Kapitel 37 - Die Hochzeit, Teil 2
Hermine schaute in den Spiegel, der an der Schlafzimmertür hing und betrachtete ihr Spiegelbild. Sie sah so aus, wie sie sich es für ihre Hochzeit immer erträumt hatte. Ginny half ihr mit ihrem Haar und steckte es hoch. Sie band Wildblumen und lilane Bänder in ihr Haar. Ginny hatte ihr sogar ein Bouquet aus blauen Blumen gemacht. Das war ihr Blaues. Ihr Kleid war einfach gehalten, mit dünnen Trägern und fließender Seide, die sie wie ein Schein umgab. Hermine schloss ihre Augen und atmete tief durch. Nun brauchte sie nur noch ihren Bräutigam. Harry öffnete die Tür. „Mein lieber Mann, Hermine." Harry fühlte sich, als müsse er weinen. Sie war schöner, als er sie jemals gesehen hatte. „Du siehst unglaublich aus."
Hermine lachte und schaute zu Boden. Er legte eine Hand unter ihr Kinn und sah, dass sie rot wurde. „Dein rotes Gesicht passt nicht zu deinem Outfit, als lass das", sagte er.
„Ist Draco zurück?", fragte Hermine.
„Ich wusste nicht, dass er weg war", erwiderte Harry besorgt. Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass das alles nur ein Plan von Malfoy gewesen ist, oder, wenn alles, was er in den letzten 24 Stunden gefühlt hatte, nicht komplett vorgespielt war, vielleicht hatte er im letzten Moment kalte Füße bekommen. Harry würde ihn auf jeden Fall umbringen.
„Fleur hat gesagt, dass er gegangen ist, um es seinen Eltern zu erzählen", sagte Hermine.
„Warum? Sie werden sich nicht dazu herablassen, zum Fuchsbau zu kommen, für die Hochzeit ihres Sohnes mit einer Muggelgeborenen", sagte Harry rüde.
„Wenigstens erzählt er es ihnen", erwiderte Hermine traurig.
Harry lächelte um ihret Willen und sagte: „Also, es sind noch fünf Minuten bis 13:00 Uhr. Wenn er vorhat, um eins zu heiraten, hat er noch fünf Minuten um zu kommen." Er atmete tief durch, damit er nicht noch mehr sagte. Er öffnete die Tür und ging hinaus in den Flur. Ginny war dort. „Wo ist Malfoy? Ist er zurück?", fragte Harry seine Frau.
„Nein. Oh Harry, du denkst doch nicht, dass er nicht zurückkommen wird, oder?", fragte Ginny.
„Ich werde ihn töten, wenn er es nicht tut. Ich schwöre bei allem was mir heilig ist, dass ich ihn umbringen werde und dann können sie mich für immer wegsperren, aber ich werde ihn töten. Was wenn das alles nur ein großer Plan war, um uns alle zu demütigen? Oder noch schlimmer, was wenn er sich entschieden hat, sie einfach stehen zu lassen, weil er seine Meinung geändert hat? Ich meine, was ich gesagt habe. Ich kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn er heute stirbt." Harry stürmte nach unten und seine Frau folgte ihm auf dem Fuß.
Hermine stand an der Tür und hatte alles gehört, was sie gesagt hatten. Es war ihr nicht in den Sinn gekommen, dass er vielleicht seine Meinung geändert haben könnte. Das war sowieso alles seine Idee gewesen. Es bestand keine Chance, dass dieser Tag nicht real gewesen war. Zumindest wusste sie so viel. Selbst wenn er kalte Füße bekommen hatte, wusste sie tief in ihrem Herzen, dass ihre Gefühle für einander echt waren. Sie waren fest. Sie waren aufrichtig. Wenn sie das nicht waren, war Hermine Granger die größte Närrin auf der ganzen Welt! Hermine lief in dem Zimmer hin und her. Es war ein Fehler! Jetzt würde sie vor allen wie eine Närrin dastehen. Würden Ron und Pansy das nicht lieben? Sie konnte nicht einmal die Tür öffnen und fragen, ob er zurückgekommen war, da es ihr zu peinlich war.
Alle saßen um den Küchentisch herum. Hermines Vater und Mister Weasley saßen auf der Veranda. Misses Weasley und ihre Mutter gingen hinaus, um ihnen Gesellschaft zu leisten. Charlie löste seine Krawatte und sagte: „Nun, es ist 13:00 Uhr. 24 Stunden sind vorbei. Er ist nicht hier und ich weiß nicht, ob er zurückkommen wird."
Harrys Gesicht war rot und er ballte beide Hände so fest zu Fäusten, dass seine Knöchel weiß wurden.
Fleur sagte: „Er ist erst ein wenig mehr als fünfzehn Minuten weg. Es ist nicht einfach, seinen Eltern zu erzählen, dass man jemanden heiratet, den man kaum kennt. Schreibt ihn noch nicht ab, dazu ist es zu früh."
