Das Finale des Symbolon-Vierteilers. Nate ist verwundet, Lara eine Geisel und die Magdalena geht zum Angriff über. Wird es Lara gelingen den ersten Teil des Symbolon an sich zu bringen, oder wird Samantha triumphieren? Und vor allem: Wann kommt die nächste Umfrage? Wir werden es sehr bald erfahren.

-Kapitel 34-

-Das Symbolon Teil 4 von 4-

-Der Kampf um das Symbolon-

Unter dem Pantheon, Grabkammer

„Niemand verlässt diesen Ort lebend."

Die Worte der Magdalena hingen in der Luft, während der getroffene Söldner zu Boden ging, nach vorne kippte und einen Schwall Blut auf dem Boden vergoss.

Die Silbermünze rollte über den Boden und blieb zwischen den drei Engelsfiguren liegen, die den Sarkophag hielten.

Hinter der Magdalena waren Soldaten, schwer bewaffnet und zu allem bereit. Auf den ersten Blick zählte Lara etwa zehn Soldaten, gegen acht –nein sieben- Söldner.

Ich brauche dringend eine Waffe.

Mit der Freundschaft der Magdalena konnte Lara nicht rechnen und ein Teil von ihr verstand es sogar. Sie waren in einen heiligen Ort eingedrungen, einen Ort, den die Kirche vor den Normalbürgern und vermutlich sogar vor vielen Mitgliedern der Kirche geheim hielt. Würde herauskommen, dass es einen Ort, wie diesen gab, würde er innerhalb von wenigen Tagen entweiht werden, man würde ihn ausnehmen, erforschen, plündern und für Touristen öffnen. Das war sicher ein Grund, um sauer zu sein, selbst wenn die Person eine Freundin war.

„Patience!", Lara versuchte es dennoch und suchte den Wortwechsel.

Doch die Magdalena zeigte daran kein Interesse.

Immerhin hat sie ihren Speer des Schicksals nicht zur Hand.

Das hieß allerdings nicht, dass die Magdalena sich nicht zu helfen wusste. Sie war eine Meisterin des Schwertkampfes und der waffenlosen Kampfkunst und wenn es hart auf hart kam, würde sie sicher auch wissen, wie man eine Schusswaffe bediente.

„Feuer!", Patience war aktuell so gar nicht geduldig, wie ihr Name verhieß. Das Feuer wurde sofort eröffnet. Lara gelang es noch im letzten Moment, genauso wie Samantha und drei Söldnern, Schutz hinter dem Sarkophag zu nehmen. Die anderen vier, die das Feuer erwidern wollten, hatten nicht den Hauch einer Chance.

„Patience! Beruhige dich!", rief Lara in einer Feuerpause: „Lass mich dir alles erklären."

„Es gibt nichts zu erklären. Du bist zu weit gegangen, Lara.", rief die Magdalena zurück.

Ich brauch wirklich sehr dringend eine Waffe.

Die drei Söldner verließen die Deckung und feuerten eine Salve in Richtung der Magdalena. Lara konnte nicht sehen was geschah, aber sie war sich sicher, dass keiner der Schreie –Lara tippte auf zwei Getroffene- der Magdalena gehörte.

Plötzlich geschah etwas, womit Lara nicht gerechnet hatte. Der weiterhin geöffnete Sarkophag wurde endgültig aufgestoßen und fünf knochige Finger griffen nach dem Rand, um sich hinaus zu ziehen.

Der Engel lebt noch?

Lara wusste nicht viel über Engel, sie wusste nicht, was passieren musste, damit ein Engel starb und ob er dann überhaupt sterben konnte, war ihr auch unbekannt. Aber sie war sich sicher, was sie da sah. Die etwa zwei Meter und fünfzig Zentimeter messende Gestalt entstieg gerade ihrem Grab.

„Mumien!", murmelte Lara: „Warum müssen es immer Mumien sein?"

Samantha blickte sie verwirrt an, beließ die Sache aber Kommentarlos, wofür Lara ihr sehr dankbar war.

Der Mumienengel riss das vertrocknete Maul auf und entließ einen stummen Schrei. Hätte er noch Stimmbänder gehabt, hätte es sicher furchterregend geklungen, dennoch stellten sich Laras Nackenhaare zu Berge.

