Ich fürchte ich muss für das Kapitel 35 das Rating erhöhen...

Kapitel 34 - Nachtwanderungen

Nachdem wir noch einen starken brasilianischen Kaffee getrunken hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel.
Der Kaffee hatte es wirklich in sich gehabt, denn ich merkte, dass meine Beine bei jedem Schritt unkontrolliert zitterten. Eigentlich vertrug ich Kaffee sehr gut, aber vermutlich gab es doch einen feinen Unterschied zwischen dem Getränk hier und dem Zuhause.
Vor meiner Zimmertür blieb Severus zögernd stehen und blickte mich nachdenklich an.
"Ich glaube du hast Unrecht," sagte er nach einer Weile leise. "Ich denke in mir steckt keine gute Hälfte."
"Warum denkst du das?" fragte ich überrascht und auch ein wenig verschreckt.
"Weil ich dann alleine vollkommen wäre und es gibt keinen Menschen der vollkommen ist", erklärte er und zuckte mit den Schultern. "Ich schätze du bist meine bessere Hälfte!"
Erstaunt starrte ich ihn an, soviel Zugeständnis hätte ich ihm niemals zugetraut. Unfähig etwas darauf zu erwidern stand ich vor meiner Zimmertür, ehe Severus sich wortlos umdrehte und sein eigenes Zimmer betrat.
Völlig überrumpelt betrat auch ich mein eigenes Zimmer.
Noch im Restaurant hatte ich vermutet, dass mich hier wieder die Panik überkommen würde, aber dank Severus war das diesmal nicht der Fall.
Ich war nun seine bessere Hälfte, für Severus war das ein riesiger Fortschritt, auch wenn sonst nichts passiert war.
Unglaublich erleichtert ließ ich mich auf mein Bett fallen und fühlte pures Glück... und ich war hellwach!
Das hatte ich offensichtlich ebenfalls dem Kaffee zu verdanken, der war sicher nicht für normalsterbliche geschaffen.
Dies würde eine lange Nacht werden.

Nachdem ich Severus` Worte im Geiste wieder und wieder wiederholt hatte und mich zwei Stunden lang hellwach im Bett gewälzt hatte, beschloss ich, dass es sinnlos war, weiter auf den Schlaf zu hoffen.
Gelangweilt schaltete ich den Fernseher an und bediente mich mit Snacks von der Minibar.
Den Fernseher musste man offenbar extra freischalten, denn alle Sender waren verschlüsselt und ich konnte nur mit Mühe etwas erkennen.
Mit kurzer Hose und einem alten T-Shirt bekleidet lag ich bäuchlings auf dem Bett und schaute mir vermutlich einen Porno an.
Ich war mir nicht ganz sicher, aber das Gestöhne deutete auf einen Film ab 18 hin.
Etwa eine halbe Stunde später klopfte es an der Tür.
Vermutlich einer vom Hotel, der sich darüber beschweren wollte, dass ich versuchte den Fernseher zu nutzen.
"Was?!" zischte ich verärgert über die Störung und öffnete mit einem Schlenker meines Zauberstabs die Tür.
Verblüfft entdeckte ich Severus in seiner üblichen schwarzen Kleidung.
"Warum bist du noch wach?", fragte ich erstaunt.
"Vermutlich aus dem selben Grund wie du", entgegnete er trocken, kam rein und schloss die Tür hinter sich.
Mit einem Stirnrunzeln blickte er auf den Fernseher.
"Was versuchst du zu sehen?" fragte er, als eine Frau wieder laut stöhnte.
"Pay-TV. Ich wollte deine Rechnung allerdings nicht weiter belasten", erklärte ich achselzuckend.
"Nach dem Vermögen, was die Minibar kostet, hätte das auch keinen Unterschied mehr gemacht.", meinte er und setzte sich auf den Rand meines Bettes.
"Das hättest du mir vorher sagen sollen", rief ich verärgert.
"Ich hatte angenommen, jemand der so oft verreist, weiß das.", gab er zurück.
"Bisher haben immer meine Eltern bezahlt", murrte ich trotzig.
"Verwöhntes Einzelkind"
"Bist du nicht selbst ein Einzelkind?"
"Aber nicht verwöhnt!", konterte er amüsiert. "Wo hast du die Erdnüsse?"
Suchend blickte ich mich um, ich hatte nur Schokolade gegessen.
"Keine Ahnung, nimm Schoko"
Ich warf ihm die angebrochene Tafel entgegen und er schüttelte abgeneigt den Kopf.
"Nein, ich wollte Erdnüsse."
