Moin meine lieben Leserchen!
Es ist soweit, das letzte Kapitel von "Stirb nicht!". Wir erleben es aus der Sicht von Harry. Dachte, ihm gebührt der Abschluss am meisten. :-) Es sind in der Geschichte mit Abstand zum letzten Kapitel einige Jahre vergangen. Wundert euch also nicht.
Federline hat natürlich wieder betagelesen und an ihrer Stelle will ich ein dickes Dankeschön an sie sagen. Dafür, dass sie mir die letzten Jahre so viel Input, Tipps und ihre kostbare Zeit geschenkt hat. Ohne sie wäre diese Geschichte nicht die, die sie ist.
So und nun wünsche ich ein letztes Mal viel Spaß beim Lesen!
36. Folgen
Vorsichtig und nur auf Socken schlich Harry die Treppen hinunter, um ja keinen Lärm zu verursachen. Es war noch recht früh am Morgen, so kurz nach acht, doch Harry konnte nicht mehr schlafen. Irgendwie war sein Körper daran gewöhnt früh aufzustehen und in den Tag zu starten.
Er ging in die Küche, schaltete das Radio ein, bei dem wie immer sein Londoner Lieblingssender eingestellt war, da sie dort überwiegend Rock spielten und überlegte was er heute zum Frühstück zubereiten konnte. Früher als Kind musste er immer seiner Tante beim Frühstück machen helfen, ohne selbst viel von dem Essen abzubekommen, da das meiste sein Cousin verschlungen hatte. Doch heutzutage genoss er es, aufzustehen und ein leckeres Frühstück vorzubereiten.
Schnell fiel die Wahl auf Pancakes und Harry machte sich daran Eier, Mehl, Zucker, Milch und eine Prise Salz in einer Schüssel zu verrühren. Im Radio lief gerade Busted mit "Year 3000" und Harry musste sich sehr zusammenreißen, die Lautstärke nicht voll aufzudrehen. Doch er bekam auch so gute Laune und sang leise den Song mit, während er sich daran machte den fertigen Teig in die Pfanne zu geben.
In diesem Moment kam eine gewisse kleine Hauselfe aufgeregt in die Küche gelaufen und piepste hektisch: "Oh nein, Master Harry! Das kann doch Jeena tun!"
Diese Diskussion führten sie beinahe immer mit ihr, sobald jemand etwas im Haushalt erledigte. Hermione hatte mal in Jeenas Beisein vorgeschlagen, ihr die Freiheit zu schenken. Daraufhin war die Hauselfe dermaßen verstört gewesen, dass sie sich verzweifelt an Dracos Bein geklammert und lautstark gefleht hatte sie nicht zu entlassen. Erst als Draco Jeena versichert hatte, dass er sie nie im Leben gehen ließe und Hermione daraufhin bitterböse ermahnt hatte, so etwas Schreckliches nie wieder in diesem Haus zu sagen, konnte sich die Hauselfe einigermaßen beruhigen. Jedoch war Jeena seitdem übermäßig eifrig. Wahrscheinlich hatte sie immer noch Angst, dass wenn sie sich nicht mehr nützlich machte, sie irgendwann doch noch frei gelassen würde. Daher konnten sie nur dafür sorgen, dass Jeena sich gebraucht fühlte und ihr ansonsten immer wieder versichern, dass sie zu ihnen gehörte.
"Nein, ist schon in Ordnung, Jeena. Ich mache das gerne. Wärst du so lieb und deckst den Tisch für uns? Oh und könntest du Kaffee aufsetzen?", sagte Harry, der sich so mehr Zeit für die Pancakes verschaffte und Jeena etwas zu tun gab.
"Natürlich, Master Harry, Sir! Jeena wird das sofort erledigen!", antwortete die nun wieder positiv gestimmte Hauselfe und machte sich sogleich an die Arbeit.
Ein Klopfen an der Fensterscheibe riss Harry von der Pfanne los. Hinter der Scheibe saß eine aufgeplusterte Eule mit einem Beutelchen, der ihr ans Bein gebunden war und dem Tagespropheten zwischen den Krallen. Harry holte 7 Knuts und 13 Sickel aus der Keksdose und brach ein Stückchen von einem fertigen Pancake ab. Nach kurzem Zögern fraß die Boteneule dies auch, so dass Harry problemlos die Zeitung an sich nehmen und das Geld in den Beutel am Bein des Tieres legen konnte. Mit einem zufriedenen Klicken des Schnabels machte die Eule kehrt und flog davon. Den Tagespropheten legte Harry wie immer auf den Tisch direkt an Dracos Platz, ehe er sich wieder den Pancakes widmete.
Schnell war das Frühstück angerichtet. "Machst du noch einen heißen Kakao? Ich übernehme den Weckdienst", meinte Harry zu Jeena, die sich sofort daran machte Milch aufzukochen. Derweil lief Harry die Treppe wieder hinauf und öffnete oben langsam die Schlafzimmertür. Vorhin als er aufgestanden war, weil er partout nicht mehr weiterschlafen konnte, lagen Teddy und Draco noch zusammengekuschelt in den Federn. Jetzt saß der Junge aufrecht im Bett und ließ seinen Plüschhasen auf Draco herumhoppeln, den das offenbar nicht weiter störte. Oder sein Freund zeigte es einfach nicht, sondern versuchte angestrengt das spielende Kind zu ignorieren.
Doch als Teddy Harry bemerkte, krabbelte er ihm entgegen und Harry nahm sich dem Jungen an.
"Na, guten Morgen! Hast du gut geschlafen?", fragte Harry lächelnd und im Flüsterton.
Teddy nickte als Antwort und sagte: "Ja. Du auch?"
