Rebecca lachte herzlich und schön.

,,…Oh Marc…" sie hielt sich belustigt die Hand vor den Mund, ,,…Ist nicht dein ernst, oder?" Sie schlenderte mit ihm, dem Fahrer des Unfallwagens, durch das nächtliche, beinahe menschenleere Arlington, nachdem sie das Restaurant verlassen hatten.

,,Wenn ich es dir doch sage…" er war selbst amüsiert, als er der Frau an seiner Seite gerade die witzigste Neuigkeit aus seinem Berufsleben erzählte, ,,…Jedenfalls wird mein Kollege es sich jetzt zwei Mal überlegen, ob er meine Schüler leitet oder nicht."
,,Der arme Kerl, nur weil er glaubte, er wäre besser am Barren? Autsch…"

Marc nickte, drehte den Kopf zu ihr.

Rebecca schmunzelte, als es still wurde und auch ihr Blick huschte zu ihm hin. Sein warmes, braunes Haar schimmerte im Schein der Schaufenster einfach toll, ebenso, wie das Licht der Straßenlaternen seine ebenso braunen Augen funkeln lies.

Verlegen sah sie zur Seite, räusperte sich und sagte dann, als der Spaß abgeebbt war: ,,Danke für den Abend, Marc, es…ich hab das mal wieder gebraucht."
,,Na, das ist doch wohl das mindeste, was ich tun kann, immerhin habe ich dich nicht mit Absicht über den Haufen gefahren…will heißen…" wieder stahlen sich seine Augen zu der jungen Ärztin, ,,…ich mach das wirklich gerne, du bist…" er stoppe, da er beinahe darin überging ihr ein Kompliment zu machen und er noch nicht wusste, wie diese Frau darauf reagieren würde, ,,…Naja, jedenfalls verbringe ich gerne Zeit mit dir."

Rebecca hob einen ihrer Mundwinkel.

Sie dachte zurück an die letzten Treffen mit ihm. Schon ein paar Mal hatten sie sich getroffen, Mittags oder Abends, auf einen Kaffe oder Drink und sie entgegnete: ,,…Ja, mir geht es genauso."

Grinsend verschränkte er die Arme hinter seinem Rücken: ,,Auf was hast du jetzt Lust? Es ist noch früh…"

,,Keine Ahnung. Musst du nicht noch Korrekturlesen?"

Der Pädagoge zuckte mit den Schultern: ,,Ach, das kann ich noch morgen früh im Lehrerbüro machen. Die erste Stunde ist ohnehin eine Freistunde."

Rebecca nickte.

,,Kino?…" schlug er vor, ,,…Die Spätvorstellung müssten wir noch schaffen und nichts rundet ein gemeinsames Abendessen besser ab, als eine romantische Liebeskomödie. Gefällt dir so was?"

,,Normal schon…aber weiß du…" begann sie, ,,…nach einer Liebeskomödie ist mir im Moment wirklich überhaupt nicht. Vielleicht finden wir etwas anderes?"

Zustimmend nickte Marc. Es war ihm einerlei, das was ihm wichtig war, war es bei ihr zu sein, denn er gestand sich ein, das er wohl dabei war sich in diese Frau zu verlieben.

,,Ist das´ ne Party für zwei, oder kann ich mitmachen?"

Rebecca und Marc blickten auf, ihr Ehemann stand dort.

,,Carlos?" entfuhr es ihr ungläubig.

Der ehemalige Söldner verschränkte die Arme vor der Brust, in seinem Blick lag Kränkung und Wut ,,…Ich habe euch jetzt lange genug beobachtet, Becca, wie lange willst du mir eigentlich noch aus dem Weg gehen?"

Er brachte die Ärztin in Verlegenheit.

,,…Ich dachte mir okay, lass ihr Zeit, aber weißt du, was ich scheiße finde?…" Carlos blickte herablassend zu dem Mann an Rebeccas Seite, ,,…Das du dich einem wildfremden Kerl trifft und herumschäkerst als wenn du frei wärest…Wir sind verheiratet, schon vergessen?"

