in Großbritannien bekannt geben wird, falls er nicht sein Amt aufgibt und Großbritannien verlässt."

„Und Scrimgeour ist ein Problem, das wir gerne entledigen würden," meldet sich Grindelwald zu Wort. „Der Mann ist einfach zu fleißig."

„Na schön, er verschwindet aus Großbritannien und dann was? Was kann uns das bringen?" frage ich trocken.

„Ohne ihn wird das Ministerium Großbritanniens auseinander fallen," sagt Voldemort zufrieden. „Wir haben schon viele Todesser im britischen Ministerium, viele von denen sind geschätzt und würden die Wahl gewinnen. Mit ein wenig Unterstützung, natürlich. In diesem Fall würden wir gar keine dramatischen Maßnahmen benutzen müssen, sowie einen direkten Angriff auf das Ministerium. Wir tun das gleiche, was wir schon mit Frankreich getan haben. Wir stellen einen unserer Männer an die Spitze und überlassen ihm die Arbeit."

„Aber so lange Scrimgeour und seine Vertrauten da sind, können wir nichts ohne ernste Maßnahmen erreichen," sagt Grindelwald ernst. „Die Todesser werden schon seine Vertrauten wegräumen sobald einer von ihnen zum Minister ernannt wird. Haben wir schon über den nächsten Minister gesprochen, Lord Voldemort?"

„Noch nicht," sagt Voldemort.

Also hat ihm Voldemort endlich beigebracht, wie man ihn ansprechen soll. Aber das überraschendste daran ist, dass sich Grindelwald überhaupt in so was hat hineinziehen lassen. Denn wir alle wissen, was er von Muggeln hält.

„Hast du schon eine Person im Kopf?" hakt der alte Schwarzmagier nach.

„Viele," sagt der dunkle Lord mysteriös. „Und das wird kein Problem sein."

„Wir hätten das Ministerium einfach angreifen können," sage ich. „Ich sehe einfach nicht, warum das Ganze notwendig war."

„Am Anfang war auch ich dagegen, aber ich musste mitmachen. Danach ist mir klar geworden, dass mir das Ganze Spaß macht," sagt Grindelwald grinsend, dabei seine gelben Zähne zeigend.

Ach ja, das erklärt alles.

„Zweitens, Scrimgeour ist ein sehr einfallsreicher Mann," sagt der dunkle Lord. „Seit er zum Minister ernannt worden ist, steht er im Kontakt mit dem Phönixorden – was dein Spion, Black, herausgefunden hat – und dazu haben wir auch von dem Muggelminister erfahren, dass er strenge Sicherheitsmaßnahmen eingeführt hat. Es wäre natürlich doch möglich, ins Ministerium einzudringen, aber nicht ohne harte Arbeit. Und warum sollten wir es auf die schwierige Weise tun, wenn wir schon alles ohne uns zu bemühen bekommen können?"

Nun ja, wenn du die Sache so erklärst, ergibt sie einen Sinn.

„Russland wiederum wird eine harter Nuss sein," fährt Voldemort nachdenklich fort. „Es ist nicht nur, dass die Verfolgungen der Schwarzmagier nicht aufgehört haben, sondern dass sich die Situation sogar zugespitzt hat. Da das Land kein zentralisiertes Regierungssystem hat, sondern mehrere Abteilungen, jede von denen für einen bestimmten Teil Russlands zuständig, führt jeder Teil Russlands seine eigene Politik. Aber in einem scheinen sie doch einig zu sein – Schwarzmagie soll ausgerottet werden und keiner, der etwas damit zu tun hat, soll frei durch die Straßen schlendern. Sie scheinen aber keine bestimmten Gesetze was das angeht erlassen zu haben, sondern stecken alle Verdächtige in eine Schublade, die 'ernste Gefahr für die russische Zaubergesellschaft darstellt' heißt. Unabhängig davon, ob es wahr ist oder nicht. Denn sie scheinen sich nicht mit der Überprüfung beschäftigen zu wollen."

