Ludicrous Smile
Kapitel 35
Bis zum nächsten Morgen, als der Professor im Bad verschwand, hatte sich keine Gelegenheit für Hermine ergeben, eine Nachricht an ihre Freunde zu schicken, um ihnen mitzuteilen, dass mit ihr alles in Ordnung war und sie vorhatte, noch eine Weile mit Snape zusammen in seinem Haus zu verbringen. Was der davon hielt, war zwar noch nicht geklärt, doch sie war sich sicher, dass sich das bei der derzeitigen Lage, die im Moment zwischen ihnen vorherrschte, zu ihren Gunsten fügen würde.
Harry und Ron reagierten überrascht, als sie von ihren Absichten erfuhren, doch Hermine fasste sich kurz. Sie wollte den trügerischen Frieden mit Snape nicht dadurch gefährden, dass ihre Freunde wieder einmal vollkommen überzogen und krank vor Sorge gegen ihn wettern konnten.
Als Snape schließlich, immer noch nackt, aus dem Bad zurückkam, verstaute sie ihre Münze in dem Anhänger um ihrem Hals und setzte ein unschuldiges Gesicht auf. Zweifelsohne hatte er etwas gesehen, das ihn skeptisch machte, ließ sich aber nichts weiter anmerken und fragte auch nicht danach, während er zum Schrank ging und frische Kleidung herausholte. Bewundernd sah sie ihm dabei zu. Sie hatte sich bereits in Hogwarts dabei ertappt, dass sie es mochte, ihn zu beobachten.
„Fühlst du dich gut?", sagte er plötzlich ohne sein Vorhaben zu unterbrechen.
„Ja. Warum?"
„Weiß nicht, war nur eine Frage."
„Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?"
Er zuckte mit dem Rücken zu ihr gewandt mit den Schultern.
„Du bist schwanger, Hermine. Ich … ich hab nur gefragt."
Ihre Blicke glitten wie zufällig seinen hageren Körper hinab und stellten dabei fest, dass er noch dünner wirkte als vor ihrer Trennung. Vielleicht bildete sie es sich aber auch nur ein.
„Soll das heißen, du findest mich fett?"
„Nein. Du bist nicht fett", sagte er für seine Verhältnisse außerordentlich sanft. „Genau genommen ist dir äußerlich gar nichts anzumerken."
Wenig beeindruckt von diesem Umstand schnaubte sie.
„Noch nicht. Aber das kommt bald, du wirst schon sehen."
Endlich drehte er sich zu ihr um und rollte mit den Augen. Hermine gefiel das gar nicht.
„Wieso guckst du so, Severus? Dachtest du, es würde mich stören, mit dir zu schlafen, weil ich schwanger bin?"
„Nicht direkt ..."
„Dann hat es dich gestört?"
„Nein. Wieso fragst du das?"
„Weil es mich nervös macht, wenn du mir nicht sagst, was in dir vorgeht. Und weil ich, anders als du, die Dinge nicht gern ungeklärt stehenlasse. Du hast damit angefangen, wenn ich dich daran erinnern darf."
„Ich weiß", entgegnete er wie beiläufig.
Hermine traut ihren Ohren kaum. Es machte sie wahnsinnig, wenn er sich so verhielt.
„Hast du etwa ein schlechtes Gewissen, weil wir miteinander geschlafen haben?"
Sofort rollte er defensiv die Mundwinkel zurück, als hätte er genug davon, darüber zu reden.
„Belassen wir es dabei, Hermine. Du fühlst dich gut, das ist alles, was ich wissen wollte, okay?"
Sie warf ihm einen finsteren Blick zu.
„Ich fühle mich gut, seit ich mich nicht mehr jeden Morgen übergeben muss. So sieht das aus."
„Etwas in der Art hast du schon einmal erwähnt", sagte er mit einem süffisanten Lächeln auf den dünnen Lippen.
„Ja", sagte sie und verschränkte dabei steif die Arme vor der Brust. „Und ich werde es vermutlich noch öfter tun, wenn du nicht aufhörst, mich so auf die Folter zu spannen."
„Tue ich das denn?"
„Ja."
Er schüttelte den Kopf und beachtete sie nicht weiter. Anders Hermine. Interessiert setzte sie sich auf und beobachtete ihn dabei, wie er sich in seine Sachen schälte.
"Wie spät ist es eigentlich?"
"Kurz vor sechs."
Irritiert legte sie den Kopf schief.
"Warum bist du dann schon auf? Hast du wieder im Labor zu tun?"