„Was zum…?", die Magdalena stockte rechtzeitig, bevor sie etwas sagte, dass sie später würde beichten müssen: „Was hast du getan?"

Die Frage war eindeutig an Lara gerichtet.

„Ich?", Lara war irritiert: „Gar nichts. Ich weiß nicht mal, was hier gerade geschieht."

„Feuer!", dieses Mal war der Befehl nicht auf Lara und ihr Team gerichtet, sondern auf die Engelsgestalt. Maschinengewehrstakkatos erfüllten den Raum und auch die drei Söldner auf Laras Seite eröffneten das Feuer und obwohl das Wesen in einem Kugelhagel gebadet wurde, entfaltete es unbeirrt die knöchernen Schwingen und wirbelte um die eigene Achse, schneller als Lara es vermutet hatte.

Der erste Hieb der riesigen Faust sauste knapp über dem Sarkophag hinweg, Lara hing rechtzeitig in die Hocke und riss Samantha unbewusst mit. Zwei der Söldner schafften dieses Manöver ebenfalls, während der dritte mit einer solchen Wucht durch die Luft gegen die Wand geschleudert wurde, dass er sich sicher nicht mehr erholen würde.

Genug…

Lara entschied sich, dass es jetzt egal war, was Samantha ihr sagte. Sie brauchte eine Waffe, um sich verteidigen zu können. Also sprintete sie geduckt nach links zu einem der erschossenen Söldner und brachte, in dem sie eine Rolle über den Körper des Toten vollführte, die Waffe in ihre Gewalt.

Eine der Soldaten aus Magdalenas Team riss die Waffe herum und schoss auf die Archäologin. Lara rollte nach links und entging so dem tödlichen Kugelhagel, während der Engel ihren Bewegungen folgte. Mit zwei Schritten hatte er die Distanz überwunden und schlug nach der Abenteurerin.

Mit einer weiteren Rolle, dieses Mal zwischen den Beinen des Gegners hindurch, brachte Lara sich in Sicherheit und der Schlag ging ins Leere. Sofort eröffnete Lara, dieses Mal mit der Unterstützung der Soldaten das Feuer auf die Bestie, doch bis auf einen abgetrennten Flügel, war das Ergebnis eher mager.

„Oh, oh.", Lara wirbelte um die eigene Achse und sprintete geduckt auf die Magdalena zu.

„Was machst du da?", in Patience Gesicht spiegelte sich das Grauen wider: „Bist du verrückt geworden?"

Als sie erkannte, dass sich Lara von ihrem Vorhaben nicht abbringen ließ, entschied sie sich zu einem anderen Befehl: „Verteilt euch!"

Das nur noch acht Mann starke Team verteilte sich im Raum und immer wieder wurde auf die Bestie geschossen.

Das Monster wusste nicht, wohin es sich zuerst wenden sollte, schlug wie wild um sich, erzielte aber erstaunlich gute Trefferquoten. Drei Soldaten und einer von Samanthas Söldner fielen in den nächsten zwei Minuten.

Unterdessen stürmte die Magdalena auf Lara zu: „Glaub nicht, dass ich dich so leicht davon kommen lasse.", der Schlag traf Lara im Gesicht und schickte sie, sich überschlagend, zu Boden.

Einen weiteren Schlag wehrte Lara mit dem nach oben gerissenen Maschinengewehr ab und die Magdalena schrie schmerzerfüllt auf, als ihre Faust das Metall der Waffe traf.

Mit einem Tritt, der Lara beinah in einen Handstand katapultierte, traf sie Patience an der Schulter und warf sie ebenfalls zu Boden.

„Ich will das nicht tun. Du musst mir vertrauen!", Lara hoffte, dass Patience ihr glauben würde.

„Dir vertrauen?", Patience lachte: „Einem Grabräuber?", in ihrer Stimme lag Verachtung und sie wusste, dass Lara es hasste, wenn man sie so nannte.

Hinter sich hörte Lara weitere Schmerzensschreie. Offenbar arbeitete sich die Kreatur voran. Gerade rechtzeitig gelang es Lara einen Blick hinter sich zu werfen, so dass sie der Faust noch entgehen konnte. Die Magdalena hatte sich währenddessen aufgerappelt und rannte quer durch den Saal auf den Speer zu, der weiterhin in der Brust des toten Söldners steckte.