"Ja, ich auch. Geh doch mit Bunny schon mal runter in die Küche. Da warten Pancakes und Kakao auf dich", schlug Harry vor und hob den Jungen aus seinem und Dracos Bett.
"Okay", meinte Teddy und lief auch schon los.
Es kam ab und an vor, dass er in der Nacht zu ihnen ins Bett gekrochen kam. Harry selbst hatte das nie gemacht als er klein war. Jedoch hatte Draco ihm versichert, dass das für einen Fünfjährigen ein ganz normales Verhalten war. In dem Alter habe sich Draco auch manchmal nachts zu seinen Eltern geschlichen. Und obwohl Harry bei dieser Erkenntnis etwas wehmütig zumute wurde, da er selbst nie die Möglichkeit gehabt hatte so etwas als Kind zu tun, freute er sich, dass wenigstens Teddy solche Sachen tat. Er war auch ein Waisenkind, genauso wie Harry. Zumindest konnte Harry jetzt dafür sorgen, dass Teddy eine glücklichere Kindheit hatte als er selbst. Seit dessen Großmutter Andromeda so schwer krank geworden war, wohnte Teddy quasi sowieso bei ihnen beiden.
Als der Junge hörbar die Treppe runter polterte, wandte sich Harry an seinen Freund, der noch immer in seine Bettdecke eingewickelt war.
"Draco, bist du wach?", fragte Harry vorsichtig.
"Nein!", murrte Draco zurück und zog die Decke über den Kopf.
Harry lachte auf und sagte weiter: "Na komm, Prinzessin. Aufstehen, Frühstück ist fertig."
"Wenn du mich noch einmal so nennst, Scarface, dann hex ich dich an die Zimmerdecke und lass dich den ganzen Tag dort oben hängen!", kam es prompt drohend von Draco. Nur wirkte es nicht ganz so gefährlich, da die Bettdecke seine Worte dämpfte und Harry außerdem wusste, dass sein Freund so etwas niemals wirklich durchziehen würde.
"Schon gut, mein hübscher Hausdrache. Los, raus aus den Federn!", erwiderte Harry und wollte seinem Freund gerade die Decke wegziehen.
"Ist heute Tag der blöden Kosenamen?", sagte Draco gespielt empört und kam selbst unter der Bettdecke hervor. "Ehrlich Harry, hast du denn aus dem Schulmotto so gar nichts gelernt? Draco dormiens nunquam titillandus – Kitzle niemals einen schlafenden Drachen!"
"Du hast nicht mehr geschlafen", gab Harry nonchalant zurück. "Außerdem geb ich dir gerne blöde Spitznamen. Weißt du doch", ärgerte Harry weiter und flüchtete aus dem Zimmer, da Draco ein Kissen nach ihm warf. "Liebe dich, Babe!", rief er noch in den Raum rein und hörte Draco lachen.
"Ich dich auch, mein Sonnenschein! Bin gleich da!"
Als Harry zurück in die Küche kam, war Teddy gerade dabei seinen Plüschhasen, für den Jeena selbstverständlich mit eindecken musste, mit Schokoladensoße zu füttern.
"Bunny liebt Schoki!", sagte der Junge begeistert und grinste bis über beide Ohren.
"Das sehe ich", erwiderte Harry amüsiert. Doch sein überraschter Blick sagte wohl alles. "Trotzdem. Wäre es nicht besser, wenn die Schokosoße auf deinen Pancakes landen würde?"
"Okay", meinte Teddy und machte sich daran, die süße Soße über seine Pancakes zu verteilen. Natürlich hatte er sich die Hände und den Platz um seinen Teller schon vollständig eingesaut. Harry zog seinen Zauberstab aus der Tasche seines Morgenmantels und wirkte kurzerhand einen Reinigungszauber. Wahrscheinlich hätte Draco sonst einen Herzkasper bekommen, wenn er die Schweinerei gesehen hätte.
"Hier, iss mit der Gabel", schlug Harry vor und gab dem Kind das Besteck in die Hand.
Mit einer frisch aufgebrühten Tasse Kaffee gesellte sich Harry mit an den Tisch und konnte sich nicht entscheiden, ob er Karamell- oder Mandarinensirup zu seinen Pancakes essen sollte.
"Oh, Pancakes?! Na dann muss ich aber nachher noch zum Sport. Haben wir noch Blaubeeren?" Draco war in die Küche gekommen, machte sich sogleich über den fertigen Kaffee in der Maschine her und durchforstete den Kühlschrank nach seiner fettarmen Milch und den Beeren. Beides fand er auch und stellte es auf den Tisch. Es hatte lange gedauert bis Harry ihn zur Anschaffung ihrer Muggelgeräte überredet hatte. Doch heute wollte selbst Draco viele Sachen nicht mehr missen, allen voran seinen Laptop.
Jetzt hingegen widmete sich Draco wie jeden Morgen erst mal ganz klassisch dem Tagespropheten. Harry musste bei dem Anblick immer ein wenig in sich hinein schmunzeln. So wie Draco dasaß, in seinem seidenen Morgenmantel, mit den noch etwas zerzausten Haaren und konzentriert die Tageszeitung las… Fehlte nur noch die Lesebrille und die Pfeife.
"Harry! Bunny will Kürbissaft haben!", rief Teddy und zeigte hektisch auf seinen Plüschhasen.
"Oh, ich bin nicht sicher ob wir noch welchen haben…", erwiderte Harry und wollte sich gerade auf den Weg zur Kammer machen um nachzusehen, da kam auch schon Jeena in die Küche spaziert. Auf ihrem Kopf balancierte sie gekonnt eine Flasche Kürbissaft zu dem Kind und schenkte ihm und seinem Kuscheltier etwas ein.
