Als sie wieder in ihren Räumlichkeiten ankamen, streckte Draco seinen Arm nach Leo aus. „Dürfte ich?"

„Natürlich." Ginny gab ihm seinen Sohn und versuchte ihre Schultermuskeln zu entspannen, die sich anfühlten, als wären sie verknotet.

„Immer noch angespannt?" Draco beobachtetet sie, als sie ihre Schultern langsam kreisen ließ. Sie nickte zustimmend. „Warum genehmigst du dir nicht ein heißes Bad und Leo und ich verbringen ein bisschen Zeit zu zweit?"

Ginny wollte unbedingt wissen, was er plante mit Leo zu tun. Sie wollte ihn jedoch nicht kränken oder ihm ausreden, Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Sie vertraute darauf, dass er wusste was richtig war. „Das klingt gut. Ich denke, ich werde mich ordentlich aufwärmen und dann ins Bett gehen." Ihr kam ein Gedanke in den Sinn, den sie sogleich aussprach. „Wenn er zu unruhig wird, kannst du ihn mir gerne bringen."

Nachdem sie die Tür zum Badezimmer hinter sich geschlossen hatte, rief sie Libby. „Libby, kannst du mir bitte ein Bad einlassen?"

Sie wusste, dass der Hauself ihr binnen Sekunden ein angenehmes Bad vorbereiten konnte, während sie gute Zehn Minuten brauche würde, um das gleiche zu tun.

Libby erschien und füllte die Badewanne bis zum Rand mit wohl riechendem Wasser. Seifenblasen schimmerten im dimmen Licht des Badezimmers und füllten den Raum mit einem leichten Lavendel-Duft.

„Danke," sagte Ginny an Libby gewandt und wartete darauf, dass der Hauself aus dem Raum apparierte. Sobald sie alleine war, ließ sie ihre Robe auf den Boden fallen und glitt langsam in das herrlich warme Wasser. Sie fuhr mit der Hand durch den Schaum und bließ die Luftblasen von ihrer flachen Hand. Sie fasste den Entschluss Leo bald zu zeigen, wie schön es war mit Seifenblasen zu spielen.

Sie merkte, wie sich ihre Muskeln immer mehr entspannten. Sie zwang ihr Hirn dazu, sich auf die schönen Momente des Abends zu konzentrieren. Viele der Leute, die Draco ihr heute vorgestellt hatte, waren freundlich gewesen. Sie begann zu verstehen, dass viele scheinbar nette und gute Menschen ihr Leben Voldemort verschrieben hatten. Sie fragte sich, ob sie entschieden hatten ihm zu folgen, weil sie erkannt hatten, dass sie ihm nicht entfliehen konnten.

Ihr Gedanken wanderte zu Draco. Sie versuchte den Vorfall mit Bella nach hinten zu schieben. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf wie charismatisch er sein konnte, wenn er mit anderen Menschen sprach. Es schien fast so, als gäbe es drei Dracos: der lautlose Mörder, der Vater/Ehemann und den Politiker. Sie erkannte, dass er ein guter Anführer sein würde. Sie fragte sich, ob er die Dinge zum Besseren wenden könnte oder ob er zu sehr von dem Wohlwollen und Ideen Voldemorts abhängig war.

Ein sanftes Klopfen an der Tür ließ sie aus ihren Gedanken hochschrecken. „Ja?", rief sie etwas hektisch.

„Dürfen wir reinkommen?", fragte Draco. „Leo ist unruhig und ich weiß nicht, was er will."

Nachdem sie sichergestellt hatte, dass sie komplett unter Wasser und von den Seifenblasen bedeckt war rief sie die beiden rein.

Es sprach Bände über Dracos Respekt für sie, dass er nicht einfach hereingekommen war, ohne sie zu fragen. Die meisten Männer in seiner Position hätten sich keine Gedanken darüber gemacht. Dracos Blick blieb auf Leo haften, der freudig quietschte, als er seine Mutter sah. „Ich hab geahnt, dass dies sein Problem sein könnte."

Ginny kicherte. „Ich verbringe auch mehr Zeit mit ihm. Ich bin mir sicher, dass er häufiger nach dir fragen würde, wenn du mehr bei uns wärst."

Leo entdeckte die Seifenblasen und streckte seine Arme nach der Badewanne aus.

„Warum rufst du nicht nach Libby und lässt sie das Waschbecken mit Seifenblasen füllen? Du kannst ihn auf dem Rand sitzen lassen, während er mit ihnen spielt."

Draco ging auf das große Marmor-Waschbecken zu. „Libby, wir hätten gerne ein Paar Seifenblasen im Waschbecken für Leo."

Der Hauself erschien im Raum und erfüllte seinen Wunsch. Sie verschwand mit einem Plopp und Draco setzte Leo auf die Kante.

Ginny wollte Draco vorschlagen, dass er Leos Schlafanzug ausziehen sollte. Sie entschied sich aber dafür, sich nicht einzumischen. Ein warmes Gefühl breitete sich ihn ihrer Brust aus als sie Draco und den kichernden Jungen beobachtete.

