So da ist wieder ein neues Kapitel. Ich habe dieses Mal bewusst zwei auf ein mal hochgeladen, weil ich dachte dann hat man mehr zu Lesen. Hoffentlich gefällt euch meine Geschichte weiterhin. Wünsche euch viel Spaß beim Lesen und würde mich riesig über Reviews freuen. MfG
Kuala Lumpur
Kapitel XXXVI
Auf dem Weg nach Malaysia
Sie hatten sein Handy wegschmeißen müssen. Nachdem Lara ihn aufgeklärt hatte über ihre aktuelle Situation, hatte sie ihn noch mal gefragt, ob er sich sicher sei, dass er sie auf ihrer Reise begleiten wolle. Er hatte zugestimmt ohne zu zögern, dann hatte sie sein Handy aus dem Fenster geschleudert und war mit ihm aus dem Hotel gestürmt.
Den Rest des Tages hatten sie in Alexandria selbst verbracht. Jetzt saßen sie ihm Flieger. Der Flug war kein Direktflug und würde in Neu-Delhi eine Zwischenlandung einlegen. Malaysia war ein Teil von Indonesien und war in zwei Inseln geteilt worden. Da Zip davon ausgegangen war, dass der nächste Stein nicht in Privatbesitz lag, würden sie wohl oder übel im Regenwald suchen. Davon gab es in Malaysia eine ganze Menge.
Dennoch schien Lara sehr zuversichtlich, dass sie den Stein schon finden würden. Angeblich könnte es sein, dass die Träne der Sirenen in irgendeiner Form reagieren würde, wenn sie der Frucht des Brahma nahe waren. Max hoffte, dass Zip damit Recht behalten hatte. Schließlich schlief Maxwell ein, lange und traumlos.
Erst als sie einen Stopp von knapp vier Stunden in Neu-Delhi einlegten, wurde er wieder wach. Gemeinsam verließen sie schweigend das Flugzeug, während es auf Fordermann gebracht wurde und der Benzintank gefüllt wurde. Bei dem Flieger handelte es sich um eine kleine Maschine, die insgesamt nur zwanzig Personen aufnehmen konnte.
Dementsprechend gab es dort weder einen Boardservice, noch einen Film zu sehen. Lara hatte ihm erklärt, dass man in den kleineren Maschinen wahrscheinlich nicht nach ihnen suchen würde. Gemeinsam betraten sie den Flughafen und sahen sich erst mal nach einer Möglichkeit um sich etwas aufzufrischen. Maxwell erledigte seine Sachen und wartete vor der Frauentoilette, bis Lara herauskommen würde. In Neu-Delhi ging gerade die Sonne unter und Lara hatte ihm vorhin erzählt, dass es in Malaysia wahrscheinlich mitten in der Nacht sein würde, wenn sie die Hauptstadt erreichten.
Nachdem Lara nach fünf Minuten immer noch nicht von der Toilette herunter war, war er kurz davor hinein zu gehen und nach dem Rechten zu sehen. Doch bevor er dies tun konnte, sah er aus dem Augenwinkel jemanden direkt auf sich zu gehen. Seine Muskeln spannten sich, doch als er sich die Person genauer ansah, erblickte er Lara, mit einer Tüte und zwei dampfenden Plastikbechern in den Händen auf ihn zu kommen.
„Na, hast du mich vermisst?", fragte sie ihn und reichte ihm den Kaffee, außerdem noch zwei Päckchen Zucker und ein kleines Plastikbecherchen mit Sahne, falls er es in seinen Kaffee tun würde.
„Was hast du denn da leckeres?", wollte er von Lara wissen. Sie roch an ihrem Becher und antwortete schließlich: „Tee. Schwarzer Tee." „Ich versteh euch Engländer echt nicht, wie könnt ihr nur so viel Tee trinken. Kein Wunder, dass ihr so viele Badezimmer im Haus habt.", neckte er sie.
Gemeinsam begaben sie sich an einen Stehtisch und dort packte Lara den Inhalt ihrer Tüte aus. Eine Zeitung, die aktuelle Ausgabe des Guardian und zwei Croissants mit Schokoladenguss. Dankbar nahm Maxwell das Croissant entgegen und aß es schnell auf. Sein Magen hatte bereits rebelliert und jetzt hatte er endlich etwas zu essen bekommen.
