36 Der Mythos
Der
Halloweenstreich zog weite Kreise. Immer wieder sah man junge
Griffindors, die von Slytherins verhext wurden.
Das blieb
natürlich nicht ohne Folgen, denn die älteren Griffindors
sahen sich gezwungen, im Gegenzug, die jungen Slytherins mit Flüchen
zu belegen.
Und so vergingen die ersten Novemberwochen nicht, ohne
das man die Erstklässler dieser beiden Häuser hilflos durch
Hogwarts laufen, staksen, tanzen, krabbeln hüpfen oder sich
sonst wie bewegen sah.
Serina wollte vor dem Unterricht noch in
die Bibliothek, weil sie hoffte, dort Remus zu finden, als sie
Severus Snape in die Arme lief.
"Sieh an, wen haben wir denn
hier?" er funkelte sie aus seinen dunklen Augen an. „Mutig von
dir, alleine durch das Schloss zu laufen…gerade von dir,
Corvus!"
"Vergiss es, Snape." sagte sie kühl, als sie
sah, dass er seinen Zauberstab auf sie gerichtet hatte.
Er sah sie
spöttisch lächelnd an. „Und warum sollte ich?"
Sie
trat ganz nah an ihr heran. „Weil ich ein hübsches Foto von
dir habe, wie du auf eurem Haustisch tanzt. Und wenn du nicht willst,
dass ich es deiner Mutter schicke, solltest du mich lieber in Ruhe
lassen!"
Das Lächeln in seinem Gesicht erstarb. „Das
wagst du nicht!" zischte er.
Serina seufzte. „Wieso sagt mir
das immer jeder? Aber gerade du, Severus, solltest doch wissen, dass
ich unberechenbar und zu allem fähig bin."
Sie lies ihn
stehen und ging einfach weiter.
"Du solltest aufpassen, wem du
deinen Rücken zudrehst. Eines Tages könntest du das
bitterlich bereuen!"
Sie blieb stehen und drehte sich um, doch
der Korridor hinter ihr war leer. Severus war bereits
verschwunden.
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In der
Bibliothek fand sie denjenigen, den sie gesucht hatte, Remus. Er saß,
wie immer, mit einem Buch in einem der Sessel.
"Hi." sagte er,
als sie sich setzte. „Ok, den Blick kenn ich…du willst irgendwas
von mir, richtig?"
Serina nickte. „Ehrlich gesagt, ja!" Sie
lächelte ihn verlegen an. „Ähm, Remus, kann ich dich mal
was fragen, was persönliches mein ich?"
Er sah sie
überrascht an. „Du weißt, dass ich einmal im Monat zum
Werwolf werde, viel persönlicher kannst du gar nicht werden!"
Er grinste sie an.
Serina holte tief Luft. „Remus, wie war das
damals für dich, als du gebissen wurdest? Ich meine, was hast du
gefühlt, wie bist du damit…"
"OK!" unterbrach er sie
und stand auf. „Ich hab mich geirrt, DU kannst!"
"Remus
bitte, ich wollte nicht … Du verstehst nicht …"
Er sah sie
traurig an. „Ich verstehe sehr gut! Ich hab mich schon lange
gefragt, warum du mit einem Monster wie mir befreundet sein willst.
Jetzt weiß ich es! Aber ich sage dir, wenn du deine Neugier
befriedigen willst, such dir einen anderen oder noch besser, geh beim
nächsten Vollmond wieder in den Wald. Dann erfährst du, wie
es ist und was man fühlt, wenn man anders ist!"
Er
schüttelte den Kopf und verlies die Bibliothek.
Serina
saß sprachlos in dem Sessel und sah ihm hinterher. Das war nun
nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte. Im Gegenteil,
jetzt war er auch noch sauer auf sie. Sie nahm ihre Tasche und ging
auf den Korridor hinaus. Sie musste so langsam zurück zum
Unterricht. Vielleicht konnte sie ja danach mit ihm reden, wenn er
sich beruhigt hatte.
Draußen traf sie Lily, die sie
merkwürdig ansah.
