Slytherin Lord: Nun ja – ein Jahr Pause lässt einen schon ein wenig aus der Spur geraten. Ich hoffe, dass ich schnell wieder reinfinde. Was Draco angeht: da kann ich nur sagen – ups! Das habe ich selbst nicht bemerkt. Genau an der Stelle habe ich aufgehört zu schreiben und bin ins Bett gegangen. Am nächsten Tag habe ich weitergeschrieben und habe eine geplante Nebenhandlung völlig unter den Tisch fallen lassen – kann passieren, danke für den Hinweis.
Fluffy Bond: Du willst doch nicht, dass ich aus dem Nähkästchen plaudere? Lass dich überraschen.
Berserkgorilla: Das mit der Zusammenfassung ist eine überlegenswerte Idee. Ich musste ja selbst erstmal wieder ein wenig nachlesen, was ich bislang so zusammengeschrieben habe. Allerdings habe ich dieses Kapitel auch genutzt, um ein wenig Bilanz zu ziehen. Das hilft vielleicht schon einmal ein bisschen.
Disclaimer: Nichts von dieser Geschichte gehört mir, außer einigen unbedeutenden Nebencharakteren. Alle Rechte bei J.K.Rowling.
Harry Potter
Die Jagd
Kapitel 36
Ein Ziel vor Augen
„Die Selbstverwandlung ist der wohl schwierigste Teil im Fach Verwandlung überhaupt. Wer kann mir die unterschiedlichen Arten der Selbstverwandlung nennen? - Ja, Miss Granger" Professor McGonagall musste erst gar nicht auf ihre Schüler schauen, um genau zu wissen, welche Hand augenblicklich in die Höhe schnellte. Und wie üblich spulte Hermine einen einwandfreien Bericht hervor.
„Zunächst muss man die Verwandlungen aufteilen in angeborene und erlernbare Fähigkeiten. Und dann gibt es noch den Unterschied der Komplettverwandlung und Verwandlungen von Teilen, wie zum Beispiel Haar- oder Augenfarbe." Hermine verstummte und machte einen zufriedenen Gesichtsausdruck.
„Natürlich können sie mir ein Beispiel für angeborene Selbstverwandlung geben – Mr Weasley!" Ron wirkte ein wenig abwesend und wie bei allen Lehrern rund um den Erdball, wirkte dieser Zustand auch bei Professor McGonagall gewissermaßen als Aufforderung, ihn aufzurufen.
Ron zögerte einen Moment, doch dann hörte er, wie Hermine neben ihm einen einzelnen Namen flüsterte. „Ähm -", begann er „Metamorpmagi?" Hermine hatte den Namen Tonks´ geflüstert. Es war schon praktisch, sie zu kennen.
„Sehr gut. Zehn Punkte an Gryffindor, auch wenn sie natürlich wieder einmal Miss Granger zustehen. Wann werden sie nur endlich begreifen, dass ich über ein ausgezeichnetes Gehör verfüge?" Die Schulleiterin rang sich etwas ab, dass man mit viel gutem Willen als ein Lächeln bezeichnen konnte. „Uns interessieren hier natürlich mehr die erlernbaren Selbstverwandlungen. Da ich nicht glaube, dass einer von ihnen irgendwelche angeborenen Verwandlungsfähigkeiten besitzt, die wären inzwischen sicherlich zutage getreten, sind diese Zauber die einzigen, mit denen wir uns beschäftigen können." Sie räusperte sich." Eine Selbstverwandlung kennen sie alle. Ich habe sie selbst schließlich oft genug zum Besten gegeben." Und einen Augenblick später war sie in sich selbst zusammengeschrumpft und strich als getigerte Katze an ihrem Pult entlang, nur um sofort darauf wieder als Mensch zu erscheinen. „Die Animagusverwandlung. Wir werden uns hier mit der Theorie dieses mehr als fortgeschrittenen Stück Magie beschäftigen. Wenn sie allerdings erwarten, dass sie von mir eine Art Anleitung erhalten, muss ich sie enttäuschen. Die Verwandlung ist schmerzhaft und gefährlich. Mit anderen Worten: nichts, was etwas in einer Schule zu suchen hätte."
Sie winkte ihre Schüler zur Ordnung, als unwilliges Murren laut wurde. „Kleinere Selbstverwandlungen werden sie hier lernen. Aber ich warne sie. Dies ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Wie sie schon letztes Jahr beim erlernen des Apparierens erfahren haben sollten, ist der eigene Körper nichts, was man leichtfertig aufs Spiel setzten sollte."
