36. Miss Me
Mit einem spitzen Stein hatte sie sich alle Einzelheiten der Vision auf einem Palmenblatt notiert, hatte alle Worte in die Fasern des Blattes geritzt, wo sie nun leuchtend hellgrün standen.
Und das Wichtigste war eine einzige Tatsache – das Schwert.
Sie hatte es nicht vergessen, hatte es Draco erzählt, und sie hatte nicht genau gesehen, ob sein Zauberstab nicht beschädigt gewesen war, aber, wovon sie ausgehen musste, war, dass jedes Detail dieser Vision wichtig gewesen war.
Je weiter man sich vielleicht von dieser Insel entfernte, umso weniger funktionierte vielleicht der Zauberstab? Und magisch machte es vollkommen Sinn. Denn außerhalb dieser Insel existierte diese Macht, diese Magie, nicht. Wahrscheinlich bestand die Möglichkeit, dass der Zauberstab ab einer gewissen Distanz vollkommen nutzlos war.
Denn der Junge hatte das Schwert bewusst dabei gehabt. In ihrem Kopf nervte sie es, ihn ‚den Jungen' zu nennen, aber… einen Namen hatte er ja nicht wirklich.
Es war unwichtig.
Denn sie hatte bereits den Verhütungszauber angewandt.
Fast ohne zu zögern. Denn… das würde nicht die Zukunft sein! Garantiert nicht.
Sie wusste nicht, inwieweit die Visionen es besser wussten als sie, aber soweit Hermine bestimmen konnte, würde sie alles daran setzen, nicht schwanger zu sein. Wie sollte sie es erklären? Harry oder Ron? Oder Ginny? Ihren Eltern, für den Fall, dass sie sie finden würde?
Nein. Zu viele Probleme kamen damit einher. Ganz zu schweigen von Dracos Eltern! Und jetzt, wo sie der Lösung so nahe waren, bekam sie Zweifel. Sie hatte sich an Draco gewöhnt, keine Frage. An seine Nähe, seinen Körper, an den Sex. Merlin, vor allem an den bewusstseinsverändernden Sex!
Aber… darauf konnte man kein Leben aufbauen. Und sie hatten das von Anfang an gewusst. Und rein theoretisch… war sie mit Ron zusammen. Merlin, sie war ein schlechter Mensch. Aber wenn Draco richtig verstanden hatte, dann war Ron ihr ebenfalls nicht treu gewesen.
Sie wusste nicht, ob dies etwas war, worauf man eine gesunde Beziehung aufbauen konnte, aber seltsamerweise erschien ihr die Verbindung zu Ron wesentlich plausibler als zu Draco.
Denn sie liebte Ron. Sie liebte ihn nicht über alle Maßen, vollkommen unerschütterlich, dass sie nicht in Erwägung ziehen würde, mit Draco zu schlafen, aber… das war hier! Das galt nur hier! Es würde keine Auswirkungen haben, wäre sie erst zu Hause – denn sie verhütete akribisch genau!
Vor allem seit der letzten Vision!
Und mit voller Macht weigerte sich ihr Verstand, weiterzudenken. Manchmal wanderten ihre Gedanken, und sie überlegte, was passieren würde, wären sie tatsächlich unbeschadet Zuhause.
Aber… da kam nichts. Ihr Verstand wusste sehr genau, Draco würde die Verhandlung bevorstehen, denn das magische Gesetz vergaß und vergab nichts einfach so. Vor allem bestimmt kein Kriegsverbrechen.
Und sie wusste nicht, warum es schwer war, sich damit auseinanderzusetzen. Es wäre wirklich wichtig, dass sie es tat.
Denn… was würde passieren? Draco käme ins Gefängnis, sie würde in den Fuchsbau ziehen und Mrs Ronald Weasley werden? Nachdem sie Ron großzügigerweise vergeben hatte und ihre geheime Affäre mit Draco Malfoy auf einer magischen Insel mit ins Grab nehmen würde? Was sehr einfach funktionieren könnte, käme Draco in jahrzehntelange Haft.
Das zumindest war der Plan….
Die Frage war nur – würde sie ihn vermissen? Wirklich?
