Wie versprochen, als Ansprache ein Habble:
Ihr habt alle den Pathologie-Bericht gelesen, und jetzt saß auch Neville drüber. Wollen wir doch mal sehen, was ihm auffällt.
Triflorifer ist endlich wieder beta-technisch versorgt. Das ist soooo wichtig, da wir in der Story viel zu sehr drinstecken. Vielen Dank an Meriva!
Legi
*
*
*
37. Kapitel 03.11.2005 10.00 Uhr
*
Nachdenklich kaute Neville auf seiner Unterlippe, während er den letzten Absatz des MagPath-Berichts noch einmal las. Irgendetwas war da komisch….
Arseminik. Schädlingsbekämpfung.
Da passte etwas nicht zusammen…
Genau!
Ärgerlich schlug er mit der flachen Hand auf die Schreibtischplatte.
Diese Laborratten aus der MagPath hätten sich durchaus etwas genauer ausdrücken können! Beim ersten Lesen hatte er bei dem Wort `Schädlinge` doch tatsächlich an Blattläuse und Spinnmilben gedacht! Und dabei war damit etwas ganz anderes gemeint!
Um ein Haar wäre das jetzt untergegangen!
Neville klappte den Rufspiegel auf und wählte. Als Hoover sich meldete, wies er ihn knapp an: „Bringen Sie alle Lebensmittel aus der Weasley-Wohnung ins Labor. Im Magen der Toten wurde Rattengift gefunden! Die Kollegen sollen alles testen auf Spuren von Arseminik."
Er las den Bericht noch einmal, fand aber keine Antwort auf seine Fragen.
Wieso hatte Ginny Rattengift im Körper? Und wieso dann aber nicht das übliche Cumarin?
Arseminik wurde doch schon vor Jahren durch die billigere und genauso wirksame Variante ersetzt.
Was steckt da dahinter?
Wollte jemand Ginny langsam vergiften?
Gibt es womöglich einen zweiten Mörder?
Arseminik.
Irgendwie klingelte es dabei in seinem Kopf, aber er wusste nicht, wieso. Es kam ihm vor, als hätte er den Begriff erst vor kurzem gehört oder gelesen.
Gedankenverloren sah der Auror zum Fensterbrett.
Meine Amaryllis war auch schon mal grüner….
Da fiel es ihm ein.
*
*
*
Zwanzig Minuten später stand er in der Eingangshalle von Malfoy Manor und musterte Narzissa, die anmutig die geschwungene Treppe herunterschritt.
Das geradegeschnittene Kleid betonte ihre schmale Figur. Seidig glänzendes Haar fiel weich über ihre Schultern.
Eine erstaunlich attraktive Frau!
Neville schüttelte den Gedanken schnell ab.
Immerhin ist sie verdächtig in einem Mordfall!
„Mrs. Malfoy, kann ich Ihr Orchideenhaus noch einmal sehen?"
Sie gewährte ihm ein kleines Lächeln. „Sicher."
Im Gewächshaus wurden sie von berauschendem Duft begrüßt. Narzissa schritt zu einer großen Pflanze mit unscheinbaren Blüten und fuhr mit der Hand fast zärtlich über deren Blätter. Dann erklärte sie: „Chanela-Diori, ihren Blütenstaub kann man als Parfum benutzen. Aber das wissen Sie sicher. Möchten Sie ein paar Blüten für Ihre Frau oder Freundin mitnehmen?"
Neville schüttelte ablehnend den Kopf. „Ich lebe allein, danke."
Nach ein paar Schritten war er am Düngerregal angekommen und durchsuchte die Packungen.
Da ist sie.
Rattengift. Arseminik. Fast leer.
„Mrs. Malfoy, wer hat Zugang zum Gewächshaus?"
Mit überraschter Miene wandte sie sich ihm zu. „Es ist nicht abgesperrt. Die Gärtner lagern hier ihren Dünger und anderes. Warum fragen Sie?"
„Was ist mit Ihrem Mann?"
„Lucius besucht das Orchideenhaus genauso wenig wie ich sein Arbeitszimmer. Was ist nun mit dieser Schachtel?"
Sie deutete auf die Box in seiner Hand.
