Not Only A Granger
Surrender (Part 2)
by ferporcel
DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.
WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoiler! Seid gewarnt!
ORIGINAL BETA: Shey Snape, GinnyW und Annie Talbot – vielen Dank!
GERMAN TRANSLATION: Alea_Thoron
SUMMARY: Der finale Angriff auf Severus' Verteidigungswälle und eine weitere Geschichte des Prinzen.
Nicht nur ein Granger
Kapitel 34 – Teil II: Kapitulation
Hermiones Feuereifer ließ nach, als sie die Große Halle betrat und sah, dass beide Plätze neben Severus bereits besetzt waren. Die naheste Entfernung, auf die sie zum Abendessen an ihn herankommen konnte, war drei Sitzplätze entfernt, an Remus' linker Seite.
»Guten Abend, Hermione«, grüßte dieser sie. »Wie war deine Woche?«
»Sie war großartig, danke. Wie läuft es im Unterricht und im Hause Gryffindor?«
Sie verfiel mit ihrem langjährigen Freund in eine Plauderei über alltägliche Dinge, während sie versuchte, von Zeit zu Zeit wenigstens einen flüchtigen Blick auf Severus zu erhaschen, wobei sie sich anstrengte, seine Aufmerksamkeit zu erregen und auf irgendeine Art und Weise zu kommunizieren.
»… die Schüler sind …«, sagte Remus, brach jedoch mitten im Satz ab, um über seine Schultern zu blicken. »Wie laufen die Dinge zwischen euch?«
»Was? Entschuldige, du sagtest …?«
»Severus. Ich habe bemerkt, wie sehr sich seit kurzem sein Benehmen gegenüber Nathan verbessert zu haben scheint, und ebenfalls andersherum, aber wie behandelt er dich?«
»Er ist höflich gewesen«, sagte Hermione und schaffte es, das Gefühl von Severus' Lippen und Händen auf ihrer Haut für sich zu behalten. »Wir diskutieren nach wie vor, aber ich vermute, dass es keine Möglichkeit gibt, irgendetwas von ihm zu bekommen, ohne zuerst zu debattieren, oder?«
Remus brummte und schaute sie mit Augen an, die sie für ihren Geschmack als ein wenig zu inquisitorisch empfand. »Und wie geht es Harry im Moment?«
Der abrupte Themenwechsel überrumpelte sie und ließ sie sich noch unbehaglicher fühlen. »Ich habe ihn seit einer Weile nicht gesehen.«
»Vielleicht wirst du die Gelegenheit haben, Versäumtes nachzuholen. Er wird für den kommenden Vollmond meine Vertretung sein.«
Hermione versuchte von da an, ihre Aufmerksamkeit auf Remus gerichtet zu halten und lediglich an ihm vorbei zu Severus zu schauen, wenn sie sich zwischen zwei Themen befanden. Ihrer beider Augen trafen sich mehrere Male, doch Severus war viel diskreter als Hermione, und es war schwer zu sagen, ob er ihre Aufmerksamkeit bemerkt hatte oder nicht.
Sie begab sich nach dem Abendessen geradewegs zu den Kerkern. Unter seiner Bürotür kam kein Lichtschein hervor, und es gab auch kein Licht in seiner Wohnung. Mit gerunzelter Stirn machte sie sich auf den Weg zurück zur Eingangshalle, als sie dann das Licht bemerkte, das den Steinfußboden vor dem Klassenzimmer für Zaubertränke beleuchtete.
Sie klopfte.
»Herein«, kam seine Aufforderung, was Hermione lächeln ließ.
Sie stieß die Tür auf und fand ihn drinnen, doch er war nicht allein. Drei Jungen und ein Mädchen, mutmaßlich Drittklässler, waren mit verschiedenen Aufgaben beschäftigt, während er an seinem Schreibtisch saß; alle Augen waren jetzt auf sie gerichtet.
»Zurück an die Arbeit«, knurrte er leise, und die Schüler gehorchten unter Selbstmitleid. Er verließ den Schreibtisch, um an der Tür mit ihr zusammenzutreffen.
»Die Unterbrechung tut mir leid«, entschuldigte sie sich.
»Benötigst du irgendetwas?«, fragte er höflich.
»Nichts, was nicht warten kann«, log sie. Tief in ihrem Inneren wurde ihr Bedürfnis nach seiner Berührung und Gesellschaft immer dringender, durch den Klang seiner Stimme und den Anblick von ihm nur eine Armeslänge entfernt verstärkt.
»Mein Abend ist an diese Schwachköpfe verloren«, erklärte er ihr laut, was von den Schülern deutlich gehört werden konnte. »Wenn es warten bis morgen kann …« setzte er hinzu, während seine Miene eine Entschuldigung übermittelte.
»Morgen. Natürlich. Gute Nacht, Severus.«
Er nickte und blaffte einen der Jungen auf seinem Weg zurück zu seinem Schreibtisch an. Hermione verließ den Raum, bevor sie die Dinge für die armen Schüler beim Nachsitzen noch schlimmer machen konnte.
Sie blieb auf und wartete in ihrer Wohnung auf ihn, bis sie begriff, dass er nicht kommen würde, obgleich sie es erhofft hatte. Sie schlief und träumte von ihm, sich nicht bewusst, was dies bedeutete.
Sie war wiederum nicht imstande, beim Frühstück neben ihm zu sitzen, und bevor sie sich auf den Weg in die Kerker machen konnte, um sich in richtiger Art und Weise mit ihm zu treffen, kam Nathan zu ihr.
