Kapitel 37: Harrys Vertrauen
Draco lag derweilen in seinem Bett, wie immer: längs, Arme unter dem Kopf verschränkt und starrer Blick gegen die Decke.
Er konnte einfach nichts mehr aufnehmen, zu viel war in zu kurzer Zeit passiert, doch er wusste, dass er im Falle Harry immer noch Platz für etwas lassen musste und irgendwie, während sein Magen wieder zu kribbeln begann, spürte er, dass heute noch etwas passieren würde, etwas Bedeutendes.
Er glaubte nicht wirklich daran, dass Harry die letzte Abfuhr ernst gemeint haben konnte.
Und gerade als er an diesen bestimmten Gryffindor dachte, trat dieser durch den sich vorher selbst aufschiebenden Durchgang, schielte kurz zu Draco herüber, bevor er sich seufzend auf sein Bett sinken ließ und sich seine Schuhe auszog, da seine Füße von dem langen Tag bereits schmerzten.
Draco wandte seinen Blick von dem obersten Teil des Zimmers nicht ab, er hatte sich vorgenommen zu warten und somit würde er dieses Mal nicht den Anfang machen, nicht mehr.
Harry senkte seinen Kopf eine Weile, bevor er wieder aufblickte und dabei immer noch keine Bewegungsänderung des Slytherins feststellen konnte.
„Draco?", er sprach den Vornamen leise und bedacht, geradezu vorsichtig aus.
„Mh?", erwiderte der Blonde, war innerlich durchaus zufrieden über Harrys Anfang, ließ sich dies aber nicht anmerken.
„Du sagst gar nichts dazu, dass ich dich beim Vornamen genannt habe?", fragte Harry verwundert.
Draco zuckte als Antwort mit seinen Schulterblättern.
„Ähm...und was sagst du zu der Sache mit Apus?", fragte Harry schließlich unsicher.
Draco verdrehte innerlich die Augen, konnten sie denn nicht über etwas anderes, eine ganz bestimmte Sache reden?
„Denke genau so über ihn wie vorher...", sagte Draco kühl und regte sich noch immer nicht, schien wie versteinert zu sein.
„Und was ist jetzt mit Blaise?"
„Nichts anderes als gestern Abend..."
Nun war Harry es, der seine Augen genervt auf Grund der nicht viel sagenden Antworten verdrehte.
„Draco...wegen gestern, ich meine...heute Morgen...", begann Harry nun leise und senkte seinen Kopf wieder.
Endlich bewegte sich der Slytherin, neigte seinen Kopf, hob eine Augenbraue und blickte Harry an: „Ja?"
„Es ist...nicht so...", stotterte Harry weiter und schien seinen Kopf noch weiter senken zu wollen.
Da Harry gerade nicht aufblickte, lächelte Draco kurz, indem er einen seiner Mundwinkel hochzog, dann aber wieder ernst zu sein versuchte.
„Weißt du...es ist nicht so einfach...es ist ja nicht, dass ich dich nicht mag oder so...", stammelte er unsicher.
„Der Fußboden scheint spannend zu sein!", erneut grinste Draco, was eine Mischung aus mehreren Emotionen war.
Harry schluckte stark, bevor er zögerlich und etwas ängstlich aufblickte, statt rot zu sein aber eher etwas blasser um die Nase herum war.
Draco legte seine Stirn in Falten: „Alles klar mit dir?", fragte er mit einem kleinen Unterton Besorgnis.
Harry nickte nur: „Ich habe nur noch nie darüber geredet...wollte es eigentlich auch nie...aber ich dachte mir, du brauchst eine Erklärung...ich kann ja nicht ewig ohne ein Wort wegrennen."
„Harry ehrlich...", er merkte nicht, dass sogar er sein Gegenüber nun beim Vornamen nannte, „Du musst nicht..."
Doch er wurde von dem leicht zitternden Gryffindor unterbrochen: „Ich weiß schon, was ich tu...danke..."
Draco blickte ihn etwas abwertend und skeptisch an, während er auf Harrys Beginn wartete.
„Ich will ja gar nicht viel erzählen, nur dass, was gerade wichtig ist...", fuhr er leise fort, woraufhin sich Dracos Gesichtszüge wieder etwas normalisierten.
„Der Kuss...", er schluckte und nun bildete sich doch ein leichter rötlicher Schimmer, während er kurz verlegen lächelnd wegblickte, bevor er Draco wieder direkt ansah, „...war wirklich schön."
