Gegen Abend berichteten die Späher, dass feindliche Heerscharen aus den Gebirgspässen vor ihnen strömten und sich in den Hügellanden sammelten, welche sich südlich der Gebirgskette anschlossen, um sich dort für die Schlacht vorzubereiten. Ihre Zahl war groß, und wie Legolas mit Sorge vernahm, befanden sie sich in Begleitung von Drachen.

„Ha!", machte Glóin, als er davon hörte. „Ich war schon einmal dabei, als ein Drache getötet worden war. Noch einmal werden wir dies gewiss bewerkstelligen können, vor allem mit Bards Nachkommen an unserer Seite."

Eben jener war besonnener. „Ich mag zwar Bards Nachkomme sein und auch seinen Namen tragen", sagte er, „doch bin ich nicht mein Urgroßvater. Die Bogenschützen des Königs Legolas werden uns weitaus mehr von Nutzen sein, auch wenn ich freilich mein Bestes geben werde, um diese Untiere vom Himmel zu holen."

„Die Orks sollten nicht vergessen werden", sagte Legolas. „In Verbindung mit den Angriffen der Drachen aus der Luft könnten sie eine ernste Bedrohung darstellen. Wir müssen uns nun rasch und genau überlegen, wie wir vorgehen."

„Wir haben drei Heere", betonte Gimli noch einmal. „Nicht zu vergessen die Beorninger und die Waldmenschen. Auch wenn ich beide nicht unbedingt als Heer bezeichnen würde, um ehrlich zu sein. Daher lautet mein Vorschlag, dass du, Legolas, deine Schützen auf die Drachen ansetzt, und zwar nur auf sie. Das sollte ihnen, so denke ich, ordentlich zu beißen geben. Deine restlichen Soldaten sowie unsere können sich dann den Orks widmen."

„Und wenn eine dieser Bestien zu Boden geht, werden meine Zwerge da sein, um ihre Äxte an ihren Panzern zu erproben", sagte Glóin im Brustton der Überzeugung.

„Wir können nur hoffen, dass es in der Tat so einfach wird, wie dieser Plan sich anhört", sagte Legolas. „Dennoch erachte ich ihn als das Beste, was wir in so kurzer Zeit aufbieten können. Nun gut, gebt Eure Befehle an Eure Truppen weiter."

Mit diesen Worten beendete er den eilig zusammenberufenen Rat der Heerführer und begab sich zu seinen eigenen Leuten, um seine Befehle auszusprechen. Rasch hatten die Heere Aufstellung genommen. Gimlis Plan war in der Tat sehr gut. Das einzige, was Legolas Sorgen bereitete, war lediglich die hereinbrechende Nacht. Der Himmel war nicht klar, nur vereinzelt brachen die Wolken auf, sodass bald Finsternis über sie fallen würde. Selbst für die Elben würde es dann noch schwer werden etwas zu sehen, wenn dies auch gleichsam bedeutete, dass auch die Orks in ihrer Sicht behindert sein würden. Doch was war mit den Drachen? Wie gut konnten sie im Dunklen sehen? Oder nahmen sie, sobald die Sicht versagte, ihre Umgebung auf andere Weise wahr? Dies bereitete ihm großes Kopfzerbrechen, doch er konnte keine Lösung für dieses Problem finden, nicht in der Kürze dieser Zeit.

Die Heere erwarteten die Ankunft der Orks schweigend und ruhig in ihren Aufstellungen verharrend. Die Bogenschützen hatten ihre Pfeile an den Sehnen und erwarteten nun das Kommando ihrer Befehlshaber. Alles war bereit, während die Orks heranstürmten und ihnen ihre Schmähungen entgegenriefen. Legolas schätze ihre Zahl auf etwa fünftausend, was ihm, wären da nicht gleich drei Drachen, keine allzu großen Sorgen bereitet hätte.

