Disclaimer:
Alle bekannten Personen, Orte etc. gehören natürlich JKR. Die Filmszene: Copyright by Warner Bros. Bonnie Tyler, Harrison Ford, Rea Garvey & Reamonn, Johnny Depp gehören auch nicht mir, sie sind reale Personen, deren Namen ich mir nur geborgt habe. Dasselbe gilt für Alan Rickman und seine Schauspielkollegen. Bei „Alice im Wunderland" meine ich den Tim Burton Film von 2010 oder so.
Zu mir gehört lediglich der „Zeitsprung" sowie Sina Reuther/Sayda Shevell, Lena/Siria Brown bzw. Tate, Tina/Temptation/Alechia, Icarus Tate, Eline und Bonnie (deren Name natürlich nicht von ungefähr kommt ^^ ); Aída Sharon, Stefan Sherwood, Morgaine Beryl; Cryptia Norfolk; Silentia Avelon, Nac Brisbaine, Evanescence Cadwick, Mondrian Drake; Pacis & Dawn, Helios & Carmaine; Aurelius Hexbeth, Vasmo Hopper, Timidus Crester, Jason Loffley, Rosinius Felter, Cromas Formon ; Hensley Johansen, Caligula Demin, Ambra Meldenee, Dargun de Ville, Mandaryna Craven, Artemis Hauntwood; Dacíl Numeron, Darziza Camel; Camira Moonstone, Acropolis Messmer, Rumthrop; Fortunaja LeCross, Areion Crowd, Cat Simons; Helga, Helmut & Angelika Reuther sowie Michaela und Henriette ohne Nachnamen. Und die ganzen unbekannten, namenlosen Gestalten, sowie Emalee und Eldena ;)
Und das „Faithless" geht auf meine Kosten, sowie mein „Tegsak", die „Zeitsamen", die „Hassträume" und der „Spontefarimemini-Spiegel".
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Your baby doesn't love you anymore
Golden days before they end
Whisper secrets to the wind
Your baby won't be near you any moreTender nights before they fly
Sending stars that seem to cry
Your baby doesn't want you anymore
It's overIt breaks your heart in two
To know he's been untrue
But oh, what will you do?
Then he said to you
There's someone new
We're through, we're through
It's over, it's over, it's overAll the rainbows in the sky
Start to even say goodbye
You won't be seeing rainbows anymore
Setting suns before they fall
Echo to you that's all, that's all
But you'll see lonely sunset after allIt's over, it's over, it's over, it's over
Gute zwei Monate hörte man in Schottland nichts von Sayda, bis Minerva eines Tages eine zerzauste, völlig erschöpfte Eule aus Griechenland erhielt. Nachdem sie die Nachricht überflogen hatte, rief sie sofort ihren Tränkeprofessor zu sich. Sie schenkte Tee in zwei Tassen und als Severus sich gesetzt hatte und ein wenig an einem Keks herum knabberte, eröffnete sie ihm die Neuigkeit: „Severus… Du bist gestern Vater geworden."
Er verschluckte sich an den Kekskrümeln und starrte sie erstaunt an.
„Ja, Sayda hat mir geschrieben, es sind Zwillinge, zwei Mädchen, Eline und Bonnie."
Minerva schwieg und beobachtete Severus. Es war mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass er ein wenig mehr Zeit mit Artemis Hauntwood verbrachte als mit sonst jemandem, und nach dem aktuellen Stand der Dinge war das auch der Grund, weshalb sich Sayda von einem auf den anderen Tag dazu entschlossen hatte, zu gehen. Aber er könnte sich wenigstens für seine Kinder interessieren. Doch sie wurde bitter enttäuscht: Er zeigte weiter nicht die kleinste Regung und ließ nur ein gleichgültiges „Ah" hören.
Nachdem Severus sich wieder in seinen Kerker vor den Kessel (oder sonst wo hin) verzogen hatte, schrieb Minerva eine Nachricht an Sayda. Die Eule sah zwar nicht so aus, als ob sie noch einmal den ganzen Weg fliegen könnte, aber dafür hatte sie ja eine ganze Eulerei voll Schuleulen. Irgendeine würde es schon fertig bringen, notfalls musste sie es eben öfter versuchen. Obwohl sie viel hatte, was sie fragen wollte, wurde der Brief recht kurz. Sie wollte Sayda nicht mit unangenehmen Fakten belasten und listete nur belangloses Zeug auf. Zum Beispiel, dass sie ab dem nächsten Jahr den Posten der Verwandlungslehrerin und der Hauslehrerin von Gryffindor an eine junge Dame namens Aída Sharon abgeben würde. Etwas, das sie schon lange hätte tun sollen.