„Im Magen von Miss Weasley fanden sich Spuren dieses seltenen Giftes."
Einen Moment lang schwieg sie, scheinbar verblüfft, fing sich aber schnell. Dann sprach sie in ruhigem Ton: „Sie glauben also, ich hätte die Gespielin meines Mannes vergiftet? Warum sollte ich plötzlich anfangen, an diesen armen Dingern Rache zu nehmen? Da wäre es doch logischer gewesen, Lucius` Hummersoufflee mit Gift zu würzen!"
Neville hatte genug Erfahrung als Auror, um zu wissen, dass solche Fälle mit Logik oft gar nichts zu tun hatten.
Wer weiß? Vielleicht hat sie angenommen, dass Malfoys Beziehung mit Ginny ernster war als die früheren Affären. Narzissa ist sicher eine stolze Frau und lässt sich nicht kampflos abservieren.
Ihre helle Stimme unterbrach seine Gedanken: „Mir ist immer noch nicht klar, warum das alles so wichtig ist. Soweit ich weiß, wurde doch ein Abschiedsbrief bei Miss Weasley gefunden. Sie war anscheinend enttäuscht über ihre fehlenden Forschungserfolge."
Neville zog die Augenbrauen zusammen: „Woher wissen Sie das?"
„Ich habe meine Kontakte."
„Welche offensichtlich nicht richtig informiert sind. Wir wissen inzwischen, dass Miss Weasley durch einen Avada-Fluch von hinten ermordet wurde."
Narzissa zuckte kurz zusammen, schien dann jedoch auch diese Nachricht mit Fassung zu tragen. Sie schob eine blonde Strähne aus ihrer Stirn: „Das klingt nicht nach Lucius. Man kann ihm viel Übles nachsagen, aber er würde nie eine wehrlose Frau von hinten töten. Und die Todesserzeiten sind schon lange vorbei."
Neville konnte nicht anders, als ihre beherrschte Reaktion zu bewundern.
Versteckt sie ihre Gefühle so gut?
Oder ist Sie einfach durch die Vorfälle der Vergangenheit so abgehärtet: Lucius in Askaban, Draco mit einer mörderischen Aufgabe betraut, ihr Haus als Todesser-Hauptquartier missbraucht….
Eigentlich kein Wunder, dass ein unbewiesener Verdacht sie nicht gleich zusammenbrechen lässt.
Trotz allem: Irgendwann verliert auch die abgehärtetste Person die Fassung und greift zum Rattengift. Oder zum Avada-Fluch!
„Mrs. Malfoy, kannten Sie Ginny Weasley?"
„Ich weiß, wer sie ist, aber ich bin ihr nie begegnet."
Sie sah ihn mit offenem Blick an.
Mein Gefühl sagt mir, dass sie die Wahrheit sagt.
Aber vielleicht lasse ich mich auch von diesen strahlend blauen Augen täuschen?
Er bemühte sich um eine feste Stimme. „Sie waren also die letzten Wochen ständig im Ausland?"
Sie nickte leicht. „Meine Arbeit für unsere Stiftung. Ich habe Hilfsprojekte besucht. Für Lucius ist das nur ein Prestigeobjekt zum Steuern-Abschreiben. Im Gegensatz zu mir sieht er den bedürftigen Menschen nie ins Gesicht."
Neville fand sie sehr überzeugend.
Trotzdem:
„Sie waren zwischendurch nie in England?"
Sie blickte ihn auffordernd an: „Das werden Sie sicher überprüfen wollen. Ich stelle mich gerne einem Veritaserum-Test."
„Der ist hinfällig, seit Voldemort die Impfung für seine Gefolgsleute entwickeln ließ."
Sie unterbrach ihn aufgebracht: „Ich bin kein Todess-…"
„Das weiß ich,…" entgegnete er ebenso schnell „…aber Lucius könnte zu seiner Sicherheit darauf bestanden haben, dass auch Sie geimpft werden."
Ihre Schultern schienen nun ein wenig nach unten zu fallen.
„Sicher. Sie haben Recht. Er hat anscheinend sogar dafür gesorgt, dass ich für den Rest meines Lebens meine Glaubwürdigkeit eingebüßt habe."