„Aber er hat 13:00 Uhr gesagt", erinnerte sie George. „Als er aus der Tür gerannt ist, um zum Manor zu gehen, hat er gebrüllt: ‚Ich bin um eins zurück', aber er ist nicht da."
„Vielleicht wollen sie ihn nicht zurückkommen lassen", sagte Percy. „Es sind schon merkwürdigere Dinge passiert. Ich würde es Lucius zutrauen."
„Ich stimme Percy und Fleur zu. Entweder kann er nicht zurückkommen oder er braucht länger, als er geglaubt hat und wir müssen ihm Zeit geben. Ich denke wirklich, dass er sie liebt. Ich habe gesehen, wie er sie angesehen hat und genauso schaue ich meine Frau an", sagte Bill. Seine Frau kam zu ihm und setzte sich auf seinen Schoß.
Ginny hielt das Kind und sagte: „Ich bringe Victoire nach draußen. Wenn ich ihn sehe, lasse ich es euch alle wissen."
Hermine hatte auf der Treppe gestanden und wieder der gesamten Unterhaltung zugehört. Sie hatte sich entschieden nach unten zu kommen, ein tapferes Gesicht aufzusetzen und ihnen allen gegenüberzutreten, als wäre nichts Außergewöhnliches passiert. Jetzt konnte sie das unmöglich tun, wo sie wusste, was sie alle dachten und sie sie hatte reden hören. Sie tat wieder allen leid und sie würde sich nicht daran beteiligen.
Sie rannte zurück nach oben, ging in Ginnys Zimmer und schloss die Tür.
„Sollte jemand hoch zu Hermine gehen?", fragte Percy.
„Nein, lass sie in Ruhe. Sie ist wahrscheinlich besorgt genug", erwiderte Charlie.
Was sie nicht wussten war, das Hermine gar nicht mehr im Fuchsbau war.
Sie saß in der gleichen Reihe, auf dem gleichen Platz, auf dem sie vor ein wenig mehr als 24 Stunden gesessen hatte, genau nach Rons und Pansys Hochzeit. Sie weinte, genau wie sie es vor 24 Stunden getan hatte. Sie war eine Närrin. Das hier tat mehr weh als alles, was Ron ihr hätte antun können. Hermine wollte nicht mehr verletzt werden. Sie war den Schmerz leid. Warum konnte das Leben nicht einfacher sein? War es so falsch, dass sie glücklich sein wollte? War es so falsch, dass sie einen Mann, Kinder und eine Karriere wollte? Warum konnte sie das nicht haben, wenn sie es doch wollte?
Niemand würde Hermine Granger jemals wieder wehtun. Sie würde das nicht erlauben.
Sie hörte, wie sich dir Tür zu der kleinen Kapelle öffnete und ohne sich umzudrehen wusste sie, dass er es war. Sie wusste nicht, was sie zu ihm sagen sollte und sie wusste nicht was er ihr sagen würde.
Er setzte sich direkt hinter sie. Er griff in ihr Haar, zog eine kleine Blume heraus und steckte sie in sein Knopfloch, so dass er eine Ansteckblume hatte. Er hörte ihr Schluchzen und es brach ihm das Herz.
Er begann den Hochzeitsmarsch zu summen. Sie konnte nicht den Humor darin erkennen. Als nächstes sagte er mehr zu sich selbst, als zu ihr: „Das ist eine hübsche, kleine Kapelle. Es schockiert mich, dass Ron und Pansy sie ausgesucht haben; das scheint gar nicht ihr Geschmack zu sein. Vielleicht wäre das ein netter Ort, an dem ich eines Tages heiraten kann."
Sie sagte mehr zu sich selbst, als zu ihm: „Das war immer der Ort, an dem ich heiraten wollte. Ron hätte nicht einmal davon gewusst, wenn ich ihn nicht eines Tages hier her gebracht hätte. Vielleicht werde ich eines Tages auch hier heiraten."
„Nun, es ist ein hübscher Ort", wiederholte er. Er lehnte sich in der Reihe vor und legte seine Hände auf ihre Rückenlehne.
„Ja, das ist es", stimmte sie zu.
„Vielleicht werden wir hier heiraten", sagte er und fügte einen Moment später hinzu: „Eines Tages."
Sie war für eine Weile still. Bedeutete das, dass er heute nicht heiraten wollte? Bedeutete das, dass er sie immer noch heiraten wollte, nur ein anderes Mal, nicht heute? Sie war noch verwirrter als sonst. Sie konnte nicht anders und musste wieder weinen.
Er brauchte all seine Selbstbeherrschung, sie nicht in seine Arme zu ziehen und sie zu küssen, bis sie aufhörte zu weinen. Er beschloss, die Jagd zu beenden. „Hast du wirklich gedacht, ich würde dich stehen lassen? Hast du meine Liebe für dich wirklich bezweifelt?", fragte er.
„Es ist nach eins", sagte sie und schaute zu ihm.