"Ich hab gerade Remus getroffen." sagte
Lily. „Besser gesagt, er hat mich fast über den Haufen
gerannt! Du hast ihn also wirklich darauf angesprochen?"
Serina
nickte zaghaft und Lily schüttelte den Kopf.
""Las mich
raten … Du bist hingegangen und hast ihn natürlich erst in ein
weitläufiges Gespräch verwickelt, und bist dann ganz
zufällig auf das Thema gekommen … ach, nein, halt. Das hätte
ja ich gemacht … Du bist hingegangen und hast ihm mit dem
Holzhammer eins auf den Kopf gegeben, hab ich Recht?" Lily stand
jetzt mit verschränkten Armen vor der Freundin die den Kopf
senkte und immer kleiner zu werden schien. Serina nickte wieder.
"Oh,
RINA! Du bist so … grrrrrrrrrrr … Da fehlen mir echt die
Worte!"
Serina sah sie an. „Warum hast mir das auch nicht
ausgeredet? Du bist meine Freundin, und damit ist es deine Pflicht,
mich vor solchen Katastrophen zu schützen!"
Lily boxte sie
auf den Arm. „Ich HABE versucht, es dir auszureden! Aber du hast
einfach einen zu großen Dickschädel und hörst ja
nicht auf mich!"
Serina fluchte vor sich hin. „Mist, Mist,
Mist! Ich bin so ein Trottel!"
"Er ist sauer auf dich, weil du
ihn danach gefragt hast?"
Serina verzog das Gesicht. „Wenn es
mal nur das wäre. Er hält mich für eine neugierige
Zicke, die sich an seinem Leid ergötzen will!"
Lily riss
die Augen auf. „DAS hat er gesagt?"
"Nicht wörtlich. Er
meinte, ich soll mich von ihm beißen lassen, wenn ich wissen
will, wie das ist!"
"Oh, Mist!" sagte Lily.
"Sag ich
doch!" sagte Serina. „Er ist einer meiner besten Freunde, gibt
mir Nachhilfe, hat es eh schon mehr als schwer und jetzt redet er
wahrscheinlich nie wieder mit mir! Schlimmer kann der Tag heute nicht
werden!"
Sie waren mittlerweile vor dem Klassenzimmer
angekommen.
"Äh Rina, du weißt schon, welches Thema
heute dran ist?"
Serina sah sie ratlos an und schüttelte
den Kopf.
"Vampire!"
Serina lies den Kopf hängen.
„Bitte, gib mir einen Pflock!"
--- --- ---
Professor
Madley war ein ehemaliger Auror und unterrichtete sie seit diesem
Schuljahr in Verteidigung gegen die dunklen Künste.
Er hatte
nicht halb so viele Narben, wie ihr Dad, und darum war Serina auch
der Meinung, dass er als Auror nicht besonders gut gewesen sein
konnte. Seine Stärke lag eher in der Theorie, soviel hatte sie
schon gemerkt, und Hausaufgaben standen beim ihm auch ganz hoch im
Kurs. Zumal hatte er eine Schwäche dafür, sich immer die
Schüler auszusuchen, die am wenigsten wussten.
"Also,
wer kann mir sagen, wie man zu einem Vampir wird?" Er sah die
Klasse über seine dunklen Brillengläser an. „Mister
Pettigrew. Bitte."
Peter wurde rot und stand zögerlich auf.
"Ich kann ihn nicht leiden!" flüsterte sie Lily zu. „Ich
werd mal meinen Dad nach ihm fragen, ich wette er kann ihm auch nicht
leiden!" Lily grinste nur, und schüttelte den Kopf.
"Äh
… durch einen Biss?" versuchte Peter die Frage zu
beantworten.
Professor Madley sah ihn erwartungsvoll an. „Kommt
da noch mehr, Mister Pettigrew?"
Der Junge schüttelte
verlegen den Kopf.
"Dann ist es Falsch. Setzten Sie sich
bitte."
Serina schnaubte verächtlich, was dem Lehrer nicht
entging.
"Miss Corvus, vielleicht können Sie die Frage
beantworten?"
Sie erhob sich von ihrem Platz. „Erst wird man
selbst von dem Vampir gebissen und der saugt einem das Blut aus.