»Hallo, Mom. Gehst du zu Dads Labor?«
»Ja, kommst du mit?«
Sein Lächeln antwortete ihr, und sie ergab sich schicksalsergeben in einen weiteren Morgen ohne Severus' Berührung. Es war hilfreich, dass der Brauprozess ihren Verstand von Gedanken an ihn fernhielt. Außer Stande, es in die Große Halle zum Mittagessen zu schaffen, schickte sie Nathan allein dorthin. Als er zurückkehrte und ihr erzählte, dass er die Hauselfen gebeten hatte, ihnen belegte Brötchen zu bringen, bestand sie darauf, dass er in die Große Halle zu einem anständigen Mittagessen gehen solle.
»Aber ich will hier sein, um die Alihotsi-Blätter hinzuzufügen«, machte er als Einwand geltend.
»Du wolltest hier sein, um mir dabei zuzusehen, wie ich die Teufelsschlingen-Wurzeln verarbeite. Ich habe dir bereits gesagt, dass es zu gefährlich ist.«
»Aber, Mom, ich habe nicht darum gebeten, sie zu zerschneiden, sondern nur, dir dabei zuzusehen, wie du sie zerschneidest«, quengelte er abermals.
Hermione hob lediglich eine Hand und bat mit dieser Geste um Schweigen. Sie zählte die letzten zwanzig Umdrehungen im Uhrzeigersinn mit dem gläsernen Rührstab mit und beobachtete, wie der Zaubertrank die perfekte Farbe annahm.
»Ist er milchig weiß?«, fragte Nathan, während er sich dem Kessel näherte, um in das Innere zu schauen.
Hermione war gerade im Begriff, ihre Diskussion an der Stelle fortzusetzen, wo sie sie vorhin verlassen hatte, als ihre Augen den Anblick des Mannes an der Tür einfingen.
»Wer hat das hier bestellt?«, fragte Severus, ein Tablett mit belegten Brötchen in seinen Händen.
»Ich.« Nathan ging zu ihm hinüber und versuchte, das Tablett zu nehmen.
»Wohin gedenkst du das mit hinzunehmen?«, fragte Severus, eine Augenbraue hebend, ohne das Tablett loszulassen. »Belegte Brötchen gehören nicht zu den Zutaten für diesen Zaubertrank, oder doch?«
»Nein, sind sie nicht«, antwortete Nathan verdrossen.
»Nimm sie mit nach draußen«, befahl Severus, doch er hielt das Tablett wiederum fest, als Nathan versuchte, danach zu greifen. »Doch zunächst einmal – warum bist du nicht zum Essen in der Großen Halle?«
»Genau darüber haben wir gerade diskutiert«, betonte Hermione.
»Mom …«, versuchte Nathan zu argumentieren.
»Es ist jetzt wahrscheinlich zu spät dafür«, sagte Severus. »Bring das Tablett ins Büro und das nächste Mal machst du das, was deine Mutter sagt.«
»Ja, Sir.« Nathan verließ das Laboratorium.
»Danke.« Hermione war endlich mit Severus allein.
Er neigte seinen Kopf, um ihren Dank zur Kenntnis zu nehmen, und ließ seine Augen auf ihr ruhen. Die Art und Weise, wie er sie anschaute, die Möglichkeiten, die unausgesprochen durch diesen Blick angedeutet wurden, jagte ihr Schauer über den Rücken. Sie kämpfte darum, ihren Blick abwenden und zurück auf den Kessel zu schauen. Sie konnte sich in dieser Phase des Brauens nicht den Luxus leisten, sich zu amüsieren und dadurch abgelenkt zu werden – der Zaubertrank musste gerührt werden … Und zwar jetzt. Sie machte sich an die zu erledigende Aufgabe.
»Rühre alle fünf Minuten, immer abwechselnd, beginne im Uhrzeigersinn, siebenmal, zwanzig Umdrehungen.« Er schien aus ihren Aufzeichnungen vorzulesen. Sie machte die letzte Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn und zog den Rührstab vorsichtig aus dem Zaubertrank heraus. »Ich werde von hier an übernehmen. Du gehst mit Nathan essen. Wie viele Zyklen fehlen noch?«
»Fünf, aber das Mittagessen kann warten. Danke trotzdem.«
Er drang in ihren persönlichen Freiraum ein, hielt sie mit seinen eindringlichen Augen auf der Stelle fest. Er streifte den Rührstab aus ihrer Hand, als ob dies eine Liebkosung wäre.
»Ich gehe davon aus, dass sich die belegten Brötchen im Büro befinden«, murmelte er nah an ihrem Ohr. Er machte einen Schritt rückwärts und brachte sie durch sein von ihr Abrücken dazu, ein wenig zu schwanken.
Sie öffnete die Augen, die sich durch die Macht seiner Stimme geschlossen hatten, als diese über sie hinweggeflutet war. Das mutwillige Grinsen in seinem Gesicht sagte ihr, dass er ganz genau wusste, was er gerade getan hatte. Es verängstigte sie.
»Ich glaube, dass ich warten werde, bis der Zaubertrank dieses Stadium hinter sich gelassen hat.« Sie streckte ihre Hand aus, eine Geste, mit der sie den Rührstab zurückforderte.
