Henry saß gemütlich auf den Sessel im Wohnzimmer.

Auf seinen Schoß lag das geöffnete Tagebuch.

Er hatte sich die letzten Einträge über Nora durch gelesen.

Wieso dachte er an sie?

Sie hatte ihn in die Psychiatie gebracht, und dann ins Gefängnis.

Henry blätterte weiter.

Warum hatte Adam ihm sein verschollenes Tagebuch zu geschickt?

Unbewusst las er den letzten Eintrag des Buches durch.

07. April. 1814

Ich hatte in den letzten Tagen einen Plan geschmiedet, die Sklaven von der eisernden Hand meines Vaters Schiffes zu befreien.

In Amerika werden sie frei sein und nicht wie Objekte behandelt und verkauft werden.

Ich habe vor dies, heute Abend zu erledigen.

Schrecklicherweise kam Gestern ein Sturm auf, was es mir erschwerte dem Bootsmann den Schlüssel zu klauen, da dieser den ganzen Tag entweder in seiner Kajüte schlief oder bei den Sklaven im Lagerraum alles kontrollierte.

Bei diesen Wetter wollte niemand oben am Deck sein.

Henry atmete durch und klappte das Buch zu.

Dabei viel ein Brief heraus und landete vor seinen Füßen auf den Boden.

Für einen Moment starrte Henry auf den Umschlag, bis er ihn wieder in seine Hände nahm.

Ein Schauer kam über seinen Rücken, als er seinen Namen auf den Umschlag las.

Henry legte das Tagebuch bei Seite und öffnete vorsichtig den Briefumschlag.

Kurz stockte er, da es anscheinend kein Brief war, welcher im Umschlag war.

Er brauchte einen Moment bis er begriff, was der Inhalt war.

Sofort ergriff ihn die Wut und er zerknüllte den Umschlag.

Henry hielt ein Bild in der Hand.

Auf diesen war Abe zu sehen, wie er auf einen Stuhl gefesselt saß.

Anscheinend auch bewusstlos.

"Abe..."drang es nur aus Henrys Kehle .

Er biss sich auf die Zähne und stand ruckartig auf.

Vorsichtig steckte er das Bild ein und zog sich seine Jacke an.

Im Schnellschritt lief er zur Haustür.

Jetzt nur noch ein Taxi finden und zum NYPD fahren.

Henry öffnete ruckartig die Tür.

Unerwartet ströhmte ihm ein eisiger Wind ins Gesicht.

Dazu kam noch, das es schneite und es allmählig dunkel wurde.

Langsam stapfte er durch die Schneeschicht auf den Boden und schloss die Tür hinter sich.

Die Straße sah so aus, als ob lange kein Auto mehr hier lang gefahren wäre.

Er zog sich leicht den Schal mehr ins Gesicht und ging langsam mit dem Wind zur Hauptstraße.

Durch gefroren ergriff er sich ein Taxi und stieg ein.

Nach einer Zeit kam er beim NYPD an und ging hinein.

Jo war verwirrt, warum er schon wieder hier eintrudelte.

"Schon wieder hier?"

Henry nickte nur und setzte sich ihr gegenüber.

Nach einer kurzen Stille, als er wieder warme Hände bekam, kam er zu Wort.

"Ich habe noch etwas in meinen Tagebuch gefunden!"

Jo schaute von ihren Computer auf und warf ihm einem interessierten Blick zu.

"Das wäre?"

Henry griff in seine innere Jackentasche und legte auf ihren Schreibtisch das Bild sorgfälltig hin .

Er sagte nichts weiter dazu.

Es dauerte eine Weile, bis sie das Bild verstandt.

"Ist das Abe?"fragte sie zögernd nach, um sicher zu gehen.

Henry nickte stumm.

"Man kann leider nicht erkennen wo er ist. Der Hintergrund ist zu dunkel!"stellte er fest und verschrenkte die Arme.

Jo stimmte zu und übergab ihn wieder das Bild.

"Ich weiß aber nicht, wie uns das weiter bringt!"erklärte sie ruhig und blickte ihm in die Augen.

Henry überlegte weiter und sah zu einer weißen Tafel.

"Vielleicht suchen wir nochmal nach den Grund der sechs Wörter."schlug er vor und griff sich einen Stift von Jos Tisch.

Er lief zur Tafel und wollte gerade zum schreiben ansetzten.

"Henry, nicht!"sagte Jo etwas lauter, doch er hatte schon das 'S' für SG17 ran geschrieben.

Henry drehte sich zu ihr um.

"Warum nicht?"fragte er verwirrt.

Jo stand auf und ging auch zur Tafel.

"Du hast da einen Edding! Der geht nicht von der Tafel ab."erklärte sie mit Herzklopfen.

Er schluckte und sah wieder zum geschriebenen 'S'.

"Und nun?"

Sie griff nach einen Board Marker und über strich das 'S'.

Mit den Lappen konnte sie nun den Edding und den Board Marker einfach entfernen.

Schnell nahm Jo ihn den Edding weg und übergab ihn den Board Marker.

"Du kannst weiter schreiben!"

Henry nickte nur als Dank und schrieb wie bereits bekannten Wörter auf.

"SG17, kalt, leer, rauschendes Wasser, dunkel."murmelte er während des Schreibens.

Als er fertig war trat er einen Schritt weg und blickte auf die Wörter.

Jo fing an zu überlegen und verschrenkte die Arme.

"Hattest du schon eine Idee?"fragte Jo und sah zu ihm auf.

Er räusperte sich kurz und malte sich aus Versehen mit den Board Marker seine Finger an.

"Kleo und ich haben überlegt, ob das rauschende Wasser den East River gemeint."erzählte er.

Henry schrieb dies einfach unter 'rauschendes Wasser' und schloss dann den Marker.

"Kalt, leer und dunkel kann so gut wie alles bedeuten!"stellte Jo fest und nahm sich ihren Computerstuhl und setzte sich drauf.

"Das kann eine lange Nacht werden!"murmelte sie und starrte die Wörter an.

Henry lehnte sich derweil an einer Tischkante an.

"Ja.."