„Wie gedenkst du eigentlich vor zu gehen?", wollte er schließlich von ihr wissen. Sie war immerhin die Frau vom Fach und würde ihm schon die richtige Antwort geben können. Seine Ideen waren alle darauf hinaus gelaufen, dass sie zwei im Dschungel verhungern würden, weil sie niemals einen Golfballgroßen Kristall finden würden.
„Relativ simpel.", gab Lara als Antwort: „Zuerst wollte ich ins Bauamt einbrechen. Noch heute Nacht. Dort wollte ich mir die Karten ansehen, vielleicht finden wir einen verdächtigen Punkt von dem aus wir arbeiten können. Danach, am nächsten Morgen, würde ich gern einen alten Bekannten aufsuchen, der uns vielleicht helfen könnte. Außerdem müssen wir noch im Hotel einchecken, was Zip uns besorgt hat und unsere Sachen abholen."
„Okay. Dann besuch du deinen alten Bekannten, währenddessen checke ich für uns beide ein.", schlug Maxwell vor. Er wollte Lara so gut es ging helfen.
„Guter Plan.", kommentierte die Archäologin seinen Vorschlag und biss ein Stück ihres Croissants ab, was sie mit schwarzem Tee nachspülte. Max genoss seinen Kaffee schwarz mit einem Päckchen Zucker. Nachdem sie aufgegessen hatten, vertrödelten sie die Zeit an Zeitungsständen, Souvenirshops und ähnlichem. Ehe Lara und Max sich versehen hatten, war es bereits vier Stunden später und eine leise Stimme rief erst auf indisch, dann auf Englisch zum Boarding auf. Der Flug würde bald weiter gehen.
In der gesamten Zeit hatte Lara versucht verdächtige Personen zu entdecken, doch scheinbar war ihnen keiner in dieselbe Maschine gefolgt. Noch immer war ihr nicht ganz bewusst, dass jetzt die halbe Welt an ihren Fersen hing. Darum musste sie auch ihre Bekanntschaft aufsuchen, weil sie von dort aus eine Abhörsichere Leitung nach England bekommen könnte. Sie musste dringend mit Alister und Zip sprechen.
Der Flug von Neu-Delhi nach Kuala Lumpur war ereignislos. Lara hatte ebenfalls noch etwas geschlafen, obwohl der schwarze Tee es ihr im ersten Moment wirklich schwierig gemacht hatte. Erst als die Stimme des Piloten begann von der aktuellen Reiseflughöhe, dem Wetter am Zielort und anderen Flugabschließenden Abschiedsworten zu sprechen, wachte Lara wieder auf. Den Rest des Fluges verbrachte sie mit der kleinen Tasche auf dem Schoß, wartend und hoffend, dass alles reibungslos verlaufen würde.
In der Tasche hatte sie die Träne der Sirenen eingepackt, sowie einige Lebensmittel und Sachen, die sie wie eine normale Touristin aussehen ließen. Nachdem die Maschine gelandet war, wurden die Türen geöffnet und sofort begann der Wettlauf darum, wer als erster die Maschine verlassen durfte. Noch bevor die Motoren komplett gelöscht waren, standen die Passagiere bereits in der kleinen Gasse zwischen den Sitzen und warteten darauf endlich entlassen zu werden.
Jeder glücklich darüber, dass er dieses Mal nicht abgestürzt war. Nur Maxwell und Lara blieben bis ganz zum Schluss sitzen, weil sie keine Lust darauf hatten, sich in der Menge zu drängeln. So kam es auch, dass die beiden das Flugzeug als letztes verließen. Diese typischen Stewardessen, die einem noch einen guten Aufenthalt wünschten, fehlten hier vor Ort. Nach dem vielen Sitzen und dem etwas holprigen Flug mit der alten Maschine tat Laras Hintern noch einwenig weh, doch sie ließ sich nichts anmerken, während Maxwell und sie über die Landebahn in Richtung Flughafengebäude schritten.
