Nächstes =)


Review:

Mannequin: Heyho =)

Och je, das hört sich übel an. Dann muss du doch ziemlich aufpassen in der Pollenzeit? Ich hab zwar auch so Asthma, aber mit Spray geht es eigentlich. Ohne Spray hatte ich zwar auch schon den ein oder anderen Anfall, aber war glücklicherweise noch nie so schlimm. Also musst du es immer durchkochen, bevor du es verzehren kannst? Ganz ohne Gemüse oder Obst geht es ja nicht wirklich, oder? Ich hab zwar eine Freundin, die wirklich gar kein Gemüse isst und auch nur sehr selten Obst, aber mehr, weil sie es nicht mag und nicht, weil sie es nicht verträgt. Ich könnt das gar nicht. Fühl mich unwohl, wenn ich nicht mal Obst und Gemüse esse.

Joah, schon. War zum Glück nicht so lang. Bei einer Woche wie bei deinem Bruder wäre ich glaub ich verrückt geworden. Hab es auch nur mit Kopfschmerztablette in den Griff bekommen, aber glaub, das hatte nichts mit den Pollen zu tun. Im Internet stand etwas von Spannungskopfschmerzen. Hilft dann auch nichts anderes als Tabletten, denn Joggen bringt nur was für den Moment. Nachdem man aufhört, kommt es wieder zurück... =.="

Spricht sie denn noch viel über Harry Potter? Ich krieg das ja nicht so mit. Das meiste nur, wenn ich mal auf der Suche nach etwas bin und ins HP wiki reinsehe. Denke, dass sie sich jetzt mehr über die neue Filmreihe unterhält und ich glaub, da spielt Voldemort wohl keine Rolle mehr? Bin mir aber irgendwie sicher, dass es da bestimmt auch schon viele Fanfictions von Voldemort und Bellatrix gibt? Und Diskussionen in Foren? Früher hab ich so was immer nachgelesen, aber es gab meistens nur wenige Theorien oder Fanfictions, die wirklich etwas taugten, allerdings gab es (früher zumindest) immer zumindest ein paar wenige, die wirklich etwas taugten, also nie nichts. XD

Brian und Jilli auf Voldemort's Seite – Das würde Harry, Sirius, Anna und Remus schön in Schockstarre versetzen... Und Lilli, James und Dumbledore würden sich im Grabe umdrehen ^^

Nope, Joe Baydon taucht in der HP Fortsetzung zum ersten Mal auf XD Hast also nichts überlesen oder vergessen und er ist auch nicht Azuro Baydon's Sohn. Der war derjenige, der auf Voldemort's Seite stand. Sie sind aber in der Tat verwandt. Ich hoffe, dass es in diesem Kapitel einigermaßen gut aufgeklärt ist, weil es zwar eigentlich in CofX vorgesehen war, aber da ist zu viel durcheinander als dass ich jetzt noch nen guten Moment dafür gefunden hätte.

Nope, Brian wusste nicht von Jilli von Anfang an, aber so klug wie er ist, hat er die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und natürlich hier und da nachgeforscht bei allen anderen XD. Dumbledore hat Jilli den anderen im Orden als Jimá Sayé vorgestellt, Adoptivtochter von Yuno Sayé. Selbst Molly und Arthur oder Hagrid haben gebraucht, bis sie verstanden, dass Jimá Jilli Potter ist und selbst sie hatte Dumbledore danach ermahnt dieses Wissen für sich zu behalten. Kila und Charlie wussten wer sie war, weil Jilli mit ihnen in Kontakt blieb, der Rest weiß es entweder immer noch nicht oder hat es selber herausgefunden.

Yap, richtig. Jilli hat den Alexandriten. Hätten Harry und Brian nicht beschlossen sie zu schützen und es deswegen für sich zu behalten, hätten die beiden Jungs weniger Probleme den Horkrux zu finden X.x

Thx fürs liebe Review =) Liebe Grüßle


Chapter 37 – Memories from the past I

Harry war heilfroh, das Jilli ihm wegen dem Gespräch mit Brian nicht im Nacken saß und neugierig versuchte herauszufinden, worum es ging. Das machte das Schweigen darüber einfacher. Es war schön zu sehen, dass sie sich in diesem Punkt unterschieden. Seine Schwester war nicht halb so ungeduldig und neugierig wie er und nahm es stattdessen so hin, dass dies ein Geheimnis zwischen ihm und Brian bleiben würde.

Da sich Sirius und Yuno zusätzlich Zeit für Jilli nahmen, tauchte sie auch seltener in Harry's Unterrichtsstunden auf, was gut war, denn er war sich sicher, dass McGonagall nicht so weich wie Remus reagiert hätte. Der März verging ohne dass Brian sich hatte blicken lassen und laut Karte trieb er sich auch nicht im Schloss herum. Harry bekam die meisten Tests ganz gut, seine Essays waren zumindest akzeptabel und mit Ginny konnte es besser ebenfalls nicht laufen.

Nun, so fand er selbst jedenfalls, war es wieder Zeit sich mit dem zu beschäftigen, was die gleiche Priorität wie die Schule besaß. Für ihn selber eigentlich sogar größere Priorität. Sein Training von Gryffindor's Magie.

Er verbrachte das Wochenende in seiner Wohnung in London. Diesmal ohne seine Freunde. Hermine hatte Ron dazu verdonnert in Hogwarts zu bleiben und zu lernen. Ginny wollte zwar mitkommen, aber alle waren sich einig, dass sie im Schloss sicherer war und ebenfalls noch viel lernen musste.

Dass Harry nicht ganz alleine in seine Wohnung reiste, ahnte er bereits als er eintrat. Er würde nun nicht behaupten, dass er White mittlerweile kannte, aber es gab Dinge, die lagen einfach auf der Hand, wenn man so eng mit ihr gearbeitet hatte wie er in den letzten Monaten.

„Kaylar?!" fragte er in die Leere hinein.

„Ja," sagte die Stimme hinter ihm. Prompt verging der vorsichtige Ausdruck und ein Grinsen war auf seinem Gesicht erschienen als er sich zu ihr umdrehte. Da stand die Phowlyris als ob es ganz natürlich war einfach so in seiner Wohnung aufzutauchen. Er warf seine kleine gepackte Tasche auf das Sofa und packte die Kerze und die Erinnerungen aus.

„Professor White?"

„Sie möchte sichergehen, dass du unversehrt bleibst," antwortete Steward ohne eine Miene zu erziehen. Das machte Harry's Grinsen nur größer.

„Machs dir hier gemütlich. Ich bin mal drüben und – uhm – trainiere. Bitte nicht stören – Wenn du was essen willst, da ist ne Karte auf dem Tisch für nen guten Pizza Service. Geld liegt einiges in der Schüssel auf dem Tisch."

„Tu das," sagte sie ganz natürlich, gerührt hatte sie sich jedoch nicht. Er schüttelte amüsiert den Kopf bevor er in sein Schlafzimmer verschwand und die Tür schloss. Zugegeben, er war ganz froh zu wissen, dass nebenan die Phowlyris weilte. Gab es ihm doch eine gewisse Sicherheit und Ruhe. Er gähnte müde, schüttelte dann aber heftig den Kopf, um sich wieder zu wecken. Schlafen sollte er jetzt auf keinen Fall, wo er endlich etwas Zeit für das Training hatte. Er holte die Phiolen mit den Erinnerungen heraus und sah, dass eine davon mit einem Zettel umwickelt war. Er nahm sich diese als erstes vor.

Harry, diese Erinnerung ist von Remus, der sie dir netterweise zur Verfügung stellt. Sie umfasst die Begegnung deines Vaters und uns allen mit Tria und Joe, das eine Hilfe für deine Ausbilderwahl sein könnte. Viel Erfolg.

Ps. Du kannst die Erinnerung nicht anhalten, sehr wohl aber die Kerze währenddessen erneut anzünden, falls sie ausgehen sollte.

