Disclaimer: Mir gehört gar nichts, nicht einmal meine Kaninchen. Sie wohnen nur bei mir.

Ich bin wieder da und es geht weiter mit EN. Die Geschichte beschleunigt sich was man schon in diesem Kapitel merken kann. Ich hoffe, dass eure Ferien entspannend waren.

Viel Spaß beim Lesen!

Cassie

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Kapitel 36 - Prinzipien

/Erebus' Sicht

Die Todesser, welche gerade angekommen sind, verstummen als sie mich erblicken wie ich die Treppen aus dem Kerker empor steige und in Begleitung von zwei Todessern die Eingangshalle betrete. Man sieht ihnen in den Gesichtern an dass sie hergekommen sind um mir einen Bericht zu erstatten, bemerken aber dass ich etwas Anderes im Kopf habe. Das ist so ein Ausdruck des Respekts, den ich von ihnen erwarte, mich nicht zu stören wenn es so aussieht als sei ich momentan mit anderen Sachen beschäftigt. Sie verstummen und verbeugen sich als ich an ihnen vorbeigehe und meiner Begleitung andeute, ich brauche sie nicht mehr.

Wortlos verbeugen sie sich und ich verlasse die Eingangshalle, den Korridor weiter entlang gehend. Heute habe ich in der Tat wichtige Sachen zu erledigen aber zuerst möchte ich aus irgendeinem Grund ein paar Momente alleine sein. Das Gemurmel aus der Eingangshalle wird mit jedem Schritt den ich mache leiser und ich betrete die runde Halle, wo Lord Voldemort begraben worden ist, in Stille und schaue mich um.

Ich werfe seinem Grab einen beiläufigen Blick zu ehe ich mich der Wand dem Grab gegenüber zuwende. Ich habe vor kurzem den Baum der dunklen Erben gezeichnet und habe ihn hier zur Schau gestellt sodass ihn alle anschauen können. Von manchen Menschen war ich mir nicht sicher was sie waren aber die Namen erschienen auf meinem Baum entweder gleich oder mit der Zeit. Ich neige den Kopf zur Seite als ich meinen Namen unter dem Namen 'Lord Voldemort' erblicke. Eine silberne Linie führt von meinem Namen zu dem Namen 'Seti'. Ich lächele, runzele aber die Stirn als ich bemerke, dass etwas unter ihrem Namen glitzert. Eine Linie scheint zu einem Namen zu führen aber der Name ist noch immer nicht sichtbar. Trotzdem weiß ich wessen Name hier eines Tages erscheinen wird, sobald er den Eid ablegt. Und obwohl ich am Anfang etwas skeptisch war, beweist mir Artaius mit jedem Tag dass er für diesen Titel bereit ist. Eines Tages wird er der dunkle Erbe sein und ich denke wieder an den Moment zurück, in dem ich ihn zum ersten Mal getroffen habe.

Wir alle haben einen langen und steilen weg hinter uns. Ich habe meine Anfänge und meinen menschlichen Namen vergessen. Meine Erinnerungen kommen mir eher wie ein Traum vor, wie das Leben eines anderen, an das ich mich verschwommen erinnere. Mein Leben schien erst dann anzufangen als ich Voldemorts Tagebuch gefunden habe. Ich musste in einem Moment die Entscheidung treffen, welche mein Leben geändert hat. Es war der Wendelpunkt, ab dem es kein Zurück mehr gab. Einmal, und mir kommt es wie zweihundert Jahre vor, war ich Harry Potter. Es war ein schneller und steiler Weg zu Lord Erebus aber jetzt bin ich hier. Ich habe mich vielen Transformationen unterzogen und ich bin auch gestorben. Und wofür? Für das Wissen und für die Macht. Es ist die stets brennende schwarze Flamme in meinem Geist, die mich zu unglaublichen Sachen bewegt und mich weiter antreibt. Und mit jedem Tag der verstrich öffneten sich vor mir neue Wege, die weiter führten, zu den unglaublichen Höhen in denen ich mich jetzt befinde. Und doch im Rückblick kommt mir all das wie ein Traum vor, den ich geträumt habe. Ich war schon immer Lord Erebus, obwohl ich mir dieser Tatsache nicht bewusst war. Wenn man so auf sein Leben von seinem Thron hinunter blickt kommt einem das Ganze beinahe lächerlich vor. Und im Nachhinein weiß ich dass diese schwarze Flamme in meinem Geist unabhängig von allem brennen würde, auch wenn es diesen Wendepunkt in meinem Leben nicht gegeben hätte, in dem ich mich für die Dunkelheit entschieden habe. Mir ist bewusst, dass alle im dunklen Orden die Hitze der Flammen spüren, die sie dazu antreiben, sich weiter zu entwickeln, weiser und mächtiger zu werden. Aber Seti kann deren Hitze deutlich spüren und hat sie gespürt seit sie ein Kind war. Seti neigte dazu, die materielle Welt um sich herum total zu ignorieren und sich in ihre Welt des Wissens zurückzuziehen wo sie den Lebenssinn fand. Ein Teil von mir beneidet sie dafür, aber ich weiß dass jeder von uns seinen Weg zur Größe hat ohne den man nicht die Höhen erreichen könnte, wo man momentan ist und auf die Welt hinab blickt.

Ich drehe mich um und gehe langsam zu dem Grab meines Lehrers, wo ich mich auf den kalten Stein setze.

Zwei dunkle Lords sind hier begraben worden und eines Tages wird auch mein Körper hier liegen. Müde von der Lebensreise und von all der Arbeit, wird mein Körper hier endlich Ruhe finden obwohl mein Geist nie die Ruhe finden wird, bis er die Perfektion erreicht, von der ich immer geträumt habe. Bis ich wie Memphisto werde, der unabhängig von allen Gesetzen existiert und seine eigenen schreibt.

Lord Voldemort hat die dunkle Seite in eine ganz neue Richtung geführt und ihr etwas gegeben, was nie vergessen werden wird. Jeder Todesser kennt seinen Namen, kann ihn aber nicht aus Ehrfurcht und Respekt ihm gegenüber laut aussprechen. Ich habe schon diese Art der Unsterblichkeit erreicht aber ich möchte mehr. Im Leben eines nach Wissen und Macht strebenden Schwarzmagiers gibt es keine Dankbarkeit zu den unsichtbaren Kräften, die ihm etwas gegeben haben. Er weiß, dass er alleine seinen Lebensweg und die Richtung in die er geht bestimmt. Ja, ich bin Lord Voldemort für viele Sachen dankbar aber zur gleichen Zeit bin ich mir bewusst, dass obwohl er mir den Schubs in die richtige Richtung gegeben hat, er meine Lebensreise nicht statt mir machen konnte. Er war da um mir Ratschläge zu geben und gab sein Wissen an mich weiter aber ich war derjenige der handeln musste. So kann ich auch nicht statt Seti ihr Leben führen und bestimmen, wohin sie geht und was sie mit sich macht. Man kann auch sagen, dass sich unsere Beziehung seit dem Tod meines Meisters sehr geändert hat weil er uns irgendwie zusammengebracht hat und zwar auf eine Weise, die ich nicht erwartet habe. Es gibt so eine tief greifende Verbindung und ein tiefes Verständnis zwischen uns die es nicht zwischen mir und Lord Voldemort gab. Immer gab es diesen einen Teil von ihm der eine Distanz von mir hielt, als wollte er sich nie vollkommen vor mir entblößen und mir seine Seele zeigen. Ich kann auch das verstehen. Lord Voldemort war es nicht gewohnt, mit den anderen zusammenzuarbeiten obwohl wir für so eine lange Zeit gerade das getan haben. Aber auch wenn ich Seti nicht alles sage und ihr alles zeige, kann sie es spüren weil ich mich ihr gegenüber geöffnet habe und es geht umgekehrt. Ich spüre ihren Geist und sie spürt meinen. Und doch existieren wir unabhängig von allen. Wir sind zwei Individuen und jedes ist das Zentrum seines eigenen Universums. Aber es gibt diese unheimliche, obgleich dünne, silberne Linie, die uns verbindet.

Und Artaius... Artaius war roher Stein als ich ihn kennengelernt habe. Ohne Form, ohne Farbe. Jetzt aber nimmt er langsam eine Form an, als er unermüdlich mit seinem Meißel daran arbeitete. Ab und zu schlägt er mit dem Hammer auf den Meißel um eine tiefe Spur in den Stein zu hinterlassen wenn es notwendig ist und das kann ich schätzen. Mit dem Hammer zerstört er das Alte und erschafft das Neue, auch wenn es heißt dass er etwas aufgeben muss um seinen Stein schöner und stärker zu machen. Er macht immer was er muss, unabhängig davon, was er dabei zerstört denn er macht es im Namen des Wissens und der Macht.