Er richtete letzte, aufbauende Worte an seine Soldaten, welche diese mit großem Jubel aufnahmen. Dann wandte er sein Pferd dem Feind zu und zog sein Schwert. Es war die Klinge seines Vaters und dessen Vater vor ihm. Thranduil hatte sie ihm zum Anlass seiner Krönung vererbt. Legolas hatte schon lange nicht mehr mit einem Schwert in der Hand gekämpft, und auch wenn er in den letzten Wochen viel damit geübt hatte, fühlte sich diese Waffe noch immer ungewohnt an. Ihm war der Bogen eindeutig lieber, doch in so einer Schlacht wäre er für ihn von Nachteil. Außerdem wirkte ein Schwert einfach beeindruckender, wenn er es auf seinem weißen Schlachtross sitzend und in seiner königlichen Aufmachung gekleidet zog und in die Höhe reckte. Soldaten mochten so etwas.

Schon waren die Feinde heran. Auf Legolas' Zeichen hin stürmten seine Soldaten voran, und auch Glóin und Bard taten es ihm nach. Er trieb sein Pferd an und lenkte es mitten hinein in die Reihen der Feinde.

Dann vernahm er das Flügelrauschen. Viel zu dicht über seinem Kopf zog es hinweg, als der Drache wortwörtlich aus heiterem Himmel wie ein gigantischer Falke auf sie herabstürzte. Schon fauchte das Drachenfeuer hinter ihm und brannte eine Schneise des Todes in die Riehen der Soldaten. Doch nur Augenblicke später sangen die Sehnen der Elbenbogen und fauchend und brüllend drehte der Drache ab. Es klappte! Beinahe hätte Legolas vor Freude aufgeschrien. Doch er musste sich auf das Kampfgeschehen um ihn herum konzentrieren.

Freilich war er das primäre Ziel der Orks, doch seine Leibwache leistete ganze Dienste und wehrte jeden Ork ab, der eine ernste Gefahr für ihn hätte darstellen können.

Im ersten Moment wirkte es so, als wären sie tatsächlich überlegen. Die Elben fochten mit kalter Wut gegen jeden Ork, der vor ihre Klingen kam, und auch die Zwerge und Menschen schwangen tapfer und mit großem Erfolg ihre Waffen. Von irgendwo vernahm Legolas sogar das Brüllen eines Bären. Anscheinend hatten die Hautwechsler der Beorninger nun beschlossen, den Orks auf diese Weise zu Leibe zu rücken. Gut, gut.

Nur die Drachen bereiteten ihm Sorgen. Soweit er es beurteilen konnte, gingen sie taktisch vor und attackierten seine Schützen, in welchen sie in der Tat die Hauptgefahr für sich erkannten, aus allen Richtungen. Blitzschnell stürzten sie herab, spien ihr Feuer und waren nicht immer durch gezielte Salven abzuhalten. Teils waren ihre Angriffe so gut koordiniert, dass sie die Schützen in Verwirrung stürzten, sodass die Salven nicht mehr gut aufeinander abgestimmt waren. Dann gelang es ihnen meist, nah genug heranzukommen, um mit ihrem Feuer und Schwank und Klauen durch die Reihen der Schützen zu fegen.

Legolas fluchte stumm. Zu gern würde er seinen Schützen Unterstützung zukommen lassen, doch er wusste nicht, wie er dies gegen Angriffe aus der Luft bewerkstelligen sollte.

Als er nun auch noch ein weiteres, kleineres Heer aus Nordosten kommend ausmachte, erlaubte er sich einen weiteren und dieses Mal nicht mehr nur stummen Fluch. Doch dann sah er, um wen es sich bei den Soldaten handelte: seine in den Ered Wethrin verschollenen und totgeglaubten Mannen! Und sie wurden von einem weiteren Orkheer verfolgt.

Aufgeregt richtete er sich in seinem Sattel auf. „Helft ihnen!", schrie er über den Schlachtenlärm hinweg. „Rettet sie! Rettet unsere Brüder!"

Vielleicht war Findrilas ja doch noch am Leben.