Dracos Augen weiteten sich und er wollte gerade etwas erwidern, als Harry schon weiter machte.
„Ich habe wie gesagt...einfach nur Angst...und du ja auch...um deine Mutter...ich habe Angst vor deinen Berührungen...", erneut senkte er den Kopf, konnte Dracos Blick nicht länger standhalten.
„Harry...hör' auf...wirklich...du musst das nicht...", Draco fühlte sich einerseits peinlich berührt, sorgte sich andererseits um den Gryffindor, wollte ihn zu nicht drängen, auch wenn er sich dabei nicht mehr wie er selbst vorkam.
Harry ließ sich jedoch nicht aus der Fassung bringen; wenn er das nicht schon längst war: „Ich habe nicht...also...es liegt nicht an dir...nur etwas..."
Draco sah ihn leicht gerührt auf Grund Harrys geschenktem Vertrauen und dem Widerspruch in sich an, bevor er wieder ernst wurde, wie es für ihn üblich war.
„Wir waren immerhin immer Feinde...ich vertraue dir jetzt...aber das mit Blaise hat mich auch getroffen..."
„In wie fern?", Draco konnte ein Grinsen auch nicht im Fall des Ernstes zurückhalten.
„Das weißt du genau...", erwiderte Harry leise und pulte nun an seinen Fingernägeln, „...du bist ein Junge...in der Muggelwelt gehen die ganz anders mit so was um..."
„Ich sag ja, Muggel sind merkwürdig...", das letzte Wort sprach er gezwungen aus, gerade so, als müsse er sich zusammenreißen nichts Schlimmeres zu sagen.
Harry sah kurz lächelnd auf und schüttelte nur ungläubig den Kopf. Draco würde sich einfach nie ändern, nicht in dieser Hinsicht.
„Aber selbst das ist mir eigentlich egal...", stotterte Harry und wurde plötzlich so leise, dass Draco große Mühe hatte ihn noch zu verstehen, „...ich habe schlimme Dinge durchgemacht...Dinge, die mich erschrecken, wenn du mich berührst...verstehe mich nicht falsch...ich mag es...dich zu...du weißt schon...", ein neuer rötlicher Schimmer bildete sich, während Draco begann mitfühlend zu gucken.
„Ich...mein Onkel...es erinnert mich an meinen Onkel...nicht du...sondern nur die Tatsache jemandem so nah zu sein...obwohl deine Nähe anders ist...als die Nähe die ich zu ihm hatte...ich kann es dir noch nicht ganz erzählen...ich...ich will nur nicht...ich..."
„Harry...", erwiderte Draco leise, stand mit einem Ruck auf, setzte sich auf seine Bettkante und ergriff, da es durch die geringe Entfernung möglich war, Harrys Hände, „Du brauchst es nicht erzählen...ich weiß es bereits...aus deinen Träumen."
Draco spürte, während er mit seinen Daumen über Harrys Handoberfläche strich, dass der Gryffindor unheimlich nervös war und zitterte, während er gerade jetzt seine Lippen zusammendrückte und erst nach einer Weile fortfuhr: „Dachte ich mir fast...."
„Es tut mir Leid...deswegen habe ich dir den Traumfänger geschenkt...ich wollte dich nie belauschen, doch manchmal ließ es sich nicht vermeiden...", erklärte Draco traurig.
Harry schluckte stark, bevor er tief einatmete und seine nächsten Worte zitterten, „Ich wollte nur...was ich eigentlich wollte...ich mag dich auch...ich will mit dir zusammen sein....ich brauche nur Zeit...bitte gib mir eine Chance...bitte...", jetzt senkte er den Kopf erneut, schluckte noch einmal, presste die Lippen erneut zusammen, doch es half nichts, einzelne Tränen suchten sich den Weg über seine Wangen.
Draco kam sich völlig hilflos vor, er kannte solche Situationen nicht, ebenso wie er nie gelernt hatte zu lieben oder wieder geliebt zu werden. Das einzige was er nun tat, war, Harrys Hände fester in die seinen zu nehmen und leicht beruhigend zu drücken, bevor er antwortete.
So ruhig er auch klingen wollte, so sicher er sich über seien Worte war, kamen sie nun ebenfalls zitternd und fast nur hauchend aus ihm heraus: „Natürlich...kriegst du eine Chance..."
