Kapitel 34

Eric legte ihr einen Arm um die Schulter und drückte Sookie fest an sich. Sie sah ganz kurz zu ihm hoch, sein Blick ruhte mit einem wohlwollenden Glitzern auf ihr und sie schaffte es nicht ganz ein schmutziges Grinsen zu unterdrücken. Glücklicherweise war gerade die Aufmerksamkeit aller auf die Königin und Bill gerichtet, den sie mit ausgefahrenen Fangzähnen und einem mörderischen Gesichtsausdruck gegen die Wand drückte.

„Ihr glaub doch nicht diesem Menschen, oder?" ächzte Bill erschrocken. „Sie würde doch alles sagen um Northman zu beschützen! ER hat sie MIR weggenommen!" Verzweiflung schlich sich in seine Stimme und er sah seine Ex-Verlobte kurz endlos enttäuscht an.

„Schon immer… schon immer redet er so… aber das ist nicht WAHR! Er! … Er hat mich aus der Zelle geholt…! Und mir gedroht mich sofort zu töten, wenn ich nicht gleich zu Eric gehe…. Und dann hat er die Wachen bezirzt, damit sie keinen Alarm schlagen…" schluchzte Sookie und drängte sich näher an den Wikinger, mit einer Hand wischte sie sich Tränen und Rotz vom Gesicht.

Die Königin sah von ihr zu Bill und legte den Kopf schief. „Da spricht sie einen interessanten Punkt an… Wie ist sie da raus gekommen? Bringt mir die Wächter!" In der aufkommenden Unruhe brachte Eric Sookie zurück zum Foltertisch und so etwas aus der Schusslinie von Klara-Belles Wankelmütigkeit.

Er stand über ihr und sah ihr fast schon stolz in die Augen. ‚Gut gemacht…' formte er mit den Lippen. „Geht es dir gut?" fragte er sie dann leise. Sookie setzte sich auf die relativ hohe Platte, sodass ihre Köpfe auf einer Höhe waren, wenn Eric sich ein Stück nach unten beugte. „Ja, ich bin in Ordnung." Murmelte sie und rieb sich die Kehle. Vorsichtig griff sie nach seiner Hand und legte sie auf die Hosentasche, in die sie die Phiole gesteckt hatte. Seinem zuckenden Mundwinkel nach konnte er sie fühlen.

„Ich weiß alles wird gut, solange du bei mir bist…" flüsterte sie halblaut betonend und sah dann erst zu abschätzend der Gruppe der Vampire, die diskutierend herumstand, kurz Eric in die Augen, hinunter zu ihrer Hosentasche und dann wieder zu ihm. „Ich bin immer bei dir!" war seine Antwort, wieder zuckten seine Lippen.

Beruhigt nickte Sookie kurz, es war also wirklich seine Blutphiole. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter. Vorsichtig streichelte er ihr über das Haar. „Hast du einen Plan?" hauchte sie fast geräuschlos, wusste aber dass er sie trotzdem gehört hatte. „Du?" „Dämmerung…"

Für den Bruchteil einer Sekunde zuckte er zusammen, dann hatte er sich wieder im Griff, er drehte sich etwas und tat so als würde er ihre Kehle untersuchen. „Bist du verrückt?" zischte er leise. Sookie legte seine Hand auf ihre Hauptschlagader und riss die Augen ein Stück auf, um ihm ihr Vorhaben etwas zu verdeutlichen.

Sie konnte sehen, wie er die Zähne zusammenbiss und mit dem Kiefer malmte. Aber sie hielt dem Augenkontakt stand. Wenn er schon keine Idee hatte, sie hatte eine.

„Was will sie eigentlich?" fragte die Fee schließlich angespannt. „Warum interessiert sie sich so für Russell?" Eric zog sie an sich und legte seinen Kopf ganz nah an ihr Ohr, um Mithörer zu vermeiden. „Sie glaubt, dass ihn jemand im Namen der Autorität umgebracht hat und sucht jetzt nach Beweisen um mit ihr zu brechen."

Er strich ihr über den Kopf und Sookie schlang ihre Arme um seinen Rücken. „Und warum du?" „Sie hat rausbekommen das ich und Compton das letzte Mal bei ihm waren…und offensichtlich hat dieser… Typ ihr den Floh ins Ohr gesetzt, dass ich es war oder etwas darüber weiß."