,,Carlos…" ermahnte sie ihn.

,,Carlos, Carlos…" machte er sie nach, ,,…Ist das alles, was du zu sagen hast? Du machst mir auf der einen Seite Vorwürfe wegen Jill und auf der anderen Seite vögelst du durch die Gegend!"

Wut, Schrecken und völlige Überrumpelung schwappte über die Ärztin, sie wurde sauer: ,,Das ist überhaupt nicht wahr und du weißt es!…Carlos, warum bist du hier? Ich habe dir gesagt, das du mich in Ruhe lassen sollst."

,,Mir stinkt es, Rebecca!…Erst muss ich für dich auf Jill verzichten, meinen Job und mein Leben völlig umkrempeln und das ist dir alles nicht immer noch nicht gut genug." er fuchtelte gestikulierend mit den Armen vor ihr herum.

,,Ich glaube, dieses Gespräch führt zu nichts…" entgegnete sie, ,,…Geh zurück ins Hotel und schlaf deinen Rausch aus!…" Sie war Ärztin, man konnte ihr nichts vormachen. Rebecca roch Alkohol schon auf hundert Metern Entfernung. Sie drehte sich zu Marc, der alles schweigend beobachte hatte und es war ihr sichtlich unangenehm, ,,….Tut mir leid aber…kannst du mich nach hause fahren?"

Ihr Bein war noch immer nicht ganz verheilt, noch immer brauchte sie eine Krücke und selbst fahren konnte sie nicht, deshalb hatte er sie heute Nachmittag abgeholt.

,,Natürlich…" Marc Abernathy nickte und es war okay für ihn, immerhin hatte Rebecca ihn in einem der vielen Gespräche über alles aufgeklärt. Sie wollten sich umdrehen.

Carlos blickte sauer drein. Er hasste den Gedanken, ersetzt zu werden, denn genau das war es, was Rebecca tat.

Ihn hatte sie zum Teufel gejagt und den Kerl, der sie beinahe tot gefahren hatte, empfing sie mit offenen Armen? Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen.

,,Hey!…" er schritt zu den beiden auf, grapschte den Kerl an der Jacke, drückte ihn schubsend zur Seite und griff dann Rebecca an den Arm, ,,…Du bist meine Frau! Wenn dich jemand nach hause bringt dann bin ich das, klar!"

,,Carlos lass mich los!"

Rebecca wollte offensichtlich nicht, sie wollte sich ihm entziehen und das rief einen Beschützerinstinkt in Marc hervor. Er kam bei, drückte Carlos von ihr weg: ,,Hey…Kumpel…" ernst sah er dem Südamerikaner in die Augen und drückte ihn immer wieder von Rebecca weg, als er sich wieder nähern wollte, ,,…lassen Sie die Lady in Ruhe, klar?"
Wütend funkelte Carlos den brünetten Mann an, griff ihm an den Kragen und schubste ihn noch einmal nach hinten: ,,Pfoten weg, `Kumpel´!…Das ist nicht dein Bier."

Rebecca griff Carlos bestimmend an die Schulter, drückte ihn von sich und Marc weg: ,,Hör auf!…" sie funkelte ihn sauer und entschlossen an, ,,…Ich habe dir meins bereits gesagt, also hör auf damit, Carlos! Es ist vorbei! Endgültig!"

Und der ehemalige Söldner sah den Ausdruck in ihren Augen…


,,…Ja, um zwölf Uhr…Ich weiß, Chris und ich werden um halb elf bei dir sein…" Jill lächelte. Sie saß auf der Couch zuhause, eine Decke über ihren Beinen und ihr Handy am Ohr, darin die Stimme ihrer Schwägerin, ,,...Mach dir keine Sorgen, Claire, für eure Hochzeit ist alles arrangiert…Ja, ich kann mir gut vorstellen, das du aufgeregt bist…"

Chris verdrehte amüsiert die Augen.

