Kapitel 33: Klare Worte

Kit war immer noch völlig sprachlos. Wie konnte sie nur denken, dass er sich vor ihr ekeln könnte? Hatte er ihr dieses Gefühl gegeben? Oder ekelte sie sich vor sich selbst und nahm an auch er würde so empfinden? So konnte es nicht weiter gehen, er musste mit ihr reden. Offen und ehrlich. Ihre Tränen rissen ein tiefes Loch in seinen Herzen. Er liebte diese Frau und sie so zu sehen, war mehr als er ertragen konnte. Nach allem was sie durchgemacht hatte, nach allem was sie zusammen durchgemacht hatten, dürfte jetzt keine neue Tragödie ihr Leben bestimmen. Er versuchte ihr in die Augen zu sehen aber sie wandte den Blick von ihm ab. Trauer, Scham und Schmerzen verzerrten ihr schönes Gesicht.

„Judy?" er sprach leise zu ihr, aber sie reagierte nicht. Sie starrte nur weiter an die Wand und wagte nicht ihn anzusehen. Kit seufzte und nahm Judes Hand in seine „Judy, jetzt sieh mich bitte an. Wir müssen reden."

Jude spürte seine Hand auf ihre und hörte seine ruhige und liebevolle Stimme, all das verschlimmerte die Situation nur noch und sie versuchte verzweifelt ihre Tränen herunter zu schlucken. Sie schämte sich so sehr, dass sie ihn nicht ansehen wollte. Sie konnte es nicht und statt ihn anzusehen, schüttelte sie nur schweigend den Kopf.

Kit wartete einen Moment aber als er merkte, dass sie ihn einfach nicht ansehen wollte, erhob er wieder das Wort „Du willst nicht mit mir reden? In Ordnung, ich werde dich nicht zwingen aber ich werde reden und ich möchte das du mir zuhörst." Er schüttelte geschlagen den Kopf und versuchte die richtigen Worte zu finden „Judy, nicht einen Moment habe ich mich in irgendeiner Art und Weise von dir angeekelt gefühlt. Ich will mir nicht einmal vorstellen wie du dich gefühlt hast und welche Angst du hattest. Dir ist etwas Schreckliches passiert und ich will dir helfen, verstehst du? Ich will dass du mit mir redest und ich will, dass wir das zusammen durchstehen. Ich weiß, dass du die meiste Zeit deines Lebens auf dich allein gestellt warst, aber das ist jetzt nicht mehr so. Ich bin hier Judy, ich bin für dich da aber du musst dir auch von mir helfen lassen. Ich will doch einfach nur für dich da sein, verstehst du das nicht?" Kit machte eine kurze Pause und rutschte etwas dichter an Jude heran „Was da gestern passiert ist, ist nicht deine schuld gewesen."

Jude drehte sich langsam zu Kit und sah ihn mit roten Augen an „Verstehst du es nicht Kit? Ich kann nicht….ich kann selbst kaum meinen Anblick im Spiegel ertragen. Er….Emerson, er hat mich angefasst…..überall. Verstehst du? Seine Hände waren einfach überall und ich habe das Gefühl ihn jetzt noch überall zu spüren. Wenn ich die Augen schließe, dann sehe ich ihn. Ich höre seine Stimme so deutlich, als wäre er hier. Er ist hier….noch immer ist er hier." Judes Stimme war nicht mehr, als ein gequältes flüstern.

„Nein Jude, er ist nicht hier! Nicht mehr und er wird nie wieder kommen. Er wird den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen und ich lasse nicht zu, dass sein Schatten unser Leben zerstört. Sein Leben ist vorbei, er wird einsam und verbittert in einer Gefängniszelle sterben. Aber wir, wir sind hier. Wir haben unser gemeinsames Leben noch vor uns, wir beide und die Kinder. Thomas und Julia, sie lieben dich so sehr und ich liebe dich. Du wirst doch nicht unser Leben wegwerfen, wegen einen Geist. Mehr ist er nicht, er ist nur noch ein geist aus der Vergangenheit. Komm schon Judy, du bist immer so stark gewesen."

Kits ernste aber dennoch warmen Worte holten Jude langsam, wenn auch nur ganz langsam aus ihrer Dunkelheit. Sie atmete tief durch „Vielleicht habe ich aber keine Kraft mehr stark zu sein."

„Doch, du hast die Kraft und du bist doch nicht allein. Ich bin da Judy….sieh mich an, ich bin da." Kit fühlte sich am Ende seiner Kräfte und er spürte wie eine Träne über seine Wange lief „Wir sind da. Wir sind eine Familie und ich will einfach nur diesen Ort verlassen und ein neues Leben beginnen. Mit dir und den Kindern. Ihr seid alles für mich." Langsam hob er seine Hand und legte sie sanft auf Judes Wange „Ich liebe dich Jude…..verstehst du das?"

Jude spürte wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete und sie brachte kein Wort heraus, stattdessen nickte sie nur und ergriff Kits Hand mit ihrer. Ein kleines Lächeln erschien auf Kits Gesicht, als er endlich das Gefühl hatte zu ihr durchgedrungen zu sein. Langsam beugte er sich vor und küsste Jude auf dir Stirn „Ich bin da für dich Judy. Lass uns einfach von hier verschwinden und gemeinsam ein neues Leben beginnen. Ist es nicht das was du willst?"

Fragend sah er Jude an und wartete auf ihre Antwort.