Während dieser Worte hatte Harry seine Augen als eine Art Reflex zugekniffen und öffnete sie erst jetzt wieder, blickte langsam auf und sah in das mitfühlende, mehr als traurige Gesicht Dracos.
„Und lächle mal wieder...auch wenn du mit Tränen nicht weniger süß aussiehst...", sagte Draco leise und liebevoll, woraufhin sich unter Harrys Tränen tatsächlich ein müdes Lächeln hervorstach.
Harry schniefte leise, bevor er seine Hand heben wollte, um seine Tränenspuren zu beseitigen, doch stattdessen hielt Draco Harrys Hand mit sanfter Gewalt zurück und hob dafür seine eigene, um vorsichtig mit der Rückseite seines Daumens einige Tränen von Harrys Wangen und Lippen zu wischen.
Doch statt seine Hand anschleißend wieder zu sinken, ließ er seine hand auf Harrys warmer Wange ruhen und blickte Harry tiefgehend an, so dass jeder nahezu in die Seele des anderen blicken konnte.
Draco kniff seine Lippen nun ebenfalls kurz zusammen, bevor er sich dem anderen langsam näherte und den sanftesten aller Küsse auf den Mund des Gryffindors legte, wobei er seine Augen geschlossen hatte und Harrys andere Hand noch immer in der seinen hielt.
Vorsichtig löste er sich wieder von dem Dunkelhaarigen, drückte seine Lippen noch einmal zusammen und sah Harry dann erwartungsvoll an.
Dieses Mal war Harry es, der dem anderen schon nach wenigen verstrichenen Sekunden näher kam, ihm kurz auf die Lippen und dann wieder in die Augen blickte, um seine eigenen daraufhin zu schließen und dieses Mal seine Lippen auf die Dracos drückte.
Danach tat er es wie der Slytherin, löste sich von ihm und sah ihn erwartungsvoll an, während dieser erst ernst zurückblickte und dann leicht lächelte, bevor er sich dieses Mal etwas sicherer erneut vorbeugte, beide ihre Augen sofort schlossen und sich endlich gegenseitig küssten.
Erst vorsichtig und zurückhaltend, Dracos eine Hand hielt Harrys andere, und Dracos andere Hand ruhte auf Harrys Wange, während Harrys zweite Hand sich langsam den Weg zu Dracos Nacken suchte und ihn vorsichtig und etwas unsicher dichter an sich heranzog.
Beide hatten ihre Augen genussvoll geschlossen, während sie sich immer wieder etwas intensiver und dann wieder vorsichtiger küssten.
Beiden wurde schummrig und jeder konnte den Herzschlag des anderen, die Nervosität und Aufregung nur so spüren, während etliche von Schmetterlinge in ihren Mägen umher schwirrten.
Draco machte den Ansatz zur Beendung des Kusses, indem er mit seinem Kopf immer wieder ein Stückchen weiter nach hinten ging und er die Abstände zwischen den einzelnen, kurzen Küsse immer länger werden ließ, bis er sich ganz von den warmen, von den Tränen noch leicht salzigen, Lippen des Gryffindors trennte.
Harry folgte Dracos Lippen noch eine Weile, als wären sie magnetisch miteinander verbunden, bevor er seine Augen wieder öffnete und in die nur leicht geöffneten, aber verträumten Augen des Blonden blickte, welcher nun zärtlich über Harrys Wange strich und ihn dabei verliebt anlächelte.
Der Dunkelhaarige blickte erst ernst, aber ebenfalls verträumt und völlig in Gedanken und Gefühlen versunken zurück, bevor er ebenfalls verlegen lächelte und dann kurz leise auflachte, auf seinen Schoß blickte und dann mit zusammengepressten Lippen, um wieder seriöser zu werden, erneut zu Draco aufschaute.
„Was?", lachte nun auch Draco leise, lächelte jedoch nach wie vor liebevoll und hörte auch mit seinen Streicheleinheiten nicht auf.
Harry lächelte nun zurück: „Nichts...es ist nur jedes Mal wie der allererste Kuss..."
Draco erwiderte daraufhin nichts, lächelte nur weiterhin und wechselte immer wieder von Harrys linkem in dessen rechtes Auge.
„War es denn dieses Mal schlimm für dich?", fragte Draco nun doch etwas besorgt.
„Nein, bis jetzt war es ja nie schlimm...", erneut senkte er seinen Kopf, „...ich habe nur Angst vor dem, was noch folgt..."