Lara suchte sich ein sicheres Schließfach am Flughafen und verstaute ihr Gepäck darin, damit sie bei ihrem jetzigen Vorhaben nicht gestört wurde. An einem 24 Stunden geöffneten Shop für Autovermietung holte Lara sich ein unauffälliges Fahrzeug. Einen Toyota Corolla, wie ihn eine ganze Reihe Menschen fuhren. Dann kaufte sie noch Karten von Kuala Lumpur, Kleidung und reichte alles an Maxwell, der auf dem Beifahrersitz Platz nahm.
Mit durchdrehenden Reifen jagten sie vom Parkplatz davon und begaben sich auf die relativ leere Straße. Die Uhrzeit hier in Malaysia war mittlerweile auf vier Uhr morgens vorangeschritten. In etwa drei Stunden würde hier spätestens die Sonne am Himmel erscheinen und das wäre ihrem Vorhaben nicht besonders dienlich. Darum gab Lara so viel Gas, wie der Toyota unter der Haube hatte. Mit etwa hundert Sachen jagten sie durch die Straßen, während Maxwell angestrengt die Karten sondierte.
Lara hatte eine gewisse Ahnung, wo das Bauamt zu finden sein würde. Am nächtlichen Himmel strahlten die Lichter der Petronas Tower und erinnerten Lara einwenig an einen Leuchtturm. In der Nähe dieser Wolkenkratzer befand sich irgendwo das eher kleine Bauamt der Hauptstadt.
„In der Tüte sind schwarze Kleider.", erklärte Lara ihrem Partner: „Zieh dich schon mal um. Wir wollen ja nicht, dass man uns erwischt." Tatsächlich waren die hellen Kleidungen von Maxwell nicht sonderlich unauffällig. Lara selbst trug zwar auch ein weißes Tanktop, doch dadurch, dass ihre Hose eine dunkle Farbe hatte, brauchte sie sich nur eine schwarzen Pullover über zu ziehen.
Er hingegen musste sich komplett umkleiden. Während Maxwell also nun sein Hemd und sein Shirt abstreifte, versuchte Lara sich damit abzulenken, dass sie weiterhin auf die Petronas Tower blickte. Die Ampeln ignorierte sie größtenteils, da um diese Uhrzeit außer ihnen nur noch wenige Ausnahmen unterwegs waren.
Allerdings musst sie sich selbst eingestehen, dass es gar nicht so einfach war nicht hinzuschauen, während Max sich umkleidete. Sein muskulöser Bauch löste in ihrer eigenen Bauchgegend ein merkwürdiges Gefühl aus, was sie versuchte zu verdrängen. Noch immer konnte sie es nicht wirklich fassen, dass der Mann, der vor einigen Tagen nur ihr Nachbar im Elounda Mare war, jetzt neben ihr am anderen Ende der Welt in einem Toyota saß und kurz davor stand mit ihr in das örtliche Bauamt einzudringen. (Anmerkung des Autors: Da ich nichts über das Bauamt in Kuala Lumpur finden konnte [auch keine Bilder habe ich es eben einfach in meiner Fantasie entstehen lassen.)
Eindringen? Lara hätte sich am Liebsten auf die eigene Stirn geschlagen, würde sie das Auto nicht gerade in Höchstgeschwindigkeit über die breite Straße führen. Warum konnte sie sich einfach nicht davon lösen? Selbst unpassend gewählte Formulierungen erinnerten sie an vergangene Nacht.
Als Maxwell sich in das schwarze T-Shirt und die schwarze Hose gezwängt hatte, verstaute er seine Touristenkleidung in der Tüte und warf sie auf den Rücksitz. Danach wand er sich wieder den Karten zu.
„Hast du das Bauamt gefunden?", wollte Lara von ihm wissen. Sie waren jetzt in dem Bereich, den es eigentlich in jeder Großstadt gab. China Town. Von hier aus war es auch nicht so weit in das Ancasa Hotel, welches Zip für die beiden gebucht hatte. Lara hoffte nur, dass Zip es hinbekommen hatte zwei Zimmer zu buchen. Am Besten noch auf zwei unterschiedlichen Stockwerken. Dann würde sie wenigstens nicht jedes Mal in Versuchung geführt werden, wenn sie seinen Körper sah, seinen Duft roch und seine Stimme hörte.