Er zog eine kurze Grimasse, legte den Zettel dann beiseite und beschloss, dass er doch gleich mit dieser Erinnerung starten würde. Da Hermine ihn zu diesen beiden Auroren geraten hatte, war es nicht verkehrt ein Blick in die Erinnerung zu werfen, um beide besser kennenzulernen. Er legte die Kerze auf den Tisch und zündete sie mit dem Zauber an. Nachdem die anderen Phiolen in einer Schublade verstaut in Sicherheit waren, wandte er sich zurück zur Kerze und atmete tief durch. Er musste ruhig bleiben, sich konzentrieren, seine Fassung wahren. Gefühle durften ihn nicht bestimmen. Sie hatten nur dann eine Chance gegen Voldemort, wenn er es hinkriegte, die Kerze lang genug am Brennen zu halten. Er atmete erneut tief durch und ließ schließlich die Erinnerung frei.


Er atmete gleichmäßig. Nichts fühlte sich verkrampft an, er empfand auch keine Neugierde. Er erkannte zwar die Personen vor sich, dennoch empfand er Geduld.

Seine etwa 21jährigen Eltern, Sirius, White, Remus und Pettigrew schritten in einem Wald umher.

„Okay, was suchen wir genau?!" quengelte Sirius irgendwann. James, Remus und Pettigrew grinsten, während White sich ihm genervt zuwandte.

„Zum tausendsten Mal -" bellte sie verärgert. „Ein Fünfblättriges Kleeblatt."

„Wieso Fünfblättrig?!" fragte er und schmollte. „Wenn du Fünf Kleeblätter brauchst, dann zupf dir doch 5 zusammen?! Oder wenn es zusammenhängen soll, dann kleb doch 5 Kleeblätter an ein Stil?!"

James prustete und auch Lilli lachte aus Versehen amüsiert auf. White dagegen schnaubte und bäumte sich vor dem Freund auf, der abrupt stehen blieb und zusammenzuckte als er ihr mit nur einem Millimeter Luft zwischen sich gegenüber stand.

Das-ist-der-Grund-warum-deine-Tränke-immer-nach-hinten-losgehen," sagte sie zähneknirschend. Sirius hatte seine Überraschung abgeschüttelt, setzte wieder das Grinsen auf und hatte sie im nächsten Moment fest mit den Händen gepackt und geküsst. Harry bemerkte, dass White sich nicht wehrte, bis er sie von alleine wieder los ließ und charmant lächelte.

„Dafür hab ich ja dich," sagte er spitz. White schüttelte den Kopf.

„Idiot."

Sie wandten sich wieder der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen zu als Sirius erneut stehen blieb.

„Aber jetzt mal im ernst – Warum Fünfblättriges Kleeblatt?! Warum kein -" Und er zupfte ein Dreiblättriges Kleeblatt heraus und hielt es in die Höhe. „Wenigerblättriges?! Was machen Fünf Blätter denn aus?"

„Es geht um den Saft, der in den Blättern enthalten ist," erklärte Lilli sanft, da White den Freund ignorierte, seine Mutter aber offenbar aus Mitleid dies nicht tun wollte. „Ein Blatt weniger verringert die Wirkung. Es muss von einer Blüte kommen, weil der Trank den Saft über den Stil zieht. Also Fünfblättriges Kleeblatt. Keine angeklebte Sirius kreierte Pflanze."

„Verstehe, verstehe," witzelte er schmunzelnd und gähnte sichtlich. Er wollte also wiedermal nur White auf die Nerven gehen, statt wirklich aufgeklärt werden. „Was passiert, wenn wir -"

„Psch!" zischte White auf einmal nach hinten, aber Sirius schmollte beleidigt.

„Ich will doch nur -"

„PSCH!" machte sie nochmal, diesmal intensiver und hatte ihm einen finsteren Blick zugeworfen. James, Remus, Pettigrew und Peter sahen einander verwirrt an, während White etwas anderes zu beobachten schien.

„Kann man Fünfblättrige Kleeblätter denn verschrecken?!" fragte Sirius Stirnrunzelnd.

„An, was -"

„Ruhe," zischte sie mit harscher Stimme. Ihre Haltung war ungewöhnlich ernst und so tat die Gruppe wie gefordert und bewegte sich auch nicht. White deutete ihnen mit der Hand an in Deckung zu gehen und so gingen sie alle in die Knie, um sich in den Büschen und Bäumen verstecken zu können.

„Todesser," flüsterte die Hexe leise und augenblicklich wurden auch alle anderen ernst. Das war also tatsächlich keines ihrer üblichen Kabbeleien. James schlich sich zu White rüber und blickte ebenfalls hinab. Harry war ihm gefolgt, um es gleichfalls zu sehen. Es war eine ganze Horde von Todessern, die den Pfad entlang schritt und er war in dem Moment froh, dass dies nur eine Erinnerung war. In der Realität wären ihm die Haare zu Berge gestanden vor Panik.

„Was glaubst du, wohin die wollen?" flüsterte James leise. White hatte ihn nicht beachtet und stattdessen ihren Blick auf die Menge unter ihnen fixiert. Es verging einige Minuten bis die Todesser schließlich außer Sichtweite waren. Erst dann wandte White sich zu ihnen zurück und nickte als Zeichen, dass sie wieder sprechen konnten. James und sie gingen zurück zu den anderen und Harry folgte ihnen.

„Die sind auf dem Weg nach Scarcetown," informierte White sie mit finsterer Miene.

Scarcetown?" wiederholte Lilli irritiert. „Ist das nicht?"

White nickte bevor seine Mutter den Satz überhaupt beendet hatte.

„Aber sie gehen nicht wegen Kila dorthin," sagte sie grimmig. „Dürfte nur ein schlechter Zufall sind."

„Wir lassen sie doch nicht einfach tun?!" warf James sofort ein und hatte White auffordernd angesehen. Harry wusste, dass dies eine rhetorische Frage sein sollte. Egal, was White geantwortet hätte, sein Vater hätte die Todesser nicht einfach ein Dorf in Schutt und Asche legen lassen.

„Wir gegen 50 Todesser?" fragte sie ungläubig.

„Können wir das Dorf noch rechtzeitig evakuieren?" schlug Remus vor.

„Unmöglich," sagte Lilli jedoch. „Es sind viel zu viele, um alle in Sicherheit zu bringen. Selbst wenn wir jetzt dem Zaubereiministerium Bescheid geben werden die Auroren niemals rechtzeitig ankommen. Wir müssen die Todesser abpassen, bevor sie das Dorf erreichen."

„Ich wiederhole -" sagte White. „Wir gegen 50 Todesser? Hat irgendeiner von euch den Wunsch zu sterben, der möge bitte vortreten und sich in ein Duell begeben."

„Mach doch dein Veternusdingsbums und schalt sie alle aus?!" schlug Sirius vor. James nickte zustimmend.

„Genau!" sagte er auf einmal. „Veternusdingsbums! Damit kannst du doch locker den Großteil von ihnen außer Gefecht setzen? Den Rest übernehmen dann wir."

White rollte mit den Augen, verzog eine Grimasse und pustete verärgert aus.

„Okay. Versuchen wir's," sagt sie widerwillig. „Aber ich weiß nicht wie viele von ihnen ich damit in den Griff kriege."

„Passt schon," sagte James und atmete erleichtert aus. „Wir übernehmen den Rest."

Zusammen rannten sie so schnell sie konnten durch den Wald Richtung Scarcetown. Harry zuckte plötzlich auf. Er hatte die Kerze ganz vergessen und jetzt, wo es ihm wieder einfiel, wandte er sich vorsichtig zur Seite. Bitte, bitte, lass sie nicht aus sein. Bitte, bitte, lass sie nicht – Ha! Brennt! Er atmete wieder tief ein und aus und wartete geduldig. Er musste sich nicht bewegen oder mitlaufen, die Gegend um ihn herum änderte sich bereits entsprechen der Situation.

Sie erreichten die Todesser noch bevor diese in das Dorf gehen konnten. White hatte bereits den Zauberstab gehoben und auf die Gegner gezielt, da kam von einer ganz anderen Seite Flüche auf die Gruppe geschossen. Die Hexe wurde in den Rücken getroffen und ging auf der Stelle zu Boden. James, Sirius, Lilli und Remus konnten rechtzeitig ausweichen, Pettigrew war gleich von mehreren Flüchen gleichzeitig getroffen und kampfunfähig gemacht worden. Harry war so überrascht davon gewesen, selbst wenn die Kerze nicht ausgegangen wäre hätte er gewusst, dass seine Gefühle nicht im Gleichgewicht waren.