Draco ließ ihn nicht einmal komplett aussprechen, nickte nur verständnisvoll, bevor er sich erneut in einen zärtlichen, jedoch kurzen Kuss lehnte und Harry, als er sich wieder von ihm löste, vorsichtig in seine Arme nahm und in dessen Ohr flüsterte: „Wir haben Zeit...", er wusste, dass dies nicht die ganze Wahrheit war, doch wollte er es lieber gesagt haben, auch wenn es eine Notlüge war, als Harry wieder zu verlieren, weil dieser sich dann womöglich wieder unter Druck gesetzt fühlte.
Er wollte diesen Moment nicht zerstören, nur genießen und für immer in seiner Erinnerung behalten.
Irgendwann, was den beiden wie eine unendliche Ewigkeit vorkam, die trotz alledem schnell vergangen war, ließ Draco mit aller Vorsicht und Zurückhaltung wieder von dem Gryffindor ab, stand leise auf, öffnete die Schublade und kramte den Traumfänger hervor.
Während er die kleine Kugel in seiner Hand betrachtete, sagte er leise: „Hab' vorhin gesehen, dass du sie dort hineingelegt hast...willst du sie wieder haben?"
Harry blickte ebenfalls auf das ehemalige Geschenk des Blonden, versank kurz in Gedanken und in Erinnerungen, bevor er wieder aufsah und Draco anlächelte: „Ich brauche ihn nicht mehr..."
Draco runzelte seine Stirn.
„Alles, was ich je darin gespeichert habe, habe ich jetzt vor mir sitzen...ich habe dich...", erklärte Harry leise und etwas verlegen.
Draco schien eine Weile zu brauchen, eh er das eben Gesagte verstand und dann kaum merklich nickte, bevor er breit grinste: „Heißt das...?", er nickte Richtung Harrys Bett.
Harry grinste nur kopfschüttelnd, „Vielleicht..."
„Und dann sag' noch einmal du bist zurückhaltend...", Draco lachte leise auf, bevor er Harry erneut zu küssen begann und diesen dabei mit sanfter Gewalt aufs Bett drückte und Harry zu seiner Verwunderung alles über sich ergehen ließ.
Immer wider trennte er sich von den heißen Lippen des Gryffindors, blickte ihn an, um zu sehen, ob auch alles in Ordnung war, bevor er sich langsam neben Harry niederließ und somit halb neben und leicht auf Harry lag, während er ihm noch einen letzten Kuss schenkte und sich dann etwas aufrichtete, um sich neben den Dunkelhaarigen legen zu können.
„Oder...vielleicht doch der Traumfänger...", sagte Harry plötzlich.
Draco blickte erschrocken auf, bevor Harry leise auflachte: „Das war ein Scherz!"
Der Slytherin verdrehte daraufhin seine Augen, um seine Erschrockenheit nicht allzu stark preisgeben zu müssen.
Dann schmiegte er sich zurückhaltend an den Gryffindor, legte sich so, dass er etwas höher als Harry lag und diesen nun in seine Arme nehmen konnte.
Harry rückte sofort so, wie es ihm am bequemsten schien, bevor er seine Augen schloss, um die Wärme, die von dem anderen Körper unter ihm ausging und die ganze Geborgenheit nur umso intensiver spüren zu können.
Draco hingegen hatte seine Agen noch immer geöffnet und strich Harry durchgehend zärtlich über den Oberarm: „Harry?", fragte er dann leise.
„Mh?"
„Wir müssen das für uns behalten...meine Mutter...mein Vater....du weißt schon..."
„Ich denke, ich hätte es auch so nicht gerade herumgeprahlt!", gab Harry sarkastisch zurück.
Draco grinste daraufhin nur, bevor erneut fragte: „Harry?"
„Ja?"
„Kannst du mir etwas versprechen?" „Kommt drauf an, was...", erwiderte Harry teils sicher teils unsicher.
„Lass es morgen so sein wie heute...", erwiderte Draco leise.
Stille.
Es dauerte eine Weile, bevor der Gryffindor sich regte und sich aus der zärtlichen Umarmung löste, um Draco direkt ansehen zu können, dennoch ziemlich ernst.
„Bitte...", murmelte der Slytherin.
Harry sah ihn nur ergriffen an, bevor er leise sagte: „Versprochen, natürlich...versprochen...", sagte er immer wieder, bevor er sich noch enger an den etwas Größeren kuschelte und daraufhin auch dieser seine Augen schloss.