Ron Weasley war nicht so recht bei der Sache. Schon das ganze Schuljahr konnte er sich nicht gut konzentrieren. Gedanklich war er meist bei Harry. Er fragte sich, was sein bester Freund in diesem Augenblick wohl gerade tat. Er würde eine Menge dafür geben, wenn auch er die Schule hätte abbrechen können, um zusammen mit Harry gegen die Totesser zu kämpfen. Aber es gab zweierlei, was dagegen sprach. Zum einen natürlich Hermine und zum anderen – seine Mutter. Seit den Weihnachtsferien war es noch schlimmer geworden, denn jetzt sah es so aus, als würde Harry bald wirklich etwas unternehmen. Ein kleiner Lichtblick war, dass er, Hermine und Ginny hier in Hogwarts auch eine kleine Aufgabe zu erledigen hatten. Es war nicht viel, aber er kam sich nicht mehr ganz so nutzlos vor. Aber sie mussten sich vorsehen. Professor McGonagall hatte sie bereits auf dem Kieker. Die Maßnahmen zum Schutz der Schüler waren im Vergleich zum Vorjahr eher noch schärfer geworden und selbst als Vertrauensschüler war es nicht leicht, sich unbemerkt in der Nacht wegzuschleichen.
Mit dem Raum der Wünsche hatten sie zwar nach wie vor einen guten Raum zum planen, aber nachdem, was im letzten Jahr in diesem Raum geschehen war, hatte er irgendwie seinen Charme verloren. Außerdem gab es dann doch nicht soviel zu planen. Manchmal fragte sich Ron, womit er früher bloß seine ganze Zeit verbracht hatte. So seltsam es auch klang, aber jetzt erwischte er sich regelmäßig dabei, dass er lernte, nur um nicht so gelangweilt zu sein. Harry war gewissermaßen ein Fulltimejob gewesen. Nicht einmal Ärger mit den Slytherins gab es – die meisten waren in diesem Jahr gar nicht erst in der Schule erschienen. Nun ja, das hatte auch sein Gutes, aber sie wären zumindest eine Ablenkung gewesen. Apropos Ablenkung, er sollte sich jetzt wieder auf Professor McGonagall konzentrieren. Zum Nachsitzen war ihm seine Zeit dann doch zu kostbar.
Ironischer Weise hatte sich für Hermine das Leben kaum geändert. Trotz der Schicksalsschläge, die sie ereilt hatte, war der Schulalltag derselbe wie zuvor geblieben. Der Unterschied war, dass sie nur noch die Hausaufgaben von einem, statt von zweien überprüfen musste. Intelligent wie Hermine war, wusste sie natürlich, dass sie das alles nur verdrängte. Als sie erfahren hatte, dass ihre Eltern getötet worden waren, war sie wie gelähmt gewesen. Doch sie hatte sich scheinbar sehr schnell wieder gefangen. In Wirklichkeit hatte sie nur eine sehr überzeugende Maske aufgesetzt, die ihr alle abnahmen, denn sie ließ sie so erscheinen, wie sie immer gewesen war. Seitdem tat sie alles, um sich abzulenken. Sie hatte sich noch mehr in die Arbeit gestürzt, als sie das ohnehin schon immer getan hatte. Außerdem verbrachte sie wenn möglich nie auch nur einen Augenblick allein.
Sie sah zu Ron hinüber. Er sah so aus, als würde er jeden Moment eindösen. Das war im Verwandlungsunterricht keine besonders gute Idee. Professor Binns mochte es egal sein, wenn seine Schüler während seines Unterrichts schliefen, er war sich der Tatsache, dass sie anwesend waren sowieso meist nicht bewusst, aber bei Professor McGonagall sah die Sache ganz anders aus. Und wer glaubte, dass sie weniger genau aufpasste, seit sie Schulleiterin geworden war, der kannte sie schlecht. Hermine stupste Ron sacht an und fing sich dafür einen leicht genervten Blick ein. Irgendwann einmal würde auch er begreifen, dass die Schule aus einem anderen Grund existierte, als nur aus dem, ihm persönlich zu ärgern. Die Tatsache, dass sie sich in ihrem letzten Schuljahr befanden, ließ allerdings befürchten, dass diese Erkenntnis mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu spät kommen würde.
