Die Tage des Raben

Fanfiction von Slytherene

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Disclaimer: Severus Snape, Remus Lupin & Co. courtesy of J.K. Rowling, Elfen und Kram alles meins

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Guten Abend, meine lieben Raben-Schwarz- und Weißleser. Anbei das letzte Update vor den Sommerferien. Ich muss nach Burg Krolok und ein paar alte Papiere suchen… Nein, keine Angst, ich will bloß nach Florenz und mein Hirn mit Inspiration füttern. Außerdem will ich meinen persönlichen Wolfsforscher eine Runde hinter den Öhrchen kraulen. Und dann gibt es noch einen Welpen, der mit mir im Kanu wieder irgendwelche Wildgewässer runterrauschen will. Langsam werde ich zu alt für solche Scherze, aber dieses Jahr sollte es noch mal gehen…

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Soundtrack: (heute klassisch)

Johannes Brahms: Sonate Nr. 1 in e-Moll für cello und Piano, Opus 38

Robert Schumann „Drei Phantasien für Cello und Piano, Opus 73

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Familiengeheimnisse

Severus teilte Medeoras Skepsis angesichts des Verlaufs der Ratssitzung. Doch anders als sie, wusste er, warum sie so verlaufen war. Martialis und Nuriyya hatten es von Anfang an so geplant.

Der Plan gefiel ihm nicht besonders. Er fand, dass es darin zu viele Unwägbarkeiten gab. Was, wenn die Nebelwölfe nicht die Verräter waren, wie die Fürstin und ihr Bruder vermuteten? Was, wenn demzufolge sie angriffen wurden, und es nicht offensichtlich war, wer den Todessern die Information gegeben hatte? Schließlich war nicht gesagt, dass die Verräter auch zu den Angreifern gehören würden.

Dann hätten die Gargoyles nichts gewonnen, aber mit Lupins Leben einen hohen Blutzoll gezahlt. Severus dachte sarkastisch, dass es nicht das Blut eines der ihren war, das sie zu vergießen in Kauf nahmen.

Andererseits, wie sollten sie auch? Keiner von ihnen wäre als Köder geeignet gewesen. Und dass sie ihn, Severus, nicht opfern konnten, ergab sich aus den Umständen. Er fragte sich, ob Nuriyya auch ihn genauso bereitwillig ans Messer geliefert hätte, wenn die Umstände es erfordert hätten, oder ob sie es noch tun würde, wenn es sich als nötig erwies.

Er sah zu ihr hinüber. Sie saß am Feuer und sprach leise mit Medeora. Die kleine Elfe schien erregt zu sein. Ihre Ohren wackelten heftig.

Lupin hingegen lehnte rittlings an einer der Felsensäulen und trank ruhig seinen Wein, während Lapidis und Martialis schweigend nebeneinander beim Fenster standen.

Schließlich schienen Medeora und ihre Freundin zu einem Ergebnis ihrer Beratungen gekommen zu sein, denn sie erhoben sich und kamen auf ihn zu.

„Severus, nachdem du jetzt nicht mit nach Burg Krolok gehst morgen Nacht, würden wir es gerne sehen, wenn du dich morgen der Angelegenheit mit Loreleys Stimme annehmen würdest", erläuterte Nuriyya.

„Warum nicht heute Nacht", fragte er.

„Wir dachten, dass du nach den letzten Nächten ohne Schlaf vielleicht nicht mehr die nötige Konzentration für einen so schwierigen Zauber aufbringst", erwiderte Medeora.

„Ich kann morgen schlafen. Ein Rabe mehr im Wald in den Bäumen wird nicht wirklich auffallen. Aber Lupin sieht aus wie ein Geist. Er sollte dringend ein paar Stunden Ruhe haben."

Er blickte zu dem anderen Zauberer hinüber, der jetzt die Augen geschlossen hatte.

Medeora lächelte. „Er ist schon längst tief in Morpheus' Armen versunken. Ich habe ihm ein leichtes Schlafmittel in den Wein gemischt, damit er sich loslösen kann nach diesem Tag. Er wird seine Kräfte brauchen. Morgen Abend, bevor es losgeht, werde ich versuchen, seine arkanen Blockierungen zu lösen. Er sollte besser im Vollbesitz seiner Magie sein, wenn er sich Baron Krolok stellt."

Nuriyya nickte zustimmend.

Severus holte tief Luft. „Remus Lupin ist für den Orden zu wichtig, um ihn einfach wegzuwerfen. Es ist nicht gesagt, dass diejenigen, die euch verraten ihn auch selbst angreifen werden."

Nuriyya warf ihm unter weißen Wimpern einen sehr grünen, erstaunten Blick zu.

„Es ist meine Entscheidung, wen ich opfere und wen nicht. Ich würde es nicht tun, wenn es nicht absolut nötig wäre, die Verräter zu enttarnen. Außerdem dachte ich, Dir liegt nicht viel an ihm. Euer Umgangston ist alles andere als freundschaftlich."