Die meiste Zeit auf dieser Insel hatten sie versucht, sich zu bekämpfen – Merlin, sich umzubringen! Die meiste Zeit stritten sie immer noch! Die meiste Zeit verhielt er sich wie ein Arschloch. Es war kein Urlaub gewesen! Nein.
Sie waren Feinde, die notgedrungen dazu gezwungen waren, zusammen zu arbeiten. Und aus der Not konnten sich keine tiefgreifenden Gefühle entwickeln, richtig?
Und der Sex? Was war schon Sex? Sie wusste nichts über ihn! Außer das Offensichtliche! Und sie wusste, sie verfiel in eine Art Panik. In eine Art Fluchtmodus. Sie versuchte, sich sehr stark einzureden, dass es alles funktionieren würde. Vielleicht könnte sie ihn sonntags ab und an besuchen. In Askaban.
Sie schluckte schwer. Gerne würde sie ihn fragen, wie er es bewerkstelligte, dass er so verdammt ruhig geworden war. Sie war es nicht!
Ja, sie hatte Rückhalt und Reserven. Ron würde nicht ins Gefängnis kommen. Ron wäre für sie da! Ron wäre…- nicht Draco.
Sie schloss die Augen, während sie das Gefühl hatte, dass sich ihre Luftröhre zuschnürte.
Sie durfte ihn nicht haben, das war alles. Sie durfte ihn nicht wollen. Sie durfte ihn nicht vermissen. Sie durfte einfach nicht!
Sie bemerkte den Schatten, der durch den Eingang fiel. Dann betrat er die Höhle. Ihr Atem ging flach. Die Panik ließ ihren Körper praktisch zittern, und sie erhob sich, schloss den Abstand, und ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken. Sie war ihn gewöhnt, und sie durfte nicht…. Sie durfte eigentlich nicht! Aber sie schloss die Augen und atmete seinen Duft ein, während sich seine Arme ein wenig überfordert um ihren Körper schlossen.
Er hielt sie fest. „Was ist los?", fragte er ruhig, wenn auch alarmbereit.
„Nichts", murmelte sie in seinen warmen Nacken, schloss fest die Augen, und sein gleichmäßiger Herzschlag beruhigte sie. „Ich muss Ron heiraten", murmelte sie kopfschüttelnd gegen seine Haut.
„Hm", machte er nach einer kurzen Weile, aber sie ließ ihn nicht los. Dann atmete er lange aus. „Ok", sagte er dann, und sie spürte den Knoten in ihrer Kehle. Sie wollte nicht weinen.
„Ich… werde ihn heiraten", wiederholte sie fester, ohne von ihm abzurücken.
„Gut?", entkam es ihm etwas ratlos. Dann atmete sie aus, sammelte Kraft und machte sich von ihm los. Aber sie wich nicht weit zurück.
„Ich meine das ernst", sagte sie ihm aufrichtig, sah tief in seine Augen, und sie konnte nicht sagen, was er dachte.
„Ok", sagte er wieder. „Soll… ich ausziehen, oder-?" Sie mochte nicht, dass sie hören konnte, wie er sich lustig machte.
„-es macht am meisten Sinn, verstehst du? Also… nicht sofort, aber… ich kann schließlich nicht jeden Sonntag nach Askaban kommen! Ich meine… das funktioniert nicht! Wir-"
„-Granger", begann er ein wenig überfordert und eine Spur entgeistert über ihren Ausbruch.
„Nein!", unterbrach sie ihn, und die Panik wollte zurück, wollte aus ihr rausbrechen, aber sie kämpfte dagegen an. „Ich… muss darüber reden! Wir… können hier nicht weiter existieren, ohne nicht zu klären, was… was passiert!"
„Und das muss jetzt sein?" Sie erkannte, dass das Thema nichts war, worüber er auch nur eine Silbe verlieren wollte. „Was willst du von mir hören? Meinen Glückwunsch? Dann heirate den Wichser? Ok – Glückwunsch, Granger! Vielleicht lässt sich arrangieren, dass ich ein Geschenk aus Askaban schicke", schloss er bitter. Ihr Mund öffnete sich, aber dann zuckte er die Achseln. „Aber nein, wahrscheinlich wäre das unangebracht, weil… er besser nichts von unserer Insel-Beziehung wissen sollte, nicht wahr? Ich meine, dann wärt ihr ja beide Heuchler", schloss er knapp.