"Nein. Vorerst bin ich fertig damit."
"Dann komm wieder ins Bett. Es sind Ferien, Severus."
Er knöpfte seelenruhig sein Hemd zu und kam dann näher, um sich zu ihr ans Bett zu setzen. Seufzend legte er den Arm um sie und Hermine schmiegte sich an ihn.
"Das heißt nicht, dass ich deswegen keine Verpflichtungen habe. Ich sollte mich besser beim Frühstück blicken lassen, wenn ich mich nicht verdächtig machen will."
"Dann mach das."
Er sah sie mit gerunzelter Stirn an.
"Und was mache ich mit dir?"
Hermine reckte den Kopf und lugte verschmitzt zu ihm hoch.
"Na, ich werde hier bleiben und auf dich warten."
Er brummte.
"Das könnte dir so passen."
Hermine schien auf einmal hellwach zu sein. Begeistert von der Vorstellung, tatsächlich hier bleiben zu können, grinste sie ihn an.
"Komm schon! Was spricht dagegen? Du hast doch nicht vor, mich in das Zelt zurückzuschicken, oder?"
Obwohl sie sich bemühte, ihn ihre Enttäuschung spüren zu lassen, die mit dem Gedanken einherging, dass er sie zurückweisen könnte, blieben seine Züge hart und unleserlich.
"Du willst also tatsächlich hierbleiben?", fragte er kühl und stand auf, um in seinen Frack zu schlüpfen.
Sie nickte.
"Warum, Hermine?"
"Das hatten wir doch schon", sagte sie gelangweilt.
"Dann sag mir den Grund."
Verunsichert durch den auffordernden Blick in seinen Augen blinzelte sie ihn an. Irgendwie behagte ihr sein eigenartiges Gebaren überhaupt nicht.
"Was ist mit dir los, Severus? Traust du mir etwa nicht? Ehrlich gesagt, das hätte ich nicht erwartet, denn wenn hier jemand einen Grund hätte, misstrauisch zu sein, dann bin das wohl ich."
Snape kniff die Brauen zusammen.
"Das hat damit gar nichts zu tun. Ich möchte jedenfalls unter gar keinen Umständen, dass du deine Freunde in dieses Haus lässt."
Hermine sperrte verschreckt die Augen auf. Darum ging es also. Konnte es wirklich so einfach sein?
"Was? Denkst du, das weiß ich nicht? Ich würde das niemals ohne deine Erlaubnis tun, bitte glaub mir."
Er sah sie an und Hermine entging dabei nicht, wie ernst es ihm war. Seine Augen waren unheimlich dunkel und glitzerten bedrohlich wie eh und je.
"Gut. Bleib von mir aus hier", entgegnete er matt. "Aber ich warne dich. Sollte ich merken, dass du hinter meinem Rücken etwas planst, um mich in Schwierigkeiten zu bringen oder mich bloßzustellen, kann ich für nichts garantieren."
Er wandte sich von ihr ab, angelte nach seinen Schuhen und schlüpfte hinein. Bedröppelt sah sie ihm dabei zu. Was sollte sie tun? Einfach wieder davonlaufen, wenn es kompliziert wurde, wie sie es zuletzt gemacht hatte? War es das, was sie wollte? Sie hatte von Anfang an gewusst, dass er ein schwieriger Mensch war. Das würde sich auch niemals ändern.
Hermine stand auf und legte von hinten die Arme um seinen Rumpf. Er versteifte sich und widmete sich weiterhin seinen Schuhen, doch Hermine ließ nicht locker und bettete ihren Kopf auf seinen Rücken, um seinem Atem zu lauschen.
Als er fertig war, richtete er sich auf, nahm sie bei den Armen und zog sie zu sich an die Brust.
"Ich muss gehen, Hermine", sagte er schlicht. "Wir reden später darüber."
Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, schon war er auf dem Weg zur Tür.
Hermine nickte und folgte ihm mit traurigem Blick.
"Ich hatte nie die Absicht, dich bloßzustellen, Severus", sagte sie sanft, obwohl sie wusste, dass er es vermutlich nicht mehr hören konnte.
Hermine musste sich eingestehen, dass sie bisher nicht viel Zeit darauf verschwendet hatte, sich darüber Gedanken zu machen, wie es für ihn sein musste, sie in seinem Haus zu haben. Dafür war einfach alles zu schnell gegangen.