Severus sah zu der graugewandeten Gestalt Lupins hinüber, die immer noch gegen die Steinsäule gelehnt saß.

„Vielleicht entspricht dieser Ton nicht ganz dem Charakter dieser ... Beziehung."

Dann wechselte er abrupt das Thema. „Aber sagtet Ihr nicht, dass er Slytherinblut in sich tragen muss, um den Vertrag finden zu können?"

Nuriyya verzog den Mund zu einem Lächeln. „Du wirst ein paar Milliliter des kostbaren roten Saftes sicher entbehren können, Severus. Es ist ausreichend, wenn er es bei sich trägt."

Der Tränkemeister schüttelte müde den Kopf. „Totes Blut hat nicht die gleichen Wirkungen wie lebendes, fließendes. Seid Ihr sicher, dass es ausreicht?"

„Wir müssen es riskieren", entgegnete Nuriyya. „Ich rechne ohnehin mit einem Angriff der Nebelwölfe, lange bevor er das Schloss erreicht." Sie wandte sich zum Gehen.

Doch Severus packte sie am Handgelenk und hielt sie fest.

„Und was wenn du dich irrst, Fürstin", presste er hervor.

Sie starrte auf seine Hand, die ihre Klaue umfasst hielt. Er ließ sie los, verstellte ihr jedoch den Weg.

Ihre Augen funkelten und er zweifelte für einen kurzen Moment, ob sie ihn vielleicht angreifen würde, aber ihre gespannten Gesichtszüge verstrichen einen Augenblick später.

„Dann, Severus, verlierst du deinen Freund und Dumbledores Orden einen weiteren Zauberer. Es tut mir leid, aber ich kann es nicht ändern. Dies hier ist ein Krieg, daran muss ich dich wohl nicht erinnern."

Dann sagte sie: „Kommt, lasst uns nach unten gehen zu Loreley."

Medeora jedoch nahm seine Hand zwischen ihre kurzen Finger und sagte leise: „Mach' dir nicht allzu große Sorgen, Junge. Ich kann dir nicht versprechen, dass ihm nichts geschieht, aber ich weiß, dass er besser geschützt ist, als du und er selbst ahnen. Ein paar abtrünnige Nebelwölfe jedenfalls werden sein Leben nicht gefährden."

„Wie meinst du das?"

„Ich selbst werde die Wanderung begleiten – inkognito versteht sich." Sie blinzelte ihm zu.

‚Medeora wird ihn persönlich begleiten' dachte Severus. Er war nicht wirklich beruhigt. Ihre Pflanzenzauber würden sie beide nicht retten, wenn es zu einer Todesserattacke kam.

„Ein magieloser Werwolf und eine Heilerin sind nicht gerade das Duo Infernal der Verteidigung gegen die Dunkle Revolution", bemerkte er trocken.

„Du unterschätzt mich maßlos", entgegnete sie beleidigt. „Und dein Wolf wird morgen Abend nicht mehr so bar jeder Magie sein wie heute im Rat, als Marritt ihn prüfte."

Severus griff sich entnervt an die Stirn. Hinter seiner Schläfe brodelte es.

„Ich muss dich bitten, die Verwendung von Possessivpronomina im Zusammenhang mit Remus und meiner Person zu unterlassen. Sie erzeugt Kopfschmerzen bei mir."

„Meinetwegen", lenkte die Elfe ein. „Die Verwendung seines Vornamens durch dich mag im Hinblick auf deine Evaluierung des Konzepts von Freundschaft für heute ausreichen."

Sprachlos ließ sie ihn stehen und folgte der Fürstin hinaus. Er folgte ihr kopfschüttelnd. Wann war der Gryffindor für ihn ‚Remus' geworden?

Sie verließen Nuriyyas Gemach und stiegen die Treppe hinab, zwei Etagen, bis sie zu dem Abgang kamen, den die Gargoyles Severus in seiner ersten Nacht halbtot hinunter geschleift hatten. Damals hatte er gedacht, dass er die Sonne niemals wieder sehen würde – es war letztlich so gekommen. Immerhin, der Mond warf sein Silberleuchten zum Fenster hinein, und so würde er mit der „Sonne der Nachtkinder" vorlieb nehmen müssen, bis die Macht des Dunklen Lords – bis Voldemorts Macht - gebrochen wäre.

Er hatte wenig Hoffnung, dass es so sein würde, aber ein wenig Hoffnung war besser als nichts.

Vielleicht wäre er hoffnungsfroher gewesen, wenn er geahnt hätte, dass auch andernorts noch lichte Kräfte wirkten.

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Selena James, letzte Bewahrerin des Amuletts von Asgard, blickte angestrengt in das hellblaue Schimmern. Ihre Augen schmerzten; so lange ohne ihre Brille zu beobachten, strengte sie an, aber es ließ sich nicht vermeiden, wenn sie etwas erkennen wollte.

Und in dieser Nacht hatte sich der Blick in den Loinnah gelohnt.