Ich habe Lord Voldemort versprochen, dass ich keine Ruhe finden werde bis ich die Welt in die ewige Nacht hülle und ich werde mich an mein Versprechen halten. Ob ich zu dieser Zeit noch immer auf dem schwarzen Thron sitzen und auf die Welt hinabschauen werde, weiß ich noch nicht. Aber das ist mein Lebenssinn und der Grund, warum ich lebe. Warum ich den Tod ausgetrickst habe und zurückgekommen bin. Um mein Werk zu vollenden.

Als ich zu den schwarzen Rosen schaue, welche unzählige Todesser, die dem Grab einen Besuch abstatten, hinterlassen haben, spüre ich dass es an der Zeit ist, um mich mit etwas sehr Wichtigem zu beschäftigen. Und ich weiß dass Lord Voldemort auch so handeln würde. Der Teil von ihm, der noch immer in mir lebt, öffnet das Auge und schaut in die Richtung eines sehr alten Dieners von ihm, der ihn verraten hat. Und Lord Erebus, sowie Lord Voldemort vor ihm, vergibt und vergisst nicht.

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Ich finde Lucius und Severus zusammen im Salon. Es war überhaupt nicht schwierig, die beiden zu finden, weil ihre lauten Stimmen schon aus dem Flur zu hören waren. Artaius, der auf meinen Befehl mitgekommen ist, öffnet wortlos die Tür für mich und tritt zur Seite. Der Raum wird augenblicklich totenstill. Man sieht ihnen Schock in den Gesichtern an als sie schnell aufstehen und sich verbeugen. Der dunkle Lord, der nur von dem Henker begleitet wird, platzt auf einmal ins Haus? Das kann nichts Gutes verheißen.

„Lucius, ich möchte mit Severus alleine reden," sage ich zu meinem Diener, dessen Gesicht aschfahl wird.

Er wirft Severus einen schnellen prüfenden Blick zu, als wolle er ihn damit davor warnen, nichts Unangebrachtes zu tun oder sagen, und geht. Severus wiederum starrt seine Schuhe an und spricht nicht. Wahrscheinlich denkt er dass ich hier wegen des Schlamassels im Ministerium bin und ich spüre schwache Versuche aus seiner Richtung, zu erraten worüber ich gerade nachdenke. Aber die Gedanken eines Vampirs sind beinahe unmöglich zu lesen. Die Gedanken des dunklen Lords sind beinahe unmöglich zu hören wenn er nicht will, dass sie gehört werden.

„Setzt euch," befehle ich den beiden und Artaius setzt sich schweigend und mit einer todernsten Miene zu meiner rechten Seite. Er hat keine Ahnung, was er hier macht oder warum ich wollte, dass er mitkommt aber ich spüre langsam Zweifel in ihm. Ob er hier nur als meine Begleitung ist oder ist er hier, um seine Pflicht zu erfüllen?

„Es ist selbstverständlich dass ich enttäuscht bin," fange ich an. „Vielleicht waren deine Absichten gut, aber die Weise, auf die du gehandelt hast, war nicht gut. Du wolltest etwas Ordnung ins britische Ministerium einführen und vielleicht hattest du Recht. Vielleicht brauchte das Ministerium etwas Ordnung und Disziplin. Aber nicht auf die Weise, auf die du es getan hast. Und ich möchte hören, was du dabei gedacht hast."

Ich spüre wie er mit sich selbst ringt und ich weiß auch teilweise warum dem so ist. Severus Snape ist einer von denen, der sich einfach nicht mit dem Tod Lord Voldemorts abfinden konnte. Für ihn war er der dunkle Lord, Punkt. Severus Snape hat ihn als einen kennengelernt und Lord Voldemort wird immer der einzige richtige dunkle Lord für ihn sein. Für ihn bin ich nur eine schwache Version der Größe und der Macht, die Lord Voldemort besaß und eine ganz falsche Ersetzung. Und ja, ein Teil von ihm nahm mir auch übel, dass ich seinen Tod passieren ließ und gar nichts unternahm um ihn zu retten. Ein Teil von ihm ist sicher, dass ich den schwarzen Thron so brennend haben wollte, dass ich alles in meiner Macht stehende zu tun bereit war, um ihn zu bekommen. Er vermutet auch dass ich manche Sachen, trotz dem was ich gesagt habe, einfach durchgehen lassen habe. Dass ich seinen Tod irgendwie hätte verhindern können wenn ich es wollte aber das habe ich nicht getan. Und dafür hasst er mich. Aber zur gleichen Zeit spürt er auch Respekt und Angst mir gegenüber, möchte es aber sich selbst nicht gestehen.

Seit dem Tod Lord Voldemorts verfiel Severus Snape in einen sehr seltsamen Zustand. Ihn interessierte gar nichts und er fand seine Arbeit langweilig. Er hat nur das getan was er tun musste, um meine Erwartungen von ihm zu erfüllen aber nichts mehr. Das ist zweifelsohne genug, um im dunklen Orden zu überleben. Aber wenn ich jemanden befördere, das heißt, dieser Person anspruchsvollere Aufgaben gebe und sie für eine andere Position in Betracht ziehe, möchte ich außerordentliche Arbeit und Leistung sehen, womit man einfach im Meer der hart arbeitenden Todesser auffällt.

Ich habe von Severus Snape viel mehr erwartet und ich wollte mehr für ihn weil ich der Meinung bin, dass er das notwendige Potenzial besitzt. Aber er hat schon wieder bewiesen dass wenn es zu Schwierigkeiten kommt er den Kampf einfach aufgibt und sich in sich selbst zurückzieht und nicht mehr raus kommt. So war es als Lily Potter ermordet wurde und so war es wieder als sein geliebter und respektierter Meister gestorben ist. Es gibt Menschen, welche sich einfach mit solchen Verlusten nicht abfinden können und sich stattdessen zurückziehen und erlauben, dass Sinnlosigkeit und tiefe Finsternis über sie herrschen. Sie geben jeglichen Versuch, zu kämpfen, auf und sinken mit jedem Tag tiefer. Solche Menschen, meiner Meinung nach, sind Feiglinge und sind des Titels eines Todessers nicht würdig. Snape hat mich sehr überrascht. Ich habe viel mehr von ihm erwartet und habe eher erwartet, dass Lucius derjenige sein wird, der fehlschlägt und in die Finsternis versinkt, aber Lucius hat es trotz all meiner Erwartungen geschafft.

Als Severus Snape endlich den Mund öffnet und spricht, ist seine Stimme etwas heiser und zittrig.

„Ihr wisst schon, in welchem Zustand das Ministerium war," sagt er. „Und da mir Lucius das Amt des Stellvertreters anvertraut hat, habe ich versucht, einige Sachen zu verbessern."

„Du musstest nur das Laufende laufend behalten," sage ich, mich zurücklehnend.

Mit einem Blick in seine dunklen Augen erkenne ich, dass all meine Vermutungen wahr sind.

„Ich erwarte von einem Zauberminister, neue Sachen einzuführen und seiner Arbeit und der Arbeit des Ministeriums eine persönliche Note zu geben. Ich möchte dass alles gut funktioniert, ja, aber obwohl ich am Anfang nicht mit der Arbeit von Lucius zufrieden war, bin ich jetzt damit zufrieden. Und du als sein Stellvertreter hättest es nur so behalten sollen. Aber ich denke nicht dass dein Benehmen eigentlich etwas mit dem Ministerium zu tun hat. Sondern eher mit dir selbst."

Er senkt den Blick um Wut in seinen Augen zu verbergen.

„Du hast mich sehr enttäuscht, Severus," sage ich leise, meine Zigarrenschachtel hervorziehend. „Am meisten weil du aufgehört hast, zu kämpfen. Ich habe immer gedacht, dass du ein Kämpfer bist aber offensichtlich nicht. Aber das ist es nicht warum ich hier bin. Ich bin hier weil du mich verraten hast."

Er blickt schnell auf und für ein paar Augenblicke sind Überraschung und Schock in seinen Augen zu sehen, welche jedoch von Zweifel ersetzt werden. Er scheint zu wissen, worüber ich rede. Es hat in ihm für eine lange Zeit gebrodelt obwohl er versucht hat, seine Zweifel zu vergessen.