Er kam gerade vom Keller hoch, mit einem vollen Korb mit Holzscheiten, um in dem Kamin etwas nachzulegen. Und er stellte amüsiert fest, das seine Frau noch immer mit seiner Schwester am telefonieren war. Etwas, das beide gerne taten, stundenlang, wenn es sein musste und wovon er wusste, das Claire immer wieder einen neuen Punkt finden würde, um das Gespräch am laufen zu halten.

Jill sah derweil zu ihm, als er vorbei ging und schenkte ihm ein seichtes Grinsen. Er verstand und er wusste, das seine Schwester mit einem ihrer Notfallanrufe mal wieder mit den Nerven am Ende war. Im positiven Sinne.

Wer hätte gedacht, das Claires anstehende Hochzeit sie so aus der Fassung bringe konnte.

Aber Chris fand es gut.

Matthew McCarthy war ein guter Mann, moralisch einwandfrei und es war für Chris beruhigend zu wissen, das seine kleine Schwester fortan in guten Händen sein würde. Somit konnte er die teilweise, väterliche Rolle, die er für Claire nach dem Tod ihrer Eltern übernommen hatte, ablegen. Er konnte und würde jetzt nur noch voll und ganz ihr großer Bruder sein.

,,…Okay und ja, ja, natürlich bin ich wieder fitt mit morgen geht alles klar, du kannst mir Kathryn ruhig bringen…Okay, Claire…Bye…" zufrieden und lächelnd kappte Jill die Verbindung, blickte in die Augen von Chris der den Korb vor dem Kamin abgestellt und sich zu ihr umgedreht hatte.

Er kam auf sie zu und setzte sich neben sie: ,,Na? Was war es denn diesmal?" In den letzten Tagen war es immer Claire gewesen, die angerufen hatte.

,,Alles mögliche…" Jill lehnte sich gegen ihn, hob ihre Beine und legte diese neben sich ab, ,,…Ich habe deine Schwester noch nie so…"

,,…verrückt erlebt?" Chris lachte dabei.

Sie erwiderte das: ,,…Naja, verrückt war sie doch schon immer ein bisschen…Nein, ich meine…sie is so aufgeregt, ich kann mich nicht erinnern, das ich sie je so erlebt habe."
,,Ich freue mich für sie…" er legte einen Arm um seine Frau, ,,…Wirklich. Sie hat einen guten Mann, eine richtige Familie, das, was sie sich schon immer gewünscht hat…unsere Eltern wären stolz und zufrieden…Kaum zu glauben, dass sie schon übermorgen zum Altar marschiert."

Jill ließ ihre Hand auf seinen Oberschenkel gleiten: ,,Ja, die Zeit ist verdammt schnell vorbei gegangen…in den letzten Wochen." Es war bereits Anfang März und selbst Jills Erkrankung lag schon eine Woche zurück. Sie war seit ein paar Tagen wieder zuhause, ihr Fieber war zwar anfangs gestiegen doch mittlerweile war es weg. Überhaupt war es so gut wie überstanden, sie musste sich nur noch an den Rat ihres Arztes halten und sich fortan schonen.

,,…Sie hat sich ein ereignisreiches Datum ausgesucht." sprach Jill dann weiter, halb in Gedanken verloren.

Chris drehte den Kopf zu ihr, doch im selben Moment fiel es ihm ein. Sein Blick verlor sich in seinen Erinnerungen. Es würde der 09.03.2014 sein…

der neunte März…

,,…Fünf Jahre ist es her…" er erinnerte sich, ,,…Vor genau fünf Jahren war ich noch verbittert und damit beschäftigt mich um den Einsatz in Afrika zu kümmern."

,,Und ich…" Jill schluckte, überlegte, ,,…Vor fünf Jahren…war ich ohne Hoffnung auf Erlösung abkommandiert worden Irving nach Kijuju zu begleiten…Unglaublich, das deine Schwester sich den Jahrestag an dem Wesker in dem Vulkan besiegt worden war für ihre Hochzeit ausgesucht hat."

