Kapitel 36
So selbstsicher Hermine auch geklungen hatte, als sie Sirius' Zimmer verließ, so wenig überzeugt war sie am nächsten Tag von dem Plan, zu dem es eigentlich keine Alternative mehr gab. Zwar fühlte es sich ausnehmend gut an, wenn Sirius ihrer Kehrseite zufällige Berührungen zukommen ließ, doch diese Euphorie hatte die Angewohnheit zu verschwinden, wenn die Erregung sich legte.
Dann kehrte das mangelnde Vertrauen zurück, das sie Snape entgegenbrachte. Schon die Vorstellung, sich vor ihm auszuziehen, sorgte dafür, dass ihre Nackenhaare sich sträubten. Sie kam nicht über die Angewohnheit hinweg, sich diesem Mann gegenüber so unangreifbar wie möglich zu zeigen. Sieben Jahre Unterricht hatten sich tief in ihre Instinkte gegraben.
Und wie es Hermines Art war, begegnete sie diesem Konflikt auf die übliche Art. Zuerst lenkte sie sich mit der Uni ab, dann vergrub sie sich in der Bibliothek im Grimmauldplatz und wälzte alle Bücher, die sie in der öffentlichen Bücherei zum Thema Analsex gefunden hatte.
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Es war bereits spät am Nachmittag und noch immer hing sie über Büchern. Ihre Augen waren mittlerweile so groß wie Handteller und es war mehr als einmal vorgekommen, dass ihr Schoß angesichts dieser doch recht plastischen Lektüre zu pochen begonnen hatte. Sie wusste nicht, ob es das Thema an sich oder nur die Auswahl der Bücher war, doch die Autoren gingen recht offenherzig an die Sache heran.
So kam es, dass ihre Wangen ohnehin schon glühten wie bei einem Fieberschub, als die Tür zur Bibliothek aufgerissen wurde. Wie von der Tarantel gestochen klappte Hermine alles zu, was vor ihr auf dem Tisch lag – nur um dann zu erkennen, dass die Einbände weitaus mehr über das Thema verrieten, als die aufgeschlagenen Seiten vorher.
Zeitgleich mit dem Schlagen der Bücher, fiel auch die Tür wieder ins Schloss, so dass ein mehrtöniges Knallen den sonst ruhigen Raum durchriss. Snape (denn wer sonst hätte sie auch in diesem Moment hier erwischen sollen?) wirbelte herum, die Augen schmal und das Gesicht grimmig verzerrt. Bis er erkannte, wen er vor sich hatte.
„Das ist ein schlechter Scherz", ging es ihr durch den Kopf, „ein absolut schlechter Scherz. Solche Zufälle gibt es im realen Leben doch überhaupt nicht.
Doch Snape stand äußerst real vor ihr. Er entspannte sich und seine Lippen kräuselten sich zu etwas, das Hermine nicht eindeutig zuordnen konnte. Sie starrte ihn an wie eine Geistererscheinung und versuchte möglichst unauffällig, die Bücher von der Tischplatte auf den Stuhl neben sich zu schieben. Wodurch sie seine Aufmerksamkeit natürlich nur noch mehr darauf lenkte, als ihr hastiges Zuschlagen es schon getan hatte. Ohne auch nur einen Schritt näher an den Tisch zu treten, verwandelte sich das unidentifizierbare Etwas seiner Lippen in ein höhnisches Lächeln und er fragte: „Eignen Sie sich theoretisches Wissen an, das Sie mir bei Gelegenheit um die Ohren hauen wollen, Miss Granger?"
Das Blut, das ihr in den letzten Sekunden aus welchen Gründen auch immer aus dem Gesicht gewichen war, kehrte pochend zurück und sie spürte, wie ihr der Schweiß ausbrach. Noch dazu hatte sie einen Frosch im Hals, so dass sie auch ohne die Leere ihres Verstandes nicht mehr als ein heiseres Röcheln hervorgebracht hätte.