Wie nicht anders erwartet, erhielt sie nur eine knappe Antwort, auf die sich nichts groß erwidern ließ.
Es war ein sonniger Tag Ende Mai, fast eineinhalb Jahre nachdem Sayda ins Ausland gegangen war. Minerva tat etwas, was sie sonst nur selten tat: Sie verwandelte sich in eine Katze und streunte über das Schulgelände und durch das Schloss. Sie hockte gerade nach einem ausgedehnten Streifzug auf einem marmornen Treppenpfosten der Haupttreppe, als eine junge Frau zum weit geöffneten Schlosstor hereinkam. Vor Überraschung wäre die Minerva-Katze beinahe von ihrem hohen Aussichtspunkt heruntergefallen. Mit einem hektischen Satz rettete sie sich auf den Boden, rannte los und wurde noch im Rennen wieder zu ihrem menschlichen Selbst. Sie fiel der Besucherin um den Hals und eine Freudenträne rann ihr übers Gesicht.
„Sayda! Oh Merlin, Sayda! Du bist wieder da!"
Selbst Sayda kamen bei so viel Wiedersehensfreude die Tränen und sie wischte sie sich ungelenk mit dem Ärmel ab, während sie noch immer in Minervas Umarmung gefangen war.
„Sayda, komm mit in mein Büro, wie wäre es mit ein wenig Met?"
„Danke, Minni, aber eigentlich wollte ich nur kurz vorbeischauen, ich muss noch weiter, wenn du gestattest?"
„Oh. Ja, sicher", meinte Minerva etwas enttäuscht. „Du bleibst weiterhin im Untergrund, sozusagen?"
„Sozusagen." Sayda sah aus, als wollte sie noch etwas wichtiges loswerden, doch dann entschied sie sich augenscheinlich anders und mit einem „Auf Wiedersehen" machte sie sich wieder vom Acker und ließ ihre Freundin überrumpelt und verwirrt zurück.
Eigentlich wollte Minerva Sayda in Ruhe lassen, bis die sich wieder aus ihrem Loch heraus traute, doch dann gab es in der vorletzten Schulwoche einen hässlichen Zwischenfall, in den irgendwie Alechia Saunders, Artemis Hauntwood und Severus verwickelt waren – wobei letzterer mal wieder der Leidtragende war. So langsam glaubte die Schulleiterin nicht mehr ganz an seine Unschuld. Oder wieso sollte sonst jemand, der auf die Abwehr der Dunklen Künste spezialisiert war, zusammen mit einer allenfalls nervigen Reporterin bei einem ominösen Tränkemeister-Bankett, das letztendlich gar keins war, einen überdimensionalen Kessel in die Luft jagen? Oder den geladenen Tränkemeister in der Überzahl fertig machen? Mit den Fäusten? – Jedenfalls konnte man keinem der Beteiligten irgendetwas nachweisen und obwohl sie die Verteidigunsprofessorin am liebsten rausgeschmissen hätte, musste Minerva alles beim Alten lassen. Nun, nicht ganz: Sie brauchte jetzt dringendst einen zweiten Lehrer für Zaubertränke, so unfallträchtig wie Severus sich entpuppte. Und wer kam da natürlich bestens infrage? Sie hatte ordentlich Gewissensbisse, dennoch schickte sie den Brief an ihre junge Freundin ab.
Saydas Antwort kam schon am nächsten Tag per Eileule, jedoch nicht ohne einen kleinen Zusatz:
Und denk dran, nur weil du es bist!