Chris nickte: ,,Ich glaube gar nicht, das sie das bemerkt hat…" Er war Claire jedenfalls nicht böse, nein, denn dieser trübe Tag, war genauso gut auch ein Tag an dem es was zu feiern gab, denn, ,,…an diesem Tag, hab ich dich wieder bekommen."

,,Das hast du schön gesagt…" Jill lächelte, schmiegte sich an ihn.

Er drückte sie sanft an sich, zog ihr Die Decke höher, packte ihren Bauch in diese wärmende Umgebung: ,,Und wie fühlst du dich?"

,,Unverändert seitdem du mich dass das letzte Mal heute Mittag gefragt hast…" sie lächelte, hob den Kopf und sah ihn an, ,,…Mach dir keine Sorgen, das schlimmste ist vorbei und…es geht mir gut, ich bin nur etwas müde, was natürlich eher an den ganzen Hochzeitsplanungen deiner Schwester liegt, aber das ist zum Glück vorbei. Die letzten Dinge sind erledigt und ich habe sogar etwas zum anziehen für uns beide."

,,Oh je, meinen Anzug nicht wahr? Wann hab ich den denn das letzte Mal an gehabt?…Passe ich da denn überhaupt noch rein? Ich weiß noch das der Kragen schon immer ein bisschen eng war…"

Triumphierend sah sie ihn an: ,,Deswegen wirst du ihn morgen anprobieren, sodass ich ihn notfalls noch ändern kann, obwohl ich nicht glaube, dass es sein muss…" sie tätschelte ihn auf den Bauch, ,,…Du siehst blendend aus, Mr. Redfield."

Chris grinste schelmisch, blickte ihr in die Augen: ,,Habe mich gut gehalten nicht wahr?" Er genoss es seine Frau in den Armen zu halten.

Zufrieden seufzte Jill und nickte kaum merklich. Sie sah ihm zu, als er sich vor beugte und ihr einen zärtlichen Kuss von den Lippen stahl.

,,Und? Auf was hast du jetzt noch Lust, Misses Redfield?…" wollte er dann wissen, ,,…Unser Sohn schläft schon, also können wir tun und lassen, was wir wollen."

,,Hm…" Jill zuckte mit den Schultern, ,,…keine Ahnung, es ist noch früh em…läuft irgendwas im Fernsehen? Wir haben uns schon lange keinen Film mehr zusammen angesehen."

Chris wollte nach der Fernbedienung greifen, als es plötzlich an der Haustür klingelte. Beide Redfields drehten den Kopf, ehe sie sich anblickten.

,,Erwartest du jemanden?…" wollte Jill wissen.

Er schüttelte den Kopf: ,,Nein, du?"

Sie verneinte ebenso und als Chris aufstehen wollte, um nachzusehen, da griff sie ihm an den Arm, hielt ihn auf dem Sofa: ,,Lass nur, ich gehe schon."
,,Sicher?" er sah zu, wie Jill sich und ihren großen schwangren Bauch von der Couch hievte.

,,Ja, ja…ich kann nicht immer nur die Schonhaltung einstellen, da rosten meine Beine völlig ein. Außerdem muss sowieso nachher noch aufs Klo…" sie grinste zu ihm.

Chris entgegnete das und ließ sie ziehen, während er selbst den Fernsehapparat einschaltete. Sofort wurde das gemütliche Wohnzimmer erhellt.

Er hatte die Lautstärke abgestellt und schaltete durch die Kanäle. Es dauerte ein Weilchen, bis er von draußen Stimmen vernahm und unweigerlich horchte. Viel verstehen konnte er nicht, doch seine Alarmglocken heulen innerlich auf, als er eine ihm vertraute, aber nicht geduldete Stimme hörte und Jill kurz darauf auch seinen Namen sagte.