„Du bist scheiße", entgegnete sie unglücklich. Er legte den Kopf in den Nacken, ehe er sie wieder ansah.
„Was genau willst du hören?", fragte er sie wieder. „Du willst ihn heiraten – bitte! Tu das. Ich stehe dir garantiert nicht im Weg." Er sah sie verständnislos an. „Du kannst tun und lassen, was du willst, Merlin noch mal."
„Ich liebe ihn." Sie wusste nicht, wem sie das versicherte. Sich selber oder ihm?
„Klasse", bemerkte er mit einem trockenen Lächeln.
„Draco!"
„Was?", entfuhr es ihm. „Was soll ich tun? Soll ich mich freuen? Soll ich ausrasten – was?"
„Ist dir alles egal?", fuhr sie ihn an. Er atmete entnervt aus.
„Hör zu", begann er gefasster, trat näher, nahm ihr Gesicht in seine warmen Hände, und sie versank beinahe in seinen grauen Augen. „Hier, auf dieser Insel, in dieser Welt, gibt es keinen Weasley für mich. Es gibt nur dich. Und mich. Hier gehörst du mir und ich gehöre dir, ok? Aber ich bin froh, dass es jemanden gibt, zu dem du gehörst, wenn wir Zuhause sind. Denn ich bin nicht mehr da. Und ich… bin dir nicht böse – oder irgendwas. Ich… bin einfach nur… nicht mehr da."
Sie schluckte schwer. „Das hier… ist nur ein Traum. Es ist nicht echt. Ich liebe dich nicht, du liebst mich nicht. Wir leisten uns Gesellschaft, wir überwinden die Einsamkeit. Und wir kommen nach Hause. Und wenn du willst, dass ich ein Arschloch bin, um es leichter zu machen – dann bin ich das."
„Nein", flüsterte sie unvermittelt und schüttelte scheu den Kopf.
„Ok."
„Und… und wenn ich dich vermisse?", flüsterte sie, gänzlich überfordert, und beinahe gequält atmete er aus.
„Wirst du nicht", versprach er ihr blind, aber… sie glaubte ihm nicht. Sie kannte sich selber gut genug. Sie würde ihn vermissen.
„Draco-"
„-du wirst irgendwann meinen Namen nicht mehr kennen. Und das ist gut. Das ist der einzige Weg, ok?" Sie hasste, wie vernünftig er war. Sie hasste es einfach! „Du wirst viele rothaarige Babys mit Weasley haben und…", er atmete knapp aus, „und das ist auch gut so."
Und fast wünschte sie sich, er würde wenigstens so tun, als wäre er eifersüchtig, als könne er nicht ertragen, dass sie… jemanden haben würde, der auf sie wartete.
„Wirst… wirst du mich vermissen?", fragte sie ihn tonlos, und sein Kiefer spannte sich sehr kurz an. „Draco?", ergänzte sie, als er nicht antwortete.
„Nein", entschied er sich schließlich kopfschüttelnd. „Mach es nicht schwieriger, als es sein muss", bat er sie ehrlich, und sie biss sich von innen auf die Lippe. Und sie wusste, sie war diejenige, die sich dumm verhielt. Er hatte absolut Recht. Sie wusste das.
Ihr Blick fiel, denn sie wollte ihn nicht mehr ansehen. Auch ihr Kopf sank in seinen Händen, aber sofort glitten sie um ihren Nacken und mit den Daumen hob er ihr Kinn an.
„Wir kommen wieder nach Hause, und alles wird so sein, wie es sein muss. Und… ich bin wirklich niemand, auf den du… dein Herz setzen solltest. Ganz ehrlich", ergänzte er ernst.
„Tu ich nicht!", behauptete sie schnell. Sehr schnell. Sehr vehement. Sein Mundwinkel hob sich asymmetrisch, grub ein sexy Grübchen in seine Wange, und sie schmolz unter seinem Blick allein.
