Die Personen und Orte gehören Stephenie Meyer.
Die Originalstory ist von Mara Gaunt.
Isabella Swan.
Ich hatte einen extrem realen Traum und selbst im Schlaf war ich mir dessen bewusst. Es war als ob alles in meinem Zimmer passierte und ich mit der Realität verbunden war, obwohl ich schlief.
Natürlich kam Edward in meinem Traum vor, ich hatte ihn schließlich seit Tagen nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. Er stand wieder in der Tür, zögerte erst, kam dann aber mit langen und langsamen Schritten auf mich zu, wie ein Raubtier und ich war sein Opfer...aber in seinem Blick konnte ich sehen, dass ich nicht nur sein Opfer war, sondern auch sein größtes Begehren.
Verdammte Fantasie!
Er berührte mit den Fingerspitzen die Haut meiner Schultern, die das Top nicht bedeckte und er schien es mit der gleichen Faszination zu tun, mit der ich seine Berührung empfing.
„Bella..." Murmelte er direkt an meinem Ohr und es breitete sich eine Gänsehaut über meinen ganzen Körper aus. „Ich liebe dich."
Jetzt spürte ich seine Lippen auf der nackten Haut meiner Schulter und ein Schauer lief mir den Rücken herunter.
„Du bist mein...und ich werde um dich kämpfen..."
Es lag viel Überzeugung in seiner Stimme, sein Besuch hatte mich mehr beeinflusst, als ich zugeben wollte. Ich stellte mir wieder Dinge vor, die ich mir nicht vorstellen sollte. Ich schüttelte mich unbewusst und als ich aufwachte hörte ich, wie die Tür leise zugemacht wurde.
Das war bestimmt die Schwester gewesen, die ihre Runde gemacht hat. Ich schüttelte langsam den Kopf, versuchte Edwards Bild aus meinem Kopf zu bekommen und den Rest der Nacht ohne träume zu verbringen.
Am nächsten Morgen kam sehr früh Lori, eine der Krankenschwestern, zu mir.
„Guten Morgen Miss Swan, die Frau Dr. Hale schickt mich, sie möchte mit ihnen sprechen." Erklärte sie mir.
„Ist was passiert?" Fragte ich sofort, es war eine ungewöhnliche Uhrzeit für eine Sitzung.
„Nein Miss, sie will nur mit ihnen reden."
Jetzt wurde ich langsam neugierig, ich bat Lori mir einen Moment zu geben, verschwand schnell im Bad und zog mich dann rasch an. Lori wartete auf mich und ging dann mit mir zusammen zum Büro von Rosalie.
Das erste was ich sah, als ich die Tür aufmachte, waren Charlies Brüder, sie saßen Rosalie gegenüber, die ausnehmend ernst aussah. Ich blieb erschrocken stehen und fragte voller Angst.
„Ist was mit Charlie?"
„Nein Bella." Antwortete Rosalie ernst. „Setz dich bitte, wir haben etwas zu besprechen."
Ich verstand nichts und die Brüder von Charlie sahen mich schon wieder so komisch an. Nervös setzte ich mich auf den freien Stuhl und wrang meine Hände.
„Also Bella, die...Swans..." Sie betonte den Namen den ich, kurioser weise, mit ihnen gemein hatte, auf eine ganz seltsame Art, was mich sehr wunderte. „...sind etwas...sie haben mir erzählt, dass ihr euch Gestern kennen gelernt habt und...erinnerst du dich an Charlies Geschichte? Warum er hier ist?" Wollte sie wissen.
„Ja, ich erinnere mich." Antwortete ich und wusste noch immer nicht, was hier los war.
„Gut, ihnen ist etwas aufgefallen, was ich persönlich sehr positiv finde." Sie redete weiter in Rätseln.
„Wovon redest du?"
„Es besteht die Möglichkeit, eine kleine Möglichkeit..." Sie redete langsam und betonte jedes Wort. „...also es könnte sein, dass du die Tochter bist, die Charlie vor 19 Jahren verloren hat."
„Ist das ein Scherz?" Platzte es aus mir raus und ich sah in ihre ernsten Gesichter, sie schienen es wirklich für möglich zu halten. „Ich meine...nein...das kann nicht sein. Wir alle wissen, dass das nicht sein kann." Fügte ich fest hinzu.