Er verlor das Grinsen – wie beabsichtigt. »Geh etwas essen und lass den Kessel meine Sorge sein.«
Sie hatte keine Zeit, um darüber zu debattieren, also gab sie ihm – widerstrebend – Zugriff auf den Zaubertrank. Ein paar Sekunden später begann er mit dem dritten Zyklus des Rührens. Sie bemerkte erst, dass sie die Umdrehungen mitgezählt hatte, als er sagte: »Ich weiß, wie man einen Zaubertrank rührt. Ich weiß ebenfalls, wie man bis zwanzig zählt.« Er hielt präzise bei zwanzig inne und hob sorgsam das Werkzeug aus dem Zaubertrank. »Ich versichere dir, dass ich außerdem darüber Bescheid weiß, wie man für genau fünf Minuten wartet, bevor man die Aufgabe wieder aufnimmt.«
»Die Farbe ist ...«
»Ich weiß. Geh zu Mittag essen, Hermione. Ich werde deinen Zaubertrank nicht ruinieren.«
Natürlich würde er ihn nicht ruinieren. Hermione verließ – ihre Pläne vereitelt – das Labor und traf dort mit Nathan zusammen, der im Büro still vor sich hin aß.
»Kümmert sich Dad um den Zaubertrank?«
»Ja.« Sie nahm einen Stuhl in Beschlag, griff nach einem Sandwichund dachte darüber nach, was sich gerade zwischen Severus und ihr abgespielt hatte. Er hatte sie manipuliert, hatte mit ihren Sinnen gespielt, und sie hatte darauf reagiert. Er war einfach …
Hermione seufzte.
Er hatte einfach nur versucht, hilfsbereit zu sein, und sie hatte ihn mit ihrer übereifrigen Art, an ihrer Arbeit zu hängen, vor den Kopf gestoßen. Niemand würde besser wissen als Severus, wie man Obacht auf einen Zaubertrank gab, und sie hatte ihn unabsichtlich verletzt, indem sie genau das anzweifelte.
»Glaubst du, dass es ihm etwas ausmachen würde, wenn ich ins Labor zurückkehre?«
»Natürlich nicht, Honey. Hast du bereits gegessen?«
»Ja. Möchtest du, dass ich auf dich warte?«
»Nein, ab mit dir. Unterbrich ihn nicht, wenn er die Umdrehungen zählt«, empfahl sie ihm.
Minuten später, nachdem sie das Labor wieder betrat, fand sie Severus mitten im letzten Zyklus des Umrührens vor und Nathan, der alles aufmerksam beobachtete. Sie näherte sich ihnen, als er den Rührstab heraushob. Bevor sie irgendetwas sagen konnte, offerierte er ihr das Arbeitsgerät und sagte: »Alles deins.«
Mit schnellen Schritten verließ er den Raum und überließ es ihr, darüber nachzudenken, wie sie ihren Mangel an Taktgefühl wiedergutmachen konnte.
Severus benahm sich während des Abendessens distanziert, reagierte selbst auf das Geplapper von Nathan nur wenig. Am Ende des Essens fühlte sich Hermione so schlecht darüber, was zuvor geschehen war, dass sie Nathan draußen warten ließ, als sie einander Gute Nacht wünschten.
»Ich entschuldige mich für das, was ich im Labor getan habe.«
»Es ist spät«, erinnerte er sie.
»Ich möchte nicht heute Abend nicht gehen ohne sicherzustellen, dass du verstehst, dass ich überrumpelt war. Die Art und Weise, in der du mich mit deiner Anwesenheit ablenkt hast, ist erschreckend. Es tut mir leid, dass ich so schlecht darauf reagiert habe. Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist. Ich …«
»Nathan wartet.«
»Ich möchte nicht gehen«, gestand sie ein, da sie ihn nicht verlassen wollte, bevor sie davon überzeugt war, dass er ihre Entschuldigung akzeptiert hatte.
Sein unbestimmbarer Gesichtsausdruck zerrten an Hermiones Nerven von wie die Schnüre an einer Marionette.
»Ich werde mit euch gehen«, sagte er und hielt die Tür für sie auf, damit sie ihm voran den Kerker-Korridor betreten konnte.
»Dad?«
»Ich werde euch heute Abend begleiten«, sagte Severus einfach.
Sie beobachteten, wie Nathan hinter dem Portrait der Fetten Dame verschwand, und Hermione nahm sofort seine Hand. »Severus?«
»Nicht hier«, murmelte er, sich umschauend.
»Dann meine Wohnung«, bot sie an.
Er setzte sich in Gang und nahm Hermione an der Hand, was sie sich mit jeder vergehenden Minute mehr entspannen ließ. An ihrer Tür wartete er darauf, dass sie ihnen Zugang gewährte, und sobald sie eingetreten waren, konnte Hermione ihre innere Unruhe nicht mehr zurückhalten.
»Ich hatte nicht die Gelegenheit, mich bei dir dafür zu bedanken, dass du mir im Labor geholfen hast.«
Seine Hand wärmte eine Seite ihres Gesichtes. »Genug davon.« Seine Lippen fanden die ihrigen, und Hermiones Knie gaben vor Erleichterung beinahe unter ihr nach. Sie hielt sich an seinem Nacken fest, ihren Körper an den seinigen pressend.
»Danke.« Sie strich sein Haar aus seinem Gesicht, ihn mit Händen und Augen liebkosend. »Wiederhole das, was du mit mir im Labor getan hast«, bat sie. »Bring' mich dazu, mich in meinen Gefühlen zu verlieren.« Ihre Hände glitten über seinen Nacken und auf seine Brust, wanderten seine Arme auf der Unterseite seiner Roben entlang, bis sie seinen Rücken erreichten.