In diesem Moment hätte die Kerze nicht noch unwichtiger sein können. Sein Vater duckte sich, schoss einen Fluch auf einen Todesser ab und erwischte ihn. Seine Mutter, Sirius und Remus taten es ebenfalls, aber sie wurden förmlich überrannt und in die Enge getrieben. Egal, wo Harry hinsah, es wimmelte nur so von maskierten Gegnern in schwarzen Umhängen.

Nun wurde sogar sein Vater getroffen und er ging verletzt zu Boden. Sein Schrei hallte in Harry's Ohren nach und der Puls schoss förmlich in die Höhe. Zur selben Zeit wurde auch seine Mutter getroffen. Sirius baute sich schützend vor ihr auf und übernahm ihre Gegner. Am Ende war es nur eine Frage der Zeit bis auch er von einem Fluch zu Boden ging.

Harry sah einen der Todesser gefährlich nah bei seinem Vater stehen und er richtete seinen Zauberstab gegen den am Boden liegenden Zauberer. James versuchte wieder auf die Beine zu kommen, fand sich jedoch auf halbem Wege Auge in Auge mit der Spitze eines Zauberstabs. In Harry's Ohren donnerte es förmlich, sein Herz hörte nicht auf viel zu laut zu pochen und dann – „Veternus." Es war eine ihm unbekannte Frauenstimme, aber sie klang stark und kräftig.


Das Bild verschwamm und er fand sich in einem Zimmer wieder. Remus war wach und sein besorgter Blick war auf White gerichtet, welche auf einem Bett lag – bewusstlos. Er wandte sich zur Seite und betrachtete Lilli, welche ebenfalls bewusstlos auf einem weiteren Bett lag. Direkt dahinter befand sich Sirius im selben Zustand und Pettigrew unweit entfernt. Ein Stöhnen ließ ihn zur Seite blicken und erleichtert entspannte sich Remus wieder als er James auf dem hinteren Bett erkannte, welcher langsam zu sich kam. Er schritt zu ihm rüber und half dem Freund sich aufzurichten.

„Ow," machte James unangenehm, dann erkannte auch er den Freund und die Situation. „Oh, shit – Lilli! Sirius!"

Er wollte eigentlich auf seine Frau zurennen, schaffte es aber nicht mal richtig aus dem Bett. Er wäre zu Boden gegangen, hätte Remus ihn nicht rechtzeitig aufgehalten und wieder zurück ins Bett gedrückt.

„Sie sind okay," versicherte er beruhigend. „Ich hab nach ihnen gesehen. Sie sind nur ohnmächtig."

„Was ist passiert?" fragte James irritiert. „Haben die uns erwischt?"

„Uhm," begann der Freund verwirrt, musste er es doch selber noch versuchen zu verstehen. „Wir waren gerade dabei anzugreifen, oder besser, Anna war dabei ihren Veternus Zauber auszuführen, da sind wir von ihnen angegriffen worden. Irgendjemand hat den Veternus Zauber ausgeführt, bevor die Todesser uns töten konnten."

„Irgendjemand?" fragte sein Vater misstrauisch.

„Nun, der Zauber wurde ausgesprochen – Er kam nur nicht von Anna. Sie war ja als Erste außer Gefecht gesetzt worden. Glaub nicht, dass sie so schnell wieder zu sich kam und es hörte sich auch gar nicht nach ihr an."

„Stimmt," sagte James als er sich erinnerte. „Wer war das dann?"

Doch bevor Remus eine Vermutung abgeben musste, wurde die Tür geöffnet und eine Frau trat herein. Sie war groß, Kastanienbraune, lange Haare, tiefblaue Augen, ihre Gesichtszüge aber waren sehr streng und hart und sie trug einen auffällig weißen Umhang. Harry kannte sie weder persönlich, noch erinnerte er sich daran ihr irgendwo mal begegnet worden zu sein.

Remus sah sie überrascht an, wollte dann einen fragenden Blick mit James tauschen als auffiel – der Freund war so gar nicht überrascht. Im Gegenteil, sein Ausdruck war feindlich und grimmig und Remus blickte misstrauisch zu der Frau zurück.

Harry zuckte erschrocken auf. Er hatte dies noch nie bei seinem Vater gesehen und in diesem Moment machte es ihn selbst sogar Angst. Es war das erste Mal, dass er diese Wut und Zorn in dem ihm normalerweise sehr warmherzigen und lustigen Gesicht sah.

„James," sagte die Frau respektvoll und nun war es endgültig klar, dass die beiden sich nicht fremd waren. Sein Vater schnaubte verärgert.

„Ich hätte Mum vielleicht fragen sollen, wie viele von euch eigentlich da mitgemacht haben, dann wäre mir das, was jetzt womöglich noch kommt, erspart geblieben," sagte James verbittert. „Aber was soll ich auch erwarten, wenn der ganze Mist von meinem Vater ausging."

Remus runzelte finster die Stirn und Harry verstand, dass er wusste wovon sein Freund sprach und es war nichts gutes.

„Keiner von uns hat vor euch etwas anzutun," sagte die Frau entschlossen und auch das klang nach wie vor respektvoll und ehrlich. „Lass uns woanders darüber sprechen," fügte sie bestimmend hinzu und verschwand wieder aus der Tür. James und Remus hatten sich nicht erhoben, denn hier lagen immerhin noch ihre Freunde und zwar vollkommen wehrlos. Als jedoch weitere Männer herein schritten reichte ein eindringlicher Blick und die Beiden standen auf. Bevor sie sich mit roher Gewalt zwingen ließen, was konnte da ein Gespräch schon schaden?

„Weiße Auroren?" fragte Remus als sie an den bulligen Zauberern vorbei schritten. James nickte grimmig.

Weiße Auroren? Harry war definitiv durcheinander. Weiße Auroren? Was war das? Er hatte noch nie etwas davon gehört. Eine Spezialabteilung der Auroren vielleicht?

Sie wurden in ein anderes Zimmer gebracht, wo sich weitere Leute mit weißen Umhängen befanden. Beim Großteil von ihnen verdeckte die Kutte das Gesicht. Bei einigen jedoch nicht und diese erkannte Harry auch als Tria und Joe, die er vor kurzem kennengelernt hatte.

James und Remus fanden sich ziemlich in der Mitte der versammelten Mannschaft wieder. Die Hexe gab den anderen jedoch ein Zeichen und jeder, der bis dahin im Raum gestanden hatte oder mit den beiden Männern herein kam, schritt wieder hinaus. Die beiden blieben allein mit der Hexe und Tria und Joe zurück. Harry sah, dass sein Vater sehr verhalten reagierte und besonders Joe misstrauisch musterte.

„Mein Name ist Vana Mailabourni -" stellte sie sich mit Blick auf Remus vor. „Ich bin Aurorin des britischen Zaubereiministeriums und ich leite die weißen Auroren. Das ist meine Schwester Tria und das ist Joe Baydon. Ich denke es ist okay, wenn sie beide hier bleiben bei unserem Gespräch."

„Baydon?" wiederholte Remus finster. „Wie Azuros Baydon?!"

„Setzt euch," sagte Vana ohne auf die Frage eingegangen zu sein.

James und Remus tauschten erneut einen skeptischen Blick, folgten danach jedoch der Aufforderung und setzten sich zu Vana an den runden Tisch. Tria und Joe blieben hinter ihr stehen.

„Wir haben euch beobachtet. Ihr wolltet Scarcetown vor den Todessern schützen. Das war -" Sie machte eine auffällige Pause und Harry wusste nicht, ob das nun herablassend oder wirklich nur vorsichtig sein sollte. Nach dem Ausdruck seines Vaters zu urteilen, welches noch feindlicher nicht hätte sein können, war es ersteres.

„Mutig."

„Ihr habt uns gerettet?" fragte Remus, dessen Ausdruck wesentlich milder war als die von James. Andererseits wusste Harry auch, dass der Freund schon immer höflicher und diplomatischer war als sein Vater oder sein Patenonkel. Vana nickte.

„Wir wussten, dass sie kommen würden. Voldemort's Leute. Es war eine Falle."