„Gut", schloss er ruhig. Er ließ von ihr ab. Seine Hände sanken zurück an seine Seiten. „War sonst noch was?", fragte er fast beiläufig, und obwohl sie seine Arroganz hasste, zog es in ihrer Magengegend.
„Du… gehörst also mir, ja?", wiederholte sie lächelnd seine Worte, obwohl es innerlich schmerzte, zu lächeln. Er erwiderte das Lächeln, sein anderer Mundwinkel fand ebenfalls den Weg nach oben.
„Auf jeden Fall, Miss Granger", erwiderte er förmlich, und unverhohlen musterte sie ihn von Kopf bis Fuß.
„Und… ich kann mit dir machen, was ich will?", entkamen die nächsten Worte ihren Lippen, beinahe holprig, denn für gewöhnlich sprach sie so nicht. Aber im Moment gab es nur ein dämliches Ziel in ihrem dummen, dummen Kopf.
Er würde sie vermissen! Oh, er würde sie so sehr vermissen, dass er jede Nacht von ihr träumen würde. Hier und Zuhause. Und sie wusste nicht, warum es so wichtig war. Warum sie es so dringend wollte. Aber die Vorstellung, dass er keinen Gedanke mehr an sie verschwendete, beunruhigte sie innerlich viel mehr, als dass sie nicht wusste, woher sie ein Schwert auftreiben sollte, um dem Monster einen Kopf abzuschlagen.
Sanft glitten ihre Hände über sein Leinenshirt und ruhten auf dem Bund seiner Hose. Sein Blick wurde eine Spur intensiver, denn ihre Hand presste sich fordernd gegen die offensichtliche Beule. Sie biss sich auf die Unterlippe, und, ohne ihn aus dem Blick zu lassen, ging sie auf die Knie.
Sein Kiefer lockerte sich, seine Lippen teilten sich, und überfordert entwich ihm die Luft, als sie seine Hose lasziv tiefer zog. Nicht, dass sie damit Erfahrung hatte! Nicht, dass sie wusste, was sie zu tun hatte, aber pulsierend und hart sprang ihr seine Erektion praktisch entgegen, und wie von selbst legte sich ihre Hand um seinen harten Schaft. Er blickte fast schockiert auf sie hinab, als sie unter ihren Wimpern zu ihm aufsah.
Er schien irgendetwas sagen zu wollen, aber sie entschloss sich sehr schnell, zu handeln. Und wenn sie einfach nur sicher ging, dass er zumindest ihre Lippen vermissen würde! Zumindest ihren Körper! Zumindest das!
Und es war ein wenig erbärmlich, aber… sie fühlte sich gerade ziemlich mächtig, hier unten auf ihren Knien. Und mit weit geöffneten Lippen nahm sie seinen Penis auf.
„Fuck", entkam es ihm, kaum dass die Hitze ihres Mundes seine Spitze umhüllt hatte. „Verdammt!", keuchte er zusammenhanglos, aber sie fühlte sich motiviert, allein durch seine unkontrollierten Bewegungen, und ohne genau zu wissen, was sie tun sollte, ließ sie ihre Zunge über seine Spitze gleiten. Seine Augen rollten in seine Höhlen, und sein Kopf fiel zurück.
Sie glaubte sogar, dass seine Knie sanft zitterten. Mutig nahm sie ihn tiefer auf, bis sie spürte, dass es nicht weiter ging. Mit ihrer Zunge glitt sie um seine weiche Haut, und er fluchte wieder, als sie den Kopf ein wenig zurücknahm.
Sie gewann an Übung, als sie die Bewegungen wiederholte, ihn immer wieder in ihren Mund sog, und seine Atmung wurde flacher, wurde schneller, seine Hände ballten sich zu Fäusten an seinen Seiten, wohl um sicher selber davon abzuhalten, ihren Kopf gegen seinen Unterleib zu pressen, wofür sie dankbar war.
Gerade, als es anfing, Spaß zu machen, weil er sich kaum noch beherrschen konnte, spürte sie seine Hand in ihren Haaren.
„Stopp!", keuchte er atemlos. Sanft zog er ihren Kopf zurück, und sie sah zu ihm auf. Dunkel waren seine Augen, und er atmete mit geöffnetem Mund.