»Du traust mir zu viel zu«, flüsterte er in ihr Ohr, während seine Stimme in ihr Gehirn eindrang und es zum Schmelzen brachte.
Sie schenkte ihm ein törichtes Lächeln, bevor sie ihn abermals küsste.
»Du hast mich beinahe dazu gebracht, den Zaubertrank zum Teufel zu schicken, damit ich einfach auf diese Art verharren könnte, dich festhaltend und den ganzen Tag lang küssend.«
»Weniger Worte.« Er bedeckte ihren Mund mit seinem, um ihr das Wie zu demonstrieren. Sie verlor sich in ihm, spürte Hände und bediente sich dieser, um unerforschte Stellen zu berühren, bis das geschäftige Schweigen zu atemlosem Delirium wurde.
Vielleicht war es an der Zeit, die Unterhaltung wieder in Gang zu setzen.
»Severus«, versuchte sie dies, während sie mit ihrer Nase seinen Hals berührte und ihren Mund aus seiner Reichweite brachte. Er schob ihr Haar aus ihrem Gesicht, hinterließ einen fröstelnden Schauer auf dem Pfad, wo sein Daumen entlangstrich. »Ich habe Durst.« Sich aus seiner Umarmung befreiend, offerierte sie: »Möchtest du ein Glas Wasser?«
»Vielleicht sollte ich gehen.«
»Nein!«, reagierte Hermione. »Ich meine … bleib hier.« Sie ergriff seine Hand und zog ihn zur Couch. »Bleib hier und erzähl' mir über deine Woche. Was hast du gemacht, seit ich dich am Mittwoch zuletzt gesehen habe?«
Er beobachtete sie, während sie zwei metallene Schmuckkelche mit Wasser füllte. »Du willst plaudern? Wir können nicht vortäuschen, dass wir uns gerade erst begegnet sind.«
»Warum können wir das nicht?«
»Weil meine Erinnerungen an dich nicht spontan aus meinem Kopf verschwinden werden. Nun, technisch gesehen, könnte ich sie ausradieren, aber du verstehst, was ich meine. Wir kennen einander länger als nur ein paar Tage.«
»Die Umstände sind unterschiedlich. Wir sind unterschiedlich.«
Er hob eine Augenbraue, um zu widersprechen. Sie bot ihm einen Kelch Wasser an, den er akzeptierte.
»Versuchst du, mir zu erzählen, dass du dich in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht verändert hast?« Sie setzte sich neben ihn, um auf seine Antwort zu warten.
»Glaubst du ernsthaft, dass ich nicht der Mann bin, den du getroffen hast, als du in Hogwarts angekommen bist?« Von dem Ausdruck auf sein Gesicht ausgehend, konnte Hermione erkennen, dass er es in Bezug auf die Frage todernst meinte.
»Ich bin nicht das Mädchen, das du vor zwanzig Jahren getroffen hast, genauso, wie ich davon überzeugt bin, dass du nicht länger der Mann bist, den ich kannte, als ich dieses Mädchen war.«
»Jungen und Mädchen verändern sich häufig. Männer und Frauen allerdings … Es gibt einen bestimmten Zeitpunkt im Leben, wo die Handlungen nicht mehr ungeschehen gemacht werden können, und das Leben jenen als eine Reihe von Konsequenzen folgt. Mein Leben war immer ein außer Kontrolle geratener Zug, der jeden, der jemals versucht hat, seine Richtung zu ändern, tötete oder verletzte.«
Sie überdachte seine Worte. »Du könntest Recht haben, aber—«
»Es gibt kein 'Aber'.«
»Aber«, setzte sie fort, »uns werden immer neue Wege zur Auswahl angeboten, und selbst wenn sie sich nicht alle allzu sehr voneinander zu unterscheiden scheinen, so haben wir trotzdem die Wahl, uns zu ändern. Du hast das gemacht. Ich ebenfalls. Wir haben uns geändert.«
»Selbst wenn ich dir beistimme, dass wir veränderte Menschen sind, wird unsere Vergangenheit immer die Basis dafür sein, wer wir jetzt sind. Wärst du nicht Potters Günstling gewesen, wärst du nicht zu der Frau geworden, die du heute bist.«
»Und wer würde sie sein?«
»Vollkommen wahnsinnig, viel zu vertrauensselig, übereifrig, wenn es um die Interessen anderer geht, jedoch nicht für sich selbst, eine Streberin.«
Sie lächelte ihm zu. »Wie schmeichelhaft.«
Er verbeugte sich spöttisch.
»Und wer bist du?«, fragte sie, ohne sich viel dabei zu denken, und begriff erst im Nachhinein, wie viel sie von ihm verlangte.
Er wandte seine Augen ab.
Bevor das Schweigen beide frösteln lassen konnte, rückte Hermione näher und nahm seine Hände in die ihrigen. »Darf ich?«
Er gab ihr nicht die Erlaubnis, er verbot es ihr jedoch auch nicht.