„Falle?" wiederholte James misstrauisch.

„Das Zaubereiministerium unternimmt nach wie vor nicht genug gegen Voldemort. Nur unsere Arbeit nachgehen würde nicht mal annähernd das bringen, was wir in den letzten Jahren geschafft haben."

„Wie zum Beispiel eine unschuldige Hexe halb umbringen? Oder einen eigenen Todesser aus euren Reihen hervorbringen?!" keifte James finster.

„Was Azuros getan hat lief außer Kontrolle. Glaube mir, dass wir selber am meisten unter seinem Verrat gebüßt haben."

„Wirklich?" entgegnete er höhnisch, aber Vana blickte ihn enttäuscht und traurig an. Auch wenn Harry glaubte, dass die Hexe stark wohl auch sehr mächtig war, für ihn verhielt sie sich seinem Vater gegenüber eher ungewöhnlich gefühlvoll. Es passte nicht zu der Art, die sie vorher an den Tag gelegt hatte.

„Dein Vater hat die weißen Auroren mitgegründet," sagte sie ernst. „Und seine Absichten waren gut. Er war ein guter, starker und intelligenter Zauberer. Er wusste, wie wir alle, dass man manchmal zu nicht legalen Mitteln greifen muss, um denjenigen helfen zu können, die Hilfe brauchen."

„Mum hat mir bereits alles erzählt. Es ändert nichts an meiner Meinung über euch."

Vana schüttelte erneut traurig den Kopf.

„Hat Maria wirklich alles erzählt oder redest du nur von dem, was du hören wolltest, James?"

Sein Vater schnaubte verächtlich auf ihre Mutmaßung hin. Dennoch blieb die Hexe ruhig und nach wie vor dem wesentlich jüngeren Zauberer offen gesinnt.

„Sie hat die weißen Auroren verlassen, weil es dir wichtig war. Das heißt nicht, dass sie gegen uns stand. Oder glaubst du wirklich, wir würden sonst noch existieren?"

James starrte sie finster an, etwas erwidert hatte er jedoch nicht. Harry nahm die Gelegenheit wahr, um die Kerze wieder anzuzünden. Das hatte er beinahe vergessen, so gefesselt wie er von dieser Erinnerung war.

„Ihr werdet hier bleiben müssen, bis alles vorbei ist," sagte die Hexe und Harry wandte sich dem Geschehen wieder zu, stets natürlich mit Blick auf die Kerze in seinem Sichtfeld.

„Alles?!" fragte James skeptisch. „Was alles?"

„Das ist nichts, was euch kümmern sollte," sagte sie entschieden und war dabei aufzustehen, als James das gleiche tat und ihr jedoch deutete, dass dieses Gespräch noch nicht vorüber war.

„In diesem Dorf sind unschuldige Menschen, Vana. Menschen, die mit dem was Voldemort tut ebenfalls nicht einverstanden sind."

Harry verstand zuerst nicht, warum sein Vater das sagte, ahnte aber, dass es etwas mit der Vergangenheit zwischen ihm und den weißen Auroren zu tun gehabt haben musste.

„Ich bin mir dessen bewusst," entgegnete Vana kalt. „Die weißen Auroren würden nie Unschuldige opfern, wenn man es auch verhindern kann."

„Azuros Baydon hätte es fast geschafft alle Lhayphsas für seine Ziele zu opfern! Dank ihm mussten sie ihr Zuhause aufgeben und fliehen!"

Azuros Baydon? Auch Harry's Ausdruck hatte sich verfinstert. War es Zufall dass er denselben Nachnamen wie Joe hatte?

„Wie ich gesagt habe, James. Azuros Baydon war ein Mitglied, das außer Kontrolle geraten war. Wir dachten, Maria hätte sich darum gekümmert. Sie hatte es wohl auch selbst gehofft. Das die Lhayphsas ihm vertraut haben und dies beinahe zu ihrem Untergang geführt hätte, dafür konnten wir nichts."

„Genau."

„Das Gespräch ist beendet," sagte die Hexe entschieden und schritt um ihn herum. Sie verließ den Raum, obgleich James ihr nachrief. Enttäuscht wandte er sich an Tria und Joe, die sich noch im Raum befunden hatten und welche die ganze Zeit über still geblieben waren.

„Vana hat Maria's Tod schwer getroffen," sagte Tria leise. Sie war jünger als Harry sie kennengelernt hatte, aber das war auch kein Wunder. Fand diese Erinnerung schließlich gut 15 Jahre vorher statt.

„Ich weiß, wie gut deine Schwester mit meinen Eltern befreundet war," sagte James.

„Ihr wart auf meiner Hochzeit – Aber nicht mehr auf meiner Mum's Beerdigung?"

„Du meinst, deiner angeblichen Hochzeit," verbesserte sie ihn mit einem milden Lächeln. Harry war überrascht aber auch sein Vater hatte kurz gelächelt.

„Wir wollten kommen," sagte Tria sanft. „Aber wir wussten nicht,ob es angebracht war, nachdem was passiert ist."

„Was war passiert?" fragte James, aber Tria schien nicht vorzuhaben zu antworten. Stattdessen sah sie weg und sein Vater gab sich damit offenbar zufrieden, denn er wandte sich Joe zu.

„Joe Baydon," sagte er ungläubig. „Baydon?"

Der Auror blieb zwar ruhig, aber Harry sah es ihm im Gesicht an, dass James' Art ihn nicht kalt ließ.

„Ihr seid hier in Sicherheit," sagte Joe stattdessen. „Bis unser Plan vorüber ist, können wir euch nicht gehen lassen. Ich bring euch zurück in euer Zimmer."

„Plan?" fragte James. Statt auch nur ein Schritt zur Tür zu schreiten, wie vom Auror beabsichtigt, blieb sein Vater stehen und starrte ihn finster an.

„Was hat Vana vor?"

Die beiden Auroren tauschten einen Blick miteinander aus und tatsächlich gingen sie überraschenderweise auf seinen Vater ein. Harry stellte fest, dass beide nicht nur viel jünger als Vana waren, sondern mit James auch eine eher freundschaftliche Beziehung zueinander besaßen als die respektvolle Weise, die bei Vana und seinem Vater geherrscht hatte.

„Wir wollten die Todesser in eine Falle locken," erzählte Tria. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir Voldemort nur dann stoppen können, wenn wir ihm seine Leute nehmen und das geht nur, wenn wir offensiv vorgehen, statt zu warten bis sie von selbst auftauchen.

Wir haben etwas, das sie wollen und verstreuten das Gerücht, dass es in Scarcetown wäre. Dummerweise seid ihr aufgetaucht und wir mussten den Plan ändern. Vana's Veternuszauber hat nicht für so viele gereicht und die übrigen Todesser, die nicht getötet wurden, konnten fliehen.

Noch wollen sie jedoch das, was im Dorf ist, an sich bringen, also kommen sie auf jeden Fall zurück. Vana will beim Dorf bleiben und diese Todesser mit einem dunklen Fluch töten."

„Was für ein Fluch?" fragte Remus misstrauisch. Keiner antwortete auf die Frage, aber Harry sah ihnen allen an, dass sie es auch so wussten. Es dauerte nicht lange, da brach es aufgebracht aus seinem Vater heraus.

„Da sind Unschuldige in dem Dorf!" sagte er entrüstet.

„Wenn sie nicht schwarz-magisch sind, haben sie auch nichts zu befürchten," sagte Tria und es klang alles andere als sicher. James zeigte dies, dass sie nicht so kalt war und durchaus ein Gewissen besaß, und er appellierte an dies, um die Menschen in dem Dorf zu retten. Allen voran aber, so glaubte Harry zumindest vorher herausgehört zu haben, wollte er Kila retten, die sich dort befand.

„Es gibt schwarz-magische und sie sind unschuldig. Anna ist unschuldig und Azuros Baydon hätte sie beinahe getötet. Joe?"

Er wandte sich wieder zurück zum Auror, doch dieser starrte nach wie vor verschlossen und undurchdringbar zurück.

„Was ihr passiert ist, war unglücklich," sagte Tria stattdessen traurig und James wandte sich wieder der Hexe zu. „Aber manchmal sind Opfer nun mal nötig... Wir haben diesen Krieg nicht begonnen. Voldemort war es. Wir versuchen ihn lediglich zu Ende zu bringen."