Zuerst konnte sie es kaum fassen, doch selbstverständlich musste sie die anderen Lehrer über den Neuzugang informieren und allen voran Severus, schließlich würde er sich nächstes Jahr mit seiner Ex, die zeitweise ganz schön bissig sein konnte, die Stunden teilen müssen – und dabei wusste er noch gar nichts von seinem Glück. Irgendwie reagierte er in letzter Zeit immer ziemlich über, wenn das Thema „Sayda" auch nur ansatzweise ins Gespräch kam.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten – und trotzdem hatte Minerva irgendwo noch eine leise Hoffnung gehegt – erwischte sie ein snape'scher Wutanfall der übelsten Sorte, als sie Severus die Neuigkeiten mitteilte. Sie hatte ihn schon lange nicht mehr derart die Beherrschung verlieren sehen. Auf was auch immer sie vorbereitet gewesen wäre, jedenfalls nicht darauf, dass er sich eine Viertelstunde lang in Rage schreien würde und auch nicht, dass er in seiner Raserei möglicherweise irgendetwas demolieren könnte. Zwar war der Verlust von drei Flaschen feinstem Met und einem Mahagoniregal einfach nur ärgerlich, man konnte die ja schnell neu besorgen, doch trotzdem war Minerva am Ende der Unterredung kurz vor einem Nervenzusammenbruch und als Severus auch noch mit einem undefinierbaren Trank aus seiner Innentasche nach ihr warf, schmiss sie ihn hochkant aus ihrem Büro und knallte die Tür so fest hinter ihm zu, dass eines der alten Scharniere abbrach und die Tür gefährlich schief in den Angeln hing. Sie fühlte sich in diesem Moment absolut imstande, ihn ungespitzt in den Boden zu rammen, sollte er noch einmal in dieser schrecklich miesen Laune zu ihr zurückkehren.
Sie versuchte eine Weile lang, gegen sich selbst Schach zu spielen, doch als sie es auf irgendeine verdrehte Art und Weise geschafft hatte, beide Könige gleichzeitig schachmatt zu setzen, ging sie einfach zu Bett und schwor sich, am nächsten Morgen nicht vor Mittag wieder aufzustehen.
Sayda tauchte am 20. August wie aus dem Nichts vor Minervas Gemächern auf und nach einer kurzen Besprechung richteten die beiden ein neues Tränkeklassenzimmer samt Büro im zweiten Stock ein, damit sich die Zaubertränke-Lehrer nur ja nicht in die Quere kamen. Natürlich war Sayda über jeden kleinen Ausraster seitens Severus nun bestens im Bilde und kümmerte sich nicht groß darum, aber dennoch war sie froh, ihm nicht jeden Tag in den Kerkern begegnen zu müssen. Sollte er doch weiterhin die „verdammt geile" Artemis Hauntwood anschmachten – dieses Zitat stammte von Alechia, die mittlerweile auch erkannt hatte, dass Sayda wirklich nicht mehr im Hause Snape verweilte. Aber sie kam ja gut zurecht. Auf Minervas Frage, wo sie denn nun wohne, meinte sie nur: „Ich habe eine Wohnung in London. Lini und Bonnie sind bei einer Freundin, die ich in Griechenland kennen gelernt habe. Morgaine kann keine Kinder kriegen und kümmert sich stattdessen um meine, wenn ich arbeiten muss. Und manchmal hilft Siria ihr ein bisschen aus, aber die hat ja grad viel zu tun mit ihrer Auroren-Abschlussprüfung."
Minerva hatte Sayda nicht so verschlossen in Erinnerung gehabt, doch sie musste zugeben, dass sich die junge Frau allgemein verändert hatte. Sie war… ja, erwachsener geworden.
Die Zeit bis zum 1. September verging wie im Flug und schon saß Sayda gemeinsam mit den anderen Lehrern den Schülern gegenüber und beobachtete die Auswahl. Sie vermied tunlichst den Blick nach rechts, wo sie zweifellos irgendwann auf Severus treffen würde, und unterhielt sich stattdessen angeregt mit ihrer linken Tischnachbarin, Aída Sharon, der jungen Verwandlungslehrerin. Das Essen war wie üblich eine einzige Freude und nach dem zweiten Glas Wein hatte auch Sayda eine gewisse Freude an Hagrids unverständlich genuschelten Witzen, die sich irgendwie immer um dreibeinige Hippogreife drehten.
Als sich die Große Halle dann endlich langsam leerte, spürte sie auf einmal einen eindringlichen Blick auf sich ruhen. Vorsichtig wendete sie den Kopf ein Stück nach rechts, entdeckte Severus, der zu ihr hinübersah, und schaute schnell wieder weg. Doch als er nicht aufgab, wandte sie sich erneut um und blickte ihm zögerlich ins Gesicht. Ihre Blicke trafen sich und für einen Moment lächelte Sayda ein wenig, bis sie schließlich aufstand und mit Aída die Halle verließ. Sinnlos, über vergossene Milch zu jammern. Auch wenn der Vergleich ein wenig hinkte.
