Severus war für den Moment zu verbraucht, um Lucius mehr als einen fragenden Blick zuzuwerfen, als dieser sich zum ungezählten Male über ihn beugte, um ihn zu küssen. Am liebsten wäre er noch tiefer in der Matratze versunken, als er seine eigene Essenz im Mund des Anderen schmeckte, doch es gab kein Vor oder Zurück. Es gab nur ihre beiden Körper, und die Gewissheit, die nun allmählich in seinem sich klärenden Verstand in den Vordergrund trat: Lucius hatte noch immer nicht bekommen, was er wollte. Und seine folgenden Worte machten deutlich, dass er sich nicht mehr viel länger gedulden würde.

Der Junge konnte nicht anders, als sich reflexartig an seinem Freund festzuklammern, als der die Perlen durch Finger ersetzte. Das Gefühl war so ungewohnt und befremdlich, dass sein Körper keine Anstalten machte, sich daran zu gewöhnen. Ganz im Gegenteil; jede noch so kleine Bewegung, die Lucius machte, ließ ihn erschaudern und brachte seinen Atem aus dem Rhythmus. Nachdem er seine Befriedigung gefunden hatte, hätte er sich auf die Seite rollen und in einen tiefen, traumlosen Schlaf fallen mögen, doch die Pläne des Älteren sahen offenbar anders aus. In der Tat schien es ihm nicht zu genügen, sich zu nehmen, was auch immer Severus' erschöpfter Körper ihm bieten konnte. Nein, er wollte offensichtlich, dass der Schwarzhaarige es ebenso genoss. Womöglich brauchte er das Gefühl, begehrt zu werden, ein absurder Gedanke eigentlich, musste sich doch alle Welt darum reißen, mit ihm das Bett zu teilen. Dass es ausgerechnet er war, dem dieses Privileg zuteil wurde, machte den ehemaligen Slytherin noch immer schwindelig.

Schon bald fühlte sich Severus förmlich zwischen den beiden Händen des Anderen gefangen und konnte kaum entscheiden, welche Empfindung quälender, welches Gefühl ersehnlicher war. Und dann begann Lucius, ihn erneut zu beißen. Zuvor, unten im Wohnzimmer und auf dem Flur, hatte es ihn irritiert, wenn nicht verärgert, dass der Todesser ihm willentlich Schmerz zufügte. Mittlerweile jedoch eröffnete sich ihm ein neuer Blickpunkt. Die Spuren, die an seinem Hals zurückblieben, waren vielmehr das zweite Mal, mit dem seine Haut an diesem Abend gezeichnet wurde. Sie waren der Beweis, dass diese Dinge wirklich passiert waren, und würden als Zeugnis dieser Nacht gewiss noch einige Tage bestehen bleiben. Severus hatte nicht vor, den Heilungsprozess mit Salben und Tinkturen zu beschleunigen.

Allein der Gedanke, ein Souvenir an diesen Abend in Form von ominösen blauen und violetten Flecken zu behalten und am nächsten Morgen abenteuerliche Ausreden für Eileen zu erfinden, ließ den schwarzhaarigen Zauberer wohlig erbeben, und nur wenig später begann er, auf Lucius' Hand zu reagieren, obwohl er sich kaum von der vorigen Begegnung mit seinem Mund erholt hatte. Er merkte jetzt, wie schwer es seinem Liebhaber fiel, sich selbst noch im Zaum zu halten – der Atem des anderen Mannes ging schwer und unregelmäßig und seine Erektion presste fester denn zuvor gegen ihn. Es musste ein ungeheures Maß an Selbstbeherrschung erfordert haben, sich so lange zurückzunehmen. Und das alles nur, um ihn nicht zu verletzen. Severus hielt einen Moment lang inne, versuchte den Schmerz und das eigene Verlangen auszublenden und fragte sich, ob er wirklich bereit war. Es gab keine eindeutige Antwort. Dennoch hob er jetzt zögerlich eine Hand, um Lucius' langes Haar beiseite zu schieben und seine Finger vorsichtig über die obersten Wirbel in seinem Nacken fahren zu lassen. Er öffnete und schloss seinen Mund ein paar Mal, unfähig, die Worte wirklich hervorzubringen. Es half nicht, dass Lucius seinen gesamten Körper mit seinen Berührungen reizte; auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen, war schwer genug.

„Warte nicht mehr", sagte er schließlich, und die Worte strömten mit einem einzigen abgerissenen Atemzug aus seinem Mund. „Ich kann nicht mehr warten."