Wieder geht ein ganz grosses Dankeschön an meine tolle Betaleserin scientific ida!

Pheobe, Tweetylein und Tinschchen danke ich an dieser Stelle auch ganz herzlich fürs Reviewen. Auch allen anderen Reviewern herzlichen Dank. Viel Spass beim nächsten Teil, Sally

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Sei pünktlich zurück und mach keinen Unsinn!" mahnte Snape seine Tochter, die in ihre offenen Schuhe schlüpfte und am liebsten die Augen verdreht hätte über den Kommentar ihres Vaters. Was dachte er denn von ihr? Gestern war ja auch alles gut gegangen und sie hatte sich amüsiert mit den Kindern im Dorf. Aber heute Abend würden sie noch zu ihrer Tante und Onkel und deren Kindern zum Abendessen gehen. Darauf freute sie sich irgendwie, auch wenn sie sich das nicht so vorstellen konnte.

Sie strich sich eine Strähne ihres schwarzen Haares aus dem Gesicht.

Nathan hatte gestern die Idee gehabt, im Bachbett quer durchs Dorf zu gehen und das war ziemlich spannend gewesen. An einigen Stellen hatten sie durch Röhren gehen müssen und sie hatten viele Dinge im Bach gefunden.

Lisa war auch da gewesen und sie mochte das Mädchen gerne. Justin war lustig und Nathan war nett, wenn auch etwas zu sehr von sich selbst überzeugt. Phil war in den Ferien.

„Ja, Dad!" versicherte sie ihm und damit schlüpfte sie zur Tür hinaus.

Den ganzen Weg ins Dorf rannte sie, was nicht so anstrengend war, weil es eigentlich immer etwas abwärts ging. Doch sie wohnten ziemlich abseits und sie brauchte einige Minuten, bis sie am Dorfplatz war. Leider war niemand zu sehen, doch sie wusste, wo Nathan wohnte und da trafen sich fast immer alle Kinder.

Schon von weitem hörte sie die Stimmen.

„Hey, da ist Laura!" rief Justin, der kleine Bruder von Nathan begeistert und zeigte auf das schwarzhaarige Mädchen. Laura freute sich über den erfreuten Empfang und Nathan, der in einer Hängematte saß und heftig schaukelte, stoppte mit den Füßen und winkte ihr zu.

Er machte ihr Platz auf der Hängematte und sie redeten ein wenig. „Nathan ist in dich verliebt!" verkündete der jüngere Justin plötzlich lachend und Nathan drohte ihm, ihn in den Weiher zu werfen, wenn er weiter solchen Müll erzählen würde. Dabei wurde er aber verdächtig rot und war froh, dass Lisa in diesem Moment mit dem Fahrrad angeradelt kam.

Diese sah allerdings nicht sehr erfreut aus, als sie Laura und Nathan zusammen auf der Hängematte sah.

„Hey, gehen wir wieder in den Bach?" fragte Justin sofort aufgeregt. „Das war so toll!"

„Nein, wir gehen an den Strand!" entschied Nathan ohne die anderen um ihre Meinung zu fragen. Er wusste nicht, dass Lauras Vater ihr angeordnet hatte, im Dorf zu bleiben. Aber sie sagte nichts.

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Über alte Briefe gebeugt saß Severus Snape in seinem Haus und grübelte und suchte. Was genau er finden wollte, war nicht ganz klar. Irgendetwas. Irgendeinen Hinweis, der seinen schlimmen Verdacht bestätigte. Wieso? Er wusste es nicht. Er wollte es einfach wissen.

Doch Rachel schien nach der Geburt seiner Großmutter Rose keine Briefe mehr geschrieben zu haben. Weshalb? fragte er sich. Sie hatte ja noch viele Jahre gelebt. Hatte sie plötzlich aufgehört, um Margarida zu trauern?

"Hast du etwas gefunden?" fragte Amélie, die ihn eine zeitlang schweigend beobachtet hatte. Sie umarmte ihn von hinten und sah ebenfalls auf die Briefe hinunter, die sie aber alle schon gelesen hatten, soviel sie wusste.

"Nein," sagte er geistesabwesend, während er einen der Briefe zusammenfaltete. "Nichts." Er atmete hörbar aus und griff dann ihre Hände, die sie um ihn geschlungen hatte.

"Ich mach uns mal einen Tee," sagte sie, nachdem sie ihn auf die Wange geküsst hatte und verschwand in der Küche.

Severus nickte. Er hatte gestern Abend das Haus abgesucht nach Haaren von Edna. Er brauchte irgendetwas von ihr, das er untersuchen konnte. Er wollte wissen, ob sie an der Überdosis Vergessenstrank gestorben war. Oder sonst an einem Trank, den Rachel ihr vielleicht gegeben hatte. Er hatte nichts gefunden, obwohl er in jedem einzelnen Raum einen Accio-Zauber gemacht hatte, der auch ein altes Haar, das irgendwo dazwischen gerutscht sein konnte, zu ihm befördert hätte.

"So," sagte Amélie und stellte eine Teetasse vor ihn auf den Tisch. Sie setzte sich ihm gegenüber und nahm einen Schluck von ihrem Tee.

"In den nächsten Tagen suche ich ihr Grab," sagte Snape, während er seine dunkelgrüne Tasse nahm.

"Denkst du, sie ist in Olot respektive Santa Pau begraben?" fragte Amélie und musterte ihn aufmerksam. Er hob die dampfende Tasse an den Mund, doch hielt plötzlich inne. Er sah auf den Tee hinunter und schnupperte kritisch. Dann sah er die junge Frau, die ihm gegenüber saß und unschuldig blickte, stirnrunzelnd an.

"Was ist da drin?" fragte er. "Willst du mir etwas unterjubeln?" fragte er etwas ungläubig.

Amélie schüttelte den Kopf.

"Ich wusste, dass du das nicht trinkst," sagte sie ruhig und sachlich. "Es ist etwas blutdrucksenkender Trank drin," erklärte sie, als wäre es das Normalste, dass sie seinen Tee damit punschte.

Er sah sie etwas verwirrt an, denn er wusste nicht, was sie damit bezwecken wollte.

"Ich habe mich informiert und heraus gefunden, dass der Vergessenstrank in etwa den ähnlichen Geschmack hat. Meinst du nicht, Severus, dass Edna, als Tränkespezialistin wie du, auch gemerkt haben müsste, wenn etwas in ihr Getränk gemengt worden wäre. Bestimmt hatte sie eine so feine Nase wie du. Klar hatte sie das wohl nicht erwartet, in ihrer Familie, aber auch für dich war das jetzt unerwartet. Und trotzdem hast du nicht einen einzigen Schluck genommen."