Wenn sie ihre Waffe erreichte, war sie eindeutig im Vorteil, weshalb sich Lara aufmachte, sie daran zu hindern.

Als Patience gerade den Stiel des Speers zu fassen bekam, sprang Lara sie von hinten an und riss sie erneut von den Beinen. Über den Boden rollend, rangen sie um die Oberhand. Lara kam sich im Moment total lächerlich vor.

„Geh…runter!", die Magdalena schlug Lara mehrmals gegen die Schulter, doch die Archäologin dachte nicht im Traum daran, ihre Gegnerin los zu lassen.

Erst, als sie Samantha aus dem Augenwinkel sah, wie diese auf allen vieren durch den Raum robbte, um das Symbolon zu erreichen, ließ sie unfreiwillig von der Magdalena ab. Mit einem kräftigen Satz stieß sich die Archäologin aus der Hocke ab und rammte Samantha von der Seite.

Patience rappelte sich währenddessen auf und griff nach dem Stiel ihrer Waffe.

Das ist nicht gut.

Ein kräftiger Hieb brachte Samantha aus der Fassung und die Archäologin konnte gerade noch nach dem Symbolon greifen, als die gigantische Faust des Engels auf sie niederfuhr. Wie durch ein Wunder wurde sie verfehlt und als sie wieder klar denken konnte, wusste sie auch wieso. Samantha hatte sie gestoßen und somit aus der Gefahrenzone gebracht.

Wie? Was? Wieso?

Diese Fragen mussten unbeantwortet bleiben, denn in dem Moment sah Lara, wie die Magdalena zum Angriff überging. Allerdings zielte sie nicht auf Lara, sondern auf die Mumie. Als sich die Archäologin umsah, erkannte sie auch, wieso.

Bis auf einen der Soldaten, hatte die Bestie alle vernichtet.

Sie waren der Kreatur deutlich unterlegen und das, obwohl von den Flügeln des Monsters nichts mehr geblieben war und einer der Arme nur noch an ein paar trockenen Sehnen hing. Die Magdalena schwang den Speer des Schicksals wie ein echter Profi und trennte den Arm endgültig ab.

Beinah schon verwirrt blickte das Monster auf den Armstumpf, als würde es sich gerade fragen, wie das möglich sei. Dann entschied es sich doch noch anzugreifen. Die Magdalena stieß ihrerseits mit dem Speer zu, verfehlte den Arm, brachte die Waffe aber so an, dass sie mit einer schnellen Drehung, den Arm des Wesens auf den Rücken presste und es somit aus dem Gleichgewicht brachte.

Lara kam nicht umhin, ihre Kontrahentin, die sonst eine Freundin für sie war, zu bewundern. Dann fiel ihr wieder ein, in welcher Situation sie sich befand. Sie hatte das Symbolon in der Hand und befand sich in unmittelbarer Gefahr, also musste sie zusehen, dass sie schnell wegkam.

Das strauchelnde Monster rammte mit aller Gewalt gegen die Wand der Grabkammer, die unter dem Gewicht der Kreatur nachgab. Offenbar war es doch etwas stabiler, als eine durchschnittliche Mumie.

Eine Erschütterung lief durch den Boden und die Decke, als die Kreatur versuchte sich wieder aufzurichten, dann aber von einer Masse aus Steinen begraben wurde, die von der Decke hinab fielen.

Als die Erschütterungen nicht nachließen, erkannte Lara, dass es jetzt wirklich an der Zeit war das Weite zu suchen.

„Die Kammer stürzt ein!", rief sie und rannte bereits los, dicht gefolgt von Samantha, die ihr Augenmerk sehr deutlich auf das Symbolon in Laras Hand gelegt hatte. Sie würde sich sicher nicht so leicht abschütteln lassen.

Die Magdalena hielt noch ein Mal inne und sah, wie weitere Steine den zappelnden Leichnam des Engels begruben. Dann entschied auch sie, dass es an der Zeit war, die Flucht zu ergreifen. Mit dem Soldaten im Schlepptau tat sie das auch.

Sie erreichten die oberste Stufe gerade rechtzeitig, als hinter ihnen die Decke der Grabkammer endgültig zusammenbrach.