Am nächsten Tag durfte Sayda gleich früh mit dem Unterrichten anfangen. 5. Klasse Ravenclaw und Gryffindor. Halleluja. Ein paar wenigen Schülern kam sie tatsächlich noch entfernt bekannt vor, mit ein paar war sie ja schließlich noch selbst zur Schule gegangen, doch die meisten waren einfach nur aufgeregt, wie die neue Lehrerin wohl so war. Nach Snape konnte es doch nur eine Verbesserung sein, oder?
Sie begann die Stunde damit, sich kurz vorzustellen und wollte eigentlich gleich mit dem neuen Stoff beginnen, der gar nicht so ohne war, aber sie musste feststellen, dass die Schüler vielmehr daran interessiert waren, wie ihr freundschaftliches Verhältnis zu dem alten Tränkemeister war. Schweren Herzens legte sie das Buch beiseite und ergab sich dem Fragenschwall.
„Kennen Sie Snape persönlich?"
„Professor Snape, Jackson. Und ja, ich kenne ihn persönlich. Wie auch alle anderen Lehrer übrigens."
„Finden Sie ihn nett?"
„Was soll das denn?" Sayda wurde leicht rot. „Nun ja, verkehrt ist er nicht."
Allgemeines Staunen. Sayda verdrehte die Augen. Typisch.
Sie beantwortete noch weitere mehr oder weniger persönliche Fragen (die sich allerdings langsam ihrer eigenen Person zuwandten) und war sogar recht fröhlich dabei, bis sie in der ersten Reihe etwas aufschnappte, das ihre gute Stimmung kippen ließ:
„Meine Mutter hat gesagt, der alte Snape ist ein Todesser und ich soll mich vor ihm in Acht nehmen, und ich denke, sie hat recht. Wenn du mal siehst, wie der so durch die Gegend läuft! Meiner Meinung nach gehört der genauso nach Askaban wie alle anderen!", flüsterte eine dunkelhaarige Ravenclaw ihrer Freundin zu.
„Professor Snape ist kein Todesser", sagte Sayda mit eisiger Stimme und die beiden verstummten sofort.
„Woher wollen Sie das denn wissen?", meinte die Schülerin schnippisch.
„Dariza Camel, hab' ich recht? Ich bin mir sicher, wenn ihre Eltern auf der richtigen Seite stehen, haben auch sie mitgekriegt, was Harry Potter gesagt hat."
„Harry Potter! Wer glaubt schon Harry Potter!"
„Ich. Und der Großteil aller britischen Zauberer. Außerdem gibt es noch weitere stichhaltige Beweise für Professor Snapes Unschuld."
„Unschuld!", schnaubte die Teenagerin.
„10 Punkte Abzug für Ravenclaw!", zischte Sayda. „Sprechen Sie nicht so über Lehrer, schon gar nicht, wenn Sie im Unrecht sind!"
Da meldete sich die Freundin der Dunkelhaarigen zu Wort, ein kräftig gebautes Mädchen mit kupferroten Locken: „Erzählen Sie uns von den Beweisen, was sind die, wo sind die, wer darf sie einsehen?"
„Der Zaubereiminister", schnappte Sayda unwillig. „Und Professor Snapes engste Vertraute."
„Snape hat Vertraute?", rutschte es einem aufmüpfig wirkenden Gryffindor prustend heraus. „Das darf man doch bezweifeln, oder?"
„10 Punkte Abzug für Gryffindor und ich verbiete mir alles weitere, was in diese Richtung geht, sonst gibt es Zusatzarbeit. Für alle! Nein! Sie werden auch nicht außerhalb meiner Stunden diese Gerüchte verbreiten!", fauchte sie und der kleine Gryffindor-Junge, der gesprochen hatte, sprang vor Schreck einen halben Meter in die Luft. So viel also zu der tollen neuen Tränkelehrerin.
Nach einigen Stunden gab es schon viele verschiedene Meinungen über sie, die Schüler tuschelten auf den Gängen über nichts anderes mehr:
„Also, die Shevell ist voll cool", meinte ein Junge aus Hufflepuff beim Abendessen zu seinem Nachbarn. „Streng, aber trotzdem nett und lustig, bin ich froh, dass wir die haben! Die, die den alten Snape abgekriegt haben, dürfen sich warm anziehen!"
