Hier nun der zweite Teil des Finales...

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Kapitel 34:

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I'm gonna make it bend and break
Say a prayer but let the good times roll
In case God doesn't show
Let the good times roll

It's always cloudy
Except for when you look into the past

(Thnks fr th mmrs - Fallout Boy )

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Und als ich mich wenige Minuten später wieder in der leeren Halle des dritten Stocks befand, begab ich mich auf die Suche nach Harry. Die Stockwerke und Treppenhäuser, die ich hinablief, waren still und menschenleer.
Ich betrat die Große Halle und sah alle Kämpfer der vergangenen Stunden vor mir.

Neville kämpfte verbittert, Ron entschlossen und eine blutverschmierte Padma Patil bildete ihre Deckung. Ein gutes Dutzend Ordensmitglieder hatten einen Ring um diesselbe Zahl an Todessern geschlossen und einer nach dem anderen sank im Kreis zu Boden.

Gerade wollte ich mich den Mitgliedern des Phönixordens anschließen, als ein markerschütterndes Ächzen und Stöhnen ertönte und die Erde bebte. An der Südseite der Großen Halle rieselten schwere Brocken der Mauerwand zu Boden wie Kieselsteine und begruben eine Handvoll Kämpfer unter sich.
Staub vernebelte die Sicht und ließ Umstehende husten und keuchen. Meine Augen tränten und ich konnte Harry nicht mehr sehen, der sich am anderen Ende der Halle aufgehalten hatte.
Angst schnürte mir die Kehle zu und ich stürzte an den schemenhaften Gestalten um mir herum vorbei, stieß Frauen zur Seite und drängte mich zwischen Männer in dunklen Kutten. Doch als ich vor den Trümmern der Südmauer stand, sah ich nur verworrene und verdrehte Glieder aus den Steinen ragen. Die Gesichter waren mir gänzlich unbekannt, doch nach wenigen Metern...

Ich wandte mich um und presste die Hand auf meinen Mund, während mein Geist mir in einer Endlosschleife den Schock des ersten Anbllicks auf das blutbesudelte und dennoch leblose Gesicht von Percy Weasley wiederholte.
Ich muss Harry finden, sagte ich mir. Ich muss Harry finden! Und ich musste zu ihm, denn er allein sollte den letzten Schritt tun.

Ein unmenschliches Kreischen brachte mich dazu, mich in meiner Flucht aus der Halle nocheinmal umzudrehen: Lord Voldemort starrte mit tierisch verzerrten Gesicht auf dem Podest des Lehrertisches über die Tafel hinweg auf eine kleine Gestalt mit verwuschelten Haaren.

Harry!
War er vollkommen wahnsinnig geworden? Was war mit dem letzten Horkrux, wo war Nagini?

Augenblicklich wirbelte ich herum und rannte durch den riesigen Saal, beinahe gleichgültig gegenüber all den Menschen, die ich anrempelte. Voldemort fegte den massiven Lehrertisch mit einem Schlenker seines Zauberstabes vom Podest und begrub zwei seiner Männer unter ihm.
Die Angst verlieh mir Kraft, und ich fühlte erst, dass ich vollkommen atemlos war, als ich mich über den riesigen Holztisch hinwegsetzte und das Podest betreten wollte.

Doch augenblicklich warf mich eine gewaltige Macht zurück und ich prallte mit dem Rücken so fest gegen eine Steinsäule, dass mir alle Luft aus den Lungen gepresst wurde. Ich spürte, wie einige Rippen brachen.
Zischend und ruckartig schnappte ich nach Luft und suchte sofort nach meinem Gegner. Mein Blick wanderte von hohen roten Schuhen, einer dunklen Hose und einem weinroten Umhang zu langen wilden Haaren - und als ich das irre Lachen hörte, war ich schon aufgesprungen, allen Verletzungen trotzend.

Bellatrix Lestrange stand wenige Meter vor mir. Ein einfacher Zauber ihrerrseits hatte mich niedergeschmettert. Ein gefährliche Frau - und wahnsinnig obendrein.

"Das Schlammblut Granger", schnurrte sie so geziert, als seien wir beieinander zum Teetrinken.
Und dann schleuderte sie den nächsten Fluch.

Ich wehrte ihn ab, spürte aber dennoch die Macht. Bellatrix musste gutes Geld in ihren Zauberstab, möglicherweise auch in verschleierte Artefakte gesteckt haben, oder aber ihr Wahnsinn war ihrer Zaubermacht besonders förderlich. Ich beschloss, besondere Vorsicht walten zu lassen und warf mich herum.

"Expulso!", schrie ich.