Draco lag derweilen in seinem Bett, wie immer: längs, Arme unter dem Kopf verschränkt und starrer Blick gegen die Decke.
Er konnte einfach nichts mehr aufnehmen, zu viel war in zu kurzer Zeit passiert, doch er wusste, dass er im Falle Harry immer noch Platz für etwas lassen musste und irgendwie, während sein Magen wieder zu kribbeln begann, spürte er, dass heute noch etwas passieren würde, etwas Bedeutendes.
Er glaubte nicht wirklich daran, dass Harry die letzte Abfuhr ernst gemeint haben konnte.
Und gerade als er an diesen bestimmten Gryffindor dachte, trat dieser durch den sich vorher selbst aufschiebenden Durchgang, schielte kurz zu Draco herüber, bevor er sich seufzend auf sein Bett sinken ließ und sich seine Schuhe auszog, da seine Füße von dem langen Tag bereits schmerzten.
Draco wandte seinen Blick von dem obersten Teil des Zimmers nicht ab, er hatte sich vorgenommen zu warten und somit würde er dieses Mal nicht den Anfang machen, nicht mehr.
Harry senkte seinen Kopf eine Weile, bevor er wieder aufblickte und dabei immer noch keine Bewegungsänderung des Slytherins feststellen konnte.
„Draco?", er sprach den Vornamen leise und bedacht, geradezu vorsichtig aus.
„Mh?", erwiderte der Blonde, war innerlich durchaus zufrieden über Harrys Anfang, ließ sich dies aber nicht anmerken.
„Du sagst gar nichts dazu, dass ich dich beim Vornamen genannt habe?", fragte Harry verwundert.
Draco zuckte als Antwort mit seinen Schulterblättern.
„Ähm...und was sagst du zu der Sache mit Apus?", fragte Harry schließlich unsicher.
Draco verdrehte innerlich die Augen, konnten sie denn nicht über etwas anderes, eine ganz bestimmte Sache reden?
„Denke genau so über ihn wie vorher...", sagte Draco kühl und regte sich noch immer nicht, schien wie versteinert zu sein.
„Und was ist jetzt mit Blaise?"
„Nichts anderes als gestern Abend..."
Nun war Harry es, der seine Augen genervt auf Grund der nicht viel sagenden Antworten verdrehte.
„Draco...wegen gestern, ich meine...heute Morgen...", begann Harry nun leise und senkte seinen Kopf wieder.
Endlich bewegte sich der Slytherin, neigte seinen Kopf, hob eine Augenbraue und blickte Harry an: „Ja?"
„Es ist...nicht so...", stotterte Harry weiter und schien seinen Kopf noch weiter senken zu wollen.
Da Harry gerade nicht aufblickte, lächelte Draco kurz, indem er einen seiner Mundwinkel hochzog, dann aber wieder ernst zu sein versuchte.
„Weißt du...es ist nicht so einfach...es ist ja nicht, dass ich dich nicht mag oder so...", stammelte er unsicher.
„Der Fußboden scheint spannend zu sein!", erneut grinste Draco, was eine Mischung aus mehreren Emotionen war.
Harry schluckte stark, bevor er zögerlich und etwas ängstlich aufblickte, statt rot zu sein aber eher etwas blasser um die Nase herum war.
Draco legte seine Stirn in Falten: „Alles klar mit dir?", fragte er mit einem kleinen Unterton Besorgnis.
Harry nickte nur: „Ich habe nur noch nie darüber geredet...wollte es eigentlich auch nie...aber ich dachte mir, du brauchst eine Erklärung...ich kann ja nicht ewig ohne ein Wort wegrennen."
„Harry ehrlich...", er merkte nicht, dass sogar er sein Gegenüber nun beim Vornamen nannte, „Du musst nicht..."
Doch er wurde von dem leicht zitternden Gryffindor unterbrochen: „Ich weiß schon, was ich tu...danke..."
Draco blickte ihn etwas abwertend und skeptisch an, während er auf Harrys Beginn wartete.
„Ich will ja gar nicht viel erzählen, nur dass, was gerade wichtig ist...", fuhr er leise fort, woraufhin sich Dracos Gesichtszüge wieder etwas normalisierten.
„Der Kuss...", er schluckte und nun bildete sich doch ein leichter rötlicher Schimmer, während er kurz verlegen lächelnd wegblickte, bevor er Draco wieder direkt ansah, „...war wirklich schön."