„Ich hatte schon meine Zweifel, dass mich jemand verraten hat," fahre ich fort, mir eine ansteckend. „Wie hat Bell nur gewusst, wo Artaius sein wird, sodass sie ihn angreifen und entführen kann? Wie hat sie nur gewusst, dass Draco und Laetitia die Farm ihrer Eltern besuchen werden?"

Auf meiner rechten Seite spüre ich, wie sich Artaius nach vorne lehnt und die Ohren spitzt.

„Ich bin jedoch zum Schluss gekommen, dass Artaius nur am falschem Ort zur falschen Zeit war," sage ich, bemerkend, dass Severus' Hände leicht zittern als er sie auf seine Knie legt. „Das war purer Zufall, ob man daran glauben will oder nicht. Aber das mit Draco und Laetitia war kein Zufall. Heute habe ich die Wahrheit endlich herausgefunden und das von Bell selbst. Sie wusste genau wo sie waren einfach weil du einen Elf gefragt hast, wo Draco steckt weil du ihn etwas in Bezug auf die letzte Bestellung der Trankzutaten aus Ägypten fragen wolltest. Zu dieser Zeit warst du in einer Kneipe in Paris mit ein paar anderen Todessern. Du hast mit ihnen Feuerwhiskey getrunken. Der Elf hat dir gesagt, Draco sei zusammen mit Laetitia zur Farm ihrer Eltern gegangen und du musstest diese Information gleich mit deinen Kumpeln teilen. Dabei hast du die erste Regel des dunklen Ordens verraten – du hast dich nicht abgesichert, dass man dich nicht belauscht. Und daran sind die anderen Todesser nicht schuld, sondern du alleine, weil du darüber laut gesprochen hast. Und man hat dich gehört."

Die dunklen Augen von Severus Snape, welche bis jetzt voller Vorwürfe und Wut waren, welche er verzweifelt versuchte zu verbergen, werden in diesem Moment mit Schock erfüllt und er schließt sie, wobei ihm im Gesicht anzusehen ist, wie sehr er das Geschehene bereut. Er hat dadurch Draco in Gefahr gebracht denn jeder weiß dass Bell es auf Draco abgesehen hat und dass durch Zufall Laetitia entführt worden ist. Wenn Draco etwas passiert wäre, wäre Severus Snape dafür verantwortlich.

Draco ist mein Ehemann und mein Vertreter. Dazu hat Severus durch sein unbedachtes Handeln den Orden und mich verraten und er weiß sehr wohl, dass der Preis dafür sein Leben ist.

Und plötzlich weiß er auch warum der Henker hier ist. Er ist hergekommen um eine Hinrichtung auszuführen.

Seine Lippen werden blau und ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben Tränen in seinen Augen, die geräuschlos seine blassen Wangen entlang gleiten und ihm das Aussehen der verletzbaren Menschlichkeit verleihen, die ich nie an ihm gesehen habe. Obwohl ich bezweifele, dass es auf dieser Welt viele Sachen gibt, die Severus Snape wichtig sind und die er gerne hat, weiß ich, wie viel ihm Draco bedeutet. Und beim bloßen Gedanken dass er ihn auf diese Weise verraten hat, bricht etwas in ihm zusammen.

Langsam drücke ich meine Zigarre aus und stehe auf, wobei Artaius zusammen mit mir aufsteht.

„Du hast mich verraten und dafür wirst du sterben," sage ich leise. Severus Snape gibt keine Anzeichen, dass er mich gehört hat. „Es ist nicht weil du es im Ministerium verkorkst hast. Es ist nicht weil du mich hasst und mir übel nimmst, dass ich den schwarzen Thron geerbt habe. Es ist weil du mich und den Orden verraten hast und weil dein Handeln gravierende Folgen hatte."

Noch immer hebt er nicht den Kopf aber sein Rücken zittert vor geräuschlosem Schluchzen.

„Hast du irgendetwas zu sagen bevor du stirbst?" frage ich.

Noch immer reagiert er nicht. Aber als ich zu Artaius schaue und ihm befehle, seinen Stab zu zücken, hebt Severus Snape schnell den Kopf und schaut mich an.

„Das wollte ich nicht," flüstert er.

Artaius lässt seinen Stab sinken und bleibt regungslos stehen.

„Ich wollte das für Draco nicht," wiederholt Severus Snape, mir direkt in die Augen schauend. „Und ich hasse Euch nicht. Nicht mehr. Und... meine Gefühle und meine Reaktion, als... ER gestorben ist, hatten eher mit Traurigkeit zu tun. Ihr müsst verstehen... Wenn ich jung war, stellte er Hoffnung für mich dar. In dieser Welt in der ich gezwungen war, zu leben, war er für mich Hoffnung und ein Weg heraus. Er stellte die dunkle Seite für mich dar. Und als er starb, konnte ich einfach nicht loslassen. Ich konnte nicht akzeptieren, dass er weg ist und ich habe ihn mit dieser Hoffnung verknüpft, welche zusammen mit ihm starb. Wenn ich Euch je respektlos gegenüber war... war das nicht absichtlich. Ich respektiere Euch, aber am Anfang habe ich Euch übel genommen dass Ihr auf dem Thron sitzt und nicht er. Aber ich habe Euch immer als einen Magier respektiert."

Ich nicke, ihn dadurch wissen lassend, dass ich seine 'Entschuldigung' akzeptiere. Ich habe gelernt dass es für Menschen wichtig ist, alles was ihnen am Herzen liegt, laut auszusprechen ehe sie sterben.

„Dein Tod und dein Verrat wird viele Menschen schockieren und traurig machen," sage ich zu ihm. „Unterdessen auch Draco."

„Ach Draco," flüstert Severus Snape und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. „Könntet Ihr ihm eine Nachricht von mir ausrichten, mein Lord?"

„Na schön," seufze ich. „Ich höre zu."

„Sagt ihm, dass ihn nie absichtlich verletzen wollte und dass ich einen Fehler begangen habe. Ich kann es einfach nicht in Worte zusammenfassen, wie leid es mir tut."

„Nur weil du dadurch Draco in Gefahr gebracht hast oder weil du auch mich verraten hast?" frage ich scharf.

„Beides," flüstert Severus Snape.

Ich nicke und schaue zu Artaius.

„Erfülle deine Pflicht," sage ich zu ihm.

„Wie soll er sterben?" fragt Artaius einfach.

„Schnell," sage ich und drehe mich um.

Als ich die Türklinke drücke blitzt der Todesfluch grün hinter meinem Rücken auf und der Henker des dunklen Ordens atmet tief durch bevor er sich eilig zu mir gesellt.

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Ich finde Lucius Malfoy zusammen mit seiner Frau in seinem Arbeitszimmer mit ihr in seinen Armen. Vielleicht habe ich ihnen mit nichts angedeutet, was ich vorhabe zu tun, aber er hat das Schlimmste vermutet als er Artaius mit mir gesehen hat.

Sie trennen sich und Narzissa Malfoy schaut beinahe flehend zu mir, hoffend ich werde sagen, dass das Ganze ein Missverständnis ist.

Ich setze mich wortlos auf den Sessel dem Schreibtisch gegenüber und schlage die Beine übereinander.

„Schreib eine Erklärung für die Öffentlichkeit," befehle ich Lucius.

Einen Augenblick lang schaut er mich blöd an, schnappt sich aber schnell eine Feder und ein Stück Papier.

„Heute Abend ist Severus Snape hingerichtet worden weil er Hochverrat begangen hat," sage ich zu Lucius.

Er blickt kurz auf, reißt sich aber schnell zusammen. Mir fällt jedoch auf, dass seine Hand zittert als er schreibt. Narzissa schnappt nach Luft und presst schnell ein Taschentuch auf ihren Mund um ja nicht laut zu schluchzen.

„Er hat durch unbedachtes Handeln zwei Todesser in Gefahr gebracht und hat mich, Lord Erebus, und den dunklen Orden, dadurch verraten," fahre ich fort. „Dafür musste er sterben. Soll das eine Lektion dem gesamten Orden sein. Ein Todesser zu sein heißt ein Auserwählter zu sein. Man soll diesen Titel mit gebührendem Respekt und Verantwortung behandeln und sich dieses Titels jeden Tag würdig beweisen. Alle Todesser haben alles im Leben was sie brauchen und sind die Elite unserer Gesellschaft. Dafür aber erwarte ich von ihnen Treue mir und dem Orden gegenüber, dass sie sich weiter entwickeln, lernen und als Magier wachsen und dass sie die Pflichten, welche ihnen anvertraut werden, fehlerfrei erfüllen. Ein Todesser zu sein heißt, das Leben einem größeren Ziel zu widmen. Die Strafen für Fehler sind streng aber für Hochverrat auch wenn es durch Nachlässigkeit passiert sind sie noch strenger. Dafür stirbt man. Soll das eine Lektion an alle sein."