„Es tut mir leid, Mrs. Malfoy."
Narzissa legte ihre Hand auf seinen Oberarm. „Das ist doch nicht Ihre Schuld. Sie tun nur Ihre Pflicht."
Neville versuchte ein ermunterndes Lächeln. „Es gibt noch eine Möglichkeit. Ich könnte Ihre Hauselfe unter Veritaserum befragen."
Sie nahm ihre Hand weg, stand nun wieder aufrechter. „Gut! Sagen Sie Bescheid, wann sich Fidelity im Auroren-Büro einfinden soll."
Ein paar Augenblicke lang standen beide schweigend nebeneinander und ließen die Augen über die Pflanzen schweifen.
Neville räusperte sich. „Darf ich Sie etwas Persönliches fragen?"
„Sie wollen wissen, warum ich Lucius nicht verlasse?"
Er nickte. „Ihre Ehe scheint nur noch auf dem Papier zu bestehen und er demütigt Sie."
Narzissa strich mit einer Hand durch ihre Haare. „Ich selbst stelle mir diese Frage fast täglich. Nennen Sie es Feigheit, Bequemlichkeit, die Angst vor dem Unbekannten. Ich bin seit meinem sechzehnten Lebensjahr mit Lucius zusammen, er war der erste Mann in meinem Leben. Übrigens auch der einzige, das wird Ihnen Fidelity ebenfalls bestätigen."
Neville machte sich im Geiste eine Notiz.
Sie fuhr fort: „Er war älter, ein charmanter Verführer und zum Entzücken meiner Familie sehr vermögend. Ich war kaum achtzehn, da kam Draco zur Welt. Danach hatte Lucius es nicht mehr nötig, mich auf Händen zu tragen. Und seit ein paar Jahren gehen wir ohnehin getrennte Wege."
Ob sie Bescheid weiß über seine Sterilisation? Ich muss sie fragen.
„Hatten Sie denn nie Angst, dass Ihr Mann – wie soll ich sagen – eine neue Familie gründen könnte?"
Narzissa lachte kurz auf. „Nein. Dazu ist ihm sein gesellschaftlicher Status zu wichtig. Ich bin in den Kreisen akzeptiert und nehme meine repräsentativen Aufgaben ernst. Eine junge Gespielin ohne entsprechenden familiären Hintergrund würde auf Ablehnung stoßen, was schlecht für seine Geschäfte wäre. Lucius ist mit dem momentanen Arrangement sehr zufrieden. Offiziell sind wir ein glückliches Paar und sein Vergnügen kann er trotzdem nebenbei haben."
Entsetzt fuhr sich Neville übers Kinn. Was für eine scheinheilige Übereinkunft! Es machte ihn fast ein wenig traurig, dass Narzissa sich so folgsam damit abgefunden zu haben schien. „Aber wenn eine dieser Affären nun schwanger werden würde?"
Sie schüttelte den Kopf. „Da hat Lucius vorgesorgt! Er hat sich schon vor einiger Zeit sterilisieren lassen! Ausschlaggebend für diese Entscheidung war ein großer Streit mit Draco."
„Draco? Er weiß also Bescheid über die Unfruchtbarkeit seines Vater?"
Und scheidet damit als Verdächtiger aus?
„Er weiß nicht nur Bescheid, er hat Lucius sogar fast dazu gezwungen. Weil er sich nicht mit neuen Geschwistern auseinandersetzen will. Seine eigenen Worte waren allerdings etwas deutlicher."
Ihr Lächeln wirkte bitter.
Ein Lucius, der sich endgültig seiner Zeugungskraft berauben lässt? Kann ich mir kaum vorstellen. Ich kläre das heute Nachmittag erst einmal mit dem Urologen.
Neville machte sich nun auf den Weg zum Ausgang. Vorher hatte er noch eine letzte Frage.
„Sie und Mr. Malfoy wohnen aber beide hier im Haus?"
Narzissa sah ihn nachsichtig an.
„In verschiedenen Flügeln, es ist groß genug."
Die nobelste Wohngemeinschaft, die er jemals gesehen hatte.
Man könnte auch sagen: Ein goldener Käfig.
*
*
*
(legilimens)