»Ich nehme nicht für mich in Anspruch, dich so gut zu kennen, wie ich es mir ersehne.« Sie lächelte und versuchte damit, ein wenig Wärme auf ihn und seine kalten Hände zu übertragen. »Du bist anders als der Mann, dem ich während des Krieges begegnete. Bevor du mich unterbrichst, möchte ich dich wissen lassen, dass du auch jetzt noch genauso abschreckend, unfair, absichtlich grausam und brillant wie eh und je bist, doch damals schienst du auf eine bestimmte Art und Weise … unvollständig zu sein. Ich weiß nicht, was gefehlt hat, aber nach diesen letzten verrückten Monaten glaube ich, dass dieses 'Etwas' jetzt nicht mehr fehlt. Vielleicht ist es deshalb, weil wir mehr Zeit zusammen verbracht haben, oder es war einfach nur der Eindruck, den du bei mir hinterlassen hast, als du während des Krieges unter solch massivem Stress gestanden hast – ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall mag ich diese Version von dir lieber.«
»Jetzt bin ich an der Reihe. Ich bin abschreckend, unfair, absichtlich grausam und brillant.«
Sie lachte. »Und was noch?«
Er gab ihren Händedruck zurück und schaute sie eindringlich an. »Nathan veränderte mich«, bekannte er.
Die Erwähnung ihrer beider Sohnes in einem solch bedeutenden Zusammenhang ließ ihr Herz sich weiten. »Er vervollständigte mich ebenfalls.« Sie befreite eine Hand, um den Blick seiner Augen freizumachen, indem sie sein Haar hinter sein Ohr schob. »Du und Nathan, ihr habt mich vervollständigt.« Sie küsste ihn zärtlich und kuschelte sich an ihn. Er hieß sie in einer mit einem Arm ausgeführten Umarmung willkommen und zog sie an sich heran.
Sie endete letztendlich damit, auf diese Weise einzunicken, indem sie die Hitze seines Körpers als Decke und seinen Herzschlag als ein perfektes Wiegenlied nahm.
»Hermione.«
»Hmm.«
»Wach auf.«
Sie versuchte, seiner Stimme zu gehorchen, während sie ihr Gesicht an seinem Brustkorb rieb. Es war so angenehm. »Nein«, erklärte sie ihm. Wenn sie jetzt aufwachen würde, würde der Traum, dass er es wäre, verschwinden, und sie würde ihn so schrecklich vermissen.
»Hermione.«
Sie öffnete ihre schweren Augenlider und lächelte schläfrig, als er nicht verschwand. »Ich bin wach.«
Er schob ihr Haar beiseite und platzierte flüchtige Küsse auf ihre Lippen und die Stirn. »Geh ins Bett.« Er half ihr aufzustehen. »Wir sehen uns morgen früh.«
Sie brachte ihn bis zur Tür und hielt ihn an der Hand fest, bevor er gehen konnte.
»Ich vermisse dich bereits jetzt.«
Er küsste sie und verließ ihre Wohnung, in die Dunkelheit des Korridors verschwindend.
Es gab den üblichen Tumult in der Großen Halle, als Harry Potter mit Schulleiterin McGonagall hereinkam. Nathan lächelte und winkte seinem Paten zu, der auf seinem Weg zum Lehrertisch sein Winken erwiderte.
»Ich liebe es, wenn Harry Potter für Professor Lupin einspringt«, kommentierte Kevin.
»Ich ebenfalls«, stimmte Nathan zu. Er schaffte es nicht, das Lächeln aus seinem Gesicht zu wischen. In ihrem Brief hatte Tante Ginny ihm mitgeteilt, dass sein Patenonkel sein Prince-Familien-Insigne mitbringen würde. Es war endlich angekommen!
Nach dem Vormittagsunterricht schaute Nathan auf einen Sprung im Klassenzimmer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste vorbei, wo er seinen Patenonkel vorfand, der mehrere Übungspuppen für Duelle instand setzte. Er klopfte an die geöffnete Tür. Harry schaute auf.
»Nathan.« Sein Pate lächelte und winkte ihn heran. »Komm 'rein. Ich bin hier fast fertig.« Er reparierte eine weitere Übungspuppe. »Wo sind deine Freunde?«
»Ich sagte ihnen, dass ich einen kurzen Abstecher machen würde, bevor ich zum Mittagessen gehe, und ich glaube, dass sie dachten, dass ich damit die Bibliothek meinte.«
Harry lachte. »Ein wahrer Granger.«
Nathan lächelte über das, was er als Kompliment ansah.
»Ich werde nur das Büro abschließen, und wir können uns unten mit ihnen treffen.«
»Hat Tante Ginny irgendetwas für mich mitgeschickt?« Nathan war zu erpicht darauf, um zu warten.
»Ja, in der Tat, das hat sie. Ich hätte es beinahe vergessen. Es ist im Büro. Ich bin gleich zurück.« Harry kam mit einem kleinen Kästchen zurück. »Hier hast du es.«
Nathan öffnete es auf der Stelle und bewunderte die Schönheit der Arbeit. »Tante Ginny ist in Verwandlung wirklich gut«, kommentierte er.