Dann, wenn man kurz vorm Sterben ist, darf man dem Vampir das Blut
aussaugen. Ziemlich eklige Angelegenheit, wenn sie mich fragen."
Sie setzte sich wieder.
Der Professor sah sie lächelnd an.
„Das war sogar mal richtig, Miss Corvus."
Er stand auf und
ging vor der Klasse auf und ab.
"Ja, Vampire vermehren sich,
indem sie ihr Blut mit den Sterblichen teilen. Aber wer von euch kann
mir sagen, welche zwei Arten von Vampiren es gibt? Mister
Potter!"
James sah erschrocken auf und überlegte. Unter dem
Tisch stieß er Sirius an, doch der zuckte auch nur ratlos mit
den Schultern.
"Keine Ahnung, Sir." sagte James
entschuldigend.
Professor Madley schüttelte den Kopf. „Nun,
Mister Black brauche ich wohl gar nicht erst zu fragen. Wenn er es
wüsste, hätte er ihnen sicher geholfen. Nun kommen Sie,
meine Herrschaften, so schwer kann das doch nicht sein."
Er
klopfte gegen die Tafel und was er sagte, wurde dort nun
zusammengefasst aufgeschrieben.
"Wir haben bereits den Vampir.
Licht, Weihwasser und Holzpflöcke sind als Waffen recht wirksam.
Sie sind schlechte Magier und anfällig für unsere Flüche.
Aber wer sind die anderen?"
Lily sah ihre Freundin an, die etwas
bleicher geworden war.
"Keiner? Kommen Sie, Herrschaften, 10
Punkte für denjenigen, der mir wenigstens ihren Namen nennen
kann!"
„Die Ursprünglichen!" murmelte Serina vor sich
hin.
"Oh, Miss Corvus … Was auch immer ihr Vater ihnen
beigebracht hat, wie man sich im Unterricht verhält, gehört
anscheinend nicht dazu!"
Er sah sie an, wie sie auf ihrem Stuhl
saß und einen roten Kopf bekam.
"Allerdings hat Miss
Corvus Recht gehabt. Die Ursprünglichen sind das Urvolk der
Vampire. Sie stammen aus der Unterwelt, auch wenn wir nicht genau
wissen, wo sie liegt. Sie vertragen ebenfalls kein direktes
Sonnenlicht, aber um einen Ursprünglichen zu töten, muss
man ihm den Kopf abschlagen. Die meisten unserer Flüche machen
ihnen nicht viel aus, was sie sehr gefährlich macht. Zudem ist
ihre eigene Magie sehr mächtig."
Die Schüler schrieben
fleißig mit, nur Serina starrte den Lehrer die ganze Zeit
an.
"Einem Bericht aus dem 6ten Jahrhundert nach, tauchten die
letzten Ursprünglichen in Ägypten auf. Sie trieben die
Bewohner einiger Dörfer zusammen und sie verschwanden. Angeblich
schickten sie sie in die Unterwelt. Sie wüteten in der Umgebung
und löschten viele Ortschaften aus und die Erde wurde
unfruchtbar und zu einer riesigen Wüste.
Erst im 8ten
Jahrhundert gelang es den Menschen, sich gegen sie zu wehren und sie
zu bekämpfen. Es wurden fast alle vernichtet und die wenigen,
die davon kamen, zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Wir
wissen nicht, warum sie nicht wieder zurückgingen. Aber das, was
wir heute als Vampire bezeichnen, sind die Nachfahren der Kinder, die
Ursprüngliche mit Menschen zeugten."
Ein raunen ging durch
die Klasse und alle sahen sich angewidert an.
"Wer würde
den so was machen?" fragte Maureen und schüttelte
sich.
Professor Madley lachte. „Nun, sie werden sich nicht zu
erkennen gegeben haben. Diese Wesen sind hinterhältig und
gemeingefährlich. Monster!"
Serina schluckte und Lily griff
unter ihrem Tisch nach ihrer Hand. Serina lächelte sie dankbar
an.
"Also, ich erwarte einen Aufsatz … ja, Miss
Corvus?"