Ich stehe auf und schaue auf Lucius hinunter, der es nicht wagt, mir in die Augen zu schauen.

„Tue mit der Leiche was auch immer du willst," sage ich zu ihm. „Aber er darf nicht als ein Todesser begraben werden."

„Ich verstehe, mein Lord," flüstert Lucius, der versucht, seine Stimme ruhig zu halten.

Ich drehe mich um und verlasse sein Arbeitszimmer mit Artaius im Schlepptau der einen respektvollen Abstand von mir hält als er mir nach draußen folgt und dort zusammen mit mir zurück ins Hauptquartier appariert.

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/Setis Sicht

Momentan stecke ich bis zum Hals in Arbeit, aber ich habe gelernt dass ich manche Sachen einfach erledigen muss. Ich möchte persönlich die Einladung zur Hochzeit meinen Eltern liefern weil ich mir sicher bin, dass das ihnen viel bedeuten wird. Aber Laetitia auch.

Als ich mit ihr bei mir eingehakt die Eingangshalle durchquere, kommt eine Gruppe Todesser auf mich zu und ich seufze innerlich. Manchmal frage ich mich, ob ich mich tatsächlich in den dunklen Lord verwandele denn ich beginne die Arbeit mehr als mein Privatleben zu schätzen. Für mich liegt es nicht daran, dass mir meine Arbeit mehr Spaß macht, sondern dass sie einfacher ist. Gefühle und menschliche Beziehungen sind kompliziert und vielschichtig. Es ist nicht etwas worüber man lernen kann und dann jedes Problem aus diesem Fach lösen kann. Ich könnte die gesamte Literatur zum Thema lesen und praktische Erfahrung mit allerlei Sachen was Beziehungen angeht haben und doch garantiert das nicht, dass ich nicht eines Tages vor einem Problem stehen würde das ich nicht lösen kann.

„Wartet auf mich," sage ich zu den Todessern, welche sich gehorsam umdrehen und in Richtung Salon gehen.

Glücklicherweise scheint es dass unsere Verlobung die Sachen vereinfacht hat. Laetitia ist konstant glücklich, scheint die Hochzeit zu planen, redet darüber mit ihren Freunden und kommt mir sehr beschäftigt vor. Dazu hat sie einen Auftrag den ihr der dunkle Lord persönlich gegeben hat und ich weiß wie viel es ihr bedeutet. Draco kann sich vielleicht mit seiner Rolle zufriedenstellen. Es bringt ihm Freude, für Erebus da zu sein und ihm auf welche Weise auch immer zu helfen, auch wenn das heißt, dass er zwei Wochen alleine in ihren Gemächern verbringt und seine Arbeit erledigt. Er macht ihn glücklich weil er weiß dass sein Mann so weniger Arbeit haben wird wenn er zurückkommt. Das ist der Hellmagier in ihm. Aber Laetitia ist eine Schwarzmagierin durch und durch. Sie möchte kämpfen, sie möchte nützlich sein und sie möchte Abenteuer erleben. Sie möchte neue Sachen lernen und neue Menschen kennenlernen. Und ich denke dass ihr dieser Auftrag viel mehr bedeutet als sie uns wissen lässt. Also etwas Gutes ist doch aus diesem Zirkus mit ihrer Entführung herausgekommen.

Heute hat sie sich für eine total schwarze Kombination entschieden, hat aber die Rose, welche ich ihr geschenkt habe, in ihr Haar gesteckt. Ich spiele mit dem Gedanken, jemandem die Aufgabe zu geben, mit Laetitia shoppen zu gehen weil ich ganz ehrlich keine Zeit und keine Lust darauf habe. Was die Klamotten angeht ist Laetitia wie ein Hamster. Sie sammelt alles was sie kann und stopft es in ihren Schrank, sagend, man wisse nie, wann sie etwas brauchen werde. Und obwohl ihr Lohn im Orden hoch genug ist, sodass sie einen gesamten Klamottenladen kaufen kann, kommt sie oft zu mir und bittet mich, mit ihr zum Schneider zu gehen. Es geht nicht immer um das Geld, sondern auch darum, dass sie meine Meinung hören will was ich einfach ermüdend finde. In diesem Aspekt sehe ich, dass mein Gehirn wie das eines Mannes funktioniert. Bis ich genug Sachen zum Anziehen habe verspüre ich absolut keinen Drang, shoppen zu gehen. Ja, für eine Weile habe ich neue Sachen gekauft aber nur weil ich an meinem äußeren Schein gearbeitet habe. Jetzt bin ich aber mit meiner Garderobe ganz zufrieden und brauche nichts Neues. Ich wünsche mir insgeheim, Laetitia würde sich mit Daphne Greengrass befreunden denn so könnten sie zusammen shoppen gehen.

Meine Eltern kommen mir etwas reserviert vor als sie die Tür öffnen und uns reinlassen. Es gibt eine gewisse Spannung in der Luft die ich einfach nicht begreifen kann. Ist was los?

Aber Laetitia scheint gar nichts davon zu bemerken oder scheint es gut zu ignorieren. Sie fällt gleich mit meiner Mutter ins Gespräch und mein Vater setzt sich zu mir mit einem Ausdruck, der mich etwas skeptisch macht.

„Ist was los?" frage ich direkt als uns der Elf Kaffee einschenkt. „Wie geht es mit der Praxis?"

„Oh die Arbeit ist gut," erwidert mein Vater, der die Lippen zusammenpresst. Das ist schon ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Ich kenne ihn. Und jedes Mal wenn er etwas am Herzen hat, presst er die Lippen zusammen. „Neue Kunden kommen regelmäßig und ich denke dass sie uns sehr mögen, sonst wäre unsere Praxis nicht so beliebt. Und ich denke dass die Tatsache, dass wir ein Ehepaar sind, welches zusammen eine Praxis führt, den Menschen viel bedeutet. Ich weiß nicht warum."

Ich lache.

„Wahrscheinlich aus dem selben Grund warum Menschen lieber Restaurants besuchen, welche eine Familientradition sind und wo die gesamte Familie arbeitet," sage ich.

Mein Vater zuckt mit den Achseln und bleibt ernst. In diesem Moment spüre ich dass es ganz richtig von mir wäre, etwas Legillimentik auf ihn anzuwenden um herauszufinden, was los ist. Innerlich seufze ich. Wieder Erebus. Das ist seine Weise, um Sachen zu lösen. Ich wiederum habe meine eigene.

„Was ist los?" frage ich erneut.

Mein Vater, der sich in diesem Moment wahrscheinlich wie eine Ratte in der Ecke fühlt, atmet tief durch und blickt zu der französischen Zeitung. Mir fällt mein Foto auf der ersten Seite auf. Ach so... Ich habe eine ziemlich gute Vorstellung, was er mir sagen möchte. Und ganz ehrlich wundert es mich dass er so lange ausgehalten hat.

„Ich weiß, dass du eine sehr wichtige Rolle im dunklen Imperium spielst," fängt er an, wobei ich den Eindruck habe, dass jedes Wort reine Qual für ihn ist. „Und ich weiß dass es manche Sachen gibt, die man einfach tun muss. Wenn man eine Armee in den Krieg führt, hat man nur den Sieg im Sinn."

Ich lehne mich zurück und seufze.

„Es ist viel komplizierter als das," werfe ich ein.

„Na ja," sagt mein Vater und neigt den Kopf zur Seite.

Meine Mutter würde wahrscheinlich eine Erklärung von mir erwarten aber mein Vater hat mich so gerne und möchte an das Bild von mir glauben, das er im Kopf hat, sodass er vielleicht eher eine Bestätigung von mir will, dass dieses Bild tatsächlich stimmt und sodass er wieder in seine Welt, wo alles einen Sinn ergibt, zurückkehren kann. Denn dieses Bild kennt er. Dieses neue Bild, diese neue Version seiner Tochter, kennt er und versteht er nicht.