,,…Nein, Carlos!…"

Noch ehe er das wirklich realisierte, war er bereits aufgesprungen und eilte hinaus auf den Flur…


,,…Was machst du denn hier, Carlos?…" Jill blickte perplex drein, kaum das sie die Haustür geöffnet hatte, sie sprach gedämpft, ,,…Verschwinde von hier, Chris ist zuhause…"

,,Dein Macker kann mich mal…" der ehemalige Söldner lallte mehr schlecht als recht und wollte eintreten, ,,…ischwerd…ihm schunzeigen…wenner mir dummkommmt…"

Sie streckte die Hand aus, presste sie gegen seine Brust und schüttelte den Kopf: ,,Bitte geh, das wird nur im Chaos enden!"

,,Isdoch egal…" er sprach wirr, ,,…Erst du, dann Becca…" dunkle Augen blickten in ihre, ,,…lass mischmal rein, Schilly, isch brauche dischdoch auch…" Ruckartig griff er ihren Arm, schob ihn von seiner Brust und trat ein.

,,Nein, Carlos!…" hauchte Jill erschrocken, versuchte ihren Arm zu befreien, ,,…Hey, lass mich los…" Und im Augenwinkel sah sie Bewegungen.

Chris näherte sich mit schnellen Schritten, krallte sich den ehemalige Söldner, befreite Jill von ihm und gab ihm einen so kräftigen Schubs, das Carlos nach hinten torkelte, die Treppen vor der Haustür hinunter stolperte und im Vorgartengras landete.

,,Was zur Hölle hast du hier zu suchen! Verschwinde, du Mistkerl!" fauchte Chris grollend, ehe er den Kopf zu Jill drehte.

Ihr Gesicht war eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Schock, schützend lag eine Hand an ihrem Bauch.

,,…Hat er dir was getan?" wollte Chris wissen.

Sie schüttelte nur den Kopf, konnte nicht begreifen was geschehen war, das sich ihr einstiger bester Freund wohl offensichtlich so betrunken hatte, das er kaum noch wusste, was er tat.

Carlos hatte Mühe wieder aufzustehen und das Gleichgewicht zu halten. ,,…Alles nurdeine Schuld…" ein murmeln verließ seine Lippen, er wäre beinahe wieder über seine eigenen Füße gestolpert, doch er fing sich noch im letzten Moment mit den Händen ab, war gleichzeitig dabei sich umzudrehen und sich zu entfernen, ,,…deine Schuld…"

,,Wir müssen ihm nach, er…" begann Jill und wollte an Chris vorbei, doch beherzt hielt er sie am Arm zurück und schüttelte den Kopf.

Fragend sah Jill zu ihm auf.

,,Lass ihn…" Chris sah dem ehemaligen Söldner nach, der den Bürgersteig erreicht hatte, ,,…er ist alt genug, um auf sich aufzupassen."

,,Was redest du da?…" Jill entzog sich ihm, ,,…Er ist betrunken, siehst du das nicht?"

,,Doch und daran ist er selbst schuld…" entgegnete Chris hart, ,,…Vielleicht hat Rebecca ihm jetzt endgültig den Laufpass gegeben."

,,Ich kann ihn doch nicht so ziellos umher stolpern lassen…" sie drückte sich an ihm vorbei, ging die Stufen hinab, ,,…Carlos!"

,,Lass ihn ziehen…" beharrte Chris, ,,…glaub mir, er muss sich selbst da durch beißen."

Jill seufzte genervt: ,,Ich weiß du magst ihn nicht und ich weiß auch, das wir momentan alles andere als befreundet sind, aber ich kann ihn nicht da draußen lassen."

,,Was willst du tun? Hier kommt er mir nicht rein!…Hast du vergessen, das er dich und die Zwillinge ins Krankenhaus gebracht hat?…Für den mach ich keinen Finger mehr krumm und du solltest das auch nicht tun!"

