Ein Ass im Ärmel

„Sieht nicht wie Draco aus", sagte eine weibliche Stimme. Es vergingen keine zwei Millisekunden, da hatte Luciana den widerlichen Geschmack eines Déjà-vus auf der Zunge. Aber was hieß hier Déjà-vu, wenn dieser Moment doch eher einer eins zu eins Erinnerung aus dem vergangenen Jahr glich (von den Räumlichkeiten abgesehen) – ziemlich genau vor einem Jahr und wieder musste sie bei dem Anblick der Schar aus Gestalten um sich herum einsehen, dass sie ziemlich kopflos und überstürzt gehandelt hatte. Oder ihre Fähigkeit und ihr Urteilsvermögen maßlos überschätzt, was allerdings auf dasselbe hinauslief. Wobei ihr Plan gut gewesen war. Wasserdicht und ganz offensichtlich so unsinkbar, wie ein Flaggkreuzer der White Star Line … was genau war schiefgelaufen, wann hatte sich das Blatt gewendet und viel wichtiger: was war kaputt bei ihr, dass sie sich immer wieder in die größte Scheiße ritt?

„Eine Komplizin", zischte ein aschblonder Kerl mit spitzem Gesicht, keine zwei Schritte vor ihr entfernt.

„Nein, besser", ließ nun jemand neben dem Herrn verlauten und trat aus dem Pulk düsterer Gestalten an sie heran. Ihr Herz setzte für einen Schlag aus, als sie den Mann erkannte. „Das ist die Patentochter von Steinhardt." Rodolphus Lestrange. In sein folgendes, bellendes Lachen stimmte gleich ein ganzer Chor ein, dessen Schall von den kalten Wänden des Herrensalons im Strafford-Anwesen wiederhallte. Der Wohnsitz vom Schwarzen Führer. Ja, wie war sie hier nur hineingeraten?

Zwei eindrittel Stunden zuvor …

Es lief wie am Schnürchen. Die Aufzeichnungen von Snape über die Schutzbanne und Sicherheitszauber made by Baskerville hatte sie ohne Zwischenfälle von dem Sekretär ausborgen können; der Hausherr hatte tief und fest geschlafen (kein Wunder, bei der zu einem Viertel geleerten Whiskyflasche, die sie beim Hinausgehen auf dem Beistelltisch seines Sessels erspäht hatte – es musste eine wirklich anstrengende, oder vielmehr nervenaufreibende Konferenz gewesen sein) und sie war unbemerkt hinein, hinaus und wieder zurück in den leeren Klassenraum gelangt. Das Manuskript des Strafford Anwesens war übersichtlich strukturiert und von dem Außengelände bis zu jedem einzelnen Raum und Flur geordnet verfasst worden. Dementsprechend schnell hatte Luciana die für sie wichtigsten Punkte mit Hilfe des Gebäudeplans notieren und auf ihre Hosen- und Jackentaschen verteilen können, den Malfoy-Spross hatte sie noch einmal für ein paar Minuten stehenlassen, um Snapes Hab und Gut sorgfältig zurück an seinen Platz zu legen und wieder im Klassenraum hatte sie jeglichen Ballast, wie ihre Umhängetasche, gut verborgen hinter einem Stapel Kessel versteckt. Natürlich nicht, ohne vorher ihren Zauberstab und die Handfeuerwaffe herausgenommen zu haben – man wusste nie.

Sie waren ungesehen durch den Haupteingang ins Freie spaziert und niemand hatte bemerkt, wie sie bis zum Rande des Verbotenen Waldes gehuscht und von dort aus appariert waren – das hieß, Malfoy war appariert und hatte sie mit vaporisiert, wobei der kurze Trip weitaus holpriger ausgefallen war, als sie dies an der Seite von Snape oder Remus erlebt hatte. Ab hier hatte das Schnürchen dann die ersten kleinen Knubbel bekommen, denn der Slytherin war nicht, wie abgesprochen, ein paar Hundert Meter nahe dem Zielort gelandet, sondern mitten in einem kleinen Wäldchen, das sie, mit dem Blick auf die Satellitenbilder, ein bis zwei Kilometer weiter entfernt davon geortet hatte. Nun, sie sah dem Knaben nach, mit derart wenig Apparier-Erfahrung den Nagel nicht direkt auf dem Kopf getroffen zu haben, dazu noch mit ihr als Anhängsel im Schlepptau und, um hier das Positive hervorzuheben, sie waren nicht auf dem Wipfel irgendeiner Tanne gelandet. Und er hatte zudem noch den Kopf voller Sorge um seine Mutter gehabt, dazu noch die Voraussicht, in den Privatwohnsitz des Schwarzen Führers einzudringen, unangemeldet und vollkommen unbefugt. Alles in allem eigentlich genügend Argumente, solch einen Plan nicht einmal in Gedanken umzusetzen, hätte Luciana nicht ein klares Ass im Ärmel.

„Wie weit ist es noch?", fauchte Malfoy hinter ihr – dabei hatten sie das Feld, gleich neben dem Wäldchen, gerade erst betreten.

„Nach der Karte noch circa einen Kilometer nach Nord-Osten."

„Und wo ist das?", patzte er weiter und kickte haarscharf einen Stein an ihrem Fußknöchel vorbei. Luciana nahm die Nase vom Lageplan, welcher in der nächtlichen Dunkelheit mehr schlecht als recht von dem abnehmenden Mond beleuchtet wurde und legte einen abrupten Halt ein. All die Gründe, wieso Malfoy hier die Oberzicke heraushängen ließ, rückten in den Hintergrund und sie funkelte ihn aus wütenden Augen an – das hieß, soweit sie ihn erkennen konnte; bei diesen Sichtverhältnissen schien er nur aus leuchtend blondem Haarschopf zu bestehen.

„Das ist die Richtung, in die wir laufen, was du eigentlich wissen müsstest, bei fünf Jahren Astronomieunterricht – und mach mich nicht blöd von der Seite an, ich bin nicht diejenige, die am Zielort vorbeigesprungen ist!"

„Nein, Bradley, du wärst mit einem Sprung nicht mal drei Ellen weit gekommen!"

„Meine Bundesjugendspieleurkunde sagt was anderes."

„Deine was?"

„Vergiss es, Malfoy", murmelte sie und setzte ihren Weg fort. Tatsächlich war die Zicke hinter ihr so geistesgegenwärtig den Mund zu halten, oder zumindest solange, bis sie nach einer ganzen Weile des im erdigen Feld Umherstampfens auf einen bewucherten Trampelpfad stießen.

„Hau mir nicht ständig die Äste ins Gesicht!"

„Das sind Farne, Äste würden dir wenigstens das Maul stopfen."

Malfoy stieß einen empörten Laut hinter ihr aus, den sie nicht ganz zuzuordnen wusste – doch er schien nicht einmal daran zu denken, endlich Ruhe zu geben.

„Wenn wir einen Lumos benutzen würden, dann könnten wir wenigstens sehen wo wir hinlaufen!"

„Keine Magie, das hatten wir vorhin besprochen – oder soll ich dir doch noch deinen Zauberstab abnehmen?"

„Als würde ich dich auch nur in die Nähe davon lassen", knurrte er, was Luciana ein breites Grinsen auf dem Gesicht entlockte.