"Teddy, was sagt man", ermahnte Draco ohne von seiner Lektüre aufzusehen.
"Danke Jeena!", sagte Teddy artig und trank seinen Saft.
Indes machte sich Harry wieder daran sich einen Spaß daraus zu machen Draco zu beobachten.
Natürlich bemerkte dieser die stechende Blicke seines Freundes und so linste er über den Rand der Zeitung und fragte neugierig: "Was ist los?"
Harry wurde etwas rot, nahm die Kaffeetasse vors Gesicht um nun ebenfalls dahinter hervor zu schauen. "Ach nichts", erwiderte er auf Dracos Frage. "Mir ist nur gerade aufgefallen, was ich für einen sexy Snob zum Freund habe."
"Harry!", entrüstete sich Draco, "Doch nicht vor Teddy! Er ist noch viel zu klein und…"
"Ach Draco, ich bin doch schon fünf!", warf Teddy ein und brachte damit beide unwillkürlich zum Lachen.
"Ja Draco, Teddy ist doch schon fünf", legte Harry nach und grinste Teddy verschwörerisch zu.
"Hört auf mich zu ärgern!", entgegnete Draco gespielt entrüstet und verschanzte sich wieder hinter seiner Zeitung.
Harry wandte sich an Teddy und flüsterte ihm zu: "Hey Kumpel, darauf ein High Five!"
"Ich kann euch hören", kam es von Draco hinterm Tagespropheten, was Teddy und Harry zum Grinsen brachte.
"Das gibt's nicht!", rief Draco auf einmal und kam mit der Zeitung zu Harry. "Hier, sieh dir das an!"
Irritiert wegen Dracos Reaktion, besah sich Harry den Artikel der seinen Freund offenbar so aufregte.
Darin hieß es, dass die Vertreter sämtlicher Zaubereiministerien in London zusammenkamen, um über ein neues Gesetz für die magische Gemeinschaft auf internationaler Ebene übereinzukommen. Vor ein paar Wochen haben Harry und Draco beim britischen Zaubereiministerium beantragt heiraten zu dürfen. Wie es aussah, haben sie damit eine Welle losgetreten. Denn damals hatte sie Kingsley Shacklebolt persönlich darüber informiert, dass ihr Vorhaben zurzeit nicht möglich sei, er sich aber darum kümmern wolle, dass die entsprechenden Gesetzte modifiziert würden.
Harry las sich den ganzen Artikel im Schnelltempo durch und sah aufgeregt zu seinem Freund. Ein Kribbeln machte sich in seinem Bauch breit bei dem Gedanken, dass sie bald nach den magischen Gesetzen ein Ehepaar sein könnten, mit allem was dazu gehörte. Eigentlich war Harry das Heiraten an sich nicht so wichtig gewesen.
Doch ein Erlebnis vor kurzem hatte ihn nachdenklich gestimmt. Ron war im Lagerraum von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze gestürzt und hatte so einen Topf umgerissen, in dem ein Zaubertrank für eine neue Bonbonsorte vor sich hin blubberte. Leider befand sich besagter Trank noch in der Entwicklung und Ron hatte es geschafft, etwas von dem Zeug zu verschlucken und sich magische Verbrennungen an Mund, Hals und Ohr zuzuziehen. Die behandelnden Heiler im St. Mungos hatten Harry keine Auskunft über Rons Zustand geben können, da dies nur gegenüber Familienmitgliedern und Ehepartnern getan werden darf.
Die nächsten Tage hatte Harry gegrübelt und seine Gedanken kreisten immer wieder um die gleichen Themen. Was, wenn Draco mal etwas passieren würde oder ihm? Dann würden Heiler keine Auskunft erteilen dürfen, an keinen von ihnen. Was, wenn sie sich dazu entschließen sollten, Teddy adoptieren zu wollen? Andromeda ist schon etwas älter und krank. Sie wird sich voraussichtlich nicht mehr viel um den Jungen kümmern können. Waren sie Drei nicht auch jetzt schon eine Familie? Jedoch würde auch das von den magischen Gesetzen her nicht anerkannt. Im Alltag würde es für sie zwar keinen Unterschied machen. Es ging Harry auch nicht um eine pompöse Hochzeitsfeier oder um einen schmucken Ring am Finger oder darum, mal wieder in der Zeitung zu stehen. Alles, was Harry sich wünschte war, dass Draco und er genauso als Paar galten, wie beispielsweise Ron und Hermione. Doch das war nach der jetzigen Rechtslage nicht der Fall. Magier durften sich verheiraten mit Muggeln, Vampiren, Veelas, sogar mit Riesen. Nur Voraussetzung war, dass es sich bei den Ehepartnern um Mann und Frau handelte. Das alles machte Harry im Grunde ungeheuer traurig und wütend.
So kam es, als Harry und Draco eines Abends in den Liegestühlen in ihrem Garten entspannten und den sündhaft teuren Elfenwein genossen den sie in ihrem letzten Portugalurlaub erstanden hatten, dass Harry seine Gedanken das erste Mal offen aussprach.
So hörte er sich sagen: "Weißt du, es wäre schon praktisch, wenn wir beide verheiratet wären."
Weiter kam er nicht, denn Draco verschluckte sich am Wein und funkelte ihn mit aufgerissenen Augen an, als er wieder Luft bekam. Doch Harry konnte ihm ansehen, dass ihn die Vorstellung irgendwie bezauberte. Denn nach dem ersten Schreck lächelte Draco selig und reckte das Kinn in die Höhe.
"Ich hoffe doch, dass das kein Heiratsantrag war. Denn wenn, möchte ich einen Ring, den Kniefall, Rosen, das volle Programm! Verstanden, Scarface?!", entgegnete Draco damals.