„Ich erinnere mich, dass meine Mutter so mit mir gespielt hat," sagte Draco und ließ seine Hand gedankenverloren durch die Seifenblasen fahren. „Die Dinge sind so leicht, wenn du ein Kind bist. Deine Mutter ist das Zentrum des Universums und sie kann nichts falsch machen."

Sie wartete, ob er etwas über seinen Vater sagen würde, aber er sprach nicht weiter. Sie hatte das Bedürfnis die Stille zu durchbrechen. „Meine Mutter war der strengere Elternteil. Ich wusste, dass ich meine Vater fragen musste, wenn ich etwas haben wollte. Es waren immer so viele Kinder im Haus, dass sie nie die Zeit hatten, sich abzusprechen."

„Ich habe mir immer einen Bruder oder eine Schwester gewünscht." Draco nahm eine Handvoll Schaum und setzte ihn Leo auf den Kopf. Leo schaute in den Spiegel und quiekte vor Freude, woraufhin Draco den Schaum von Leos Kopf pustete und die Prozedur von neuem begann. Ohne Ginny anzusehen sagte er, „Ich wünsche mit Geschwister für Leo. Meinst du, dass das eines Tages möglich wäre?"

Ginny hatte das Gefühl, als würde ihr schnell schlagendes Herz aus der Brust springen wollen. Sie schloss ihre Augen und dachte über die Frage nach. Mit zaghafter Stimme antwortete sie ihm schließlich. „Ich glaube gerne daran, dass es eine Tages möglich sein wird."

Sie öffnete ihre Augen und sah, dass Draco immer noch Leo ansah. Die Reflexion seines Gesichts im Spiegel zeigte ein aufrichtiges Lächeln. Hätte er auf ihre Antwort hin schelmisch gegrinst, wäre sie sauer geworden. Sein Lächeln hingegen ließ ihr Herz einen kleinen Hüpfer machen.

Leo gähnte herzhaft und fing an, die Seifenblasen wild durchs Zimmer zu pusten. Draco nahm in auf den Arm und trocknete ihn mit einem Zauberspruch. „Ich glaube, das ist jemand bereits fürs Bett", sagte er und verließ mit Leo auf dem Arm das Zimmer.

Ginny blieb noch eine Augenblick in der Badewanne und dachte über die Konsequenzen ihrer Aussage nach. Ein Teil ihres Geistes schimpfte mit ihr, weil sie offensichtlich den Wunsch aufgegeben hatte Draco zu verlassen und zu ihrem alten Leben zurückzukehren. Wenn ihr Gespräch von vorhin wahr war, gab es kein alten Leben mehr für sie, in das sie zurückkehren konnte. Voldemort kreierte eine neue Weltordnung. Sie muss die Kämpfe kämpfen, die sie konnte. Ein Kind großzuziehen, welches nicht jedes Wort aus Voldemorts Mund als Offenbarung ansah, stand ganz oben auf ihrer Liste.

Sie stieg aus der Badewanne und hüllte sich in einen gemütlichen, hellblauen Schlafanzug mit kleinen Wolken drauf und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wusste, dass Draco nicht von ihr verlangte, sofort Kinder mit ihm zu bekommen. Trotzdem war ihr schon länger klar geworden, dass sie irgendwann in der Zukunft eine engere, intimere Beziehung zueinander haben würden.

Ihre Libido schrie sie quasi an, dass eine körperliche Beziehung zu Draco aktuell nicht die schlechteste Idee war. Der Gedanke, dass sie die ganze Nacht neben ihm verbringen würde klang gleichermaßen qualvoll und beruhigend. Vielleicht gab es einen Zaubertrank, der ihre Hormone erfolgreich unterdrücken konnte.

Sie merkte, dass ihr Fernbleiben langsam auffallen würde, nahm einen tiefen Atemzug und ging ins Schlafzimmer. Draco war nicht zu sehen. Sie hörte seine Stimme im Kinderzimmer und ging hinüber, um ihn zu beobachten. Sie stellte sich nah an die Tür und hörte, wie er leise ein Schlaflied summte. Plötzlich hörte sie ihn sprechen.

„Deine Mutter ist eine bemerkenswerte Frau. Wir können und glücklich schätzen, sie zu haben. Ich verdiene sie nicht, nach allem was ich getan habe."

Ginny gefror ihn ihren Bewegungen. Sie hatte Angst sich zu bewegen und Geräusche zu machen. Als sie hörte, wie Draco das Schlaflied erneut summte, schlich sie langsam zurück zum Bett. Ihr Herz und ihr Kopf waren im Dauerkampf und versuchten die Dinge, die sie über ihren Ehemann wusste, zu begreifen. Als sie hörte, wie Draco sich dem Bett näherte, stellte sie sich schlafend.

Das Bett bewegte sich, als er neben ihr ins Bett stieg. Er legte sich nicht gleich hin. Sie hoffte, dass er sie nicht anstarrte. Nach einer kleinen Ewigkeit spürte sie seinen warmen Atem auf ihrer Wange und die leichte Berührung seiner Lippen, bevor er sich neben sie legte. Als er seinen Arm um ihre Hüfte schlang und sie vorsichtig an seine Brust zog, erlaubte sie sich ein kleines Lächeln.