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Als Santana drei Stunden später zurück ins Apartment kam, sah sie sich misstrauisch um. Niemand war zu sehen und es war kein Ton zu hören, woraufhin sie leise und auf Zehenspitzen zu Blaines Zimmer schlich. Als sie die Vorhänge zur Seite schob und in das Zimmer hineinspähte, erschien ein zufriedenes Grinsen auf ihrem Gesicht. Scheinbar war die Entscheidung, Kurt auflaufen zu lassen und ihn damit dazu zu zwingen, mit Blaine zu reden, richtig gewesen. Kurt lag auf Blaines Bett und hatte den Schwarzhaarigen in seinen Armen. Beide schliefen mit einem entspannten Gesichtsausdruck und Blaine schien sogar im Schlaf ein wenig zu lächeln.

Grinsend ging Santana in die Küche und setzte Wasser auf. Als sich die Apartmenttür ein paar Sekunden später öffnete und Rachel hereinkam, sah sie sich um.

„Hey, Santana!" begrüßte Rachel sie müde und warf ihre Jacke über einen der Küchenstühle. „Wo ist Kurt?"

„Der schläft gerade und hat dabei seinen Hobbit in seinen Armen!" sagte die Latina grinsend und genoss kurz den verdutzten Gesichtsausdruck ihrer Mitbewohnerin. „Ich denke, Blaine hat es endlich kapiert", fügte sie hinzu.

„Du meinst, … echt?" Rachel starrte Santana fassungslos an. Noch heute Morgen hatte sie das Apartment verlassen, nachdem sie genug von einem miesgelaunten und total übermüdeten Kurt gehabt hatte. „Das muss ich sehen!" Ihre Müdigkeit war plötzlich wie weggeblasen. Auch sie schlich leise zu der Abtrennung und lugte hindurch. Der Anblick der friedlich schlafenden jungen Männer ließ auch sie grinsen. Sie freute sich so sehr für Kurt.

„Meinst du, die beiden haben schon ausprobiert, wer am liebsten oben oder unten liegt? Na, du, weißt schon was ich meine!" Santana machte eine anzügliche Handbewegung, nahm dann aber das kochende Wasser vom Herd und goss es in eine Tasse.

„Santana!" entfuhr es Rachel empört.

„Ich mein ja nur!" erwidert Santana grinsend.


Als Blaine erwachte, spürte er die Wärme eines anderen Körpers hinter sich und sofort war die Erinnerung an Kurt wieder da, wie er ihn geküsst hatte. Er drehte sich vorsichtig in Kurts Armen und sah ihn an. Seine Rippen protestierten ein wenig, doch das störte ihn in diesem Moment nicht. Sein Freund schlief noch und er sah einfach hinreißend aus. Seine Lippen waren leicht geöffnet und Blaine verspürte sofort wieder den Wunsch, diese weichen Lippen zu küssen und Kurt zu schmecken.

Er erinnerte sich, dass sie sich nach mehreren wunderschönen, liebevollen Küssen aneinander gekuschelt und einfach nur die Nähe des anderen genossen hatten. So waren sie scheinbar eingeschlafen, da sie beide eine ziemlich schlaflose Nacht gehabt hatten und sehr müde gewesen waren. Blaine wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatten, doch er sah durch die Glasbausteinfenster, dass es draußen bereits dunkel war.

„Hey!" hörte er plötzlich Kurt murmeln und sah in die leicht verschlafen blickenden Augen seines Freundes. Oh, Gott, Kurt war jetzt wirklich und wahrhaftig sein Freund! Bei diesem Gedanken fing Blaine an, glücklich zu lächeln.

„Hey!" erwiderte er ebenfalls.

„Warum lächelst du?" fragte Kurt und rieb sich seine Augen.

„Weil dies kein Traum ist und ich in den Armen meines wundervollen Freundes aufgewacht bin! Du siehst wunderhübsch aus, wenn du schläfst! Weißt du das?"

Nun musste Kurt auch lächeln. „Das bezweifle ich, aber ich freue mich schon darauf, dich im Schlaf zu beobachten! Sind wir jetzt wirklich richtig zusammen?" Die Frage war Kurt so herausgerutscht, weil er es eigentlich noch gar nicht fassen konnte, Blaine ab jetzt seinen Freund nennen zu dürfen. Irgendwie klang die Frage albern und kindisch, doch bevor er sich großartig darüber Gedanken machen konnte, machte ihm Blaine deutlich, dass er sich unnötige Sorgen machte.

Statt zu antworten, legte dieser nur Sekunden später seine Lippen sanft auf die von Kurt und gab ihm einen innigen Kuss, der Antwort genug war. Als Blaine sich löste, lächelte er ihn erneut an. „Beantwortet das deine Frage?"