„Voldemort ist doch nicht dumm, Tria!" donnerte James wütend.

„Er ist nicht dabei. Es sind nur seine Todesser," entgegnete sie jedoch und klang fast ein wenig bockig, als ob sie das nur sagte, um sich selbst zu erklären und ihm nicht recht geben zu müssen. „Das heißt nicht, dass seine Todesser alle dumm und hirnlos sind," widersprach sein Vater „Ein paar von ihnen wissen andere sehr gut einzuschätzen und dies für ihre eigenen Zwecke zu benutzen. Nicht wenige von ihnen sind irre genug alles anzuwenden, was nötig ist, damit ein solcher Fluch auf euch zurückfallen kann!"

„Das reicht," sagte Tria entschlossen und hatte vollkommen zu gemacht. „Du bist nicht dein Vater, James. Du hast weder seine Erfahrung, noch ein Mitspracherecht in diesem Punkt. Vana hat entschieden. Joe, bringst du die beiden bitte zurück?"

Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern hatte den Raum in schnellen Schritten verlassen. James wollte sie aufhalten, aber sie war draußen noch bevor ihm ein Wort entfahren konnte. Er wandte sich Joe Baydon zu und sah ihn eindringlich an.

„Das kann nicht euer ernst sein? Joe -"

„Es tut mir leid, James."

Seine Antwort klang eindeutig und sein Blick ließ ihnen keine andere Wahl als den Raum zu verlassen und zurück in das Zimmer zu gehen, wo auch ihre Freunde waren.


Lilli und alle anderen waren noch immer komplett außer Gefecht gesetzt und so setzten sich James und Remus nieder und warteten darauf, dass sie wieder zu sich kommen würden. James lehnte an Lilli's Bett auf dem Boden, so dass er ihr beim Schlafen zusehen konnte. Remus saß ihm gegenüber, die Knie an die Brust gezogen und die Arme auf ihnen liegend.

„Du kanntest also alle drei?" fragte Remus nach einer Weile. James nickte betrübt.

„Vana war eine Freundin der Familie. Als ich noch klein war, waren Tricia und Ich oft im Zaubereiministerium. Eltern waren Auroren, Großvater Zaubereiminister. Für uns war das Zaubereiministerium so was wie ein Spielplatz."

Remus lächelte auf James' freches Grinsen hin.

„Crouch hat uns oft ermahnt und zusammengestaucht, wenn er uns in die Finger bekam, aber Vana-" James lachte erinnerungsseelig. „Vana hat uns immer in Schutz genommen, wenn sie konnte. Hat uns mal in ihrem Büro versteckt, Crouch absichtlich belogen, damit er in eine andere Richtung ging und nicht in unsere. Egal, wie absurd ihre Lüge klang, sie hat es ohne rot zu werden getan. Hat sogar die Schuld auf sich genommen als Tricia und Ich seine Tür aus Versehen demoliert hatten. Könnte natürlich auch daran liegen, dass Tria genauso alt wie wir waren und ebenfalls viel Zeit dort verbrachte. Womöglich hatte sie nicht weniger Mist auf den Buckel gehabt."

Remus nickte verstehend, aber James blickte auf einmal traurig auf.

„Nachdem ich nach Hogwarts kam und nicht mehr dort herum hing verblasste der Kontakt. Vana wurde versetzt und sie und Tria verließen England. Vana war zwar Jahre später auf unserer Hochzeit aber nur kurz. Sie gratulierte mir, wünschte mir alles Gute und verschwand wieder. Schon da hatte ich gemerkt, dass sie anders war. Kalt."

„Kalt?"

„Lachte nicht mehr, hatte jegliche freundliche Züge verloren. Keine Vertrautheit mehr – war höflich, distanziert. Fast wie eine Fremde. Sie und meine Mum waren eigentlich gute Freunde. Meine Mum hat sie ausgebildet. Ich hab mir damals nichts bei der unterkühlten Art der beiden gedacht. War ja viel zu viel los hier mit Voldemort. Jetzt aber..."

„Maria hatte zu dem Zeitpunkt die weißen Auroren bereits verlassen."

„Brachte wahrscheinlich ein Bruch zwischen ihnen, wenn Vana dabei blieb und es nun sogar leitet."

„Sie war nicht auf der Beerdigung," sagte Remus nachdenklich und James nickte.

„Nachgedacht schätz ich Meadowes hat es ihr wahrscheinlich verboten. Sie war ja auch mal Mitglied bei ihnen und wenn die Trennung im Streit endete..."

Erneut schüttelte sein Vater den Kopf und Harry bemerkte, wie bedrückt er wurde.

„Was ist?" fragte Remus besorgt. James seufzte. Auch dies kannte Harry bei seinem Vater nicht. Er wirkte melancholisch, gar in sich gekehrt.

„Vana und Tria sind nur zwei von vielen, die sich unkenntlich verändert haben. Erinnerungen an früher – wenn ich sie heute sehe kommt es mir vor wie ein unwirklicher Traum. Sie haben nichts mehr gemein mit denen, die ich früher kannte und mochte. Ich frag mich, was wahr ist. Existierte das früher überhaupt oder hab ich mir diese Personen nur eingebildet?"

Remus blickte ihn mitfühlend an. In seinem Gesicht konnte man den Zwiespalt erkennen, in dem er sich befand und auch, wie wenig ein besorgter Blick geholfen hatte.

„Ich verstehe nicht, wie Voldemort's Einfluss so tief gehen kann, dass er das Leben in solche Bahnen treibt. Vana war eine gute, starke und freundliche Aurorin. Tria eine lebensfrohe und selbstsichere Hexe und sie beide Prinzipien! Gute Ansichten! Und nun sind beide bereit Unschuldige zu töten, um ein paar Todesser zu vernichten."

James schlug seine Faust frustriert gegen den Holzbalken eines leeren Bettes.

„Wer ist Joe Baydon?" fragte Remus. Harry ahnte, dass der Freund das nur tat, weil er glaubte, dass es im Moment nötig war, die Gedanken seines Vaters auf etwas anderes zu lenken, damit dieser nicht noch weiter die Wut an irgendetwas abreagierte, was ihm im Nachhinein mehr Schaden bringen würde als zu helfen. „In welchem Verhältnis steht er zu Azuros Baydon?"

„Joe -" sagte James nachdenklich und lehnte seinen Kopf nach hinten. Sein Blick war an die Decke gerichtet, wirkte direkt verloren.

„Ich kannte Azuros Baydon bevor wir ihn trafen nicht. Hab hier und da etwas aufgeschnappt, wenn Dad über ihn gesprochen hat. Das wars. Joe kannte ich vorher schon, wusste nur nicht, dass sein Nachname Baydon ist. Er und Tricia waren zusammen."

„Tatsächlich?" fragte Remus überrascht. „Deine Schwester und Joe Baydon?"

James lächelte traurig.

„Ich hab nicht viel mit ihm zu tun gehabt. Heißt aber nicht, dass ich ihn nicht mochte. Er war ernst, still, machte eigentlich nie Witze, aber genauso wenig hat er mich groß ermahnt oder mir die Leviten gelesen, wenn eines meiner Zauber schief ging und ihn und Tricia traf.

Eines Nachts schlich ich mich raus, um mich mit euch zu treffen und schlich mich später auch wieder zurück. Im Wohnzimmer brannte noch Licht also konnte ich schlecht durch die Haustür gehen und direkt in die Arme meiner Eltern laufen. Ich kletterte also an den Pflanzen entlang nach oben, hoffend, dass es mich hält und ich durch mein Fenster rein komme."

„Die Pflanzen haben nicht gehalten?!"

„Die Pflanzen haben nicht gehalten," bestätigte James lachend und auch Remus bekam ein amüsiertes Grinsen im Gesicht. „Ich fiel hinab und zwar direkt auf Joe drauf, der kurz vorher meine Schwester zurückgebracht hatte. Ich dachte, ich würde nun richtig Ärger bekommen. War schließlich kein Leichtgewicht und von der Höhe auf ihn herabzukrachen und ihn mal eben den Arm zu brechen – aber nichts dergleichen.