Und Harry versprach es ihm an dem Abend hoch und heilig. Wenn sie es durchbekommen würden, dass sie zwei nach den magischen Gesetzen heiraten können, dann bekäme Draco den Antrag, den er verdiente.
Wenige Zeit später schafften sie es tatsächlich ins Ministerium und ihr Gesuch führte schließlich dazu, dass nun tatsächlich über eine Erweiterung des magischen Ehegesetzes beraten wurde.
"Das ist ein gutes Zeichen, oder?", fragte sich Harry laut. "Wenn Kingsley sämtliche Minister zusammentrommelt, dann besteht eine reelle Chance, dass wir tatsächlich…" Er errötete und grinste Draco verliebt an.
"Ich glaube, er hätte ein entsprechendes Gesetz in Großbritannien schon längst durchboxen können. Du bist doch der große Held von allen. Wahrscheinlich dürftest du heiraten wen immer du willst" meinte Draco und lächelte ebenfalls liebevoll.
"Ich will aber dich" sagte Harry und gab Draco einen zarten Kuss. "Aber warum beruft Kingsley dann eine internationale Konferenz ein? Er könnte es uns als Zaubereiminister doch einfach erlauben und gut ist."
"Naja, aber überleg doch mal. Was würde es für einen Sinn machen, wenn wir hier verheiratet wären, diese Ehe aber von den übrigen Staaten auf der Welt nicht anerkannt werden würde" gab Draco zu bedenken.
Oh, stimmt. Daran hab ich gar nicht gedacht", erwiderte Harry peinlich berührt. Manchmal kam er sich neben Draco richtig einfältig vor.
"Harry? Draco? Was ist eine Konferenz?", fragte Teddy auf einmal.
"Das ist, wenn einige Menschen zusammenkommen um etwas Wichtiges zu besprechen", antwortete Harry.
"Geht ihr denn auch zu dieser Konferenz?", fragte das Kind weiter.
"Nein, wir sind da gar nicht zugelassen. Daran nehmen nur die Zaubereiminister von allen Ländern dieser Erde teil" erklärte Harry weiter.
"Aber warum? Ihr beide wollt doch heiraten und nicht die Minister", meinte Teddy in seiner kindlichen Naivität.
Harry musste bei diesen Worten unwillkürlich auflachen. Wenn es doch nur so einfach sein würde.
"Hhmmm, warum eigentlich nicht?", überlegte Draco, "Wieso gehen wir nicht einfach hin? Wir könnten eine Kundgebung organisieren. Viele bewundern dich immer noch, Harry. Und außerdem kann ich mir vorstellen, dass dieses Gesetz noch viele andere Pärchen betrifft. Wir könnten wirklich was bewegen! Warte bis mein Vater davon erfährt! Er würde uns bestimmt helfen… Harry? Warum guckst du denn auf einmal so komisch?!"
"Das hast du gerade nicht echt gesagt," erwiderte Harry und brach in schallendes Gelächter aus.
"Was habe ich denn gesagt, dass du dich deswegen aufführst, als hättest du nicht mehr alle Kessel im Schrank?", sagte Draco und wirkte tatsächlich ein wenig beleidigt.
"Warte bis mein Vater davon erfährt", armte Harry Dracos Tonfall nach.
Dracos Mimik wurde wieder weicher, als er schließlich ertappt lächelte und zugab: "Ich habe mich angehört wie damals, richtig?"
"Du warst und bleibst ein verwöhnter, kleiner Snob", neckte Harry weiter gab Draco einen Kuss auf die Wange.
Gerade als sie sich wieder an den Tisch setzten, rauschte es im Kamin. Sekunden später betrat ein ernst dreinschauender Lucius Malfoy die Küche.
"Guten Morgen alle miteinander! Oh schön, wie ich sehe habt ihr den Artikel im Tagespropheten bereits gelesen. Wir haben viel zu tun! Wie seht ihr überhaupt aus? Seid ihr etwa eben erst aufgestanden. Edward, Kind, setzt dich bitte gerade hin und iss ordentlich."
"Hallo Opa Lucius!", erwiderte Teddy unbeeindruckt von der Zurechtweisung und steckte sich ein weiteres Stück Pancake in den schokoverschmierten Mund.
"Guten Morgen, Lucius!", grüßte Harry seinen Schwiegervater in spe irritiert und wollte gerade fragen, warum es so eilig hatte mit seinem Besuch, da schaltete sich Draco ein.
"Vater, was machst du so früh hier? Mal abgesehen davon, dass es sehr taktlos ist einfach so unangemeldet bei uns reinzuplatzen." Draco atmete hörbar ein und aus. Dass das Verhalten seines Vaters ihn offensichtlich aufregte, schien diesen aber nicht weiter zu stören. Stattdessen nahm Lucius ganz selbstverständlich mit am Tisch Platz.
"Ich hatte mich angekündigt. Wenn ihr jedoch wie die Dienerschaft in der Küche speist und nicht in einem Esszimmer, dann könnt ihr meine Anmeldung durch das Kaminfeuer auch nicht registrieren. Wie dem auch sei. Ich erwähnte bereits, dass wir einiges vor uns haben. Ich war so frei und habe meine Kontakte spielen lassen. Wir haben gute Chancen das neue Ehegesetz durchzusetzen. Hauselfe, Kaffee!", kommandierte Lucius in seinem typisch autoritären Tonfall und Jeena machte sich unter einer Tirade an Verbeugungen daran, Lucius eine Tasse zu servieren.