Snape sah sie etwas stutzig an. Das hätte er Amélie gar nicht zugetraut! Und er musste ihr recht geben. Klar war es schwierig, gewisse Zaubertränke aus einem Tee oder sonst einem Getränk heraus zu riechen oder schmecken, aber dass Edna sowas über längere Zeit nicht gemerkt hätte, wäre wohl wirklich nicht sehr wahrscheinlich. Sie musste klar feine Sinne gehabt haben, sonst hätte sie es wohl nicht geschafft, einen komplizierten Trank zu entwickeln.

"Ich habe gleich einen Termin mit deinem Arbeitgeber," verkündete sie gespielt nebensächlich.

Snape hob eine Augenbraue. "Dumbledore?" fragte er überflüssigerweise. Amélie nickte.

"Genau," lächelte sie frech, als hätte er soeben eine Quizfrage beantwortet. "Ich will Leute finden, die mit Edna zur Schule gegangen sind. Bestimmt hatte sie Freunde. Und es wäre möglich, dass noch jemand davon am Leben ist."

"Dieser Jemand müsste dann aber beinahe hundert Jahre alt sein, oder nicht?" stellte er zweifelnd fest.

"Ja," antwortete Amélie. "Und wie alt ist Dumbledore?" fragte sie zwinkernd. Snape sah sie nachdenklich an.

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„Ein Geheimgang?" fragte Nathan und Justin sah sehr interessiert zu seinem Bruder auf. „Wer hat dir denn das erzählt?"

Laura druckste etwas herum. „Eine alte Frau," antwortete sie und Lisa nickte.

„Ja, davon habe ich gehört, ich glaube es aber nicht, denn ich hab mit meinem Bruder schon mal danach gesucht," sagte das dunkelblonde Mädchen, dass etwa einen halben Kopf größer war als Laura und eine große Muschel in der Hand hielt, welche sie eben gefunden hatte.

„Mein Großvater hat erzählt, dass Seeräuber vor vielen hundert Jahren ihre Beute in einer Höhle irgendwo in den Felsen da versteckten," erzählte sie rasch weiter, da sie die volle Aufmerksamkeit der anderen Kinder hatte. Natürlich hatte sie das nie so recht geglaubt, aber nun, da Laura auch von einem Geheimgang mit Höhle redete, konnte doch wirklich etwas dran sein.

Justin war Feuer und Flamme und rannte sofort zu der felsigen Böschung, die sich weiter vorne erstreckte.

Er rutschte auf den feuchten Steinen unter seinen Füßen aus und rappelte sich schnell wieder auf.

Laura folgte ihm und Nathan und Lisa gingen auch zu den höheren Steinhängen hinüber. Sie waren ziemlich weit gegangen, vom Dorf aus, aber Laura vermutete, dass es über die Felder nicht sehr weit von ihrem Zuhause weg war. Sie würde dann einfach eine Abkürzung über die meist gemähten Wiesen nehmen.

Wenn sie tatsächlich den Eingang finden würden, zu dem Gang, wäre das so genial, dachte Laura. Zwar wusste sie nicht, ob sie das den Freunden hätte erzählen dürfen, aber wenn jemand wusste, wo sich der Eingang befand, dann doch wohl jemand von hier.

„Hier ist eine Höhle!" rief Justin triumphierend. Schnell rannten die anderen zu ihm, nur um enttäuscht festzustellen, dass es eine kleine Einbuchtung in den Fels war.

„Du Dummkopf!" sagte sein großer Bruder, was Laura ziemlich gemein fand. Justin sah ihn wütend an, suchte dann aber schon weiter.

Lisa suchte schon wieder nach Muscheln und Nathan setzte sich auf einen großen Stein. Er hielt einen Fuß in eine kleine Mulde, in der sich Meerwasser gesammelt hatte. Laura ging dem kleinen Jungen hinterher, der nun mit einem Stock in einem Felsspalt rumstocherte. „Hier könnte es sein!" sagte er mit einem Seitenblick auf Laura. Sie trat näher und versuchte, in den Spalt hinein zu spähen. Aber man erkannte nichts, da er dunkel war drin.

„Vielleicht ist der Gang ja auch schon lange eingestürzt," meinte sie zu Justin, der als einziges wirklich interessiert schien, den Geheimgang zu finden.

Nathan redete etwas näher beim Meer mit Lisa. Laura fand Nathan noch süß, mit seinem braunen, gelockten Haar und den wenigen Sommersprossen über der Nase. Nur meinte er immer, den Chef raushängen zu müssen und das nervte sie etwas.

Laura spürte, wie die Sonne ihre Haut an ihren Schultern verbrannte. Sie war nicht empfindlich für Sonne, aber nun waren sie doch schon einige Zeit hier am Strand.

Nathan und Lisa hatten angefangen, mit dem Ball zu spielen, den der große Junge dabei hatte.

„Hier ist ein Loch," rief Justin, der mit seinem Stock in ein Loch in der schrägen Felsböschung stocherte. „Das ist aber etwas klein. Da kommt wohl kein fetter Pirat mit Beute durch."

Laura lachte, ging aber trotzdem zu dem Jungen hinüber. „Komm, wir nehmen mal den Stein da weg!" schlug sie vor und zerrte sofort an einem großen Stein.

Zusammen schafften sie es, den Stein zu entfernen und tatsächlich kam darunter ein größeres Loch zum Vorschein.

„Wir haben etwas gefunden!" rief Justin laut zu seinem Bruder und Lisa hinüber, die sie nicht zu hören schienen. Nochmals schrie der kleine Junge so laut er konnte und nun sah Nathan zu ihnen hinüber.

„He! Nun ist der Ball ins Meer!" rief Lisa, die den Ball gekickt hatte, in dem Moment, als Nathan einige Schritte Richtung Justin gemacht hatte.

„Och verdammt, der ist weg!" sagte Nathan verärgert.

Laura fragte sich, ob die Kinder denn nicht schwimmen konnten und rannte zum Strand, wo der Ball von den Wellen langsam weg getragen wurde.

„Ich hol ihn!" rief sie und Nathan schüttelte sofort den Kopf.

„Hier darf man nicht schwimmen!" sagte er. „He!" rief er lauter, als Laura nicht hörte.