Es versetze mir einen Stich ins Herz, dass überhaupt in Erwägung zu ziehen, aber ich wollte mir keine falschen Hoffnungen machen.
„Das ist kein Scherz und wir haben etwas, was unseren Verdacht untermauert." Erklärte Georg, sah mich fest an und strecke seine Hand nach einem dünnen Hefter aus, der auf Rosalies Schreibtisch lag, er ließ mich dabei nicht aus den Augen. Auf der Suche nach Unterstützung, sah ich zu Rosalie, aber die sah mich einfach nur ernst an.
Ich hatte keine Ahnung was für „Beweise" in diesem Hefter stecken könnten, aber ich hatte noch nie gute Erfahrungen mit dieser Art von Hefter oder Ordnern gemacht. Den letzten den man mir zeigte, hatte ich Edward vor die Füße geworfen, sollte hier etwas genauso schreckliches drin sein?
Georg reichte mir den Hefter und gab mir zu verstehen, dass ich ihn aufmachen soll. Als ich ihn aufmachte, wurde ich mit mir selber konfrontiert, besser gesagt, mit dem Bild einer jungen Frau, die mir sehr, sehr ähnlich sah.
„Das ist ein Bild unserer Mutter." Sagte Adam und ich sah, wie sehr meine Hände zitterten.
Leta Jones Swan, stand unter dem Bild. Das war Charlies Mutter und sie sah mir erschreckend ähnlich, oder ich ihr. Mir fehlte plötzlich die Luft zum atmen und ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Schnell klappte ich den Hefter zu und legte ihn wieder auf den Schreibtisch.
„Ich...ich weiß nicht, was das bedeutet." Murmelte ich leise.
„Die Menschen sehen sich normalerweise nicht so ähnlich, so ungewöhnliche ähnlich, wenn sie nicht aus einer Familie stammen." Sagte Adam und fuhr sich mit den Händen durchs Gesicht, dann redete er in eindringlichem Ton weiter.
„Seit Jahren suchen wir Charlies Tochter nun schon, wir haben die Hoffnung nie aufgegeben. Sie wurde von einer korrupten Krankenschwestern aus dem Krankenhaus entführt, als sie nur wenige Tage alt war. Die Krankenschwestern wurde wenige Tage nach dem schrecklichen Unfall von Renee und Charlie gefasst, aber sie hatte das Baby angeblich ausgesetzt, weil es so viel geweint hat...und jetzt sitzt du uns hier gegenüber..."
„Aber...das ist absurd, es besteht nicht die geringste Möglichkeit, dass ich es meine, woher wollen sie das wissen? Es könnte jede sein..." Erklärte ich mit dünner Stimme.
„Du hast ihr Alter...wir müssen...wir müssen herausfinden, ob wir falsch oder richtig liegen...es ist sehr wichtig für uns und für Charlie natürlich..."
Ich sprang auf und schüttelte heftig den Kopf. Das war so abwegig und absurd, ich konnte nicht Charlies Tochter sein, auf gar keinen Fall.
„Was..." Mir fehlten regelrecht die Worte.
„Wir müssen einen Test machen...wir müssen wissen, ob du unsere Nichte bist..." Sagte Adam verzweifelt.
„Was..."
„Einen Vaterschaftstest Bella." Kam es jetzt ruhig von Rosalie. „Das ist es, was die Swans gerne machen möchten."
Ich traute mich nicht, mir irgendwelche Illusionen zu machen, dafür war ich schon viel zu oft enttäuscht worden.
„Aber ich..." Ich fand einfach nicht die richtigen Worte in meinem Kopf.
„Bitte Bella." Flehte George.
„Wir bitten dich darum Kind und wenn er negativ ausfällt, belästigen wir dich auch nie wieder." Sagte Adam.
„Ihr versteht nicht." Endlich schaffte ich es, einen ganzen Satz zu bilden. „Ich bin mein ganzes Leben lang eine Waise gewesen und ich kann jetzt nicht plötzlich die Tochter von jemandem sein und einfach eine Familie haben."