„Ich weiß, was dir am Herzen liegt," sage ich zu ihm und zu meiner Überraschung verstummt er und hört zu. „Im Interview mit mir wird ein Kampf erwähnt, der mit einem Massaker geendet hat. Und ich habe die Reichsarmee angeführt. Es liegt an meinem Gewissen."

Mein Vater schluckt mehrmals und versucht nicht wegzublicken. Ich bemerke aber das Laetitia und meine Mutter verstummt sind und dass sie auch zuhören.

„Für die Soldaten, welche eigentlich Menschen getötet haben, ist es leicht sich zu rechtfertigen," fahre ich fort, dabei keine Zweifel habend, was ich ihm sagen werde. „Sie sind Todesser und ich bin die dunkle Prinzessin. Sie haben meine Befehle ausgeführt, Punkt. Und in der Geschichte der Welt waren immer die Generäle schuld, denn sie haben die Entscheidungen getroffen. Ich wiederum muss mich vor keinem rechtfertigen. Ich habe das getan was ich tun musste, um zu gewinnen. Aber ich möchte euch beide wissen lassen, dass ich die rohe Gewalt nicht bevorzuge. Ich versuche immer die Sachen auf eine diplomatische Weise zu lösen und so wenig Opfer zu haben wie ich kann. Aber das ist einer der Gründe, warum die helle Seite fehlgeschlagen ist. Es ist nicht in ihrem Blut, zu kämpfen. Sie würde am liebsten Frieden in der Welt haben. Leider geht es so nicht. Sie hat diesen Krieg gestartet und die dunkle Seite wird ihn beenden. Aber ich versuche ein feines Gleichgewicht zwischen der rohen Gewalt und der Diplomatie zu behalten, was ein wichtiger Teil meines Lebensweg ist."

Ich denke an Yngwi und die Finnen, die ich getötet habe weil sie sich als nicht vertrauenswürdig erwiesen haben. Und weil sie durch sein Handeln alle anderen Todesser und mich in Gefahr gebracht haben. Ich hätte sie nur bestrafen können, ja. Es gibt immer einen anderen Weg. Aber ich erkannte instinktiv dass sie es nie begreifen würden. Und deswegen habe ich sie aus dem Weg geräumt.

Ich habe über meine Taten viel nachgedacht und obwohl der dunkle Lord gar nichts dazu gesagt hat, weil so was für ihn ganz verständlich und normal ist, bin ich nicht er. Ich möchte nicht Menschen sinnlos foltern und töten. Wenn ich das tue, muss ich einen sehr guten Grund dafür haben. Ich möchte mein Ziel erreichen, ja. Und um das zu tun sind manchmal solche Züge notwendig. Die Frage 'was wenn' war mir tagelang im Kopf obwohl ich in jenem Moment absolut keinen Zweifel hatte. Und natürlich hat das Ganze einen Eindruck auf die anderen gemacht. Ich bin mir ziemlich sicher dass sich die nordischen Länder am Riemen gerissen haben. Sie möchten nicht den selben Fehler machen. Das ist das Gute daran. Das Schlechte daran ist dass ich Blut an meinen Händen habe und dieses Blut kommt von meinen Magiegenossen. Aber ich weiß was ich getan habe, warum ich es getan habe und werde mich nicht deswegen schuldig fühlen. Es ist getan worden.

Mein Vater nickt und versucht den Eindruck zu machen, dass er mich versteht aber trotzdem sehe ich Angst in seinen Augen.

„Alles was ich tue ist für den dunklen Orden und für das Imperium," beende ich den Gedanken. „Ich sage euch, akzeptiert mich so wie ich bin aber ich weiß dass ich nicht von euch erwarten kann, solche Sachen zu verstehen und mich auch darin zu unterstützen. Aber was ich tun kann ist euch die Chance zu geben, den Geist und die Seele der dunklen Seite zu spüren. Und deswegen bin ich hergekommen um euch das zu geben."

Ich reiche einen Umschlag zu meinem Vater und Laetitia grinst breit als er ihn öffnet und die Einladung hervorzieht. Seine Lippen beginnen sich lautlos zu bewegen als er Zeile für Zeile lautlos liest. Schließlich blickt er auf und meine Mutter steht auf um die Einladung über seine Schulter zu lesen. Sprachlos schauen sie zu mir.

„Und ihr seid eingeladen," sage ich zu ihnen. „Als meine Eltern und meine Gäste. Minister und von mir persönlich eingeladene Zauberer und Hexen kommen aus dem ganzen Imperium. Der dunkle Lord wird auch mein Zeuge sein und an der Hochzeitszeremonie teilnehmen. So werdet ihr den Geist des Ordens spüren und Menschen mit denen ich jeden Tag zusammenarbeite kennenlernen. Vielleicht wird euch das helfen, ein Teilchen davon zu verstehen, was ich mein Lebenswerk und meinen Lebensweg nenne."

Noch immer schweigen sie und ich spüre den Kurzschluss im Kopf meines Vaters, der vergessen hat, seinen Mund zu schließen.

„Ihr habt schon genug Verständnis für den Weg, den ich gewählt habe, gezeigt," füge ich hinzu. „Ich kann nicht mehr von euch erwarten. Aber vielleicht kann die Spannung und die Energie des dunklen Ordens für sich selbst sprechen und manche Sachen erklären, welche ich nicht in Worte zusammenfassen kann."

Ich schaue zu Laetitia, deren Augen mit Tränen glitzern. Aber es sind Freudentränen.

„Ich werde die Person mit der ich den Rest meines Lebens verbringen möchte heiraten," sage ich, ihre Hand in meine nehmend. „Es ist nur recht, dass ihr die Hochzeitszeremonie und solch einem wichtigen Moment in meinem Leben bezeugen könnt."

Ich stehe auf und blicke in die Runde.

„Und jetzt muss ich gehen weil ein Stapel Arbeit auf mich wartet," sage ich.

Ich habe schon solch eine Reaktion früher gesehen. Und ich weiß dass das, was ich bin und was ich im Leben tue, nicht leicht für meine Eltern zu akzeptieren ist. Meiner Meinung nach haben sie schon viel Fortschritt in dieser Richtung gemacht und Verständnis gezeigt wo manche Menschen es einfach aufgeben würden.

Meine Mutter reißt sich als die erste zusammen, legt wortlos ihre Arme um mich und reibt meinen Rücken.

„Gratulation," flüstert sie und schnieft. „Ich freue mich sehr für euch beide. Ich weiß dass ihr für einander bestimmt seid."

Sie zieht sich zurück und lächelt mich schwach an. Ich schaue in die tränenerfüllten Augen der Frau, die so weit gegangen ist, um mich zu verstehen und meine Welt kennenzulernen. So weit, dass die beiden ein Teil meiner Welt geworden sind. Sie lesen die Zauberzeitung jeden Tag und gehen auch manchmal in Zauberparis um einen Spaziergang zu machen sodass sie meine Welt, sowie die Zauberwelt als auch die schwarzmagische Welt, besser verstehen würden. Den Anfangspunkt in Betracht ziehend muss man gestehen, dass sie weit gekommen sind.

Laetitia hüpft aufgeregt auf einer Stelle als sie meine Mutter umarmt und grinst breit.

Mein Vater schaut unsicher zu seinen Händen und presst die Lippen zusammen. Wieder das.

„Nimm es uns nicht übel," murmelt er. „Weil wir solche Fragen stellen. Du hast mir beigebracht dass fast gar nichts so ist, wie es scheint. Dass es immer Sachen gibt, welche unter der Oberfläche stecken. Aber eins ist für mich felsenfest sicher. Dass dein Herz im Platz ist. Dass du eine Person mit edlen Idealen bist, welche alles für diese Ideale tun wird. Und auch wenn mich manchmal solche Sachen schockieren, muss ich mich nur daran erinnern, dass ich an dich glaube. Ich weiß dass du das Richtige tun wirst, auch wenn ich es nicht akzeptieren oder verstehen kann. Aber ich werde es versuchen."

Wir geben einander einen Klaps auf die Schulter und er lächelt flüchtig.

„Wir würden eure Hochzeit um nichts auf der Welt verpassen," sagt er, zu meiner Mutter schauend, welche ihn anstrahlt. „Du musst uns aber nur sagen, was wir mitbringen und anziehen sollen um keine Idioten aus uns zu machen."

Ich werde kurz an ihren letzten Versuch, sich wie ein Zauberer und eine Hexe anzukleiden erinnert und muss zustimmen dass sie etwas Führung brauchen.

Schon wieder überrumpelt, dass sie auf diese Weise reagiert haben, nehme ich Laetitias Hand und wende mich zum Gehen.

„Es gibt noch Zeit," sage ich zu ihnen. „Ich werde euch Anweisungen schicken."

„Danke," sagt mein Vater. „Besuche doch deine Eltern wenn du Zeit hast, ja? Wir wissen ja, dass du viel zu tun hast und deswegen fragen wir nicht."

„Wow," flüstert Laetitia als wir in der Eingangshalle des Hauptquartiers apparieren. „Deine Eltern sind einfach cool. Ich weiß, ich habe es früher gesagt, aber ich sage es wieder. Sie sind einfach toll. Und ich denke dass sie mir mehr als irgendeine Zauberfamilie gefallen. Die Zauberfamilien sehen nur eine Seite der Welt. Deine Eltern können aber die beiden Seiten sehen."

oooooooooooooooooooooooooooooooo

„Etwas Ruhe vor dem Kampf," sagt der dunkle Lord, der sich mit einem Kelch voller dicker Flüssigkeit zurücklehnt. Ich muss ja nicht fragen, was er trinkt. „Man muss seine Gedanken ordnen und sich für die vor einem stehende Aufgabe konzentrieren."

Für ein paar Momente ist nur das Ticken der Uhr zu hören als wir im Stillen trinken. Er trinkt Blut, ich trinke Kaffee. Jeder bereitet sich für einen wichtigen Kampf auf seine eigene Weise vor.

Ich denke wieder an meinen Abschied von Laetitia. Die Arme war so nervös und so aufgeregt dass sie fast die Hälfte ihres Schrankes mitnehmen wollte, aber glücklicherweise habe ich sie zur Räson gebracht. Laetitia ist vor ein paar Stunden zusammen mit Thalia in die finnische Schule abgereist, um zusammen mit den neuen schwarzmagischen Lehrern dort die Lehrpläne dem finnischen Schulsystem anzupassen. Und danach geht sie nach Norwegen. Für sie ist das ein Abenteuer und eine weitere Chance um dem dunklen Orden zu zeigen, was sie tun kann. Und wenn Laetitia einen guten Eindruck machen will, braucht sie passende Kleidung.

Ich sage ja nicht, dass sie eine oberflächliche Person ist, der das Äußere wichtiger ist als das was man im Kopf hat. Jeder Schwarzmagier ist sich bewusst, dass sein Äußeres viel über ihn sagt und jeder hat ein feines Gefühl für Ästhetik, das von der Person in Frage abhängt, aber es ist trotzdem da. Vielleicht habe ich nur eine kleine Ecke wo ich meine Kleidung bewahre wobei ihre Sachen die Mehrheit des Raumes beanspruchen, aber dem ist so weil ich die Einfachheit schätze. Und außerdem trage ich meistens schwarz. Wie viele schwarze Kleidungsstücke kann man besitzen?

Es klopft an der Tür und ich sehe Erebus im Gesicht an, dass er genervt ist. Man stört ihn wieder und was Erebus am meisten hasst ist wenn man ihn bei etwas stört, auch wenn er auf den ersten Blick gerade Blut trinkt und gar nichts macht. Er entspannt sich und seine innere Ruhe ist ihm sehr wichtig.

Sirius Black guckt ins Wohnzimmer und schluckt.

„Darf ich für nur ein paar Sekunden stören?" fragt er.

Der dunkle Lord schließt kurz die Augen und presst seine Nasenwurzel. Ok, er ist genervt. Ich erkenne alle Anzeichen obwohl er noch immer auf den ersten Blick ruhig ist.

„Fahre fort," sagt er, den Kelch zu seinen Lippen bringend.

Sirius Black schlüpft ins Wohnzimmer und schließt die Tür leise hinter sich.

„Ein paar Russen sind hier," sagt er. „Und sie möchten Euch dringend sprechen."

Ich schaue zu Erebus, dessen grünen Augen auf Black fixiert sind. Black wiederum schaut unschuldig und mit dem 'ich bin nur der Bote' Ausdruck zu ihm.

„Na gut," sagt Erebus und legt seinen Kelch ab.

„Was wollen sie denn?" frage ich als Black verschwindet.

„Vermutlich dass ich ihrem Land etwas Aufmerksamkeit schenke," sagt der dunkle Lord.

Ein paar Sekunden später klopft es erneut an der Tür und ich setze mich aufrechter. Vier russische Todesser strömen hinein und verbeugen sich unnötig tief vor uns beiden.

„Es tut uns sehr leid, Euch zu stören, mein Lord, meine Prinzessin," sagt einer, seinen Hut in der Hand drehend. „Aber es ist zu einem Vorfall gekommen und wir haben uns erkühnt, um Eure Hilfe zu bitten."

Der Todesser in Frage ist ein Schwarzmagier mittleren Alters mit dunklen Haaren und kurzen braunen Haaren, der normalerweise bei den internationalen Treffen für Russland spricht. Er ist für diese Rolle von seinen Landesgenossen ausgewählt worden weil er mit Schwarzmagie viel Erfahrung hat und außerdem Englisch perfekt spricht.

Der dunkle Lord sieht für einen Moment lang so aus, als wolle er sie am liebsten rausschmeißen aber dann deutet er wortlos auf das Sofa ihm gegenüber und die Russen setzen sich so leise wie sie können.

„Eine Freundin von uns ist angegriffen worden," sagt der Russe, hoffnungsvoll zu dem dunklen Lord blickend. „Sie ist keine Todesserin, ist aber eine gute Freundin von mir. Vier Zauberer haben sie in einer dunklen Gasse geschnappt und haben sie abwechselnd verflucht, sagend, sie stecke mit den Schwarzmagiern unter einer Decke und sei auch eine Schwarzmagierin. Ich wurde davon benachrichtigt und wir haben diese..." Er sucht nach einem passenden Wort um diese Zauberer zu beschreiben, das kein Schimpfwort ist. „Diese Männer gesucht und wir haben sie gefunden. Alles was wir wollten war Rache für meine Freundin. Sie haben sie übel zugerichtet. Aber sie waren nicht alleine, was wir nicht gewusst haben. Binnen einer Sekunde erhoben sich zehn Zauberer und haben sich auf uns gestürzt. Wir sind entkommen, wie Ihr seht, mein Lord. Aber wir haben acht Menschen getötet und jetzt werden wir vom gesamten Russland gesucht. So haben wir schnell unsere Freundin geholt und sind geflohen. Momentan liegt sie in einem Wald und wird von zwei guten Schwarzmagiern bewacht. Ihr geht es nicht gut, mein Lord. Und wir sind keine Heiler. Wir wissen nicht, wie wir ihr helfen sollten und sind außerdem jetzt auf der Flucht. Wir haben alles in Russland zurückgelassen."

So was passiert eigentlich ziemlich oft und der dunkle Lord ist es gewohnt, solche und ähnliche Geschichten zu hören. Man tötet jemanden oder gerät auf sonst eine Weise in Schwierigkeiten mit den regierenden Kräften und dann sucht Asyl im dunklen Imperium. Aber Russland insbesondere ist oft der Ort wo solche Vorfälle vorkommen, wobei die Schwarzmagier oder jene die so aussehen oder einfach auffallen, das Ziel der Angriffe sind. Ich finde es überraschend dass die Angst vor der Schwarzmagie so weit gegangen ist, sodass man sich auf diese Weise auf seine Landesgenossen stürzt, ohne dass man eigentlich weiß ob sie wirklich Todesser sind oder nicht. Aber manchen ist es eh egal.

Der dunkle Lord lehnt sich zurück und schaut zu seinem Diener, der ihn erwartungsvoll anschaut und noch immer nervös den Hut in seiner Hand dreht.

„Ihr habt gut getan," sagt er schließlich und der Russe scheint vor Erleichterung auszuatmen. Denn man könnte sagen dass es wirklich unnötig war, diese Menschen suchen zu gehen und sie anzugreifen. Aber anscheinend denkt der dunkle Lord anders. „Ich werde den Reichsheiler schicken, um diese Hexe zu heilen."

„Danke, mein Lord, Ihr seid sehr gnädig," sagt der Russe eifrig.

Erebus blickt in die Runde.

„Du," deutet er auf einen Zauberer. „Und du," deutet er auf den Zauberer, der die ganze Zeit gesprochen hat. „Ihr kommt mit. Ihr werdet an dem Angriff teilnehmen. Meldet euch bei Bellatrix Lestrange – sie wird euch weitere Anweisungen geben. Der Rest kann hier im Hauptquartier bleiben. Und jetzt dürft ihr gehen."

„Vielen Dank, mein Lord," sagt der Russe, sich schnell erhebend. Mir kommt er überhaupt nicht verängstigt sondern aufgeregt vor. „Es wird eine Ehre sein, in Euren Reihen zu kämpfen."

Erebus schaut zu mir als sich die Tür hinter ihnen schließt.

„Sie sind an hartes Leben gewöhnt," kommentiert er. „Und in solch einer Umgebung in der sie leben ist es notwendig hart zu sein und dafür zu kämpfen, was einem lieb ist. Es wäre vielleicht seltsam, wenn so etwas hier passieren würde, aber nicht in Russland. Dort lebt man anders."

„Und diese Hexe, was werden wir mit ihr tun?" frage ich Erebus, ein wenig überrascht dass er so reagiert und die Zauberer eigentlich gelobt hat.

Für ein paar Momente ist Erebus mit seinem Kelch beschäftigt, dann aber lehnt er sich wieder zurück und zieht eine Zigarre hervor.

„Angst vor dem Unbekannten erzeugt Gewalt und Vorurteil," sagt er, ins Ferne starrend. „Und aus diesem Grund haben Menschen im Laufe Weltgeschichte getötet und die anderen gefoltert. Das zeigt nur ihre Schwäche denn meiner Meinung nach ähneln sie einem Tier, das aus Angst angreift und tötet."

Er schaut zu mir und neigt den Kopf zur Seite.

„Ich denke dass es an der Zeit wäre, uns Russland zuzuwenden, mein Lehrling," sagt er.

Eine harte Nuss. Trotzdem muss ich zustimmen. Es war einfach genug. Und jetzt da die Grenzen des dunklen Imperiums bis zu Finnland reichen, das an Russland grenzt, wird es auch für die finnische Provinz schwierig werden. Und außerdem weiß ich dass Russland der Dorn im Auge des dunklen Lords ist. Ich weiß dass es ihn in den Fingern juckt, die Reichsarmee dorthin zu führen und nichts außer Asche hinter sich zu lassen aber der dunkle Lord, obwohl er mehr als ich dazu neigt, die Sachen gleich mit roher Gewalt zu lösen, ist in diesem Fall vernünftig. Ihm ist bewusst dass er einen verdammt guten Plan braucht.

„Ich stimme zu, Meister," sage ich und schaue wieder zum Tisch.

Eine sehr schwierige und ehrgeizige Aufgabe steht vor uns. Mit seinem genialen oder verrückten Angriffsplan hat der dunkle Lord eine ganz neue Bedeutung der Phrase 'Angriff auf allen Fronten' gegeben. Heute Abend kann alles entweder phantastisch gut oder erschreckend schlecht verlaufen. Und doch weiß ich dass sich der dunkle Lord des Risikos bewusst ist und weiß was er da macht.

Ich wäre nicht gerne an seiner Stelle. Die Last und die Verantwortung liegen auf seinen Schultern und sein Handeln und seine Entscheidungen werden die Zukunft des Imperiums bestimmen. Jetzt kann ich sehr gut verstehen warum er nichts dagegen hatte, der dunkle Prinz zu sein. Obwohl er die Befehle des ehemaligen dunklen Lords ausgeführt und auch oft selbstständig gehandelt hat, war er nicht derjenige, der alle Entscheidungen trifft und hinter ihnen steht.

„Wir müssen für alles, was wir tun, Verantwortung übernehmen, Seti," sagt er leise. „Die Hellmagier sind jene, welche die Verantwortung gerne jemandem anderen zuschieben. Wir, Schwarzmagier, sind uns immer dessen bewusst, was wir sind und was wir getan haben. Und auch für unsere Fehler müssen wir die Verantwortung übernehmen. Das ist auch einer der Gründe, warum der dunkle Pfad nicht für jeden ist und warum es so schwierig ist, ihm zu folgen. Viele brechen einfach zusammen weil sie zu schwach sind."

„Seid ihr der Meinung, dass das auch Severus passiert ist?" frage ich ihn.

Die grünen Augen spiegeln absolut keine Emotion und kein Bedauern als sie zu mir schauen. Aber ich würde nichts Anderes von ihm erwarten und frage mich, warum ich überhaupt nach solchen Sachen in ihm suche. Wahrscheinlich aus Gewohnheit.

„Ja," sagt er. „Vielleicht hat er gehofft, dass ich ihm die Arbeit des Ministers gebe. Das, was er in Lucius' Abwesenheit getan hat, beweist dass er es ihm übelnahm und dass er Macht und Kontrolle wollte. Was an sich nichts Schlechtes ist. Aber dabei hat er zwei Sachen vergessen. Man soll zuerst zeigen, dass man die Aufgabe, welche einem anvertraut worden ist, gut erfüllen kann. Und zweitens, man muss auch zeigen dass wenn man schon Macht über die anderen bekommt, dass man es nicht missbraucht. Das, meiner Meinung nach, ist es, was die durchschnittlichen und mächtigen Schwarzmagier voneinander unterscheidet."

„In einem seiner Briefe hat Longbottom gerade diese Frage gestellt," fährt er fort. „Er wusste natürlich, welche Bräuche wir im dunklen Orden pflegen. Dass sich ein Todesser vor mir verbeugt. Dass man mich mit 'mein Lord' anspricht. Und er dachte all das sei ein Beweis, dass mein Ego mehr Raum brauchte. Dass ich solche Sachen brauchte, um mich mächtig zu fühlen. Ich habe darüber mit Voldemort geredet."

Ich spitze die Ohren. Ich höre so selten worüber die beiden alleine gesprochen haben dass ich jede Information darüber schätze.

„Er hat gestanden, dass dem am Anfang tatsächlich so war," sagt Erebus und lächelt schief. „Aber mit der Zeit begannen sich Menschen vor ihn zu knien einfach weil sie seine Macht respektierten und ihm dadurch zeigen wollten, dass sie ihn für einen mächtigen und weisen Zauberer hielten, dem sie folgen wollten. Manche taten es auch aus Angst, ja. Aber der dunkle Pfad ist schwierig und steif. Und wenn man schon solche Höhen erreicht, soll man auch dafür respektiert werden. Aber zurück zu Severus Snape."

Der Zigarrenrauch kommt aus seiner Nase hervor als er etwas nachdenklich zum jetzt leeren Kelch schaut.

„Mein Urteil ist dass er einfach zu schwach war," sagt er und schüttelt den Kopf. „Vielleicht hat er keine Emotionen gezeigt aber sein Wesen war ein Chaos der verschiedenen Emotionen. Alles, was ihm passierte, empfand er sehr tief. Und doch fehlte ihm die innere Kraft, sich der destruktiven Finsternis in ihm zu entreißen."

Erebus kann auf diese Weise über Severus Snape reden, aber mir tut es leid dass der Mann tot ist. Ich verstehe natürlich warum er es getan hat aber ein Teil von mir vermisst Severus schon. Es hätte nicht so sein müssen.

„Was ihm fehlte, war wahrscheinlich der Lebenssinn," sage ich. „Aber ich verstehe einfach nicht wie es dazu gekommen ist, dass jemand so das Leben satt hat. Gab es denn nichts in seinem Leben, was ihn freute?"

„Diese Diskussion ist sinnlos weil der Mann ja tot ist," bemerkt Erebus kühl.

„Vielleicht für Euch aber für mich nicht," widerspreche ich ihm. „Denn wenn es mir gelingt, ihn besser zu verstehen und warum er sich so gefühlt hat, werde ich auch einen Einblick in die Psychologie der Menschen bekommen, welche mir unähnlich sind. Und ich bin ja die dunkle Prinzessin. Ich habe den ganzen Tag lang mit Menschen zu tun. Manchmal besteht meine Arbeit auch darin, Menschen und das, was sie antreibt, gut zu verstehen."

Erebus schaut etwas belustigt zu mir.

„Du hättest dir einen anderen Namen geben sollen," murmelt er, die Asche von seiner Zigarre geschickt abstreifend. „Nicht 'Sets Mann' sondern 'Hermes' oder so was."

Ich lächele flüchtig. Wahrscheinlich hat er Recht. Aber ich habe meinen Namen intuitiv gewählt weil mir kein anderer passte. Es gibt einen Grund, warum ich mich ausgerechnet für diesen Namen gegeben habe. Und ich vermute dass ich das später in meinem Leben herausfinden werde.

„Hier ist meine Meinung dazu," sagt er nach einer Pause. „Menschen, welche Sachen so tief spüren, sind selten. Draco ist einer dieser Menschen und deswegen werde ich ihn als mein Beispiel nehmen. Er liebt und er hasst mit seinem ganzen Wesen. Und er ist bereit dafür zu kämpfen. Er ist bereit, dafür zu sterben. Denn für ihn ist seine Leidenschaft die bewegende Kraft."

Ich erinnere mich an Dracos Reaktion als er Erebus tot gefunden hat. Ja, ich muss zustimmen. Wäre Erebus tatsächlich gestorben bin ich sicher dass Draco vor Traurigkeit auch sterben würde. Das sind Menschen, welche sich so fest an etwas oder jemanden binden sodass sie ihre eigene Existenz von der Existenz des anderen nicht trennen können. Das ist ihre Schwäche. Aber das ist gleichzeitig auch ihre Stärke denn diese Leidenschaft und ihre Gefühle sind dazu fähig, einen zu unglaublichen Sachen zu bewegen.

„Und Severus Snape hatte eine traumatisierende Zeit in der Schule," fährt Erebus der Psychologe fort. „Man hat ihn schikaniert weil er sich mit Schwarzmagie beschäftigt hat. Er hat sich aber verliebt – und war bereit, für diese Liebe alles zu tun. Und doch hat jemand anderer die Frau die er liebte bekommen. Und zwar jemand, der Snape schikanierte und sich immer über ihn lustig machte. Wahrscheinlich war dies einer der Gründe, warum er sich Lord Voldemort angeschlossen hat. Er suchte nach einem Lebenssinn, den er nirgendwo in der Welt finden konnte. Und dann ist seine Liebe ermordet worden. Damit erlosch jegliche Hoffnung, mit ihr zusammen zu sein. Und wenn er schon ein neues Leben für sich gebaut hat, starb auch Lord Voldemort, der für ihn Hoffnung darstellte. Das hat er mir gesagt ehe er starb."

Es ist etwas seltsam so über jemanden zu reden der einem lieb war und zwar mit einer Person, welche seinen Tod befohlen hat.

„Ja, aber ich dachte dass ihn seine Arbeit glücklich machte," werfe ich ein. „Er hatte Freunde im dunklen Orden und konnte sich endlich mit der Schwarzmagie offen beschäftigen. Er war frei."

„Er war ein emotioneler Krüppel," sagt Erebus. „Und er neigte dazu, sich an Sachen und Menschen derart zu binden, dass seine eigene Existenz mit dem Tod des anderen in Frage kam. Ich kann seine Beweggründe sehr gut verstehen, aber ich kann die Psychologie solcher Menschen nicht verstehen. Ich bin ja mit solch einer Person verheiratet und noch immer ist es mir nicht gelungen, Draco vollkommen zu verstehen."

Ich lächele und schaue zu meinem Mentor und Freund. Ein Teil von mir nimmt es ihm übel, dass er Snapes Tod befohlen hat aber ein anderer Teil von mir versteht es. Ob ich es akzeptieren und es vergessen kann ist schon eine ganz andere Sache.

„Aber Ihr seid ein guter Psychologe," sage ich zu ihm. Erebus schenkt mir ein ehrliches Lächeln, etwas, was man nur selten in seinem Gesicht ansieht. „Also was haltet Ihr von Menschen wie Yngwi?"

„Ach, Yngwi," sagt der dunkle Lord, der einen nachdenklichen Zug an seiner Zigarre nimmt und sich wieder zurücklehnt. Man merkt, dass ihm das Ganze Spaß macht.

„Er war ein echter Schwarzmagier," sagt er. „Er war der Meinung dass das was du von ihm wolltest, einfach kontraproduktiv war. Dass es falsch war. Und wollte dir nicht zuhören. Ich habe keine Zweifel, dass er dich respektiert und deine Autorität anerkannt hat, aber trotzdem dachte er dass er Recht hatte und wollte dir zeigen, dass er es besser wusste. Es ist zweifelsohne eine Eigenschaft eines echten Schwarzmagiers, gegen die Autorität zu rebellieren. Das machst du ständig."

Er schaut belustigt zu mir und ich strahle ihn an. Ich nehme das als ein Kompliment an.

„Aber du bist intelligent," sagt der dunkle Lord. „Du kannst deine Meinung und deine Aussage begründen. Du kannst mir zeigen, warum du Recht hast und warum das, was du sagst, einen Sinn ergibt. Und jedes Mal wenn du das machst und wenn es tatsächlich stimmt, akzeptiere ich es. Oft geht es dabei um Sachen welche in dir vorgehen und obwohl ich dich schon sehr gut kenne sind mir manche Ecken deiner Psyche noch unbekannt."

Das bezweifele ich sehr aber in Ordnung. Der dunkle Lord nutzt jede Chance die er hat, in meinem Kopf herumzuwühlen.

„Und Yngwis Rebellion hatte keine Basis," sagt er. „Er konnte seine Beweggründe nicht erklären. Diese norwegische Dienerin, Torhild, sie kam zu dir mit einem Vorschlag, nicht wahr?"

„Ja," sage ich achselzuckend. „Und es war ein guter Vorschlag. Sie kennt ihr Land und die Denkweise der Menschen dort viel besser als ich. Deswegen habe ich ihren Vorschlag akzeptiert und wir waren erfolgreich."

„Genau," sagt Erebus. „Aber sie gab dir später Beweise, warum etwas so war und sie hat dir erklärt, was dahinter steckt. Ihr Vorschlag ergab einen Sinn."

„Aber natürlich," sage ich. „Und sie konnte jede Frage die ich ihr dazu stellte beantworten."

„In anderen Worten konnte sie alles, was sie sagte, begründen," erklärt Erebus. „Und Yngwi konnte das nicht."

Ich nicke langsam.

„Mit Menschen wie Yngwi muss man sehr streng sein," fährt der dunkle Lord fort. „Vielleicht ist es am besten ihnen am Anfang nur Befehle zu geben weil sie einfach noch nicht die Ebene erreicht haben, auf der sie rational und für sich selbst denken können. Es ist jämmerlich, einen Schwarzmagier so zu behandeln aber in solchen Fällen gibt es keinen anderen Weg. Dann, wenn sie sich gut weiter entwickeln, werden sie die Phase erreichen in der sie die Welt um sich herum rational sehen und alles in Betracht ziehen können."

„In anderen Worten fehlte ihm die logische Denkweise," schlussfolgere ich.

Der dunkle Lord lächelt schief und drückt seine Zigarre aus.

„Das, aber auch Erfahrung und die Fähigkeit objektiv zu denken," sagt er. „Und ich muss sagen, dass Artaius sich schon in diese Richtung entwickelt. Ihm fehlt vielleicht etwas Erfahrung aber er hat all diese Qualitäten welche notwendig sind, um ein mächtiger Schwarzmagier und Kämpfer zu werden."

„Hat das aber nicht etwas mit dem Mangel an Emotionen zu tun?" frage ich Erebus.

Er schaut mich nachdenklich an.

„Vielleicht," sagt er. „Aber eine Person, welche mehr als ein Mensch sein möchte wird auch lernen es nicht zuzulassen, von seinen Gefühlen wie ein Schiff von dem Ozean hin und her geworfen zu werden. Solch eine Person lernt einen Abstand von ihren Emotionen zu behalten und doch sie anzuerkennen wenn es die richtige Zeit dafür ist. Wie du."

„Danke, Meister," sage ich anmutig.

„Gerne, mein Lehrling," erwidert er.

Er steht auf und reckt sich wie eine Katze.

„Und jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns mit diesen nervigen Amerikanern beschäftigen," sagt er. „Wir haben genug philosophiert."

„Ich gehe mich anziehen," sage ich.

Als ich seine Gemächer verlasse, frage ich mich vage wie ich reagieren würde, falls er stirbt. Ich schätze seine bloße Anwesenheit so sehr dass ich mir nicht vorstellen kann wie es wäre wenn er nicht da wäre. Aber so habe ich mich auch gefühlt als Lord Voldemort starb. Und doch habe ich mich zusammengerissen und weitergemacht. Vielleicht ist für einen Schwarzmagier die Eigenschaft, aufzustehen wenn man umfällt und einfach weiterzumachen, die wichtigste Vorbedingung die erfüllt werden muss, um ihn auf den Pfad zur Macht und zum Wissen weiter zu tragen. Denn sowie Erebus schon gesagt hat ist der dunkle Pfad nicht leicht.