Der unscheinbare steinerne Brunnen mit der viskösen, bläulich schillernden Flüssigkeit erlaubte ihr, ihren Blick auf ferne Orte zu richten, selbst wenn sie beschirmt waren. Dabei war Meister Nepomuks Erdmagie kein Hindernis für Selena, Voldemorts Schutzzauber jedoch stellte ein Problem dar. Sie war in der Lage, ihn zu durchdringen, doch es kostete Kraft und hinterließ Spuren im arkanen Geflecht seines Hauptstützpunkts. Eine Entdeckung jedoch konnte sie sich nicht leisten.

Der weniger stark abgeschirmte Teil mit der Steinernen Halle war ihrem geistigen Auge gut zugänglich, doch die persönlichen Gemächer Voldemorts und der Saal, in dem er die Todesser empfing und von dem aus er seine Dunkle Revolution steuerte, waren von einem komplexen Sicherungswerk magisch versiegelt.

Nuriyya hatte also ihren Plan verwirklicht und den Verrätern eine Falle gestellt. Die Notwendigkeit war klar – um den Zauber Slytherins zu brechen, musste das Pergament in dem Feuer brennen, dass vom Erben Slytherins beherrscht wurde. Arkan betrachtet, entsprach es dann dem Feuer, über dem vor tausend Jahren in der Mühle, die im Zentrum der schädelförmigen Kanäle lag, der Kessel den Trank hatte kochen lassen, mit dem Sculptoris die Gargoyles in seine Knechtschaft und in ihre Körper gepresst hatte. Genau genommen endete die Knechtschaft bereits mit dem Verbrennen des Pergaments und damit, dass jede Art der Geschöpfe des Sees ein Stück Haut, Huf, Haar oder Blut in das Feuer warf. Natürlich waren manche von ihnen ausgestorben, aber die Gargoyles hatten von jedem Exemplar etwas aufgehoben und gut verborgen. Nur die Lebenden mussten aus freien Stücken ein Teil von sich geben, und deswegen durfte es keine Verräter geben, die sich im entscheidenden Moment verweigern konnten. Sie mussten aus dem Volk der Verräter jemanden finden, der den Verrat aufhob. Dafür musste man die Verräter jedoch kennen.

Selena blickte auf die schillernde Oberfläche der Flüssigkeit. Die beiden Gargoyle-Brüder lehnten am Fenster, Martialis zufrieden und satt, Lapidis mit den wachen Augen eines Asketen. Sie würden nicht mehr als nötig sprechen miteinander, die ungleichen Brüder, wie schon so viele Nächte zuvor. Selena kannte sie beide, und sie schätzte sowohl den kühnen, tapferen Martialis als auch den klugen, vorausschauenden Lapidis.

Remus Lupin lehnte an einer Säule und schlief tief und fest. Noch bestand keine Gefahr für ihn, aber schon morgen Nacht würde sie sehr wachsam sein müssen. Der einzige Schlüssel zum Versteck der Pergamentrolle war Slytherins Blut. Da Remus nichts davon in sich hatte, würde er das Pergament nicht finden können, selbst wenn es offen auf einem Tisch vor ihm läge. Sie wusste nicht, ob es auf Schloss Krolok verwahrt wurde, aber sie hielt es nicht für wahrscheinlich. Es war zu absehbar, dass jemand, der es suchte, es dort – inmitten von Voldemorts dunkelsten Dienern - vermuten würde.

Sie wusste, dass Medeora glaubte, dass es bei Baron von Krolok versteckt war, aber sie hatte eine Ahnung, dass ihre Freundin sich täuschte und dass auch Nuriyya davon ausging, dass es nicht bei den Vampiren aufbewahrt wurde.

Doch nach fast tausend Jahren Suche schied auch das Chateau-du-lac-des-larmes, Voldemorts Burg, aus. Wäre es dort irgendwo verborgen gewesen, die Bergelfen hätten es auf ihrer Suche für die Gargoyles gefunden.

Selena war sicher, dass das Versteck des Pergaments in enger Verbindung mit der Geschichte der Slytherin-Sippe lag, und dass es seit fast tausend Jahren an ein und demselben Ort ruhte. Ihre Vorgängerinnen, sie selbst und Medeora hatten schon endlose Nächte damit verbracht, über den Verbleib der Rolle nachzudenken, doch alle Ideen hatten sich als Irrwege entpuppt. Der Vertrag schien wie vom Erdboden weggehext und auch die Fürstin hatte die Suche über Jahrhunderte bereits aufgegeben gehabt, bis Riddles Wahnsinn und Gier nach unbegrenzter Macht sein Auffinden zur höchsten Priorität machte.

Nuriyya' – Selena und die Gargoyle-Fürstin mochten einander nicht besonders. Selena nahm es der Kriegerin übel, dass sie Syreen derart ungeschützt hatte in ihr Unglück laufen lassen. Sie hatte auch Medeora so sehr beschäftigt gehalten, dass keine der Beiden erkannte, wie gebrochen ihre damalige Bewahrerin gewesen war.