Sie konzentrierte sich wieder auf den Unterricht. Professor McGonagall war noch immer damit beschäftigt, die einzelnen Unterkategorien der Selbstverwandlungen zu erläutern. Durch ihre persönlichen Erfahrungen mit Animagi und Metamorphmagi hatte sie genug Vorbildung. Außerdem hatte sie natürlich bereits alles, was sie in Buchform über dieses Thema in die Finger bekommen konnte, gelesen. Sie wartete begierig darauf, dass die Lehrerin in Bereiche vordrang, die ihr vielleicht noch unbekannt waren. Sie nahm sich vor, bei ihrem nächsten Treffen mit Harry noch einmal etwas genauer auf seine Animagusverwandlung einzugehen.
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„Oh beim großen Merlin. Und ich dachte immer, dass tot so ziemlich das einzige Adjektiv ist, dass sich nicht steigern lässt." Mit einem plumpsenden Geräusch und einem Ächzen, das eine sechzigjährige vermuten ließ, sank Ginny Ron und Hermine gegenüber am langen Gryffindortisch auf die Bank.
„Geschichte?" Rons Frage bestand nur aus diesem einen Wort und Hermines Kommentar auf die Frage nur aus einem bösen Blick.
Ginny nickte. „Wie schafft Binns das nur? Wenn er nicht so langweilig wäre, dann müsste man ihn glatt für seine Konsequenz bewundern." Sie wandte sich an Hermine. „Du kennst nicht zufällig einen Zeitrafferfluch, der auch auf Geister anzuwenden ist?"
Ron glaubte für einen winzigen Augenblick ein amüsiertes Lächeln auf Hermines Gesicht zu sehen, bevor diese antwortete. „Selbst wenn, Lehrer verhexen ist ja wohl das letzte."
Ein ersticktes Hüsteln kam von Ginnys Bruder. Er musste wohl gerade an die verschiedenen Gelegenheiten denken, bei denen er, Hermine und Harry Magie gegen Lehrkräfte von Hogwarts eingesetzt hatte. Gut, das war immer in Notwehr gewesen. Obwohl man jede Form von Widerstand gegen den Geschichtsunterricht von Professor Binns natürlich auch als Selbstverteidigung ansehen konnte. Doch irgendwie glaubte er nicht, dass Hermine diesen Einwurf gelten lassen würde. Stattdessen meinte er lapidar: „Wenn du mit aller Macht von der Schule geworfen werden willst, dann empfehle ich dir wärmstens, Kontakt mit Fred und George aufzunehmen. Die können dir gewiss weiterhelfen."
Ginny strahlte gekünstelt. „Danke für den Tip." Dann wurde sie ernst. „Irgend was Neues? Luna fragt mir langsam eine Kürbispastete ans Ohr."
Ron und Hermine zuckten synchron mit den Schultern. „Jede Menge Gerüchte im Tagespropheten." meinte Hermine. „Also nichts Neues. Ein Treffen mit Harry ist überfällig. Ich denke, wir haben langsam genug Gerüchte in Umlauf gebracht. Es wird Zeit zu handeln."
Ginny beugte sich vor und sprach noch ein wenig leiser. „Willst du die Münze aktivieren? Ich denke, es wird schwierig, direkt unter McGonagalls Augen aus dem Schloss zu schleichen. Sie hat uns ganz besonders im Blick."
Ron grinste verstohlen. „Ob ihr es glaubt oder nicht. Genau darüber habe ich eben in der Verwandlungsstunde nachgedacht."
„Du tätest gut daran, in den Verwandlungsstunden ein wenig mehr über Verwandlungen nachzudenken." meinte Hermine spitz.
Ginny winkte ab. „Lass ihn mal ausreden."
Ron deutete eine Verbeugung an, wobei seine Nase beinahe im Mittagessen landete. „Vielen Dank Lieblingsschwester. Es ist eigentlich ganz simpel. Wie ihr wisst, sind die einfachsten Pläne meist die besten. Da kann nämlich nicht so viel in die Hose gehen." Er machte eine Kunstpause. „Wir brauchen ganz einfach einen Lockvogel.