Bellatrix wehrte ihn ab und er schlug neben ihr ein und löste eine Explosion aus, bei der eine der dicken Steinsäulen zerbarst. Sie griff in ihren Umhang, doch ehe sie einen schwarzmagischen und womöglich unabwendbaren Fluch auf mich anwandte, fegte ich sie mit einer Bewegung meines Zauberstabes zu Boden.

Ihr Gesicht verzerrte sich zu einer wütenden Fratze.

"Crucio!", bellte sie.

Ich warf mich zu Boden und der Fluch traf einen dunkelhaarigen Mann einige Meter hinter mir. Er schrie gellend und warf sich in die Knie, doch augenblicklich wurde der Fluch von ihm genommen.. Mir schwante Böses - und im letzten Moment noch sah ich, wie eine dunkle, geflügelte Gestalt auf mich zuschoß. Instinktiv und ohne nachzudenken, brüllte ich den mächtigsten Feuerfluch, den ich gelernt hatte und rollte mich hinter einen umgeworfenen Tisch.

Eine riesige Feuerzunge loderte empor und das von Bellatrix beschworene Getier verging klagend in einer erneuten Explosion.

Ich blickte behutsam an dem Tisch vorbei und mein Blick blieb an Bellatrix Lestranges zusammengekrümmter, schwelender Gestalt haften. Auch im Tod strahlte ihre Gestalt etwas Beunruhigendes aus, doch alle Einschüchterung war gewichen.

Und ich war wie gelähmt.

Ich hatte Bellatrix Lestrange getötet. Bellatrix Lestrange, die Frau, die Nevilles Eltern in den Wahnsinn gefoltert hatte und diesem Jungen das Vertrauen in die Welt genommen hatte. Die Frau, die auch heute noch skrupellos nichts scheuen würde, um ihrem Herrn zu gefallen, durch den ihr Wahnsinn erst richtig aufgeblüht war. Eine Frau, die an Skrupellosigkeit und Gräueltaten kaum zu übertreffen war.
Und die Frau, die in der nahen Zukunft der Gegenwart, in der ich war, Draco Malfoy als Strafe für seine Leichtsinnigkeit bezüglich dieses Kampfes mit seinem Erzfeind und der Anmaßung, gegenüber ihrem Lord, der sich ja den Tod Harry Potters gegenüber allen Anhängern zusprach, töten würde. Die Frau, die ich an diesem Tag ebenso gefürchtet hatte wie Voldemort.
Voldemort.

Nur der Gedanke an Harry trieb mich weiter. Ich verdrängte den Schock und das Entsetzen, versprach meinem Geist, mich später damit zu befassen und lief zu der Tribüne der Lehrer. Ich sah Neville hinter dem großen Lehrertisch in einer geschützen Ecke knieen und eine Frau im mittleren Alter mit einer stark blutenden Beinwunde behandeln. Vorsichtig kroch ich näher und im richtigen Moment sah ich mich Nevilles Zauberstab gegenüber.
Es ist unglaublich, wie stark er geworden ist, dieser tolpatschige Junge.

"Neville, hier ist Hermine." Er senkte den Stab, lächelte und winkte mich zu sich hinter den Tisch. "Hast du Harry gesehen? Weißt du, ob er Voldemort gefolgt ist?"

"Er hat mit ihm gekämpft. Ich habe ihm gesagt, dass ich mit Ernie zusammen seine Schlange getötet habe und auf sein Drängen hin auch bestätigt, dass ihr Blut vollkommen schwarz gewesen ist. Deshalb wollte er sofort zu ihm -"

"Neville, Nagini ist wirklich tot? Wo ist Harry jetzt?", keuchte ich und konnte kaum glauben, was er sagte. Ich hatte schon angenommen, Harry sei wahnsinnig geworden.

"Es hört sich so an, als seien sie in die Eingangshalle weitergezogen. Sei vorsichtig, Hermine!"

"Danke, Neville! Pass auf dich auf!" Ich drückte ihn flüchtig, nichtwissend, ob dies das letzte Mal gewesen sein wird, dass wir uns gesehen haben und hetzte dann hinter Säulen und umgeworfenen Tischen und im Schutz vieler Abwehrzauber durch die große Halle.

Die beiden waren leicht auszumachen. Voldemort war durch seine engsten Todesser umgeben, die zwar allesamt selbst in Kämpfe verwickelt waren, ihn jedoch eindeutig flankierten. Avery kämpfte mit Mr Bott, der kriecherische Wurmschwanz hielt sich recht bedeckt und nur Bellatrix Lestrange fehlte unter ihnen. Und dann sah ich Draco.
Und zu diesem Zeitpunkt begriff ich...