Sie sahen mich schweigend an und schienen über meine Worte nachzudenken.
Warum musste mir das passieren? Ich hatte mir immer eine Familie gewünscht und jetzt, wo ich gerade anfing mein Leben so zu akzeptieren wie es war, musste ich mich der Möglichkeit stellen, dass ich vielleicht wirklich eine Familie hatte.
Das kam so plötzlich, so unerwartet, wie sollte ich damit umgehen?
Die Minuten vergingen, während ich unruhig im Zimmer auf und ab ging, ich musste Zeit gewinnen, ich musste nachdenken, ich musste die Möglichkeit assimilieren. Ein Test, ein wenig von meinem Blut und ich könnte plötzlich zu jemandem gehören.
Und wenn der Test negativ ausfiel? Wenn ich mir jetzt Hoffnungen machte und dann wieder alles nur eine große Enttäuschung sein wird?
Doch dann nickte ich einfach, ohne das es mir wirklich bewusst war. In meinem Kopf drehte sich alles und ich hoffte, dass ich das richtige tat, doch als ich die glücklichen Gesichter der Brüder sah, konnte ich es nicht wieder zurückziehen. Die Brüder standen auf und umarmten mich herzlich. Konnte es sein, dass ich gerade meinen Onkel umarmt hatte?
Sie verabschiedeten sich von uns und irgendwie machte sich ein warmes Gefühl in mir breit. Mein Leben hatte schon wieder eine neue Wendung genommen.
„Denk in Ruhe darüber nach Bella, es ist ein relativ einfacher Test und es könnte so viel bedeuten." Sagte Rosalie sanft und ich nickte nur.
Ich verabschiedete mich von Rosalie und ging wieder in mein Zimmer, wo mein Frühstück schon auf mich wartete.
Selbstverständlich drehten sich meine Gedanken jetzt nur noch um die Möglichkeit, dass ich eine Familie, einen Vater haben könnte.
Eine Familie. Das war mir noch nie in den Sinn gekommen, ich war schon immer Waise gewesen, allein und ohne jemanden der zu mir gehörte. Sollte sich wirklich alles zum positiven ändern? Könnte sich das vielleicht auch auf Edward beziehen? Sollte ich ihm vielleicht wirklich zuhören?
Sobald ich seinen Namen dachte, schossen mir tausende von Bildern durch den Kopf. Ich dachte auch daran, was er wohl gerade machte, ob es ihm gut ging, ob er an mich dachte und noch viele absurde Sachen, die sich mein krankes Hirn einfallen ließ.
Ja, ich konnte schon auf recht dumme Gedanken kommen.
Seufzend machte ich mich daran mein Frühstück zu verspeisen. Dabei sah ich mich in meinem eleganten Zimmer um und fragte mich zum wiederholten mal, wie meine Krankenversicherung für das alles aufkommen konnte. Ich wurde hier bedient wie in einem Hotel und auch meine Handtücher wurden täglich gewechselt.
Ich schob den Gedanken zur Seite, damit würde ich mich später weiter beschäftigen und ich dachte wieder an meine mögliche Familie. Würde ich mich daran gewöhnen können in einer Familie zu leben?
Ich sollte mir nicht so viele Gedanken über meine mögliche Familie machen, ich würde doch wieder nur enttäuscht werden.
Den Rest des Tages verbrachte ich in meinem Zimmer und ging auch nicht zur Therapie, Rosalie zeigte Verständnis und zwang mich nicht dazu. Am Nachmittag kam Lori wieder zu mir und brachte mit einige Papiere mit, die ich unterschreiben sollte. Es war die Einverständniserklärung zu dem Vaterschaftstest und der Blutabnahme. Ich unterschrieb alles und blieb dann wieder allein.
Irgendwann döste ich ein und träumte von Edward, träumte davon in seinen Armen zu liegen, wie er mich küsste, wie unser Leben hätte aussehen können, wenn er nicht getan hätte, was er getan hat. In meinem Traum konnte ich wieder diesen Ausdruck in seinen Augen sehen, den ich nicht deuten konnte.