Serina stand auf. „Äh Professor. Was ist mit der
dritten Art der Vampire? Den Halbvampiren?"
„Was ist den
jetzt mit ihr los? Spinnt sie?" dachte Lily und zog scharf die Luft
ein.
Professor Madley sah sie an und fing dann an zu lachen.
"Miss
Corvus, bleiben wir doch bitte in der Realität! Diese Geschöpfe,
die gibt es nicht! Halbvampire sind ein Mythos, den sich die Vampire
erzählen." Er schüttelte den Kopf und gebot Serina, sich
wieder zu setzten.
"Was erzählen die Vampire sich den?"
fragte Lily nun neugierig.
"Oh Miss Evans, das sind Legenden!
Von einem Vampir, der bei Tag wandelt, Magie beherrscht,
transformieren kann und obendrein noch die Seele und das Bewusstsein
eines Menschen beherbergt! Ein Wesen, das beide Rassen in sich
vereint, Vampir und Mensch. Geschaffen nur durch den Biss eines
Ursprünglichen! Und sehen sie, da liegt der Fehler! Die
Ursprünglichen töten ihre Opfer, sie beißen sie nicht
nur. Mister Moody sollte seiner Tochter keine Märchen erzählen,
sondern sich lieber an die Fakten halten! Also, einen Aufsatz über
zwei Rollen Pergament, und ich will keine Märchen lesen!"
Damit
räumte er seine Sachen zusammen und beendete den Unterricht.
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--- ---
"Du bist ein Mythos?" fragte Lily leise und grinste
dabei.
Serina lachte. „Ich existiere gar nicht! Dann muss ich ja
diesen blöden Aufsatz nicht schreiben!"
Sie machten sich
lachend auf den Weg in die Große Halle zum Essen.
"Aber
hast du gehört, er nannte es transformieren´. Das war es
wahrscheinlich, was dir das Leben gerettet hat."
"Ja, aber
darum weiß ich immer noch nicht, wie!" sagte Serina.
Lily
stupste sie an. „Das finden wir auch noch raus! Ich wird einfach
mal ein bisschen mehr lesen müssen!"
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Als sie
die Halle betraten, sah ein blonder Junge zu ihnen herüber, der
am Griffindortisch saß. Eigentlich war er immer noch sauer auf
sie. Aber Remus konnte nie jemandem lange böse sein. Als Serina
ihn ansah, lächelte er sie an, und man sah, dass ihr ein
riesiger Stein vom Herzen fiel.
Als sie sich das Essen auf ihre
Teller füllten, beugte er sich zu ihr rüber.
"Kann ich
dich nach dem Essen mal sprechen, unter vier Augen mein ich?"
fragte er sie leise.
Serina sah ihn an und nickte. Ihr war klar,
dass Remus eine Erklärung, oder zumindest eine Entschuldigung
haben wollte, und die musste sie sich schon mal zurechtlegen.
Sirius
sah die beiden skeptisch an. „Ey, was habt ihr denn für
Geheimnisse?"
Serina lachte. „Wenn wir dir das sagen, wären
es ja keine mehr, oder?"
Sirius war sprachlos.
"Es geht nur
um die Nachhilfe, Padfoot." erklärte Remus schnell. Er wollte
sich nicht auch noch mit Sirius streiten, sein Bedarf war erstmal
gedeckt.
Serina war mit dem Essen fertig und griff neben sich. „Wo
hab ich denn …?" Sie sah sich um und überlegte. „Mann, bin
ich blöd! Ich hab meine Tasche in der Klasse liegen lassen. Ich
geh noch mal hin und hol sie. Wir treffen uns dann danach, Ok
Remus?"
Remus blickte von seinem Teller auf und nickte. „Ich
warte dann in der Eingangshalle auf dich."
Sie stand auf und
ging aus der Großen Halle.
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Seine hellen
Augen verfolgten sie schon seit Wochen. Immer wenn sie in seine Nähe
kam beobachtete er sie, doch nie war sie alleine.
Aber jetzt
verließ sie die Große Halle und ihre Freunde blieben alle
sitzen.
Ein kaltes Lächeln huschte über Lucius Gesicht.