Selena, eine Strategin und Taktikerin, hielt Nuriyya für unfähig. Zu einfach beeinflussbar und für Leidenschaften zu leicht entflammbar, um das Volk der Gargoyles in diesen schwierigen Zeiten zu führen. Lapidis entlastete seine Schwester, aber auch er war an ihre Befehle gebunden, und ihre Entscheidungen, die sie zumeist aus dem Bauch heraus traf, waren nicht immer richtig.

Severus zu retten war klug gewesen, und Selena war froh, dass die Fürstin zumindest das bewerkstelligt hatte, da sie nicht selbst hatte eingreifen können. Ihre Kräfte schwanden mit jedem Tag, den das Amulett zerstört war.

Wie die Dinge lagen, konnte sie beobachten, hüten, verbergen und heilen, aber sie hatte keine Angriffswaffen. Es lag nicht in der Natur des Amuletts, seine Trägerin mit etwas anderem als Verteidigungs- und Schutzzaubern auszustatten.

Und bedauerlicherweise war die schützende Macht des Amuletts auf die Zugehörigen der Bewahrerfamilie beschränkt. Severus, der Syreens Sohn war, Harriet, ihre eigene Tochter, ja selbst Lupin, der Fenris-Sohn, dessen Kind jetzt in ihrer Tochter heran wuchs: über sie alle konnte sie, wenn es Not tat, ihren Schutz ausdehnen. Den jungen Phönix jedoch vermochte sie ebenso wenig zu behüten wie den Leiter des Ordens oder den Animagus.

Selena hielt die alten Gargoyleprophezeihungen für zutreffend – es war der Rabe, der die Macht und Herrschaft des Dunklen brechen konnte. Aber sie glaubte auch, dass nur der Phönix ihn würde vernichten können.

Sie seufzte und entnahm einem Schrank ein in ein Tuch eingeschlagenes, weiches Bündel. Es enthielt weiche graue Haare – Wolfshaare. Sie trug sie zu einem kleinen Steinbecken an der Wand des Raumes, in dem eine klare Flüssigkeit das gedämpfte Licht der Kerzen brach. Sie nahm das Bündel und drückte es unter die Oberfläche der kalten Lösung, bis es sich vollgesogen hatte und von selbst am Grund des Beckens blieb. Bis heute Abend würde sie das Wolfshaar in der magischen Flüssigkeit ziehen lassen. Dann würde sie weiter an ihrem Zauber weben.

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Severus und die beiden Frauen folgten den Gängen bis zu dem Gewölbe, in welchen sich das Amphitrium befand. Auf einen Wink Nuriyyas hatten sich die Fackeln an den Wänden entzündet, und so konnte auch der Zauberer sich orientieren. Obschon es nur ein paar Tage her war, dass man ihn halbtot diese Gänge entlang gezerrt hatte, schien es ihm doch, als sei mittlerweile eine Ewigkeit vergangen, so sehr hatten sich sein Leben und sein Weltbild verändert.

Sie erreichten das Amphitheater, an das Severus mehr als unangenehme Erinnerungen trug. Medeora hatte ihn für alle Fälle mit dem Tarnumhang ausgestattet.

„Dieser Bereich des Schlosses ist nicht sicher todesserfrei", sagte sie. „Sie kommen nur selten hier herunter, und wenn, dann ist es meistens der Botschafter Malfoy in offizieller Mission. Dennoch sollte er dich auf keinen Fall zufällig hier treffen", meinte sie zu ihm.

„Kennt der Dunkle Lord Eure Gewölbe hier unten?"

„Allerdings, das tut er", antwortete Nuriyya. „Man könnte durchaus sagen, dass er – von meiner Person einmal abgesehen – mit Loreley den regelmäßigsten Umgang pflegt."

Severus blickte sie erstaunt an. „Was tut er mit ihr?"

„Oh, keinerlei romantische Interaktionen, wenn es das ist, was dich beschäftigt. Aber er hat ein gewisses ästhetisches Empfinden und er schätzt ihren Gesang."

Severus nickte nachdenklich. ‚Keinerlei romantische Interaktion' – er konnte sich nicht erinnern, dass der Dunkle Lord sich jemals einer der Frauen im Kreis der Todesser genähert oder sie anders als die Männer behandelt hätte. Dabei gab es unter seinen Anhängerinnen durchaus ausgesprochene Schönheiten.

Bellatrix Lestrange war eine auf ihre Art sehr attraktive Frau mit großer Ausstrahlung gewesen, bevor Askaban ihre finstere Schönheit zerstört hatte, und Narcissa war mit Sicherheit das hübscheste Mädchen des Jahrgangs gewesen, wenn man von einem klassischen Schönheitsideal ausging. Und es hatte mehr gegeben als diese zwei. Doch der dunkle Lord schien keinerlei Interesse an derlei Vergnügungen zu finden. Severus vermutete, dass seine Pläne zur Machtübernahme in der Zauberergesellschaft ihn vollständig erfüllten.