„Tja, du weißt ja gar nicht, was du dir entgehen lässt."

„Häh?"

Sie machte sich nicht die Mühe, ihn über die Zweideutigkeit dieses ganzen Zauberstabgefasels aufzuklären, immerhin hatte sie mittlerweile genug Erfahrung damit, dass lediglich Personen, die in der nicht magischen Welt aufgewachsen waren, hin und wieder mit einem Kichern oder Schmunzeln reagierten, wenn ein Lehrer oder Mitschüler in dieser Hinsicht eine ganz besonders ausgefallene Formulierung zum Besten gaben. Zumal sie ihre komplette Aufmerksamkeit auf den Weg vor ihrer Nase lenken musste, um nicht von dem kaum sichtbaren Pfad abzukommen und am Ende noch im Kreis zu laufen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie sich durch den tiefsten, schottischen Farnjungle gekämpft hatten und das wuchernde Grünzeug nach und nach immer mehr freie Stellen aufwies. Letztendlich seufzte Luciana laut und sehr erleichtert auf, als der Weg sie in eine Senke führte, bei der sie von oben aus schon die Umrisse eines kleinen Gebäudes erkennen konnte.

„Willst du mich auf den Arm nehmen?", stieß Malfoy hinter ihr genau die gegenteilige Emotionsregung aus und schnaubte dazu verächtlich.

„Tss, unsere Eintrittskarte ins Strafford Castle zu kommen und du musst gleich erstmal rumheulen, weil es nicht deinen Ansprüchen genügt, mh?", entgegnete Luciana und lief schnurstracks den Rest des Weges hinunter, bis sie zum nächsten von Farnen überwucherten Hindernis kamen – aka der dichtbewachsene Grund vor dem Gemäuer, um den sie nicht herumkommen würden. Also breitete sie wieder beide Arme vor sich aus und stapfte mit Schwimmbewegungen durch das Farnenmeer. Uääh, krabbelte da etwas in ihrem Nacken weiter ihren Rücken hinunter? Sobald sie wieder im Schloss war und dies vorzugsweise vor Sonnenaufgang, würde sie gleich Snapes Dusche missbrauchen, die einen wesentlich höheren Wasserdruck hatte, als dieses laue Etwas in dem Mädchenwaschraum im Gryffindorturm. Und wenn sie schon einmal dabei war, könnte Snape gleich mal nachsehen, wie viele Zecken an die Luciana-Bar angedockt hatten. Auch wenn sie bisher keine Ahnung hatte, wie sie ihm die Notwendigkeit beibringen sollte, ohne ‚Befreiungsmission der Malfoy-Mama' in den Mund zu nehmen.

„Wie soll uns dieser Haufen gammliger Steine zu meiner Mutter führen?", meckerte Malfoy munter weiter, dabei waren sie noch nicht ganz an dem Gebäude angekommen.

„Dieser gammlige Haufen", sagte sie genervt und schob das letzte Stück Natur aus dem Weg, welches sie noch von dem Gebäude trennte, „ist ein alter Kornspeicher, irgendwann gebaut um Achtzehnhundert."

„Na und?"

„Zur selben Zeit, wie das Anwesen, oder sollte ich besser sagen, als Anbau des Anwesens?"

„Häh?"

„Und du willst die letzten sechs Jahre in Hogwarts verbracht haben, mhpf", kommentierte sie ungläubig und legte im nächsten Moment einen Nothalt ein – okay, die Mauer war schneller gekommen, als kalkuliert und sie war nur haarscharf einem Zusammenstoß damit entgangen. Dafür prallte Malfoy nun mit ihrer Kehrseite zusammen.

„Bleib doch nicht einfach stehen!", schnauzte er unvermittelt.

„Wir müssen den Eingang finden."

„Eingang", höhnte er weiter, „das Teil hat nicht mal ein Dach!"

Zugegeben, selbst von den Grundmauern des ehemaligen Speichers stand nicht mehr viel, nichtsdestotrotz waren sie ausgerechnet an einer Stelle herausgekommen, an der die Mauer noch über zwei Meter messen musste; zumindest von ihrem Standpunkt aus, soweit sie das erkennen konnte, bei all dem Efeu und undefinierbarem Zeugs, was die Steine bewachsen hatte. Luciana tastete sich vorsichtig an den Blättern und Ranken entlang, natürlich musste das Mondlicht auf der anderen Seite der Ruine stehen; hätte sie sich doch bloß die Mühe gemacht, den Umweg über ihr Turmzimmer zu nehmen und die Taschenlampe aus ihrer Schreibtischschublade zu holen.

„Wir sind weit weg vom Anwesen, wir könnten doch wenigstens einen Lumos ver-„

„Nein!", unterbrach sie ihn scharf, bevor der Idiot noch auf die Idee kam, seinen Worten gleich Taten folgen zu lassen. „Ich habe dir in Hogwarts schon von den Guerilla-Kronleuchtern bei unbefugtem Magieeinsatz erzählt und ich habe garantiert nicht vor, die Reichweite von den Dingern zu testen."

„Aber ich bin nicht unbefugt", entgegnete er trotzig.

„Das hatten wir auch schon. Weißt du, ob der Schwarze Führer dich nicht schon längst auf seine Abschussliste gepackt hat? Ich hätte es getan, wenn ich deine Mutter in meinen Keller gesteckt und ihr eine Todesfrist gesetzt hätte."

Und mit diesem Einwurf schienen ihm endlich die Argumente ausgegangen zu sein, was ungemein dabei half, noch einmal die wichtigsten Punkte der Sicherheitsvorkehrungen im Geiste durchzugehen. Denn von der Alarm- und Schutzmechanismus-Seite aus, schien das Eindringen in den Buckingham Palast wie ein Spaziergang an einem milden Sommermorgen im Flachland eines niederländischen Küstengebiets gegen diese verkackte Festung abzustinken. Hinzu kam, dass sie keinerlei Unterstützung eines spezialisiert ausgebildeten Sondereinsatzkommandos hatten oder einen Allzweck-Snape, der es sich in den letzten Jahren zum Nebenjob gemacht hatte, ihren katastrophenmagnetischen Hintern aus den aussichtslosesten Lagen zu zerren. Ja, hätte sie nicht dieses eine Ass im Ärmel, von dem nicht einmal der Orden wusste, geschweige denn der Schwarze Führer (wie sie nur inständig hoffen konnte), sie hätte Malfoy die Kontaktdaten eines renommierten Sargbauers in die Hand gedrückt und wäre anschließend zu ihrer Wochenendrahmenbedingung unter die Bettdecke gekrochen. Denn ihr Pate hatte es sich schon vorletztes Jahr, kurz nach ihrem Eintritt in den Orden, nicht nehmen lassen, in einer äußerst verdeckten Geheimmission den Ort und die nähere Umgebung von Strafford Castle etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, einschließlich der gut verborgenen Baupläne des Anwesens. In der Stadtbibliothek, für jeden Hinz und Kunz einsehbar, sollte man auf den Gedanken kommen, sich mit dem niederen, nicht magischen Volk auseinanderzusetzen …

„Hier ist ein Fenster", flüsterte Luciana und tastete den Steinsims einer deutlich abgeflachten Einbuchtung entlang. Sie lag etwas oberhalb ihres Sichtfeldes, doch sie konnte schon mit ein paar Handstrichen fühlen, dass sich das Glas bereits vor Jahrzehnten verabschiedet haben musste. Sehr praktisch, wenn man den Zeitdruck bedachte, unter dem sie standen.