Jill nahm seine Worte durchaus zur Kenntnis, dennoch konnte sie nicht anders Handeln, sie drehte sich zu Chris um: ,,Gib mir das Telefon, ich rufe Rebecca an!" Sie steig die Stufen wieder hinauf ins Haus, das Chris sich nicht rührte, sie dabei nicht unterstützte, das verstand sie auch irgendwo…


Außer sich, kramte Rebecca ihren Haustürschlüssel aus ihrer Handtasche. ,,…Es tut mir ehrlich leid, Marc…"

,,Hey…" er legte ihr eine Hand an die Schulter, begleitete sie auch mit zur Tür, ,,…dafür kannst du doch nichts…"

Noch immer aufgeregt schüttelte Rebecca den Kopf, stecke den Schlüssel in die Tür: ,,Gott, das Ganze ist mir so peinlich…" allerdings war sie froh, das Carlos sich nach ihrer Zurechtweisung doch schweigend zurück gezogen hatte.

,,Muss es nicht. Er war betrunken…und er hat Dinge gesagt, die nicht der Wahrheit entsprachen…" Marc versuchte sie wieder aufzubauen. Natürlich hatte ihm auch nicht gefallen, wie der Abend verlaufen war, wollte er doch noch mehr Zeit mit Rebecca verbringen, doch er sah ein, das sie noch immer hin und her gerissen war.

Sie seufzte dann, als sie die Tür offen hatte und drehte sich noch ein letztes Mal zu dem Mann um: ,,…Danke, das du mich heim gefahren hast."

Er nickte, stellte dann eine Frage, die ihm vielleicht nicht zustand, aber er brannte darauf, denn für ihn war die Frau, die ihm vors Auto gelaufen war nicht irgendjemand, nein, er konnte sich ernsthaft vorstellen, dass daraus etwas mehr werden würde.

,,Sag mal, Rebecca…" begann der Brünette dann, ,,…Em…glaubst du, das wird wieder etwas zwischen euch beiden?"
Ihre Augen gingen zu Boden. Für gewöhnlich war es Jill oder Claire, mit denen sie solch ein Gespräch führte, doch da Marc jede Einzelheit kannte, mache es ihr nichts aus. Im Gegenteil.

Sie hatte einfach von Anfang an bei ihm das Gefühl, das da `mehr´ zwischen ihnen war und das sie mit ihm reden konnte. Über alles.

,,Ich will nicht den Abend noch mehr versauen oder gar unsere `Freundschaft´ aufs Spiel setzen, aber…" er blickte ihr in die Augen und nahm ihre Hand in seine, ,,…ich will ehrlich zu dir sein. Die vielen Male, die wir uns bereits getroffen haben…es…" er brauchte etwas, um es auszusprechen, ,,…em…Ich mag dich, Rebecca. Sehr."

Und genau da war es. Das wovor Rebecca sich gefürchtet hatte.

Er mochte sie?

Der Stein war schon ins Rollen geraten und irgendwo nahm sie es ihm nicht übel, denn wenn sie auch ehrlich zu sich selbst war, dann fühlte sie sich hingezogen zu ihm. Etwas war da, was beide verband.

,,Marc…" Rebecca blickte unsicher zu Boden, wusste nicht recht, was sie sagen sollte.

Er schluckte, hob einen Mundwinkel und nickte: ,,Schon okay…Du musst nichts sagen…Ich verstehe, das die Situation schwierig für dich ist und vielleicht liebt du deinen Ehemann ja noch, ich will auf keinem Fall das du etwas tust, was du nicht zu einhundert Prozent willst. Und du sollst wissen, das ich überhaupt nichts von dir erwarte, ich wollte einfach nur…naja, ich wollte nur das du es weißt."

Rebecca biss sich auf die Unterlippe.

Marc hatte etwas, was sie an Carlos schon lange vermisst hatte, er hörte ihr zu, es schien, als sei sie bei ihm das Einzige, was in seinem Mittelpunkt stand und dieses Gefühl vermiste sie bei Carlos, weil sie wusste, das er trotz allem was war Jill ganz tief drinnen immer noch nicht los gelassen hatte.