"Pffft... Selber verwöhnt!", machte ich und verdrehte die Augen. "Ich steh ganz sicher nicht für dumme Erdnüsse auf!"
"Ist auch gerade so spannend", meinte er spöttisch, stand selbst auf und ging an die Minibar. "Wieviel hast du getrunken?"
"Nur einen kleinen Schnaps", gab ich leise zu.
Severus kam zum Bett zurück und brachte mir einen weiteren kleinen Schnaps mit. Prüfend musterte ich das Etikett.
"Apfel? Ist kein saurer Apfel mehr da?", fragte ich, als er sich wieder auf den Rand des Bettes gesetzt hatte.
Erstaunt bemerkte ich, dass er einen Vorrat von kleinen Schnäpsen vor sich auf dem Bett ausgebreitet hatte und nun die Etiketten studierte.
"Hier", sagte er kurz darauf und warf mir den richtigen zu.
Ich trank ihn in einem Zug aus und schmiss das leere Fläschchen in Richtung Mülleimer. Wie nicht anders zu erwarten, blieb es etwa einen halben Meter vor dem Eimer liegen.
Ich seufzte wehmütig.
"Ich bin Rechtshänder", murmelte ich zu meiner Verteidigung, Severus hob eine Augenbraue, sagte aber nichts dazu.
Er hatte die Erdnüsse geöffnet und lehnte sich auf dem Bett zurück.
"Worum geht`s?", fragte er ernsthaft interessiert und ich kicherte leise.
"Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es handelt sich um zwei Frauen", antwortete ich ihm.
"Die Qualität lässt nicht viel Spannung übrig", erklärte er nach ein paar Minuten und ich nickte zustimmend. Obwohl ich an sich nicht wirklich viel für solche Filme übrig hatte. Ich wusste nicht, in wie fern Severus sich für diese Filme interessierte, aber ich glaubte zu wissen, dass auch er sich seine Freizeit nicht mit Schmuddelfilmen vertrieb. Ich konnte mir zumindest nur schwer vorstellen, dass er dafür extra einen Fernseher anmachte. Aber ich wollte ihn auch nicht danach fragen.
Ich langte nach der Fernbedienung und schaltete auf einen klaren Sender. Es war augenscheinlich ein Hoteleigener Sender, denn sie warben gerade für den Wellnessbereich.
"Morgen verschlafe ich sicher den ganzen Tag", brummte ich verstimmt und steckte mir ein weiteres Stück Schokolade in den Mund.
"Es ist tagsüber ohnehin viel zu warm", antwortete Severus gleichgültig.
"So bekomme ich nie den Strand zu sehen", seufzte ich und Severus machte ein Gesicht, welches mir zeigte, dass er darauf überhaupt nicht scharf war. "Ich hab mir letztes Jahr einen neuen Bikini gekauft und hatte bisher noch nicht die Gelegenheit ihn auszuprobieren."
"Was für eine Verschwendung...", sagte er sarkastisch und ich nickte ihm ernsthaft zu.
"Gut, dass du das genauso siehst. Unten befindet sich ein Pool...", begann ich ein wenig zögernd. Er sagte nichts darauf.
Ich warf einen Blick aus dem Fenster. Draußen war es stockdunkel, bis auf den Pool, dieser war hell erleuchtet.
"Was hältst du davon schwimmen zu gehen?", fragte ich ihn aufgeregt, obwohl ich seine Antwort schon kannte.
"Jetzt?" Er schien wohl zu überlegen. "Gar nichts!"
Ich nahm keine Rücksicht auf seine Meinung, sondern kramte in meinem Koffer und verschwand mit meinem schwarz-pinken Bikini im Badezimmer.
Eilig zog ich ihn an, warf mir einen seidenen Bademantel über und trat wieder aus dem Bad.
Severus saß noch immer auf der gleichen Stelle im Bett und musterte mich schlecht gelaunt.
"Also?" fragte ich und bekam ein schnelles "Nein!" zurück.
"Dann komm wenigstens einfach so mit", bat ich ihn und holte ein Handtuch aus meinem Koffer.
"Was bekomme ich dafür?", fragte er in bester Slytherin Manier und ich zuckte mit den Schultern.
"Was immer du willst"
"Du solltest nicht so leichtsinnig mit dieser Aussage umgehen", warnte er mich und ich runzelte die Stirn.
"Es gibt nichts, was ich dir nicht geben würde.", entgegnete ich daraufhin ernst. Severus seufzte leicht genervt und stand nachgebend auf. Siegessicher lächelte ich.