„Ja, Russland lassen wir für eine Weile in Ruhe," meint Grindelwald. „Aber ich war erfreut festzustellen, dass mich meine Anhänger in Mitteleuropa nicht vergessen haben. In der Zwischenzeit haben sie für ein gutes Leben gesorgt, haben aber ihren Kindern und ihrer Familie die gute alte schwarzmagische Tradition beigebracht. So haben wir jetzt eine Menge Anhänger in diesen Ländern, die für ernste Arbeit bereit sind. Aber der dunkle Lord denkt, dass sie nicht seinem idealen Ebenbild eines Todessers entsprechen."

Ich schaue zu Voldemort, der mit der Nase rümpft.

„Sie vertreten nämlich veraltete Ansichten," sagt er.

„Die jedoch zu meiner Zeit auch meine waren," wirft Grindelwald ein.

„Schön und gut, aber dies ist eine neue Ära und wir leben in modernen Zeiten, Grindelwald," sagt der dunkle Lord trocken. Er schaut zu mir. „Sie sind nämlich der Ansicht, dass die wichtigen Pflichten eines Schwarzmagiers sind den Nachwuchs zu beschaffen und die uralten Traditionen an ihn weiterzugeben. Dazu sind sie ziemlich intolerant den Halbblütigen und Muggelgeborenen gegenüber."

Ich seufze. Das wird ein großes Problem sein aber es erklärt, warum so wenige Todesser aus Mitteleuropa in unseren Reihen sind. Sie alle glauben noch immer an Grindelwalds Ideale und möchten Voldemort nicht folgen, weil er modernere Ansichten vertritt. Und vielleicht auch weil er kein reinblütiger Zauberer ist. Dies ist natürlich keine weltweit bekannte Tatsache, aber wenn man Informationen will, bekommt man sie auch.

„Na krass," sage ich. „Wir haben Schwarzmagier in Mitteleuropa, die einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind; verrückte Amerikaner, die an Menschenrechte glauben, greifen aber gnadenlos an wenn man etwas gegen ihre Geheimorganisation unternimmt; die nordischen Länder, wo man absolute Kontrolle mithilfe der Überwachungszauber und Verbotszauber erreichen möchte; die Spanier, die sich jeden Tag miteinander zanken und einander umbringen; die Ägypter, die kampflustig sind; und die Russen, die keinen Minister oder Präsidenten haben und wo jeder Teil Russlands seine eigene Politik führt. Das ist zum Heulen."

„Gehirnwäsche?" fragt Grindelwald, mich anschauend.

„Genau," sagt Voldemort, in meine Richtung nickend. „Eine gute Zusammenfassung, Erebus. Nun, lass mich dieses Buch, das deine Dienerin in Finnland gefunden hat, sehen."

„Moment mal," wirft Grindelwald wütend ein, auf mich deutend. „Gehirnwäsche?"

„Vielleicht hat sich mein Lehrling ein bisschen politisch inkorrekt ausgedrückt," sagt Voldemort trocken. „Natürlich waren all diese Werte zu deiner Zeit schwarzmagische Ideale. Aber wir, die den dunklen Strom vertreten, teilen diese Ansichten nicht und betrachten sie dazu als veraltet. Ich glaube nicht, dass ein Schwarzmagier, der Macht anstrebt, nur ans Fortpflanzen und die Gründung seiner eigenen Familie denken soll. Wir glauben, dass der dunkle Orden unsere Familie ist weil der Orden aus Gleichgesinnten eines Schwarzmagiers besteht und weil wir an gleiche Ideale glauben und die gleichen Ziele erreichen möchten. Für mich ergibt das einen Sinn. Wobei die sogenannte Blutfamilie eines Schwarzmagiers nicht mit ihm in allem übereinstimmen und auch nicht seine Meinung zu vielen Sachen teilen mag. Und letztendlich kann jeder Kinder haben und das an sich soll kein Lebensziel sein und als eine Leistung betrachtet werden, sonst wird man zu einem Zuchtstier, das keinen anderen Lebenssinn hat. Das an sich ist in direktem Widerspruch zu allem, was der dunkle Orden vertritt."