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Einige hundert Meilen weiter südlich hatte Harry ganz andere Probleme als alltäglichen Schulstress. Irgendwie steckte er in einer Sackgasse fest. Er wusste nicht so recht, wie er weitermachen sollte. Sein Plan, soweit man es überhaupt so nennen konnte, hatte im letzten Sommer noch ganz einfach geklungen. Horkruxe finden, Horkruxe zerstören, Voldemort auf kleiner Flamme braten. Und es hatte ja auch ganz viel versprechend mit dem auffinden des Medaillons angefangen. Obwohl es ja nicht das echte gewesen war. Der unterschied war: nicht er hatte den Aufenthaltsort des Medaillons entdeckt, sondern Dumbledore. Ein Trumpf, der ihm jetzt nicht mehr in dieser Form zur Verfügung stand. Dumbledore hatte zu Lebzeiten über Verbindungen verfügt, von denen Harry nur träumen konnte. Er hatte ein deprimierendes Gespräch mit Dumbledores Portrait über dieses Thema geführt.
Dumbledore hatte zwei Horkruxe, den Ring und das Medaillon, aufgespürt, indem er die Informationen, die er über Voldemorts Leben hatte, ausgewertet hatte. Mit anderen Worten, die Erinnerungen, die auch Harry im Denkarium zu sehen bekommen hatte. Auf diese Weise war er auf die Höhle gestoßen, er hatte sie nur finden müssen. Und das Versteck des Ringes in der Hütte der Gaunts war ihm auch auf diese Weise in den Sinn gekommen. Wenn sich auch die anderen Verstecke irgendwo in diesen Erinnerungen verbargen, dann taten sie das gründlich. Harry hatte sie sich sehr genau vor sein inneres Auge geführt, aber keine neunen Hinweise entdecken können. Auch Dumbledores Portrait war ihm in diesem Fall keine sonderlich große Hilfe gewesen.
Der einzige Horkrux, der in gewisser Weise in Harrys Griffweite lag, war paradoxer Weise Voldemorts Schlange Nagini. Und bei ihr war er sich nicht einmal sicher, ob sie tatsächlich einer der Horkruxe war. Erschwerend kam hinzu, dass dies eigentlich der letzte Horkrux war, den Harry zerstören wollte. Er wollte so lange wie möglich vor Voldemort verheimlichen, wie es um sein mögliches Ende bestellt war. Was hielt Voldemort schließlich davon ab, sich neue Horkruxe zu erstellen, wenn er befürchten musste, dass sich jemand an seinen bestehenden zu schaffen machte. Definitiv wusste er nur von den Tagebuch, dass Harry in seinem zweiten Schuljahr zerstört hatte. Das Ring und Medaillon vernichtet waren, konnte er eigentlich nicht wissen. Und dabei sollte es bleiben.
Laut Dumbledore war es unwahrscheinlich, dass Voldemort überhaupt noch genug Seele hatte, um weitere Horkruxe zu erzeugen. Aber Harry wollte ungern alles auf diese Karte setzen. Er würde ganz schön dumm dastehen, wenn er sechs von den Mistdingern zerstört hatte, nur um dann einem hohnlachenden Voldemort gegenüber zu stehen, den er noch immer nicht endgültig vernichten konnte.
Harry saß in seiner Bibliothek im Haus am Grimauldplatz. Vor ihm auf dem Tisch stapelten sich Bücher zu allen möglichen Themen, doch keines davon fesselte ihn zurzeit wirklich. Er war nur zu faul, sie wieder an ihre angestammten Plätze zu räumen. Er seufzte. Also noch einmal zum mitschreiben. Das Medaillon in der Höhle, die er als Kind gefunden hatte. Der Ring in der Hütte, in der seine Mutter zusammen mit Bruder und Vater gelebt hatte. Und das Buch, bei einem seiner treuesten, vielleicht sogar dem treuesten seiner Untergebenen. Wenn darin ein Muster zu sehen war, dann allerhöchstens, dass alle diese Verstecke Stationen in Voldemorts Entwicklung darstellten. Die Hütte – Voldemorts Ursprung. Die Höhle – Voldemorts Zeit vor der Magie. Lucius Malfoy – der Höhepunkt von Voldemorts Macht. Nun, da war eine deutliche Lücke. Groß genug, um die übrigen Horkruxe verstecken zu können.