Gut gelaunt schritt ich hinunter zum Pool, dicht gefolgt von Severus, der eher lustlos zu sein schien.
"Komm am besten erst gar nicht auf die Idee, mich reinzuschmeißen", murrte er drohend und setzte sich in sicherer Entfernung vom Pool auf eine Bank.
Außer uns waren noch zwei Frauen am Pool, aber von denen ließ ich mich nicht stören, sie schienen ohnehin viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein.
"Hatte ich gar nicht vor", schnaubte ich empört, legte Bademantel und Handtuch auf eine Liege und sprang ins Wasser.
Es war angenehm kühl. Ich war ewig nicht mehr geschwommen, die Schwerelosigkeit im Wasser hatte mir wirklich gefehlt.
Vergnügt schwamm ich ein paar Runden und kehrte dann an den Rand des Pools zurück.
"Gibst du mir gerade mein Handtuch, ich hab Wasser im Auge.", rief ich Severus zu, dieser machte jedoch keine Anstalten sich von der Stelle zu bewegen.
"Komm raus und hols dir selbst!", schnaubte er kühl.
"Sei nicht albern, du bist viel näher dran und meine Augen brennen wie Feuer!", meinte ich genervt.
Ich denke, es war den Frauen zu verdanken, dass Severus daraufhin tatsächlich aufstand. Wären wir alleine gewesen, hätte er einfach den Zauberstab benutzen können.
"Komm bitte nicht auf die Idee es zu werfen", ermahnte ich ihn vorsichtshalber, als er das Handtuch in der Hand hatte. "Ich will nicht, dass es nass wird."
Ich sah an seiner verärgerten Miene, dass er das tatsächlich vorgehabt hatte.
Schlecht gelaunt setzte er sich in Bewegung und hielt mir vorsichtig das Handtuch hin. Er traute mir offenbar kein Stück.
Seltsam, hatte ich ihm jemals Anlass gegeben mir nicht zu vertrauen?
Es nützte aber alles nichts, blitzschnell packte ich sein Handgelenk und zog ihn mit aller Kraft hinter mich ins Wasser. Es platschte laut und Wasser spritzte in alle Richtungen, als er eintauchte.
Lachend sah ich zu, wie er einen Moment später wütend auftauchte und sich die nassen Haare aus dem Gesicht strich.
"Welchen Teil von Ich will nicht ins Wasser!, hast du nicht verstanden?!", fuhr er mich verärgert an und ich gab mir alle Mühe mein Lachen zu verbergen.
"War keine Absicht", gluckste ich amüsiert. Severus griff das Handtuch, welches neben ihm schwamm und warf es mir hart ins Gesicht.
"Verzogenes Gör!", zischte er, als ich das Handtuch, lachend aus meinem Gesicht nahm und es auf dem Rand des Pools ablegte.
"So schlimm ist es doch nicht", meinte ich noch immer kichernd und fing mir einen weiteren wütenden Blick ein.
"Ach und wenn ich nicht schwimmen könnte?" fauchte er und zuckte mit den Schultern.
"Dann hätte ich dich gerettet und wiederbelebt.", erklärte ich grinsend und er schüttelte fassungslos den Kopf.
"Das war mir klar!", brummte er verstimmt. Ich konnte nicht verstehen, warum er dass so eng sah. Ich fand es eher witzig.
Ohne ein weiteres Wort, schwamm er auf die Leiter zu und ich folgte ihm eilig.
"Du willst doch nicht schon gehen? Gerade wo es lustig wird?", fragte ich und er sah wenig begeistert aus.
"Ich bin vollkommen nass!", entgegnete er vorwurfsvoll und ich lachte wieder.
"Das hat Wasser so an sich!"
Verärgert wollte er rausklettern, doch ich hielt ihn am Ärmel fest. Er blickte mich wütend an.
"Nun warte doch" rief ich und zog ihn wieder ins Wasser zurück. "Es tut mir sehr leid"
Ich presste meine Lippen fest zusammen um nicht wieder laut zu lachen, er sah aber auch witzig aus, mit seiner wütenden Miene und seiner durchnässten Kleidung.
"Du nervst", fauchte er.
Grinsend legte ich meine Arme um seinen Hals und küsste ihn sanft. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er erwidern würde, aber er tat es tatsächlich.
Ich spürte seine feuchten kalten Lippen auf meinen und schloss die Augen.
Seine Hände lagen fest an meinem Rücken und hinderten mich daran, kraftlos unterzugehen, denn ich fühlte keinerlei Kraft mehr in meinem Körper.