Dracos Augen weiteten sich und er wollte gerade etwas erwidern, als Harry schon weiter machte.
„Ich habe wie gesagt...einfach nur Angst...und du ja auch...um deine Mutter...ich habe Angst vor deinen Berührungen...", erneut senkte er den Kopf, konnte Dracos Blick nicht länger standhalten.
„Harry...hör' auf...wirklich...du musst das nicht...", Draco fühlte sich einerseits peinlich berührt, sorgte sich andererseits um den Gryffindor, wollte ihn zu nicht drängen, auch wenn er sich dabei nicht mehr wie er selbst vorkam.
Harry ließ sich jedoch nicht aus der Fassung bringen; wenn er das nicht schon längst war: „Ich habe nicht...also...es liegt nicht an dir...nur etwas..."
Draco sah ihn leicht gerührt auf Grund Harrys geschenktem Vertrauen und dem Widerspruch in sich an, bevor er wieder ernst wurde, wie es für ihn üblich war.
„Wir waren immerhin immer Feinde...ich vertraue dir jetzt...aber das mit Blaise hat mich auch getroffen..."
„In wie fern?", Draco konnte ein Grinsen auch nicht im Fall des Ernstes zurückhalten.
„Das weißt du genau...", erwiderte Harry leise und pulte nun an seinen Fingernägeln, „...du bist ein Junge...in der Muggelwelt gehen die ganz anders mit so was um..."
„Ich sag ja, Muggel sind merkwürdig...", das letzte Wort sprach er gezwungen aus, gerade so, als müsse er sich zusammenreißen nichts Schlimmeres zu sagen.
Harry sah kurz lächelnd auf und schüttelte nur ungläubig den Kopf. Draco würde sich einfach nie ändern, nicht in dieser Hinsicht.
„Aber selbst das ist mir eigentlich egal...", stotterte Harry und wurde plötzlich so leise, dass Draco große Mühe hatte ihn noch zu verstehen, „...ich habe schlimme Dinge durchgemacht...Dinge, die mich erschrecken, wenn du mich berührst...verstehe mich nicht falsch...ich mag es...dich zu...du weißt schon...", ein neuer rötlicher Schimmer bildete sich, während Draco begann mitfühlend zu gucken.
„Ich...mein Onkel...es erinnert mich an meinen Onkel...nicht du...sondern nur die Tatsache jemandem so nah zu sein...obwohl deine Nähe anders ist...als die Nähe die ich zu ihm hatte...ich kann es dir noch nicht ganz erzählen...ich...ich will nur nicht...ich..."
„Harry...", erwiderte Draco leise, stand mit einem Ruck auf, setzte sich auf seine Bettkante und ergriff, da es durch die geringe Entfernung möglich war, Harrys Hände, „Du brauchst es nicht erzählen...ich weiß es bereits...aus deinen Träumen."
Draco spürte, während er mit seinen Daumen über Harrys Handoberfläche strich, dass der Gryffindor unheimlich nervös war und zitterte, während er gerade jetzt seine Lippen zusammendrückte und erst nach einer Weile fortfuhr: „Dachte ich mir fast...."
„Es tut mir Leid...deswegen habe ich dir den Traumfänger geschenkt...ich wollte dich nie belauschen, doch manchmal ließ es sich nicht vermeiden...", erklärte Draco traurig.
Harry schluckte stark, bevor er tief einatmete und seine nächsten Worte zitterten, „Ich wollte nur...was ich eigentlich wollte...ich mag dich auch...ich will mit dir zusammen sein....ich brauche nur Zeit...bitte gib mir eine Chance...bitte...", jetzt senkte er den Kopf erneut, schluckte noch einmal, presste die Lippen erneut zusammen, doch es half nichts, einzelne Tränen suchten sich den Weg über seine Wangen.
Draco kam sich völlig hilflos vor, er kannte solche Situationen nicht, ebenso wie er nie gelernt hatte zu lieben oder wieder geliebt zu werden. Das einzige was er nun tat, war, Harrys Hände fester in die seinen zu nehmen und leicht beruhigend zu drücken, bevor er antwortete.
So ruhig er auch klingen wollte, so sicher er sich über seien Worte war, kamen sie nun ebenfalls zitternd und fast nur hauchend aus ihm heraus: „Natürlich...kriegst du eine Chance..."