Er schnaubte leise und kam nun doch zu ihrem Tisch, stützte sich auf der Tischplatte ab und beugte sich ein Stück zu ihr herunter. „Ich würde Dinge dieser Art normalerweise nicht einmal unter Androhung von Folter zu Ihnen sagen, doch diese Wette scheint sich gerade zu einem Wettbewerb zu entwickeln." Er sprach mit einer feinen Präzision, die ihre Haare neuerlich dazu anregte, sich aufzustellen. Ein Prickeln fuhr dabei ihre Wirbelsäule hinunter und verendete irgendwo in ihrem Schoß. „Sie werden durch Bücher niemals herausfinden, was es ist, das Black zu mir treibt. Genauso wenig wie dort steht, warum ich ihn nicht jedes Mal wieder vor die Tür setze. Wenn Sie dieses Mysterium ergründen wollen – und ich weiß, dass Sie es wollen – führt kein Weg an mir vorbei."
Hermine räusperte sich schwerfällig. „Im Moment gibt es nur ein Mysterium, das ich zu ergründen versuche, Sir." Sie machte eine Pause und testete eine irrwitzige Theorie, indem sie sich mit der Zunge über die Lippen fuhr. Prompt zuckte Snapes Augenbraue in die Höhe und gab ihr einen Teil ihres Selbstbewusstseins zurück. „Ich würde zu gerne wissen", fuhr sie dann fort, „warum die falschen Leute immer zur falschen Zeit am falschen Ort auftauchen."
„Das mag daran liegen", erwiderte er in einem Tonfall, in dem man vielleicht eine Einkaufliste vorlesen würde, „dass manche Leute einen Tritt in ihren Hintern brauchen, ehe sie eine einfache Entscheidung treffen können."
„Welche Entscheidung meinen Sie denn, Sir?" Sie konnte sich nicht helfen, doch irgendwie schwand die Verlegenheit, mit der diese Begegnung begonnen hatte, allmählich und es begann Spaß zu bringen.
„Die Entscheidung zwischen Gewinnen und Verlieren, Miss Granger. Sie haben sie schon einmal getroffen. Es sollte nicht so schwer sein, es ein weiteres Mal zu tun. Vorausgesetzt Sie schaffen den Schritt von der Theorie in die Praxis." Er wartete einen Moment ab, ob sie noch eine Antwort auf seine Worte hatte, doch die hatte sie nicht. Das einzige, das sie dazu hätte sagen können, war, dass er Recht hatte – und sie es sich trotzdem schwer machte.
Also wandte Snape sich ab und verschwand zwischen den Bücherregalen, um dem eigentlichen Grund, der ihn hergeführt hatte, nachzugehen.
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Ginny war gerade damit beschäftigt, sich die Haare zu kämmen, als Harry müde das Badezimmer betrat. Sie beobachtete im Spiegel, wie er sich das graue T-Shirt, das er zum Schlafen trug, über den Kopf zog und in den Korb mit der dreckigen Wäsche warf.
„Hat er schon wieder gespuckt?", fragte sie mit einer Routine, die ihr mittlerweile selbst unheimlich wurde.
„Jaah", erwiderte er und kratzte sich am Kopf. „Ich frage mich, ob ich irgendetwas falsch mache..."
„Mom meinte, es wäre normal. Das gibt sich mit der Zeit."
Er kräuselte die Nase. „Hoffentlich bevor mir die sauberen T-Shirts ausgehen."
Ginny lächelte sadistisch. „Weißt du, es gibt Reinigungszauber..."
„Mein Zauberstab ist im Wohnzimmer", gähnte er herzzerreißend und wirkte etwas planlos, wie er so im Bad stand und anscheinend nicht mehr wusste, ob er duschen, oder sich nur die Zähne putzen wollte.
„Da liegt er gut." Sie hatte es endlich geschafft, auch die letzten Kletten aus ihren roten Haaren zu ziehen, und legte nun die Bürste beiseite. „Ich warte im Schlafzimmer auf dich", sagte sie dann, küsste ihn kurz und konnte sich nicht davon abhalten, über seine nackte, warme Brust zu streichen.