Kurt seufzte glücklich. „Ich denke schon! Ich liebe dich so sehr, Blaine!"

„Ich dich auch!" erwiderte Blaine und neigte seinen Kopf erneut in Richtung der so verlockend aussehenden Lippen seines Freundes.

„Wenn ihr zwei Turteltauben fertig seid, könnt ihr zum Essen kommen!" ertönte plötzlich Santanas laute Stimme hinter den Vorhängen und Blaine erstarrte in seiner Bewegung.

Kurt fing an zu grinsen. „Hast du Hunger?"

„Obwohl ich lieber im Bett bleiben und dich küssen würde, muss ich zugeben, dass ich sogar großen Hunger habe. Ich habe den ganzen Tag noch nichts wirklich Vernünftiges gegessen!" Blaine gab ihm einen kurzen Kuss und drehte sich zur Seite, um aufzustehen. Seine Rippen waren nicht begeistert von dieser abrupten Bewegung. Blaine keuchte schmerzhaft auf und schnappte nach Luft. Nachdem er sich aufgerichtet hatte, hielt er sich seine schmerzenden Rippen.

Kurt legte ihm besorgt seine Hände auf seine Schultern. „Hey, das war vielleicht etwas zu schnell. Kann es sein, dass du nicht nur nichts gegessen, sondern auch deine Schmerztabletten nicht genommen hast?"

„Das ist schon möglich!" murmelte Blaine durch seine zusammengebissenen Zähne. Langsam wurde der Schmerz erträglicher und er atmete tief durch.

Kurt wurde plötzlich bewusst, dass er bereits wieder im Fürsorge-Modus war und er schluckte. „Blaine, ich möchte dir noch etwas sagen, was meine Sorge um dich betrifft. Ich übertreibe es vielleicht manchmal, aber ich möchte doch nur, dass es dir gut geht. Ich …"

Blaine unterbrach ihn. „Ich weiß das, Kurt!" Er seufzte. „Aber manchmal ist es einfach ein bisschen zu viel!"

„Wie wäre es, wenn du es mir dann einfach sagst, damit ich damit aufhöre! Manchmal merke ich es gar nicht."

„Wie wäre es, wenn ich dich dann einfach küsse und so auf andere Gedanken bringe?" Blaine küsste Kurt kurz.

Dieser fing an zu lächeln. „Die Idee gefällt mir!"

In diesem Moment knurrte Blaines Magen so laut, dass Kurt anfing zu lachen und Blaine rot wurde.

„Komm!" Kurt stand auf und reichte seinem Freund eine Hand. „Erst wird etwas gegessen, dann nimmst du deine Medikamente und dann kuscheln wir weiter! Wie hört sich das an?"

Blaine bekam ein Grinsen zustande. „Das klingt gut!" Er ergriff Kurts Hand und stand langsam auf.

Hand in Hand erschienen sie am Küchentisch.

„Oh, gut!" sagte Santana, als sie sie sah. „Endlich habt ihr eure Trauermienen gegen ein dümmliches Grinsen ersetzt. Wurde auch Zeit!"

„Santana!" entfuhr es Rachel empört und stand kopfschüttelnd vom Küchentisch auf. Sie trippelte auf Kurt zu und zog ihn in eine kurze Umarmung. „Ich freu mich so für dich!" flüsterte sie in sein Ohr, wohlwissend, dass Blaine dies genau hören konnte.

Kurt bekam nur ein gerührtes „Danke!" heraus.

Rachel wandte sich an Blaine und zog den davon völlig überraschten Blaine ebenfalls an sich. „Für dich auch!" sagte sie, vergaß aber an seine Rippen zu denken. Als Blaine schmerzhaft aufstöhnte, ließ sie abrupt von ihm ab. „Oh, tut mir leid!" murmelte sie reumütig, doch Blaine schüttelte nur den Kopf und lächelte. „Schon gut! Nichts passiert!" Das Lächeln war zwar etwas gequält, aber es war ehrlich gemeint.

Das anschließende Essen verlief in lockerer, gelöster und harmonischer Atmosphäre. Kurt hielt die ganze Zeit Blaines Hand und ab und zu strich er mit seinem Daumen über seinen Handrücken, was Blaine jedes Mal aufsehen und lächeln ließ.

„Das geht jetzt aber nicht bis in alle Ewigkeit so mit euch weiter, oder?" fragte Santana, nachdem Blaine Kurt wieder einmal verliebt angelächelt hatte. „Da wird einem ja ganz schlecht vor lauter Glück!"

Kurt sah sie kopfschüttelnd an und wollte etwas sagen, doch Blaine kam ihm zuvor.