,,Ich weiß wirklich nicht, wie ich damit umgehen soll…" sie seufzte, hob den Kopf und blickte dem Mann in die Augen, ,,…zwischen Carlos und mir ist so viel kaputt gegangen und…seine Aktionen, die jüngste hast du selbst mitbekommen, machen das auch nicht besser…Ich weiß, ich sollte kein schlechtes Gewissen haben, das hat mir Claire zumindest gesagt, aber…" sie brauchte ebenfalls einige Sekunden, um es aus sich raus zu drücken, ,,…irgendwo habe ich es doch, weil…weil Carlos nicht ganz unrecht hatte. Ein Teil von mir mag dich auch sehr, Marc…ich kann dir nur nicht sagen, wo das hinführt."
Trotz der eher wagen Antwort keimte ein Lächeln in seinem Gesicht auf. Es freute ihn, das sie ihn mochte, es war ja auch wirklich offensichtlich.

,,Wie gesagt, ich erwarte nichts…" entgegnete er dann, ,,…Mach dir deine Gedanken und…dann wirst du wissen, was du willst."

Sie nickte, war ihm dankbar für sein Verständnis.

,,So…" Marc blickte kurz nach hinten und rieb sich dann die Hände, es war schon richtig dunkel, ,,…Wird allmählich kühl, ich sollte dann mal verschwinden…Ist es okay, wenn wir wieder mal was unternehmen?"

Rebecca schnürte sich die Luft ab, doch was sollte sie tun?

Ihr Kopf sagte nein, doch ihr Herz sagte ja und ehe sie etwas entgegnen konnte, nickte sie schon.

Wieder lächelte er.

Er hatte ein schönes Lächeln.

,,Okay…"

Rebecca sah ihm zu, wie er gehen wollte und irgendwie war ihr danach ihn nicht gehen zu lassen. Irgendetwas in ihr drängte sie dazu ihn aufzuhalten, denn sie hatte die Berührung ihrer beider Hände genossen, überhaupt war da etwas in ihr, ein Gefühl, das sie buchstäblich zwang sich ihm zu nähern. Sie wollte seine Arme um sich spüren…

,,…Marc, warte…" Rebecca kam die zwei Schritte auf ihn zu, als er sich wieder zu ihr drehte und nahm seine Hände in ihre. Sie schüttelte nur seich den Kopf, als sie ihm tief in die Augen blickte: ,,Geh nicht…"

Und kaum merklich hob sich erneut einer seiner Mundwinkel. Das sie nicht wollte das er ging, freute ihn sichtlich und das Nächste was er tat, tat er nur einige, stille Sekunden später, ohne es überhaupt zu bemerkten.

Ein Kuss…

Zuerst erstarrt, doch in Bruchteilen von Sekunden schmolz ihr innerstes dahin. Sie schloss die Augen, genau wie er.

Rebecca wurde wohlig warm, sie mochte dieses Gefühl, sie mochte auch seine Arme, die sich sanft um sie legten. Sie mochte seinen Körper, der sich ihrem näherte, oder war es ihrer, der sich an seinen schmiege?

`Gott, was tue ich da? Ich bin verheiratet!´…`Aber er küsst so gut´…`Verdammt ich glaube, ich…ich…´

Sie schlug die wieder Augen auf, drückte sich im selben Moment von ihm und hielt seinem Blick stand.

Marc blieb einfach nur stumm stehen, er hatte sie wohl nicht überrumpeln wollen, doch es war so über ihn gekommen. Gehen, das war es, was er jetzt sollte, bevor noch etwas passierte…

,,Becca, ich…"

Wieder schüttelte sie den Kopf, brachte ihn so zum schweigen und griff seine Handgelenke. Langsam zog sie ihn zu sich, mit sich, hinein in ihr Haus.

Perplex folgte er ihr, gefesselt und gebannt von ihrem Blick, ihren schönen braunen Augen und kaum waren sie drin, kaum hatte Rebecca die Tür mit ihrem Fuß zugedrückt, drehte sie sich zu ihm um, streckte sich hoch zu ihm und sie begann erneut sich zu küssen.

Zu umarmen und ganz langsam dann, dirigierte sie ihn zu ihrem Schlafzimmer…