Der junge Zauberer grübelte weiter. Was waren denn weitere wichtige Stationen in Voldemorts Leben gewesen? Vielleicht seine Zeit bei Borgin & Burkes. Harry erinnerte sich daran, wie Dumbledore erzählt hatte, wie sich die Leute gewundert hatten, dass er nach der Schule solch eine Stelle angenommen hatte, wo er doch eigentlich in ganz anderen Bereichen hatte Karriere machen können. Doch irgendwie konnte sich Harry nicht vorstellen, dass Voldemort einen Horkrux in dem Laden in der Nokturngasse versteckt hatte. Im Falle des Bechers von Helga Hufflepuff hätten die Besitzer des Ladens bestimmt ein Geschäft gewittert.
Dann gab es da natürlich noch Hogwarts. Es war eine sehr wichtige Station im Leben Voldemorts gewesen. Hier hatte er gelernt, was ihn seiner Meinung nach über die anderen Menschen erhob. Auch die Tatsache, dass er nach Beendigung seiner Schulzeit als Lehrer auf der Schule hatte bleiben wollen, und dies auch noch später einmal versucht hatte, zeigte deutlich, wie wichtig ihm die Schule gewesen war. Auf der anderen Seite war es doch mehr als nur unwahrscheinlich, dass Voldemort etwas so wichtiges wie einen Horkrux direkt unter den Augen von Dumbledore verstecken würde. Der alte Schulleiter hatte das Schloss wie kein zweiter gekannt. Schließlich hatte er weit über fünfzig Jahre dort gelebt. Dort konnte man mit Sicherheit nichts vor Dumbledore verbergen.
Harry kratze sich an der Stirn. Was gab es noch? Vielleicht das Haus der Riddles. Immerhin hatte er sich vor seiner Rückkehr ins Leben dort mit Wurmschwanz versteckt gehalten. Und wie die Hütte der Gaunts gehörte dies zu seiner Entstehungsgeschichte. Allerdings war seine Abstammung von den Riddles etwas, was Voldemort stets verachtet hatte. So sehr, dass er sogar seinen Namen abgelegt hatte. Sein Aufenthalt in diesem Haus vor drei Jahren war wohl eher Mittel zum Zweck gewesen. Einen Horkrux hatte er sicherlich nicht dort versteckt.
Plötzlich stockte Harry mitten in einem Gedanken. Hätte er gesprochen, wäre ihm bestimmt der Unterkiefer herunter gefallen. Es war geradezu offensichtlich. Dumbledore mit seinen kleinen Denkariumsitzungen hatte ihn beinahe mit der Nase darauf gestoßen. Erst Hermine hatte ihm letztes Jahr klar gemacht, dass es nur nützlich sein konnte, alles über seinen Feind zu wissen. Das war, als er von Dumbledores doch etwas eigenwilligem Einzelunterricht einigermaßen enttäuscht gewesen war. Harry sprang auf und stieß dabei den Stuhl laut um. Für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein wild tobende Madame Pince durch seine Gedanken, doch dafür hatte Harry keine Zeit. Er rannte los. Sein Ziel hing nur wenige Meter von ihm entfernt an der Wand – Dumbledores Portrait. Der ehemalige Schulleiter war nicht da. Höchstwahrscheinlich befand er sich in seinem Rahmen in Professor McGonagalls Büro in Hogwarts. Wie konnte er sich nur bemerkbar machen?
„Professor Dumbledore?" rief er, ohne große Hoffnung. Er hatte keine Ahnung, ob man ein Portrait rufen konnte. Und in der Tat geschah nichts. Harry starrte die Leinwand an, als könne er allein durch seine Konzentration eine Verbindung aufbauen. Er trat an das Gemälde heran und klopfte mit dem Fingerknöchel an den vergoldeten Rahmen. Erneut geschah dasselbe wie vorher – nichts. Doch dann hatte Harry eine spontane Eingebung. Er hatte keine Ahnung ob es klappen konnte, aber ein Versuch war es wert.
Er zog seinen Zauberstab, schwang ihn vor sich und rief: „Expecto pratonum!" Augenblicklich brach ein silbriger Hirsch aus der Spitze des Zauberstabes hervor und galoppierte um ihn herum. Harry wusste, dass der Phönixorden Patronusse einsetzte, um zuverlässig Nachrichten zu verschicken, aber Harry hatte keine Ahnung, ob das auch bei verstorbenen Mitgliedern funktionierte.