»Was ist das?« Harry näherte sich, um einen Blick darauf zu werfen. »Eine Brosche?« Er schaute Nathan verblüfft an. »Bist du nicht zu jung, um Mädchen nachzusteigen?«
»Mädchen?« Jetzt war es an Nathan, verblüfft zu sein. »Oh! Nein, das ist nicht für ein Mädchen! Es ist …« Beinahe hätte Nathan seinem Paten erzählt, was das Insigne wirklich war. »Das ist für eine Hausaufgabe in Geschichte der Magie.«
»Oh, ich verstehe. Und was hat es damit auf sich?«
»Es ist eine wirklich uralte Zauberer-Tradition. Ich las ein Buch, das die Existenz dieser Tradition bis in Merlins Ära zurückdatiert.«
»Merlin? Wirklich?« Harry legte einen Arm um ihn und zog Nathan mit sich aus dem Klassenzimmer. »Das ist bestimmt alles äußerst faszinierend, wie ich mir sicher bin, aber wir sollten besser in Gang kommen, wenn wir es noch zum Mittagessen schaffen wollen, bevor das Essen zu Ende ist.«
Nathan lächelte zufriedengestellt. Sein Prince-Familien-Insigne war perfekt, und er hatte es rechtzeitig erhalten, um es schon beim Tee mit seinem Vater an diesem Nachmittag zu tragen.
Nathan betrat das Büro des Meisters der Zaubertränke, die Gryffindor-Roben mit einer traditionellen Slytherin-Gewandspange verziert.
»Hallo, Dad.«
»Guten Tag, Nathan. Ich werde diese Aufsätze beenden, wir werden jedoch bald in meine Wohnung gehen. Setz' dich.«
»Worüber handeln die Aufsätze?«
»Salat, wie es scheint. Es wird niemals aufhören, mich in Erstaunen zu versetzen, wie unverschämt kreativ einige Schwachköpfe sein können, wenn sie angewiesen werden, Recherchen über Chinesischen Kaukohl anzustellen«, antwortete sein Vater. »Was bei Merlin ist ein Bok Choy?«
»Das ist ein chinesisches Gericht mit Kraut.«
Snape hob den Blick von dem Aufsatz, um überrascht auf Nathan zu schauen.
»Ich mag chinesisches Essen.« Er zuckte mit den Schultern, lächelnd.
Plötzlich veränderten sich die Augen seines Vaters von neugierig zu erschrocken, als ob er einen Geist gesehen hätte. »Was ist das an deinen Roben?«, fragte er Nathan eindringlich, ließ den Federkiel fallen und stand auf.
»Es ist ein Prince-Familien-Insigne.« Nathan lächelte, glücklich darüber, dass sein Plan, seinen Vater zu überraschen, so gut funktionierte. »Es ist genau wie deins. Gefällt es dir?«
»Mach' es ab.«
»Was?«
»Nimm es ab!«
Nathan starrte fassungslos auf seinen Vater. »Warum? Ich habe jedes Re—«
»Jetzt, Nathan!«
Er gehorchte, nahm die Gewandspange ab, ohne eine Erklärung dafür zu haben, warum etwas, was er als eine angenehme Überraschung vorbereitet hatte, seinen Dad zu einer vollkommen gegenteiligen Reaktion animiert haben könnte.
»Gib sie her.«
Nathan reichte sie ihm mit leicht zittriger Hand.
»Wo hast du das gefunden? Wer gab dir das?«
»Ich … Es war …«
»Wer?«, kam die wütende Stimme seines Vaters, jetzt bloß lauter.
»Onkel Harry brachte es ...«
Der Mann war aus der Tür, bevor Nathan auch nur mit einer Erklärung beginnen konnte. Er rannte dem Mann nach und versuchte, mit ihm Schritt zu halten, als sie die Haupttreppen hinaufstiegen.
»Dad!«, rief er und versuchte, ihn dazu zu bringen stehenzubleiben. »Dad!«
Als sie die richtige Etage erreichten, startete Nathan durch und rannte seinem Vater voraus.
»Nathan! Geh in mein Büro zurück!«
Nathan ignorierte den Befehl und rannte weiter. »Onkel Harry! Onkel Harry!«, rief er, um zu versuchen, seinen Paten vor dem Zorn seines Vaters zu warnen. »Onkel Harry!«
Harry erschien schließlich auf dem Korridor. »Nathan?«
»Lauf, Onkel Harry! Nach drinnen!« Nathan stieß seinen Paten zurück ins Büro und musste innehalten, um durchzuatmen. »Benutze das Flohnetz!« Er atmete ein weiteres Mal tief durch. »Er ist hinter dir her!«
»Wer? Was geht hier vor?«
»Mein Dad! Lauf!«
»Nathan, ich glaube, dass ich dir sagte, du sollst in mein Büro zurückgehen.«
»Oh, nein! Zu spät!«, jammerte Nathan.
»Was soll das bedeuten, Snape?«
»Dad, Onkel Harry hat mir das Prince-Familien-Insigne lediglich mitgebracht. Er hat es nicht—«
»Halt' dich da 'raus, Nathan«, qualifizierte sein Vater Nathans Erklärungsversuch ab. Sich Harry zuwendend, beschuldigte er ihn: »Versuchen Sie, meinen Sohn zu korrumpieren, ihn gegen mich aufzuhetzen?«
»Ich habe keine Ahnung, worüber Sie reden, aber ich mag Ihren Ton nicht, Snape, genauso wenig wie die Art und Weise, wie Sie mit meinem Patensohn sprechen.«
»Dad, bitte. Er hat nichts …«
»Dass Sie das Halbblutprinz-Fiasko nie vergessen konnten, ist eine Sache, aber meinen Sohn zu benutzen, um Ihre kleinkarierte Rache an mir zu verüben, ist ein starkes Stück – sogar für Sie, Potter.« Snapes Zauberstab fand seinen Weg in dessen Hand.
Genauso wie Harrys.