„Was deine Ansichten in Bezug auf 'das reine schwarzmagische Blut' angeht, habe ich am Anfang die gleichen Ansichten vertretet," fährt er fort, dabei Grindelwald gar keine Zeit gebend, um ihm zu widersprechen. Ach es ist so schön, wenn er jemandem anderen Predigten hält!

„Mir ist aber klar geworden, dass ich Schwarzmagier nicht so einstufen kann, einfach weil die Abstammung an sich nicht die Fähigkeiten und die Macht der Person in Frage bestimmt, sondern eher seine Entscheidungen und seine Einstellung dem Leben gegenüber. Dazu bin ich auch zum Schluss gekommen, dass die Magie und das magische Potenzial des Einzelnen in seiner Seele und nicht in seinem Blut leben, sowie du früher geglaubt hast. Ich selbst bin kein reinblütiger Zauberer und Erebus' Mutter war eine Muggelgeborene. Aber unsere Taten, unsere Macht und unser Wissen sind Beweise unseres Potenzials und sind zweifelsohne wichtiger als die Abstammung der Menschen, die unsere Eltern waren."

„Du kannst weiter an deine ach so tollen Ideale glauben, aber ich muss dich warnen. Da du den Schwur abgelegt hast, zu uns zu stehen und dem dunklen Strom zu helfen, musst du deine Einstellungen und deine Sichtweise im Allgemeinen bedenken. Du kannst wählen, in dieser Neuzeit zu leben oder mit uns nicht mehr zusammenzuarbeiten."

Grindelwald starrt ihn mit blitzenden Augen an. Aber auch er scheint keine Einwände zu haben. Ich grinse breit und schüttele den Kopf. Ich habe den dunklen Lord echt vermisst. Mal sehen, was Grindelwald tut. Wir wissen doch, dass er mit uns weiter arbeiten möchte. Und nicht nur weil er weiterleben will, sondern auch weil ihm das Ganze Spaß macht. Er wird sich schon damit abfinden müssen, aber die Frage ist wann.

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„Die Mehrheit der schwer Verletzten steht momentan außerhalb der Lebensgefahr," sagt Draco. „Aber zwei sind noch immer bewusstlos."

„Ich höre, dass du dich selbst um die schwer Verletzten kümmern wolltest," sage ich. „Dass du Severus daran gehindert hast, ihnen zu helfen."

Hermine schaut neugierig zu mir. Denn es klingt so, als sei ich der Meinung, Draco habe die falsche Entscheidung getroffen.

„Severus ist ein Heiler, der seine Patienten heilt, solange die Lage nicht zu ernst ist," sagt Draco mit Verachtung. „Dann gibt er es auf und lässt die Person sterben. Ich wiederum bin ein Heiler, der alles in seiner Macht stehende unternimmt, und ja, vielleicht auch manchmal mit Heilmitteln und alternativen Heilmethoden experimentiert, um die Person zu retten. Ich gebe nicht auf, bis die Person tot ist."

Ich lehne mich zurück und mustere ihn. Ist seine Empathie, die einfach grenzenlos scheint, für diese Einstellung verantwortlich? Oder fühlt Draco dass es seine Pflicht ist, jedes Leben zu retten, das er retten kann, weil er ein Heiler ist?

„Es ist gut so," sage ich schließlich. „Ich werde es mir überlegen und sehen, ob ich dir ein paar Assistenten finden kann, mit denen du besser zusammenarbeiten würdest."

Hermine scheint ein wenig überrascht zu sein. Sicherlich denkt sie, wie die Mehrheit der Todesser, dass Draco und Severus ein eingespieltes Team sind und dass sie gut miteinander auskommen. Aber Draco billigt seine Methoden nicht und Severus gefällt Dracos Rumexperimentieren nicht.