Obwohl sie ihr Wort nicht brechen wollte und keineswegs herumschnüffeln würde, fand sie die Vorstellung davon, sich dort aufzuhalten, wo er aufgewachsen war, faszinierend und vielleicht sogar ein wenig erotisch. Vermutlich hing es damit zusammen, dass er immer sehr verschlossen gewesen war und sie im Stillen darauf brannte, mehr über ihn in Erfahrung zu bringen, was keineswegs einfach war, wenn sie ihn nicht mit ihrer Neugierde überfallen wollte. Außerdem war er um einiges älter als sie und hatte Dinge erlebt, die sie sich nicht einmal richtig vorstellen konnte, geschweige denn wollte. Dieser Teil seines Lebens machte sie traurig, trug aber auch dazu bei, dass sie nicht bereit war, sich so einfach abwimmeln zu lassen, ganz egal, wie sehr er es verabscheute, bemitleidet zu werden.
Gleich nachdem er nach Hogwarts disappariert war, ging sie ins Bad, um eine schöne warme Dusche zu nehmen. Ans Schlafen war ohnehin nicht mehr zu denken, denn dazu war sie viel zu aufgewühlt.
Schon als sie das Badezimmer betrat, schlug ihr der Duft seines Rasierwassers entgegen. Sie hatte ganz vergessen, wie sehr sie sich während ihrer gemeinsamen Zeit in Hogwarts daran gewöhnt hatte. Ganz gleich wo, alles in ihrer Umgebung roch nach ihm, genauso wie sie es mochte. Sogar die gewaschenen Handtücher im Schrank hatten etwas an sich, das sie an ihn erinnerte.
Nachdem sie sich angezogen hatte, machte sie pflichtbewusst das Bett und ging hinunter in die Küche. Wie im übrigen Teil des Hauses war auch hier der Zahn der Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Niemand schien sich je sonderlich für die Einrichtung interessiert zu haben, nichts passte ins Konzept. Die Küchenschränke waren teilweise windschief angebracht und irgendwann einmal eilig mit brauner Farbe übermalt worden. Die meisten wiesen unverkennbar Spuren liebloser Behandlung auf. Einige der Türen hatten abgeschlagene Kanten, von denen die Farbe abblätterte und ein hässliches Gelb darunter zum Vorschein kam.
Bereits nach dem ersten Rundumblick fragte Hermine sich, warum er nicht einfach mal den Zauberstab verwendet hatte, um dem Raum etwas mehr Gemütlichkeit zu verleihen, anstatt alles so zu belassen, wie es war. Anders als im Fuchsbau gab es nicht die geringste Spur magischer Gerätschaften oder sonstiger Gegenstände, die darauf verwiesen hätten, dass hier ein Zauberer lebte. Dann kam ihr wieder in den Sinn, dass es ihm wohl einfach gleichgültig war, weil er sowieso nie zuhause war.
Auf dem Tisch lag wie zur Untermauerung des Ganzen die neueste Ausgabe des Tagespropheten, in die Hermine sich bei einer Tasse Tee und ein paar Keksen vertiefte. Wie erwartet waren die Nachrichten alles andere als gut. Es wurde Zeit für mehr als nur eine Veränderung.
xxx
Snape hatte nicht vorgehabt, Hermine zu erzählen, warum er wirklich ins Schloss zurück musste. Die Anspannung vor der nächsten Begegnung mit seinem Herrn war zu groß, als dass er es länger in ihrer Gegenwart ausgehalten hätte. Noch dazu, wo er ihn heute Abend vor den Toren von Hogwarts erwartete.
Den ganzen Tag über versuchte er vergeblich, die Ereignisse der letzten Nacht aus dem Kopf zu verbannen, die ihn unweigerlich immer wieder an die schwangere Hexe erinnerten, die sich nun bei ihm zuhause eingenistet hatte.
Er wusste, dass er damit aufhören sollte, ihr oder gar sich selbst Hoffnungen zu machen, heil aus diesem Krieg herauszukommen. Was ihr und dem Kind bevorstand, rechtfertigte durchaus, dass er sich Sorgen machte. Doch er konnte nicht anders. Er sehnte sich danach, bei ihr zu sein. Langsam war sie dabei, etwas in ihm zu erwärmen, was er schier für unmöglich gehalten hatte.