Er zog sich sein Shirt über den Kopf, stieg aus der Hose, und fast grob stellte er sie auf die Beine, nur um sie mit herrischen Bewegungen auszuziehen. Seine Hände umfassten ihre Brüste, rieben mit groben Bewegungen über ihre Brustwarzen, und sie schluckte schwer, denn durch ihre Handlungen gerade, war sie bereits unfassbar feucht geworden.
Ohne Zögern schloss er den Abstand und küsste sie. Grob verschaffte sich seine Zunge Einlass, und sie atmete scharf ein, als sie sein Drängen spürte. Hart kämpfte seine Zunge, und besitzergreifend zog er sie an sich. Seine Erektion pulsierte gegen ihren Unterleib, und blind bugsierte er sie beide zum Bett, warf sie praktisch zurück, bevor er schon über ihr war.
Er wartete nicht, bemühte sich nicht um Vorspiel, sondern schob ihre Knie auseinander, umfasste seinen Schaft und ohne jede Beherrschung drang er vorwärts. Schmerzhaft hart waren seine Bewegungen, aber Röte stieg in ihre Wangen, weil sie es liebte, was er tat.
Unterdrückt stöhnte sie auf, schloss die Augen, aber schon spürte sie seine Nähe, schon küsste er sie wieder, öffnete ihre Lippen ungeduldig mit seinem Mund, und nur zu willig legte sie die Beine um seine Hüften, ließ sich nur zu gerne von ihm nehmen, und seine Hand wanderte zwischen ihre Körper, rieb grob über ihre geschwollene Klitoris, und zu schnell kam sie unter ihm, küsste ihn nur verlangender, und grollend ergoss er sich heiß in ihr, bockte so hart nach vorne, dass ihr die Luft wegblieb, bevor er stöhnend auf ihr zusammenbrach.
Lächelnd strichen ihre Finger sanft über seinen Rücken. Nach einer Ewigkeit hob er den Kopf, um sie anzusehen. Seine hellen Augen blickten auf sie hinab, und fast glaubte sie, sie würde es nicht ertragen können, würde er irgendwann fort sein.
Bevor sie auch nur den Mund öffnen konnte, küsste er sie wieder. Sanfter als vorher, dringender als vorher. Und ihre Augen schlossen sich ergeben, und sie erwiderte diesen wichtigen Kuss.
Wenn es alles vorbei wäre, dann würde sie alles tun, um sich an alles zu erinnern!
Nach einer kleinen Ewigkeit rollte er von ihr runter auf die Seite, und zufrieden lag sie in seinem Arm.
„Wir… haben noch Zeit, mit dem Boot", sagte sie dann achselzuckend und spürte seinen trägen Blick deutlich.
„Was?", murmelte er rau.
„Also… es geht nirgendwohin", schloss sie eindeutig. „Also, das Boot." Er verharrte in seiner Position. „Lass uns… bis Winter warten", sagte sie dann stiller. „Oder bis… Frühling", ergänzte sie noch leise. Dann atmete er aus.
„Nein", widersprach er bloß ruhig.
Und es regte sie schon wieder auf.
So sehr, dass sie sich aufsetzte, obwohl sie lieber seine Wärme genossen hätte. Seine Ablehnung hatte sehr schnell etwas sehr Unerwartetes in ihr ausgelöst.
„Nein?", wiederholte sie, während sie gänzlich nackt vor ihm saß. Und sie sah, wie er kämpfte, wie er mit aller Macht versuchte, das Richtige zu tun, was sie anscheinend nicht bereit war, zu tun.
„Nein", bestätigte er ernst. Sie spürte die Tränen deutlicher.
„Du kannst es scheinbar nicht erwarten, nach Askaban zu kommen!", fuhr sie ihn böse an, und sie wusste, es war scheiße von ihr. Sein Kiefer spannte sich an, und er erhob sich übergangslos, schüttelte seine postkoitale Müdigkeit einfach ab. „Malfoy!", rief sie ihm wütend nach, als er bereits wieder in seine Hose stieg, und dieses Mal benutzte sie bewusst seinen Nachnamen.