„Danke, Erebus," sagt Draco und lächelt.

Seit ich ihm gesagt habe, dass ich ein Hochzeitsritual ausführen will, kann er nicht aufhören zu grinsen und darüber ständig nachzudenken. Ich verstehe ja, dass er glücklich ist, aber ich verstehe einfach nicht warum das in seinen Augen etwas ändert. Denkt er, dass sich unsere Beziehung verbessern wird, wenn wir heiraten? Wenn ja, ist das ziemlich dumm. Menschen heiraten aus verschiedenen Gründen aber der dümmste ist, weil man denkt, dass ein Stück Papier (und unter Schwarzmagiern, auch ein Hochzeitsritual) etwas ändern wird. Vielleicht ist das Ergebnis eines Hochzeitsrituals eine Verbindung – aber sogar eine Verbindung kann nicht die Beziehung zwischen zwei Menschen ändern.

„Und nun zum Wichtigen," sage ich. „Ich möchte euch beide zu meinen Stellvertretern ernennen und ich habe vor, es bei einer Todesserversammlung zu tun."

Hermine starrt mich fassungslos an.

„Natürlich weiß die Mehrheit der Todesser, dass ihr zwei mein volles Vertrauen habt, aber ich möchte es öffentlich bekannt machen," fahre ich fort. „Draco hat gleich auf meine Abwesenheit reagiert und eine Entscheidung getroffen – und es war die richtige Entscheidung. Aber ich möchte dem gesamten dunklen Orden klar machen, wer Entscheidungen trifft falls ich nicht da bin."

Ich sehe schon, dass Hermine darüber nachdenkt, warum ich erst jetzt so was tue. Und ich weiß, dass ich sie bis zu einem gewissen Grad werde einweihen müssen. Denn obwohl sie immer meinen Befehlen folgt, wird sie keine Ruhe finden, bis sie den Grund für meine Entscheidung entdeckt.

„Was ich dir jetzt sagen werde, Hermine, darf diesen Raum nicht verlassen," sage ich, ihr in die Augen schauend. „Schwöre es."

Jetzt sichtbar nervös, zückt sie ihren Stab und legt ihn auf ihre Handfläche.

„Ich, Hermine Jane Granger, schwöre auf meine Magie, dass ich keinem davon etwas erzählen werde, was mir der dunkle Prinz jetzt mitteilt," sagt sie leise.

„Schön," sage ich, mich zurücklehnend. „Also, Hermine, es besteht die Möglichkeit, dass ich für eine Weile nicht da sein werde. Aus welchem Grund ich sicher sein möchte, dass ich eine Person von Vertrauen habe, die meine Ansichten teilt und meine Ziele anstrebt, die meine Ideologie versteht und die Führung übernehmen kann. Und du bist diese Person."

„Um dich zu beruhigen, habe ich keine Absicht, zu sterben," sage ich. Denn ich weiß, worüber sie gerade nachdenkt. Dafür braucht man keine Legilimentik – es steht ihr auf der Stirn geschrieben. „Und sowie ich in der Abwesenheit des dunklen Lords kurz seinen Thron und seine Pflichten übernommen habe, möchte ich auch meine eigenen Stellvertreter haben, die bereit wären, Entscheidungen statt mir zu treffen und die Armee anzuführen. Bist du einverstanden?"

„Ja," sagt Hermine schnell.

Dabei wirkt sie noch immer sehr besorgt, aber was soll man machen.

„Gut, also ab jetzt wird Draco nicht mehr kämpfen gehen," fahre ich fort. Draco öffnet den Mund um zu protestieren aber ich schneide ihm das Wort ab. „Der Angriff auf das Gefängnis beweist, wie sehr der dunkle Orden einen guten Heiler braucht und der dunkle Lord stimmt mir in dieser Sache zu. Draco wird Assistenten bekommen, denen er seine Methoden und seine Heiltechniken beibringen wird."

„Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum ich ihm verbiete, weiter kämpfen zu gehen. Vielen ist bekannt, dass er mein Liebhaber ist. Und auch wenn man schon vorher so was nicht versucht hat, besteht es die Möglichkeit, dass man diese Tatsache zu nutzen versucht. Und ich werde es nicht erlauben. Ich zweifele nicht deine Kampffähigkeiten an, Draco, möchte aber dass du den Pflichten nachkommst, die dir liegen. Das heißt, die Heilung. Die Zuspitzung des Krieges wird zu weiteren Opfern führen und der dunkle Orden kann sich nicht leisten, weitere Soldaten zu verlieren. Der dunkle Orden erkennt deine Talente und deine Sachkenntnis an, und er möchte dich als seinen Heiler haben."

Er senkt den Kopf und sagt nicht dazu, aber ich weiß, dass er sobald wir alleine sind das Thema anschneiden wird.

„Hermine wird weiter kämpfen gehen," sage ich ernst, in ihre Richtung blickend. „Trotz meiner ursprünglichen Zweifel, ist mir klar geworden, wie gut du und Laetitia zusammen kämpft. Ihr habt alle meine Erwartungen übertroffen und ich möchte, dass es so weiter bleibt. Also falls ich nicht da bin, wirst du die Anführung übernehmen und wir werden es schon heute Abend dem Orden bekannt geben. Sodass die Soldaten wüssten, wer meine Stellvertreter sind und wem sie folgen sollten, falls ich nicht da bin. Du wirst dazu einen Schwur ablegen müssen, der dich dazu verpflichtet, in meiner Abwesenheit die Anführung zu übernehmen und die Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit meiner Ideologie und meinen Zielen stehen. Du wirst voraussehen müssen, welche Entscheidung ich im gewissen Moment treffen würde und sie statt mir treffen. Bist du dazu bereit?"

„Ich werde immer mein bestes geben, das zu tun, mein Prinz," sagt Hermine.

Das weiß ich. Man würde denken, dass Bellatrix oder Barty Crouch Junior eine bessere Wahl wären, aber sie kennen mich nicht. Und außerdem besitzen sie nicht die Fähigkeit, mit ihrem Kopf klar zu denken. Hermine hat eine logische Denkweise und lässt sich nicht leicht von etwas oder jemandem ablenken. Ihr kann man trauen, sogar in der Not logisch zu handeln und nie ihren Kopf zu verlieren. Dazu kennt sie mich am besten. Ihre Leistungen in New York und in Finnland beweisen, dass sie eine sehr einfallsreiche und entschlossene Person ist, die nicht leicht aufgibt und die Kraft besitzt, jede Aufgabe zu Ende zu bringen.

„Gut, also heute Abend um zwanzig Uhr werdet ihr Schwüre vor mir ablegen," sage ich zufrieden.

Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

„Ihr dürft gehen," sage ich. „Wir sehen uns später."

Draco verlässt schweigend mein Arbeitszimmer aber Hermine hält im Türrahmen inne.

„Wenn es irgendetwas gibt, was ich tun kann..." sagt sie zögernd.

Sie spürt das Unheil, das auf mich zukommt.

„Nein, danke," sage ich abwinkend.

Sie lächelt mich kurz an, verbeugt sich und geht. Aber ich weiß, dass sie die erste Chance nutzen wird, um mit Draco darüber zu reden.

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/Dracos Sicht

Manchmal ist es schwierig, mit Hermine befreundet zu sein. Denn sie weiß, dass ich Informationen aus erster Hand habe und manchmal stellt sie mir Fragen, die ich nicht beantworten darf. In letzter Zeit jedoch passiert es nicht so oft wie früher. Mir fällt es schwierig, ihr etwas zu verschweigen weil ich sie sehr gerne habe. Sie wiederum scheint in letzter Zeit zu denken, dass ich in Schwierigkeiten geraten werde, falls ich ihr etwas enthülle, was ich ihr nicht enthüllen soll, und deswegen versucht sie mich nicht einmal in Versuchung zu bringen.