„Ist das ein Versprechen?" Seine Augenbrauen zuckten nach oben.
„Vielleicht..." Ginny lächelte auf eine Art, die sie ihm seit den ersten Monaten der Schwangerschaft nicht mehr hatte zuteil werden lassen. Denn je mehr Tage vergingen, desto größer wurde ihr schlechtes Gewissen.
Nicht so groß jedoch, dass sie der Enthaltsamkeit schon heute ein Ende setzen würde. Harry war sowieso viel zu müde, um mit ihr zu schlafen. Was vermutlich auch der Grund war, aus dem sie zusammen mit James um sieben Uhr abends ins Bett gingen. Doch sie hatte einen Plan und um diesen umsetzen zu können, war es nicht verkehrt, ihm einige der begehrten Früchte vor die Nase zu halten.
Nachdem sie ein letztes Mal nach James gesehen hatte, der nun, da er sein Abendessen zum Teil wieder losgeworden war, ruhig seiner nächsten Mahlzeit entgegen schlief, legte sie sich ins Bett und kuschelte sich tief unter die warme Decke.
Es dauerte nur knappe fünf Minuten, ehe Harry ihr folgte, sich auf dem Weg durch das dunkle Zimmer den Zeh anstieß und fluchend ins Bett fiel. Ginny kicherte leise und suchte nach seinem Oberkörper, an dem sie ihre kühle Hand zu wärmen gedachte.
Harry zischte erschrocken auf, als sie ihr Ziel gefunden hatte. „Steckst du deine Hände ins Eisfach, bevor du ins Bett gehst, oder leidest du unter mangelnder Durchblutung?"
„Was würde denn eher dafür sorgen, dass du mich wärmst?"
„Beides."
„Dann ist es beides."
Daraufhin streckte er den Arm aus und zog sie an sich. Ginny seufzte zufrieden und schloss die Augen, doch ans Schlafen dachte sie noch nicht. Sie wartete nur darauf, dass Harry langsam wegdämmerte und so in den Zustand verfiel, in dem sie am ehesten eine Zustimmung von ihm bekommen würde.
Nach ein paar Minuten prüfte sie vorsichtig, ob er schon soweit war: „Harry?"
„Mmhm", brummte er etwas verzögert. Darauf hatte sie gehofft.
„Ich möchte noch ein Kind, Harry."
„Hm?"
„Ein zweites Kind. Ein Geschwisterchen für James. Noch einen Schreihals, der uns nachts wachhält." Sie flüsterte und sprach so schnell, dass die Worte beinahe ineinanderglitten.
„Jetzt?", fragte er nach ein paar Momenten und schien sich große Mühe zu geben, wieder wach zu werden.
„Nein, nicht jetzt", beeilte Ginny sich deswegen zu sagen. Vorerst brauchte sie nur seine Zustimmung für ein zweites Kind. Über das Wann ließ sich noch diskutieren. „Aber bald. In ein paar Monaten vielleicht..."
„Oh..." Er schwieg kurzzeitig. „Okay." Dann drehte er sich auf die Seite, grub die Nase in ihre Haare und schnaufte, als hätte er gerade den Mount Everest bestiegen.
Ginny hingegen biss sich zufrieden auf die Unterlippe und strich durch seine widerspenstigen Haare. Ihr Mutter hatte steif und fest behauptet, dass Männer sich nur einmal auf diese Art ein Kind aus den Rippen leiern ließen. Ginny genoss es über alle Maßen, den Gegenbeweis zu erbringen.
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Hermine starrte auf den Sekundenzeiger der Wanduhr, als könne sie ihn durch reine Willenskraft dazu bringen, stehen zu bleiben. Nur für ein paar Minuten. Oder auch für immer. Aber doch bitte gerne lange genug, damit sie eine Antwort auf ihre Frage fand.
„Spielst du immer noch Gedankenpingpong?"
Sie erschrak und wandte sich zur Tür um. Sirius stand gegen den Türrahmen gelehnt und lächelte.
„Jaah", erwiderte Hermine kläglich und stützte den Kopf in die Hand. „Immerhin hab ich noch eine Stunde."