"Es ist bereits eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die einen entsprechenden Gesetzesentwurf verfassen soll. Mitchum ist mit im Ausschuss und wird bei der Konferenz außerdem die Rolle des Schriftführers wahrnehmen. Somit ist zumindest sichergestellt, dass wir ausreichend Informationen bekommen. Was ist mit euch? Harry, du könntest dich an die Presse wenden und sie für unser Vorhaben miteinnehmen."
"Ich wollte eigentlich erst mal zu ende frühstücken", sagte Harry vollkommen überrumpelt. So wie es aussah hatte Lucius tatsächlich schon einen Schlachtplan erstellt. Der Haken war, dass Harry absolut keine Lust hatte mit Journalisten zu sprechen. Sie schrieben für seinen Geschmack eh schon viel zu viel Blödsinn über Draco und ihn. Er wusste wie das bei der Boulevardpresse lief – hielt man ihr den kleinen Finger hin, drohte sie einem die ganze Hand abzureißen. Harry hatte sich geschworen mit sensationsgeilen Reportern nie wieder ein Wort zu wechseln. Doch wenn sie bei der Ministerkonferenz aufschlugen, war ein Auftreffen auf die magische Presse unvermeidbar.
"Natürlich essen wir in Ruhe unser Frühstück, Harry. Aber Vater hat recht. Wir könnten deine Popularität nutzen", meldete sich Draco zu Wort. Er drehte sich zu Harry, sah ihm entschlossen in die Augen, nahm gleichzeitig seine Hand und bat: "Ich weiß, du redest nicht gerne mit Reportern. Viele schreiben ja auch nur Quatsch über dich. Aber Harry, hierbei könnten wir wirklich was bewirken. Wir sind nicht die einzigen, die das neue Gesetz betreffen würde. Denk nur mal an Marietta und Tracey oder Dean und Seamus."
Draco hatte zweifelsohne recht mit dem was er sagte. Dennoch war es Harry unangenehm, dass ausgerechnet er ins Rampenlicht treten sollte. Wahrscheinlich war das gar nicht nötig, da Kingsley dieses neue Ehegesetz sowieso erstreiten würde. Aber Harry wusste, dass er wohl nicht daran vorbeikommen würde, dass über ihn geschrieben wurde. Denn wie man es auch drehte und wendete, sie hatten mit ihrer Anfrage auf Eheschließung den Stein erst ins Rollen gebracht. Also musste es wohl sein.
"Okay", gab Harry sich geschlagen. "Aber, ich rede nicht mit Rita Skeeter! Dieses penetrante Weibstück kann mir gestohlen bleiben!" In ihm brodelte es bei der Erinnerung, was für einen Blödsinn sie über ihn, Draco, Dumbledore oder Snape schon so verzapft hatte. Unter keinen Umständen würde er dieser Frau ein Interview geben. Lieber badete er in einer Wanne voll Flubberwürmer oder sah sich mit Draco nochmal diesen langweiligen französischen Stummfilm an, den dieser so toll fand.
"Musst du auch nicht! Danke, Harry!", sagte Draco und gab Harry einen Kuss auf die Wange. Er wandte sich wieder an seinen Vater und stieg in dessen Pläne voll mit ein. "Also, ich habe daran gedacht, dass wir im Atrium eine Art Demonstration abhalten könnten. Das erregt Aufmerksamkeit und setzt die Minister zusätzlich unter Druck."
Lucius lächelte stolz und kommentierte Dracos Vorhaben mit einem kräftigen Räuspern. "Das ist mein Sohn! Ruft alle eure Freunde zusammen die da mitmachen wollen. Je mehr Präsenz wir zeigen um so besser. Holt auch den jungen Mann dazu, der diesen neuen magischen Radiosender betreibt."
"Du meinst Lee Jordan", sagte Harry und fand, dass das in der Tat gar keine so schlechte Idee war.
"Wie auch immer er heißt", erwiderte Lucius gleichgültig.
"Ich will auch mit!", rief Teddy und schaute sie alle erwartungsvoll an.
"Na das ist doch selbstverständlich, dass du auch mit dabei bist!", sagte Lucius und tätschelte Teddy den bunten Haarschopf.
So rührend Harry das ganze Engagement auch fand, hatte er noch eine Frage. "Warum setzt du dich eigentlich so dafür ein, dass wir heiraten dürfen? Ich mein, dich betrifft es doch nicht."
Lucius setzte sich gerade hin und rekte das Kinn etwas nach oben. "Jetzt hör mir mal genau zu, mein Junge. Seit fünf Jahren sehe ich mir euer Zusammenleben mit an. Und ja, ihr führt beide ein gut situiertes Leben in eurem schmucken, kleinen Häuschen. Aber wenn ich mich schon damit abfinden muss, dass mein Sohn der letzte Erbe unserer Familie sein wird, werde ich es nicht zulassen, dass er für immer in einer wilden Beziehung leben muss. Wenn ihr heiraten wollt, dann werde ich euch helfen genau das zu erreichen und wenn es das letzte ist was ich tue!"
Sowohl Harry als auch Draco starrten ihn nach dieser Ansprache einfach nur an.
"Oh, wow. Tja dann danke, Lucius", stammelte Harry. So richtig wusste er nicht, was er sagen sollte.
"Ja, danke Vater. Dein Enthusiasmus in allen Ehren. Aber bitte übertreib es nicht, in Ordnung?", setzte Draco nach und huschte mit den Augen kurz zu Harry.
"In Ordnung", erwiderte Lucius und trank den Rest seines Kaffees in einem Zug aus. "Ich lass euch denn mal wieder allein." Er stand auf und drehte sich im Durchgang zum Wohnzimmer noch mal um. "Wir treffen uns in drei Stunden im Ministerium am Brunnen. Zieht euch was Repräsentables an." Da war er auch schon weg und das Rauschen des Kamins zeugte davon, dass er ins Manor zurückgekehrt war.