Wenn sie wusste, dass er sich nicht direkt neben ihr befand, würde auch irgendwann das Verlangen nach diesem Mann aufhören.
Max blickte auf die Karte und versuchte im Licht der Straßenbeleuchtung die in regelmäßigen Abständen an ihnen vorbei zog etwas zu erkennen. Schließlich presste er seinen rechten Zeigefinger auf die Karte und blickte auf: „Ich hab es gefunden."
Dann versuchte er das Gesehene auf der Karte in die Realität zu übertragen, in dem sein Blick ab und zu zwischen Karte und Straße hin und her huschte. Dann hatte er scheinbar die richtige Abfahrt gefunden: „Hier rechts."
Lara und er verließen die große Hauptstraße und ließen die vielen chinesischen Pavillons und Pagoden zurück. Hier in Kuala Lumpur trafen sich eine ganze Menge unterschiedlichster Religionen. Hier gab es Moscheen, christliche Kirchen und anderes. Der Bereich Chinatown war dementsprechend auch in einem eher asiatischen Stil gehalten.
Danach verbrachten sie die Fahrt schweigend, während Max ab und zu Lara eine Richtung nannte. Schließlich kam auf der linken Seite ein großes, eher schmuckloses Gebäude zum Vorschein.
Das Bauamt.
Lara zog die Handbremse an und löschte das Licht. Es sollte ja keiner sehen, dass hier ein Fahrzeug mit laufendem Motor stand. Dann verließen sie den Toyota und gingen auf das Gebäude zu. Eine Überwachungskamera an jeder Ecke des quadratischen Hauses erschwerte ihnen in diesem Moment den Einstieg. Aber Lara hatte schon eine Idee. In einem Abstand von acht Metern gingen sie ein mal um das Gebäude herum, bis Lara eine geeignete Position gefunden hatte. Eine große Palme ließ nicht zu, dass die Kamera diesen Winkel erfasste. Außerdem befand sich hier eine Regenrinne, an der sie gut hochsteigen konnten.
Lara wärmte einwenig ihre Muskeln mit kleinen Dehnübungen auf und begann dann den Aufstieg. Mit einem anerkennenden Pfiff folgte Maxwell, während Lara alle Kraft dazu aufwenden musste, um ihre Füße gegen die rau verputzte Wand zu stemmen. Oben auf dem Dach selbst befanden sich keine weiteren Videokameras, wie Lara mit einem schnellen Blick über den Rand des Daches feststellte. Also zog sie sich hinauf und eilte geduckt rüber zum Lüftungsschacht.
Wie sie erwartet hatte, war der Schacht abgeschlossen und fest verschweißt. Direkt unter dem Gitter des Lüftungsschachts rotierte ein großer Ventilator und fächerte Luft von oben hinab ins Foyer. Zwischen den einzelnen Blättern erkannte Lara etwas blaues. Wasser. Unten im Foyer stand also ein Springbrunnen, der vielleicht im Moment kein Wasser pumpte, aber dafür immer noch mit einer gewissen Menge gefüllt war.
Ihre Finger umschlossen den Saphir in ihrer Hosentasche und sie warf kurz einen Blick zu Maxwell. „Bereit?!", wollte sie von ihm wissen. Schon im Flieger war ihnen die Idee gekommen, dass es wahrscheinlich der einzige Einstieg sein könnte, da weder Lara noch Maxwell genügend Zeit gehabt hatten, um sich professionelle Ausrüstung zu besorgen. Ihre Finger griffen nach seinem muskulösen Armen und sie zog ihn zu sich. Währenddessen ließ sie sich rückwärts auf das Gitter fallen.
Nur kurz rief sie in ihrem Geiste das Bild des Wassers auf und als sie kurz davor stand, mit dem Hinterkopf auf zu schlagen, veränderte sich ihre Gestalt und Max und sie, da sie sich aneinander klammerten, verwandelten sich in das kühle Element. So stürzten sie durch die das Gitter und durch den Ventilator. Lara fühlte sich, als würde jemand ihre Innereien mit einer großen Suppenkelle durchrühren. Dann klatschte das Wasser, in das sie sich verwandelt hatten, in den Springbrunnen und vermischte sich mit dem darin schwimmenden Wasser.
Fortsetzung folgt:
