Not Only A Granger
Insecurities
by ferporcel

DISCLAIMER: Nicht meines! Es ist alles von J. K. Rowling.

WARNING: Diese Geschichte spielt in der Zukunft und beinhaltet HBP Spoiler! Seid gewarnt!

ORIGINAL BETA: Shey Snape, GinnyW und Annie Talbot – vielen Dank!

GERMAN TRANSLATION: Alea_Thoron

SUMMARY: Kapitel Fünfunddreißig! Unsere kleine Familie kämpft mit ihrer Unsicherheit gegenüber dem jeweils anderen.


Nicht nur ein Granger

Kapitel 35: Verunsicherungen

Severus' Plan, sich an diesem Mittwoch mit Hermione in Verbindung zu setzen, war nach dem ganzen Missverständnis mit Nathan in die Binsen gegangen. Die Zeit, von der er gedacht hatte, dass er diese mit ihr verleben würde, hatte Severus mit Nathan verbringen müssen, ansonsten hätte ihm sein Gewissen keine Ruhe gelassen.

Nach dem unbehaglichen Tee mit Potter hatte er den Jungen zurück in die Kerker gebracht, und sie hatten gemeinsam zu Abend gegessen. Bei dieser Gelegenheit hatte Nathan ihm ein weiteres Versprechen abgerungen. Severus war definitiv milde geworden, wenn es um seinen Sohn ging, und er machte sein schlechtes Gewissen dafür verantwortlich.

Schlimmer als ein Abend ohne Hermione und zwei abgerungene Versprechen war Potters Indiskretion gewesen.

Als Severus mit Nathan im Gryffindor-Turm angekommen war, war Potter scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht, um sich einzumischen – wieder einmal.

»Ich habe dich nicht beim Abendessen gesehen«, hatte er angemerkt.

»Ich habe in der Wohnung meines Dads zu Abend gegessen. Wir mussten das neue Familien-Insigne besprechen.« Nathan grinste Potter an und schaute dann auf Severus mit solcher Glückseligkeit, dass dies beinahe die Versprechungen und Potters Anwesenheit wettmachte.

»Ein neues Prince-Insigne?«

»Nein, nein. Wir werden dieses Insigne mehr nicht tragen. Stimmt's, Dad?«, hatte Nathan Potter geantwortet, nach Severus' Rückhalt suchend.

Severus hatte ihm seine Rückendeckung gegeben, nickend und sein erstes Versprechen nochmals bekräftigend.

»Dad und ich werden eine völlig neues Familien-Insigne entwickeln«, hatte Nathan weitererzählt. »Eines für unsere Familie, beginnend mit uns.«

Sein Junge hatte so stolz geklungen, dass dies Severus sogar jetzt – bei der Erinnerung daran – überraschte.

»Ein Snape-Insigne?«, hatte sich Potter genauer erkundigen.

»Nein.« Der Verdruss in Nathans Tonfall über die Schwerfälligkeit von Potters Gehirn hatte Severus spöttisch lächeln lassen. »Wir werden natürlich ein Granger-Snape-Insigne machen«, hatte Nathan dem lästigen Potter erzählt, womit er das zweite Versprechen von Severus mit jemandem teilte.

»Oh«, hatte Potter geantwortet. »Natürlich.«

Das war der Zeitpunkt, an dem sich Potters Gesichtsausdruck verändert hatte; diese Veränderung war die Ursache dafür, dass Severus sich seitdem auch jetzt noch jedes Mal unbehaglich fühlte, wenn er sich mit Potter in demselben Raum aufhalten mussten. Die grünen Augen des Mannes hatten auf ihm geruht, als ob er Severus zum ersten Mal in seinem Leben sehen würde. So lästig wie Potter auch immer gewesen war, das war nichts im Vergleich dazu, wie er nach dieser Begegnung agiert hatte – höflich, respektvoll, und dann war da dieses Anstarren … inquisitorisch, grüblerisch. Severus fürchtete sich davor. Was mochte er planen?

Es blieb keine Zeit, um dies herauszufinden, bevor Hermione ankommen würde. Severus würde Potter im Auge behalten müssen, um sicherzustellen, dass dieser seine Nase nicht abermals in Severus' Angelegenheiten stecken würde, dieses Mal dort hinein, wo Hermione betroffen war.

Mit diesem Gedanken im Sinn setzte er sich zum Mittagessen auf den Platz neben Potter. Hermione kam wenig später an und ließ sich auf Severus' anderer Seite nieder, während sie ihn lieb anlächelte.

»Hallo.«

Er hätte sie richtig begrüßen wollen, doch … »Guten Abend, Hermione.« Das würde genügen müssen.

Sie strahlte ihn nichtsdestotrotz strahlend an.

»Hallo, Hermione.«

Ihr Lächeln verlosch entsprechend, bevor sie auf Potters Gruß antwortete. »Harry.«

Das Verhältnis zwischen den beiden Freunden war nach wie vor frostig. Gut, erklärte sich Severus innerlich einverstanden. Das würde seinen Job erleichtern.

»Was hat dich in dieser Woche so beschäftigt gehalten?«, fragte sie Severus, offensichtlich eine Referenz auf seine vollständige Abwesenheit während der letzten paar Tage.

»Ich … Potters Anwesenheit im Schloss hat einen negativen Einfluss auf die Schüler, und während seiner Besuche ist immer viel mehr los.«

Sie tätschelte seine Hand – auf dem Tisch, wo jeder es sehen konnte.

»Ich bin davon überzeugt, dass du imstande sein wirst, dich im Laufe des Wochenendes zu entspannen.« Ihr Lächeln war vielsagend, doch nicht mehr als ihre Hand, die immer noch über seiner verweilte.

Oh, ihre zärtliche Berührung verdiente Küsse und die Erwiderung der Berührung als Belohnung – ihre weiche Haut, ihr sanftes Gesicht, ihre entzückenden Lippen …

»Da ich bis morgen bleiben werde«, drängte sich Potter dazwischen, »denkst du, dass wir über die Fortschritte bei deinen Recherchen sprechen könnten, bevor ich abreise?«

Sie ließ von seiner Hand ab. Severus hasste Potter wirklich.

»Ich sehe keinen Grund, warum nicht«, stimmte sie zu – geschäftsmäßig.

Severus fragte sich, ob ihre Zurückhaltung gegenüber einer Unterhaltung mit Potter noch immer eine Nebenwirkung von Potters loser Zunge und dessen konsequenten Durchsickernlassens von Informationen über Severus' Beziehung zu Nathan war.

»Sei morgen nach dem Frühstück in Severus' Büro, und dann werde ich dir Bericht erstatten.«

Nach dem Abendessen, als die Schüler alle in ihren Gemeinschaftsräumen und Schlafsälen eingeschlossen waren – oder in bekannten Schlupfwinkeln, die er in dieser Nacht meiden würde – ging Severus zu Hermiones Wohnung und klopfte einmal an die Tür.

Ihr Lächeln, wenn sie seiner ansichtig wurde, ließ immer sein Herz rasen. »Ich dachte, dass ich auf dich durch die Kerker würde Jagd machen müssen. Was hat dich so lange aufgehalten?«

Bevor er seine Abwesenheit oder die späten Stunden rechtfertigen konnte, zog sie ihn in einen Kuss.

Er entschied, dass er ihrer Lippen niemals überdrüssig werden würde.

Niemals.

Als er sich das nächste Mal seiner selbst bewusst wurde, hatte er den Raum durchquert, Hermione an seinen Brustkorb gepresst, ihre Augen schwerlidrig, ihre Lippen feucht und ihr Rücken gegen die Wand.

»Wir sollten nicht so lange Zeit auf den jeweils anderen verzichten müssen«, kommentierte sie, während sie sein Gesicht mit ihren beiden Händen umschloss und lächelte. »Ich habe dich so sehr vermisst.« Sie küsste ihn abermals, nicht mit der Eindringlichkeit von zuvor, sondern zärtlich, ehrfurchtsvoll.

»Ich hatte geplant, dich am Mittwoch zu besuchen«, erzählte er ihr, darin schwelgend, ihre seidenen Locken zu spüren, die an der rauen Haut seiner schwieligen Finger hängen blieben.

»Was ließ dich deine Pläne ändern?«

Er beobachtete, wie eine ihrer Haarlocken von seinem Finger wegfederte, als er einen Schritt zurücktrat. »Nathan hatte eine unselige Idee, die mich beschäftigt hielt.«

»Nathan? Ich dachte, du sagtest, dass Harry dich aufgehalten hätte.«

»Potter war involviert.«

Sie nahm ihn bei der Hand, um ihn zur Couch zu dirigieren, eine Bewegung, an die er sich sehr leicht gewöhnen könnte. »Erzähl' mir, was geschehen ist.«

»Nathan kreuzte zu unserem Treffen mit einem Familien-Insigne auf, das er trug.«

»Ein Familien-Insigne? Ist das nicht so ein antikes, traditionelles Reinblüter-Objekt?«

Er nickte. »Das überrumpelte mich ebenfalls.«

»Was hatte Harry damit zu tun?«

»Mrs. Potter fertigte das Insigne für Nathan an.«

»Ginny? Okay, jetzt komme ich nicht mehr mit. Fang' am Anfang an.«

Doch wo dabei beginnen? Sollte er ihr zuerst über die Schreierei, über das Beinahe-Verfluchen oder über die Tränen ihres Jungen erzählen? Er seufzte.

»Nathan glaubte, dass es mir gefallen würde, ihn das Prince-Familien-Insigne tragen zu sehen, doch das war das Letzte, was ich an ihm sehen wollte.«

Er wollte, dass sie irgendetwas sagte, um zu bestätigen, dass sie all seine in dieser Aussage unausgesprochen enthaltenen Gründe kannte, doch sie schwieg weiterhin.

»Ich fragte ihn, und er erzählte mir, dass es ihm von Potter mitgebracht worden war«, setzte er seine Erklärung fort.

»Und du hast nicht abgewartet, um den Rest zu hören, stimmt's?«

Sie hatte ihn nicht enttäuscht, allerdings machte die Tatsache, dass er darauf gewartet hatte, dass sie zu dieser Schlussfolgerung gelangte, ihre Feststellung nicht weniger unangenehm. Er verließ die Couch und blieb vor dem Fenster stehen. »Ich war mir sicher, dass Potter versuchte, meinen Sohn gegen mich auszuspielen. Ich verlor meine Beherrschung«, gestand er ein.

»Du hast Harry zur Rede gestellt.«

Es war seine Zeit, nichts zu sagen.

»Anhand des Sitzplatz-Arrangements zum Mittagessen – darf ich annehmen, dass jetzt alles geklärt ist?«

Obwohl ihn nichts davon überzeugen konnte, dass Potter nicht irgendetwas im Schilde führte, nickte er. »Nathan hatte Mrs. Potter gebeten, das Insigne anzufertigen, nicht Potter.«

Er hörte, wie sie sich ihm von hinten näherte. Er konnte ihr Spiegelbild im Fenster sehen, und es half ihm dabei, nicht zurückzuschrecken und die Hand zu akzeptieren, die sie auf seiner Schulter legte.

»Waren Flüche involviert?«, fragte sie.

Er schaute angespannt auf ihr in der Fensterscheibe sich widerspiegelndes Gesicht, doch er konnte keinerlei sichtbare Anzeichen für Vorwürfe darin finden, lediglich Besorgnis. Er drehte sich herum, und ihre Hand glitt hinunter, um nach seiner zu greifen.

»Nein – allerdings lediglich deshalb, weil Nathan dazwischen gegangen ist«, erzählte er ihr.

Die Angst zeigte sich nunmehr durch ihre ein wenig geweiteten Augen hindurch. Ihre Hand jedoch hielt weiterhin die seine fest.

»Es gab keine Beteiligung von Flüchen«, sagte er, womit er versuchte, sie zu beruhigen. »Ich habe mich mit Nathan unterhalten, und die Sache wurde geklärt. Dein kostbarer Potter ist heil und unversehrt.«

»Es ist nicht Harry, um den ich besorgt bin.« Das hatte er gewusst, sogar, bevor sie dies ausgesprochen hatte, deshalb ging seine Überraschung damit einher, was sie als nächstes sagte. »Du bist es, um den ich mir Sorgen mache.« Sie zog ihn zur Couch zurück, und er konnte sich nur fügen. Sein Gesicht liebkosend, sprach sie weiter: »Warum hat der Anblick des Prince-Familien-Insignes an Nathan dir derartig zu schaffen gemacht, dass du bis zu dem Punkt getrieben wurdest, an dem du geglaubt hast, dass du persönlich angegriffen wirst?«

»Das ist nicht wichtig.« Wenn ihre Hände, die die seinen hielten, nicht so beruhigend gewesen wären, hätte er abermals die Flucht von der Couch ergriffen. »Das Insigne wurde zerstört, und ich werde es bei Nathan wieder gut machen, indem ich mit ihm an einem neuen Insigne arbeiten werde.«

Sie rückte näher an ihn heran und fand einen Weg in seine Arme. »Ich weiß, dass, über die Vergangenheit zu sprechen, schmerzhaft sein kann, aber es würde mich glücklich machen, im Stande zu sein, dir damit zu helfen. Vielleicht, mit der Zeit, werden wir es schaffen, diesen Punkt zu erreichen.« Sie blickte auf, und er konnte die Wärme ihres Lächelns spüren.

Er zog sie noch näher und enger an sich heran. Er war noch nicht bereit, mit ihr über seine Vergangenheit zu sprechen, über ein Leben, von dem er hoffte, dass es besser in seinen Erinnerungen belassen werden sollte. Sie war noch nicht darauf vorbereitet, über seine Erinnerungen zu erfahren – zumindest nicht, wenn er wollte, dass sie blieb, wo er sie brauchte, genau hier, in seinen Armen.

Er war in Gedanken verloren und bemerkte weder, wie sich das Schweigen ausdehnte noch, wie die Zeit verging.

»Geh nur nicht zu weit weg, wo ich nicht im Stande sein werde, dich zu erreichen.«

Ihre leisen Worte ließen seine umherschweifenden Gedanken vor der Finsternis der Vergangenheit zurückweichen. Er blinzelte auf sie hinunter und akzeptierte ihren liebevollen Kuss, entspannte sich in ihren Armen und wählte sie als den einzigen Platz, in dem er sich heute Abend verlieren wollte.

Wie hatte er derartig lange ohne dies überlebt?


»Hermione?«

»Hier drinnen!«, rief sie aus, als sie vom Laboratorium aus das Büro betrat. »Setz dich. Ich mache das hier nur noch fertig – ich bin dabei, ein paar Proben für dich zuzustöpseln.«

Vom Alkoven aus, der seit Jahren durch Bücherregale verborgen war, konnte Severus sehen, wie Potter sich auf einen der Stühle vor seinem Schreibtisch setzte, während Hermione abermals aus dem Blickfeld verschwand. Sie warteten auf ihre Rückkehr.

»Hier.« Sie stellte einige Phiolen auf seinem Schreibtisch ab und nahm Severus' Stuhl in Beschlag. »Ich habe etwas Erfolg mit einer modifizierten Basis gehabt, aber bisher gibt es noch nichts Abschließendes. Ich muss mehr Tests durchführen, bevor ich in der Lage bin, dir zu erzählen, ob wir für den nächsten Schritt bereit sind.«

»Das ist großartig«, erklärte Potter ihr, während er eines der Fläschchen in seine Hand nahm und damit spielte.

Severus wusste in diesem Moment, dass er richtig gelegen hatte damit, an diesem Morgen hierher zu kommen und Potter zu beobachten. Es war deutlich zu sehen, dass der Bengel einen Hintergedanken für dieses Treffen hatte.

»Hermione«, begann Potter, während er die Phiole zurück zu den anderen stellte. »Ich … ich habe nicht um dieses Treffen gebeten, um über die Forschungsarbeiten zu diskutieren. Ich wollte mit dir über Snape sprechen, aber ich wollte nicht, dass er davon erfährt.«

»Harry—« Severus konnte ihre Verärgerung wahrnehmen.

»Nein, warte. Zieh' nicht gleich voreilige Schlüsse. Ich habe ihn mit Nathan erlebt, und ich glaube nicht länger, dass du eine schlechte Entscheidung getroffen hast.«

Das würgte Hermiones Worte ab und ließ Severus gedankenvoll die Stirn runzeln.

»Nathan mag ihn.«

»Ich weiß, Harry.«

»Er schaut wirklich bewundernd zu Snape auf, und Snape … er sorgt sich wirklich um Nathan«, sagte Potter in Ehrfurcht. »Ich … Ich hab' mich geirrt. Es tut mir leid.«

»Obwohl ich wusste, dass du dich unfair verhältst, war ich niemals aus dem Grund wütend auf dich, weil du an ihm gezweifelt hast. Mir war klar, dass du die Situation nicht auf der Stelle akzeptieren würdest, also hat mich das nicht überrascht. Was mich jedoch überrascht hat, war dein Mangel an Vertrauen in mich. Du hättest mir vertraut oder zumindest mich als Autoritätsperson in der Angelegenheit anerkannt haben sollen. Das war wirklich verletzend und es ärgerte mich.«

»Ich weiß das – jetzt. Ich bedauere dies wirklich, Hermione.«

Sie verfielen in ein unbehagliches Schweigen, und Severus hätte sein Versteck verlassen, um Potter eine zu scheuern, wenn er sich hätte sicher sein können, dass Hermione ihn damit würde ungestraft davonkommen lassen.

»Ich habe Snape niemals irgendjemandem auf diese Art und Weise zuhören gesehen, wie er dies bei Nathan macht. Es kommt mir so vor, als ob ich Snape überhaupt nicht kennen würde.«

»Ich glaube nicht, dass du ihn kennst. Wenn du ihn kennen würdest, hättest du von vornherein niemals an ihm gezweifelt. Aber das ist nunmehr alles Vergangenheit. Nathan liebt seinen Vater, und ich weiß, dass Severus Nathan ebenso sehr liebt. Alles ist jetzt auf dem Weg der Besserung, alles wird sich einrenken.«

»Er muss mich wirklich hassen.« Potter schaute überall hin, nur nicht auf Hermione, und Severus fing seinen Blick auf – und damit auch die Schwermut in seinen Augen.

»Das weißt du nicht, Harry.«

»Ich dachte, dass das nun einmal die Art und Weise wäre, wie er mit Dingen und Menschen umgeht, weißt du? Aber ich habe ihn mit Nathan erlebt, und die Art und Weise gesehen, wie er ihn vor jeglichem Schaden bewahren wollte … Es war nicht annähernd zu vergleichen mit der Weise, wie er uns zu beschützen pflegte. Was Nathan wollte, war von Bedeutung. Was Nathan dachte, war weitaus wichtiger als das, was Snape wollte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals miterleben würde, dass Snape sich auf die Art und Weise entschuldigt, wie er dies Nathan gegenüber getan hat.«

»Die beiden lernen, wie man sich als Vater und Sohn verhält.«

Potter starrte auf seine Hände, und Hermione beobachtete ihn, ebenso sehr wie Severus darauf wartend, was sich sichtbar in seinem Verstand zusammenbraute, um dann seine Lippen zu verlassen.

»Vor vielen Jahren«, begann Potter leise, seine eigenen Hände beobachtend, während er sprach, »als du mit Snape zusammengearbeitet hast, als Nathan …«

Um Merlins willen!

»Hast du ihn geliebt?«, fragte Potter.

»Es war nicht ganz so simpel«, antwortete Hermione. »Es gab viel dringlichere Probleme, die unser beider Verstand in Anspruch nahmen – der Krieg wütete, seinem Ende entgegenstrebend, und Gefühle waren zu dieser Zeit komplizierter zu identifizieren. Doch im Rückblick – mit der Erfahrung, die ich jetzt habe – ja, ich liebte ihn.«

»Und … Hat er … Hat er deine Liebe erwidert?«

Hermione verlor ihren in die Ferne gerichteten Blick und senkte ihre Augen auf die Phiolen. »Ich weiß es nicht, Harry. Ich glaube, dass es sehr unwahrscheinlich ist. Ein Leben, das man mit Kriegsführung verbringt, kann eine Person dazu veranlassen, solche Gefühle wirklich als frivol oder töricht zu klassifizieren. Nur Severus würde in der Lage sein, dir darauf zu antworten.«

»Wenn du nicht geglaubt hast, dass er etwas für dich empfindet, warum hast du dann festgehalten an der …? Ich meine, ihr habt einen gemeinsamen Sohn! Ich hatte geraume Zeit, um die Geschehnisse zu analysieren, und ich kann nachvollziehen, inwiefern du denken könntest, dass der Mann deiner Aufmerksamkeit wert war. Du warst immer jemand, der auf Verstand und nicht auf Schönheit abgefahren ist, und Snape besitzt reichlich an Macht und Intelligenz, und ihr habt viel Zeit damit verbracht, gemeinsam brillant zu sein. Aber deine Schwangerschaft passt da nicht 'rein! Du wusstest offensichtlich, wie man so etwas vermeidet!«

Severus verspürte ein Schwindelgefühl aufgrund der in ihm aufsteigenden Furcht. Diese Unterhaltung stellte sich als noch schlimmer heraus, als was er erwartet hatte.

»Keine Methode ist hundertprozentig fehlerfrei. Außerdem ist es irrelevant. Nathan ist zwölf Jahre alt. Wie gut oder wie schlecht eine ungeplante Schwangerschaft auch gewesen sein mag, das ist jetzt alles in allem absolut unerheblich. Warum bringst du das jetzt auf? Worauf willst du mit dieser Unterhaltung hinaus?«

»Hermione, ich … Liebst du ihn immer noch?«

»Ja, ich liebe ihn«, antwortete sie auf der Stelle, was Severus' Herz schneller schlagen ließ. Potter drehte sich von ihr ab, während er versuchte zu verbergen, dass sich sein Gesicht zu einer Grimasse verzog. Er könnte plötzlich tot umfallen, und Severus' Glück wäre komplett. Potter schloss seine Augen und richtete seinen Blick abermals auf Hermione.

»Weiß er es?«

»Ja, er weiß es.«

»Dann seid ihr also zusammen?« In Potters Beinahe-Frage schwang ein hoffnungsvoller zweifelnder Unterton mit.

Severus lächelte spöttisch, als ihm bewusst wurde, dass Potter wirklich plötzlich tot umfallen könnte, bevor dieses Gespräch zu Ende war.

»Was glaubst du?«, fragte Hermione und überraschte damit sowohl Severus als auch Potter.

Potter seufzte. »Das würde eine Menge erklären. Ich meine, er hat sich mit dir unterhalten, er hat dich ihn berühren lassen. Ich glaube nicht, dass er damit andernfalls einverstanden sein würde.«

Gut erkannt, Potter. Severus rollte seine Augen. Er würde Hermione in Hinblick darauf, ihn in der Öffentlichkeit zu berühren, zur Vorsicht mahnen müssen, wenn es ihr ernst damit gewesen war, ihrer beider Privatleben auch privat zu halten. Das Mindeste, was sie jetzt tun konnte, war, alles zu bestreiten.

Sie hatte bisher noch kein Wort gesagt.

»Vielleicht habe ich mehr da 'reingelesen, als da zu lesen war«, sagte Harry, sichtlich unbehaglich aufgrund ihres Schweigens. »Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich nicht glaube, dass es für Nathan schlecht sein würde, wenn ihr … solange du sagst, du liebst ihn, und wenn ich in Erwägung ziehe, dass er irgendwo tief in sich drinnen irgendeine Art von Gefühl übrighaben würde. Obwohl, wenn ich genauer darüber nachdenke – er dürfte eigentlich Gefühle übrighaben, wenn das, was ich zwischen Nathan und ihm gesehen habe, irgendein Indiz dafür war. Er ist intelligent genug, um mit euch beiden mitzuhalten, und er wird ein guter Vater sein, wenn er dies will. Er mag sogar das Potenzial haben, um ebenfalls ein guter Ehemann zu sein, wenn sein Herz involviert ist, und wenn er wirklich, wirklich hart versucht—«

»Harry.«

Merlin sei Dank, sie hatte ihn unterbrochen! Severus musste kontrollieren, ob sich seine Augen noch an ihrer angestammten Stelle befanden, nachdem er das Wort 'Ehemann' im Zusammenhang mit sich selbst gehört hatte – und das noch dazu aus Potters Mund!

»Du schwafelst«, fügte sie hinzu, als sie merkte, dass sie Potters Aufmerksamkeit besaß. Sie lächelte, diese verrückte Frau! »Ich bin froh, dass du deine Meinung über Severus geändert hast und meinem Urteil nunmehr vertrauen kannst. Das bedeutet mir viel.« Sie lächelte wiederum.

Potter schaute auf sie, vielleicht mehr erwartend. Währenddessen war Severus ganz zufrieden. Ihre Beziehung ging Potter gar nichts an. Überhaupt nichts.

»Du wirst nicht mehr sagen, stimmt's?«

Ihr Lächeln verwandelte sich in ein Grinsen, das ihre Zähne zeigte. »Ich denke nicht.«

Severus hätte sie direkt vom Fleck weg küssen können, wenn nur Potter etwas mehr tun würde, als zu seufzen und vor sich hin zu brüten – wie, zum Beispiel, das Büro zu verlassen.

»Hier, nimm die Proben mit.« Hermione offerierte ihm die Phiolen. »Ich werde dich wissen lassen, wenn wir soweit sind, den nächsten Schritt zu machen.«

Severus schnappte die hinter ihren Worten verborgene Bedeutung auf und lächelte mit ihr. Potter erhob sich, um das Büro zu verlassen, die Glasfläschchen mit sich nehmend. Severus beobachtete, wie sie ihn umarmte.

»Ich werde auf deine Nachricht warten.«

»Grüße Ginny und die Kinder von mir.«

»Werde ich. Pass auf dich auf, Hermione.«


Würde sich Severus nach dem Mittagessen an einem Samstag in einem Alkoven in der Nähe des Ausgangs zur Großen Halle verbergen, wenn er Hermiones Unterhaltung mit Potter nicht belauscht hätte? Wahrscheinlich nicht. Würde er in Erwägung ziehen, sie dort hinein zu entführen und direkt an Ort und Stelle zu küssen, wo jedermann sie beide erwischen konnte? Wahrscheinlich, allerdings war das der Fall, weil ihm dieser Tage kaum etwas anderes als Hermione durch den Kopf ging. Was Severus jedoch nicht vorausberechnet hatte, war ihr überraschtes Aufkreischen und die Art und Weise, wie ihre Ellbogen mit derartig viel Kraft mit seinem Magen kollidieren konnten, als er sie mit sich vom Korridor in den Alkoven zog.

»Hermione«, zischte er, während er mit einer Hand ihren Mund zuhielt. Sie hielt darin inne, in seinen Armen zu strampeln. Er nahm seine Hand weg.

»Du hast mich erschreckt«, wisperte sie, während sie sich in seinen Armen umdrehte, um ihm ins Gesicht zu schauen, bevor sie sich in der Umgebung des Korridors umsah. »Was machen wir hier?«

Er beugte sich über sie und küsste sie einfach – lange und schmachtend.

»Du knutschst mich in einem Alkoven ab.«

Er hob eine Augenbraue und grinste spöttisch über ihre Feststellung, was sie lachen ließ. Severus fühlte sich genötigt, sie mit einem weiteren Kuss zum Schweigen zu bringen, bevor irgendjemand sie beide wirklich hier entdeckte. Nach diesem Kuss blieb von ihrem Gelächter lediglich ein Lächeln zurück – zu störrisch, um zu verschwinden.

»Was soll das alles, bitte schön? Hast du Fieber?« Sie berührte zum Scherz seine Stirn. »Was würde die Schulleiterin dazu zu sagen haben, wenn sie uns hier erwischen würde – beim Knutschen?«

»Dass wir in Bezug auf Verheimlichen nicht besser sind als die Schüler, wenn du nicht damit aufhörst zu reden.« Er beugte sich herunter, hielt Zentimeter von ihrem Mund entfernt inne, um deutlich zu artikulieren: »Sei. Still.« Er küsste das sich bei ihr entwickelnde Lächeln weg.

Er hatte das Gefühl für Zeit und Raum verloren, als sich ihnen nähernde Stimmen und Schritte ihn dorthin zurückbrachten, wo sie standen. Er zog sie fester gegen seine Brust und in den Schatten des Alkovens, seinen schwarz gekleideten Rücken dem Korridor zuwendend. Die Stimmen bewegten sich bereits von ihnen weg, als er sie in seinen Armen beben spürte – ein Lachen zurückhaltend, wie er sich bewusst wurde.

»Severus, das ist eine Menge Spaß, aber ich glaube, dass ich dazu bereit bin, irgendwohin umzuziehen, wo ich dich auf die richtige Art und Weise und ohne Unterbrechungen knutschen kann. Ich bin davon überzeugt, dass du die besten Örtlichkeiten im Schloss dafür kennst.«

Er starrte auf ihr wunderschönes Gesicht und die belustigt blickenden Augen herunter, während er zu entscheiden versuchte, was sein Herz ihm zu sagen versuchte. Ihm war danach zumute, ihr Lächeln zu erwidern, um seine verrückte Zurschaustellung von Teenagerverhalten zu vollenden. Er verspürte den Wunsch, sich ihr vorzustellen – nur Severus – und bei null zu beginnen, vom allerersten Augenblick an, an dem sie ihn nicht als diesen beklagenswerten, gebrochenen Mann kennen würde.

Severus schob ihre Haarlocken nach hinten und beobachtete, wie sie ihn beobachtete. Die Worte, die Potter zu ihr gesagt hatte, rumorten abermals durch seinen Kopf. Er wollte dazu imstande sein, das zu sein, was Potter angedeutet hatte, dass er sein könnte. Er wollte sie glücklich machen, sie unter seinen Schutz und seine Fürsorge nehmen. Er wollte sie bei sich haben, um sie für sich zu haben, und ihr zu gehören.

»Ich liebe deine Augen«, stellte sie plötzlich fest. »Sie sind wie Edelsteine, wenn sie auf diese Art im Licht erstrahlen. Es ist hypnotisierend«, wisperte sie, bevor sie ihn sacht auf die Lippen küsste und mit dem Daumen seine Augenbrauen nachzog, sein Gesicht mit ihren sanften Händen einrahmend.

»Folge mir«, wisperte er zurück, als er seine Entscheidung fällte und den Alkoven verließ.


Sie folgte Severus durch die Korridore und in die Kerker. Die Art und Weise, wie er sie angestarrt hatte – als ob er versuchen würde, ihr durch seine Augen irgendetwas aus seiner Seele mitzuteilen … Es war der intimste Augenblick gewesen, den sie geteilt hatten. Dies ließ sie sich fragen, wohin er sie brachte.

Er blieb an der Tür zu seiner Wohnung stehen, und sie war direkt hinter ihm, als er nach drinnen ging. Hermiones Herz begann zu rasen, während sie darauf wartete, dass er die Tür schloss und die Banne in Funktion setzte. Er bewegte sich näher an sie heran und nahm ihre Hand, sie durch eine Tür in seiner Wohnung mit sich ziehend, deren Schwelle sie vorher noch nicht überquert hatte.

Sie war zum ersten Mal innerhalb seines Schlafzimmers.

»Severus …«

Bevor sie darüber nachdenken konnte, was sie sagen sollte, zog er abermals an ihrer Hand, und sie verließen das Schlafzimmer und betraten einen weiteren Raum.

Das, worauf ihre Augen trafen, war so vollkommen unerwartet, dass sie einen Moment benötigte, um sich darüber bewusst zu werden, dass Severus ihre Hand losgelassen hatte. Sie schaute über ihre Schulter und entdeckte, dass er nicht weit weggegangen war, sondern nur einen Schritt hinter ihr stand, während er ihre Reaktion beobachtete.

»Wo sind wir?«, fragte sie, wobei sie staunend auf die Glaswände starrte – oder könnten dies Fenster vom Fußboden bis zur Decke sein? Das Licht, das durch das Wasser draußen gefiltert wurde, hinterließ einen grünlichen Farbton über allem. Sie näherte sich dem Glas, um Leben vorbeischwimmen zu sehen, und spürte, dass er hinter ihr folgte.

»Ein Gutteil der Kerker liegt unter dem See.« Seine Arme legten sich um ihre Taille.

»Es ist bezaubernd.«

Sein Kopf ruhte über dem Ihrigen, und sie ließ ihren Körper an seinem entspannen. Sie beobachteten das Wasser in einem angenehmen Schweigen. Sie hätte niemals einen anheimelnden Raum wie diesen in Hogwarts vermutet, ein Aquarium.

»Ich hatte die Angewohnheit, Stunden damit zu verbringen, den See zu beobachten.« Seine Stimme durchströmte ihren Körper ebenso langsam wie die im Wasser treibenden Pflanzen.

»Es wirkt wie ein Beruhigungsmittel«, stimmte sie zu. »Wenn ich gewusst hätte, dass es einen Raum wie diesen gibt, als ich hier Schülerin war, hätte ich ihn zum Lernen oder einfach zum Lesen benutzt. Es ist eine verführerische Zufluchtsstätte.«

Er grummelte eine Zustimmung, und sie kehrten zu dem ungezwungenen Schweigen zurück. Man hätte vermuten können, dass der Raum kalt sein würde, doch es fühlte sich vielmehr anheimelnd für sie an. Vielleicht war es einfach nur die Sinnesempfindung seiner Arme, die sie umschlangen, sein Kinn auf ihrem Kopf.

»Der Slytherin-Gemeinschaftsraum hat eine gleichartige Wand«, erzählte er ihr.

»Ich hatte keine Ahnung. Ihr Slytherins könnt gut Geheimnisse bewahren.« Sie schüttelte sacht sein Kinn ab, um ihren Kopf zu drehen und ihm zuzulächeln. »Etwas anderes, was du gut verborgen gehalten hast, war dieser abenteuerlustige Zug von dir. Ich wusste, dass Slytherins gerissen sind, aber dies wirklich als ein Manöver zu verwenden, mich in einen Alkoven zu entführen und mich zu knutschen, wo uns jedermann entdecken konnte. Du bist voller Überraschungen«, erklärte sie ihm mit einem nostalgischen Lächeln. »Ich frage mich, welche anderen verborgenen Talente ich in dir entdecken werde.«

»Ich bin ein Mann mit vielen Talenten«, antwortete er sehr nah an ihrem Ohr.

»Und ein Schäkerer«, gab sie in einem Wispern zurück, fast nur gehaucht.

Ihn zu küssen, war das Mindeste, was sie tun konnte. Vielleicht würde er dann eines seiner Talente zeigen. Vielleicht war, ihren Kuss auf diese Weise zu erwidern, wie er dies schon jetzt tat, bereits Talent genug. Von Einem war Hermione überzeugt: Sie würde ihn nicht verlassen, bis sie all seine Geheimnisse aufgedeckt hatte.

Seine intensiven Augen … die Art, auf die er sie mit solcher Zärtlichkeit hielt … Hermione wusste, dass sie im Begriff war, eine Seite von ihm zu erleben, die sie bisher noch nicht gesehen hatte. Würde er ihr irgendetwas erzählen? Würde er etwas fragen? Würde er sie irgendwo berühren, wo seine Hände sich bisher noch nicht hingewagt hatten?

Sie war in seinen Augen verloren.


Es war so einfach, mit ihr hier zu sein und alles andere zu vergessen. Vielleicht machten die Reflexionen, die das Wasser auf ihr Gesicht warf, es leichter zu glauben, dass sie eine Göttin war, die aus seinen Träumen entsprungen war. Es gab so viel zu spüren.

»Was habe ich getan, um dich zu verdienen?«

Ihre sanfte Hand kam, um seine Wange, seine Unterlippe zu liebkosen.

»Du bringst mich dazu, mich Dinge sagen zu lassen, die ich normalerweise nicht aussprechen würde. Du lässt mich vergessen, wer ich bin«, sprach er weiter, als ob er – tatsächlich – mit ihr in einem seiner Träume war. »Du lässt mich der Mann sein wollen, den ich in deinen Augen widerspiegelt sehe.« Er deponierte einen Kuss auf ihrer Stirn und zog ihren Kopf an seine Brust.

Dieser ganze Aufruhr aufgrund dessen, was er Potter zu ihr sagen gehört hatte, weil sie Potter gegenüber ihre Liebe zu ihm eingestanden und die Billigung des Mannes als Antwort bekommen hatte.

Er wollte ihr erzählen, wie sehr er durch das, was er gehört hatte, angerührt worden war.

Ein guter Ehemann … Er konnte das niemals von ihr verlangen. Er würde nicht zulassen, dass sie sich selbst an ihn band.

»Severus.«

Eine Familie … War er darauf vorbereitet? Konnte er dieser Mann sein? Sollte er sich ihr ganz offerieren?

»Du kannst sein, wer auch immer du sein möchtest, und das wird nicht verändern, was ich in dir sehe.«

Er zog sich ein Stück zurück, um ihr Gesicht zu sehen – äußerst anbetungswürdige Lippen und ehrliche Augen. »Bist du dir darüber sicher, Hermione? Ich bin noch immer nicht davon überzeugt, dass du weißt, wofür du da anheuerst.«

»Du wirst davon überzeugt sein – mit der Zeit.«

Sie küsste ihn zärtlich, jedoch nachdrücklich, und dies ermutigte ihn zu glauben, dass sie ihn davon überzeugen könnte. Dass sie genau dies tun würde. Eines Tages. Bald, hoffte er. Sehr bald.

»Du gibst vernünftigen Überlegungen sehr wenig Freiraum«, wies er auf das Offensichtliche hin.

Sie lachte bloß, befreite sich aus seiner Umarmung, um in dem anheimelnden Zimmer herumzuwandern. »Warum gibt es hier keinerlei Möbel? Eine Couch würde nett sein.«

»Ich …« Und in dieser Sekunde zerplatzte seine Luftblase. Wollte er ihr davon erzählen? Wollte er, dass sie darüber Bescheid wusste, was er hier durchgemacht hatte? »Ich habe die Möbel zerstört und sie nie ersetzt.«

Ihr Lächeln war in demselben Moment verschwunden, als die Worte seine Lippen verließen.

Verdammt.

Sie runzelte die Stirn und neigte ihm gegenüber ihren Kopf. Er wollte nicht, dass sie fragte, warum – nein, das wollte er wirklich nicht. Wie hatte er sie hierher bringen können? Wie hatte er dermaßen leicht an Träume glauben können? Sie ließ ihren Blick mit mehr Aufmerksamkeit als zuvor durch den Raum schweifen.

»Was befand sich vorher in diesem Zimmer?«

»Ein Schreibtisch, ein paar Stühle«, er hielt inne, bevor er tief durchatmete, »ein Diwan.«

Alles, was sie tat, war, bei seiner Antwort schweigend zu nicken. Er wartete auf die Frage, die wirklich von Bedeutung war – er wartete auf das 'Warum?' – doch sie kam nicht. Sie umkreiste das leere Zimmer, näherte sich ihm, ohne darüber nachzudenken – und er wartete, wobei er den Drang unterdrückte zu fliehen. Sie ging an ihm vorbei, ohne ein Wort zu sagen, und blieb, mit dem Blick auf den See gerichtet, stehen.

Er schloss seine Augen. »Das ist der Ort, an dem ich für gewöhnlich Albus Bericht erstattet habe.«

Die lautstarke Reaktion, die er erwartet hatte, kam niemals.

Stattdessen … »Ich verstehe, warum dies einer Umdekorierung bedurfte.« Eine Feststellung. Gelassen.

»Ich musste alles loswerden. Es war einfach zu …« Warum flossen die Worte? Woher kamen sie? Severus spürte den Schmerz, konnte jedoch nicht dessen Quelle identifizieren.

»Es gibt ein Portrait von ihm in Minervas Büro.«

Er schaffte es nicht, das Schnauben zu unterdrücken, das ihm entwich; genauso wenig, wie er der Hand widerstehen konnte, die ausgestreckt wurde und seinen Rücken berührte.

»Hast du jemals mit ihm gesprochen?«, fragte sie zögernd.

»Schon.« Er wollte es dabei belassen, doch dann … »Es ist bloß ein Portrait, Hermione. Es kann mir nicht vergeben, selbst wenn es da irgendeine Chance auf Vergebung gegeben hätte. Allein sich mit einem Portrait zu unterhalten ist einfach nur—« Er hielt bei seinen Worten erneut inne, verunsichert hinsichtlich ihres Zwecks, ihres Ursprungs.

»Fürchterlich – ich weiß.« Sie zog seinen Arm um ihre Schultern und kuschelte sich an seine Seite. »Ich habe es nicht geschafft, weiter als bis zu einem 'Hallo' zu kommen.«

Er fühlte sich äußerst unzulänglich, doch akzeptierte trotzdem ihre Wärme und die beruhigende Ansicht des ruhigen Wassers des Sees. Er hatte sie mit der Absicht hierher gebracht, etwas Spezielles mit ihr zu teilen, allerdings niemals dies. Seine Hoffnung ließ ihn die Perspektive verlieren. Diese Frau konnte sagen, wie wundervoll seine Augen im Licht erstrahlten, oder, wie weit sie gehen würde, um ihn zu akzeptieren, oder gar, wie sehr sie ihn liebte, und doch würde es nicht ändern, wer er wirklich war, oder die Verbrechen, die er begangen hatte.

Nein, er würde sie nicht wegstoßen. Er war ehrlich genug mit sich selbst, um zuzugeben, dass er wahrscheinlich nicht überleben könnte, wenn er dies tat. Allerdings war es unerlässlich, dass er nicht mehr erwarten sollte als das, was auch immer sie offerierte. Er konnte nicht sie zwingen, die Versprechungen zu erfüllen, die sie gemacht hatte. Immerhin hatte sie nicht gewusst, dass es keine Möglichkeit geben würde, diese zu halten.

Wenn sie mit ihm fertig war, würde er sie gehen lassen.

Allerdings nicht eine Sekunde früher.


Severus kehrte zum Tisch zurück, an dem er gewöhnlich ihre sonntäglichen Abendessen ausgerichtete, und schloss sich Nathan wieder an, der dort seit Stunden ruhig gesessen hatte, in Büchern vergraben, die er zur Verfügung gestellt hatte. Er stellte ein Glas Kürbissaft vor seinen Sohn, wofür er von ihm mit einem Lächeln für seine Aufmerksamkeit belohnt wurde.

»Also«, leitete er die Unterhaltung ein, »hast du irgendetwas von Interesse gefunden?«

»Runen«, antwortete Nathan, wobei er das Buch drehte, das geöffnet vor ihm lag, und auf eine spezielle Thematik auf der Seite deutete.

Severus ließ voller Neugier seine Augen über den Text über Wikinger-Runen wandern. »Warum keine keltischen Runen?«

»Jedermann fährt auf keltische Runen ab.« Nathan zuckte mit den Achseln. »Wir sind nicht Jedermann.«

»Nein, sind wir nicht«, stimmte Severus zu. Es erstaunte und überraschte ihn immer wieder, wie viel seines eigenen jungen Selbst er in Nathan wiedererkennen konnte. Zusammenzuarbeiten, um dieses neue Familien-Insigne zu entwickeln, erwies sich als viel vergnüglicher, als Severus vorausgesehen hatte. Er hatte zuvor die Gelegenheit gehabt, gemeinsam mit seinem Sohn zu arbeiten, allerdings ausschließlich bei praktischen Aufgaben, bei denen es um Zaubertrank-Brauen ging. Hier, umgeben von Büchern, etwas Neues entwickelnd, begründete eine Verbindung auf einem anderen, weitaus tiefgründigeren Niveau.

»Was genau willst du, das die Runen bewirken sollen?«, fragte Severus als nächstes, außerstande, eine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, den Verstand seines Sohnes anzustupsen.

»Nun ja, Runen können Gegenständen Schutz und andere magische Besonderheiten hinzufügen, richtig?«

Severus nickte.

»Wenn wir eine gute Wahl treffen, können wir das Insigne in einen machtvollen Gegenstand verwandeln.« Nathan hob eine Hand an seinen Hals, um an der Kette dort zu ziehen. »Es könnte sich ähnlich wie meine Kette verhalten.« Er zeigte den Anhänger, den Severus ihm zu Weihnachten geschenkt hatte – den durch den Zaubertrank modifizierten Anhänger. »Zum Schutz«, setzte Nathan hinzu und lächelte.

»Wie du wünschst.«

Nach einer weiteren Stunde voller Analysen hatten sie eine Reihe von in Frage kommenden Runen ausgesucht, die dem Insigne Bedeutung und magische Besonderheiten hinzufügen konnten. Doch, allem Anschein nach, war Nathan noch nicht zufriedengestellt.

»Gibt es einen Zaubertrank, den wir verwenden könnten, um es unzerstörbar zu machen?«

Severus hob eine Augenbraue. »Warum würde irgendjemand Interesse an der Zerstörung des Insignes haben?«

Nathan wandte seine Augen ab und richtete den Blick auf das erste Buch, das er geöffnet in seiner Nähe fand, wobei er vorgab, etwas darin zu überprüfen. Dann erst antwortete er: »Du hast das der Princes zerstört.«

Severus verfluchte sich noch einmal selbst für den Verlust der Kontrolle und seine harsche Reaktion. »Ich könnte vielleicht von einem Zaubertrank oder auch zweien für diesen Zweck wissen.«

»Ich könnte dir Brauen helfen.« Sein Sohn schaute ihn dann hoffnungsvoll an.

»Wir werden sehen. Für jetzt glaube ich, dass wir genügend Informationen haben, um anzufangen. Vielleicht würde deine Mutter einwilligen, uns am Samstag Gesellschaft zu leisten.«

Nathan schaute über diese Aussicht nicht wirklich glücklich aus, was Severus verwirrte.

»Was ist los?«

»Nichts.«

»Da ist offensichtlich irgendetwas«, ließ Severus nicht locker. Als Nathan weiterhin keine Antwort gab, drängte Severus: »Was ist es? Spuck's aus.«

»Ich dachte, dass wir das zusammen machen würden, nur wir zwei«, murmelte Nathan.

»Ist das nicht das Granger-Snape-Insigne?« Er hob seinem Sohn gegenüber eine Augenbraue.

»Ja, aber …«

»Denkst du nicht, dass deine Mutter auch gern ein Teil davon würde sein wollen?« Sein Junge schaute beschämt. »Wie auch immer, wir werden sie auf jeden Fall für die Verwandlung benötigen.«

»Warum?«

»Viel zu viel albernes Zauberstab-Gefuchtel beteiligt für meinen Geschmack.« Er lächelte spöttisch und bekam ein kleines Lächeln als Antwort. »Wir werden unsere Aktivitäten am Samstag fortsetzen.«

»Fein«, stimmte Nathan halbherzig zu. »Darf ich wenigstens die Bücher mitnehmen?«

»Du darfst.« Bevor die kleine Jubelfeier, die sein Sohn veranstaltete, eben enden würde, setzte Severus hinzu: »Wenn ich herausfinde, dass deine schulischen Arbeit in irgendeiner Form darunter gelitten hat, wird dieses kleine Projekt unterbrochen, bis das Semester zu Ende ist. Verstehen wir einander?«

Nathans Grinsen wurde lediglich breiter. »Ja, Dad. Danke.« Severus wurde umarmt, bevor Nathan die Bücher zusammensammelte und die Wohnung verließ.

Dann lächelte Severus.

Er lächelte noch einmal, als er später an diesem Abend von Hermione mit einem Kuss begrüßt wurde. Sie war in der Küche ihres Appartements, wo sie die Vorbereitung der Mahlzeit beendete, die sie miteinander teilen würden, während er über den Nachmittag mit Nathan sprach.

»… also habe ich entschieden, dass du das Kommando über jede x-beliebige Verwandlungsaufgabe hast, die erforderlich sein wird.«

»Und – lass' mich raten – du wirst für die Zaubertränke Sorge tragen, falls es da welche gibt, die involviert sind.«

»Vergiss die Runen nicht.«

»Ich dachte, dass Nathan für die Runen die Verantwortung trägt«, frotzelte sie.

»Wir arbeiten gemeinsam daran«, antwortete er, und er wusste, dass sie lächelte, selbst wenn sie mit dem Rücken zu ihm stand, während sie den Salat vorbereitete.

»Ich bin froh, dass das so gute Fortschritte macht. Ich weiß, dass Nathan zuweilen überwältigend sein kann, insbesondere, wenn er über irgendwas begeistert ist.«

»Ich war selbst einmal zwölf. Ich weiß, was mich erwartet. Es wird uns einfach nur gut gehen.«

Sie drehte sich herum, um ihn anzuschauen, während sie ihren Kopf neugierig neigte, was Severus sich unbehaglich fühlen ließ.

»Was?«, fragte er.

»Ich versuche, dich mir im Alter von zwölf vorzustellen.« Sie lächelte abermals, während sie ihm den Salat reichte und an ihm vorbei zum Tisch ging.

»Nathan lässt nicht viel Spielraum für Phantasie«, sagte er leise, stellte den Salat auf dem Tisch ab und nahm Platz, »außer, dass er deine Nase und ein im Ganzen gesünderes Erscheinungsbild hat. Er ist vielleicht größer, als ich in seinem Alter war. Sein Haar ist …« Er gebot sich selbst Einhalt, bevor er noch weiter ausschweifen würde. Sie starrte ihn sowieso bereits jetzt von der gegenüberliegenden Seite des Tisches aus an. Er bediente sich und beschäftigte seinen Mund mit Essen, während er versuchte, sein Blut zu kontrollieren, um ein Erröten zu vermeiden.

»Ich mag deine Nase. Sie passt gut dazu, wie du auftrittst; sie hat Persönlichkeit.«

Er schnaubte, dieses Mal unfähig, sein Blut zu kontrollieren und entsetzlich errötend.

»Aber ich darf zugeben, dass es in dem Gesicht eines Jungen zu viel gewesen sein könnte.«

»Du hast überhaupt keine Vorstellung.«

»Vielleicht doch. Sagen wir mal, dass ich froh bin, dass Nathans Haar mehr wie deines als meines ist.« Jetzt war sie es, die verlegen schien. »Wie auch immer«, sie konzentrierte sich auf ihren Teller, »ich sollte dann wahrscheinlich vor Samstag an meinen eingerosteten Verwandlungsfähigkeiten arbeiten.«


»Wie das?«

»Ja. Versuche es jetzt mit der Beschwörungsformel.«

Nathan und Hermione waren jetzt in der finalen Phase. Sie saßen am Tisch in Severus' Wohnung, verwandelten und verzauberten die Insignien in die Gestalt und Größe, über die sie sich während des Abendessens geeinigt hatten. Severus las am Feuer, nachdem er noch einmal verkündet hatte, dass albernes Zauberstab-Gefuchtel nicht seine Sache sei. Für Hermione verbarg diese Äußerung die Tatsache, dass er abgespannter als gewöhnlicherweise war. Vielleicht war, dermaßen früh aufzuwachen, um an einem Samstag im kalten Wald Zutaten zu sammeln, nach einer arbeitsreichen Woche zu viel gewesen. Hermione lächelte liebevoll bei der Erinnerung an sein verkniffenes Gesicht und seine wenig fröhliche Stimmung, als sie sich in der Eingangshalle trafen. Er war definitiv kein Morgenmensch.

»Ist es das?« Nathan zeigte ihr die Rune, die nahezu durch die gesamte Tiefe des wie eine Münze geformten Gegenstandes hindurch eingraviert war.

Hermione lächelte. »Ist es. Versuch' jetzt, mit den anderen Runen dasselbe zu machen. Achte darauf, das Zeichen nicht die ganze Distanz durch das Metall hindurch gehen zu lassen.«

»In Ordnung.« Er konzentrierte sich auf die nächste Rune und arbeitete den Zauberspruch ein. Hermione machte dasselbe mit den beiden anderen künftigen Insignien.

»Ist das ein Manaaz oder ein Ehwaz?«, fragte Hermione, nicht sicher, welche Rune Nathan in der Zusammenfassung gezeichnet hatte, der sie für das Gravieren folgten.

»Hmm, ich bin mir nicht sicher. Dad, welche Rune ist …?« Nathan beendete seine Nachforschung nicht, sondern verließ den Tisch und näherte sich der Couch. »Mum, ich glaube, Dad schläft.« Nathan wedelte mit dem Federkiel dicht an der Nase seines Vaters entlang. Severus reagierte, wachte jedoch nicht auf. Nathan kicherte.

»Nathan!«, ermahnte Hermione ihn in einem gedämpften Ton.

»Was machen wir denn nun?«, fragte Nathan mit leiser Stimme, während er neben seinem Vater auf der Couch kniete.

»Wir können ihn nicht hier zurücklassen. Er wird am Morgen einen steifen Hals haben«, kommentierte sie.

Nathan hob abermals schelmisch den Federkiel. Hermione funkelte mit einem einzigen Blick die verrückte Idee aus seinem Kopf. Nathan näherte sich aufragend über dem schlafenden Mann. »Dad«, wisperte er. Dann lauter: »Dad.« Der Mann rührte sich in seinem Schlaf. Nathan grinste. »Dad«, versuchte er es noch einmal. Severus öffnete schließlich schläfrig seine Augen. Den lächelnden Jungen vorfindend, der auf ihn herunterschaute, ließ Severus das Lächeln einfach erwidern, als er Nathan zu sich heranzog und zufrieden seufzte, seine Augen schloss und wieder einschlief. Nathan kicherte erneut, während sein Kopf jetzt auf dem Brustkorb seines Vaters ruhte. »Was jetzt?«, fragte der Junge sie.

Hermione hatte niemals in ihrem Leben eine bezauberndere Szene gesehen. Ihr Herz schwoll in ihrer Brust an, und alles, woran sie denken konnte, war, ihren beiden Männern Küsse zuzupfeffern, bis es keinen Zentimeter mehr gab, der ungeküsst war. Sie brauchte einen Moment, um sich dafür zu entscheiden, erst Nathan und dann Severus auf die Stirn zu küssen. Das Haar des Mannes aus seinem Gesicht streichelnd, wisperte sie: »Severus, wach auf.« Sie küsste ihn sanft auf die Wange. »Severus.«

Er holte tief und ausführlich Atem und öffnete seine Augen.

»Auf der Couch zu schlafen kann für deinen Nacken und Rücken nicht gut sein«, erklärte sie ihm, außerstande, ihr Lächeln zu verbergen, das nur breiter wurde, als sie beobachtete, wie ihm bewusst wurde, wer sich da an seine Seite schmiegte.

»Nathan?« Seine Stimme war rauh.

»Du schläfst wie ein Murmeltier«, kommentierte der Junge, seinen Vater angrinsend.

»So scheint es«, stimmte Severus ab und befreite Nathan aus seiner unwillkürlichen Umarmung.

Hermione schaffte es nicht, ihre Augen von ihm abzuwenden. Vielleicht war es seine Zärtlichkeit – aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Seine Scheuheit, die ihn derartig zugänglich machte, ihn nahe brachte. Ein Mann nicht wie der Zauberer, der Macht ausstrahlte und Respekt verlangte. Da war eine berauschende, gewöhnliche Behaglichkeit, die Hermiones Beinen die Kraft entzog. Sie sehnte sich danach, ihn jeden Tag aufwachen zu sehen. Ihrer beider Augen stellten eine Verbindung untereinander her, sein Blick rief sie zu sich.

»Immerhin schnarchst du nicht«, redete Nathan weiter. »Opa schnarcht so laut, dass Oma ihn schütteln muss, um ihn damit aufhören zu lassen, anderenfalls kann keiner schlafen, und er wacht noch nicht einmal auf.«

Die sich aufbauende innere Anspannung wurde in Wartestellung gebracht. »Seid ihr mit dem ganzen albernen Zauberstab-Gefuchtel fertig?«

»Nein, allerdings brauchen wir es nicht jetzt zu beenden.«

»Was? Aber wir sind doch fast fertig!«

»Und dein Vater braucht seine Erholung. Komm schon, ich werde dich zum Gemeinschaftsraum begleiten.«

Hermione beförderte Nathan mit sanfter Gewalt aus der Tür, von Severus dicht gefolgt. Sie hielt in der Türöffnung inne und wünschte: »Gute Nacht.« Sie wünschte sich, ihn zu küssen, doch mit Nathan hier …

»Gute Nacht«, erwiderte Severus, wobei seine Augen tief in die Ihrigen strahlten. »Süße Träume.« Sein Mund formte sich bedächtig in ein Grinsen.

Irgendetwas an diesem Grinsen hielt Hermiones Gedanken gefangen, trug sie zu Bett und in den Schlaf. Vielleicht würde sich sein Wunsch erfüllen, und ihre Träume würden – mit ihm darin – süß sein.


»Ich glaube, dass meine Mum eine Beziehung mit meinen Dad hat«, erzählte Nathan Andy über das Schachbrett hinweg.

»Wirklich?«, fragte sein Freund zurück, während er einen Bauer nach vorn zog, um Nathans Springer anzugreifen.

»Ja.« Nathan zog den Springer aus der Gefahrenzone. »Glaubst du, dass das etwas Gutes ist?«

»Das kommt darauf an. Ich hätte bevorzugt, dass du den Springer dort gelassen hättest, wo er war, aber ich denke nicht, dass du Wert darauf legen würdest, an diesem Punkt des Spieles einen Springer zu verlieren.«

»Ich habe über meine Eltern gesprochen.«

»Oh! Entschuldige.« Die Jungen behielten ihre Augen auf das Spielbrett gerichtet. »Ich denke, dass Eltern zusammen sein sollten. Meine sind das.« Andy zuckte mit den Achseln.

»Und …« Nathan zögerte. »Wie fühlt sich das an?«

»Was meinst du?«

»Du weißt schon – wie fühlt sich das an, Eltern zu haben, die zusammen sind?«

»Ist schon ganz in Ordnung so.« Andy zuckte abermals mit den Achseln. »Ha! Du hast meinen Läufer nicht gesehen!«

»Und du hast meine Königin nicht gesehen.« Nathan bewegte die Königin, um den Läufer zu nehmen, doch mit seinen Gedanken war er ganz woanders. Wenn seine Eltern wirklich zusammen waren …

Vielleicht würde es nichts verändern, und er dachte einfach zu viel nach. Aber, wenn er nicht …

Bedeutete dies, dass er letztendlich eine normale Familie haben würde? Würde sein Dad bei ihnen einziehen? Seine Mutter hatte niemals mit einem ihrer Freunde zusammengelebt. Es waren immer nur sie und Nathan gewesen – ewig. Würde es anders sein, wenn ihr fester Freund der Dad von Nathan war?

Nathan runzelte über dem Schachbrett die Stirn. Es kam ihm in den Sinn, dass sein Vater nicht aus dem Schloss ausziehen konnte – wer würde sonst Zaubertränke unterrichten und Hauslehrer von Slytherin sein? Er zog einen Bauern vorwärts.

»Schach«, rief Andy, nachdem er einen Springer gezogen hatte, um seinen König anzugreifen.

Als er schließlich dem Schachbrett seine volle Aufmerksamkeit schenkte, analysierte Nathan seine Optionen und seufzte. Er legte den protestierenden König und gab auf. »Du hast gewonnen.«

»Kevin«, rief Andy, »du bist dran!«

Nathan verließ seinen Platz für Kevin und setzte sich neben sie, während seine Augen den Gemeinschaftsraum durchstreiften. Es wäre nicht schlecht, das ganze Jahr hier zu leben. Vielleicht war es das, was sie tun sollten – hierherkommen, um in Hogwarts zu leben. Seine Mutter hatte bereits eine Wohnung hier, also würde das nicht zu kompliziert sein, richtig? Außer der Tatsache, dass es in der Wohnung seines Vaters keine Extrazimmer gab. Würde er dazu bereit sein, in eine größere Wohnung umzuziehen? Würde er sogar dazu bereit sein, die Kerker zu verlassen, um an anderer Stelle im Schloss zu leben? Das heißt, wenn es im Schloss überhaupt größere Wohnungen gab. Keiner der verheirateten Professoren lebte mit seiner Familien hier – woher sollte er dies also wissen?

Vielleicht würde Nathan ein paar Antworten in der Geschichte Hogwarts' finden. Er machte sich auf den Weg, um sein Exemplar herbeizuholen.


»Mitchell ergreift immer für Jeremy Partei, und das macht mich verrückt«, sagte Erica, während sie Hermione half, die Lebensmittel wegzuräumen. »Er soll mich in meinen disziplinarischen Entscheidungen unterstützen, aber was tut er? Er untergräbt meine Autorität! Wie glaubt er, dass Jeremy etwas Respekt lernen wird? Ich hätte sparen sollen, um Jeremy in ein Internat zu schicken, wie du es mit Nathan getan hast.«

»Jeremy ist ein vollkommen normaler Junge, wohl erzogen und respektvoll. Er hört auf dich. Er agiert wie jeder andere elfjährige Junge.«

Erica war durch die Komplimente für ihren Sohn besänftigt, und sie machten damit weiter, die verbliebenen Sachen wegzuräumen.

»Edelkäse, guter Wein … Triffst du dich wieder mit jemandem?«

Die Frage traf Hermione unvorbereitet.

»Schau mich nicht so an! Als ob ich dich nicht gut genug kennen würde, um dies—« Erica hob die Flasche Wein vom Tresen, »—und das—«, in ihrer anderen Hand hielt sie den Käse, »—zusammenzuzählen, und nicht die wahre Bedeutung herauszufinden. Wer ist der Glückliche? Kenne ich ihn?«

»Niemand.« Hermione nahm die Sachen aus Ericas Hand, um sie im Kühlschrank zu verstauen. »Ich mag Wein und Käse.« Als sie sich wieder herumdrehte, starrte Erica sie an, als ob sie während der letzten zehn Jahre keine Freundinnen und Nachbarinnen gewesen wären. »Was?«, fragte Hermione unsicher.

»Ich … Nichts. Lagerst du die Butter im Kühlschrank?«

Hermione runzelte die Stirn. »Du weißt, dass ich das nicht tue. Ich habe versucht, dich von der Sinnlosigkeit dieses Unterfangens zu überzeugen, seitdem ich mich hierher gezogen bin.«

»Ich will mich nur vergewissern, dass du nach wie vor du bist.«

»Erica?«

»Es geht mich nichts an, Hermione.« Ericas Lächeln war gezwungen und schmerzlich zu sehen. »Ich denke, ich sollte mich jetzt ums Abendessen kümmern. Mitchell wird bald Zuhause sein.« Sie schaute sich um, als ob sie nach etwas suchen würde, was nicht vorhanden war, und machte sich dann auf den Weg zur Tür. »Wir sehen uns—«

»Erica! Warte!«

Die Frau hielt sichtbar Tränen zurück.

»Was ist los?« Hermione näherte sich ihrer Freundin und legte eine Hand auf ihren Rücken. Tränen begannen zu fallen. »Oh, Nein! Nein. Was ist los?« Sie forderte sie durch Handzeichen auf, ihr zur Couch zu folgen, ein Taschentuch anbietend, und wartete darauf, dass sie sich beruhigte, während sie tröstende Laute von sich gab und in besänftigender Weise Ericas Rücken rieb.

»Es ist in Ordnung. Alles ist in Ordnung.«

»Es tut mir leid wegen der Tränen.«

»Na, na. Das ist nicht nötig. Wir sind Freunde, und das ist es, wofür Freunde da sind. Du hast mich das gelehrt, erinnerst du dich?«

Das Lächeln, das Erica ihr schenkte, war weniger schmerzhaft als das Vorherige.

»Du bist meine beste Freundin auf der Welt, Hermione. Du weißt das, oder?«

»Ja, und ich fühle mich geehrt. Du bist mir eine großartige Freundin gewesen, seit ich hier ankam, um hier zu leben, und dafür bin ich sehr dankbar.« Hermione lächelte, um ihre Dankbarkeit deutlich werden zu lassen. Ohne Erica wäre zehn Jahre zuvor ihr Leben als berufstätige, alleinerziehende Mutter in London zu viel gewesen.

»Du bist in letzter Zeit abwesend gewesen«, begann Erica, und Hermiones Lächeln verschwand. »Mit Nathan im Internat, fühlt es sich so an, als ob wir nichts mehr gemeinsam haben. Du bist derartig mit der Arbeit beschäftigt, dass du kaum zu Hause bist, und ich fürchte, dass wir uns fremd geworden sind – und ich vermisse meine beste Freundin.«

»Oh, Erica … Es tut mir leid, wenn ich diese letzten Monate abwesend gewesen bin. Da ist so viel in meinem Leben im Gange, aber das ist keine Entschuldigung dafür, keine Zeit für dich zu haben. Es tut mir wirklich aufrichtig leid. Ich vermisse dich ebenfalls sehr.« Hermione umarmte ihre Freundin. Es war die Wahrheit, sie vermisste Erica ebenso sehr wie die andere Frau sie zu vermissen schien – es war nur eben so, dass Hermione jetzt zurück unter Zauberern und Hexen war, und somit auch das Abkommen zur Geheimhaltung der Zauberei – mit voller Gewalt – in ihr Leben zurückgekehrt war. Sie konnte mit Erica nicht über Hogwarts sprechen, oder über ihre Sorgen, dass Severus niemals überwinden würde, was im Krieg geschehen war, oder über den Krieg, oder … »Es gibt keine Entschuldigung«, sagte Hermione zu sich selbst und stand von der Couch auf, um Wein und zwei Kelchgläser herbeizuholen. »Weißt du was? Wir haben einen Mädelsabend.«

Hermione hörte Ericas Neuigkeiten über ihr Leben im Allgemeinen aufmerksam zu. Als sie sich halb durch die Flasche Wein gearbeitet hatten, nippte Hermione an ihrem Kelchglas und dachte an die Dinge, über die sie brennend gern mit irgendjemand hatte sprechen wollen. Sie trank abermals einen kleinen Schluck und begann: »Ich sehe jemanden.«

»Ich wusste es!«, rief Erica aus, und dann setzte sie gedämpfter hinzu: »Ich meine, ich wusste, dass du jemanden siehst, aber – kenne ich ihn?«

»Es ist Nathans Vater.«

Erica schienen für einen Moment die Worte zu fehlten. »Hermione, das ist riesig!«

»Ich weiß! Ich glaubte, dass er mich überhaupt nicht mochte, aber dann eines Nachts …« Hermione hielt ihre Zunge im Zaum, während sie versuchte zu entscheiden, ob diese Unterhaltung falsch war oder sich einfach nur so anfühlte. Auf ihre beste Freundin schauend und zu einer Entscheidung kommend, erzählte sie weiter: »Er kam mich besuchen, und aus heiterem Himmel küsste er mich, wie ich noch nie in meinem Leben geküsst worden war.« Und sie fuhr fort, Erica eine editierte Version der letzten wenigen Wochen ihres Liebeslebens zu erzählen.

Unglücklicherweise für Hermione – was Ericas Aufmerksamkeit wirklich auf sich lenkte, war der Mangel an Liebesleben bei allem, was Hermione ihr erzählt hatte.

»Ich weiß nicht, ob ich glücklich oder traurig für dich bin. Es könnte ja sein, dass er der Gentleman ist, von dem du sagst, dass er dies sei, aber es ist einfach nicht richtig, eine erwachsene Frau auf diese Art warten zu lassen!«

»Erica! Wir warten auf den richtigen Moment. Er ist ein Gentleman.«

»Vielleicht solltest du die Initiative übernehmen und ihm zeigen, was du willst. Geh' mit ihm aus und hab' danach deinen Spaß mit ihm.« Die Frau gab ein Kichern von sich wie ein kleines Mädchen.

» Okay, keinen Wein mehr für dich.«

»Ich meine es ernst, Hermione! Wenn du ihn willst, wie du behauptest, leg' los und nimm ihn!«

Hermione schüttelte ihren Kopf, außer Stande, mit der Erklärung fortzufahren, die dieser Vorschlag verdiente. Doch nachdem sie Erica auf ihrem Weg nach nebenan geschickt hatte – als sie im Bett lag, an Severus denkend – konnte sie ihre Gedanken nicht von den Bildern ablenken, die durch Ericas Vorschläge geschaffen worden waren. Hermione wollte Severus, und so sehr sie auch bereit dazu war, auf ihn zu warten, den ersten Schritt zu machen, ihr Verlangen nach ihm wuchs lediglich mit jedem Mal an, wenn sie allein zusammen waren, Küsse und Liebkosungen austauschend. Dies ließ sie über die Zukunft ihrer beider Beziehung nachdenken.

Vielleicht hatte die Idee, mit Severus auszugehen, etwas für sich – langfristig gesehen. Selbst wenn Severus darauf beharrte, ihre Beziehung geheimzuhalten, glaubte sie, dass das Verlassen der Grenzen des Schlosses und ihres Appartements ihm helfen könnte, ihre Beziehung in etwas mehr hineinwachsen zu fühlen als … Hermione wusste nicht einmal, wo sie im Moment standen.

Möglicherweise war das Severus' Absicht – das, was sie besaßen, so weit von 'fest umrissen' und 'ernsthaft' wie möglich fernzuhalten. Obwohl, welchen Nutzen konnte dies für ihn beinhalten?

Vielleicht wollte er nicht, dass sich ihre Beziehung zu etwas Tieferem auswuchs. Möglicherweise wollte Severus Zeit gewinnen, mit anderen Plänen im Sinn. Severus konnte hinter Nathan her sein, und sie benutzen, um das Sorgerecht für ihren Sohn zu bekommen.

Hermione schüttelte ihren Kopf. Nathan ist unser Sohn! Die Dinge zwischen ihnen machten gute Fortschritte. Es gab keine Notwendigkeit für Severus, sie in irgendeiner Form zu benutzen, um an Nathan heranzukommen. Sie waren bereits eine Familie.

Waren sie es nicht?

Vielleicht war gerade das nicht, was Severus wollte. Möglicherweise war er nicht im Stande zu vergessen, was zwischen ihnen am Ende des Krieges geschehen war.

Sie schlief mit zu vielen Widersprüchen in ihrem Kopf ein.


Hermione fand Severus in seinem Büro, über einen Stapel aus Pergamenten gebeugt, den Federkiel in der Hand.

»Severus.«

Er schaute auf, ein alarmierter Blick querte sein Gesicht für einen flüchtigen Moment, bevor er seine Augen auf die Feuerstelle fixierte. »Hermione?« Sie beobachtete vom Flohnetz aus, wie er seinen Schreibtisch verließ, um direkt vor ihrem im Feuer schwebenden Kopf zum Stehen zu kommen. Sie lächelte liebevoll.

»Guten Abend. Habe ich dich unterbrochen?«

»Ich nur dabei, grauenhafte Aufsätze zu benoten. Du bewahrst mich tatsächlich vor dem Verdruss. Gibt es etwas, was du brauchst? Willst du nicht durchkommen?«

Seine Besorgnis und die im Anschluss folgende Einladung wärmten ihr Herz. Vielleicht hatte sich Hermione für nichts davor gefürchtet. Vielleicht waren ihre Sorgen nichts außer unbegründet. Sie zog ihren Kopf zurück, um binnen kurzem – mit ganzem Körper – in sein Büro zu wirbeln. Sie hatte sich um ihre Kleidung gekümmert, diese vom Ruß reinigend, als ihre Aufmerksamkeit durch die Hand, die ihr Haar aus ihrem Gesicht schob und dann die Lippen, die die Ihrigen küssten, abgelenkt wurde. Sie lächelte.

»Wie war dein Tag?«, fragte er, sie auch jetzt noch berührend.

»Gut. Besser jetzt hier mit dir.« Sie hielt sein Gesicht und gab ihm einen eigenen zärtlichen Kuss. »Ich muss dich etwas fragen.« Er setzte das Küssen fort, bevor sie fragen konnte, und dieses Mal wurde der Kuss tiefer. Als sie den Kuss unterbrachen, um Luft zu holen, war Hermione in Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, was Worte waren, geschweige denn, dass sie sich dessen sicher war, wofür sie vorgehabt hatte, diese zu verwenden.

»Ja?«, neckte er sie, während er über ihren Blick, aus dem sichtbare Konfusion sprach, schmunzelte. »Du sagtest?«

Sich davon erholend, schlug sie ihm spielerisch auf den Arm. »Ich sagte, dass ich hierhergekommen bin, um dich zu bitten, mich am nächsten Freitag zu einer Preisverleihungszeremonie an der Universität zu begleiten.«

Jegliche Andeutung eines spielerischen Lächelns und der funkelnden Augen war verschwunden, und seine Antwort war kurz. »Nein.« Sie verlor ebenfalls die Wärme seiner Präsenz, als er sich umdrehte und zu seinem Schreibtisch zurückging.

»Severus?«

»Die Antwort ist Nein.«

Er nahm seinen Federkiel, Hermione ignorierend. Sie hatte Widerstand erwartet, aber sein wenig entgegenkommendes Verhalten war äußerst beunruhigend. Ein nacktes 'Nein' ohne Grund war nicht annehmbar. Nicht nach all den Zweifeln, die sich in ihrem Kopf entwickelt hatten.

»Das ist deine endgültige Antwort? Deine vollständige Antwort?« Trotz seiner Anstrengung, sie zu ignorieren, bemerkte Hermione, dass seine Hand, die die Feder hielt, unbewegt über dem Papier verharrte und sprach weiter: »Bist du dir sicher, dass du dem nicht irgendetwas hinzufügen willst? Vielleicht ein 'ich werde damit beschäftigt sein, den Hauselfen zu helfen, das Schloss zu reinigen', oder möglicherweise irgendetwas nach dem Motto 'meine Mutter erlaubt mir nach sechs nicht, mit Fremden auszugehen'? Nicht einmal 'ich habe so ein Gefühl, dass ich zu diesem Zeitpunkt krank sein werde'? Nichts?«

Er hatte immerhin damit aufgehört, etwas vorzutäuschen, und seine Arme über seiner Brust verschränkt, doch er bot keine Entschuldigungen für seine unverblümte Weigerung an, mit ihr zur Zeremonie zu gehen.

»Ich verstehe …«, sprach sie es nun doch laut aus, enttäuscht. Hermione wollte ihre Gefühle nicht darüber hinaus analysieren, noch wollte sie viel nachforschen, wie ihre Selbstachtung durch die Sekunden verstümmelt wurde, in denen sie dort stand, in seinem Büro, nach einer erteilten Abfuhr, wo ihre schlimmsten Befürchtungen vor ihren Augen konkrete Formen annahmen.

Sie drehte sich rasch um, wobei sie vorhatte, sich hinüber zum Kamin zu bewegen. Genauso schnell lag seine Hand auf ihrem Arm, hielt sie auf der Stelle fest. Sie zerrte, doch er beharrte darauf, sie festzuhalten.

»Hermione.«

»Lass los, ich will dich in Ruhe lassen.«

»Das ist nicht, was ich will«, drängte er, sicherstellend, dass sie seinem Griff nicht entkommen konnte.

Sie drehte sich verärgert zu ihm um. »Nein, es ist das, was ich will! Lass los, bevor ich dich verhexe.«

Er tat dies, und sie verließ ihn.


Severus fand sie auf der Couch, den Kopf in den Händen, überall Haare, das Gesicht im Dunkeln. Er hatte keine Vorstellung, was zu tun oder was zu sagen war. Sein Herz schmerzte, seine Hände waren kalt und schweißig, sein Mund war trocken, und er hatte keine Ahnung, wie er das Gefühl loswerden sollte, dass er jeden Augenblick das Bewusstsein verlieren würde.

»Warum folgst du mir?«

Ihre Stimme war leise und ohne Leben.

»Du bist gegangen«, antwortete er ohne nachzudenken.

»Geh nach Hause, Severus.«

Sein Herz gefror, sein Atem gefangen genommen, doch seine Füße weigerten sich zu gehorchen. Er konnte nicht gehen. Nicht ohne zu wissen, dass er bei seiner Rückkehr willkommen sein würde.

»Geh«, wisperte sie, ihre Stimme bebend. »Bitte, geh.«

»Ich-Ich kann nicht.«

Sie schaute ihn schließlich an, und ihre Augen schlugen ihn mit der Verzweiflung, die sie beinhalteten, beinahe zu Boden, doch einen Moment später wurden sie wiederum verborgen.

»Warum muss es so schwierig sein?«, fragte sie. »Warum können wir nicht einfach unsere Leben ohne die ganze Angst, den Schmerz, die Unsicherheit leben?«

»Ich weiß es nicht«, gestand er, mit ihrer Bewertung übereinstimmend. Er gab sich einen Ruck und nahm ruhig neben ihr auf der Couch Platz.

»Ich habe zwei Tage damit verbracht zu versuchen, mir eine Möglichkeit auszudenken, dich um eine Verabredung zu bitten – deine Antwort fürchtend, unsicher darüber, was mein Platz ist.«

»Hermione—«

»Was ist wir, Severus? Ein Paar? Freunde mit gewissen Vorzügen? Partner? Bekannte? Was?«

Alles, woran er als Antwort denken konnte, war 'Ich liebe dich', doch irgendwie glaubte er nicht, dass dies der richtige Zeitpunkt war, diese Worte auszusprechen.

»Natürlich weißt du es nicht«, schloss sie aus seinem Schweigen. »Du solltest wirklich gehen, Severus. Lass mich nicht darum betteln, dass du gehst.«

»Ich kann nicht einfach gehen, ohne zu wissen …«

»Was zu wissen?«, schnappte sie, und dies verschlug ihm völlig den Atem.

Ob ich zurückkommen kann, ob du zurückkommen wirst, ob ich alles zerstört habe, ob… Severus' Verstand war nicht sehr hilfreich.

»Was zu wissen?«, wiederholte sie sich verärgert.

»Ich kann nicht gehen, bis du mir verziehen hast«, platzte er heraus.

»Dir verziehen habe? Weißt du überhaupt, was du getan hast? Wie soll meine Vergebung dir gegenüber irgendetwas ändern? Und was dann? Wir gehen zurück in diesen Schwebezustand, was diese Beziehung ist?«

»Frag' mich noch einmal.«

Sie hielt inne und schaute ihm in die Augen.

»Frag' mich«, offerierte er abermals.

»Dich was fragen?«

»Alles, damit angefangen, ob ich mit dir zu dieser dämlichen Zeremonie gehen werde.«

Sie sah verwirrt aus, tat jedoch, worum er gebeten hatte. »Wirst du am Freitag mit mir zur Preisverleihungszeremonie gehen?«

»Ja.«

»Warum?«

»Weil ich dein Mann bin.«

»Was bedeutet das?«

»Das bedeutet, dass ich dir gehöre, und dass ich alles tun werde, um es auf diese Art zu belassen, selbst wenn es bedeutet, zu einer blödsinnigen Muggel-Zeremonie zu gehen.«

»Es ist keine blödsinnige Zeremonie. Meinem Mentor wird ein sehr bedeutsamer Preis verliehen, der—«

»Irrelevant bezüglich des Themas«, unterbrach er sie, da er nicht wollte, dass sie von der Angelegenheit ihrer Beziehung abschweifte. »Hermione, versteh' mich nicht falsch, aber es interessiert mich nicht, was diese Zeremonie irgendjemandem anderem außer dir bedeutet. Wenn es für dich solch eine große Sache ist, werde ich mitgehen, erwarte nur nicht von mir, dass ich mich dabei gut unterhalte.«

»Es ist wichtig, dass ich dort bin, und ich will dich dort bei mir haben! Ist das so schwierig zu verstehen?«

»Genau genommen ist es schwer zu verstehen. Ich weiß nicht, warum du glaubst, dass es eine gute Idee sei, mich mit dir zu einem öffentlichen Muggel-Event gehen zu lassen—«

Sie knurrte vor Frustration und unterbrach ihn. »Ich bitte dich um eine Verabredung. Wir haben ein Date. Du bist mein Date. Bring mich nicht dazu, William zu fragen.«

Er funkelte sie an. »Erwähne nicht diesen Kretin.«

»Es läuft entweder auf dich oder ihn hinaus – deine Wahl.«

»Ich habe gesagt, dass ich mitgehen würde, verdammt!«

Er seufzte. Sie seufzte ebenfalls.

»Wirklich, du lässt es so klingen, als ob ich dich in eine Folter-Behandlung schleppe. Ich bin bereits allein durch diese Unterhaltung erschöpft.«

Er war gleichermaßen erschöpft und wollte nicht mehr über Zeremonien oder dumme Muggel sprechen. Severus nahm stattdessen ihre Hand und zog ihrem Kopf an seine Brust, einen Kuss auf ihren Scheitel platzierend. Es würde später Zeit geben, um über eine Möglichkeit nachzudenken, sie zu überzeugen, dass, gemeinsam zu einem öffentlichen Ereignis auszugehen, eine sehr schlechte Idee war.


A/N: DasLeben ist nicht so leicht, wie es sein sollte, doch unsere kleine Familie scheint den Gedanken nicht zu ertragen, zu verlieren, was sie bereits erreicht haben. Gut für sie! :0)

ferporcel

Im nächsten Kapitel … Das Ende von Nathans erstem Jahr, und der Beginn von Severus' Familienleben.