Da ich fast den ganzen Nachmittag verschlafen hatte, konnte ich am Abend nicht einschlafen und dachte über die Worte von Alice nach, was sie mir erzählt hatte. Irgendwie passte der Edward, der mich so geringschätzig behandelt hat, nicht mit dem Edward zusammen, den sie mir beschrieben hat und der verzweifelt versucht hat mein Leben zu retten.
Seltsamerweise dachte ich mehr über Edward nach, als über die Möglichkeit bald eine Familie haben zu können und was Charlie überhaupt zu der ganzen Sachen sagen würde.
Ich grübelte fast die ganze Nacht über mein bisheriges und mein zukünftiges Leben nach. Zwischendurch schlummerte ich immer wieder kurz ein, fand aber keinen richtigen Schlaf mehr.
Am nächsten Morgen stand ich früh auf, duschte mich,machte mich fertig, setzte mich in meinen Sessel und betete mit meinem Rosenkranz für einen neuen Tag, eine neue Chance und ein neues...Schicksal?
Noch vor dem Frühstück kam Lori wieder zu mir, um mich zum Blut abnehmen zu bringen. Dort wartete schon eine andere Schwester auf mich, die mir das Blut abnahm, das meine Zukunft bestimmen würde. Danach ließ ich mich zu Rosalie bringen und bat sie, mir einen Wagen zu besorgen, der mich zum Friedhof bringt.
Rosalie versprach mir, dass nach dem Frühstück ein Wagen für mich bereit steht. Ich ging wieder in mein Zimmer, frühstückte und ging dann noch kurz zu Charlie. Lori hatte mir erzählt, dass er sich Heute nicht so gut fühlt, aber wie es aussah, hatte er einfach nur zu viel Süßigkeiten gegessen und hat sich nur etwas den Magen verdorben. Ich schimpfte etwas mit ihm und dann war mein Krankenwagen auch schon da.
Wie immer wenn ich das Krankenhaus verließ, musste ich mich in einen Rollstuhl setzen und ein Pfleger begleitete mich. Rosalie hatte auch dafür gesorgt, dass ein großer Strauss Lilien für mich bereit lag. Sobald ich in dem Krankenwagen saß, fühlte ich mich gleich etwas besser, weil ich jetzt meine Kinder besuchen konnte.
Am Grab angekommen, bat ich den Pfleger mich alleine zu lassen.
„Hallo." Begrüßte ich sie und streichelte über den Grabstein. Mir fiel auf, dass wieder frische Blumen auf dem Grab lagen, Alice schien wirklich oft hier zu sein. „Es ist viel passiert, seitdem ich das letzte mal bei euch gewesen bin." Redete ich weiter, obwohl ich wusste, dass ich keine Antwort bekomme.
„Euer...Vater hat mich besucht...ich weiß immer noch nicht genau warum, er sagt, dass er mit mir reden will, mir alles erklären will...als ob das so einfach wäre." Ich seufzte laut. „Ich weiß nicht was ich machen soll und ich brauche einen Rat … ich kämpfe damit, ob ich ihm zuhören soll oder nicht. Vielleicht..." Ich wusste nicht was ich wollte, ich wollte einen Rat und ich wollte, dass dieser Rat mir sagt, dass ich ihm zuhören soll und er mir nicht weh tun würde.
Es kam eine seltsame, warme Brise auf, ich machte meine Augen zu und ließ meine Haare im Wind wehen. Es war als ob der Wind mir etwas sagen wollte.
Noch ein Zeichen?
War das möglich? Sollte ich ihm zuhören, oder endgültig gehen? War meine Idee der Flucht doch die richtige gewesen, oder gab es noch eine glückliche Zukunft für mich?
Der Winde verschwand so schnell wie er gekommen war und ich machte meine Augen wieder auf.
Ich legte die Blumen auf das Grab und wie immer liefen mir stille Tränen über die Wangen. Mit dem Rosenkranz in meinen Händen betete ich langsam. Hoffentlich hatten es der Pfleger und der Fahrer nicht eilig, aber ich brauchte die Zeit mit meinen Kindern jetzt einfach.
Als ich Schritte auf dem trockenen Laub hörte, horchte ich auf. Es waren lange, langsame Schritte und sie kamen eindeutig auf mich zu.