„Wieso stört es dich, Santana? Du selbst hast mir doch gesagt, dass ich Kurt liebe, als es mir noch gar nicht richtig klar war! Dank dir, Steve und auch durch die großartige Hilfe meiner Psychologin ist mir klar geworden, dass das stimmt! Ich liebe ihn!" Er sah Kurt liebevoll an und dieser lächelte zurück.

Erst da wurde Kurt klar, was Blaine gerade gesagt hatte und sein Blick richtete sich hochgezogenen Augenbrauen auf Santana. „Du hast was zu Blaine gesagt?"

Die Latina winkte ab. „Reg dich nicht auf, Hummel! Du siehst doch, dass es gewirkt hat, also sei mir lieber dankbar! Ich hab den Hobbit nur ein wenig mit auf den richtigen Weg gebracht!"

Blaine grinste und Kurt konnte Santana natürlich nicht böse sein, auch wenn sie sich nicht an ihr Versprechen gehalten hatte. Er holte tief Luft und schob seinen Teller von sich.

„Okay, gut! Als Strafe dafür, dass du dein Versprechen mir gegenüber gebrochen hast, darfst du jetzt den Abwasch machen, während ich mit Blaine in seinem Zimmer verschwinde und wenn du uns ab und zu glücklich seufzen hörst, dann denk dran, dass du daran Mitschuld trägst!" Grinsend stand er auf und zog den ebenfalls breit grinsenden Blaine mit sich. Santana sah ihm gespielt schockiert nach, doch als er mit Blaine in seinem Zimmer verschwunden war, trat ein Lächeln auf ihr Gesicht.

Nach ein paar Sekunden wandte sie sich an Rachel, die ebenfalls grinste. „Ach, Rachel, du hilfst mir, damit das schon mal klar ist und keine Widerrede!"


Als es an diesem Abend Zeit war, schlafen zu gehen und Blaine aus dem Bad kam, sah er wie Kurt sein Kissen und seine Bettdecke auf der Couch zurecht legte. Wollte Kurt lieber auf der Couch schlafen als bei ihm? War es zu früh, ihn danach zu fragen? Immerhin waren sie erst seit ein paar Stunden zusammen. Blaine begann sich sofort wieder unsicher zu fühlen.

Kurt sah ihn an. „Alles in Ordnung?" Er erkannte an Blaines Gesichtsausdruck, dass irgendetwas nicht stimmte.

„Nein, nein, ich … ich dachte nur, … ich dachte, dass du vielleicht heute Nacht bei mir … also bei mir schläfst!" stammelte er etwas unsicher und wurde rot.

Kurt fing an zu lächeln. Er hatte darüber nachgedacht, wo er heute Nacht schlafen sollte. War es zu früh und wollte Blaine ihn überhaupt bei sich haben? Auch er war unsicher, aber er wollte seinen Freund zu nichts drängen.

„Liebend gerne würde ich bei dir schlafen, Blaine! Ich habe mich nur nicht getraut dich zu fragen, weil du dich zu nichts gedrängt fühlen solltest."

„Du drängst mich nicht, Kurt!" Blaine fing ebenfalls an zu lächeln. „Ich … ich möchte dich in meiner Nähe haben und deine Wärme spüren."

Kurt nahm sein Kissen und seine Decke und trat damit auf Blaine zu. „Na, da haben wir ja die gleichen Wünsche. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als neben dir einzuschlafen und wie vorhin mit dir zusammen aufzuwachen!"

Als sie zusammen im Bett lagen, küssten sie sich zärtlich und liebevoll. Blaine kuschelte sich an Kurt und streichelte seine Hand. Er fühlte sich geborgen und geliebt. Ihm wurde plötzlich klar, dass er sich schon lange nicht mehr so gefühlt hatte. Oder hatte er sich in Justins Gegenwart überhaupt jemals so gefühlt? Sofort traten Tränen in seine Augen als er darüber nachdachte. Kurt spürte, wie Blaine sich verspannte und er sah ihn an.

„Hey, was ist los? Tue ich dir irgendwie weh?" fragte er besorgt als er die Tränen in den Augen seines Freundes sah.

„Nein!" Blaine schniefte leicht. „Mir ist nur gerade klar geworden, wie sehr ich dich liebe!"

„Ich liebe dich auch!" flüsterte Kurt und küsste sanft seine Tränen weg. Er zog Blaine noch ein wenig enger an sich, passte dabei aber fürsorglich auf seine Rippen auf und so schliefen sie gemeinsam ein.

In dieser Nacht hatte Blaine zum ersten Mal, seitdem Justin ihn verprügelt hatte, keinen Alptraum.

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