Als wir zusammen die große Konferenzhalle betreten, meidet sie meinen Blick und starrt ihre Schuhe an. Sie setzt sich schweigend zu Laetitia in die vierter Reihe, die ihr einen besorgten Blick zuwirft.

Als die Todesser durch die Doppeltür in die Halle hinein strömen, kann man deutlich sehen, dass sie keine Ahnung haben, warum sie hergerufen worden sind. Da natürlich nicht alle Diener des dunklen Lords und des Prinzen anwesend sein können, ist es zu einer Regel geworden, dass jedes Land drei Vertreter auswählt, die sich an den Treffen beteiligen und dann den anderen mitteilen, worüber beim Treffen gesprochen wurde. Aideen Delaney sitzt in erster Reihe und starrt ihre Hände an, wobei Gerard Lacroix gelassen und mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt und die zwei noch immer leeren Throne mit Interesse mustert.

Der dunkle Orden hat in den vorigen Jahren so viel gewachsen, dass es alle zwei Wochen neue Todesser gibt. Die Kandidaten werden zuerst von einem Todesser überprüft, nachdem er eine Liste verfasst und sie dem dunklen Prinzen schickt. Früher war das die Aufgabe des dunklen Lords, die er jedoch Erebus überlassen hat. So wichtig wie diese Aufgabe ist, weiß ich, dass Erebus diese Interviews äußerst langweilig findet. Es ist aber unter Todessern bekannt, dass sich der dunkle Prinz das Vorrecht nimmt, mit den Kandidaten so umzugehen wie er will. Und das heißt – er kann sie foltern, ihnen Veritaserum geben oder sonst auf eine Weise feststellen, ob sie gute Kandidaten für den dunklen Orden sind. Denn der dunkle Orden nimmt nur die besten in seine Reihen auf. Diejenigen, die nicht aufgenommen werden und doch der dunklen Seite irgendwie helfen möchten, bekommen doch die Chance, mit den Todessern aus ihrem Land zusammenzuarbeiten was bedeutet dass sie vielleicht in der Zukunft als würdig befunden und doch aufgenommen werden. Viele leben in dieser Hoffnung und bleiben die Vertrauten der Todesser.

Aus welchem Grund man bei solchen internationalen Treffen viele Sprachen gesprochen hören und Todesser aus verschiedenen Kulturen sehen kann. Aber hauptsächlich ist die offizielle Sprache des dunklen Orden Englisch, also jene, die diese Sprache noch nicht sprechen, müssen sich beeilen, sie zu erlernen sodass sie wenigstens die Grundlagen der Sprache beherrschen und auf Englisch mit dem dunklen Prinzen oder dem dunklen Lord sprechen können. Bis dahin benutzt man den Übersetzungszauber.

Die hunderten der Todesser stehen als einer auf als der dunkle Lord und Erebus zusammen die Halle betreten.

Er möchte mich heiraten... Und er erwähnt es als wäre es etwas selbstverständliches, mir dabei nicht die Frage stellend, ob ich es tun möchte oder nicht. Natürlich habe ich nicht erwartet, dass er sich hinkniet oder mir sagt, ich sei die Liebe seines Lebens. So was kann man einfach nicht von Erebus erwarten. Und ich schere mich darum nicht. Ich bin so glücklich wie nie und kann es kaum erwarten, dass er mir die Erlaubnis gibt, es Hermine zu sagen. Ich frage mich vage, ob Erebus mir erlaubt, eine Torte machen zu lassen oder den Garten mit Blumen zu schmücken. Aber ich kann mir schon seine Reaktion auf solche Frage gut vorstellen – er wird mir einen bedrohlichen Blick zuwerfen und mir sagen, es komme nicht in Frage. Na dann... Vielleicht würden ein paar leuchtende Totenköpfe ihn glücklich machen? Oh und ich soll einen Anzug bestellen... Ob er mich anbrüllt, wenn ich einen weißen tragen möchte?