Es war ja niemand hier, der es verbieten könnte, dachte Laura. Also, sie hatte Nathan nicht so eingeschätzt, dass er sich an alle Regeln hielt.

„Mir doch egal," sagte Laura nicht sehr laut und war auch schon im Meer. Sie schwamm schnell zum Ball.

Bald hatte sie ihn erreicht und schnappte ihn sich. „Komm sofort raus!" schrien die Kinder aufgeregt.

„Ja, ja!" sagte Laura und wusste nicht, wieso die so ernst waren.

Sie erreichte den Strand und sah von weitem einen Mann auf sie zueilen. Er hatte einen hellbraunen Hund an der Leine und kam schnellen Schrittes auf sie zu. Hoffentlich würde der Mann nicht schimpfen, wegen des unerlaubten Schwimmens. Aber es schien ja kein Polizist zu sein, also hatte er ihr ja auch nichts zu sagen, dachte sie und trotzdem behielt sie den Mann im Auge, der ziemlich wütend schien.

„Hier ist dein Ball!" sagte sie unsicher.

Die anderen Kinder bemerkten den Mann mit dem Hund nun auch, der sich schnell näherte. Laura sah fragend zu den Freunden. „Hier darf man nicht schwimmen!" konnte Nathan gerade noch erklären, als der Mann sie erreicht hatte und Laura unsanft am Arm packte.

Er schüttelte sie ziemlich und Laura erschrak. Der Mann sah aus, als kochte er vor Wut. „Bist du lebensmüde, du dummes Kind?" fuhr er sie ärgerlich an.

Laura sah mit großen Augen zu ihm auf. „Hier zu schwimmen ist verdammt gefährlich! Es gibt überall Schilder, auf denen das deutlich steht!" Er drehte Laura unsanft zur Böschung, wo tatsächlich ein großes Schild war. Sie hatte vorhin nicht darauf geachtet.

Laura schluckte leer. „Aber der Ball..." piepte sie eingeschüchtert.

„Willst du wegen eines Balls sterben?" schrie er sie an und schüttelte sie nochmals. Laura blinzelte und schüttelte dann langsam den Kopf. „Wo sind deine Eltern?" wollte er dann wissen, nachdem er sich umgesehen hatte.

„Zu Hause," hauchte Laura. „Ich wohne da... da oben." Sie zeigte in etwa der Richtung, in der sie wohnte. Hoffentlich brachte der Mann sie nicht nach Hause. Und wieso war der so wütend? Konnte dem doch egal sein, wenn sie ertrank!

„Hier sind schon viele Menschen ertrunken! Es müssen nicht noch mehr sein!" Er sah sie streng an, ließ sie nun aber los. Sein Haar war dunkelbraun mit ein paar grauen Strähnen, sein Gesicht war ebenmäßig und er hatte graue Augen.

Er wäre bestimmt noch sympatisch gewesen, wenn er nicht so böse geblickt hätte, dachte Laura. Sie nickte langsam. „Ja, Sir," sagte sie zerknirscht, da ihr nichts besseres einfiel.

„Lass dich nicht nochmals im Wasser erwischen, oder es wird dir nicht gut bekommen!" warnte er.

„Komm, Mex!" sagte er zu seinem Hund und ging davon. Die Kinder sahen ihm hinterher. Laura schämte sich ziemlich, dass sie vor den Freunden so zusammengestaucht worden war. Und das von einem fremden Mann.

Lisa sah sie mitleidig an. „Das ist der Fischer, der hier hinten, in dem Haus da lebt. Sein Bruder ist hier als Kind ertrunken," erklärte sie.

„Er ist sonst ziemlich nett," meinte Justin.

Nathan zeigte auf den Strand. „Das Meer hat hier so Strömungen, die einem weit ins Meer hinaus ziehen können. Du hast Glück gehabt. Wohl, weil das Meer heute so ruhig ist," meinte er. Im Dorf wusste das jedes Kind, dass hier Badeverbot war und deshalb hatten sie Laura nicht darauf aufmerksam gemacht.

Laura sah zu dem hübschen Haus, in dem der Fischer wohnte. Ein blaues Auto, ein Pickup stand davor, wie sie von weitem erkennen konnte. Unten am Meer wiegten sich einige Boote auf dem Wasser.

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Laura konnte es nicht glauben. War das nur eine kleine Höhle, oder konnte das wirklich der Eingang zu dem unterirdischen Gang sein. Das wäre ja Hammer!

„Wir müssen jetzt nach Hause," bemerkte Nathan plötzlich, als er auf die Uhr sah. „Mum dreht durch, wenn wir heute wieder zu spät nach Hause kommen," fügte er hinzu und Laura sah auf die Uhr des Jungen und erschrak.

Verdammt, sie hatte total die Zeit vergessen!

„Wir kommen Morgen mit Schaufeln und Pickel zurück," meinte Justin und Laura verabschiedete sich schnell.

Oje, ihr Dad würde wohl gar nicht erfreut sein. Der hasste Unpünktlichkeit und konnte wegen einer halben Minute recht schwierig werden, was würde er wohl sagen, wenn sie beinahe eine Stunde zu spät kam? Und das heute, wo sie doch noch eingeladen waren.

Suchte er sie wohl schon? War er vielleicht schon auf dem Weg hierher?

Nun fand sie die Idee, über die Felder nach Hause zu gehen, noch besser, denn da würde sie ihrem Dad nicht begegnen. Es wäre ihr mehr als peinlich, vor allem vor Nathan, wenn er ihnen wütend entgegen kommen würde. Sie stellte sich eine Schreckensszene vor, in der sie von ihrem Vater an den Ohren nach Hause geführt werden würde, vor den Augen der Freunde. Sie würde sich nie wieder blicken lassen können und ihre Schmach wäre schrecklich und lebenslänglich.

Schnell rannte sie einen schmalen Weg die Böschung hinauf und auf ein Feld. Sie musste über einen halb kaputten Zaun klettern und durch hohes Gras und Gestrüpp gehen, bevor sie auf ein Feld kam. Sie rannte los. Über einen Acker und durch irgend etwas Angesätes, das eben ein paar Zentimeter aus dem Boden ragte. Doch das war ihr jetzt egal, darauf konnte sie keine Rücksicht nehmen. Sie hoffte nur, keinem wütenden Bauern zu begegnen. Das wäre wohl zu viel, für einen Tag!

Beim Rennen dachte sie an den Mann von vorhin und wie aufgebracht er gewesen war und sie dachte daran, dass sein Bruder hier ertrunken war. Das musste schlimm gewesen sein! Deshalb war er wohl auch so wütend gewesen, dachte sie.

