Hunger
Sein Magen knurrte nicht mehr, das hatte letzten Nachmittag aufgehört.
Jetzt hatte er Krämpfe, es schmerzte bei jedem Atemzug, und nicht einmal der Tee, den Hermione aus Brenneseln kochte schien zu helfen.
Er war schon immer groß und schlaksig gewesen, doch jetzt konnte man jede einzelne seiner Rippen sehen, und die eingefallen Wangen ließen seine sommersprossige Nase noch größer wirken.
„Ich vertrete mir nur die Beine.", sagte er zu Harry, der am Zelteingang saß.
Er bekam ein Nicken als Antwort, und so stapfte er ziellos in den Wald hinein.
Die Blätter knackten laut unter seinen Füßen, das Sonnenlicht fiel leuchtend Gelb durch die Zweige, ein Vogel sang.
Er überlegte ihn zu jagen, hatte den Zauberstab schon im Anschlag, als er ihn entdeckte.
Kaum größer als Pigwidgeon war der Vogel, mehr Federn als Fleisch.
Und wieder dachte er an Hogwarts, Halloween konnte nicht mehr weit sein.
Das wunderbare Fest, mit Tischen voll Braten und Kürbispasteten und Vanillepudding.
Was hätte er jetzt für eine Schüssel dieses Puddings gegeben, oder auch nur für einen Löffel davon.
Oder das Frühstück im Fuchsbau: Bacon, warmes Buttertoast und ein Teller voll Bohnen.
Wie schön es wäre, wie unglaublich schön.
Genervt schlug er sich immer wieder mit dem Zauberstab gegen den Oberschenkel, ein unsteter Rhythmus, der ihn nicht von seinem Hunger ablenken konnte.
Und dann glänzte etwas zwischen den Blättern eines Strauches.
Er trat vorsichtig näher, hob ein paar Zweige an, und entdeckte eine Brombeere.
Ohne zu zögern griff er danach, riss sich die Haut an den Dornen auf, stopfte sich die Frucht in den Mund und zerdrückte sie mit der Zunge am Gaumen.
Er hatte noch nie zuvor etwas so süßes gekostet.
Dann sah er dass es noch mehr waren, so viele Beeren.
Er riss sie von den Zweigen, eine nach der anderen, verschlang sie.
Einige waren nicht einmal reif, der Saft lief ihm über die Hände, und mischte sich mit dem Blut aus seinen Kratzern.
Er ließ sich auf alle viere fallen, tastete nach den Beeren, die unter Blättern verborgen waren, ließ nicht eine am Strauch zurück.
Als letztes spuckte er ein zerkautes Blatt wieder aus, und tastete nach seinem Zauberstab, den er achtlos ins Moos hatte fallen lassen.
Später kehrte er ins Zelt zurück, die Gewissensbisse folgten ihm wie Entenküken, und er übernahm sofort die nächste Wache.
Harry gab ihm das Medaillon und wandte sich sofort ab, doch Hermione musterte Ron länger als gewöhnlich.
Er hatte nicht daran gedacht, dass der Brombeersaft seine Lippen dunkel färben würde.
Natürlich hatte sie es gesehen, sie lächelte verständnisvoll und setzte einen neuen Tee für sie alle auf.
Ihr Magen knurrte laut.
Er schloss die Augen und legte dann all seine Schuldgefühle zwischen die silbernen Deckel des Horkruxes.
Ein bisschen Pfadfinderromantik zum Wochenanfang.
Die Zeit im Zelt finde ich unglaublich interessant, und vor allem Ron in dieser Zeit.
Ich hoffe euch gefällt dieses Kapitel, vielleicht lasst ihr mir ja einen Review da^^
Die Liebsten Grüßé
Eure Alraune