Edwards unverkennbarer Duft stieg mir in die Nase, ich spürte ihn direkt hinter mir und mein Herz setzte ein paar Schläge aus, bevor es anfing zu rasen.
Ich verstand nicht wie er hierher gekommen war, was er hier wollte und ich hatte auch keine Möglichkeit die Namen auf dem Grabstein zu verdecken. Die zweiten Vornamen meiner Kinder, die die seiner Eltern waren. Dieses Wissen könnte ihm wieder etwas Macht über mich geben, er wusste jetzt, dass ich trotz allem an ihn gedacht hatte.
Mit zu Fäusten geballten Händen, wappnete ich mich dem, was jetzt kommen wird.
Ich merkte, wie er sich neben mich kniete und fühlte mich betrogen, in dem intimen Moment mit meinen Kindern gestört. Schweigend unterdrückte ich den Impuls zu flüchten, für den Moment zumindest.
„Guten Tag." Sagte er mit dieser tiefen Stimme, die ich immer so geliebt hatte. Zuerst dachte ich, dass er mich meinte, aber als ich in seiner Hand den Strauss Lilien sah wusste ich, dass er nicht zum ersten mal hier war und es ihm zu verdanken war, dass immer frische Blumen auf dem Grab lagen. Aber wie... „ Guten Tag Isabella."
Er sprach meinen Namen mit diesem erotischen Unterton aus, zu dem nur er fähig war. Und er hatte mich gegrüßt, was sollte ich machen? Aufstehen, gehen, rennen, flüchten...antworten...schreien...?
„Hallo..." Sagte ich schlicht und es kam wieder dieser Wind auf.
„Wie geht es dir?" Fragte er, meine Antwort schien ihn zu einer Konversation zu animieren und ich wusste mal wieder nicht, was ich machen soll.
Er schien alle Zeit der Welt zu haben, um auf meine Antwort zu warten. Ich wrang meine Hände und sah stur nach vorn, obwohl ich genau spürte, wie fest er mich ansah.
„Ich..." Wo kam dieses Krächzen her, ich räusperte mich, während mir tausend Sachen durch den Kopf gingen und mein Mund bewegte sich von allein. „Gut.."
Was für eine großartige Lügnerin ich doch sein konnte.
Ich befand mich in einem fürchterlichen, widersprüchlichen Debakel. Ein Teil von mir wollte ihn anspringen und mit aller Kraft verprügeln, der andere wollte ihn ansehen und ihm zuhören, nur um seine Stimme zu hören.
„Was...was machst du hier?" Fragte ich und hoffte das es eine einfache Antwort darauf gab.
„Ich bin gekommen um..." Er schien nicht zu wissen, wie er sich am besten ausdrücken soll. „...unsere Kinder zu besuchen."
Das er uns beide einbezog tat weh, aber gleichzeitig machte sich ein starkes Gefühl in meiner Brust breit...es war wahr, die Trauer um unsere Kinder verband uns, dass konnte ich ihm nicht verweigern, es waren auch seine Kinder.
„Und ich wollte dich sehen."
Da war es, sein Geständnis, dass er Hintergedanken gehabt hat. Ich konnte es nicht mehr vermeiden ihn anzusehen und drehte langsam meinen Kopf zu ihm.
„Seit wann kommst du hierher?" Fragte ich leise.
Er sah mir in die Augen und schien mir mit seinem Blick vieles sagen zu wollen, was er mir nicht mit Worten sagen konnte.
„Seitdem ich weiß, dass es sie gibt."
Seine Antwort brachte automatisch die nächste Frage mit sich, aber das würde die Konversation verlängern und ich... wollte ich das?
„Und wann hast du es erfahren?"
Er schien wieder zu zweifeln, ob er es mir sagen soll und ich verstand nicht warum.
„Einen Tag bevor du...versucht hast dich umzubringen."
Mir kam es vor, als ob es erst Gestern gewesen war, dabei waren seitdem schon vier Monate vergangen.
Ich schwieg und mir wurde klar, dass jetzt der Moment war mich zu entscheiden, hörte ich ihn an, oder schickte ich ihm zum Teufel.