Er stupste Regulus an und gab Vector mit dem Kopf ein Zeichen, ihm zu
folgen. Dann standen sie auf und gingen dem Mädchen unauffällig
hinter her.
Severus kam ihnen in der Tür entgegen.
"Wo
wollt ihr den hin?" fragte er und sah Lucius fragend an.
Der
blickte noch immer hinter Serina hinterher. „Nur jemandem zeigen,
was mit Blutsverrätern passiert, die der Meinung sind, mich
lächerlich machen zu müssen!" sagte er kalt und Severus
schluckte. Er wusste um wen es ging. Und er konnte sich gut
vorstellen, was Lucius vorhatte.
"Wenn sie dich verrät,
fliegst du nicht nur von der Schule, das ist dir doch klar? Dann
landest du ganz woanders!"
Lucius lachte. „Sie wird nicht ein
Wort sagen! Und wenn doch sorge ich dafür, dass sie nie wieder
etwas sagt." Er sah Severus mit eisigen Augen an. „Du kannst
jetzt entweder mitkommen und zusehen, oder du bleibst hier."
Severus
sah die anderen beiden an, die ein kaltes Lächeln im Gesicht
hatten. „Die bringen sie um, wenn keiner aufpasst!" schoss es ihm
durch den Kopf.
"Natürlich komme ich mit." sagte er und
Lucius klopfte ihm auf die Schulter.
"Ich wusste doch, dass ich
mich auf dich verlassen kann!"
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Der Korridor war
leer und dunkel, als Serina ihn betrat. Sie ging auf die Tür zu,
hinter ihr Unterricht stattgefunden hatte, als sie plötzlich
Schritte hinter sich hörte.
"Tz, tz, tz." hörte sie
jemanden hinter sich machen, und dieses Klang gar nicht gut.
Sie
drehte sich um und sah vier Slytherins, die ihr den Rückweg
versperrten, auf sich zukommen.
"Oh, wird das hier eine Party,
oder was?" fragte sie und bemühte sich, ihrer Stimme einen
festen Ton zu geben. Die Art, wie Lucius sie ansah, machte ihr
angst.
Der blonde Junge lachte. „Und ob das eine Party wird,
Blutsverräterin. Du bist sogar der Ehrengast!"
Sie zog
ihren Zauberstab und richtete ihn auf den Jungen. „Verzieh dich,
Malfoy, und nimm deine komischen Freunde gleich mit!"
Die vier
zogen jetzt ebenfalls ihre Zauberstäbe und lachten.
"Ich
denke nicht, dass du in der Position bist, hier irgendwem irgendetwas
zu sagen, Blutsverräterin. Severus, geh und bewache den Flur,
ich will keine Zuschauer."
Severus
sah ihn überrascht an. „Aber Lucius, ich…"
"Tu was
ich dir sage, Severus!" fuhr Lucius ihn an, und er ging mit einem
letzten Blick auf Serina in den angrenzenden Korridor.
Da sie mit
ihrem Blick Severus verfolgte, bemerkte sie nicht, wie Avery seinen
Stab mit einem scharfen Stoß auf sie richtete. „Silencio!"
sprach er dabei und der Zauber traf sie völlig unvorbereitet.
„…….."
Ihre Augen wurden groß, als sie merkte, dass ihre Stimme
versagte und sie sah Avery wütend an.
"Expelliarmus"
Regulus hatte ihre Verwirrung ausgenutzt und sie entwaffnet. Ihr
Zauberstab flog im hohen Bogen davon, und landete hinter den
Slytherins im Korridor.
Serina ging rückwärts bis zu der
Tür und rüttelte daran, aber sie war verschlossen. Sie
geriet in Panik. Ihr war völlig klar, dass das hier keine kleine
Retourkutsche war. Lucius wollte Rache, und er würde dabei kein
Mitleid zeigen.
Der große Junge trat auf sie zu und sah die
Angst in ihren Augen.
"Gut." sagte er. „Dir scheint klar zu
sein, was dich nun erwartet!" Lucius richtete seinen Zauberstab
genau auf ihre Brust.
„Crucio!"