Außer Atem erreichte sie endlich ihr Zuhause und ging an der Außenmauer, die das Haus umgab entlang. Sie war nervös und ihr Herz klopfte laut, nicht nur vom Rennen. Mit mulmigem Gefühl im Magen ging sie nun etwas langsamer zur Haustür.

Sie schluckte leer, bevor sie die Klinke berührte. Sie hielt kurz inne und biss sich auf die Unterlippe. Langsam und möglichst leise öffnete sie die Tür.

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Schon zehn Minuten über der Zeit, dachte Snape genervt. Wahrscheinlich stampfte Laura mit diesen Muggelkindern durch den Bach. Was daran interessant sein sollte, wusste er nicht, aber er verstand noch so einiges nicht, wenn es um Kinder und insbesondere um seine Tochter ging.

Verantwortungsbewusstsein war eine Tugend, die er seiner Tochter beibringen wollte. Es war wichtig im Leben, zuverlässig zu sein.

Auch wenn sie am Spielen war, sollte sie die Zeit nicht vergessen, sie war schließlich alt genug. Er wusste, dass sie keine Uhr hatte, aber sie hatte genügend Möglichkeiten, die Uhrzeit ausfindig zu machen.

Er machte sich eine mentale Notiz, dass er ihr zum Geburtstag, der ja auch bald sein würde, eine Uhr kaufen würde.

Snape schritt zum Fenster und sah hinaus. Nirgends war sein Kind zu sehen. Er spürte, wie seine Ungeduld mit jeder Minute stieg und wie er ärgerlicher und ärgerlicher wurde. Nach einer halben Stunde wurde er sogar auch noch etwas besorgt. Hatte sie tatsächlich einfach die Zeit vergessen, oder war ihr vielleicht etwas zugestoßen?

Er versuchte, sein Temperament etwas zu beruhigen und setzte sich mit einem Tränkemagazin aufs Sofa. Remus würde nachher noch schnell vorbei kommen, um ihm zu berichten, ob Dursley gehandelt hatte, wie erwartet und um ihm eine Zutat für einen Zaubertrank zu bringen, die er vom StMungos jeweils bezog. Es handelte sich um einen sehr heiklen Saft, der ziemlich empfindlich war. Er war gespannt, ob dieser Dursley seinen dicken Hintern bewegt hatte, und Harry die Dinge besorgt hatte.

Er war ehrlich geschockt gewesen, über die Zustände in diesem Hause. Vor allem über die Tatsache, dass der Junge-der-lebt in einem Schrank unter der Treppe gewohnt hatte, während er der Überzeugung gewesen war, dass Harry als verwöhnter, selbstverliebter Bengel heran wuchs.

„Soll Milly Meister Professor Snape und Laura etwas zu trinken bringen?" fragte plötzlich Millys pipsige Stimme und Snape sah von dem Magazin auf, das er nur angestarrt hatte, statt wirklich etwas gelesen zu haben.

„Nein, danke. Die junge Miss Smethurst ist leider noch nicht zurück gekehrt vom Spielen," antwortete er etwas gereizt. Milly wusste, dass der Unmut ihres Meisters nicht ihr galt. Trotzdem beschlich sie ein ungutes Gefühl. Einerseits hatte sie etwas Angst, dass Laura etwas zugestoßen sein könnte. Andererseits würde ihr bestimmt etwas zustoßen, wenn sie nach Hause kam, dachte sie bange. Und wenn es nur in Form eines wütenden Professor Snapes war.

„Oh!" sagte sie nur und sah ihren Meister mit großen Augen an. Sie hoffte, dass er nicht all zu verärgert war darüber.

„In der Tat. Oh!" antwortete er und Milly wusste sofort, dass er wohl doch ziemlich wütend war.

„Junge Laura hat bestimmt beim Spielen vergessen, auf die Zeit zu achten, Meister Professor Snape, Sir. Das passiert Kindern oft!" versicherte sie nickend.

Eine Augenbraue zog sich etwas hoch, in Snapes Gesicht. Natürlich hatte er bemerkt, dass Milly versuchte, Lauras Benehmen zu entschuldigen und sie vor Strafe zu schützen.

Sie, genau wie auch Amélie, hatten immer für alles Verständnis und waren geduldig. Amélie hatte auch schon einige Male durchblicken lassen, dass sie ihn sehr streng fand. Vielleicht hatte sie Recht. Aber er war nicht bereit, all die Unarten einfach zu dulden.

Oft genug hatte er sich mit schlecht erzogenen Gören herumschlagen müssen in seiner Karriere als Lehrer. Kinder, für die alles selbstverständlich war und die es nicht gewohnt waren, selbst einen Finger zu krümmen und sich anzustrengen. Kinder, die es nicht gewohnt waren, einfache Anweisungen zu befolgen und gewisse Regeln einzuhalten. Und gerade das war sehr wichtig im Zaubertrankbrauen. Bei solchen Kindern hatte er sehr streng vorgehen müssen, damit sie begriffen, wie es bei ihm lief und dass er sagte, wo es lang ging.

Er wollte kein Kind, dass machte, was immer ihm beliebte. Vor allem wusste er auch, dass Laura sich in der Pubertät dann noch viel häufiger quer stellen würde und sich weniger sagen lassen würde. Milder werden konnte er jederzeit. Jetzt war es um so wichtiger, dass sie sich an die Regeln hielt und sich innerhalb der von ihm gesteckten Grenzen bewegte.

Wie er mit ihr umgehen würde, wenn sie erst einmal ein richtiger Teenie war, wusste er nicht. Ob er die Zügel lockerer lassen konnte, wusste er auch nicht. Es war nicht seine Art, etwas durch gehen zu lassen, dass ihm nicht passte. Und auch nicht Frechheiten über sich ergehen zu lassen.

Er war froh, dass dann Amélie an seiner Seite sein würde und ihn etwas unterstützen konnte, wenn Laura erst einmal mit Hormonen überschüttet werden würde. Milly hatte sich in die Küche zurück gezogen und er stand wieder auf und ging zum Fenster.

Nichts!

Er atmete hörbar aus. Dieses Mädchen konnte etwas erleben! dachte er und spürte es in seinem Innern wieder kochen.

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Zögernd trat Laura ein und fragte sich, ob ihr Dad wohl wirklich unterwegs war, um sie zu suchen. Sie hörte nichts und sie zog sich schnell die Schuhe aus. Ihre Kleider waren immer noch nass. Sie würde sich als erstes rasch umziehen gehen.