„Gibt es ein Gesetz, dass die ganze Sache in 24 Stunden abgeschlossen sein muss? Denn wenn du kleinlich werden willst, hat die Hochzeit vor 13:00 Uhr angefangen und ich habe dich in der Kapelle gesehen, selbst wenn du dir nicht bewusst warst, dass ich da war. Also waren es bereits mehr als 24 Stunden. Ich gebe zu, dass der Gedanke an 24 Stunden des Werbens romantischer ist, deshalb müssen wir, wenn wir unseren Kindern eines Tages davon erzählen, hier und da eine Stunde streichen", erklärte er. Seine Hand kam hinauf und ruhte auf ihrer Schulter.
Sie ließ ihren Kopf hängen und seufzte. Er lehnte sich in seinem Platz ganz vor und griff mit seiner Hand nach ihrem Kopf, um sie dazu zu bringen, dass sie ihn ansah. Er wischte eine Träne fort und küsste dann ihre Wange.
„Wein niemals wegen mir, Granger. Es bricht mir das Herz, dein Herz brechen zu sehen. Als ich im Fuchsbau angekommen bin, habe ich sofort nach dir gesucht und als ich dich nicht finden konnte, bin ich vor Sorge fast verrückt geworden. Das Erste was ich dachte war, dass du kalte Füße bekommen und es dir anders überlegt hast. Dann habe ich erkannt, dass das vielleicht das war, was du von mir gedacht hast. Nachdem ich Potters Zorn entkommen bin, bin ich hier her gekommen, um dich zu suchen. Alle suchen nach dir. Ich wusste irgendwie, dass du hier sein würdest", sagte er. Er stand auf, warf sein Beine einfach über ihre Sitzreihe und setzte sich neben sie. Er nahm ihre Hände in seine und streichelte sie leicht.
„Wie ist es mit deinen Eltern gelaufen?", fragte sie und schaute schließlich auf. Er jedoch schaute weg.
„Nicht gut. Sie waren wütend. Ich kann nicht ändern, wie sie fühlen. Ich hatte gehofft, dass sie so viel Verständnis haben würden, wie deine Eltern, aber ich habe zu viel erwartet und das gerade erst erkannt. Du bist jetzt meine Familie", sagte er. Er küsste ihre Hand. Er bedauerte die Entscheidung seiner Eltern, nicht zu kommen, aber er würde nicht darüber nachdenken.
„Ich werde immer deine Familie sein", sagte sie ihm. Er lehnte sich zu ihr und küsste ihre süßen Lippen.
„Das ist mehr, als ich hoffen konnte", sagte er ernst. „Siehst du übrigens, dass ich die lilane Krawatte um hab? Regel Nummer zehn, Granger hat immer recht."
Hermine lachte und sagte: „Lass uns diese Regel hier und jetzt verändern, in, egal was, wir werden uns für immer lieben und beschützen."
„Ich mag die Granger-hat-immer-recht-Regel, aber wenn du lieber die Liebes-Regel möchtest, können wir das ändern. Immerhin hast du immer recht", scherzte er. Er legte seine Hand auf ihr Gesicht und küsste sie wieder. „Ich darf nicht dabei gesehen werden, wie ich eine Frau mit roten Augen und laufender Nase heirate. Du machst dich besser fertig, wenn du vorhast mich zu heiraten."
„Vielleicht habe ich meine Meinung geändert", sagte sie und versuchte aufzustehen. Er zog sie zurück. Er sah, dass sie strahlend lächelte.
„Fein, behalte deine verdammten roten Augen und deine laufende Nase. Die können dein ‚Rotes' sein." Er stand auf und sagte: „Komm schon, wir müssen auf eine Hochzeit und man behauptet, wir sind zu spät." Er nahm sie bei den Schultern und stand mit ihr auf. Er sah die Blumen auf der Bank neben ihr, gab sie ihr und bot ihr dann seine Hand an.
Sie nahm die Blumen, nicht aber seine Hand. „Gehst du und bringst alle hier her? Wir können unsere Hochzeitsfeier immer noch dort machen, aber ich denke, ich würde lieber in der Kapelle heiraten. Wir haben uns hier irgendwie getroffen, okay, wiedergetroffen, deshalb denke ich, dass es passt", sagte sie.
„Ich denke auch, dass das passend ist. Alles hat hier begonnen und deshalb sollte es hier auch enden. Wenn ich dich hier zurücklasse wirst du aber nicht davonlaufen, oder?", fragte er. Er dachte ernsthaft, dass das eine Möglichkeit war.
„Du hast wenig Vertrauen", sagte sie ihm. „Ich würde dich genauso wenig verlassen, wie du mich." Sie setzte sich wieder.
Er beugte sich hinunter und schaute ihr geradewegs in die Augen. „Das ist beruhigend, denn ich würde dich nie verlassen", sagte er. „Ich bin dabei bis zu diesem ‚bis das der Tod uns scheidet'-Teil. Ich denke, in ein paar Minuten wirst du meine Frau sein. Ich kann kaum glauben, dass das wahr ist." Er küsste ihre Hand und rannte aus der Kapelle. Sie stand auf, ging zu der Kanzel und wartete. Sie würde heute heiraten.