„Echt?", antwortete der verblüfft. „Also ich hab von Gaya aus Ravenclaw gehört, dass sie nicht wesentlich besser sein soll als Snape. Hat die ganze Klasse angeblich ziemlich zusammen gestaucht, weil einer gesagt hat, dass Snape ein Todesser ist…"
„Hm, also auf mich hat sie ganz anders gewirkt. Klar, streng, aber nicht aufbrausend oder so. Eben das krasse Gegenteil vom Snape."
„Der Snape" jedenfalls setzte jedes Mal eine noch saurere Miene auf, wenn jemand auf Sayda zu sprechen kam und rauschte dann auch mit ziemlicher Sicherheit bald aus dem jeweiligen Raum – wenn es nicht gerade sein Klassenzimmer und im Augenblick Unterricht war, denn dann hagelte es nur so Nachsitzen und Punktabzug. Das Bild vom unberechenbaren, furchteinflößenden und zynischen Tränkemeister geriet dadurch zumindest nicht ins Wanken. Obwohl manche ihn im Geheimen schon den „Kerkermeister" nannten, was ja eindeutig noch eine Steigerung von „alter Geier", „hässliche Fledermaus" oder „fettiger Idiot" war.
Sayda wusste so langsam ganz genau, welche Schüler wie tickten und das Ergebnis war vergleichsweise niederschmetternd. Viele Eltern schienen ihren Kindern die Snape-ist-ein-ganz-ganz-böser-Todesser-Sache geradezu eingeimpft zu haben und dementsprechend voller Vorurteile schlichen die durch das Schloss und verbreiteten eine Lügengeschichte nach der anderen. Eigentlich nichts, woran Sayda sich hätte stören sollen, schließlich war dieses Kapitel für sie endgültig abgehakt, doch irgendwie ließ es sie nicht los.
Nach drei Wochen hatte sie schon einen halben Jahrgang nachsitzen lassen, immer wegen derselben bestimmten Sache. Dass Minerva sie an einem Samstag Ende September dann auch noch in ihr Büro rief, um ihr die genauen Umstände ihres Einsatzes hier näher zu erläutern, setzte dem ganzen noch ein Sahnehäubchen auf. Alechia mal wieder. Hatte sich eine Komplizin gesucht und sich ihr Lieblingsopfer gekrallt und ein bisschen… verprügelt. Laut Minerva waren es zehn gegen einen gewesen, an Feigheit wohl kaum noch zu übertreffen, was dem geschätzten Severus einige lange Wochen im Krankenflügel von Hogwarts beschert hatte – wohin er immer noch regelmäßig zu gehen pflegte. Sayda knurrte nur ungehalten, als Minerva sie fragte, ob alles OK war. Nichts war OK! Sie konnte sich gerade noch beherrschen, um nicht einfach irgendwas in ihrer Nähe kurz und klein zu schlagen. Diese erbärmlichen Feiglinge! Was waren das für Leute!? Wer konnte es schaffen, so grausam und gleichzeitig so unauffällig zu sein!? – Alechia natürlich, die Meisterin des Psychoterrors, die unbarmherzige Kolumnistin, die sicher auch ohne mit der Wimper zu zucken ihren Zauberstab ausstrecken und ein kleines, aber feines „Crucio" murmeln würde. Moment…
„Minni… Er hat aber nicht wieder… Cruciatus?", stotterte sie mit einer bösen Vorahnung, die durch Minervas Nicken bestätigt wurde.
„Wir wissen mal wieder nicht, wer, aber was macht das schon für einen Unterschied?", meinte diese verzweifelt. „Es ist so gemein und dann war auch noch Artemis beteiligt. Wenn ich nur wüsste, inwieweit!"
„Artemis?" Die Verteidigungslehrerin hatte Sayda die Ohrfeige vor anderthalb Jahren bereitwillig verziehen und sie kamen einigermaßen miteinander aus, doch sie mochten sich nicht wirklich – wie auch, bei den Umständen der Vergangenheit. „Sind sie und Severus… du weißt schon… sind sie noch zusammen?"
„Nein. Es hat ihn ziemlich fertig gemacht."
Sayda schnaubte. „War wohl ein bisschen heftig, auf was er sich da eingelassen hat!"
Minerva zuckte mit den Schultern, doch sie hatte ein Gesicht aufgesetzt, das deutlich sagte, dass sie voll und ganz ihrer Meinung war.