Trotz des Speers und der Rüstung gelang es Patience zu Lara Croft und Samantha aufzuschließen. Der Soldat blieb unterdessen etwas zurück, rannte aber aus aller sich ihm bietenden Kraft.

Mehrmals musste Lara einen Haken schlagen, um von herabfallendem Gestein nicht getroffen zu werden. Samantha entwickelte dabei einen sichtlichen Ehrgeiz Lara nicht zu verlieren. Hinter sich hörte sie die Schritte der Magdalena und das Keuchen des letzten Soldaten.

Schneller, schneller, schneller…

Sie konnte vor sich bereits das Steinportal und die Schale sehen, in der sie vorhin das Blatt Papier verbrannt hatte.

Das wird knapp.

Der Boden bekam eine unnatürliche Neigung nach rechts, so dass es ihr immer schwerer fiel geradeaus zu laufen. Dann barst der Stein, der einer solchen Drehung nicht standhielt, in zwei Teile und der Boden unter Laras Füßen tat sich auf, wenige Meter vor der rettenden Treppe.

Mit letzter Kraft stieß sie sich, so gut es ging, an dem Stein, der unter ihr wegsackte, ab und sprang. Samantha und die Magdalena hatten das mehr Glück, da sie bereits sahen, was sie erwartete.

Lara kam unsanft auf und wurde von der Magdalena und Samantha überholt, die jetzt beide mehr Interesse darin zeigten ihr eigenes Leben zu retten, als das Symbolon in ihre Gewalt zu bringen.

Hinter sich hörte sie einen Schrei und sah, wie der Soldat in der Tiefe verschwand. Er war nicht schnell genug gewesen, was Lara ein wenig erstaunte, immerhin hatte er ja ein entsprechendes Training genossen und hätte sie alle einholen sollen.

Darüber wollte sie sich jetzt keine weiteren Gedanken machen, stattdessen rannte sie weiter, denn der Boden gab weiterhin nach.

Mit einem kräftigen Satz übersprang sie die umkippende Schale und sah, wie die Magdalena und Samantha am Ende der steilen Treppe bereits in dem schmalen Spalt verschwanden, der durch die Öffnung der Grabesplatte entstanden war.

Lara rannte hinauf, immer zwei Stufen auf ein Mal nehmend, aber sie spürte bereits, dass sie es nicht schaffen konnte. Die Stufen wurden immer brüchiger und mehrmals drohte die Archäologin zu fallen.

Den rettenden Lichtpunkt am Ende der Treppe würde sie nicht erreichen, es sei denn…

…in dem Moment sah die Abenteurerin eine sich ihr entgegen reckende Hand. Ein Gefühl des Glücks durchströmte sie und spornte ihren Körper noch ein Mal an. Als vor ihr die letzten acht Stufen zusammenbrachen und in der Tiefe verschwanden, sprang Lara ab, segelte durch die Luft, der rettenden Hand entgegen.

Sie kam sich vor wie eine Ertrinkende, der man ein Ruder hinhielt, wie eine Verdurstende, die eine Oase erreichte, als sich ihre Finger um die andere Hand schlossen und sie mit einem kräftigen Ruck durch die Öffnung gezogen wurde, ehe hinter ihr alles zusammenbrach.

Das Licht war von einer Taschenlampe hergerührt, wie sie jetzt erkannte, da sie gerade mal eine halbe Stunde unter der Erde verbracht hatten und die rettende Hand hatte Samuel Quill gehört.

Mit einem Mal wünschte Lara sich, sie wäre in der Grabkammer verschüttet worden, anstatt jetzt hier keuchend in das lächelnde Gesicht ihres schlimmsten Feindes zu blicken.

Von jemandem wie Quill wollte sie nicht gerettet werden und mit einem Mal spürte sie auch wieder die Angst, die sie nach ihrem letzten Abenteuer beschlichen hatte und sie erst vor wenigen Tagen losgelassen hatte.

Samuel Quill war wieder in ihr Leben getreten und das war ganz und gar nicht gut.

Fortsetzung folgt:

Das war er, der vierte Teil der Bergung. Jetzt glaubt ihr sicher: Und wo ist die Umfrage? Wo? Wo? Wo? Die kommt mit dem nächsten Kapitel, versprochen.

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