"Überall waren Todesser, Ordensmitglieder und grüne, blaue und rote Lichtstrahlen und ... Körper auf dem Boden. Ich hatte Angst, denn ich war inmitten all dieser Kämpfer. Und vor mir standest du, Draco – du, Harry und Bellatrix. Ihr kämpftet mit verzerrten Gesichtern und heiseren Stimmen." Ich löste mich von seiner Schulter, um ihn ansehen zu können, umklammerte jedoch weiterhin seinen Arm. Dann holte ich tief Luft.
"Voldemort erschien, tötete Harry und Bellatrix tötete dich." Der Schnee hatte meine Jeans völlig durchnässt und meine Finger waren eiskalt, als ich sie fester um Dracos Arm krallte. "Und dann, dann lachte er und ich wusste, wir waren alle verloren; ich schrie und kämpfte, doch ich konnte alleine kaum etwas ausrichten... "

Dies war der Moment. Und als Draco sich in die Schatten zurückzog, betete ich, dass wir genug Veränderung heraufbeschworen hatten, um die alte Zukunft verblassen zu lassen.
Draco war auf unserer Seite, die Rollen waren so klar verteilt. Alles war völlig anders als in dieser Illusion! Draco kämpfte auf Harrys Seite, er würde den Stab nicht in der alten Wut gegen ihn richten und Bellatrix war tot, sie konnte ihm nichts mehr anhaben! Er hatte für uns einen Horkrux gefunden, er hatte mit uns gekämpft und unsere Gegenwart durfte sich nicht in das hoffnungslose Gemetzel verwandeln, dem ich beigewohnt hatte!
Nagini war tot, Voldemort war sterblich und Harry so gut vorbereitet wie noch nie auf eine seiner ewigen Prüfungen. Ich hoffte und glaubte.

Der besagte Held hielt sich hinter einer dicken, wenn auch bereits bröckelnden Trennwand in Deckung und schleuderte nur ab und an einen ausgewählten Fluch auf seinen Gegner. Voldemort dagegen versuchte stets, Harry direkt gegenüberzutreten. Es war ein Hin und Her und ich war innerlich zerissen, wie nah ich kommen durfte, ohne Harry abzulenken oder Voldemorts Erpressungsmittel zu werden. Somit behielt ich die anderen Todesser im Auge und sah, dass Ron, ein wenig entfernt in einem Kampf verwickelt, dasselbe tat.

"Asperitias!" Harry sandte einen neuen Eisfluch und drehte sich dann wieder hinter die schützende Mauer.

Er verfehlte Voldemort und dieser ließ ihm sofort einen Zauber nachfliegen, der in der Mauer explodierte und dicke Steine aus ihr herausrieseln ließ. Einige Sekunden vergingen, dann schoß Harry erneut aus seinem Versteck hervor. Voldemort wich erneut aus.
Dann aber sprang Harry in einem riskanten Versuch des Überraschungsangriffs erneut hervor - und im selben Moment ließ Voldemort mit einem Wutschrei seinen Zauberstab in einem mächtigen Fluch hinaufschnellen.

Die Flüche der beiden schossen durch die Luft und erhellten den Raum und mit einem gänsehauterregenden Zischen verflochten sich die Lichtstrahlen ineinander.

"Die Zwillingskerne", flüsterte ich atemlos. Harrys Zauberstab hielt Voldemorts Macht stand!

Wie bereits im vierten Schuljahr verbanden sich die Energien der beiden Zwillinge, der beiden Zauberstäbe, die in ihrem Kern beide die Schwanzfeder ein und desselben Phönixes trugen. Die Brüder verweigerten somit die Tötung einanders und beschworen stattdessen einen mächtigen Zauber herauf, der jedoch keineswegs harmlos war.
Wie damals schwoll der Energiestrom an, dehnte sich aus und wuchs in seiner Helligkeit und Macht.

Voldemort schnaubte in seinem wahnsinnigen und ohnmächtigen Zorn.

"Avada Kedavra!", donnerte er.

Doch es gelang ihm nicht, den Zauberstab aus dieser mächtigen Verbindung zu reißen. Der kraftvolle Zauber leuchte an der Spitze seines Stabs. So sehr seine Wut uns allen offenbar war, es gelang ihm nicht, den Fluch hinauszutreiben und so flaute das Leuchten ab und verwandelte sich in eine melonengroße, schimmernde Kugel, die auf die Energiestrahlen zwischen den beiden Zauberern glitt.

Gänsehaut kroch über meinen Rücken. Die Kugel wanderte unendlich langsam - doch sie wanderte auf Harry zu!

Harrys Augen weiteten sich in Verstehen und dann in Angst.

"Protego!", schrie er, doch nur an kleines Licht leuchtete an seinem Stab.

"Pellerius! Pellerius!", versuchte Harry einen Verscheuchzauber.