Auf der Sohle wandte er sich er wieder zu ihr um. Und sie konnte die Worte schon förmlich hören, konnte fühlen, was er sagen wollte. Wusste, er wollte sie am liebsten anschreien und beleidigen, sie dumm schimpfen und rücksichtslos und… was sonst noch zutreffen würde.
Und ja. Er war ein Todesser. Und ja. Es gab keine verdammte Zukunft für sie.
„Was?", entkam es knurrend seinen Lippen. „Was, Granger?" Herausfordernd sah er sie an. „Was willst du von mir?", blaffte er sie jetzt tatsächlich ungläubig an. „Wieso willst du hier bleiben? Wieso willst du es unnötig in die Länge ziehen, verdammt?", rief er jetzt wütend. „Möchtest du noch etwas länger von mir gevögelt werden, bevor du den fliegenden Wechsel in Weasleys Arme machst?", wollte er zornig von ihr wissen, und sie biss die Zähne fest zusammen. „Bevor du dich von ihm um deine Hand bitten lässt? Möchtest du mich noch eine kleine Weile als Fußabtreter, als Platzhalter haben?" Seine Stimme dröhnte nun von den Felswänden.
Tränen traten jetzt in ihren Blick. „Und weißt du was", fuhr er ungerührt fort, „vielleicht habe ich keine Lust auf deine Spiele! Vielleicht findet sich noch die Zeit zwischen der Verhandlung und Askaban, wo ich Weasley und Potter bis ins letzte dreckige Detail beschreiben kann, was genau ich alles mit dir machen durfte", schloss er mit bebender Stimme. Ihr Mund öffnete sich empört. „Denn ich bin sicher, das dürfte die Wiedersehensfreude um die Hälfte dämpfen, meinst du nicht auch?"
Zornig erhob sie sich ebenfalls, griff sich blind vor Tränen ihr Shirt und ihre Hose und beachtete ihn nicht mehr. Denn was erlaubte er sich eigentlich? Sie bot ihm an, länger zu bleiben, die Zeit noch zu genießen und er beleidigte sie? Bedrohte sie? Erpresste sie?
Und weit hinten in ihrem Kopf wusste sie, dass es nicht seine Schuld war. Dass sie genauso scheiße war, wie er, aber… sie wollte das nicht wahrhaben. Jetzt gerade. Jetzt wollte sie wütend sein, weil… weil er es scheinbar nicht erwarten konnte, hier abzuhauen!
Mit fliegenden Haaren wandte sie sich zu ihm um.
„Es ist mir egal, was du ihnen erzählst, Malfoy!", spuckte sie ihm entgegen. „Dann sag es ihnen! Erzähl ihnen, dass wir hier jeden Tag Sex hatten, dass ich vor dir auf die Knie gegangen bin!" Ihre Stimme zitterte schon wieder. „Aber tu nicht so, als wäre dir auf einmal alles egal! Tu nicht so, als hinge nichts davon ab, würdest du diese Sachen erzählen! Deine Eltern werden nämlich auch nicht weinen vor Glück, wenn sie erfahren, dass du ein Schlammblut-"
„-oh fang nicht an!", unterbrach er sie warnend.
„Was?", entrüstete sie sich scharf. „Es ist doch dein Lieblingswort gewesen!"
„Das hat überhaupt nichts mit dieser Situation zu tun! Absolut gar nichts!", fuhr er sie an.
„Ach nein? Ich biete dir an, zu bleiben, damit-"
„-damit was?", donnerte seine Stimme ungehalten. „Was soll das sein? Die Gnade des Schlammbluts?", wollte er eisig von ihr wissen, sah ihre Hand schneller kommen, als sie reagieren konnte und fing ihr Handgelenk schmerzhaft fest ab, ehe ihre Hand sein Gesicht traf. „Oh nein", warnte er sie gefährlich ruhig. „Du wirst mich nicht wieder schlagen! Du hast das Wort zuerst gesagt, also-"
„-fick dich einfach!", rief sie heiser, entriss ihm ihre Hand wieder und wich vor ihm zurück. Aber er folgte ihr, bis er nahe vor ihr stand, und sie den Kopf in den Nacken legen musste. Sein Ausdruck war so kalt, dass sie ihn kaum erkannte.