Nathans Augen weiteten sich. All das geschah viel zu schnell, simultan.
Sein Pate schrie: »Lassen Sie den Zauberstab fallen, Snape!«
Sein Vater schwenkte seinen Zauberstab. »Incendio!«
Die Gewandspange, die das Prince-Insigne trug, fiel wie ein Stück Holz auf den Steinfußboden, wo sie mit wütenden Flammen verbrannte.
Nathan keuchte auf, als er mit weit aufgerissenen Augen der Zerstörung dessen zusah, woran er Wochen gearbeitet hatte, um es mit Hilfe von Tante Ginny als eine Überraschung für seinen Vater vorzubereiten.
»Manipulieren Sie nie wieder meinen Sohn, Potter«, warnte die knurrende Stimme seines Vaters, »oder Sie werden derjenige sein, der als nächstes brennt. Gehen wir, Nathan.«
Harry stellte sich schützend vor Nathan. »Er wird mit Ihnen nirgendwo hingehen, Snape. Was war das? Was haben Sie da verbrannt?«
»Das Prince-Familien-Insigne.« Nathan fand seine Stimme wieder, während seine Augen starr auf den Punkt gerichtet waren, wo die Gewandspange zu Asche verbrannt war.
Schweigen, brutal und drückend, legte sich über sie alle, beide Männer durch Nathans ruhige Worte verstummt.
»Ich verstehe nicht …« Er blickte zu seinem Vater auf, während eine Träne sein Gesicht herunterlief. »Du hast sie zerstört, aber ich ...«
»Du bist kein Prince«, erklärte ihm sein Vater vehement. »Potter benutzte dich, um mich zu treffen, und dafür wird er bezahlen. Du wirst niemals einer von ihnen sein; du wirst niemals ein Prince sein.«
Mit seinem Geist völlig aus der Bahn herausgewirbelt, schenkte Nathan den Erklärungen seines Vaters wenig Beachtung. »Ich bat Tante Ginny, die Spange für mich zu machen. Es sollte eine Überraschung für dich sein, eine gute Überraschung.« Nathan wusste immer noch nicht, an welcher Stelle sein Plan schiefgelaufen war. Er schaute noch einmal auf die Stelle, wo das Insigne verbrannt war. »Ich bin mir sicher, dass es genauso wie das war, das du auf Malfoy Manor getragen hast. Es war das Prince-Insigne, davon bin ich überzeugt.«
»Sie haben ihn nach Malfoy Manor mitgenommen?«, fragte Harry Snape und wurde ignoriert.
Nathan sah wieder auf seinen Vater. »Du bist ein Prince, ich kann mich in dieser Sache nicht derartig geirrt haben.«
»Was versuchst du zu sagen? Dass dudas Insigne hast herstellen lassen? Dass das deine Idee war und nicht Potters?« Sein Vater begann, in seine Richtung herüberzukommen.
»Bleiben Sie, wo Sie sind, Snape!«, warnte Harry.
Snape entwaffnete Harry mit stabloser Magie. »Halten Sie den Mund, Potter.« Direkt vor Nathan stehen bleibend, fragte er: »Warum hast du das getan?«
»Ich …« Eine weitere Träne quoll aus seinen Augen, doch sein Dad wischte sie weg, bevor sie sein bereits feuchtes Gesicht herunterlief. »Ich wollte einfach nur Teil deiner Familie sein«, bekannte Nathan, sich darüber gewahr werdend, was der wirkliche Grund hinter seinem Wunsch gewesen war, das Insigne zu tragen.
Sein Vater schüttelte seinen Kopf. »Sie verdienen dich nicht. Du bist nicht wie sie, und wenn es in meiner Macht steht, die Dinge auf diese Art und Weise zu belassen, dann wird es das sein, was ich mache.«
Nathan konnte nicht verhindern, dass sich der Schmerz darüber auf seinem Gesicht zeigte.
»Nein, nein. Das bedeutet nicht, dass du nicht mein Sohn bist, meine einzige Familie. Du bist ein Granger, und du kannst ein Snape sein, wenn du das willst, aber du bist in keinerlei Hinsicht annähernd so wie jener verabscheuungswürdige Prince-Clan.«
Nathan schüttelte seinen Kopf, da er auch jetzt noch nicht glauben konnte, dass das alles derartig schiefgelaufen sein könnte. Er hatte seine Recherchen penibel angestellt; er hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass sein Vater so böse auf ein Insigne reagieren könnte, das er selbst trug – vermutlich mit Stolz. Nathan biss auf seine Unterlippe, um ein Schluchzen zu unterdrücken.
»Machen Sie sich nützlich, Potter. Besorgen Sie uns Tee. Der Junge braucht Tee.«
Er wurde von starken Händen zu einem Sessel geleitet, und das ärgerte ihn. »Ich brauche keinen Tee.« Nathan schüttelte die Hände ab. »Hör' auf damit, mich zu behandeln, als ob ich ein Baby wäre.«
»Sohn, ich hatte nicht vor, dich zu ängstigen …«
»Ich bin nicht verängstigt«, entgegnete er.
»Natürlich bist du das nicht«, stimmte der Mann zu, die Stimme gedämpft. »Du bist zornig.«
Nathan konnte dies nicht mit derselben Vehemenz bestreiten, deshalb beschloss er, die Äußerung unkommentiert zu lassen.