Während dieser Worte hatte Harry seine Augen als eine Art Reflex zugekniffen und öffnete sie erst jetzt wieder, blickte langsam auf und sah in das mitfühlende, mehr als traurige Gesicht Dracos.
„Und lächle mal wieder...auch wenn du mit Tränen nicht weniger süß aussiehst...", sagte Draco leise und liebevoll, woraufhin sich unter Harrys Tränen tatsächlich ein müdes Lächeln hervorstach.
Harry schniefte leise, bevor er seine Hand heben wollte, um seine Tränenspuren zu beseitigen, doch stattdessen hielt Draco Harrys Hand mit sanfter Gewalt zurück und hob dafür seine eigene, um vorsichtig mit der Rückseite seines Daumens einige Tränen von Harrys Wangen und Lippen zu wischen.
Doch statt seine Hand anschleißend wieder zu sinken, ließ er seine hand auf Harrys warmer Wange ruhen und blickte Harry tiefgehend an, so dass jeder nahezu in die Seele des anderen blicken konnte.
Draco kniff seine Lippen nun ebenfalls kurz zusammen, bevor er sich dem anderen langsam näherte und den sanftesten aller Küsse auf den Mund des Gryffindors legte, wobei er seine Augen geschlossen hatte und Harrys andere Hand noch immer in der seinen hielt.
Vorsichtig löste er sich wieder von dem Dunkelhaarigen, drückte seine Lippen noch einmal zusammen und sah Harry dann erwartungsvoll an.
Dieses Mal war Harry es, der dem anderen schon nach wenigen verstrichenen Sekunden näher kam, ihm kurz auf die Lippen und dann wieder in die Augen blickte, um seine eigenen daraufhin zu schließen und dieses Mal seine Lippen auf die Dracos drückte.
Danach tat er es wie der Slytherin, löste sich von ihm und sah ihn erwartungsvoll an, während dieser erst ernst zurückblickte und dann leicht lächelte, bevor er sich dieses Mal etwas sicherer erneut vorbeugte, beide ihre Augen sofort schlossen und sich endlich gegenseitig küssten.
Erst vorsichtig und zurückhaltend, Dracos eine Hand hielt Harrys andere, und Dracos andere Hand ruhte auf Harrys Wange, während Harrys zweite Hand sich langsam den Weg zu Dracos Nacken suchte und ihn vorsichtig und etwas unsicher dichter an sich heranzog.
Beide hatten ihre Augen genussvoll geschlossen, während sie sich immer wieder etwas intensiver und dann wieder vorsichtiger küssten.
Beiden wurde schummrig und jeder konnte den Herzschlag des anderen, die Nervosität und Aufregung nur so spüren, während etliche von Schmetterlinge in ihren Mägen umher schwirrten.
Draco machte den Ansatz zur Beendung des Kusses, indem er mit seinem Kopf immer wieder ein Stückchen weiter nach hinten ging und er die Abstände zwischen den einzelnen, kurzen Küsse immer länger werden ließ, bis er sich ganz von den warmen, von den Tränen noch leicht salzigen, Lippen des Gryffindors trennte.
Harry folgte Dracos Lippen noch eine Weile, als wären sie magnetisch miteinander verbunden, bevor er seine Augen wieder öffnete und in die nur leicht geöffneten, aber verträumten Augen des Blonden blickte, welcher nun zärtlich über Harrys Wange strich und ihn dabei verliebt anlächelte.
Der Dunkelhaarige blickte erst ernst, aber ebenfalls verträumt und völlig in Gedanken und Gefühlen versunken zurück, bevor er ebenfalls verlegen lächelte und dann kurz leise auflachte, auf seinen Schoß blickte und dann mit zusammengepressten Lippen, um wieder seriöser zu werden, erneut zu Draco aufschaute.
„Was?", lachte nun auch Draco leise, lächelte jedoch nach wie vor liebevoll und hörte auch mit seinen Streicheleinheiten nicht auf.
Harry lächelte nun zurück: „Nichts...es ist nur jedes Mal wie der allererste Kuss..."
Draco erwiderte daraufhin nichts, lächelte nur weiterhin und wechselte immer wieder von Harrys linkem in dessen rechtes Auge.
„War es denn dieses Mal schlimm für dich?", fragte Draco nun doch etwas besorgt.
„Nein, bis jetzt war es ja nie schlimm...", erneut senkte er seinen Kopf, „...ich habe nur Angst vor dem, was noch folgt..."