„Wo warst du?" fragte die Stimme ihres Vaters hinter ihr, als sie eben die Treppe hoch schleichen wollte.

Sofort drehte sie sich um und sah ihren Vater mit unerfreutem Blick vor sich. „Tut mir Leid , Dad!" sagte sie schnell. „Ich habe die Zeit vergessen," murmelte sie entschuldigend.

Snape hielt den Kopf etwas schräg und musterte die Tochter. „Wieso bist du so nass?" wollte er wissen.

Laura zögerte einen Moment und kratzte sich an der Nase. „Vom Bach," log sie und sie sah ihrem Vater an, dass er ihr die Lüge nicht abnahm.

„Ich hätte guten Grund, dich übers Knie zu legen, Laura. Also fordere mich nicht heraus, es zu tun!" warnte er in einschüchterndem Ton. Er hatte sich einmal geschworen, nichts anzudrohen, das er dann nicht durchziehen würde. Dass er Laura fürs Zuspätkommen versohlen würde, war aber nicht sehr wahrscheinlich, musste er sich selber zugestehen. Doch das musste sie ja nicht wissen und wenn sie ihn weiterhin anlog würde er für nichts garantieren.

Laura fragte sich, wieso er das nun schon wieder gemerkt hatte, sie hatte sich solche Mühe gegeben, überzeugend zu klingen. Doch sie entschied sich, die Wahrheit zu sagen. Vielleicht würde die Wahrheit ihr etwas besser bekommen, als wenn sie weiterhin log. Bestimmt würde er seine Drohung wahr machen.

Plötzlich räusperte sich jemand und sowohl Snapes wie auch Lauras Kopf schnellten herum. Remus stand, mit einem kleinen Päcklein in beiden Händen, im Durchgang zum Wohnzimmer. Er wusste, dass er wohl etwas ungelegen kam, nach den letzten Worten von Severus zu schließen, aber er konnte sich ja nicht einfach wieder davon schleichen. Schon gar nicht, da er hier erwartet wurde.

„Hallo zusammen," sagte er, da er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. Laura grüßte zurück, allerdings nicht so überschwänglich wie gewöhnlich.

„Ich warte dann im Wohnzimmer," sagte Remus als nächstes und drehte sich um. Snape nickte kurz und wandte sich dann wieder seiner Tochter zu.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet, junge Dame. Noch nicht ehrlich, jedenfalls," sagte er leise, aber scharf. Laura sah kurz zu ihm auf und ihre Wangen wurden noch etwas röter, als sie schon waren.

„Vom Meer," hauchte sie und sah zu ihren nackten, schmutzigen Füßen hinunter.

„Vom Meer," wiederholte Snape. „Ich denke, es ist ziemlich gut ausgeschildert, dass man hier am Meer nicht baden darf?"

Laura blinzelte zu ihm auf. Ihr Haar war immer noch leicht feucht und hing in Strähnen in ihr Gesicht. „Ich habs nicht gesehen," piepte sie kleinlaut.

Snape sah immer noch gefährlich verärgert aus. „Ich dachte, du gehst ins Dorf. Wieso ward ihr dann am Meer?" wollte er weiter wissen. Wieso musste der so viele Fragen stellen, dachte Laura und biss sich auf die Unterlippe. Sie zuckte die Schultern.

„Das ist keine genügende Antwort!" sagte ihr Dad deutlich.

„Die anderen wollten," antwortete sie nun und wie erwartet hob ihr Vater eine Augenbraue.

„Darüber unterhalten wir uns morgen weiter, da wir noch eine Verabredung haben, soviel ich weiß," sagte er und Laura war ziemlich froh, für den Moment dieser Konfrontation ausweichen zu können.

„Geh dich duschen und umziehen. In zehn Minuten erwarte ich dich hier unten," befahl er knapp und Laura rannte sofort die Treppe hinauf.

Snape schüttelte unten den Kopf. Dieses Kind war so ein Wirbelwind und er fragte sich, ob sie ihr Temperament wohl irgendwann mal etwas würde zügeln können. Sie war doch bald ein Teenager und Teenies waren doch oftmals so faul und lustlos. Laura allerdings schien immer zu sprudeln vor Tatendrang und er hatte noch nicht einmal auch nur den Hauch von Faulheit an ihr erlebt.

Und sie war eigentlich auch für so ziemlich alles zu begeistern, ausgenommen Hausaufgaben. Aber es gefiel ihm, dass sie so interessiert war an allem.

Er ging ins Wohnzimmer. Diese Einladung der Tante von Laura fand er ziemlich speziell. Nun lebte sie beinahe zwei Jahre mit ihm und nun wurden sie plötzlich eingeladen? Ob es hier um Vergangenheitsbewältigung ging, fragte er sich.

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Harry konnte es immer noch nicht glauben. Sein Onkel hatte sich an Remus' Forderungen gehalten und war gleich am Morgen früh mit Harry in die Stadt gefahren, um die Sachen zu organisieren. Zähneknirschend natürlich, aber der Junge hatte es einfach ignoriert. Immerhin schien Vernon genügend Angst vor Remus zu haben, dass er es sofort erledigt hatte.

Das Bett und den Schreibtisch wollte der Onkel alleine organisieren, aber die Geschenke hatte er wohl oder übel mit seinem Neffen zusammen kaufen gehen müssen, da die klare Anweisung des Zauberers gewesen war, dass sich Harry etwas aussuchen sollte. Egal was!

Vernon hatte seine Backenzähnen sosehr zusammen gebissen, als er Harry in sein Auto hatte einsteigen lassen, dass es ziemlich geknirscht hatte und er kaum die Lippen voneinander gebracht hatte, um Harry anzuweisen in den Wagen einzusteigen.

Harry lächelte, als er nun stolz sein blau-gelbes Fahrrad ansah. Es war gar nicht so einfach, damit zu fahren, wie er gedacht hatte, aber trotzdem hatte er es nach ein paar Anläufen geschafft, die Straße hinunter zu kurven.

Nach etwa einer Stunde hin- und herfahren stellte er das Fahrrad in den Unterstand hinterm Haus. Er betrachtete es noch einen Moment und fuhr mit der Hand über das kühle, glänzende Metall.