Sie kniff ihn leicht in die Seite und beugte sich nach hinten um ihm in die Augen zu sehen. „Nicht dumm, die Dame…"

Er lächelte. „Du aber auch nicht…" Er sah sie an als ob er sich gleich hinunter beugen und sie küssen wollte, doch da kam ein Vampir mit den beiden Wachen zurück und zerstörte den Moment der Nähe.

Seine Miene straffte sich wieder, Eric hob Sookie vom Tisch und ging mit ihr einige Schritte abseits in Richtung Tür, noch weit genug im Raum um nicht aufzufallen und doch schon etwas näher…

Die Königin griff den ersten der beiden Männer, den sie sah, am Arm und schleuderte ihn zu Boden. Dem ekelhaften Geräusch nach zu urteilen brach dabei sein Oberarm und er schrie schmerzerfüllt auf. Sofort kniete sie über ihm und stierte auf ihn herab, das Gesicht zu einer abstoßenden Fratze verzerrt. „Sag mir, WER HAT SIE AUS DIESER ZELLE GELASSEN?"

Der Mann starrte sie völlig verängstigt an und gab nur einige gurgelnde Geräusche von sich. Mit einem Aufschrei wischte sie ihn wie ein Handtuch weg, an die gegenüberliegende Wand, wo er nach einem lauten Knacken bewegungslos liegenblieb.

Sookie sah Eric entsetzt an, doch der beobachtete das Geschehen weiter mit gerunzelter Stirn.

Offensichtlich erkannte die Königin jetzt, dass dieses Vorgehen nicht sonderlich von Erfolg geprägt sein würde, sie stand wieder auf, straffte sich und ging dann wesentlich ruhiger auf den verbliebenen Mann zu.

Sie lächelte ihn an. „Nun. Bitte erkläre mir, wie diese Dame hier aus der Zelle gekommen ist, die Zelle die du und dein… Kollege eigentlich hatten bewachen sollen…"

Er sah verwirrt aus. „Ich weiß es nicht, Eure Hoheit! Wirklich, ich weiß es nicht! Wir haben unseren Posten nicht verlassen!"

Klara-Belle nahm den Gesichtsausdruck an, der typisch war für Bezirzung. „Ich bin deine Königin, du hast nur meinen Befehlen Folge zu leisten, das weißt du, oder?" „Ja, Euer Hoheit!" „Also vergisst du jetzt schnell jede Anweisung, die dir jeder hier außer mir gegeben hat." „Ja, Euer Hoheit!"

Sie betrachtete kurz ihre langen Fingernägel und sah sich kurz im Raum um. „Hat noch irgendjemand hier ein Geständnis ab zu legen? zum Beispiel?" Der schüttelte den Kopf. „Gut, Ihr Pech. Also, kleiner Mensch, wer war als letztes bei der Frau?"

„."

„Na, wer hätte denn das gedacht…"

„JA, ich WAR bei ihr, aber ich habe sie nicht raus gelassen!" verteidigte sich Bill. Die Königin schnitt ihm mit einer Hand das Wort ab. „Gerade eben habe ich Ihnen die Möglichkeit gegeben, derlei zuzugeben. Sie bevorzugten es nicht zu sprechen, bitte bleiben Sie jetzt dabei. Also. Hat die Frau raus gelassen?"

„Ich weiß es nicht."

„Wieso weißt du das nicht?" Ihr erster Impuls war offensichtlich gewesen, den Mann seinem Kollegen hinterher zu schicken, aber diesmal hatte sie sich bemerkenswert gut im Griff. „Wie ist sie dann da raus gekommen?"

„Ich weiß es nicht…"

Hat sie den Raum gemeinsam mit verlassen?"

„Nein."

„Sondern?"

„Sie kam vor ihm heraus."

„UND WARUM HABT IHR SIE NICHT AUFGEHALTEN?"

„Er hatte uns vorher befohlen uns nicht einzumischen…"

Bills Augen waren während der letzten Sätze immer größer geworden, er hatte erst den Mann, dann die Königin und danach Sookie ungläubig angestarrt. „Bitte, ihr dürft ihm kein Wort glauben! Er lügt!"