Joe sah mich an, renkte seinen Arm selbst wieder ein, nahm seinen Zauberstab und zauberte mir eine Leiter, so dass ich hochklettern konnte."

„Das war nett," stellte Remus überrascht fest. James nickte traurig.

„Ich hab ihn gefragt, warum er das tat und er sagte, er würde alles tun, damit es meiner Schwester gut geht und sie will, dass es mir gut geht. Das war alles. Dann ging er und er hat mich auch nie an meine Eltern oder meine Schwester verraten.

Sie haben irgendwann Schluss gemacht nachdem Tricia ihre Ausbildung als Aurorin begonnen hatte. Hab nie nach dem Grund gefragt – Hatte mich damals nicht besonders interessiert. Hatte schließlich meine eigenen Probleme und hätte das nicht mal mitbekommen, wenn Mum nicht mit meiner Schwester darüber gesprochen hätte.

Ich wusste nicht, dass Joe's Nachname Baydon ist. Kann mich aber erinnern, dass er ein großen Bruder hatte, zu dem er aufsah. Schätz also, Azuros Baydon ist Joe's großer Bruder. War irgendwie klar, wenn der eine in dieser Gruppe war, ist es der andere auch."

„Sind also beide Auroren geworden?"

James nickte schwermütig.

„Ist nur komisch," sagte sein Vater betrübt. „Die beiden haben nichts gemein. Wenn das heute nicht passiert wäre, ich hätte die beiden nie für Brüder gehalten."

Die Tür ging plötzlich auf und beide Männer sahen besagten Zauberer an der Tür stehen, über den man gerade noch gesprochen hatte. Er warf einen flüchtigen Blick zu einigen Betten, wo ihre Freunde immer noch ohne das Bewusstsein erlangt zu haben lagen, trug ein Tablett mit Sandwiches und Wasserflaschen herein und stellte sie auf dem Tisch ab.

„Falls ihr Hunger haben solltet," sagte er kurz. Remus nickte, James aber sah seinen Gegenüber finster an und schnaubte verächtlich.

„Warum, Joe?" warf James ihm zu bevor der Zauberer hinaus schreiten konnte. Er blieb erstarrt stehen und sah zum jungen Marauder hinab, der nach wie vor auf dem Boden vor dem Bett seiner Frau saß, sein Blick aber war enttäuscht und getroffen.

„Unschuldige töten? Mein Vater hätte das nie zugelassen. Tricia hätte das niemals zugelassen."

Harry ahnte, dass sein Vater seine Schwester mit Absicht erwähnte, um zu testen was für eine Reaktion kommen würde. Dass es die gewünschte war konnte er an seiner veränderten Haltung sehen. Joe atmete tief durch, seine Miene war nicht mehr ganz so ausdruckslos gewesen.

„Du warst nicht auf Tricia's Beerdigung," fügte James hinzu. Joe Baydon hielt für einen Moment inne und Harry ahnte, dass sein Vater auch dies mit Absicht ausgesprochen hatte, weil es womöglich die einzige Möglichkeit war, um zu dem Zauberer noch durchzudringen.

„Ich dachte nicht, dass ich dort noch willkommen wäre," sagte er schließlich und James runzelte irritiert die Stirn. Joe Baydon hatte traurig das Gesicht verzogen.

„Du weißt nicht, was zwischen uns passiert war?"

„Nein," sagte er ehrlich.

„Nicht wichtig," entgegnete der Auror und wieder war er dabei das Zimmer zu verlassen, da sprang sein Vater auf die Beine und hielt den Freund zurück.

„Joe, du musst verhindern, dass Vana diesen Fluch benutzt -" James zögerte, entschloss sich dann aber wohl die Wahrheit hinter seiner Bitte auszusprechen. „In dem Dorf ist ein kleines unschuldiges Mädchen, dessen Magie sehr wohl schwarz-magisch ist und welche durch den Fluch sterben wird. Sie ist 5 Jahre alt."

Der Zauberer schüttelte frustriert den Kopf.

„Vana ist mit den anderen schon lange unterwegs. Es gibt kein Zurück mehr."

„Dann lass uns gehen, damit wir sie aufhalten können. Das hat doch keinen Sinn Feuer mit Feuer zu bekämpfen? Als mein Vater die weißen Auroren gegründet hat, war das Letzte, was er damit tun wollte, bestimmt ein Dorf mit Unschuldigen vernichten, nur um einige Todesser mitzunehmen. Es werden nur einige sein.

Voldemort hat hunderte Anhänger, wenn nicht gar mittlerweile tausend. Ist es das wirklich wert? Es gibt andere Mittel und Wege, statt ein unschuldiges Kind zu opfern. Kila ist 5 Jahre alt, Joe. 5!"

Der Auror sah James noch mal an. Es war zu sehen, wie schuldig er sich fühlte.

„Es ist zu spät, James," wiederholte er frustriert.

„Warum?" fragte sein Vater eindringlich und hatte absolut nicht vor aufzugeben.

„Warum sollte es zu spät sein? Es ist nie zu spät, um etwas richtiges zu tun."

„Weil die Konfrontation in diesem Moment stattfindet. Es ist unmöglich rechtzeitig dorthin zu gelangen. Vana wird den Fluch womöglich bereits benutzt haben..."

Harry sah seinem Vater an, wie entsetzt er von diesen Worten war und auch Remus sah betroffen aus. James schüttelte fassungslos den Kopf.

„Azuros Baydon hat Menschen getötet, die mir wichtig waren. Sehr wichtig sogar. Menschen, die für mich Familie waren. Und du tust nun genau dasselbe."

Dass dem Auror diese Worte nicht kalt ließen, sah man an seiner erstarrten Haltung. Harry hatte noch nie zuvor einen männlichen, bulligen Auror gesehen, dem man die tiefe Bestürzung in diesem Ausmaß ansah.

Lautes Gepolter hatte die Stille durchbrochen und alle drei Männer eilten in den Gang hinaus, um nach dem Grund zu sehen. Schwerverletzte Zauberer in weißen Roben schleppten sich herauf und sofort hatten alle drei Männer ihnen geholfen sich hier in Sicherheit zu bringen.

„Was ist passiert?!" rief Joe Baydon immer wieder entsetzt, doch er bekam keine Antwort. Nur schmerzhaftes Stöhnen und Ächzen der verletzten Anwesenden herrschte im ganzen Haus.

„Die brauchen alle einen Heiler," sagte James ernst, aber Joe hatte kaum auf ihn reagiert.

„Der Heiler..." sagte er stattdessen entgeistert. „Der Heiler ging mit ihnen..."

Plötzlich mischte sich ein Wimmern unter dem Gestöhne und zwei weitere Personen stürzten herein. Es war Tria, die ihre Schwester Vana herein stützte. Beide Frauen waren genauso schwer verletzt und übersät mit Wunden gewesen, wenn nicht gar noch schlimmer. James, Remus und Joe hatten nicht gezögert sofort zu ihnen zu gehen, um zu helfen. Erst als Joe und Remus die ältere Hexe in ihren Händen hielten, ließ Tria los und sank halb in James Armen zusammen.

„Wo ist euer Heiler?!" fragte Remus. Tria schüttelte den Kopf.

„Tot... Er hat es nicht geschafft."

„Vana!" sagte James mit ernster Miene und hatte sich eindringlich an die ältere Hexe gewandt. „Anna und Lilli können helfen. Nimm den Fluch von ihnen, welchen du immer auch auf sie gelegt hast, damit sie nicht aufwachen."

„Ich hab keinen Fluch auf sie gelegt," sagte diese jedoch schwach und mit schmerzverzerrter Miene. Ihre Stimme war kaum zu hören, war gar gebrochen. „Sie waren nur näher als ich den Veternus Fluch angewandt habe. Ich habe keinen Einfluss darauf, wann sie wieder zu sich kommen. Es tut mir leid... Das Dorf ist... zerstört. Ich weiß nicht, ob es überhaupt Überlebende gibt."