„Mach mal eine Räuberleiter."

„Eine was?", fragte Malfoy verdutzt – leider konnte er bei den Sichtverhältnissen unmöglich ihr enormes Augenverdrehen erkennen.

„Hier, du verschränkst die Hände ineinander, halt das stabil und geh etwas in die Hocke und näher ans Fenster heran."

„Was willst du mit deinem verdrecktem Schuh –„

„Malfoy! Hände verschränkt lassen und Klappe halten!"

Luciana sah ihm das Knurren und Schnauben nach, während sie Halt suchend an seiner Schulter herumbalancierte, bis sie halbwegs sicher auf dem Fenstersims saß. Von hier aus erkannte sie endlich wieder die Hand vor Augen und nicht nur die – der Mond beleuchtete das Innere der Ruine, wobei das kaum von dem zu unterscheiden war, was sie vor den Mauern vorgefunden hatten, derart bewuchert sah es aus.

„Nimm schon meine Hand", sagte sie genervt, nachdem sie sich von der anderen Seite der Mauer abgewandt hatte und nun schon Malfoys fünften Anlauf beobachtete, ohne jegliche Hilfe das Fenster empor zu steigen. Für einen Moment sah es ganz danach aus, als würde er es vorziehen, noch ein paar Versuche zu starten, sich aus eigener Männleinkraft hinauf zu hieven, doch anscheinend überwog der Zeitdruck den Slytherin-Stolz. Er griff nach ihrer Hand und hockte keine fünf Sekunden später neben ihr.

„Erklärst du mir heute noch, was wir hier eigentlich machen?", schnaubte er und tat es ihr gleich, in die Ruine zu springen.

„Unbemerkt ins Anwesen spazieren."

Die folgenden, gemurmelten Verwünschungen hinter ihr überhörte sie gekonnt, auch wenn sie peinlichst genau darauf achtete, dass sich darunter nicht der ein oder andere, wirkliche Fluch mischte, denn sie hatte nicht gescherzt, einen Heiden Respekt vor den massenvernichtungswaffentauglichen Guerilla-Leuchten zu haben; nebenbei richtete sie ihre Aufmerksamkeit aber vor allem auf den Boden vor ihr und die halb eingestürzten Mauern, die sie umgaben und versuchte alles herauszufiltern, was von Menschenhand geschaffen worden war. Zum Glück war der ehemalige Kornspeicher nicht sonderlich groß, vielleicht vier oder fünf Meter in der Breite und nicht ganz das Doppelte in der Länge.

„Wir suchen nach einer Luke im Boden, Holz und ziemlich morsch", wies Luciana an und ging ein paar weitere Schritte durch das hochgewachsene Gras. „Also sei vorsichtig, wo du hintr-„

Krachz

Der Sog in ihrem Magen währte nicht lange, dafür kam der Aufprall kurz und verdammt schmerzvoll. Ihre Reflexe waren soweit intakt, die Arme schützend nach vorne schnellen zu lassen und somit landete sie nicht mit dem Gesicht vorneweg auf dem lehmigen, steinharten Boden, dafür fielen ihr gleich mehrere, zerbrochene Holzstücke auf den Rücken und Dickschädel.

„Meinst du diese Luke?"

Luciana reckte ihren Kopf in den Nacken, gleich, nachdem es aufgehört hatte Baumstückchen zu regnen und sah auch gleich das schadenfrohe Gesicht von Malfoy. Wieso noch gleich tat sie sich diese Odyssee an? Ach ja, da war ja eine Kleinigkeit gewesen. Verdammtes Gewissen.

„Also, ich bin ja wirklich beeindruckt von dem Tempo, das du vorlegst, aber ich nehme dann doch lieber die Leiter."

Bevor er die letzte Sprosse der wenig vertrauenswürdig ausschauenden Leiter (zumindest das, was sie am oberen Ende davon sehen konnte, bei ihr unten war es stockfinster) zu ihrer Rechten hinabgestiegen war, hatte sich der Drang, ihm direkt einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen, gelegt. Immerhin war sie hellauf damit beschäftigt, erstens den Weg und zweitens irgendetwas Brauchbares zu finden, denn ihr war noch glasklar im Gedächtnis, dass in dem Missionsbericht die Rede gewesen war von –

„Aaa!", rief Luciana triumphierend aus, festigte den Griff um einen länglichen Stab, den sie gerade auf dem Boden ertastet hatte und knickte ihn kräftig in der Mitte. Malfoy sprang gleich einen ganzen Meter vor ihr zurück und schien kurz davor, die Flucht zurück in die Ruine anzutreten, einen Augenblick später verfinsterte sich sein Gesicht.

„Du lässt mich stundenlang im Dunkeln umherirren und zauberst dann selbst?", knurrte er wütend – bei dem hellen Blauschein, den nun ihr Gesicht umgab, konnte er dieses Mal ihr Augenverdrehen unmöglich übersehen.

„Das ist kein Zauber, sondern ein Knicklicht."

Nein, das schien ihm nicht bekannt.

„Es gibt für bis zu acht Stunden Licht, ohne einen Funken Magie, mehr brauchst du nicht wissen."

Damit drehte sie sich um ihre eigene Achse, bis sie ein großes, schwarzes Nichts vor ihrer Nase erblickte.

„Da lang", sagte sie knapp und schluckte den Kloß, der sich bei dem Anblick der bedrohlichen Finsternis in ihrem Hals gebildet hatte, einfach herunter und setzte sich in Bewegung. Die Schritte hinter ihr verrieten, dass Malfoy ihr, nach einem Moment des Zögerns, folgte. Für sie war es nicht notwendig die Haltung zu verändern, doch da der Slytherin mindestens einen halben Kopf größer war als sie, musste er sicherlich gebückt laufen, um nicht alle paar Meter mit einem der Stützbalken zusammenzustoßen. Obwohl ‚Stützbalken' ein zu optimistisches Wort für die wenig vertrauenserweckenden Holzstämme war, die durchgebogen und an einigen Stellen gerissen oder gleich ganz gebrochen über ihren Köpfen schwebten. Rechts und links auf dem Weg türmten sich zudem immer wieder kleinere Erdhaufen und Steine, die mit den Jahren aus den Wänden des Tunnels gestürzt sein mussten.

„Du hättest kein riesen Geheimnis drum machen müssen, dass es hier eine Verbindung zum Anwesen gibt", merkte Malfoy nach Minuten der Stille an. Verbindung ins Anwesen, korrigierte sie ihn im Geiste und doch, laut ihrer Vereinbarung mit der UOWV musste sie genau das. Verschwiegenheitsklauseln bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, allerdings hatte es der Verfasser des Schriftstücks versäumt, einen Paragraphen hinzuzufügen, der ihr untersagte außenstehende Personen im Anschluss einer Mission Neuentdeckungen zu zeigen. Wortklauberei und mit Sicherheit kein Garant dafür, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, sollte ihr Pate je Wind davon bekommen, was sie hier gerade anstellte. Aber das war in diesem Augenblick ihre geringste Sorge, es beunruhigte sie viel mehr, dass der Gang vor ihr immer und immer schmaler zu werden schien. Bis zu einem Punkt, an dem sie nur noch seitwärts laufend vorankamen.

„Ist jemand in den letzten hundert Jahren mal hier durchgegangen?", verbalisierte Malfoy die Befürchtung, welche Schritt für Schritt mehr Präsens in ihren Gedanken einnahm.

„Nicht bis zum Ende", antwortete sie wahrheitsgemäß und versuchte inständig zu verdrängen, dass sie sich ab dieser Stelle nicht einmal mehr umdrehen könnten, sollte es vorwärts nichts mehr weitergehen – aus welchem Grund auch immer.

„Und woher weißt du dann, dass der Tunnel bis zum Anwesen frei ist?"

Das wusste sie nicht. Nerviger, garstiger Malfoy; als würden seine Kommentare zu irgendetwas beitragen, was ihnen gerade helfen würde. Aber realistisch gesprochen war im Missionsbericht lediglich die Rede davon gewesen, den Eingang im Kornspeicher ausfindig gemacht zu haben, dazu die alten Karten und dass sie zu diesem Zeitpunkt keinen Schimmer gehabt hatten, mit welchen Zaubern Baskerville das Gebäude und seine Umgebung geschützt hatte; danach waren alle Pläne, Strafford Castle offensiv anzugreifen ad acta gelegt worden, also nein, sie hatte keine Ahnung, ob –

„Hah!", stieß sie triumphierend aus und drosselte ihr Tempo. Vor ihnen wurde der Gang wieder breiter, bis der Lichtschein in ihrer Hand auf massives Erdreich trat, an dem eine Leiter angeschlagen stand. Die auch schon bessere Tage gesehen hatte und an der ein paar Sprossen fehlten, aber ein bisschen Schwund gab es doch immer.

„Ab hier nur noch Flüstern und oben will ich keinen Ton mehr von dir hören."

„Du hast hier gerade rumgeschrien", bemerkte Malfoy spitz und trat aus ihrem Rücken heraus an die Leiter heran. „Ist das eine Steinplatte da oben?"

Luciana folgte seinem Blick bis zum Ende der Sprossen.

„Yup, sieht ganz danach aus …"

„Klasse, und wie sollen wir die wegbekommen, ohne zu zaubern?"

Nein, es half nicht, Malfoy ohne zu blinzeln mit dem ‚ist-das-dein-Ernst' Blick zu löchern, dementsprechend seufzend wandte sie sich von ihm ab und testete die Stabilität der ersten Stufe der Holzleiter. Knarzend und ein wenig glitschig, dafür schien sie ihr Gewicht zu tragen, daher nahm sie gleich die nächsten Sprosse und überging die Angebrochene mit einer fiesen Verrenkung in die Höhe. Oben angekommen nahm sie die Steinplatte mit Hilfe des Knicklichts richtig unter die Lupe. Wie vermutet war eine deutliche Umrandung sichtbar, wenn auch angefüllt mit undefinierbarem Dreck und Staub.

„Hier, fang", flüsterte sie Malfoy zu und ließ das Knicklicht in seine Richtung fallen. Es landete mit einem dumpfen Aufprall neben ihm auf dem Lehmboden – offenbar dachte er nicht einmal im Traum daran, das unbekannte Leuchtmittel auch nur in die Nähe seiner hochwohlgeborenen Greiferchen zu lassen. Gut, sollte er eben im Dunkeln hinaufklettern, sie hatte ohnehin vorgehabt, den glühenden Stab hier unten zurückzulassen.

Luciana hakte ihren rechten Arm in eine der letzten Sprossen der Leiter ein und stemmte sich mit ihrem gesamten Körpergewicht gegen die massive Steinplatte. Zunächst passierte rein gar nichts und sie hätte auch ebenso gut versuchen können, das Erdreich neben dem Ausgang in Bewegung zu setzen, doch nach dem dritten Anlauf rieselten die ersten Körner Dreck aus dem Zwischenspalt auf sie hinab. Es folgte ein kratzendes Geräusch und Zentimeter für Zentimeter rutschte der Stein aus seiner Fassung in die Höhe. Bis die Platte soweit in den darüberliegenden Raum und zur Seite geschoben war, stand ihr der Schweiß auf der Stirn und ihre kompletten Arme brannten wie Feuer vor lauter ungewohnter Strapaze. Doch die anstrengende Arbeit hatte sich gelohnt – ein seichter, orangener Schein fiel nun von oben in den Tunnel hinein, Luciana steckte vorsichtig ihren Kopf bis zur Nasenspitze heraus und atmete erst einmal einen ordentlichen Schwung kühlen Sauerstoff in ihre Lunge. Erst damit wurde ihr deutlich, wie dünn die Luft in dem Gang gewesen war, dann machte sie schnell die Quelle des Lichtes aus. Rechts von ihr, keine zwei Meter entfernt, war ein großer Kamin in die über und über tapezierte Wand eingelassen worden (oder waren es Wandteppiche? Schwer zu sagen), in dem die letzten Holzscheite hinunterbrannten. Vor dem Kamin stand ein alter, dunkler Sessel, der, zu ihrer Erleichterung, verwaist zu sein schien. Genau wie die beiden Sofas daneben oder die kleine Sitzgruppe am Ende des Raums; mit anderen Worten, die Luft war rein.

Luciana kletterte aus dem freigelegten Loch im Boden und nutzte die Zeit, welche Malfoy benötigte um ihr hinterherzukommen dafür, den Gebäudeplan des Anwesens aus der Tasche zu ziehen und ihn auf dem Holzdielenboden neben dem Kamin auszubreiten. Sie waren im Erdgeschoss herausgekommen, in dem Teil des Hauses, der nicht unterkellert worden war, soweit so logisch. Mit dem Kaminanschluss im Rücken und der Fensterfront zu ihrer Linken, befanden sie sich wohl im ehemaligen Herrenzimmer, das heute offenbar genau für diesen Zweck genutzt wurde. Für sie bedeutete es allerdings nichts weiter, als dass sie am völlig falschen Ende des Anwesens waren und es einmal durchqueren mussten, um überhaupt in die Nähe der einzigen Treppe zu kommen, die in das unterste Stockwerk führte. Gut, so etwas in der Art hatte sie schon vermutet, auch wenn der Missionsbericht und die alten Baupläne sich nicht einig darüber waren, wo genau der Aus- und Eintritt des ominösen Tunnels war.

Malfoy hockte sich neben sie, sobald er den Raum in Augenschein genommen hatte und deutete mit seinem Zeigefinger auf den Plan des Untergeschosses, dort wo früher einmal der Kohlekeller und die Vorratsräume untergebracht gewesen waren. Was dort in der Zeit getrieben worden war, als dieses Gebäude noch dem Zwecke eines Sanatoriums gedient hatte, wollte sie sich erst gar nicht vorstellen … Luciana nickte ihm zu und deutete auf die Umrisse des Zimmers, in dem sie sich gerade befanden und fuhr die Linie entlang, welche den kürzesten Weg zur Treppe in das Kellergeschoss darstellen würde und der nicht völlig verseucht von Schutzzaubern und Schlafgemächern der Todesser-Riege war. Doch der Slytherin schüttelte vehement sein Haupt, dass die Peroxyd-blonden Haare nur so flogen – dann deutete er immer wieder auf einen Raum, der genau auf der Hälfte der von ihr geplanten Strecke lag. Wieso der Knabe nun einen wahren Pantomimenaufstand probte, wollte für sie nicht so recht Sinn ergeben, bis er aus Zeige- und Mittelfinger ein Victory-Zeichen direkt vor ihrer Nase formte. Pardon, Voldemort-Kürzel, alles andere ergab hier nun wirklich keinen Sinn und ja, bei genauerem Hinsehen fiel ihr auf, dass dieses Zimmer laut Snapes Beschreibung der Privatraum des Schwarzen Führers war. Aus diesem Grund war dieser Weg übrigens am wenigsten geschützt und am weitesten von den anderen Quartieren untergebracht, da der ‚Dunkle Lord' offenbar viel Wert auf seine ‚Privatsphäre' legte.

Malfoy hielt ihr noch immer sein fingergeformtes ‚V' vor das Gesicht, doch mehr als ein Achselzucken kitzelte er damit nicht an Reaktion aus ihr heraus.

„Das ist das Zimmer vom Dunklen Lord", zischte er im Flüsterton und hatte ihre Reaktion damit wohl völlig falsch verstanden.

„Das ist das verdammt Haus vom Dunklen Lord, kein Grund, sich in die Hose zu machen", flüsterte sie zurück. „Und jetzt kein Ton mehr!"

Offenbar war er der genau gegenteiligen Meinung, doch letztendlich half er ihr dabei, den Durchgang im Boden wieder mit der Steinplatte zu verschließen und mit ihr den Raum zu durchqueren, bis zur verschlossenen Tür. Verdammt, als Lucianas Hand den kalten, metallenen Knauf berührte, bemerkte sie dieses beklemmende Gefühl, welches sich immer in ihr breitgemacht hatte, wenn sie bei Resident Evil den Safe-Room hatte verlassen müssen … mit dem klitzekleinen Unterschied, dass sie gerade nicht ihren Lebensstand abgespeichert hatte und an diesem Punkt zurückkehren könnte, wenn ein wildgewordener Todesser der Meinung wäre, sie ins Jenseits zu befördern. Oder Schlimmeres. Könnte auch der Schwarze Führer höchst persönlich sein, aber für diese Bedenken war es jetzt sowieso viel zu spät. Malfoy bekundete schon mit rüden und wütenden Gesten seine Ungeduld, und würde sie noch länger hier ausharren, hätten sie gleich einen waschechten Streit um den Türknauf und dass dieser vollkommen lautlos von statten gehen würde … sie sollte wirklich etwas mehr Konzentration aufbringen.

Das Schloss und die Scharniere hatten zumindest genug anstand, ohne Quietschen oder andere, akustische Untermalung ihren Job zu erledigen. Sie machte sich nicht die Mühe, die Tür sperrangelweit aufzustemmen (sie war verdammt schwer für eine simple, zweiflügelige Tür – okay, vielleicht doch nicht ganz so simpel), sondern huschte bei dem ersten Spalt, der ihr breit genug erschien, auf den Gang hinaus. Malfoy tat es ihr gleich und war zumindest so geistesgegenwärtig, die Tür leise und bedacht wieder hinter sich zu schließen.

Der Gang vor ihnen war lang. Verdammt lang und düster, lediglich ein paar verrußte Gaslampen hingen in teilweise sehr schiefen Fassungen an den Wänden und sorgten mit ihrem flackernden Feuer dafür, dass man kaum Schatten von wirklichen Bewegungen unterscheiden können würde. Der Wind pfiff leise durch die Gänge und bei der Grabesstille, die hier herrschte, konnte man jeden einzelnen, knarzenden Balken und jede ächzende Leitung in den Wänden stöhnen hören. Sehr altes Haus, rief Luciana sich ins Gedächtnis – da kam einem die Geräuschkulisse des Grimmauldplatzes wie ein einschlafunterstützendes Hörspiel aus dem Teleshoppingkanal vor. Egal, ebenfalls zweitrangig – je schneller sie diese Gänge durchquert hatten, desto eher würden sie wieder wunderbar matschigen, schottischen Waldboden unter ihren Füßen haben, also vorwärts.

Ihre und Malfoys Schritte wurden von dem zerschlissenen Teppich unter ihren Füßen verschluckt, der vor etlichen Jahren eine dunkelrote Farbe gehabt haben könnte. Das Muster darauf war nur noch an den Seiten zu erahnen, an den Stellen, die weniger genutzt und somit auch nicht bis auf den Grund abgelaufen waren. Über dem gesamten Flur hing ein seltsamer, modriger Geruch, gepaart mit etwas, was einem Desinfektionsmittel gleichkommen könnte – vielleicht Iod? Im Herrenzimmer war ihr dieser jedenfalls nicht aufgefallen und dort war es auch wesentlich wärmer gewesen, als in diesem zugigen Gang.

Theoretisch wusste sie, dass der Zeitpunkt ihres Eindringens ideal gewählt war, genau wie der Weg, den sie eigens ausgewählt hatte. Um drei in der Früh lag, laut Snape, auch die letzte Nachteule in den Federn und Wachen waren lediglich draußen rund um die Uhr postiert. Im Haus selbst gab es nur eine einzige Apparierfläche und wer so dumm war, darüber ohne Erlaubnis oder Aufforderung in das Gebäude einzudringen, würde den Großalarm auslösen … was auch immer das genau zu bedeuten hatte. Trotz dieses Wissens erwartete sie mit jedem Schritt eine Gestalt, die aus einer der vielen Türen zu ihrer Rechten treten würde oder gleich um die Ecke vor ihr auf dem Gang auf sie zukam – was nicht wirklich dazu beitrug, ihr Nervenkostüm zu stabilisieren, dazu versprühte Malfoy neben ihr eine derartige Todesangstaura, dass sie ihn am liebsten zurück ins Herrenzimmer geschickt und ihn wieder abgeholt hätte, wenn es an der Zeit wäre, über die Apparierplattform das Weite zu suchen.

Irgendwann waren sie endlich am Ende des Flurs angelangt und bogen in den nächsten ein, sobald sie vorsichtig um die Ecke gelinst hatten. Auch hier erstreckte sich das gleiche Bild wie in dem letzten; dutzende, geschlossene Türen, die allesamt das große Potenzial aufzuweisen schienen, jeden Augenblick aufspringen zu können und diese Befürchtung intensivierte sich, je näher sie diesem einen, ganz speziellen Zimmer kamen. Natürlich hatte sie nicht mehr daran gedacht, den frisch aufgenommen Todesser an ihrer Seite wegen einer ganz speziellen Sache zu löchern, die ihr in dieser Lage ein klein wenig bessere, geistige Vorbereitung eingebracht hätte. Luciana hatte noch immer wenig Vorstellung davon, wie der Schwarze Führer eigentlich aussah. Das Ministerium hatte eine ganze Reihe von Fahndungsbildern aller möglichen, bekannten Todesser oder denen, die unter Verdacht standen für diese zu arbeiten, herausgegeben, aber ein Bild vom Schwarzen Führer oder zumindest eine Phantomzeichnung? Fehlanzeige, selbst in der ‚Geschichte der Zaubererneuzeit' hatte sie lediglich eine unkenntliche Skizze abgedruckt vorgefunden, die eher einem vermummten Jedi (minus Laserschwert), als einem wirklichen, menschlichen Wesen glich. Diese Geheimniskrämerei oder besser gesagt, Zurückhaltung von wichtigen Informationen war nun schuld daran, dass sie nun nicht einmal in der Lage sein würde, Voldemort zu erkennen, sollte er wider seines üblichen Verhaltens doch auf die Idee kommen, für einen kleinen Mitternachtssnack quer durch das Anwesen zu streifen und dabei ihren Weg zu kreuzen. Allerdings kam Luciana auch gleich der Zwischenfall im Mädchenschlafsaal in den Sinn, während der wenigen Tage, in denen sie noch kein eigenes Zimmer im Gryffindorturm bezogen hatte. Lavender Brown hatte einen Mordsschrecken bekommen, als sie ein Manson-Poster über Lucianas Bett gesehen hatte und schon zu diesem Zeitpunkt war ihr die Frage gekommen, ob der Schwarze Führer wirklich einem blasshäutigen Glatzkopf entsprach, der eine seltsame Augenfarbe hatte. Und hatte Snape im Ministerium nicht irgendetwas von ‚Transformationen' gesagt? Auch wenn sie zu der weniger zartbesaiteten Sorte gehörte und in ihrem Leben einige, seltsame, bis wirklich groteske Dinge gesehen hatte, die Vorstellung von Voldemorts Aussehen genügte, um ihre Schritte noch einmal zu beschleunigen. Die auch gleich wieder gedrosselt wurden.

Malfoy, an ihrem Arm, der sie davon abhielt so schnell wie möglich Land zu gewinnen, oder in diesem Fall Gänge – sie machte gerade Anstalten, seine Hand abzuschütteln, doch irgendetwas in seinem Gesicht hielt sie davon ab. Vielleicht die weit aufgerissenen Augen und sein panisches Umherblicken, dabei sah dieser Flur aus, wie all die anderen, die sie schon hinter sich gelassen hatten. Mit der Ausnahme, dass hier noch weniger Licht brannte, als in den vorherigen. Um genau zu sein, eine Gaslampe am Anfang und eine ganz am Ende, aber wirklich bedrohlich war das doch nicht? Nun ruckte sein Kopf immer wieder in die Richtung einer Tür, die ziemlich mittig ihres Weges lag; das einzig Außergewöhnliche hier: der Lichtschein, welcher durch den Spalt auf den Teppich davor drang. Okay, sie sollten hier wahrscheinlich nicht ungebremst vorbeieilen und riskieren, eine quietschende Holzdiele zu erwischen oder sonst wie auf sich aufmerksam zu machen. Nein, das schien noch immer nicht alles gewesen zu sein, denn Malfoy machte schon wieder das Victory-Zeichen. Voldemort Kürzel, Details, jedenfalls genügend Geste um ihren Adrenalinspiegel ins maßlose zu treiben. Verdammt, hätte der Vollidiot sie nicht einfach unbehelligt an dem Schlafgemach vom Schwarzen Führer vorbeilatschen lassen können, musste sie das unbedingt im vollen Bewusstsein durchziehen? Anscheinend und egal wie lächerlich es für einen Außenstehenden aussehen mochte (bitte nicht, Zeugen waren hier nicht nur für ihre Reputation der Todesstoß), sie fand genügend Gründe, um auf Zehenspitzen über den Boden zu schleichen und den Lichtschein aus dem Türspalt zu meiden, als würde er aus glühend heißer Lava bestehen.

Letztendlich zog auch dieses Hindernis an ihnen vorbei, auch, wenn ihr diese ganze Aktion unendlich langsam vorkam, wie eine dieser Roman-Geschichten, in denen man Monate innerhalb von ein paar Sätzen vorspulte, um dann ein paar verdammte Stunden auf gleich mehrere Kapitel auszuweiten.

Nächste Abbiegung, dieses Mal war es an Luciana, Malfoy am Ärmel zu packen und ihn zu einer Bremsung zu zwingen. Es genügte ein Fingerzeig auf die deckenhohen Fenster auf der rechten Seite, die diesen Abschnitt des Gebäudes flankierten und er begab sich mit ihr in die Hocke. Nicht die bequemste oder schnellste Art und Weise vorwärts zu kommen, dafür liefen sie nicht Gefahr, von irgendeiner der Wachen auf dem Außengelände gesehen zu werden. Es lagen noch drei weitere Abbiegungen vor ihnen, die sie auf diesem Weg hinter sich bringen mussten und am Ende war sich Luciana sicher, dass sie die nächsten Tage nur noch unter großen Schmerzen laufen können würde. Obwohl dies gut zu verkraften war, wenn sie bis dahin überhaupt noch in der Lage wäre, irgendetwas zu tun. Woher kam eigentlich diese plötzliche, negative Einstellung? Bisher hatte alles geklappt, das Haus war wie ausgestorben und in diesem Augenblick nahmen sie die letzte Abbiegung, die endlich zur Treppe in das Kellergeschoss führte. Weibliche Intuition, flötete eine fies klingende Miss Vernünftig in ihrem Innern, die schon vor Antritt der Mission eine Menge hatte sagen wollen und ganz klar überstimmt und letztendlich auch übertönt worden war. Luciana schüttelte dieses Gefühl so gut es ging ab – das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war eine Diskussion mit sich selbst über Sinn und Unsinn dieser Unternehmung, vor allem, da es nun reichlich spät war, einen Rückzieher zu machen.

Dafür, dass ihr Ziel der einzige Weg zu dem Ort war, an dem der Schwarze Führer seine Gefangenen festhielt, war der Eingang dazu beinahe enttäuschend unspektakulär. Fast hätte sie ihn gar nicht bemerkt und wäre daran vorbeigelaufen, hätte Malfoy sie nicht wieder am Ärmel gepackt und sie in die entgegengesetzte Richtung gezogen. Laut ihm und auch den Aufzeichnungen von Snape, wurde dieser Bereich nicht zusätzlich bewacht oder von außergewöhnlich kniffligen Zaubern geschützt. Nicht, weil man so hochmütig war und den Einfallsreichtum von den Insassen unterschätzte, sondern vielmehr die Spezialtüren, denen Snape ein ganzes Kapitel in seinen Aufzeichnungen gewidmet hatte. Sie hatte keine Ahnung, woher der Slytherin-Knabe wissen wollte, dass diese schwarzmagischen Wunderwerke durch Dämonsfeuer bezwingbar waren, allerdings musste sie hierbei darauf vertrauen, dass er nicht so bescheuert war, diese Tortur auf sich zu nehmen, nur um am Ende vor einer verschlossenen Zelle zu stehen. Apropos Zelle – sie sollte wirklich das Grübeln einstellen, vor allem, wenn ihre Aufmerksamkeit auf Hundertfünfzigprozent laufen sollte, dann würde sie auch nicht jedes Mal einen Mordsschrecken bekommen, wenn etwas Unvorhergesehenes geschah. Wie zum Beispiel eine Szenerie, die sich schon auf den letzten Stufen der abgelaufenen, unheimlich schmalen Steintreppe vor ihr ausbreitete und eine derartige Ähnlichkeit mit der in ihren Träumen hatte, dass ihr augenblicklich die Nackenhaare zu Berge standen. Luciana wäre beinahe wie angewurzelt stehengeblieben, doch Malfoy war ab hier nicht mehr zu halten und schubste sie beim Heraustreten aus ihrem Schatten fast den letzten Meter in die Tiefe.

Die Balance wieder finden zu müssen sorgte für die nötige Ablenkung und den nächsten kurzen Adrenalinausstoß, damit sie ihren rationalen Denkapparat wieder ans Laufen bekam. Ja, dieser düstere, feuchte und modrige Gang hatte einige, nicht zu leugnende Parallelen mit dem Gegenstück aus ihren immer wiederkehrenden Träumen, aber die würde wohl jedes Gebäude aufweisen können, dass in der Bauart ähnlich war. Zum Beispiel war die Anordnung der Zellen seitenverkehrt, hier waren sie rechts angeordnet und die Abstände waren viel kürzer, als von dem Gang, den sie in beinahe jeder Nacht betrat. Außerdem war die Decke hier viel niedriger, dazu gerade und nicht gewölbt endend und das Licht kam nicht von Fackeln, sondern einem halben Dutzend Öllampen zwischen den einzelnen Zellen.

Gut, all diese Kleinigkeiten halfen ungemein weitergehen zu können, dazu Malfoy, der von Tür zu Tür trat und in jede der kleinen, vergitterten Luken schaute, um sich doch nur mit verbittertem Blick wieder abzuwenden. Dieses Schauspiel wiederholte sich, solange, bis er fast an der letzten Tür angelangt war. Sie schien nicht die Einzige zu sein, der in diesem Moment der unangenehme Gedanke kam, dass sie überhaupt keine Garantie dafür hatten, dass der Schwarze Führer Malfoys Mutter hier unten festhielt. Vielleicht war sie auch in einer der oberen Zimmer untergebracht, immerhin hatte sie persönlich ja strenggenommen gar nichts Falsches getan, sondern diente nur als Druckmittel? Oder sie war gar nicht in Strafford Castle und man hatte sie ganz woanders hingeschafft? Je weiter sie über diese Möglichkeit nachdachte, desto mehr Sinn ergab sie – ja, ihr genialer, wasserdichter Plan hing nicht nur von einer schier endlosen Reihe glücklicher Zufälle ab, sondern wies immer und immer mehr Löcher auf. Dabei hatte sie dieses Mal nicht die Entschuldigung, zu viel Ossenkämper gesoffen zu haben. Aber hier folgte auch wieder die Fortsetzung der Reihe von glücklichen Zufällen, denn Malfoy blieb haargenau vor der vorletzten Tür stehen und fuchtelte wild mit den Armen, wohl, um ihr ein wenig Feuer unter dem Hintern zu machen. Beziehungsweise der Tür und das konnte er schlecht, wenn sie dieses noch immer als Geisel in einer ihrer Jackentaschen bei sich trug.

Luciana zog das Einmachglas hervor und überreichte es ihm, ganz so, wie sie es in Hogwarts abgesprochen hatten. Dann nahm sie gleich mehrere Meter Abstand, sowohl zu dem Slytherin, als auch zu den anderen Türen, von denen sie nicht bei einer einzigen wissen wollte, wer oder was sich dahinter verbergen mochte. Malfoy verlor keine unnötige Sekunde, schraubte den Deckel ab und streckte seinen Arm nach dem Schloss der Tür aus – ein Antippen mit dem Zeigefinger, so, wie Snape es ihnen im Tränkeunterricht beigebracht hatte und ein Funken sprang über den Hals des Glases, direkt auf die eiserne Vorrichtung. Es grenzte an ein Wunder, dass weder sie noch er einen erschrockenen Schrei ausstießen oder sonst ein verräterisches Geräusch von sich gaben, als das Gewölbe plötzlich in lichterlohen Flammen stand. Gerade, als Luciana die Beine in die Hände nehmen und die Flucht nach oben antreten wollte, war das Feuer verschwunden, so schnell, wie es gekommen war. Zugegeben, vielleicht hatte auch nicht der ganze Gang gebrannt, sondern lediglich die Tür, aber für einen Moment hatte es wirklich danach ausgesehen. Jetzt sah sie nur noch ein paar Aschefetzen, die gemach zu Boden rieselten und Malfoy, der in der Zelle verschwand.

Für einen Moment zögerte sie, doch letztendlich hatte sie wenig Bedürfnis, hier auf ihn zu warten und nahm die paar Schritte, um selbst durch den nun offenen Eingang zu treten. Der Raum war winzig. Und nicht wirklich als solch einer zu bezeichnen, selbst für eine Zelle sah es hier ziemlich trostlos aus. Sie brauchte nur zwei Schritte und sie hatte die Pritsche, oder was auch immer dieses morsche, wackelige Gebilde aus Holz darstellen sollte, erreicht. Dabei war dieser Anblick nichts gegen den Gestank, der ihr augenblicklich entgegenschlug. Doch bevor sie auf die Idee kommen konnte, die Ursache dafür zu finden, eröffnete sich schon das nächste Problem vor ihren Augen.

„Ich bekomme sie nicht wach", flüsterte Malfoy und schon jetzt schwang eine deutliche Spur der Panik in seiner Stimme mit. Luciana trat noch einen halben Schritt näher – verdammt, säße der Junge nicht neben dem Körper dieser bewusstlosen Frau, sie hätte die Dame aus der Nokturngasse nie im Leben wiedererkannt. Nicht bloß, dass ihr Haar offen, verschmutzt und zerzaust von dem Gestell bis zum feuchten Kerkerboden hing und kaum dem streng zurückgebundenen, hübsch anzusehenden Geflecht ihrer letzten Begegnung glich, nein, man hatte sie zusätzlich in einen Fetzen gesteckt, der gut und gerne Ursache des üblen Geruchs sein konnte. Irgendetwas an dieser Klamotte kam ihr unheimlich bekannt vor … das Licht ging ihr auf, als sie eine verdreckte Kennungsnummer in der Brustregion dieses umfunktionierten Sacks eingenäht sah, die Endziffern rüttelten an ihrem löchrigen Erinnerungsvermögen … Askaban, das war die Kleidung der Askabaninsassen. Zweitrangig, Malfoy war mittlerweile vom sanften Schütteln zum Schleudergang gewechselt und wenn der Knabe so weitermachte, würde die Dame nicht nur nie wieder die Augen öffnen, sondern Luciana könnte es bald mit einem noch weniger zurechnungsfähigen Malfoy zu tun haben. Vor allem, wenn er bei einer Rettungsmission seiner eigenen Ma ein Schädelhirntrauma zufügte. Oder ihr gleich das Genick brach.

„Hör auf!", zischte sie ihm zu und drückte ihn von seiner Mutter weg. Dann legte sie zwei Finger an die Halsbeuge der Frau. Zwar hatte sie wenig Erfahrung mit Pulsgeschwindigkeit und Stärke, allerdings musste sie kein Profi sein, um sagen zu können, dass die Haut unter ihren Fingern eine Spur zu kühl und der leichte Schlag gegen ihre Fingerkuppen zu langsam und seicht war. In dieser Situation hatte sie wenig Bedürfnis, gleich von dem Schlimmsten auszugehen, also kam sie zu einem weitaus angenehmeren Schluss.

„Die müssen sie mit einem Zauber oder einem Trank außer Gefecht gesetzt haben", flüsterte sie und nahm ihre Hand von Mrs Malfoy. Direkt im Anschluss an diese Aussage kam ihr auch gleich der Gedanke, dass dies ziemlich schlecht war – nicht nur, in Hinsicht auf den Gesundheitszustand der Frau, der von ‚wacht in einer Stunde wieder auf' bis zu ‚bekommt ein Zimmer neben Longbottoms Eltern' alles bedeuten konnte, nein, diese Szenerie hatten Malfoy und sie vor Antritt hierher einfach nicht bedacht.

„Und was jetzt?", fragte Malfoy verzweifelt.

„Kannst du sie tragen?"

Er überlegte kurz und nickte dann. Luciana hoffte inständig, dass er sich mit dieser Einschätzung nicht übernehmen würde. Andererseits, eine andere Wahl hatten sie kaum. Stichwort: Guerilla-Kronleuchter des Grauens.

„Aber", setzte er nun an, in dem Moment, als ihm anscheinend genau die Kleinigkeit aufgefallen war, die sie schon seit Anblick der Bewusstlosen im Sinn gehabt hatte.

„Aber du kannst nicht drei Personen apparieren", vollendete sie seinen Satz.

„Ich kann es versuchen", flüsterte er, doch klang dabei wenig überzeugt.

„Sicher, damit wir am Ende alle als Frikandel-Spezial im Verbotenen Wald aufschlagen."

Malfoy zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne, begann darauf herumzuknabbern und wich ihrem Blick aus.

„Jetzt fang nicht an wie Granger", fauchte sie leise und setzte ein „Mit der solltest du übrigens mal reden, sie fällt mir seit Monaten auf den Wecker mit dir."

Überrascht sah er auf, öffnete den Mund; aber mal ehrlich, der Zeitpunkt könnte nicht beschissener sein.

„Planänderung", sagte sie leise. „Du nimmst deine Mutter und gehst mit ihr zum Ballsaal, im Raum daneben ist die Apparierzone."

„Ich weiß, wo die Apparierfläche ist!", schnaubte er, doch seine gesamte Mimik schrie danach, dass ihm diese Planänderung überhaupt nicht schmeckte. „Was ist mit dir? Vielleicht bleibt mir genügend Zeit um zurückzuspringen und dich mitzunehmen."

„Hast du in Verteidigung gepennt?", fragte sie und blinzelte ihn ungläubig an. „Mehrere hunderte Kilometer springen und das dreimal hintereinander mit Beifahr- springer?" Seine Schultern sanken in die Tiefe, doch er widersprach ihr nicht. „Ich gehe zurück in den Herrensalon, hast du eine Uhr dabei?"

Malfoy nickte und streckte ihr sein Handgelenk entgegen. Luciana vergewisserte sich, dass seine und ihre Uhr auf die Minute genau gingen.

„Wir haben kurz nach drei. Wir haben gerade zwanzig Minuten von dem Tunnel hierher gebraucht, lass uns einen Puffer von zehn Minuten oben auflegen – also, halb vier, du wirst keine Sekunde früher apparieren, dann müsste ich schon längst unter der Erde sein. Und hier kann der Alarm losgehen, okay?"

„Aber dann hängst du in der Ruine" „Kornspeicher" „in diesem Haufen gammliger Steine fest!"

„Quatsch, ich hab Monetas!", sagte sie aufmunternd, obwohl sie sich gerade überhaupt nicht danach fühlte. „Und eine American Express, sobald ich in der Stadt bin und die ist ja echt mal nicht weit, drück ich jemanden Papier oder Plastik in die Hand und ich bin schneller an einem Bahnhof und auf dem Weg nach London, als die hier bemerkt haben, dass denen eine Gefangene fehlt. Dann in den Tropfenden Kessel, von da aus in die Drei Besen und die oben im Schloss bekommen gar keinen Wind davon, dass ich weg war. Ist doch eh Samstag, kein Unterricht."

„Ich weiß nicht, sollte ich in Hogwarts nicht lieber wem sagen, dass –„

„Du sagst keinen Ton über mich", zischte sie und sah ihn verdammt biestig an. „Das war deine Idee und du wirst nicht mal an meinen Namen denken", vor allem nicht, wenn ein gewisser Gedankenleserexperte in der Nähe sein sollte. „Kein Wort vom Tunnel, halt dich an den Plan und bitte Dumbledore um Hilfe, er ist sowieso der Einzige, der dich und deine Ma jetzt noch schützen wird." Solange er im Austausch dafür seine Seele bekam. Malfoy sah noch immer nicht überzeugt aus.

„Wenn du mich nicht an den Galgen bringen willst, dann hältst du den Mund. Ich war niemals hier."

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Diese Anweisung an den Slytherin-Knaben könnte einer der Gründe sein, wie und warum sie jetzt von Todessern umzingelt inmitten des Herrenzimmers stand, keine drei Schritte von dem Ausgang entfernt, der den Plan hätte wasserdicht werden lassen können. Wäre sie auf dem Rückweg nicht beinahe in die Arme eines Typen gelaufen, der lieber in Richtung der nächsten Seuchenschutzbehörde und nicht die der Küche geschlichen wäre. Das hatte sie die ersten fünf Minuten gekostet, die nächsten, ungeplanten zehn weiteren waren an einen Hauselfen draufgegangen, den sie … zugegebenermaßen, auf ziemlich unschöne Art und Weise mit dem Schaft ihrer neun Millimeter auf den Schädel ausgeknockt hatte, was keine Minute beansprucht hätte, wäre sie nicht so sorgfältig gewesen, den bewusstlosen Körper des kleinen Dings in die nächstbeste Besenkammer verfrachtet zu haben. Dann waren auf den Gängen die Türen reihenweise aufgeflogen, es hatte an ein schieres Wunder gegrenzt, dass sie ein verlassenes Zimmer hatte auftreiben und dort ausharren können, bis die Luft wieder rein gewesen war. Lange Rede, ziemlich unschönes Ende, sie hatte das Zeitfenster, welches sie selbst erdacht hatte, verpasst und woher hatte sie auch wissen sollen, dass der Treffpunkt bei einem ausgelösten Alarm, wegen unbefugter Nutzung der Apparierzone, ausgerechnet das verschissene Herrenzimmer war?

Drei Schritte, vielleicht zwei und sie wäre belanglos aus dieser Festung spaziert. Dabei war sie sich bei dem Anblick der Gestalten um sie herum gar nicht mehr so sicher, ob die Alternative, dem Orden und ihrem Paten gestehen zu müssen, alle Regeln über Bord geworfen und sich Hals über Kopf ins Schlammassel geritten zu haben, nicht die Bessere gewesen wäre, vor der, welche ihr jetzt zweifelsohne blühen würde.