„Es hat sich übrigens schon über die ganze Schule verbreitet, was du mit deiner 5. Klasse angestellt hast. Gryffindor und Ravenclaw, du erinnerst dich?"
Saydas Gesicht verdüsterte sich noch mehr, soweit das überhaupt noch möglich war.
„Wie könnte ich das vergessen…"
Die Schulleiterin lächelte. „Severus war ziemlich sprachlos, als er es mitgekriegt hat. Hat wohl nicht daran geglaubt, dass ausgerechnet du ihn verteidigen würdest."
„Nun, man soll keine Lügen erzählen."
Minerva erstarrte. Zu spät viel Sayda ein, dass das ja Dolores Umbridge's bevorzugter Satz gewesen war.
„Woher… Du kannst doch gar nicht… Das ist das Motto von der alten Kröte Umbridge! Das ist ja… Sayda?"
Sayda hatte den Kopf in die Hände gestützt.
„Minni… Ich glaube, es ist an der Zeit, dir etwas zu beichten…"
Die nächste Viertelstunde wurde für sie zu einer Art persönlichen Hölle. Das Entsetzen und die Fassungslosigkeit im Gesicht ihrer Freundin waren schwer zu verdauen, schließlich hatte sie ihr jahrelang nur die halbe Wahrheit erzählt.
„So", meinte sie tonlos, „jetzt kennst du die ganze Geschichte. Es tut mir leid."
Doch Minerva, immer noch ordentlich verblüfft, lächelte sie schief an. „Sayda, das ist rührend! Weiß Severus denn…?"
Sie nickte traurig. „Was ihn nicht davon abgehalten hat, zu ei…" Sie verstummte und wurde rot. Jetzt hätte sie sich beinahe verplappert, doch so, wie Minerva sie nun ansah, wäre es auch egal gewesen, wenn sie den Satz beendet hatte.
„Ist schon in Ordnung, Sayda."
„Nein, nichts ist in Ordnung, ich weiß einfach nicht mehr, was ich denken soll."
„Fühlen."
„Was?"
„Was du fühlen sollst."
Sayda stöhnte. „Was ich fühlen soll", korrigierte sie sich folgsam.
„Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich verstehe dich, aber ich glaube, dass du das schon wieder hinbiegen kannst, hm?"
„Tz. Wohl eher nicht." Resigniert strich sie sich die Haare aus dem Gesicht, die aus ihrer Frisur gefallen waren. „Es ist nichts mehr da, verstehst du? Nichts mehr so wie früher…"
„Das wird schon wieder", meinte Minerva aufmunternd, doch Sayda schüttelte nur den Kopf.
„Ich geh' dann wohl mal besser…"
Sie lief den Gang hinunter und wollte eigentlich nur noch ins Bett und die Musik voll aufdrehen. Dass ihr ausgerechnet Severus begegnete, war ja wieder mal typisch.
„Sayda?", sprach er sie an, aber sie ignorierte ihn und verfiel in ein leichtes Rennen, soweit das mit ihren hochhackigen Schuhen eben ging. Nur weg hier, nur weg.
„Sayda!"
Nein. Bloß nicht anhalten.
Langsam kamen die Tränen in ihr hoch und als sie die Tür zu ihrem Quartier hinter sich zuschlug, entfuhr ihr ein leiser Schluchzer. So verzweifelt wie sie war, kramte sie eine ganz alte LP heraus und stopfte sie in ihren magisch betriebenen Plattenspieler.
Changing, moving, in a circle How can I forget you when my world is breaking down Wishing, hoping, chasing shadows How can I forget you when my world is breaking down
I can see your face in all of my dreams
Smiling, laughing, from the shadows
When I hear your voice I know what it means
I know it doesn't matter just how hard I try
You're all the reason for my life
Disillusion, disillusion's all you left for me
You're all I had, you're all I want
Disillusion, disillusions now, that's all I have
Did I see your face somewhere in the crowd
Thinking, wondering, what you're doing
I can't stop myself from crying out loud
They say my wound will heal and only leave a scar
But then, they'd never shared our love
Disillusion, disillusion's all you left for me
You're all I had, you're all I want
Disillusion, disillusions now, that's all I have
Disillusion, disillusions now, that's all I have
Draußen vor der Tür stand Severus, der ihr gefolgt war, es aber nicht über sich brachte, zu klopfen.
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A/N: Das erste Lied ist It's Over von Bonnie Tyler. Das zweite ist Disillusion von ABBA.