Harry schaute immer noch zu der Stelle, wo Lucius gerade eben noch gestanden hatte, als er meinte: "Dein Vater hat nicht wirklich geglaubt, dass wir in Pyjama und Morgenmantel im Ministerium aufschlagen, oder?"
Draco schmunzelte und fasste sich an die Stirn. "Ich frage mich eher wann er es sich angewöhnt hat, ständig unangemeldet hier aufzukreuzen."
Ein zustimmendes Brummen war Harrys Reaktion, ehe er in die Hände klatschte und alle aufscheuchte. "Okay, ihr Zwei macht euch schon mal fertig und Jeena und ich bringen die Küche wieder auf Vordermann."
"Nein, Master Harry, Sir! Das kann Jeena doch ganz alleine machen!", versuchte die Hauselfe gegenzusteuern.
"Weißt du noch was das letzte Mal passiert ist, als du allein die Spülmaschine bedient hast?", erinnerte sie Harry an die Überschwemmung vor gut einem Jahr. Jeena ließ ertappt die Ohren hängen.
"Also, keine Widerrede. Wir beide räumen die Küche auf und Draco und Teddy verschwinden nach oben."
Schon bald war die Dusche zu hören und zu zweit war die Küche schnell wieder ordentlich. Wenn es nach Harry ginge, dann würde er das Geschirr auch mal stehen lassen, aber Draco bestand auf Sauberkeit und Ordnung in seinem Haus. Sie hatten es sich hier, in diesem Londoner Vorort vor gut fünf Jahren eingerichtet. Die Vermieterin war eine ältere Dame, die Harry irgendwie an Arabella Figg erinnerte, seine schrullige, katzenliebende Nachbarin damals in Little Whinging. Ob sie noch immer da wohnte? Harry wusste es nicht. Er war seit seiner Flucht nicht mehr dort gewesen.
Denn jetzt hatte er ein wirklich erfüllendes Leben. Er liebte ihr Häuschen und seine kleine Familie. Und er liebte Draco. Nach all dem was sie zusammen durchgestanden hatten, wollte Harry nie wieder ohne ihn sein. Mit Draco fühlte er sich angekommen und zuhause. Bald würde sicherlich auch Teddy vollständig hier mit einziehen. Schon jetzt kümmerten sie beide sich um ihn, als wäre er ihr eigenes Kind.
Angestrengt überlegte Harry, wo er sein Handy hatte liegen lassen. Er wollte die Leute in seinem Freundeskreis benachrichtigen, die sich ebenfalls so ein Gerät angeschafft hatten, so wie zum Beispiel Hermione und Luna. Sicherlich würden sie es weitersagen und so hätte Harry bei der Kundgebung viele bekannte Gesichter um sich. Diejenigen die kein Handy besaßen, überwiegend Dracos enge Freunde, würden sie eine Eule schicken müssen. Besonders dachte Harry da an Blaise und Daphne. Sie trauten Muggelgegenständen einfach nicht über den Weg.
Da fiel Harry auch ein, dass sein Handy noch auf seinem Nachttisch liegen müsste und so stieg er die Treppen hinauf ins obere Stockwerk.
Aus dem Schlafzimmer hörte er die Stimmen von Teddy und Draco kommen. Er ging leise hinüber zur Tür, die nur einen Spalt weit offenstand und beobachtete die beiden. Draco wühlte sich nur mit einem Handtuch um die Hüften und noch feuchten Haaren durch seinen Kleiderschrank. Teddy saß noch in seinen Schlafklamotten auf ihrem Bett und hielt seinen Plüschhasen im Arm.
"Okay, Teddy, du musst mir jetzt mal helfen. Denn ich kann mich absolut nicht entscheiden und du bist der beste Styling-Berater hier im Haus. Welchen soll ich heute zu unserem Ausflug ins Ministerium anziehen?", fragte Draco und hielt zwei dunkelblaue Umhänge hoch, die für Harry absolut identisch aussahen.
"Doch Teddy überlegte und währenddessen färbten sich seine Haare von türkis zu weißblond. Harry musste schmunzeln. Manchmal konnte man bei dem Jungen genau seine Stimmung anhand der Haarfarbe ablesen. Er war zwar ein Metamorphmagus, hatte das mit dem Äußeren verändern noch nicht wirklich unter Kontrolle. Einmal war Teddy wütend geworden, weil ihm Draco irgendeine Süßigkeit nicht kaufen wollte. Da wurde seine Haut plötzlich ganz grünlich und seine Iris färbte sich feuerrot. Er hatte ausgesehen wie ein kleines Teufelchen.
"Das da!", meinte Teddy und zeigte auf die linke Robe. Das war der nachtblaue Umhang mit den silbernen Knöpfen. Doch es hätte keinen Unterschied gemacht. Jedes Teil in Dracos Garderobe war maßgeschneidert und sah irgendwie edel aus.
"Eine gute Wahl!", bestätigte Draco Teddys Entscheidung und legte die Robe bereit.
Gerade wollte Harry sich bemerkbar machen, da sagte Teddy auf einmal: "Was hast du da?"
Draco schaute verdutzt an sich herunter und fragte verwirrt "Wo denn?", als er nichts an sich bemerkt hatte das anders war als sonst.
"Da!", bekräftigte Teddy seine Aussage und zeigte auf Dracos Brustkorb.
"Oh, die meinst du", antwortete Draco und fuhr sich mit der Hand über die Narbe auf seinem Oberkörper.