Der Gedanke, dass Lord Voldemort am Rand von Loreleys unterirdischem See saß und ihrem sanften Alt lauschte, irritierte ihn.
Sie hatten die Felswand erreicht, die den Zugang zwischen Amphitrium und Felsengewölbe für Severus versperrt hatte, als er zum Ritual gekommen war. Als er das erste Mal hindurch gegangen war, hatte ihn das Plätschern des Wassers und das grüne Schimmern der Felsenhöhle geführt, doch durch die massive Wand war nun nichts zu hören.

Die Fürstin lehnte sich gegen den Felsen und schien für einen Augenblick mit ihm zu verschmelzen. Wieder war das Energienetz wahrnehmbar, dass sich zeigte, jedes Mal bevor ein Gargoyle zu Stein wurde oder aus dem Stein erwachte. Einen kurzen Moment später verschwand ihr Umriss aus der Wand und hinterließ eine Öffnung, die genau den Konturen ihrer hohen Gestalt entsprach.

Der Tränkemeister und die Elfe folgten ihr in das grüngolden schimmernde Licht der Fackeln und jetzt waren auch die Geräusche der Kaskaden und Wasserfälle deutlich zu vernehmen.

Sie traten in das Felsenseegewölbe. Severus hielt den Atem an. Dort lag Loreley am Rande des Wassers. Ihre goldschimmernde Flosse plätscherte träge im See, während sie in einem der ovalen Elbenbücher las, die er schon in der Bibliothek gesehen hatte.

Sie sah fast genauso aus, wie er sie in Erinnerung hatte: Das blonde Haar flutete über ihren Rücken und ihre Schultern und verbarg auch ihre Brüste. Ihre Haut war beinahe so bleich wie die von Lupins Gefährtin, und ihre Augen leuchteten hellgrün auf, als sie der Besucher gewahr wurde.

„Guten Tag, Schwester. Wie geht es dir heute?" fragte Nuriyya und ließ sich am Rand des Sees auf den Felsen nieder.

Loreley zuckte die Schultern und wies mit trauriger Geste auf das Buch. Es enthielt – wie Severus beim zweiten Hinsehen bemerkte – eine Art Notenschrift und Verse.

Inzwischen setzte sich auch Medeora ans Wasser und reichte Loreley ihre kleine braune Hand. Dann holte sie aus ihren Tüchern eine unscheinbare grüne Ranke hervor und setzte sie auf der Wasseroberfläche ab.

Sie ließ ein paar Lichter aus ihrer Handfläche auf das zarte Grün tropfen und die schmalen Blätter begannen zu wachsen, sie dehnten sich aus, verzweigten sich, schlängelten sich am Ufer entlang und auf die Mitte des Sees zu. Binnen Minuten war ein Teil der Lagune mit Pflanzen bedeckt. Schließlich reckte sich direkt vor Loreley eine dicke runde Knospe aus dem Wasser.

„Sie wird ihren Kelch öffnen, wenn du singst", sagte die Elfe lächelnd. Noch bevor die Nixe eine traurige Miene aufsetzen konnte, zeigte die Heilerin auf Severus.

„Wir haben jemand mitgebracht, der sich mit Luftmagie auskennt."

Loreley sah an Severus hoch, der erst jetzt näher an den See herangetreten war und den Tarnumhang abgenommen hatte. Als sie ihn erkannte, glitt ein Leuchten über ihr Gesicht und blieb in ihren Augen als sanftes Strahlen hängen.

Eine selten empfundene Wärme strömte durch seinen Körper und formte sich in seinem Bauch zu einem angenehm pulsierenden Kribbeln.

„Guten Morgen, Loreley", sagte er und er spürte, wie sich ein Lächeln von seinen Augen aus über sein ganzes Gesicht ausbreitete.

Sie ergriff seine ausgestreckte Hand, aber anstatt ihn wie bei ihrer ersten Begegnung in den See hinein zu ziehen, ließ sie sich von ihm ein Stück heraus heben, bis sie neben ihm auf den glatten Felsen saß. Er umarmte sie vorsichtig und spürte, wie das kalte Seewasser durch seine Robe drang, nur um an seinem Körper feucht und warm zu werden.

Seltsamerweise empfand er diesmal kein alles überwältigendes Gefühl der Leidenschaft, keine brennende Begierde in ihrer Umarmung.
Sie war vertraut und wunderschön, ihre grüngoldenen Augen strahlten ihn an, aber zu seinem eigenen Erstaunen waren seine Empfindungen nicht die eines Liebhabers, sondern gänzlich unbekannter Gestalt.

Sie lächelte und sah dann hilfesuchend zu Medeora und Nuriyya hinüber.

„Ich bin froh, dass sie dich nicht gleich wieder ins Wasser zerrt", grinste die Elfe. „Dann kannst du dich ja um den Stimmenzauber kümmern."