Zur vereinbarten Zeit, als es längst dämmerte, machte er sich auf, den Auftrag auszuführen. Alle waren auf ihren Posten, genau da, wo er sie haben wollte, nur nicht in seiner Nähe, denn dafür gab es in Hogwarts nicht länger Platz. Sentimentalitäten von Minerva waren ihm ebenso zuwider wie die der anderen Lehrkörper. Sie wussten nichts. Es war besser so, ungefährlicher für ihn. Obwohl sich ohnehin niemand mehr die Mühe machte, sich mit ihm zu unterhalten. Nicht seit Dumbledores Tod jedenfalls. Niemand von der gesamten Belegschaft wagte es länger, sich seinen Anordnungen zu widersetzen. Dafür hatten die Carrows gesorgt. Dennoch war das Schloss gut gegen Eindringlinge gesichert und so sollte es auch bleiben. Er allein konnte die Zauber lösen, die es beschützten. Niemand sonst musste etwas von dem erfahren, was er vorhatte. Niemand sollte wissen, dass der Dunkle Lord auf dem Weg hierher war.
Snape ging langen Schrittes den Weg entlang, der ihn zum Tor führte. Sein Umhang bauschte sich hinter ihm, der Wind schlug ihm ins Gesicht. Er trug eine Lampe bei sich, in der eine helle Flamme brannte. Sie leuchtete ihm verlässlich in der immer dunkler werdenden Umgebung den Weg.
Als er seinen Herrn hinter den Torflügeln stehen sah, überkam ihn nichts als Hass. Er hasste ihn so sehr, wie man nur etwas hassen konnte. Lord Voldemort hatte ihm genommen, was ihm am allermeisten auf dieser Welt etwas bedeutet hatte: Lily. Zwar hatte es niemals die geringsten Aussichten gegeben, dass sie und er ein Paar geworden wären, dennoch hatte er immer an ihr festgehalten. Und auch dann, wenn er wusste, dass sie die Freundschaft zu ihm nicht so ernst genommen hatte, wie er das getan hatte, wünschte er sich, er hätte sein Leben anders gelebt, um sie nicht für immer zu verlieren. Nicht an Potter, nicht an den Tod.
Mit der anderen Hand, die, die seinen Zauberstab hielt, zielte er auf das von den geflügelten Ebern gesäumte Tor und murmelte tonlos einige Beschwörungen, bis sich die Schutzzauber, die er darüber gelegt hatte, lösten. Genauso hatte er es bei Hermine gemacht, als sie vorgehabt hatte, ihn zu verlassen. Und auch bei Potter, als der in das Schloss hineinwollte. Der einzige Unterschied zwischen den Begegnungen war nur der, dass er sich diesmal nicht zu verstecken brauchte.
„Ah, Severusss", zischte Voldemort.
„Mein Lord."
Snape verneigte sich ehrfurchtsvoll. Niemand hatte je gemerkt, wie sehr er es verabscheute, das zu tun. Nicht einmal der Dunkle Lord selbst.
Innerlich angespannt beobachtete er aus den Augenwinkeln, wie die tödliche Schlange zu den nackten Füßen Voldemorts ihre Kreise zog. Im Laufe der Jahre war es immer wieder vorgekommen, dass sie in seinem Beisein den ein oder anderen Menschen gebissen hatte, bis dieser qualvoll an den tödlichen Verletzungen gestorben war.
Snape verdrängte den Gedanken wieder. Nicht jetzt, ermahnte er sich selbst. Wenn es eines Tages ihn erwischen sollte, dann nicht so. Nicht auf diese Art.
Erst jetzt, als Voldemort durch das Tor glitt, befahl er Nagini wieder zu sich, bis sie sich um seine Schultern geschlängelt hatte, damit sie gemeinsam und eng miteinander verbunden ihren Weg fortsetzen konnten.
Das Tor schloss sich hinter ihnen und Snape legte die üblichen Zauber darüber, die es jedem Eindringling unmöglich machten, die Schlossgründe zu betreten. Gemeinsam mit Snape an seiner Seite setzte Voldemort den Weg fort.
„Lass mich jetzt allein, Severus", sagte die kalte Stimme, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte, als sie ein Stück des Weges hinter sich gebracht hatten. „Geh zurück zum Schloss und warte dort auf mich."
Snape verbeugte sich und tat wie ihm geheißen. Die Lampe in seiner Hand erzitterte leicht bei dem Gedanken, ihm den Rücken zuzudrehen. Doch auch jetzt merkte wie üblich niemand etwas. Nicht einmal die einsame Gestalt des Dunklen Lords, der ihm nachblickte, bis er nicht mehr zu sehen war.