Draco ließ ihn nicht einmal komplett aussprechen, nickte nur verständnisvoll, bevor er sich erneut in einen zärtlichen, jedoch kurzen Kuss lehnte und Harry, als er sich wieder von ihm löste, vorsichtig in seine Arme nahm und in dessen Ohr flüsterte: „Wir haben Zeit...", er wusste, dass dies nicht die ganze Wahrheit war, doch wollte er es lieber gesagt haben, auch wenn es eine Notlüge war, als Harry wieder zu verlieren, weil dieser sich dann womöglich wieder unter Druck gesetzt fühlte.
Er wollte diesen Moment nicht zerstören, nur genießen und für immer in seiner Erinnerung behalten.
Irgendwann, was den beiden wie eine unendliche Ewigkeit vorkam, die trotz alledem schnell vergangen war, ließ Draco mit aller Vorsicht und Zurückhaltung wieder von dem Gryffindor ab, stand leise auf, öffnete die Schublade und kramte den Traumfänger hervor.
Während er die kleine Kugel in seiner Hand betrachtete, sagte er leise: „Hab' vorhin gesehen, dass du sie dort hineingelegt hast...willst du sie wieder haben?"
Harry blickte ebenfalls auf das ehemalige Geschenk des Blonden, versank kurz in Gedanken und in Erinnerungen, bevor er wieder aufsah und Draco anlächelte: „Ich brauche ihn nicht mehr..."
Draco runzelte seine Stirn.
„Alles, was ich je darin gespeichert habe, habe ich jetzt vor mir sitzen...ich habe dich...", erklärte Harry leise und etwas verlegen.
Draco schien eine Weile zu brauchen, eh er das eben Gesagte verstand und dann kaum merklich nickte, bevor er breit grinste: „Heißt das...?", er nickte Richtung Harrys Bett.
Harry grinste nur kopfschüttelnd, „Vielleicht..."
„Und dann sag' noch einmal du bist zurückhaltend...", Draco lachte leise auf, bevor er Harry erneut zu küssen begann und diesen dabei mit sanfter Gewalt aufs Bett drückte und Harry zu seiner Verwunderung alles über sich ergehen ließ.
Immer wider trennte er sich von den heißen Lippen des Gryffindors, blickte ihn an, um zu sehen, ob auch alles in Ordnung war, bevor er sich langsam neben Harry niederließ und somit halb neben und leicht auf Harry lag, während er ihm noch einen letzten Kuss schenkte und sich dann etwas aufrichtete, um sich neben den Dunkelhaarigen legen zu können.
„Oder...vielleicht doch der Traumfänger...", sagte Harry plötzlich.
Draco blickte erschrocken auf, bevor Harry leise auflachte: „Das war ein Scherz!"
Der Slytherin verdrehte daraufhin seine Augen, um seine Erschrockenheit nicht allzu stark preisgeben zu müssen.
Dann schmiegte er sich zurückhaltend an den Gryffindor, legte sich so, dass er etwas höher als Harry lag und diesen nun in seine Arme nehmen konnte.
Harry rückte sofort so, wie es ihm am bequemsten schien, bevor er seine Augen schloss, um die Wärme, die von dem anderen Körper unter ihm ausging und die ganze Geborgenheit nur umso intensiver spüren zu können.
Draco hingegen hatte seine Agen noch immer geöffnet und strich Harry durchgehend zärtlich über den Oberarm: „Harry?", fragte er dann leise.
„Mh?"
„Wir müssen das für uns behalten...meine Mutter...mein Vater....du weißt schon..."
„Ich denke, ich hätte es auch so nicht gerade herumgeprahlt!", gab Harry sarkastisch zurück.
Draco grinste daraufhin nur, bevor erneut fragte: „Harry?"
„Ja?"
„Kannst du mir etwas versprechen?" „Kommt drauf an, was...", erwiderte Harry teils sicher teils unsicher.
„Lass es morgen so sein wie heute...", erwiderte Draco leise.
Stille.
Es dauerte eine Weile, bevor der Gryffindor sich regte und sich aus der zärtlichen Umarmung löste, um Draco direkt ansehen zu können, dennoch ziemlich ernst.
„Bitte...", murmelte der Slytherin.
Harry sah ihn nur ergriffen an, bevor er leise sagte: „Versprochen, natürlich...versprochen...", sagte er immer wieder, bevor er sich noch enger an den etwas Größeren kuschelte und daraufhin auch dieser seine Augen schloss.