Harry gefror in seiner Bewegung und riss die Augen auf. Noch nie hatte Teddy Draco auf die Narbe angesprochen, die damals sein Sectumsempra-Fluch im 6. Schuljahr angerichtet hatte. Zugegeben, sie war auf Dracos blasser Haut nur sehr schwach zu sehen, doch sie war da und würde es auch für immer bleiben. Zwar hatte Harry sich bestimmt schon hunderte Male für sein idiotisches Verhalten von damals entschuldigt, jedoch hatte er Draco nie gestanden, dass er immer noch ein schlechtes Gewissen hatte. Und jedes Mal, wenn Harry diesen feinen, hellen Striemen auf Dracos Brust zu Gesicht bekam, formte sich erneut dieser Knoten in Harrys Bauch, der ihn daran erinnerte wie dumm und verantwortungslos er doch damals gehandelt hatte. Er hätte Draco beinahe getötet. Nicht auszudenken, wenn das wirklich eingetreten wäre.
"Ach, das ist nichts!", sagte Draco auf einmal optimistisch zum kleinen Teddy, der ihn immer noch mit seinen großen Kinderaugen ansah. "Das war ein ganz blöder Unfall. Nicht der Rede wert. Darüber brauchst du dir echt nicht den Kopf zerbrechen."
"Tut es denn gar nicht weh?", fragte Teddy dennoch neugierig.
"Nein! Überhaupt nicht!", versicherte ihm Draco. "So und jetzt geh dich mal umziehen. Wir wollen doch nicht zu spät kommen."
Harry ignorierte den verräterischen Knoten in seiner Bauchgegend und beschloss, dass es an der Zeit war sich bemerkbar zu machen.
"Och nö, ich will aber noch nicht! Lass uns noch was spielen!", protestierte Teddy, als Harry das Zimmer betrat und sich dabei räusperte.
"Wer steckt denn da noch im Schlafanzug?!", alberte Harry und ging mit ausgestreckten Händen auf das Kind zu. Teddy quietschte vergnügt und hielt seinen Plüschhasen vor sich. "Hier kommt das Kitzelmonster!", grollte Harry gespielt und grinste dabei bis über beide Ohren. Das brachte Teddy zum Aufspringen und unter lautem Kinderlachen flüchtete er aus dem Zimmer.
"Zieh dich um!", rief Harry ihm noch nach und wandte sich Draco zu.
Dieser stand da, schmunzelnd und immer noch nur mit seinem Duschhandtuch bekleidet. Doch als Harry nähertrat, schwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Sanft strich Harry über Dracos Schlüsselbein, da wo die Narbe am breitesten war und konnte sein Bedauern nun nicht mehr verbergen. Wenn er könnte, würde er dieses Ding einfach verschwinden lassen. Doch es war eine Fluchnarbe, erzeugt durch schwarze Magie. Wie bei seiner blitzförmigen Narbe auf der Stirn, würde auch diese immer zu sehen sein.
Als Draco Harrys Gesichtsausdruck sah, näherte er sich vorsichtig, zog ihn in eine Umarmung und hauchte ihm einen Kuss auf den Haarschopf. Sofort legte Harry seinen Kopf auf Dracos Schulter ab, so wie er es immer tat und hielt seinen Freund einfach nur. Sie brauchten keine Worte mehr, nicht dafür.
"Du warst heute Nacht recht unruhig. Hattest du wieder einen Alptraum?", flüsterte Draco liebevoll und strich Harry mit einer Hand durch die Haare.
Zur Antwort schüttelte Harry den Kopf, was Draco natürlich registrierte.
Vor Jahren, besonders in der Zeit nach der Schlacht von Hogwarts und den ganzen anschließenden Beerdigungen, hatten sie beide unter teilweise heftigen Alpträumen gelitten. In der einen Nacht hatte Harry so gewaltig um sich geschlagen, dass er Draco ein Veilchen verpasst hatte. Ein anderes Mal hatte Harry Draco auf dem Boden neben dem Bett gefunden, wie er völlig verstört mit zugekniffenen Augen und sich die Ohren zuhaltend vor und zurück wippte. Es war gut, dass sie in solchen Situationen den jeweils anderen bei sich hatten. Sie mussten voreinander keine Rechenschaft ablegen oder sich in irgendeiner Weise zurückhalten. Draco und er hatten beide mit Nachwirkungen des Krieges zu kämpfen. Die Zeit heilte eben nicht alle Wunden. Doch es wurde besser. Heute kam es nur noch äußerst selten vor, dass einer von ihnen einen Flashback oder Alptraum hatte.
Harry löste sich etwas von seinem Freund, so dass sie sich anschauen konnten.
"Kommst du mit unter die Dusche?", fragte Harry mit perfekter Unschuldsmiene. Nur seine Augen verrieten, was er tatsächlich im Sinn hatte.
Amüsiert lachte Draco auf. "Du unersättlicher kleiner Held. Ich war doch schon."
"Bitte! Du weißt doch wie sehr ich es hasse alleine zu duschen", entgegnete Harry und zog eine Schippe.
Angestrengt versuchte Draco ernst zu bleiben und kniff die Lippen zusammen. Jedoch hielt seine Standhaftigkeit nicht lange an, da Harry seinen besten, hundewelpenmäßigsten Bettelblick auflegte.
"In Ordnung, überredet", willigte Draco ein und rollte gespielt dramatisch mit den Augen. "Aber wir schließen ab! Auf das Gespräch mit Teddy über Bienen und Blümchen habe ich heute wirklich keine Lust."
"Naja, es wäre auch eher ein Gespräch über Bienchen und Bienchen", scherzte Harry trocken und erntete einen genervten Blick von Draco. "Okay, okay, schon gut. Wenn es nach mir geht müssen wir auch gar nicht reden", sagte Harry weiter und zog Draco in einen leidenschaftlichen Kuss, von dem ihm selbst ganz schwindelig wurde.