„Ich..." Fing er an und wand nicht für eine Sekunde seinen Blick von mir ab. „Ich muss mit dir reden Be..." Er hielt ine, als er die Kurzform meines Namens aussprechen wollte und verbesserte sich dann. „Isabella."
Ich wusste weder, was ich sagen, noch was ich machen soll und der Versuch, seine Stimme nicht in meine Sinne eindringen zu lassen und alles in Unordnung bringen zu lassen, scheiterte auf ganzer Linie.
„Ich weiß." Sagte ich, bevor ich mich zurückhalten konnte und meine Hände fingen an zu zittern, ich verschränkte meine Finger schnell ineinander, er durfte nicht merken, wie ich noch immer auf ihn reagierte.
„Ich..." Mir traten schon wieder die Tränen in die Augen, wenn ich jetzt zusammenbrach war ich dazu fähig ihm zu sagen, dass ich ihm bis in alle Ewigkeit zuhören würde, wenn er mir sagt, dass er mich liebt. Und das wollte ich auf gar keinem Fall. „Ich brauch...ich brauche Zeit."
Wieder machte sich das Schweigen zwischen uns breit und alles und jeder auf diesem Friedhof schien es uns gleichtun zu wollen und nur unserer Konversation lauschen zu wollen. Ja, ich führte eine Konversation mit dem Mann, der mein Leben zerstört hat, den ich aber trotz allem noch mit solch einer Intensität lieben konnte, dass für meinen Stolz kein Platz mehr war.
„Ich werde dich nicht unter Druck setzen, wenn du tausend Jahre brauchst, werde ich dir tausend Jahre geben. Aber es gibt etwas, was du wissen solltest." Seine Stimme veränderte sich leicht und ich wunderte mich, dass mir diese winzige Veränderung auffiel.
Als er sich bewegte und sich zu mir beugte wusste ich, dass er wieder seine Karte der Verführung spielen würde und ich war wie gelähmt, mir war bewusst, dass ich da nur verlieren konnte.
„Ich liebe dich..." Flüsterte er direkt in mein Ohr, ich konnte ihn nicht ansehen, ich schaffte es kaum, mich auf meinen Knien zu halten, als ich ihn so nah spürte. „Ich werde es nicht zulassen, dass dich irgendjemand wieder von meiner Seite reißt und ich werde dich nicht aufgeben. Und ich bitte dich noch einmal, hör mir bitte zu und dann... treffe deine Entscheidung." Es lag eine unglaubliche Überzeugung in seiner Stimme. „Hör mir zu und entscheide dann, ob du vielleicht in Betracht ziehen könntest, mir zu verzeihen."
Er lehnte sich etwas zurück und sah mir wieder unbarmherzig in die Augen, ich hielt still, während er immer näher kam und mit seinen Lippen sanft die meinen streifte.
Versteinert, dass war ich, seine Nähe machte mich wahnsinnig und das wollte ich nicht. Sein Gesicht und seine Augen so nah vor mir zu haben, war zu verwirrend, genau wie seine Worte. Es war, als ob er viele Sachen von mir wissen würde, die er nicht wissen sollte.
„Ich liebe dich." Murmelte er gegen einen Mund, wie schon vor ein paar Tagen, er beharrte darauf und ich wollte ihm vielleicht glauben.
Wie schwach ich doch war, als er sich von mir entfernte, konnte ich nur daran denken, wie ich ihn dazu bekommen könnte, sich mir wieder zu nähern. Wie masochistisch ich doch sein konnte.
Und ich fühlte mich nicht verletzt, ich fühlte nur das unbändige Verlangen wieder in seinen Armen zu liegen und das war gar nicht gut. Ich musste Alice um Rat fragen, sie musste mir zeigen, wie ich mich kontrollieren konnte, wie ich...
Edward stand auf und legte seine Blumen neben meine.
Ich wollte schreien, aber es kam nur ein Seufzen über meine Lippen.
Lange Zeit nachdem er gegangen war, stand auch ich auf und setzte mich wieder in meinen Rollstuhl. Der Pfleger kam sofort und fuhr mich zum Krankenwagen.
Eins war sicher, die Zeit meines Widerstands gegen das, was Edward mir zu sagen hatte, ging sehr schnell zu Ende.