Severus war immer noch irritiert, aber Loreley nickte stumm und zustimmend.
Er zog seinen Stab aus dem Ärmel und lächelte ihr zu, dann setzte er ihn direkt auf ihren weißen Hals und konzentrierte sich.

Vox sanata", sagte er leise und deutlich, und sogleich spürte er, wie die Energie aus seinem Zauberstab in ihren Körper hinein floss.

Es geschah nicht stoßweise, sondern langsam und kontinuierlich, und er musste den Zauber lange halten, dessen arkane Wirbel einfach nicht zum Stillstand kommen wollten. Sie zog Unmengen von Energie aus ihm heraus, und er registrierte nach einer Weile, dass ihm der Schweiß auf der Stirn stand und unter der Robe am Körper entlang lief. Er hatte das Gefühl, gänzlich ausgesogen und entladen zu werden. Nach mehreren Nächten ohne Schlaf war seine Kraft ziemlich aufgebraucht, und die Nixe schien die Magie in Quanten zu absorbieren.
Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, ließ der Strom nach und als die letzten Wellen verebbten, nahm er den Stab von ihrer Kehle. Der Zauber war unvollständig, aber er fühlte sich völlig ausgepumpt.

Sein Arm sank matt herunter.

„Es ist nicht einfach ein Wesen, dass so viel Magie aufnehmen kann, aufzuladen", sagte Medeora. „Das war der längste Stimmenzauber, den ich je gesehen habe", setzte sie beeindruckt hinzu.

„Danke, Severus", sagte Loreley und umarmte den Zauberer, ihre Stimme jedoch klang so heiser, als hätte man ihre Stimmbänder mit Sandpapier geschmirgelt.

„Merlin, das klingt aber böse", stellte Nuriyya fest.

„Es wird besser werden", krächzte die Nixe hoffnungsvoll und sah den Zauberer an. „Zumindest kann ich sprechen, ohne die Zeichensprache zu benutzen."

„Es tut mir leid", sagte Severus mit einem entschuldigenden Lächeln, „dem Mann hinter dem Stab fehlt es an Energie und wohl doch vor allem Schlaf."

Loreley und Medeora lachten. Doch es stimmte. Wann hatte er zuletzt geschlafen? Er erinnerte sich kaum, es schien Tage her zu sein.

„Du könntest hier bleiben und dich bei mir ausruhen", schlug Loreley vor und er musste im Stillen zugeben, dass die Idee, sich bei ihr „zu erholen" mehr als verlockend war.

„Das ist keine gute Idee, Schwester", sagte die Fürstin entschieden und nahm ihm die Entscheidung ab. „Wir können nicht riskieren, dass man Severus Snape hier findet, und auch die Anwesenheit eines Raben an deinem unterirdischen See würde zu viele Fragen aufwerfen. Severus, es tut mir leid, aber du musst mit nach oben. Meine Gemächer sind besser gesichert als der See hier."

Der Slytherin musste ihre Miene und das Funkeln ihrer Augen nur sehen, um zu wissen, dass er auf die Frage, wie denn bei Tag ihre Gemächer gesichert waren, da doch sie und alle ihrer Art mit dem ersten Sonnenlicht versteinerten, besser verzichtete. Es war nicht klug, die Fürstin heute noch einmal zu provozieren. Er tauschte einen kurzen Blick mit Medeora, die ihm zunickte.

Sie verabschiedeten sich von Loreley und kehrten durch die Gänge in den Turm zurück.

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„Ihr solltet beide ausruhen", sagte Nuriyya zu ihm und Medeora. Die kleine Heilerin nickte und gähnte herzhaft.

„Du schläfst ja sicher draußen, Severus. Dann gute Nacht und sanfte Träume im Wind", sagte sie, bevor sie in einem farbigen Wirbel verschwand und nur noch drei herbstbunte Blätter von ihrer Anwesenheit zeugten.

Severus setzte sich auf das Fensterbrett ans geöffnete Fenster und sah in die fahle Morgendämmerung hinaus. Bald würde die Sonne aufgehen und der Rabe würde zurückkehren, sein Vogelblick wach und aufmerksam, aber unfähig, die Farben der Sonne zu sehen.

Am Feuer vor dem Kamin lag Lupin auf einer Decke, die irgendwer mitgebracht haben musste. Er hatte sich wie ein Hund zusammen gerollt. Ein dunkler Schimmer lag über seinen Wangen, wo der Bart spross, als habe sich der Zauberer seit mindestens drei Tagen nicht mehr rasiert.

Severus strich nachdenklich über sein Kinn. Seit der Rabe kam und ging, war die Notwendigkeit eines Rasierzaubers entfallen. Da seine Haut jeden Abend neu gebildet wurde, wuchs sein Bart nicht mehr. Ein Vorteil, wenn man nicht gerade einen Haarschmuck wie Dschingis Khan im Gesicht anstrebte.