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Etwas später am Abend, als er endlich nach Hause kam, war er alles andere als gut gelaunt. Dumbledores Grab hatte der Lord aufgebrochen. Es war zerstört. Warum das so war, konnte er nicht wissen, auch der alte Mann in seinem Bilderrahmen hatte nichts weiter dazu erwähnt. Vermutlich war es besser so. Er konnte es ohnehin nicht ändern, der Zauberstab war fort. Gestohlen.
Vollkommen unerwartet apparierte er wie ein brausender Wirbelsturm mitten ins Wohnzimmer und Hermine, die nichtsahnend auf dem Sofa gesessen hatte, fiel vor Schreck das Buch aus der Hand, mit dem sie es sich gemütlich gemacht hatte.
"Gott, Severus! Musst du so hier rein platzen?"
Er beachtete sie kaum und nahm leise und unverständlich vor sich hin murmelnd den Umhang von den Schultern, den er achtlos über die Lehne des Sessels warf. Dann kam er auf sie zu und machte Anstalten sich neben sie zu setzen. Hermine nahm gerade noch rechtzeitig die Füße vom Polster, schon sank er darauf nieder.
"Ich bin nicht in Stimmung für eine Debatte darüber, wie ich mein Haus betrete, Hermine", murrte er fahrig und streifte mit den Füßen die Schuhe ab.
Sie zuckte die Achseln. Was hatte sie anders zu erwarten gehabt? Er hatte Recht, es war sein Haus.
"Okay. Aber denk wenigstens an die Umstände, in denen ich mich befinde, wenn du nicht willst, dass ich an einem Herzanfall sterbe."
Erst jetzt sah er sie zum ersten Mal überhaupt seit seiner Ankunft richtig an und etliche tiefe Sorgenfalten lagen dabei auf seinem Gesicht. Abwesend wippte er mit dem Kopf.
"Entschuldige. Es – es war nicht so gemeint."
Für einige Sekunden starrte sie ihn fragend an und der anfängliche Ärger in ihrem Inneren verebbte dabei. Instinktiv spürte sie, dass es ihm ernst war, denn bis vor Kurzem hätte er sich nicht damit befasst, ob er sie durch seine Handlungen und Worte verletzte oder nicht. Sie wusste, dass er zu lange alleine gelebt hatte und es ihm schwer fiel, aus seiner Haut herauszukommen. Besänftigend nahm sie ihre Hand und legte sie auf seine.
"Was ist passiert, Severus?"
Er lächelte schmählich.
"Ich habe einen harten Tag hinter mir. Nichts weiter."
Hermine schnaubte säuerlich.
„Das dachte ich mir. Und um ehrlich zu sein, überrascht es mich nicht. Aber trotz allem solltest du dir angewöhnen, deinen Frust nicht an anderen auszulassen."
Snape sah sie lange an und legte dann den Arm um sie.
„Du hast Recht. Aber so bin ich nun mal. Es gibt keine Entschuldigung dafür."
Er ließ sich zurückfallen und zog sie mit sich auf das Sofa nieder. Ohne zu protestieren schmiegte Hermine sich an seine Seite und bettete den Kopf an seine Schulter.
„Willst du mir nicht sagen, was passiert ist?", fragte sie vorsichtig. „Du siehst ziemlich fertig aus."
Umgehend versteifte er sich.
„Das ist nicht wichtig", sagte er unvermittelt.
Sie biss sich auf die Lippe und fing unbewusst an, mit den Fingern über die Knöpfe auf seiner Brust zu streichen.
„Was ist nicht wichtig? Wie du dich fühlst?"
Anstatt zu antworten nahm er seine Hand und umfasste damit ihre Wange, bis sie ihn ungebrochen ansah. Seine schwarzen Augen bohrten sich tief und innig in ihre.
Hermine spürte, dass er ihren Versuchen, ihn zur Rede zu stellen, ausweichen wollte, doch mit einem Mal war es ihr egal. Sie wusste, dass sie ihn viel zu sehr brauchte, um den Ärger oder die Enttäuschung siegen zu lassen, die sein Verhalten mit sich brachte. Sie wollte nicht länger mit ihm streiten und wollte auch sonst an nichts Unangenehmes denken. Im Gegenteil, sie wollte ihn für sich haben und die gemeinsame Zeit mit ihm mit allen Sinnen auskosten.
Sehnsüchtig reckte sie den Hals und drückte ihre Lippen auf seinen Mund. Ein kehliger Seufzer entfuhr ihm, als sie ihn dort berührte. Er schloss die Augen und ließ es geschehen.