„Was zum-?!" kam die für Harry sehr vertraute Stimme seines Patenonkels und jeder wandte sich zur Seite. Von dem Zimmer, wo die Freunde lagen, standen Sirius, Lilli, White und Pettigrew nun wie erstarrt an der Tür, ihre Gesichter schockiert auf die vielen Verletzten gerichtet. James starrte entsetzt zurück und obwohl er gerade wohl nur an Kila dachte, die vielleicht bereits tot war, riss er sich zusammen. Hier waren Verletzte, die noch eine Chance hatten.

„Anna! Lilli! Schnell -"

Auch ohne dass er mehr sagte hatten beide Frauen verstanden und kamen sofort her. Joe hatte ihnen ihre Zauberstäbe zurückgegeben und Harry sah wie seine Mutter sich um Tria kümmerte und White sich um Vana. Sirius, Pettigrew und Remus sorgten dafür, dass die anderen Verletzten notdürftig verarztet wurden bis eine der beiden Frauen herkommen konnte.


Das Bild verschwamm und als nächstes sah sich Harry in einem nun halb leeren Flur wieder. Die Verletzten waren weg, James, Sirius, Remus, Pettigrew und Joe standen auf dem Gang und jeder von ihnen grübelte für sich selbst vor sich hin. Sie erwachten erst aus ihrer Starre als jemand aus einem anderen Zimmer heraustrat. Es war Tria, ihre Wunden waren verbunden, hier und da sah man noch Schnittwunden an Hals und im Gesicht, sonst aber schien sie wieder okay zu sein. Sie blieb verloren stehen und so ging James auf sie zu und drückte ihr aufmunternd die Schultern. Das brachte endlich ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen.

„Du siehst miserabel aus," sagte er mit dem Anflug eines Lächelns, um sie ein wenig aufzuheitern. Tria lächelte erneut, sah dabei jedoch ein wenig aus als ob sie beinahe zu weinen beginnen wollte.

„Ich lebe..."

„Was ist passiert?" fragte sein Vater vorsichtig. Die Hexe seufzte niedergeschlagen.

„Alles klappte zuerst wie geplant. Die Todesser saßen in der Falle. Dann hat Vana den Fluch benutzt und auf einmal explodierte alles um uns herum... Sie hatten irgendeinen Gegenfluch benutzt, der das uns um die Ohren geflogen ist. Oder besser, einer von ihnen hat den Gegenfluch benutzt, weil er dumm genug war, das zu tun. Die anderen hatten sich im Zuge der Explosion rechtzeitig in Sicherheit bringen können, bevor es aus den Fugen geriet. Überall war plötzlich Rauch und wir hörten nur noch Schreie ohne zu sehen was um uns herum war."

„Also sind die Todesser davon gekommen..." sagte Joe deprimiert. Tria nickte mit schuldiger Miene und wandte sich dann an James.

„Es tut mir leid... Du hattest recht. Wir hätten das nicht tun dürfen."

Die Tür des Zimmers ging plötzlich auf und jeder von ihnen wandte sich erwartungsvoll an White. Sie nickte ihnen allen beruhigend zu.

„Sie ist noch nicht über den Berg, aber Lilli hat gute Arbeit geleistet -"

White wandte sich mit ernster Miene an Tria.

„Es wäre wirklich besser, wenn sie einen Heiler aufsucht."

Die Hexe schüttelte jedoch entschieden den Kopf.

„Vana würde es nicht zulassen. Das Zaubereiministerium weiß noch nicht, dass wir zu den weißen Auroren gehören. Wenn wir auffliegen, sind wir unsere Jobs los."

„Wir haben eine Heilerin, die sehr verschwiegen ist und helfen wird," entgegnete White eindringlich. „Lass mich sie hinzuziehen."

Tria zögerte. Als James jedoch zustimmend nickte, war sie schließlich einverstanden damit, wenn auch nach wie vor sichtbar gegen besseren Wissens. White lächelte sanft, dann schritt sie weiter, um die Heilerin zu kontaktieren. James hingegen trat an ihr vorbei in das Zimmer hinein, in dem Lilli bei Vana am Bett saß und gerade eine Wunde verband.

„Hey," sagte er vorsichtig. Vana lächelte traurig und deutete ihm näherzukommen. Die Tür hatte er nicht geschlossen, zumal Tria eigentlich hinter ihm stand und wohl nach ihm ebenfalls hereintrat. Lilli half Vana sich gerade aufzurichten, damit sie sich am Bettende anlehnen konnte.

„Du hattest recht," sagte die Hexe leise. Sie wirkte sehr zermürbt und wagte es kaum seinen Vater anzusehen. „Tria teilte mir deine Bedenken über unseren Plan mit, aber ich wollte nicht zuhören. Ich blieb stur. Ich war mir so sicher, dass es das Richtige war. Ich lag falsch und wir haben gute Leute verloren..."

„Das tut mir leid," sagte James ehrlich. Vana nickte anerkennend.

„Ich dachte, ich könnte das weiterführen, was deine Eltern mitbegonnen hatten. Wir wollten das alle. Damals, als es begann, glaubten wir an so vieles und es lag einfach nicht in unseren Genen zu resignieren. Es lief aus den Fugen, ja, aber – unsere Grundabsichten waren doch richtig. Waren es wert, dass man dafür alles gab. Ich wollte nicht glauben, dass alles falsch war. Ich wollte glauben, dass ich es noch zum guten wenden kann.

Ich warf Maria vor deinen Vater zu verraten als sie austrat.

Sie tat es nicht. Ich tat es. Maria hatte recht. Du hattest recht. Michael Potter wäre nie damit einverstanden gewesen, wie sich alles entwickelt hat."

„Das heißt nicht, dass die weißen Auroren schlecht sind," sagte Lilli plötzlich und sowohl James wie auch Harry und Vana selbst sahen verwundert auf. Haben sie nicht gerade ein unschuldiges Dorf alle gemacht?! Und seine Mutter versuchte dennoch was Gutes zu sehen?!

„Michael Potter hatte schließlich recht damit, dass man manchmal zu gewissen Mitteln greifen muss, um etwas richtiges zu tun. Der Grundgedanke, nachdem ihr handelt, der ist nicht falsch. Ihr wollt Voldemort aufhalten und das ist richtig und gut. Die Methoden aber, die sich mit der Zeit entwickelt haben, sind falsch. Kehrt zu euren Prinzipien zurück, die, wie ich mit Sicherheit sagen kann, weil ich sie kenne, richtig sind."

Vana sah Lilli verschlossen an, aber James kroch ein sanftes Lächeln über die Lippen. Das war Lilli, wie er sie kannte und liebte.

„Vielleicht können wir in Zukunft zusammenarbeiten?" schlug James schließlich vor und nun hatte Lilli sich ihm mit einem überraschten Lächeln zugewandt. Er hatte ihre Intention also verstanden.

„Wir wollen doch alle dasselbe? Ihr seid extrem stark, gut vernetzt und einen viel besseren und leichten Zugang zu einer Menge an Dingen, die wir brauchen, und wenn ihr hier und da auf uns hört – vielleicht können wir zusammen dann Voldemort auch endlich stoppen?"

Vana blickte hinter James und hatte einen Blick mit Tria und Joe ausgetauscht, die sich wie auch alle anderen ebenfalls hinten im Zimmer befanden und welche zustimmend nickten. Erst dann wandte sie sich zurück zu Harry's Eltern.

„Ich muss das noch mit allen anderen besprechen – aber ich weiß die große Geste zu schätzen, uns die Hand zu reichen, nach allem, was passiert ist."

James nickte. Lilli dagegen lächelte gar sanft.


Die Erinnerung löste sich auf und Harry fand sich alleine in dem Zimmer wieder. Die Kerze war längst vorher erloschen, auch wenn er nicht mitbekam wann.

„Mist," grummelte Harry unzufrieden, merkte aber gleichzeitig, wie wenig ihn das gerade kümmerte. Er legte sich ins Bett und atmete heftig aus. Wenn es ein Wort gab, was ihn gerade beschrieb, war es wohl alle. Oder kaputt, oder erledigt, fix und fertig... Er schloss die Augen, nur für einen kurzen Moment.