„Setzt euch," hallt die Stimme des dunklen Lords in der Konferenzhalle.

Ich schüttele den Kopf und versuche mich zu sammeln. Erebus hat Recht – Menschen werden verrückt wenn man eine Hochzeit erwähnt...

Und was ist mit den Ringen? Wir sollen doch die Ringe machen lassen. Etwas sagt mir, dass er Gold nicht sonderlich mag, also wahrscheinlich Silber...

„Heute sind wir hier um ein paar Ordensangelegenheiten zu besprechen," sagt der dunkle Lord.

Besprechen wäre inkorrekt, denn normalerweise spricht er und wir nicken. Was kann man sonst tun? Der dunkle Orden ist schließlich nicht demokratisch geordnet und der dunkle Lord und der dunkle Prinz treffen alle wichtigen Entscheidungen. Die Todesser haben natürlich das Recht, um ein Treffen zu bitten wobei sie ihnen ihren Vorschlag vorlegen können, aber das heißt nicht, dass der Lord und der Prinz den Vorschlag akzeptieren müssen.

„Zuerst werde ich meinem Lehrling das Wort überlassen," sagt der dunkle Lord und deutet auf Erebus, der ihm zunickt.

„Danke, Meister," sagt er anmutig.

„Sowie ihr schon gesehen habt, im Fall, dass der dunkle Lord abwesend ist, übernehme ich all seine Pflichte und die Führung des Ordens," sagt er erhobenen Hauptes. „Aber sowie der Angriff auf das Gefängnis in den USA bewiesen hat, brauche auch ich einen Stellvertreter, sodass sich der Orden im Klaren wäre, wem er in meiner Abwesenheit folgt."

Phil Richardson und seine zwei Todesritter nicken feierlich.

Der dunkle Prinz wartet ab, bis auch jene, welche die Übersetzungszauber benutzen, kapieren, was er gerade gesagt hat und dann fährt dann fort.

„Ich habe schon meine Entscheidung getroffen. Ich denke nicht, dass irgendwelche Erklärung meinerseits erforderlich ist, aber ich werde euch trotzdem meine Gründe nennen. Ich wähle meine Stellvertreter nach den folgenden Kriterien – sie verstehen meine Ideologie und handeln ihr entsprechend; sie streben Macht und Wissen an, was meine höchst geschätzten Ideale sind; und letztendlich, sie kennen mich am besten und können gut voraussehen, welche Entscheidung ich in einer Situation treffen würde sodass sie sie statt mir treffen können."

Als er eine Pause macht, herrscht Stille im Raum. Sogar der dunkle Lord hört ihm aufmerksam zu.

„Ich fordere meine Stellvertreter aufzustehen und näher zu kommen," sagt er, in meine Richtung schauend.

Ich stehe gleich auf und die Todesser scheinen nicht sonderlich überrascht zu sein, dass der dunkle Prinz mich als seinen Stellvertreter gewählt hat. Aber sie brechen in leises Gemurmel aus als auch Hermine aufsteht und ohne sich umzublicken gleich Richtung Podium geht. Da dies ein offizielles Treffen ist, ist die Etikette sehr wichtig, also gehe ich vor dem Thron von Erebus gleich in die Knie.

„Aufstehen," sagt der dunkle Prinz gebieterisch, wobei mir die Haare zu Bergen stehen.

Liebe Morgana, wie ich diesen Mann liebe und fürchte... Manchmal frage ich mich, ob ich verrückt bin. Aber ich bin zum Schluss gekommen, dass es eine feine Grenze zwischen Wahnsinn und Liebe gibt.

„Ihr werdet magische Schwüre vor mir und dem gesamten Orden ablegen," sagt der dunkle Prinz ernst.

„Wir verstehen, mein Prinz," sagen ich und Hermine.