„Und du meinst, diese Stunde wird etwas an der Entscheidung ändern, die du tief in dir schon längst getroffen hast?"
Sie kniff die Augen zusammen. „Hast du deine poetischen fünf Minuten?"
Sirius gab ein Geräusch von sich, das wie eine widerstrebende Zustimmung klang. Dann löste er sich von der Tür und stützte sich vor ihr auf den Tisch. Seine Nasenspitze war nur ein kleines Stück von ihrer entfernt und der Geruch seines Rasierwassers floss um ihr Gesicht wie flüssiges Wachs. „Warum zögerst du?", fragte er samtig und obwohl Hermine wusste, dass er seine Stimme gezielt einsetzte, um ihr den Kopf zu verdrehen, konnte sie sich dieser Wirkung nicht entziehen.
„Weil ich nicht weiß, ob ich das wirklich will."
„Hm!", machte er. Dann griff er nach ihren Händen und zog sie auf die Füße. Hermine schwankte kurz, doch Sirius drehte sich herum, so dass er den Rand des Küchentisches als Stütze hatte und sie fiel gegen ihn. „Dann lass es uns herausfinden."
Ehe sie widersprechen konnte, beugte er sich vor und küsste sie. Geschickt saugte er ihre Unterlippe in seinen Mund, fuhr mit der Zungenspitze daran entlang und lockte sie so lange, bis sie sich dem Kuss hingab.
Während er sie so ablenkte, glitten seine Hände an ihren Armen hinunter und legten sich warm und mit angenehmem Druck auf ihren Po. Die Jeans, die sie trug, verstärkte das Gefühl der Wärme nur noch und als er mit seinen kurzen Fingernägeln über die Rillen im Stoff kratzte, zuckte sie heftig zusammen.
Sie wollte sich von Sirius losmachen und wieder zu Verstand kommen, doch das war nicht das, was er geplant hatte. Zwar schob er ihren Unterleib ein Stück von sich, aber seine Lippen hielten ihre fest und verstärkten das hirnverdrehende Spiel sogar noch.
So bekam sie gar nicht mit, dass er ihre Hose öffnete. Erst als er zwischen den Stoff ihres Slips und ihre Haut schlüpfte, wurde ihr bewusst, was er da tat. Und da war es schon fast zu spät.
Definitiv zu spät war es allerdings, als sie es endlich geschafft hatte, sich aus diesem Kuss zu lösen. Denn da hatte Sirius sich bereits so weit vorgearbeitet, dass einer seiner Finger zwischen ihren Backen verschwand und ihren Anus reizte.
Hermine schnappte überrascht nach Luft und riss die Arme hoch, um sich an Sirius' Schultern abzustützen. Die Küche um sie herum drehte sich für einen Moment und als sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte, stieß er mit der Fingerspitze gegen ihren Schließmuskel, vorsichtig zwar, aber stark genug, damit er ein kleines Stück hineinglitt.
Das fremdartige Gefühl löste eine zwiespältige Reaktion in Hermine aus. Es war ein bisschen unangenehm und sie war überzeugt, wenn es nicht nur Sirius' Finger wäre, der in sie einzudringen versuchte, würde es bestimmt auch schmerzhaft sein.
Dennoch zuckten ihre Muskeln unter der Erregung und sie spürte den Wunsch in sich keimen, dass er weitermachen sollte. Es war wie wenn man einen Lichtschimmer in einer dunklen Wohnung sah; man konnte nicht umkehren, ehe man die Quelle gefunden hatte, egal wie beängstigend der Weg dorthin auch sein mochte.
Hermines Griff um seine Schultern wurde stärker und sie lehnte den Kopf vor, bis ihre Stirn sein Kinn berührte. Sirius' Atem strich durch ihre Haare und ließ einige vereinzelte flattern. Sie gab einen wohligen Laut von sich und drückte den Rücken durch.