Die weißen Auroren waren also eine Rebellengruppe, zu der Tria und Joe gehörten, und die von seinem Großvater gegründet wurde. Er hatte noch viele Fragen in sich umher schwirren. Kila hatte doch überlebt? Er hatte sie vor kurzem schließlich kennengelernt. Lebte Vana Mailabourni noch? Azuros Baydon? Der Todesser, der ein weißer Auror war, und offenbar für den Tod von Freunden seiner Eltern verantwortlich war und Joe, der sein Bruder war... war... Halt! Er durfte nicht schlafen! Hatte er geschlafen?

Harry öffnete die Augen und drückte sich auf... Ja, er hatte geschlafen. Draußen war es hell also hatte er die ganze Nacht über geschnarcht. Komische Geräusche von seinem Wohnzimmer ließen ihn aufhorchen und er blickte misstrauisch zur Tür. Das klang als ob jemand seine Küche malträtierte und reihenweise Schüsseln und Pfannen hin und her schlug.

Harry ging vorsichtig hinaus – In der Küche saß Kila am Boden, umgeben von Pfannen, Tellern und Schüsseln, geplatzten Eiern, Mehl und weiteren umgefallenen Gewürzen.

„Harry!" sagte sie unangenehm überrascht und stellte die Pfanne in ihrer Hand ganz vorsichtig und schleichend ab, als ob das alles wäre, was man von dem Chaos sehen könnte und das ganze andere Durcheinander wäre unsichtbar. Harry brauchte einen Moment, dann aber grinste er amüsiert.

„Hi, Kila. Was tust du hier?!"

Er half ihr sich aufzurichten und alles wieder aufzusammeln.

„Tut mir leid. Ich wollte Frühstück machen, aber ich glaub, ich leide am Mischfluch."

Mischfluch?!" fragte er verwirrt.

„Yap. Egal, welchen Zauber ich benutze, ein Fluch wird ausgeführt. Keine Ahnung, was das hier für einer war."

„Ich meine, was tust du hier," wiederholte er mit einer besseren Betonung. „Wo ist Kaylar?"

„Ach so. Professor White brauchte sie also haben wir getauscht. Ich war gerade mit meinem Auftrag fertig."

Harry verzog kritisch die Augenbraue.

„Ich brauch nicht ständig einen Babysitter. Ich bin volljährig und sehr gut im Stande auf mich selbst aufzupassen."

„Gut!" sagte Kila überschwänglich begeistert und lächelte breit. Mehr kam nicht und selbst als Harry irritiert blinzelte tat die Hexe nichts anderes als ihn breit anzulächeln.

„Okay," sagte Harry schließlich um die peinliche Situation zu beenden. Kila kam das offenbar überhaupt nicht unangenehm vor. „Wie wär's, wenn ich uns Frühstück mache?"

„Nein, nein! Ich mach schon. Ich brauch nur die Zutaten. Du musst vom Training noch ganz erschöpft sein."

„Quatsch," sagte er sofort. „Und Eier sind nicht schwer zu machen."

„Eier?! Ich wollte keiner Eier machen, sondern Sandwiches mit Fischmarmelade."

Fischmarmelade?" wiederholte er ungläubig und hatte noch im selben Moment entschieden, dass es ein Glücksfall war, dass sie das Frühstück noch nicht zubereitet hatte.

„Ich hab eher Hunger auf Eier..."

„Oh, na gut. Dann Eier."

Und während er das Frühstück für sie beide machte, fiel ihm wieder die Erinnerung von gestern Abend ein und auch, was noch offen blieb.

„Kann ich dich etwas fragen?"

„Sicher," sagte Kila sofort und wippte auffällig spielend auf einem Barhocker vor und zurück. „Frag."

„Ich hab gestern eine Erinnerung gesehen."

„Dein Training," bemerkte sie ganz richtig.

„Ja. Handelte von das Aufeinandertreffen meiner Eltern mit Tria und Joe."

„Hm..."

„Dein Dorf war zerstört worden und sie sagten Dad, du wärst tot."

„Aber ich bin nicht tot," fuhr sie amüsiert schmunzelnd fort. „Und du willst wissen warum?"

Er nickte vorsichtig.

„Ich war nicht im Dorf, Harry. Meine Adoptiveltern waren doch Auroren im Ruhestand und bei den ersten Anzeichen von Unruhen sind sie mit mir durch einen Portschlüssel in ein anderes Dorf gereist... Deswegen haben wir überlebt. Im Gegensatz zu all den anderen Nachbarn..."

Erneut nickte er vorsichtig, merkte er doch, dass sie dieses Ereignis noch nicht ganz verarbeitet hatte. Er hatte nun nicht viel mit ihr zu tun gehabt bisher, so ernst und gefasst wie in diesem Moment erlebte er sie jedoch zum ersten Mal.

„Ich hatte Glück, dass sie Auroren waren."

Harry nickte verstehend. Das erklärte so einiges.

„Ich nehme an, der Orden arbeitet jetzt mit den weißen Auroren zusammen?"

„Ja und nein," summte sie verträumt und blitzte bedeutungsvoll mit ihren Augen. „Nicht sofort jedenfalls. Mittlerweile schon – Du hast ja Tria und Joe kennengelernt. Es ist einfach zu viel zwischen dem Orden und den weißen Auroren passiert, als dass sie es einfach so hinter sich lassen konnten. Besonders zwischen Joe und James. Es dauerte etwas."

„Jiah," machte Harry nachdenklich. „Das hab ich nicht verstanden."

„Ich würd dir gern alles erzählen, aber ich kenne selber nur ein Teil. Azuros Baydon, Joe's Bruder, war kein guter Zauberer."

„Hab ich mir schon gedacht als es hieß er wäre ein Todesser."

„War," verbesserte Kila ihn mit einem traurigen Lächeln. „Er ist tot."

„Oh," machte Harry ohne wirklich zu wissen, ob er erleichtert sein sollte oder nicht. Der Mann war schließlich ein Todesser und hatte getötet.

„Er war kein guter Zauberer, Harry. Azuros Baydon. Er war ein sehr sehr sehr schlechter Mensch. Das ist zumindest das, was ich aus dem schließe, was ich weiß. Joe dagegen ist ein guter Zauberer. Ein sehr sehr sehr wirklich sehr guter Mensch. Weißt du – Ich habe Severus Snape nie vertraut."

„Wieso nicht?" fragte er und kam nicht umhin zu bemerken wie gern er das hörte und dass sie dadurch noch mal viel sympathischer für ihn wurde.

„Weil ich Lilli und James gern hatte," antwortete Kila und stocherte etwas in ihren Eiern umher, statt ein Bissen zu nehmen. „Und ich jemanden nicht mag und vertrauen kann, der über Menschen herzieht, die ich gern habe. Gute Menschen, die wirklich sehr sehr sehr sehr gut sind. Und ich glaube daran, dass ich weiß, wer gut ist und wer nicht... Wem ich vertrauen kann und wem nicht..." Sie wurde sehr ernst, rückte näher zu ihm heran und flüsterte sehr geheimnisvoll: „Mich hat nämlich ein Engelstroll berührt."

Engelstroll?!" wiederholte Harry und blinzelte verwundert. Kila nickte mit großen Augen und er wusste nicht, ob sein plötzliches loslachen sie nicht beleidigen könnte und so unterdrückte er den Zwang und räusperte sich, um ernst zu bleiben. „Wie das?!" fragte er so ernst wie möglich, das Schmunzeln auf seinen Lippen konnte er sich leider nicht mehr verkneifen.

„Ein Mitschüler hat ein Stein nach mir geschmissen und traf mich am Kopf. Er wusste aber nicht, dass es ein Babyengelstroll war, aber seitdem reicht ein Blick von mir und ich weiß genau, derjenige hat gute Absichten oder schlechte Absichten."

Harry nickte gespielt verstehend, weil auch Kila nickte, dann aber den Finger vor den Mund legte.

„Aber sag es niemanden. Bisher wissen davon nur Brian und Jilli. Je mehr es wissen, um so gefährlich wird dies für die Engelstrolle."

„Klar," sagte Harry und stopfte sich schnell etwas von den Eiern in den Mund, um nicht doch noch aus Versehen zu lachen. Das, so war er sich sicher, wäre eindeutig nicht nett von ihm gewesen. Ob das nun die Wahrheit war oder nicht, er hatte es dennoch gern gehört, dass er nicht der einzige war, der Snape misstraute.