Die Kugel kroch immer weiter auf Harry zu, sie wanderte unaufhörlich.

Voldemort lachte.

"EXPULSO!", brüllte Harry und warf sich mit seinem ganzen Körper gegen den Energiestrahl, der ihn schüttelte.

Und da schoß ein gleißendes Licht aus Harrys Zauberstab und bildete eine weitaus größere Kugel als jene, die bereits auf den Strahlen tanzte. Sie formte ein gewaltiges Rund und rotierte in schnellen Bewegungen.

Fassungslosigkeit trat auf Voldemorts Gesicht.
Mit heftigen Bewegungen versuchte er seinen Stab aus den Strahlen zu reißen, doch die magische Verbindung war zu dominant. Er konnte nur zusehen, wie sich die Helligkeit auf ihn zu bewegte.

"Harry Potter!", kreischte Voldemort voller Hass.

Und dann verging er in einem Lichtkegel und einem grünen Blitz.
Das Licht flammte bis zur Decke und hinterließ eine gewaltige schwarze Rußschicht. Die Detonation der Flüche löste eine Druckwelle aus, die die Wände erzittern ließ.

Und dann herrschte Stille.

Alle Kämpfe brachen ab. Jeder Blick richtete sich auf die verkohlten Überreste des mächtigsten und schwärzesten Magiers dieser Zeit und den blutbeschmierten jungen Mann mit verbogener Brille.
Schnee wehte durch das große Portal in die Eingangshalle und tanzte in den Strahlen des Mondlichts und die unwirkliche Stille ließ die Zeit stillstehen.

Und dann trat Arthur Weasley vor.

"Im Namen des Zauberministeriums fordere ich die Todesser auf, sich zu ergeben und sich dem Gericht zu stellen. Jegliche Zuwiderhandlung, jede Flucht wird verfolgt und ausnahmslos sofort mit Askaban geahndet."

Plötzlich herrschte wieder Leben und heftiges Getuschel. Von dem Gelände von Hogwarts erklangen einige Schreie und Getrampel, doch die Auroren hatten bereits die Eingänge von Hogwarts verbarrikadiert, so dass nur wenige entkommen mochten. Die in der Eingangshalle befindlichen Todesser waren von Auroren eingekreist.

"Lord Voldemort ist gefallen", sagte Arthur Weasley.
Seine Augen staunten über diese Worte.

Und endlich brach Jubel aus.
Menschen fielen sich in die Arme, Tränen flossen und Lachen ertönte und nirgendwo konnte man ein unbewegtes Gesicht sehen. Neville presste eine aufgelöste Padma Patil an sich, Todesser wurden von triumphierenden Auroren in magische Käfige gefesselt, Mrs Weasley warf sich in Mr Weasleys Arme und überall sandten Ministeriumsmitglieder Nachrichten in der Form von Patroni in die Welt. Inmitten dieser galoppierenden, fliegenden und laufenden Lichtwesen eilte Ron auf Harry zu und auch ich rannte, so schnell ich konnte, spürte den Wind auf meiner Haut, das Herz in meiner Brust schlagen und eine Leichtigkeit, wie schon seit Jahren nicht mehr.

Ron warf seinen Freund zu Boden und zusammen fielen wir in die Knie. Tränen rannen über Harrys Gesicht, das völlig regungslos war, wie traumatisiert und erstarrt.

"Er ist tot", flüsterte Harry.

"Du hast ihn getötet, Harry", sagte ich leise. "Es ist vorbei."

"Er ist weg", wiederholte Harry und dann sah er mir in die Augen. "Ich kann es kaum glauben, dass er wirklich gestorben ist. Es war ein ewiger Kampf. es schien wie eine Unmöglichkeit, viel zu schwer für mich kleinen Jungen... und nun ist er tot und ich habe das Gefühl, als wäre ein Teil von mir gestorben." Er stockte und ich wollte gerade protestieren, als ein Lächeln auf sein Gesicht trat. "Das ist ein wunderbares Gefühl. Hermine, Ron, es ist vorbei! Der Kampf ist vorbei! Wir sind frei!"

Ich lachte, schrill und atemlos und glücklich.
Es war wunderbar in diesem Knäuel, das wir bildeten, auf diesen eiskalten Fliesen, umweht von glitzernden Schnee; es war wunderbar, dass wir alle hier waren und es war wunderbar, meine beiden besten Freunde so nah bei mir zu haben.

Und als ich aufblickte mit strahlenden Augen sah ich meine unmögliche Liebe.

Ich liege in den Armen meiner besten Freunde, lebend und berauscht und vor mir steht Draco und lächelt mich an. Er streckt mir die Hand entgegen.

Wir haben gewonnen.

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