„Tu mir keine Gefallen, hast du verstanden?", brachte er gepresst hervor, und sie hasste ihn gerade. „Tu mir verdammt noch mal keine scheiß Gefallen! Ich habe mich abgefunden, ok?"
„Schön für dich!", schrie sie jetzt außer sich. „Gott, du bist so unfassbar arrogant!", entkam es ihr kopfschüttelnd.
„Was?" Er starrte sie ungläubig an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst!"
„Oh doch!", spuckte sie ihm entgegen, als sie unordentlich ihr Shirt wieder angezogen hatte. Ihr war so heiß, als würde sie Feuer speien, anstatt zu schreien.
Und sie funkelten sich an. Ihre Worte waren bösartig, und wie jedes Mal, war es nach einer gewissen Weile einfach zu anstrengend. Und das Schlimme war, sie wusste nicht mal, warum sie stritten! Sie wusste nicht mal mehr, warum sie sich gegenseitig anschrien.
„Du hast Recht", sagte sie dann erschöpft, weil es einfach nichts brachte. Weil sie keine Lust mehr hatte. Und fast erkannte sie den absoluten Unglaube in seinem wütenden Blick. „Wir sollten hier so schnell wie möglich weg", schloss sie bitter.
Er schloss die Augen und atmete angestrengt aus. Er presste sich sogar die Handflächen vor die Augen, als würde sein Kopf mittlerweile schmerzen.
Warum wollte sie so unbedingt, dass er sie vermisste? Warum riskierte sie alle Fortschritte, die sie gemacht hatten? Was war in sie gefahren? Wieso bot sie ihm an, noch Monate länger zu bleiben?
Unglücklich fiel ihr Blick. Und sie wusste, würde sie jetzt weinen, würde er den Abstand schließen, würde alles zurücknehmen. Denn tatsächlich konnte sie ihn manipulieren. Sie wusste, ihre Tränen ließen ihn nicht kalt, rührten zumindest irgendetwas in ihm, aber seine Worte waren wie in ihren Körper gebrannt, noch immer konnte sie sie hören.
Er liebte sie nicht. Und sie wusste nicht, seit wann das ein Problem war. Wollte sie, dass er das tat?
Stille überkam ihren Körper. Ihre Wut war verraucht. Wenn sie ihre Gefühle weiter in diese Richtung erforschte, würde sie nur unglücklich werden. Mit einem Mal war ihre eigenartige Panik versiegt. Mit einem Mal erkannte sie, dass, wenn sie sich zu weit in diese Richtung wagte, würde es unmöglich sein, wiederzukommen. Absolut unmöglich.
Das Herz war eine gefährlich trügerische Sache. Egal, wie gut und rational eine Entscheidung war, wie nachhaltig und richtig – dem Herz wäre es vollkommen egal. Das Herz besaß keine Logik. Und sie durfte sich jetzt nicht auf ihr Herz verlassen. Denn das tat er auch nicht.
Sie glaubte, das tat er nie. Noch nie hatte er irgendetwas emotional entschieden. Selbst seinen Hausaffen hatte er eiskalt zurückgelassen. Weil es die richtige Entscheidung war. Hermine durfte nicht emotional werden. Emotionen waren der Feind aller klugen Entscheidungen. Immer wieder musste sie sich diese Tatsache vor Augen halten.
Seine Hände fielen von seinem Gesicht. Fast prüfend spürte sie seinen Blick.
Und sie hoffte, er vermisste sie wirklich nicht. Denn dann würde sie ihn auch nicht vermissen müssen.
Sie sollte verhüten, fiel ihr müßig ein, als sie den Blick wieder zu seinem Gesicht gehoben hatte, und als wäre es ein seltsamer Code, erstrahlte die Höhle leuchtend hell, und wieder offenbarte sich dieselbe Vision.
Sie waren beide vor Schreck zusammen gezuckt, aber sie verweilte nicht in der Höhle. Sie konnte nicht. Sie wollte diese Zukunft nicht sehen müssen, jedes Mal, wenn sie zu schwach war und Sex mit ihm haben musste.
Sie verließ die Höhle, als sie aus den Augenwinkeln das tosende Gewitter über den stürmischen Wogen erkannte. Und mittendrin das Boot….