Sie zittert am ganzen Leib. Warum bin ich nicht nervös?

„Wiederholt nach mir," sagt Erebus. „Ich..."

„Ich, Draco Malfoy," sage ich gleich und höre, wie Hermine laut ihren Namen nennt.

„...hiermit schwöre auf meine Magie, nach meinem besten Wissen den Willen des dunklen Prinzen, der auch der Wille des dunklen Ordens ist, zu verwirklichen. Ich schwöre, wenn ich als Stellvertreter die Führung übernehme, dass ich die Interesse des dunklen Prinzen und nicht meine eigenen vertreten und entsprechend handeln werde. Ich schwöre, ihm auch im Tod treu zu sein und weiter nach seinen edlen Zielen zu streben. All das schwöre ich auf meine Magie, in der Gegenwart des dunklen Lords und des dunklen Ordens. So wird es sein."

Hermine und ich verstummen und ich folge mit Interesse den Magieranken, die sich in meinem Körper ausbreiten. Magische Schwüre sind etwas sehr gefährliches... aber ich habe noch keinen abgelegt, den ich bereut habe.

„Falls ihr den Schwur brecht," sagt der dunkle Prinz bedrohlich, „werdet ihr den Engeln zum Opfer fallen."

Ich schaue überrascht auf und sehe, dass er uns hämisch anlächelt.

Die Todesser in der ersten Reihe wagen es, zu lachen und die anderen wechseln verwirrte Blicke.

„Ihr dürft wieder Platz einnehmen," sagt der dunkle Prinz und winkt ab.

Hermine verbeugt sich und geht ohne weiteres zurück zu Laetitia.

„Hermine," ertönt wieder die Stimme des Prinzen.

Sie dreht sich abrupt um und schaut in seine Richtung. Erebus deutet wortlos auf mich und ich mache schnell Platz für sie. Hermine mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen – aber der dunkle Orden legt großen Wert auf Hierarchie. Hermine setzt sich zu mir und lächelt mich schnell und etwas nervös an. Erst jetzt bemerke ich, dass sie sich anlässlich dieses Treffens in Schale geworfen hat. Sie trägt einen schwarzen Anzug, der ihrer Figur angepasst worden ist und ein graues Hemd. Und der Anzug steht ihr überraschend gut.

„Bist du fertig?" fragt der dunkle Lord Erebus.

„Ja, Meister," erwidert der dunkle Prinz.

Obwohl sie so in der Öffentlichkeit miteinander sprechen, weiß der ganze dunkle Orden, dass sich ihre Beziehung sehr geändert hat. Der dunkle Lord scheint seinem Lehrling in solchem Ausmaß zu vertrauen, dass er ihm sogar für eine Weile seinen Thron überlassen kann. Manche Sachen hat er ihm vollkommen überlassen, sowie die Wahl der zukünftigen Todesser, die Eroberung von Irland und den Angriff auf das Gefängnis in den USA. Manche Todesser sind sogar der Meinung, dass sich der dunkle Lord langsam zurückzieht und seinem Lehrling die Führung des Ordens und des Krieges im Allgemeinen überlässt. Aber ich, der mit dem dunklen Prinzen lebe, weiß, dass der dunkle Lord einfach andere Aufgaben hat. Trotz dem, wie sie einander ansprechen und der Tatsache, dass der dunkle Lord noch immer sein Lehrer ist, arbeiten sie als einander ebenbürtig zusammen. Was den dunklen Orden total verwirrt.

„Dann wenden wir uns deinem Angriff auf das Gefängnis zu," sagt der dunkle Lord. „Wo sind die Vertreter der USA?"

Phil Richardson und seine Kollegen heben eilig die Hände hoch.

Als der dunkle Lord den Amerikanern Fragen stellt, ertappe ich mich wieder dabei, wie ich über die Ringe und die Torte nachdenke. Wenn ich nur Hermine davon erzählen könnte, würde ich auch mal über etwas anderes nachdenken können.