Nuriyya hatte sich gegen die Stelle im Gemäuer gelehnt, die ihre Konturen aufnahm wie ein Schloss einen Schlüssel. Ihr Blick glitt ohne wirklichen Fokus über den schlafenden Zauberer zum Kamin hin, um dann zu Severus hinüber zu wandern.

„Du hast Salazars und Sculptoris dunkle Augen", sagte sie auf einmal.

„Ich hielt es bisher für ein Snape-Erbe, ebenso wie die Nase", entgegnete er trocken.

„Die Snapes sind Slytherin-Elfen-Bastarde, wenn man ihre Linie zurück verfolgt", sagte sie lächelnd. „Was hältst du davon, Severus?"

„Es belastet mich nicht besonders. Es gibt sicher unedlere Abstammungen als die von Salazar Slytherin und Medeora. Wenigstens wird es meine Position als Hauslehrer zementieren, wenn ich jemals nach Hogwarts zurückkehren sollte, vorausgesetzt, ich verschweige den Elfenanteil."

Die Fürstin lachte. „Der würde Dir eine sichere Position in der Küche verschaffen."

„Medeora ist keine Hauselfe", entgegnete Severus indigniert. Er zögerte einen Moment, dann fragte er: „Da Medeora nicht hier ist – weißt auch du etwas über meine Mutter? Kanntest du sie?"

Nuriyya zuckte die Schultern. „Ja, ich kannte sie. Ich habe sie jedoch nur zweimal getroffen. Es ist Medeoras Aufgabe gewesen, sich um die Bewahrerinnen zu kümmern. Deine Mutter war eine dunkelhaarige Frau mit feinen Gesichtszügen, wie alle Bewahrerinnen seit Sandrine."

„Ich weiß, wie sie aussah", unterbrach er sie. „Aber wo kam sie her? Wer waren ihre Eltern? Mir sagte sie immer, sie seien Muggel gewesen."

„Das ist richtig. Ihre Mutter Seraphine – deine Großmutter - starb sehr jung bei Syreens Geburt. Sie war selbst nie Bewahrerin gewesen, da sie lange bevor sie das Amulett hätte bekommen sollen, bereits tot war. Die damalige Bewahrerin - Deine Urgroßmutter – gab das Amulett direkt an ihre Enkelin, deine Mutter, weiter. Über deinen Großvater wissen wir leider nichts. Die junge Seraphine, deine Großmutter, hat das Geheimnis mit ins Grab genommen.

Syreen selbst war also keine Hexe im klassischen Sinne. Die Kraft der Bewahrerin ist eher kosmisch gespeist." Eine steile Falte bildete sich auf Nuriyyas Stirn.

„Ich will ehrlich zu dir sein. Deine Mutter war ausgesprochen schwierig und stur. Selbst Medeora kam kaum an sie heran. Und sie erwählte sich einen mehr als unpassenden Gatten. Diese Mesaillance führte in ihrer Konsequenz zu einer schweren Beschädigung des Amuletts. Ich war furchtbar zornig, aber ich konnte den Schaden nicht mehr heilen. Dann machte Medeora den Vorschlag, sie mit Deinem Vater Serapis zusammen zu bringen, nachdem ihr erster Mann jung gestorben war. Sie hatte kein Kind von ihm bekommen und wir brauchten eine Erbin. Sie willigte ein. Es war eine arrangierte Beziehung und sie brachte Beiden kein Glück. Serapis verließ deine Mutter noch vor deiner Geburt."

„Er ist verschollen", sagte Severus. „Auch über ihn konnte ich kaum etwas in Erfahrung bringen, ich stieß in der Familie auf eine Mauer des Schweigens."

„Das kann ich mir vorstellen", entgegnete Nuriyya. „Die Snapes haben über die Jahrhunderte eine sehr reinblütige Attitüde entwickelt. Immerhin stammten sie von einem genialen und berühmten Alchemisten ab, dessen Abstammung sich leider im Dunkel der Geschichte vor etwa tausend Jahren verliert..."

Sie grinste. Severus war klar, dass sie Medeoras und Salazars illegitimen Sohn Solanum Dulcamarus Snape meinte. Er war der Begründer der mittelalterlichen Alchemie gewesen. Die Zaubertränke waren Severus sozusagen in die Wiege gelegt worden.

Die Fürstin seufzte. „Das willst du jetzt sicher nicht hören, aber die Wahrheit ist, dass die Snapes nichts wussten. Ich aber weiß es."

Severus sah sie fragend an.

Nuriyya seufzte. „Medeora glaubt, dass du es besser nicht erfährst, aber ich denke, wir schulden dir die Wahrheit, und du wirst einen kühlen Kopf bewahren und wirst dich nicht zu irgendwelchen unüberlegten Aktionen hinreißen lassen.

Dein Vater starb hier im Schloss. Riddle lebte zu dieser Zeit bereits hier und hatte damals schon mit seinen Modifikationen und schwarzer Magie begonnen, und er brauchte einen Tränkebrauer. Dein Vater war jung, aber sehr gut.