Dann ging er ins Haus, aus welchem er den Fernseher hörte. Natürlich lag Dudley faul vor der Flimmerkiste und als Harry ins Wohnzimmer kam, sagte er ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, in dem aber nur Werbung lief: Bring mir schnell die Chips da in der Küche!"

„Nee!" antwortete Harry, griff in seine Hosentasche und platzierte eines der Weasley-Bonbons so, dass es im nächsten Moment heraus fallen würde.

„Hol sie dir doch selbst," sagte er weiter und ging an dem Jungen vorbei. Leider fiel das Bonbon nicht wie gewünscht aus der Hosentasche und Harry drehte sich zu Dudley um.

Er sah dem plumpen Jungen an, dass er sich überlegte, ob die Begierde auf die Chips groß genug war, um die Anstrengung auf sich zu nehmen, sich zu erheben und sie zu holen. Er schien hin und hergerissen und als er sich dann schließlich doch etwas mühsam erhob, ging Harry schnell in die Küche und schnappte sich die Packung.

Bei der schnellen Bewegung war nun das Bonbon am Boden gelandet, doch Harry tat so, als hätte er es nicht bemerkt.

Er öffnete die Chipspackung und Dudley sah ihm dabei ungläubig zu. Das hatte sich der Cousin noch nie erlaubt, einfach etwas zu öffnen und dann auch noch seine Hand hinein zu stecken und eine Handvoll Chips hinaus zu nehmen. Normalerweise hätte er jetzt sofort seine Mum gerufen, aber die war nicht da und seit diese Zauberer hier gewesen waren, ließ sie Harry alles durch.

Dudley sah auf den Boden und Harry tat so, als bemerke er jetzt das Bonbon, das er verloren hatte.

Natürlich hätte Harry es zehnmal schneller aufgelesen gehabt, als Dudley, aber als dieser schnell zu dem rot eingepackten Bonbon watschelte und sich tatsächlich bückte, um es sich zu schnappen, ließ er ihn natürlich und tat so, als ob der Cousin leider etwas schneller gewesen war.

„Gib das her!" befahl Harry und versuchte, es dem größeren Jungen aus der Hand zu nehmen. Er wusste, dass Dudley es auf diese Art und Weise niemals rausrücken würde.

"Gib es her, es gehört mir!" sagte er nochmals, diesmal in verärgertem Ton. „Untersteh dich bloß, das zu essen!"

Dudley, der Harry im Moment überlegen vorkam und das auch genoss, hob seine Arme hoch hinauf, sodass der kleinere Harry keine Chance hatte, an die Süßigkeit ran zu kommen und schälte es aus seinem Papier.

Zu Harrys Freude stopfte er es sich auch sofort genüsslich in den Mund und grinste fies. Harry versuchte ein wütendes Gesicht zu ziehen, was relativ schwierig war, unter diesen glücklichen Umständen.

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Immer wieder musste Laura etwas rennen, um mit den langen Schritten ihres Vaters schritthalten zu können. Zwar versuchte sie, genau so große Schritte zu nehmen wie er, was auf die Dauer aber ziemlich anstrengend war. Außerdem hielt ihr Dad sie an der Hand, was sie zum selben Tempo zwang, wie er hatte.

Laura hatte auch viel zu gucken, denn es hatte sich einiges verändert, in den Straßen, in denen sie aufgewachsen war.

Sie war aufgeregt, da es ziemlich lange her war, dass sie ihre Verwandten hier besucht hatte. Nun da sie in einer ganz anderen Welt lebte, kam ihr das hier vor, wie aus einem anderen Leben und doch so vertraut.

Als sie den Block erreicht hatten, in dem sie noch vor zwei Jahren gelebt hatte, hielt sie die Hand ihres Vaters ziemlich fest umschlossen.

Er sah fragend zu ihr hinunter, doch sie starrte nur auf die Klingel.

Sofort wurde geöffnet und einer der Zwillinge erschien. „Hi!" grüßte er und wurde dann von hinten angerempelt. „Hör auf, du Idiot!" sagte der blonde Junge sofort und nun erschien schon Lauras Tante.

Sie begrüßte den Besuch freundlich und Laura fand, dass die Frau nun noch besser und gepflegter aussah, als bei ihrem letzten Zusammentreffen. Mit der depressiven, ungepflegten Frau, bei der Laura viele ihrer Kinderjahre verbracht hatte, hatte das Erscheinungsbild dieser jungen Frau wenig zu tun. Für Laura wirkte sie beinahe fremd.

Als sie dann alle am Tisch saßen und Lauras Onkel die Zwillinge schon öfters zurechtgewiesen hatte, sie sich aber trotzdem immer weiter stritten und hänselten, sah Laura unauffällig zu ihrem Dad hinauf. Was er wohl von den Jungs hielt? So ein Benehmen hätte er niemals geduldet und sie sah, wie er offenbar die Zähne zusammen biss, vielleicht um nichts zu sagen. Seine Augen hatten diesen speziellen Ausdruck, den sie als Warnsignal erkannt hätte.

Die Tante hatte sich Mühe gegeben, alles schön her zu richten, das merkte man. Nathalie stahl immer wieder Blicke zu Snape und Laura wusste, dass sie den Mann irgendwie bewunderte oder so. Auch wenn er ja schon ziemlich alt war, verglichen mit Nathalie.

„Nun benehmt euch, oder es passiert was!" drohte ihr Onkel Thomas streng und Leon maulte: "Dean fängt immer an!"

Anfangs hatte Snape gedacht, dass diese Jungs den Weasleys Konkurrenz machen könnten, mittlerweile war er aber der Überzeugung, dass diese Zwillinge deutlich schlimmer waren und das war ein Rekord. Ein wirklicher Rekord!

Er musste sich zusammen reißen, die beiden Bengel nicht an den Ohren aus dem Raum zu ziehen.

Aber es war nicht seine Sache, redete er sich selbst gut zu, um die Nerven zu bewahren.

Plötzlich kam ein Schluchzen von Susan, der Tante von Laura, und Snape dachte erst, dass sie die Nerven verlor, wegen der unmöglichen Jungen.

„Ich schäme mich so...", schniefte die Frau und beachtete ihr Essen vor sich nicht mehr. Mit einer Hand bedeckte sie etwas beschämt ihre Augen, aus denen Tränen flossen.

„Ich schäme mich, dass ich meine Kinder alle so vernachlässigt habe... auch dich, Laura... wie konnte ich nur... ich... habe nicht mal für euch gekocht... und die Wäsche nicht gewaschen und... euch nicht erzogen und gepflegt..." Sie konnte kaum sprechen vor lauter Schniefen und Laura erschreckte und befremdete das so sehr, dass sie nahe zu ihrem Dad rutschte und sich mit einer Hand um seinen Arm fest hielt. Was sollte sie tun oder sagen?

