- Bevor Hermine zu Severus kommt, um ihm von Dumbledores Plan zu erzählen (Kapitel 33).


oOoOo


Severus Snape presste die geballten Hände mit aller Kraft gegen seine Schläfen. Seine Fingerknöchel gruben sich tief in die blasse Haut, so fest, dass er den Puls in den dünnen Arterien darunter nicht mehr spüren konnte. Doch der Schmerz blieb.

Er atmete schwer durch den Mund und hörte immer wieder heftiges Stöhnen, das er erst nach mehreren Minuten als sein eigenes erkannte. Der harte Steinboden war ein unangenehmes Bett für seine Knie. Das monotone Summen in seinen Ohren potenzierte sich zwischen den beiden Seiten seiner Schädelknochen zu dem Dröhnen eines Flugzeuges. Dann schrie er, denn es schien ihm schlichtweg den Kopf zu spalten.

Erst als der Schmerz allmählich abzuklingen begann, gelang es ihm, einen klaren Gedanken zu fassen. Mittlerweile lag er auf dem Boden in seinem Badezimmer wie ein Fötus. Der saure Geruch von Erbrochenem schwebte in der Luft und er streckte langsam, sehr vorsichtig einen Fuß aus und versetzte der Tür einen Stoß, so dass sie nach außen hin aufschwang. Vom Wohnzimmer her sickerte das muffige Aroma von uralten Büchern herein.

Er wusste nicht, woher der Schmerz so plötzlich gekommen war. Zugegeben, er hatte eine heftige Diskussion mit Albus geführt, aber dass das körperliche Folgen haben könnte, damit hatte er nicht gerechnet. Selbst jetzt, als der migräneartige, aber weitaus intensivere Schmerz immer schwächer wurde, fühlte er sich noch schwach und elend.

Weitere Minuten zogen stumm an ihm vorbei, bevor er es wagte, sich aufzusetzen. Das Zimmer begann sich um ihn zu drehen und er lehnte sich schwer gegen die Badewanne. Der kühle harte Widerstand in seinem Rücken gab ihm ein Stück Halt zurück, das ihm in der letzten Stunde abhanden gekommen war.

Seine Hand zitterte, als er sich die kühlen Finger erst gegen seine erhitzte Stirn presste und sich dann über die müden Augen wischte. Er hatte niemals so etwas wie Migräne gehabt; wenn ihm der Kopf schmerzte, dann nur weil sein Nacken verspannt war oder er vergessen hatte zu trinken. Lily dagegen hatte sie gekannt, die gefürchtetsten aller Kopfschmerzen.

Severus wurde den Verdacht nicht los, dass dieser Anfall etwas mit der fremden Macht in seinem Kopf zu tun hatte. Der Macht, die schon seit erstaunlich langer Zeit völlig still einfach nur existierte.

„Ich weiß, dass du da bist, alter Mann", krächzte Severus und schloss die Augen. Er konnte sich nur vage erinnern, was nach dem Beginn der Schmerzen passiert war. Doch das raue Gefühl in seinem Hals und die anhaltende Übelkeit erzählten eine recht deutliche Geschichte. Von dem Gestank im Bad ganz zu schweigen; er streckte den Arm aus und betätigte die Spülung.

Doch in seinem Kopf blieb es still. Severus seufzte schwer und zog die Beine an seinen Körper. Seine Knie, wund und empfindlich vom langen Hocken auf dem harten Boden, knackten bei dieser Bewegung. Dann lehnte er den Kopf nach vorne und gab dem Wunsch nach Erholung für einige wenige Minuten nach. Er war so müde, dass er gleich hier hätte einschlafen können. Der Kälte und dem harten Untergrund zum Trotz.

Seinem Rücken würde das allerdings nicht gefallen und so riss er sich aus dem leichten Dämmerzustand zurück, kurz bevor er ganz auf die andere Seite gleiten konnte. Stattdessen nutzte er seinen ruhigen Herzschlag dazu, um seine Aufmerksamkeit nach innen zu kehren.

So behutsam wie selten zuvor tauchte Severus in seinen eigenen Kopf hinein und machte sich auf die Suche nach seinem blinden Passagier, an den er sich in der kurzen Zeit der Zusammenkunft schon viel zu sehr gewöhnt hatte. Er presste sich durch Erinnerungsfetzen hindurch, stellte fest, dass die Schmerzen hier einiges durcheinander gebracht hatten und gelangte schließlich an das Ziel seiner Suche.

Albus' Macht war noch da, doch das, was der wohlbekannten Stimme ihre Kraft gab, hatte ebenso sehr gelitten wie Severus selbst. Es schien also, als hätte nicht die Macht selbst die Schmerzen verursacht, sondern sein Körper, weil er sich gegen die fremde Anwesenheit wehrte.

Soweit es ihm in seinem eigenen Kopf möglich war, kam Severus neben den Fragmenten von Albus zur Ruhe und versuchte, ihm zu helfen. „Du musst vorsichtiger werden, alter Mann."

Sie blieben lange Zeit so beieinander. Erst das Klopfen an seiner Tür zerrte Severus auf brutale Weise in die Realität zurück. Und nur dieser kleine Schritt war beinahe schmerzhafter als der Anfall zuvor. Er wünschte sich, er könnte einfach dort bleiben, wo er kurz vorher gewesen war. Unberührt und ungestört.

Aber irgendjemand ließ ihn nicht.