„Ich denke, das ist Antwort genug", entschied der Animagus dann und zog seine Hände aus ihrer Hose. Noch während Hermine murrte und sich beklagte über das plötzlich Ende dieser Verführungsaktion, knöpfte er ihr die Hose wieder zu und schob sie von sich, allerdings nicht ohne ihr noch einen Kuss auf die Stirn zu geben.
„Geh zu Schniefelus und sag ihm, dass du mitmachst. Du wirst es nicht bereuen."
Sie gab ein Geräusch von sich, das wie „Hmpf!" klang. „Aber nicht jetzt!", entschied sie dann. „Ich habe noch fünfundfünfzig Minuten und es schadet sicherlich nicht, ihn ein bisschen zappeln zu lassen."
Ein Grinsen breitete sich auf Sirius' Gesicht aus. „Das ist die richtige Einstellung."
Hermine biss sich auf die Unterlippe, während eine zarte Röte ihre Wangen überzog. „Ich geh duschen."
„Schon wieder? War ich heute morgen nicht gründlich genug?"
„Mit dir unter einem Wasserstrahl wird man nicht sauber, Sirius."
„Vielen Dank für die Blumen."
„Gern geschehen. Wir sehen uns später."
„Wehe dem nicht!"
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Hermine warf einen Blick zur Uhr, als sie aus dem Bad kam. Es war kurz nach halb acht. Also hatte sie immer noch genug Zeit, um sich in aller Ruhe fertig zu machen und nach unten ins Labor zu gehen.
Nun, vorausgesetzt Sirius plante nicht wieder einen seiner spontanen Besuche, die sie meistens mehr Zeit kosteten, als sie generell zu entbehren hatte. Nicht, dass sie ihn davon abhalten würde.
Wenn ihr Gesicht nicht von der Hitze des Wassers ohnehin rosig gewesen wäre, hätten die schlüpfrigen Gedanken, die ihr momentan den Verstand vernebelten, dafür gesorgt. Sie sollte zusehen, dass sie die Geschichte mit Snape so bald wie möglich über die Bühne brachte, damit sie sich endlich wieder mehr auf die Uni konzentrieren konnte.
Sie ging zum Schrank und warf einige Sachen aufs Bett, die sie gleich anziehen wollte. Im Gegensatz zu Tonks, die schon mehrfach ihren gesamten Schrankinhalt auf ihrem Bett verteilt hatte, bis sie endlich halbwegs zufrieden mit ihrer Kleiderwahl war, hatte Hermine sich irgendwann angewöhnt, ihre Pullover und Hosen immer vom Stapel weg anzuziehen. Was oben lag, war genauso gut wie das, was unten lag. Nur dass man leichter herankam.
Sie war gerade dabei, ihre Haare mit dem Handtuch trocken zu rubbeln, als ein leises Klopfen an der Tür sie ablenkte. Hermine drehte sich der glatten weißen Holzfläche zu und kniff die Augen zusammen. „Sirius, bist du das?"
„Lässt du mich rein, wenn ich ja sage?" Seine Stimme klang gedämpft, doch den Schalk darin hätte nicht mal Panzerglas verbergen können.
„Nein!"
„Dann bin ich es nicht. Ähm... ist er es nicht."
„Ich lass dich trotzdem nicht rein." Sie warf das feuchte Handtuch über die Lehne ihres Schreibtischstuhls und nahm den Zauberstab vom Bett, um ihre krausen Locken zu bändigen.
„Warum nicht?"
„Weil Snape eine viel zu gute Nase hat, um dich nicht auf mir zu riechen. Ich hatte nicht vor, mich einem rasenden Tränkemeister auszuliefern."
Ein kehliges Lachen klang durch die Tür. „Du weißt ja nicht, was dir entgeht...", raunte Sirius.
„Ich will es heute Nacht auch nicht erfahren."
Ein falsches Niesen erklang, das sich sehr nach „Feigling!" anhörte.
„Verschwinde, Sirius!"
„Okay, okay. Aber ich werde dich im Auge behalten. Mach ja keinen Rückzieher!" Eine Diele im Flur knackte, als er in sein Zimmer zurückkehrte.
Hermine versuchte das Hämmern ihres Herzens mit ein paar tiefen Atemzügen unter Kontrolle zu bekommen. Worauf hatte sie sich da bloß eingelassen?
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„Wir sollten zusammenziehen. Das wäre praktischer, wenn das Baby erstmal da ist und außerdem finde ich es sowieso umständlich, ständig zwischen deiner und meiner Wohnung zu pendeln. Von den zwei Mieten ganz zu schweigen. So ein Baby kostet ja immerhin auch eine Menge Geld und es wäre Verschwendung, das Wenige, das wir haben, in zwei Wohnungen zu investieren. Außerdem... würde ich gerne hier wohnen. Wir beide... zusammen... Weißt du, ich denke, das könnte funktionieren..."
Ein leises Brummen unterbrach den Monolog.
„Du musst gar nichts sagen. Ich weiß, dass dir das zu schnell geht. Aber sieben Monate sind nicht viel Zeit und wenn ich erstmal aussehe wie Moby Dick wird es mit dem Umzug nicht leichter. Was meinst du, reicht deine Wohnung, oder sollten wir uns eine neue suchen?"
Ein tiefes Seufzen.
„Ja, ich denke auch. Eine neue Wohnung wäre schöner. Dann können wir gleich ein Zimmer für das Baby einplanen."
Tonks biss sich auf die Unterlippe und der Wolf, der zusammengerollt auf dem breiten Bett lag, sah sie an, als würde er sie verstehen. Seufzend lehnte sie den Kopf zurück und strich sich über den noch flachen Bauch.
Remus hatte ihr zähneknirschend erlaubt, hier zu bleiben, wenn sie ihm nur versprach, sich dem Bett ja nicht zu näheren. Unter keinen Umständen!
Nun, der Sessel, in den sie sich mit einer Wolldecke gekuschelt hatte, stand gut zwei Meter vom Bett entfernt. Das war alles andere als nah.
Ein leises Knurren grollte durch die beeindruckende Kehle des Werwolfes. Tonks schauderte. Dann streckte sie die Hand aus und entzündete die Kerze, die auf dem Nachttisch stand. Das schemenhafte Dunkel des Schlafzimmers war ihr doch etwas unheimlich, wenn sie es mit einem Wolf teilen musste, und da sie ohnehin nicht damit rechnete, heute noch in den Schlaf zu finden, konnte sie auch lesen.
Träge kämpfte sie sich aus dem Sessel und tapste ins Wohnzimmer hinüber. Das Bücherregal, das den Kamin einrahmte, war zum größten Teil mit Gesetzestexten gefüllt. Sie lächelte über die Besessenheit, mit der Remus Jura studiert hatte, obwohl er als Werwolf keinerlei Aussichten hatte, jemals in einem entsprechenden Beruf zu arbeiten. Nichtsdestotrotz hatte er gelernt, Geld aus seinem Wissen zu schlagen; es gab immer welche, die sich einen offiziellen Anwalt nicht leisten konnten und sich von Remus beraten ließen. Zwar mussten sie sich dann vor Gericht selbst verteidigen, doch mit seinen Strategien war das nur ein nötiges Übel.
Nachdem sie ein Licht an der Spitze ihres Zauberstabes entzündet hatte, wanderte sie die Titel entlang und versuchte ein Buch zu finden, das sich möglichst nicht mit Jura beschäftigte. Der Kontakt, den sie als Aurorin damit hatte, reichte ihr vollkommen.
Schließlich fand sie einen Roman, lächelte zufrieden und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Der Wolf war ruhig geworden und die Wärme, die der massige Körper ausstrahlte, hob die Zimmertemperatur auf ein angenehmes Maß. Dennoch wickelte sie sich wieder in die Wolldecke und steckte sie vor allem um ihre Füße fest, ehe sie das Buch aufschlug und zu lesen begann.
Sie hielt ziemlich genau eine halbe Stunde durch. Dann rutschte ihr Kopf zur Seite und sie schlief ein – genauso wie der Wolf von einer angenehmen Ruhe überwältigt.