Wenn sie ihre Stimme noch
gehabt hätte, hätte sie geschrieen.
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Severus
war sich nicht sicher, wie er sich verhalten sollte. Er sollte
aufpassen, dass sie nicht gestört werden, obwohl die anderen
noch alle in der Großen Halle saßen.
Er hoffte, dass
sie es nicht übertrieben, dass sie ihr nur einen Schrecken
einjagen würden. Auch er hatte ihr den Streich von Halloween
nicht verziehen, würde es ihr gerne heimzahlen, aber immerhin
hatte Lucius angefangen, das hatte er auch nicht vergessen.
Er
schlich zu dem Korridor zurück und spähte um die Ecke.
Serina lag auf dem Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Ihm
stockte der Atem, als er Lucius erneut den Fluch sagen hörte. Er
gönnte dem Mädchen keine Pause.
Severus wand sich ab
und lehnte den Kopf gegen die Steinwand. Er kannte seinen Freund zu
gut, er hätte wissen müssen, das Lucius keinen Spaß
machen würde.
Er musste etwas unternehmen, und das sofort.
Auch wenn sie eine Griffindor war, eine Blutsverräterin, eine
Potter-Freundin, auch wenn er sie nicht leiden konnte, er durfte das
hier nicht zulassen.
Nur was konnte er tun, ohne selbst in Lucius
Schusslinie zugeraten?
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Ihr Denken setzte aus.
Alles, was sie noch wahr nahm war die Stimme des blonden Slytherin
und die Schmerzen, die ihren Körper durchströmten. Tränen
liefen über ihr Gesicht und ihr Herz raste. Ihr Blut schien
zukochen und rauschte in ihren Ohren. Sie hörte das Lachen der
Jungs und zwang sich ruhig zubleiben. Der Schmerz machte sie rasend
und wenn es nicht bald vorbei war, würde sie die Kontrolle über
sich verlieren.
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Remus stand wie verabredet in der
Eingangshalle und wartete auf Serina. Er musste endlich mit ihr
reden. Nicht, dass sie ihn in der Bibliothek vor den Kopf gestoßen
hätte. Er hatte schon lange den Verdacht, dass mit ihr etwas
nicht stimmte, und ihre Fragen bestätigten ihm seinen Verdacht
aufs Neue. Dass sie kein Werwolf sein konnte, wusste er ja, aber da
war immer noch die Frage, wie sie ihm damals entkommen war.
Jemand
schüttelte ihn und riss ihn so aus seinen Gedanken.
Er sah
Severus Snape vor sich, der ziemlich aufgeregt wirkte. "Lupin, komm
mit, schnell!" Severus zerrte an seinem Arm.
Remus riss sich
los. „Spinnst du? Warum sollte ich ausgerechnet mit dir irgendwo
hingehen?"
"Um jemanden zu helfen, denn du einen Freund
nennst."
Remus lachte ihm ins Gesicht. „Klar! Ich geh mit dir
mit, damit du mich in eine Falle locken kannst, man ihr
Slyther…"
Severus verdrehte die Augen und zischte ihn mit
eisiger Stimme an. „Man, DU bist nicht interessant genug Lupin, SIE
schon!"
Remus riss die Augen auf. „Rina!"
Severus nickte
nur und beide rannten los.
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Serina lag auf der
Seite und hatte die Arme um ihre Beine geschlungen, als Lucius einen
weitern Fluch auf ihren Rücken abschoss. Sie biss sich auf die
Zunge und schloss die Augen. Ihr Atem wurde langsamer und die spitzen
Eckzähne schoben sich aus ihrem Oberkiefer.
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"Das
wird langweilig, die zuckt ja nicht mal mehr!" sagte Lucius
verächtlich und lies seinen Zauberstab sinken. Das Mädchen
vor ihm lag regungslos am Boden.
"Darf ich?" fragte Regulus.
„Ich will auch mal!"
Lucius trat beiseite und überlies
dem Jüngeren das Mädchen.
"Severus hat mir von einem
Fluch erzählt, den er selbst erfunden hat. Den muss ich
unbedingt mal ausprobieren."