Snape sah kurz zu seinem Kind hinunter und dann wieder zu Lauras Tante. Er fand die Szene auch merkwürdig, aber der Frau schien das wirklich auf dem Herzen zu liegen und er vermutete, dass sie deshalb auch eingeladen worden waren. Vielleicht musste Susan das los werden, da es sie zermürbte.

Thomas fuhr seiner Frau mit der Hand beruhigend über den Rücken und sogar die Zwillinge hielten kurz inne, bevor sie sich wieder unterm Tisch zu treten begannen.

„Es war nicht nur deine Schuld," sagte nun Thomas. „Du warst krank und ich bin auch nur geflüchtet, vor der Situation."

Susan sah mit Tränen in den Augen zu Laura. „Es tut mir wirklich sehr Leid, Laura. Ich hätte Hilfe holen müssen. Ich habe euch schrecklich alleine gelassen. Und das, wo du doch so dringend jemanden gebraucht hättest."

Laura schluckte leer und sah zu ihrem Dad. Sie hatte es nicht anders gekannt hier. Sie hatte keine Erwartungen gehabt, da sie gelernt hatte, dass sie nicht erfüllt werden würden. Ihr Onkel hatte sich manchmal bemüht, zu retten, was zu retten war. Er hatte sich Zeit genommen, so gut es ging, für die Kinder. Aber sie waren so wild gewesen, vor allem die Jungs. Laura hatte gespürt, dass er dann auch ganz genervt gewesen war und überfordert. Manchmal hatte er dann die Zwillinge ziemlich heftig angeschrien.

„Ich weiß, dass du es jetzt gut hast, Laura, und darüber bin ich sehr froh. Aber ich realisiere immer mehr, welch schlimme Fehler ich gemacht habe und was für eine lausige Mutter ich gewesen war."

Snape konnte dem nicht widersprechen und er selbst war auch nicht glücklich, dass sein Kind so vernachlässigt und verwildert aufgewachsen war. Doch trotz allem hatte sich Laura gut entwickelt und sie war alles in allem ein liebes Kind mit einem guten Charakter.

Er hatte sie regelrecht zähmen müssen und es war für beide nicht sehr einfach gewesen. Sie hatte lernen müssen, dass es Regeln gab, die einzuhalten waren und Grenzen, die nicht überschritten werden durften.

Etwas, dass diese zwei Bengel, die hier mit ihnen am Tisch saßen, noch dringend lernen sollten, dachte er grimmig, als der eine Junge dem anderen eins auf den Kopf haute.

„Arsch!" sagte dieser und nun mischte sich die Mutter endlich ein.

„Für euch ist diese Woche das Fernsehen gestrichen, meine Herren!" sagte sie in einem Ton, den Laura noch nie zuvor bei ihre gehört hatte.

Nun rümpften die Zwillinge ihre Nasen und rissen sich etwas zusammen.

„Was geschehen ist, ist nicht rückgängig zu machen," sagte nun Snape leise, aber deutlich. Erwartete die Frau nun wirklich sein Mitleid? Klar war es nicht alleine ihre Schuld, aber das war ihm eigentlich egal, wenn es um seine Tochter ging. „Und wir können uns glücklich schätzen, dass kein unbehebbarer Schaden entstanden ist," sagte er und sah aus den Augenwinkeln, dass Laura ihn ansah.

Natürlich hatte sein Kind Mitleid mit der Frau, das wusste er. Erstens, weil es trotz allem ihre Tante war, bei der sie ein paar Jahre lang aufgewachsen war und zweitens, weil das Lauras Charakter war.

Die Frau wischte ihre letzten Tränen weg und antwortete: „Ja, da können wir froh sein." Sie schien erleichtert, das los geworden zu sein. Sie lächelte Laura an.

„Du bist so ein gutes Mädel und du hast dich ziemlich verändert," bemerkte sie und ihr Onkel stimmte ihr nickend zu: "Ja und du hast so gute Manieren."

Er erinnerte sich an das quirrlige, kleine Mädchen, das ihn immer an ein wildes Kätzchen erinnert hatte und das sich, genau wie ihre eigenen Kinder, nicht immer tadellos benommen hatte, um es milde auszudrücken. Wie auch, dachte er schuldbewusst, sie hatten sie ja nicht erzogen.

„Vielleicht sollten wir euch beide mal ein paar Wochen zu Mr. Snape schicken, damit ihr Anstand lernt," fügte er zu seinen sich gegenseitig Grimassen schneidenden Zwillingen hinzu, die darauf hin sofort inne hielten und ihren Vater erschrocken anstarrten.

Snapes Augen funkelten die Jungen einen Moment an, dann erwiderte er trocken: "Nur über meine Leiche."

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„Wieso denkst du, es könnte noch einen Gang geben, Dad?" fragte Laura, als sie ihrem Vater am Strand hinterher rannte. Sie hatte eine kleine Muschel in der Hand und griff mit der anderen die Hand von Snape. Sie war glücklich, mit ihrem Dad alleine hier zu sein. Natürlich liebte sie Amélie und auch ihre Gesellschaft, aber trotzdem genoss sie es, alleine mit ihrem Vater etwas Interessantes zu erleben.

„Weil Ann gesagt hat, dass Rachel Stunden am Strand verbracht hatte und ich diese Frau nicht als Naturliebhaberin sehe. Außerdem musste sie irgendwie an der Echse vorbei gekommen sein. Oder eben einen anderen Weg in den Raum gekannt haben. Lass das!"

Laura kickte mit den Füßen bei jedem Schritt Sand und Kies weg, welcher dann auf Snapes Schuhen landete. Sie hörte aber sofort auf, nach der Ermahnung ihres Dads.

„Siehst du, wie gut ich gehorche?" fragte sie zufrieden mit sich selbst. „Du kannst wirklich froh sein, dass ich nicht so unartig bin, wie diese Zwillinge. Mein Onkel hat auch gesagt, dass ich Anstand habe."

Sie sah ihn erwartungsvoll an und er hob eine Augenbraue. „Es wird auch nichts anderes als Anstand von dir toleriert, junge Dame," sagte er trocken. „Was diese Zwillinge betrifft, so frage ich mich ernsthaft, wie deine Verwandten das aushalten."