Der Patronus wandte Harry den geweihbeschwerten Kopf zu. Harry kam sich ein wenig dumm vor, als er zu ihm sprach. „Ich muss mit Dumbledore sprechen. Er ist – nun ja – er ist da drin – irgendwo." Er deutete auf den leeren Bilderrahmen. Er erwartete, dass sich der Patronus auflösen würde, da er ihm kein wirkliches Ziel nennen konnte, doch wieder einmal hatte er diese sehr fortgeschrittene Magie weit unterschätzt. Der silberne Hirsch warf den Kopf mit dem prächtigen Geweih zurück, verschwand mit einem Satz in dem Rahmen und war im selben Augenblick nicht mehr zu sehen.
Auf die Antwort seiner Nachricht musste Harry nicht lange warten. Schon nach wenigen Sekunden wanderte der alte Zauberer von rechts in den Rahmen und zwinkerte Harry freundlich zu. „Wie ich sehen konnte, hast du neue Anwendungsbereiche für deinen Patronus entdeckt. Ich gratuliere dir. Auf diese Idee wäre nicht einmal ich gekommen."
„Nur aus der Not heraus." Harry freute sich über das Kompliment. Es war schon seltsam, wie viel Respekt man vor einer Person haben konnte, selbst wenn sie bereits tot war.
„Ja ja. Aus der Not können wahre Wunder entstehen. Wusstest du, dass der Stuporzauber entdeckt wurde, als ein Zauberer sah, wie ein Reiter in vollem Tempo auf eine Schlucht zuhielt? Er wusste nicht, wie er Pferd und Reiter anders retten konnte, als sie zu Boden zu werfen." Einmal Lehrer immer Lehrer dachte Harry und scheinbar war ihm der Gedanke anzusehen. „Was kann ich denn für dich tun, mein Junge? Es scheint mir ernst zu sein, wenn du solch kreative Wege findest, mich zu erreichen."
„Es geht um die Horkruxe."
„Ah ja." Dumbledores Worte waren fast nur ein Hauchen, doch in seinen Augen war ein Glimmen zu sehen, das wahres Interesse erkennen ließ. „Nun, es musste ja irgendwann losgehen, nicht wahr?"
„Ja – ich meine, losgehen ist vielleicht zuviel gesagt – ich meine..." Harry fand nicht so recht den Einstieg.
„Sag doch einfach, was du meinst, Harry."
„Nun.", fing Harry erneut an. „Wir haben nie darüber gesprochen, was geschieht, wenn wir, dass heißt wenn ich einen Horkrux entdeckt habe. Was kann ich tun. Ich meine, das ich das Buch vernichten konnte, lag am Gift des Basilisken. Und sie haben mir nie erzählt, wie sie den Ring zerstört haben, obwohl..."
„Obwohl du mich des öfteren danach gefragt hast, ich weiß Harry. Ich habe immer nur gesagt, dass es noch nicht an der Zeit für diese Geschichte ist." Dumbledore lachte leise und verschmitzt. „Dabei ist eigentlich weder etwas geheimnisvolles, noch etwas spannendes daran. Was ich meinte, war in der Tat nur das, was ich auch sagte. Es war nicht an der Zeit für diese Geschichte, weil es zu diesen Zeitpunkten wichtigeres gab, was es zu besprechen gab. Außerdem muss ich zugeben, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass du in die Situation kommen könntest, eine Horkrux zu entdecken, ohne dass ich anwesend sein könnte."
„Das heißt", sagte Harry hoffnungsvoll. „Dass sie mir sagen werden, wie ich einen Horkrux zerstören kann?"
„Aber natürlich Harry. Wie sonst, sollten sie zerstört werden, wenn nicht von dir? Es ist nicht leicht – und es ist gefährlich. Der Horkrux selbst ist nur ein Gegenstand. Er ist leicht zu vernichten. Doch Voldemort hat seine Seelenfragmente natürlich besser geschützt, als sie einfach nur zu verstecken. Denk nur an den Trank. Und das war bestimmt nicht die letzte Barriere. Worauf es ankommt, ist den Horkrux in aller Ruhe zu studieren, um diese Barrieren möglichst unbeschadet zu durchbrechen. Leider muss ich sagen, dass mir das bei dem Ring nicht vollständig gelungen ist." Harry dachte an die geschwärzte Hand, die der Schulleiter während des letzten Jahres gehabt hatte. „Aber auch ich habe eine Frage. Warum diese plötzliche Interesse? Es muss doch einen Grund geben, dass du nicht warten konntest, bis ich von selbst bei dir vorbei geschaut hätte. Hast du einen der Horkruxe entdeckt?"