Regulus richtete seinen Zauberstab
auf Serinas Rücken.
"Sectumsempra!"
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"SEID
IHR WAHNSINNIG!" brüllte plötzlich jemand.
Ihr kam
die Stimme bekannt vor, vertraut, nur war sie noch nie so verzerrt
und wütend gewesen.
Der Vertrauensschüler rannte auf
sie zu und fiel neben ihr auf die Knie.
"Was habt ihr mit ihr
gemacht?" Er klang verzweifelt und hielt ihren Kopf. Sie regte sich
noch immer nicht. Remus strich ihr das Haar aus dem Gesicht und sie
sah ihn aus angsterfüllten Augen an. Er schluckte, bei ihrem
Anblick.
"Reg dich ab, Lupin, sie lebt doch noch!" sagte
Lucius „Solltet ihr jedoch jemals etwas hier rüber erzählen,
wird man nur noch eure toten Körper finden. Hast du
verstanden?"
Remus nickte schockiert und sah den Slytherins
nach, wie sie den Korridor verließen.
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"Mensch
Severus, wo kam der denn auf einmal her?" Vector war frustriert. Er
hatte sich nun nicht mehr für seinen Halloweenauftritt
revanchieren können.
Severus zuckte mit den Schultern. „Keine
Ahnung. Er war auf einmal da und rannte an mir vorbei."
"Und
wieso hat mein Fluch nicht gewirkt?" fragte Regulus
enttäuscht.
Severus sah den jungen Slytherin vorsichtig an.
Er hatte den Fluch gehört denn Regulus ausgesprochen
hatte.
"Wahrscheinlich bist du noch zu klein für solche
Magie." lachte Lucius. „Was hätte der doch gleich bewirkt,
Severus?"
"Sie wäre aufgeschlitzt worden." sagte der
Junge mit tonloser Stimme.
Lucius Grinsen wurde noch breiter. „Ach
ja. Den muss ich mir endlich mal merken!"
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Er
hörte Stimmen in ihre Richtung kommen. Anscheinend hatten die
Schüler die Große Halle verlassen und waren jetzt wieder
im Schloss unterwegs. Er wollte jedoch nicht, dass sie jemand
sah.
"Alohomora." Remus öffnete das Klassenzimmer hinter
sich und zog Serina hinein.
Er sah in das Gesicht der Freundin,
das jetzt so anders aussah. Sie hatte den Mund leicht geöffnet
und er konnte ihre spitzen Eckzähne erkennen.
Als sie sich
wieder unter Kontrolle hatte und endlich zurückverwandeln
konnte, riss er die Augen auf und starrte sie verblüfft an.
Serina wollte etwas sagen, aber ihre Stimme lag noch immer unter dem
Fluch. Remus hob seinen Zauberstab, richtete ihn auf Serina und
sprach den Gegenfluch.
"Danke." sagte sie leise und wich
seinem Blick aus.
Remus sah sie an. „Der Mythos?" fragte er
und sie nickte.
"Professor Madley ist ein Idiot!" sagte sie
matt und versuchte ein Lächeln.
"Das ist … Wann ist es
passiert?" fragte Remus neugierig.
"Im Sommer bevor ich
herkam."
"Also doch." Remus lächelte. „Du warst ein
Muggel, oder?"
Serina nickte.
"Amerika, das war doch
gelogen, du bist aus England!"
Sie nickte wieder.
"Was war
denn nicht gelogen?" Remus sah sie gespannt an.
Serina
überlegte. „Mein Mum, hat wirklich gesungen, und … sie
hasste Sport!"
Er schüttelte den Kopf. „Der Rest
…?"
"Alles nicht Wahr!" bestätigte sie.
Remus
rappelte sich vom Boden hoch. „Das ist arg! Und es weiß
keiner, was mit dir los ist?"
Er streckte ihr die Hand hin und
half ihr, ebenfalls aufzustehen.
"Nur Lily. Und bitte Remus, es
darf auch keiner wissen!"
Remus sah sie lächelnd an. „Hey.
Mach dir darum keine Sorgen. Wer, meinst du, kann das besser
verstehen als ich?"