Es war ein derart inniger Moment, dass sie darüber hinaus alles andere vergaß. Ihre Zunge schoss hervor und drängte gegen seine Lippen. Begierig ließ er sie ein und küsste sie.
Hermine zögerte nicht länger. Zutiefst angeregt durch seine Erwiderung rollte sie sich auf ihn und war erleichtert, dass er ihrem Vorhaben entgegenkam.
Als er daraufhin anfing, den Kuss zu intensivieren, nahm er seine Hände zu Hilfe und drückte sie an sich. Sie spürte sie überall, zuerst auf ihren Armen und ihrem Rücken, dann glitten wie weiter zu ihren Hüften und ihrem Po. Nur zu deutlich nahm sie dabei seine Erregung wahr, die sich ihr bei jeder seiner Bewegungen entgegen reckte. Ungeduldig fing er an, ihren Pullover nach oben zu befördern. Dann fuhr er ihr unters T-Shirt und liebkoste mit den Fingern ihre bloße Haut.
Nicht lange darauf bäumte Hermine sich auf und half ihm, ihren Unterleib aus ihren Sachen zu befreien. Das brennende Verlangen, im Beisein des jeweils anderen seine Sorgen zu vergessen, war bei beiden nach wie vor ungebrochen. Auch dann, wenn keiner von ihnen wusste, wie es weitergehen würde.
Nachdem sie sich mehr schlecht als recht aus ihren Sachen befreit hatten, setze sie sich mit ihrem nackten Unterleib auf seinen harten Penis, sodass er mühelos in sie eindringen konnte.
Snape stöhnte leise auf und Hermine fing an, sich langsam auf ihm zu bewegen, während er sich lüstern unter ihr wand. Es hatte etwas zutiefst Erotisches, ihn so zu spüren. Sie konnte ihn bis an den Rand des Wahnsinns reizen, sich ihm wieder entziehen und sich dabei ganz auf sich selbst konzentrieren. Am Ende wurde sie schneller und näherte sich noch vor ihm dem Höhepunkt. Es war das erste Mal gewesen, dass sie derart die Oberhand gehabt hatte, und Hermine genoss es in vollen Zügen.
„Und? Sagst du mir jetzt, was passiert ist?", fragte sie, als sie im Anschluss wieder in seinen Armen lag.
Snape sah sie eindringlich an. Seine Finger strichen sanft über ihren Bauch. Über ihren entblößten Körpern hatte er seinen schwarzen Umhang ausgebreitet.
„Er war im Schloss, Hermine", sagte er mit belegter Stimme. „Er hat das Grab von Albus zerstört und seinen Zauberstab an sich genommen. Einfach so. Eigenartig, nicht wahr?"
Hermine fiel vor Entsetzen die Kinnlade hinunter. Natürlich hatte sie angefangen, die Dinge rund um Dumbledore in einem anderen Licht zu sehen, seit sie wusste, dass er im Hintergrund noch immer die Fäden zog. Dennoch war es ein schwerer Schlag für sie, sich vorzustellen, dass Voldemort eiskalt über seinen Leichnam hinweg gestiegen war, um sich seinen Zauberstab zu holen.
„Er hat was? Was will er denn damit?"
Noch ehe sie ausgesprochen hatte, wurde ihr bewusst, dass die Sache keinesfalls so harmlos war, wie man vielleicht hätte glauben können.
„Es spielt keine Rolle", sagte er. „Wir können es ohnehin nicht ändern."
Ungläubig schüttelte sie den Kopf.
„Das denke ich nicht. Er muss irgendetwas vorhaben. Mir gefällt das ganz und gar nicht."
„Offengestanden hätte es mich auch gewundert, wenn es anders wäre", murmelte er zynisch.
„Das ist mein voller Ernst, Severus. Ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken ... Würde es dir denn etwas ausmachen, wenn ich Harry davon erzähle?"
Er seufzte tief und langanhaltend.
„Ich hatte erwartet, dass du das tun würdest. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass mir die Vorstellung zusagt."
„Darum geht es auch gar nicht", sagte Hermine entschieden. „Ich denke, dass es wichtig ist, wenn er davon erfährt. Aber nur, wenn du nichts dagegen hast. Ich möchte nicht, dass wir wegen so etwas zu streiten anfangen, Severus."
„Das wird sich über kurz oder lang nicht vermeiden lassen, Hermine, denkst du nicht?"
„Trotzdem."
„Meinetwegen", lenkte er träge ein und gähnte dabei hinter vorgehaltener Hand. „Vielleicht kann er mehr damit anfangen als ich."