Doch Tom war niemals zufrieden, er war sehr ungeduldig, damals. Eines Nachts hörten wir eine gewaltige Explosion aus dem Labor, dass du ja kennst."

Severus schnaubte verächtlich. Ja, es gab eine Tränkeküche hier im Schloss. Sie enthielt alles, was der Dunkle Lord für notwendig hielt und Severus hatte hier schon machen Trank aus den Arsenalen der Dunklen Künste gebraut, schließlich konnte er das nur zu einem gewissen Grad in Hogwarts tun. Aber er mochte den sterilen, kalten Raum nicht und war stets froh gewesen, wenn er ihm wieder entfliehen konnte. Und nun erfuhr er, dass sein eigener Vater bereits dort gearbeitet hatte.

„Was war das für eine Explosion?" zwang er sich zu fragen.

„Ein Kessel war explodiert. Als ich hinzu kam lag dein Vater mit gebrochenem Schädel am Boden. Die Wucht hatte ihn gegen die Steinwand geschleudert und ihm die Hände abgerissen. Aber er lebte noch. Ich wollte ihn aufheben und zu Meister Nepomuk bringen, von dem ich wusste, dass er in der Bibliothek unten arbeitete. Doch dann kam eine Stimme aus dem Dunkel: Tom. Er befahl mir, da zu bleiben." Sie seufzte und mied den Blick des Rabenwandlers. „Du weißt, dass ich an seinen Befehl gebunden bin.
Dann sagte Tom, dass er dem Trank heimlich flüssiges Magnesian zugefügt habe, damit er bei Erreichen einer bestimmten Temperatur explodierte. Dein Vater hatte Tom beim Abendessen in Gesellschaft anderer Todesser wohl gesagt, dass seine Wünsche mehr Zeit erforderten. Das hatte ihn verärgert und war für ihn Grund genug, ein grausames Exempel zu statuieren. Er lachte die ganze Zeit, während dein Vater in meinem Arm verblutete."

Sie schwiegen. Während es draußen immer heller wurde, hingen sie beide ihren Gedanken nach.

So also war sein Vater gestorben. Auf dem staubigen Steinboden des düsteren kalten Tränkekellers hier in Voldemorts Burg. Und die ganze Zeit, während Severus ihm gedient hatte, hatte der Dunkle Lord gewusst, was er seinem Vater angetan hatte.

Severus ballte die Fäuste. Doch die Fürstin hatte Recht. Er würde keine unüberlegten Schritte unternehmen, er war kein hitzköpfiger Idiot wie Black oder Potter. Kalt und geschmeidig floss die Wut durch seine Adern. Wenn er eine Chance bekam, würde er Rache nehmen. Und er würde alles daran setzen, diese Chance zu erhalten.

Aber noch etwas Anderes beschäftigte ihn. Seine Mutter war eine Bewahrerin gewesen. Und sie hatte eine Nachfolgerin. Doch eine Bewahrerin gab ihre Aufgabe immer an ihre Tochter weiter. Wenn aber Selena ihre Nachfolgerin war, dann muss sie doch ...? Er brachte den Gedanken kaum zu Ende.

Er sah zu Nuriyya hinüber, auf deren Körper schon das Netz aus Energie sanft zu pulsieren begann. Sie würde bald versteinern.

„Sagt mir, Fürstin, ist Selena meine Schwester?"

„Nein." Die Gargoylefürstin schüttelte den Kopf. „Syreen hatte keine Tochter, Severus. Zum ersten Mal seit fast tausend Jahren hatte die Bewahrerin keine Erbin."

„Und Selena?"

„Selena James war ihre Nichte."

‚James' – der Name rührte an etwas in ihm. Hatten nicht Medeora und Lupins Bruder Angelus diesen Namen erwähnt? Und dann war er mit Medeora nach Nordengland appariert, um Lupin zu suchen und – Merlin! Jetzt erinnerte er sich. Das Praxisschild. Der Name: Dr. Harriet James. Und die erste Frage der Mondfrau: „Schickt Euch meine Mutter?"

Selena James war die Mutter von Harriet James. Und wenn seine Mutter Syreen Selenas Tante gewesen war, dann war die Bewahrerin seine Cousine. Was ihn zu etwas wie einem Onkel von Harriet machte und zu Lupins... was auch immer, es war bestenfalls angeheiratet.

Er blickte zu Lupins zusammengerollter Gestalt hinüber. Nein, der Werwolf trug keinen Ring. Das musste allerdings nichts heißen. Die bleiche Harriet erwartete ein Kind von ihm, und dieses würde auch mit ihm, Severus, entfernt verwandt sein. Der Gedanke war irgendwie tröstlich.

Tröstlich wie eine Kerze in einem dunklen Raum, dessen Dunkelheit flüssig und kalt war wie seine Sehnsucht nach Rache. In diesem Moment berührte ihn der erste Strahl der aufgehenden Sonne, und Feuer und Schmerz schluckten die kalte Dunkelheit und lösten sie auf.


TBC