Später am Tage, als sie es endlich geschafft hatten vorzeigbar das Haus zu verlassen, fuhren sie mit dem Auto in die Londoner Innenstadt. Draco hatte großen Gefallen am Fahren gefunden und sich vor gut einem Jahr sogar breitschlagen lassen, einen Muggelführerschein zu machen. Er hatte es selber als äußerst lästig empfunden, bei jeder Verkehrskontrolle den Polizisten zu verhexen.
In einer Seitengasse nahe dem Besuchereingang parkte Draco das Auto. Vor dem Aussteigen vergewisserten Harry und er sich noch einmal, ob auch niemand in der Nähe war, der sie beobachten könnte. Jedoch war niemand zu sehen. Die Telefonzelle ist nicht zufällig als Zugang zum Ministerium gewählt worden.
Als sie alle im Inneren der Zelle standen, Draco hatte Teddy sicher auf dem Arm, drückte Harry die Tastenkombination 62442. Eine weibliche Stimme begrüßte sie wie immer freundlich im britischen Zaubereiministerium, während das Innere der Telefonzelle wie bei einem Fahrstuhl hinabfuhr und sie sicher im Atrium absetzte. Bis zum Brunnen, der nach Voldemorts Herrschaft erneuert wurde, war es nicht weit. Harry konnte bereits die neuen Skulpturen erkennen, die den Brunnen schmückte. Es handelte sich um mehrere Figuren, die im Kreis Rücken an Rücken angeordnet waren. Ein Zauberer stand neben einem Zentauren, dieser neben einem Kobold, dieser neben einem Riesen, dieser neben einer Hexe, diese wiederum neben einem Elfen und so weiter.
Direkt bei dem neuen Brunnen hatten sich bereits mehrere Menschen versammelt, darunter viele bekannte Gesichter und ein paar Vertreter der magischen Presse. Von Miss Skeeter war zum Glück weit und breit nichts zu sehen.
Harry straffte sich und zog seinen Umhang glatt, den Draco ihn vorhin bereitgelegt hatte. Wahrscheinlich hatte sein Freund Angst gehabt, dass er in Jeans, T-Shirt und Kapuzenjacke hierherkam. Doch wie immer gab Harry in solchen Situationen klein bei und tat seinem modebewussten Freund den Gefallen und zog Zaubererkleidung an. Schließlich war es ja heute wichtig einen guten Eindruck zu machen.
Nachher, wenn die ganze Aufregung vorbei war, würden sie noch einen Abstecher zu ihrem Lieblingsitaliener machen und es sich bei einer großen Familienpizza, Rotwein und leuchtender Limettenlimonade für Teddy gutgehen lassen. Der Restaurantbesitzer war ein schrulliger, pensionierter Drachenwärter, der sich immer freute sie zu sehen. Er hatte die tollsten Geschichten auf Lager, zumindest soweit man sie verstehen konnte, da er meistens mit italienischen Worten um sich warf. Doch er war ein herzlicher Geselle und so zog es sie des Öfteren in sein kleines, rustikales Lokal am Ende der Winkelgasse.
Doch erst mal hieß es für Harry die sogenannte Kundgebung zu überstehen und das Gespräch mit den Journalisten. Von weitem sah er Ron auf sie zukommen, der ein Schild mit der blinkenden Aufschrift "Hochzeit für alle!" emporhielt. Harry wurde ganz warm ums Herz. Seine Freunde waren bei ihm und würden, komme was wolle, hinter ihm stehen.
Er spürte wie Draco seine Hand nahm und ihn fragte: "Bereit?"
"Bereit", erwiderte Harry und wandte den Blick zu seinem Freund. "Aber weich mir nicht von der Seite, ja?" Ein wenig war Harry doch nervös.
"Niemals!", antwortete Draco und schenkte ihm ein zuversichtliches Lächeln.
"Wir bleiben einfach zusammen", meinte Teddy.
"Ja", sagte Harry schlicht und musste lächeln. Er drückte Dracos Hand, schaute nach vorne und machte den ersten Schritt in Richtung des Brunnens.
Sie hatten schon viel Schlimmeres durchmachen müssen und Harry überkam die Gewissheit, dass, solange sie sich hatten, alles gutgehen würde.
Okay, ich gebe es zu. Ein wenig politisches Statement habe ich in dieses letzte Kapitel miteinfließen lassen. Ursprünglich war es meine Idee, die drei Süßen in den Urlaub zu schicken. Doch irgendwie ist dann das Kapitel entstanden und ich dachte es wäre ein gebührender Abschluss.
Diese Fanfiktion startete vor gut drei Jahren im März 2014. Aus einer spontanen Idee wurde diese 36 Kapitel lange Geschichte. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht diese zu virtuellem Papier zu bringen.
Ein ganz dickes Dankeschön geht natürlich an euch Leser. An alle die diese Geschichte empfohlen, in ihre Favo-Liste gepackt haben und damit mein Schreiberherz höherschlagen lassen. Ein ganz besonderer Dank geht an die Reviewschreiber. Ihr glaubt gar nicht wie sehr ich mich über Rückmeldungen freue und wie sehr es einen erfüllt, eure Meinung zu lesen und mit euch ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren.
Das alles ist für eine Schreiberin ein unglaublicher Lohn.
An dieser Stelle verabschiede ich mich und… nein eigentlich verabschiede ich mich nicht. Ich werde nach wie vor im Fanfiktion-Land unterwegs sein. Viele Projekte warten noch auf ihre Umsetzung. Von daher lesen wir uns vielleicht ganz schnell wieder. :-)
Fühlt euch alle ganz lieb gegrüßt!
Bis bald!
Eure SiamKitty