Laura grinste. „Die waren direkt lammfromm, gestern," sagte sie und sah, wie sich die Augen ihres Vaters verfinsterten. Das wäre etwas, wenn ihr Dad sich um diese Rambasse kümmern müsste. Der hätte wohl eine Nervenkrise nach der ersten Stunde. Und die Jungs würden wohl die nächsten Tage etwas Mühe haben zu sitzen, vermutete sie verschmitzt lächelnd.

„Hier ist es!" sagte Laura und deutete auf die Stelle, die sie mit Justin gefunden hatte. Snape hatte Laura am Morgen nochmals ins Gewissen geredet und hatte ihr erklärt, dass er nun einen Zauber um die Stelle legen müsse, um die Jungs davon abzuhalten, hier weiter zu suchen. Wahrscheinlich hatte auch Rachel so einen Zauber gelegt, vor vielen Jahren, der aber nun nicht mehr, oder kaum mehr aktiv war. Aber noch war nicht sicher, ob sich Snapes Verdacht bestätigen würde und tatsächlich ein weiterer Gang in den Raum führte.

„Guten Tag," grüßte plötzlich jemand hinter ihnen. Laura erkannte den Mann und seinen braunen Hund sofort. Es war der Fischer, der sie gestern so geschimpft hatte, wegen des Badens. Er war einige Meter von ihnen entfernt und kam auf sie zu. Laura hoffte sehr, dass der Mann ihrem Dad nicht auch noch unter die Nase rieb, dass sie hier gebadet hatte. Sein Rüffel gestern hatte ihr eigentlich gereicht, er sollte nicht mehr daran erinnert werden.

Snape grüßte zurück. Er schien den Mann zu kennen, denn er nannte ihn Mr Kenneth

„Wieder einmal im Lande Mr Snape?" fragte der Mann, der nun stehen geblieben war erfreut. „Ist das Ihre Nichte?"

Snape war nicht zu einen Plauderstündchen aufgelegt, das war er eigentlich nie. Aber er mochte den ruhigen Fischer gar nicht so schlecht, er hatte sich als Jugendlicher ein paar mal kurz mit ihm unterhalten. In den letzten Jahren hatte er ihn hin und wieder im Dorf oder hier am Strand getroffen, aber äußerst selten, da er sich meistens im Tränkelabor seines Hauses aufgehalten hatte, wenn er hier war.

„Das ist meine Tochter Laura," sagte Snape knapp. „Laura das ist Mr Kenneth," stellte er anstandshalber vor.

Der Mann streckte Laura die Hand entgegen, als hätte er sie noch nie gesehen: "Freut mich, junge Frau," sagte er und lächelte, während er Lauras Hand schüttelte. "Wusste gar nicht, dass Sie ein Kind haben."

Das hab bis vor kurzem nicht mal ich gewusst, dachte Snape bitter. Naja, seit zwei Jahren wusste er von Laura und konnte seine Vaterrolle wahrnehmen.

„Ich hoffe, es gefällt dir hier," sagte Mr Kenneth zu Laura. „Leider ist es hier zu gefährlich zum Baden, aber etwa zwei Kilometer weiter oben ist eine kleine Bucht, wo es selten Leute hat und wo man gut schwimmen kann," berichtete der Mann weiter. Laura war sich sicher, einen winzig kleines Augenzwinkern gesehen zu haben, als er das mit dem nicht Schwimmen gesagt hatte. Sie war froh, dass er so diskret gewesen war und sie nicht nochmals ermahnt hatte, vor ihrem Vater. Er hatte ja ziemlich heftig reagiert, gestern.

„Hat mich gefreut euch zu treffen, viel Spaß wünsche ich noch," sagte er und Laura lächelte ihn an.

Er winkte zum Abschied und ging mit dem Hund davon.

"Mr Kenneth!" rief Snape und der Mann drehte sich fragend um. "Ihr Vater war Friedhofsgärtner," begann er und der ältere Mann nickte. "Wissen Sie, ob es früher anonyme Bestattungen gegeben hat, hier im Dorf?" fragte er. Er hatte nämlich den Friedhof schon vor langem einmal besucht. Seine Großeltern, lagen dort begraben. Vielleicht gab es anonyme Gemeinschaftsgräber, wo Margarida vielleicht bestattet sein könnte. Natürlich war es auch möglich, dass sie in Spanien begraben war.

Mr Kenneth sah etwas überrascht aus, über die Frage. "Eigentlich nicht," antwortete er, als er wieder näher gekommen war. "Mein Großvater, der Bestatter war, hat mir aber erzählt, dass er einmal jemanden bestattet hatte, dessen Grabstein keine Inschrift trug. Nur eine Rose war hinein gemeißelt gewesen. Und Rosen hatten immer auf dem Grab geblüht."

Der Mann machte eine Pause und Snape sah, dass er noch mehr zu berichten hatte. "Mein Großvater hat erzählt, dass er sich seltsamerweise weder an die Beerdigung erinnern konnte, noch wer da beerdigt worden war. Vielleicht lag das an seiner Migräne. Aber jemand hatte jahrelang für das Grab bezahlt, das ansonsten schon längst aufgehoben worden wäre," erzählte er. "Ob es jetzt noch da ist, weiß ich nicht. Ist gut möglich," sagte Mr Kenneth und streichelte dem Hund über den Kopf.

"Wer für das Grab bezahlt hat, wissen Sie nicht, nehme ich an?" fragte Snape und der Mann schüttelte den Kopf. Snape vermutete, dass er das auch nicht hätte sagen dürfen, auch wenn er es gewusst hätte. Aber er würde es auch so heraus finden. Könnte das Ednas Grab sein? Möglich wäre es. Er wusste nicht, ob Edna Rosen besonders gemocht hatte, wegen den Verzierungen am und auf dem Grab. War aber gut möglich, schliesslich hatte sie ja ihre Tochter Rose genannt.

Mr Kenneth lächelte und Snape nickte und bedankte sich für die Auskunft.

"Auf Wiedersehen," sagte Mr Kenneth und winkte Laura. Sie sahen ihm hinterher, wie er mit seinem Hund davon ging.

„Sein Bruder ist hier ertrunken," flüsterte Laura und Snape sah sie überrascht an.

„Ich weiß. Aber woher weißt du das?" fragte Snape und Laura biss sich schnell auf die Lippen.

„Ehm... Nathan hat es mir erzählt," sagte sie wahrheitsgetreu. „Wir haben den Mann schon gestern gesehen. Von weitem."

TBC...