„Entdeckt ist noch zuviel gesagt. Aber ich habe einen ganz starken Verdacht. Ich bin mir sicher. Es muss sein, es würde alles zusammenpassen."
„Du machst mich neugierig, mein Junge."
„Ich will nicht zuviel versprechen. Ich wollte nur wissen, ob es besser ist, den Horkrux, wenn er denn da ist, an Ort und Stelle zu vernichten, oder ihn mitzunehmen." Ein wenig genoss es Harry, dass er einmal mehr Informationen besaß als Dumbledore.
„Du kannst ihn auf keinen Fall an Ort und Stelle vernichten. Du würdest dich in zu große Gefahr bringen. Wenn du ihn hierher bringst, werden wir eine Möglichkeit finden, alle seine Abwehrzauber zu brechen. Aber denkst du auch daran, dass dieser Horkrux vielleicht ebenso gut geschützt ist, wie es das Medaillon war?"
Ein Lächeln stahl sich auf Harrys Gesicht. „Sie haben sowohl Recht, als auch Unrecht, Professor. Vielleicht ist der Schutz sogar noch besser, aber es wird mich nicht aufhalten können. Ich melde mich, wenn ich den Horkrux habe."
Harry drehte sich um, und wollte die Bibliothek schon verlassen, als er Dumbledores Stimme hinter sich hörte. „Willst du mir nicht doch sagen, wo du das Versteck vermutest.
Harry wandte sich erneut dem Bild zu und zwinkerte in einer perfekten Dumbledorimitation mit den Augen. „Nein, aber vielleicht freut es sie, dass mich ihre Sonderstunden im letzten Jahr auf die Idee gebracht haben." Damit verließ er den Raum.
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Ron, Hermine und Ginny saßen inzwischen im Gemeinschaftsraum der Gryffindors und schmiedeten Pläne. „Also schön." Begann Ron. „Du Hermine, kontaktierst Harry über die Galleone. Und du Ginny, suchst Neville. Er spielt den Köder für McGonagall."
„Und was gedenkst du zu tun?" fragte seine Schwester spitz.
Ron tat überrascht. „Ich koordiniere alles. Das ist doch klar.
Hermine und Ginny prusteten los, doch Ginny war schon auf dem Weg zum Portraitloch, als Ron mit einem gefalteten Pergament hinter ihr her wedelte. „Hiermit wirst du dir einiges an Zeit einsparen."
„Danke." sagte Ginny und schnappte sich die Karte des Rumtreibers. Hermine hatte inzwischen eine goldene Münze aus ihrer unergründlichen Büchertasche gefischt und legte sie vor sich auf den Tisch. Sie zog ihren Zauberstab und wollte die Münze gerade antippen, als sie sich von selbst veränderte.
„Was ist denn jetzt los?" fragte Ron erstaunt.
„Harry, es muss Harry sein. Ich habe doch gesagt, dass die Münzen jetzt als Zweiwegemünzen funktionieren." Die Zahlen am Rand der Münze veränderten sich. „Das ist das Datum von heute. Neun Uhr abends. Da hat es aber einer eilig – autsch!" Hermine hatte die Münze in die Hand genommen, ließ sie jetzt aber wieder fallen. Rons und Ginnys Blicke stellten eine Frage, die sie gar nicht erst aussprechen mussten. „Heiß." sagte Hermine. „Harry muss den Zauber mehrfach wiederholt haben, damit ich darauf aufmerksam werde. Das hat die Münze wohl überlastet. Er hat´s wirklich eilig."
„Schaffen wir es denn so kurzfristig?" fragte Ron.
„Lass mich nur machen." sagte Ginny „Neville frisst mir aus der Hand. Den habe ich ganz schnell soweit." Sie beugte sich über das Pergament und schwang ihren Zauberstab. „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin."
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So – hat doch wieder länger gedauert, als ich ursprünglich vorgehabt hatte, doch ich musste feststellen, dass ich meine eigene Geschichte erst einmal durchlesen musste (zumindest überfliegen), um nicht zu viele Fehler zu machen. Ich hoffe, ich habe nichts grundlegendes übersehen.
Falls doch, wisst ihr ja, wie ihr mich erreichen könnt.
Federwisch