--- --- ---
Serina wachte schweißgebadet
auf. Ihr Puls raste. Sie hatte geträumt, hatte seine Stimme
gehört, wie er immer und immer wieder den Fluch auf sie jagte.
Leise stand sie auf und ging ins angrenzende Bad. Sie wusch sich das
Gesicht mit kaltem Wasser und sah in den Spiegel.
„Was zum …?"
Sie berührte ihr Gesicht. Sie war wieder verwandelt.
Serina
schloss die Augen und versuchte sich zu konzentrieren, doch es gelang
ihr nicht. Sie setzte sich auf die kalten Fliesen und lehnte ihren
Kopf gegen die Wand. Im Nebenraum hörte sie, wie jemand aus
seinem Bett aufstand. Sie lächelte. Es war Lily, das erkannte
sie an den Schritten, die sich dem Bad näherten.
"Rina?"
fragte Lily, als sie vorsichtig die Tür öffnete. „Was ist
los?" Sie kam zu ihr und setzte sich vor ihr hin. „Oh!" sagte
sie, als sie Serina sah.
Serina
lächelte. „Ja. Oh! Ich kriegst nicht weg!"
Lily sah sie
erschrocken an. „Was? Wieso das?"
Serina zuckte mit den
Schultern. „Hab schlecht geträumt." sagte sie matt und stand
wieder auf. Lily starrte fassungslos auf ihr
Schlafanzugoberteil.
"Rina! Du … blutest ja!"
Serina
wirbelte herum. „WAS?"
Lily schob ihr das Oberteil am Rücken
hoch, das stellenweise festgeklebt war, und sah mehrere rote Linien
auf dem Rücken der Freundin.
"Nicht sehr tief, aber sag
mal, was ist das? Wo hast du die her?"
Serina erzählte ihr,
was an dem Tag im Korridor passiert war.
"Dann sind das
Fluchwunden? Du musst Lucius melden! Der Crucio ist doch…"
Serina
schüttelte den Kopf. „Das ist nicht von dem Crucio Lily. Das
war der Fluch, den Regulus mir aufgehalst hat! Ich will gar nicht
wissen, was passiert wäre, wenn ich nicht verwandelt gewesen
wär!"
"Warte hier." sagte Lily und verschwand kurz im
Schlafsaal. Als sie wiederkam hatte sie eine kleine Kiste dabei. Sie
holte einen Tiegel heraus und rieb Serina Rücken mit einer Salbe
ein, die nach Zitrone roch.
"Was ist das?"
"Vertrau mir."
sagte Lily. „Das ist eine Salbe auf der Basis von Diptam. Es
verhindert die Bildung von Fluchnarben. Ich hoffe, es ist noch nicht
zu spät dafür."
Serina lächelte ihre Freundin an.
„Danke dir, Lily."
Lily packte die Salbe wieder ein. „Doch
nicht dafür! Aber ich denke, du wirst es nicht melden wollen
oder?"
Serina schüttelte den Kopf. „Weißt du, was
die mit Regulus machen? Der ist noch ein Kind, ich kann ihm doch
nicht sein Leben versauen!"
„Rina, er hätte dich
umbringen können!"
"Ich weiß, hat er aber nicht!
Außerdem, was meinst du, was Sirius macht, wenn er es erfährt?
Du weißt, was für ein Hitzkopf er ist. Das kann ich nicht
machen."
"Du hast ja recht." gab Lily zu. "Aber …
Severus hat Remus geholt, damit er dir hilft? Aus dem soll einer
Schlau werden!"
Serina lachte. „Ja, ich weiß auch nicht,
was ich von ihm halten soll. Aber immerhin sind wir jetzt
quitt!"
Lily zeigte auf ihr Gesicht. „Es ist wieder weg, Rina.
Scheint so, als hättest du dich wieder unter Kontrolle."
Serina
nickte. Ihr Puls ging wieder normal.
„Bett?" fragte sie und
Lily grinste. „Klar, aber du geht's schon in dein
eigenes!"
„Natürlich! Ich will ja nicht, dass du mich mit
James verwechselst!"
Lily streckte ihr die Zunge raus.