»Ich kann dich nicht das Insigne von Mördern und Muggel-Hassern tragen lassen. Glaub' mir, wenn ich dir sage, dass keinerlei Ruhm mit dem Namen Prince verbunden ist, Nathan. Du bist nicht wie sie, und ich will nicht, dass du jemals wieder einen Gedanken daran verschwendest. Verstehst du?«
»Sie erfanden den Schokofrosch. Sie waren berühmte Tränkemeister. Warum ...«
»Das ist es nicht wert.«
Nathan war nicht überzeugt. »Wenn es so schlimm ist, ein Prince zu sein, warum verwendest du dann deren Insigne?«
»Ich …« Sein Vater zögerte und schaute auf Harry. »Wir gehen in die Kerker zurück, um dieses Gespräch dort zu beenden.« Der Mann zerrte an seinem Arm; Nathan schüttelte ihn abermals ab.
»Ich will es wissen, Dad.«
Snape schloss seine Augen. »Ich, im Gegensatz zu dir, mein Sohn, bin einer von ihnen.«
»Das macht keinerlei Sinn!«, argumentierte Nathan, und Schmerz fand seinen Weg zurück in sein Gesicht.
»Ich bin kein guter Mann.« Er beabsichtigte, erneut Nathans Arm zu ergreifen, ließ allerdings seine Hand an seine Seite zurücksinken. »Komm mit mir, bitte.«
»Warum glaubst du, dass du kein guter Mann bist?«
»Nathan, bitte.«
»Du sorgst dich immer um mich, sogar, bevor wir wussten, dass du mein Dad bist, selbst dann, wenn ich etwas Falsches tue. Mom erzählte mir davon, wie du dauernd sie und Onkel Harry beschützt hast.« Sich darüber bewusst werdend, wo sie waren, und wer sich mit ihnen hier befand, richtete Nathan die Frage an seinen Paten. »Ist das nicht wahr, Onkel Harry? Hat mein Dad nicht euch alle geschützt?«
»Ja, das hat er«, antwortete Harry, während er einen eigentümlichen Blick auf Snape richtete.
Sein Vater seufzte. »Ich weiß nicht, was du all diese Jahre über mich gehört hast, aber die Wahrheit ist … nicht angenehm.«
»Welche Wahrheit? Hasst du Muggel?«
»Ich habe nichts gegen Muggel.«
»Bist du ein Mörder?«
Der Mann massierte seinen Nasenrücken, als er versuchte, seine Antwort zu formulieren, als das Unwahrscheinlichste überhaupt geschah …
»Nein, ist er nicht«, antwortete Harry Potter. »Er ist einer der Helden, wie deine Mutter und ich.«
»Halten Sie sich da 'raus, Potter.«
»Er ist ein übellauniger und unbarmherziger Held, aber nichtsdestotrotz ein Held.«
»Also sollte er nicht das Prince-Insigne tragen, wenn es für Mörder bestimmt ist«, suchte Nathan sich bei seinem Paten zu überzeugen.
»Um Merlins willen! Ich bin dein Vater, nicht er. Er hat dabei kein Mitspracherecht!«
»Wenn du weiterhin das Prince-Insigne trägst, werde ich es ebenfalls tragen müssen«, machte Nathan deutlich.
»Ich verbiete es dir!«
»So läuft das nun mal. Die Tradition diktiert, dass ich nur das Insigne meiner Vorfahren tragen kann. Du lässt mir keine andere Wahl, als das Prince-Insigne zu tragen.«
»Stell' in dieser Angelegenheit nicht meine Geduld auf die Probe, Nathan. Deine Impertinenz wird in dieser Situation nicht toleriert.«
»Ich glaube, dass wir einen toten Punkt erreicht haben«, unterbrach Harry, als Nathan im Begriff war, seine Antwort abzugeben.
»Potter …«
»Wir werden beim Tee besser nachdenken können«, fuhr Harry fort. »Ich werde ein Tablett liefern lassen. Möchtest du ein paar Kekse, Nathan?«
»Ja, bitte.«
»Also ist es vollkommen in Ordnung, wenn er Tee anbietet«, murmelte sein Vater, während er ihnen zu den Sesseln folgte.
Tee wurde serviert, Kekse wurden gegessen, und das Schweigen war ohrenbetäubend.
»Wir haben noch immer einen toten Punkt zu überwinden. Was schlägst du vor, dass wir in dieser Hinsicht unternehmen, Nathan?«, erkundigte sich Harry.
Nathan schaute auf seinen Vater, der Harry mit offensichtlicher Wut betrachtete.
»Ich schlage vor, dass mein Dad damit aufhört, das Prince-Insigne zu tragen.« Dann, direkt an ihn gerichtet, setzte Nathan hinzu: »Du bist kein Mörder, Dad, und du bist auch kein Muggel-Hasser. Du bist ein Held.«
»Severus?«
»Potter!«, schnappte sein Vater. Als Nathan dachte, dass dies das einzige Wort seines Vaters bleiben würde, dass er niemals zustimmen würde, quetschte er zwischen zusammengebissenen Zähnen ein verärgertes »In Ordnung.« heraus.
Nathan lächelte. »Danke.«
A/N: Severus versucht es, er versucht es wirklich. Es ist nur, dass es für ihn so schwierig ist. Armer Mann … Zumindest kennen Hermione und Nathan ihn ein wenig besser und können hinter seine Unsicherheit blicken.:0)
Im nächsten Kapitel … Das Ende von Nathans erstem Schuljahr, und der Beginn von Severus' Familienleben.