Einen Wimpernschlag später stand Klara-Belle vor ihm und grub ihre Fingernägel in seinen Hals. „Ihr glaubt also, dass ein Mensch in der Lage ist meiner Bezirzung zu widerstehen? Kaltschnäuzig für jemanden, der nicht einmal ein Viertel meiner Lebensspanne gelebt hat! Ihr habt bei dieser Sache gelogen, wer weiß was Ihr noch vor mir verheimlicht…"

Ihr Blick schoss zu Sookie und Eric.

„, sind Sie jetzt bereit etwas zu Edgingtons Verschwinden zu sagen?"

Der Wikinger seufzte. „Wie ich Euch schon mehrmals zu erklären versuchte, ich weiß nichts darüber! Zumindest nichts aus erster Hand! Ich habe ihn das letzte Mal in seinem Haus in Mississippi gesehen. Moment, nein, das letzte Mal war in den Nachrichten…" Er lächelte schwach.

„Und warum hat Ihr Mensch dann weitere Informationen?"

Eric sah auf die Fee hinunter und atmete kurz durch. „Vermutlich, weil Compton sie zu diesem Zeitpunkt entführt hatte. Wie schon angedeutet, er hat einen Narren an ihr gefressen und sucht beständig nach Möglichkeiten sie sein zu machen…" Er seufzte. „Wahrscheinlich ist auch das wieder nur ein solcher Versuch von ihm. Ob er es tatsächlich war, das weiß ich leider nicht."

Klara-Belle fletschte die Fangzähne. „Das ließe sich schnell herausfinde."

Er winkte ab. „Das habe ich schon versucht, sie hat nichts gesehen. Sie weiß nur das, was er ihr erzählt hat- beziehungsweise ihr eingetrichtert hat…"

Sookie vergrub ihr Gesicht zwischen Erics Oberarm und seinem Brustkorb, für andere musste es wirken wie Scham, aber eigentlich wollte sie so vermeiden, dass irgendjemand ihr Grinsen sehen konnte. Er streichelte ihren Rücken.

„Bringt ihn weg!" befahl die Königin nach einiger Zeit ihren Wachen, die Bill unsanft aus dem Raum zogen, während er hilflos versuchte zu protestieren. „Ich werde mich morgen noch einmal mit ihm befassen…"

Die Fee konnte spüren, wie der Wikinger sich wachsam verspannte, noch hatte Klara-Belle nichts zu ihrem Verbleib gesagt. Auch sie richtete sich wieder auf und beobachtete die Vampirkönigin, während die nachdenklich im Raum auf und ab stöckelte. Schließlich wandte auch sie sich zum Gehen.

„Moment, was ist mit mir? Kann ich jetzt gehen?" hielt Eric sie zurück. Fast schon überrascht sah sie ihn an. „Nein, selbstverständlich nicht!" Sie kicherte. „Hast du wirklich gedacht, dass ich dich wieder ziehen lassen würde, nach all dem, was du hier mitbekommen hast?" Nach einem Winken zu ihrer Gefolgschaft verließ die den Raum.

„Dann lass wenigstens S…Ariane gehen!"

„Ich wäre doch bescheuert, wenn ich das täte! Nein, ich geh lieber auf Nummer sicher…" Sie grinste diabolisch. „In den letzten Zuckungen deiner Existenz, wenn du nur noch um das nackte Überleben kämpfst, dann wirst du sie garantiert aussaugen um dein Leben um einige Sekunden zu verlängern… Und so muss ich mir wenigstens die Hände nicht schmutzig machen." Klara-Belle lächelte noch einmal und schloss die Tür hinter sich.

Kurz darauf schaute sie noch einmal kurz hinein. „Ach ja, hier draußen stehen jetzt selbstverständlich Wachen, die dich beim ersten Anzeichen eines Ausbruchsversuch pfählen werden. Tirili!"

Danach waren sie endgültig alleine.

Eric, der der Königin einige Schritte hinterhergelaufen war drehte sich wieder um und starrte Sookie an.

„Das ist jetzt nicht ihr ernst, oder?" fragte sie ungläubig.