Das ging schnell!Motiviert von euren zahlreichen Vorschlägen hab ich das neue Kap so schnell wie möglich geschrieben. Warum kann ich eigentlich nicht immer so viele Reviews bekommen?

Bellas POV:

Stumme Tränen liefen an meinen Wangen herab, während ich zusammengekugelt auf „meinem" Bett lag. Ich wusste nicht, was mich geritten hatte, als ich mich bei Carlisle ausgeheult hatte. Ich kannte ihn kaum, und dann hatte ich bestimmt zehn Minuten lang auf seinem Schoß gesessen! Und dann noch diese bitteren Worte, die er mir zuvor an die Stirn geworfen hatte...

Als die erste Träne meine Augen verlassen hatte, war irgendwie alles zusammengebrochen. All meine Probleme, die die ganze Zeit in meinem Hinterkopf vor sich hinbrodelten, waren letztendlich übergeschwappt und hatten mich mit ihnen geschwemmt. In diesem Moment war es mir irgendwie egal, in wessen Armen ich lag.

Jetzt war es mir nicht mehr egal. Ich sehnte mich nach Jaspers starken Armen, die sich um meine Taille schlangen, nach seinen blonden Haaren, die meine Wange kitzelten. Während ich es in den letzten fünf Minuten hinbekommen hatte, lautlos zu weinen, entfuhr mir bei dem Gedanke an meinen vergebenen Seelenverwandten ein erstickter Schluchzer.

Müde schloss ich meine Augen, mit denen ich bis jetzt nach draußen gestarrt hatte. Carlisle hatte am Rande erwähnt, dass er wollte, dass ich ein Mitglied dieser Familie wurde. Mein Kopf sagte eindeutig: nein, tu es nicht. Denk an die Schmerzen! Das hältst du nicht aus! Ich wollte ihm schon zustimmen, als mein Herz sich einmischte: Du liebst ihn doch, flüsterte es, denkst du wirklich, du kannst ihn verlassen? Bleib! Ich konnte mich nicht entscheiden.

Abwesend hörte ich, wie eine Tür geräuschvoll zugeschlagen wurde. Schwere Schritte bewegten sich auf meine Tür zu und verharrten dort. Ich lag mit dem Rücken zur Tür, deshalb konnte ich nicht sehen, wer sich anschließend ohne zu klopfen in mein Zimmer stahl. Spätestens als warme, angenehm raue Hände sich von hinten um meine Taille schoben, wusste ich es.

Ein schlanker Körper ließ sich hinter mich sinken und legte sich neben mich. Ganz nah rutschte er ran, bis nur noch Kleider unsere Haut voneinander trennten. Er sagte nichts, sondern legte sein Gesicht nur in die Mulde zwischen meinem Kopf und meiner Schulter und atmete tief ein. Strampelnd befreite er seine Füße von seinen Schuhen und zog seine Beine dann an, sodass sie direkt hinter meinen lagen.

Bei meinem nächsten Atemzug konnte ich den Geruch meines Besuchers schon auf der Zunge schmecken. Leder und Pinien und Zimt...herrlich. Als ich den altbekannten Duft wahrnahm, versiegte der Strom der Tränen automatisch und das Zittern meines Körpers stoppte. Jasper hatte es wie jedes Mal geschafft, mich zu beruhigen.

„Warte kurz" , flüsterte ich und befreite mich widerwillig aus seinen Händen. Er brummte verschlafen, anscheinend war er kurz davor, einzudösen. Hat wohl letzte Nacht nicht besonders viel Schlaf gekriegt, der Arme. Schnell zog ich die schwarze Strickjacke aus und warf sie über den Stuhl, der neben dem Bett stand. Dann kroch ich zum Fußende des Bettes und zerrte die Daunendecke unter Jaspers Beinen hervor. Vorsichtig legte ich sie über ihn und schlüpfte dann mit drunter. Dieses Mal mit dem Gesicht zu ihm, damit ich ihn ansehen konnte.

Seine Arme schlangen sich wieder um meinen Körper und zogen mich näher zu ihm. Vorsichtig legte ich meinen oberen Arm auf seinen und stützte mich mit dem anderen an seiner Brust ab. Ich konnte seine harten Muskeln unter dem weichen, weißen Hemd fühlen, das er heute trug.

Plötzlich kamen die Schmetterlinge. Sie flatterten wie wild in meinem Bauch umher, ließen meine Haut kribbeln und meine Wangen brennen. Ich lag gerade mit Jasper in einem Bett! Und hatte nicht mal darüber nachgedacht, als ich die Decke über uns gezogen hatte. Es hatte sich alles so richtig angefühlt, so normal, dass ich nicht mal daran gedacht hatte, dass er nicht zu mir gehörte.

Mein Blick wanderte zu seinem friedlichen Gesicht, das nur einige Zentimeter von meinem entfernt war. Seine Augen waren geschlossen, sein Atem ruhig. Gott, wie gerne ich ihn geküsst hätte! Ein leises Seufzen entfuhr mir und ein kleines Grinsen trat auf sein Gesicht.

Müde öffnete er ein Augen und sah mich prüfend an. „Was ist, Darlin´?" , nuschelte er rau. Beim Klang seiner Stimme raste eine Gänsehaut über meine Arme. Wie er die Worte mit seinen vollen Lippen formte, das schwache, verschlafene Glitzern in seinen intensiven, grauen Augen... Die Sonne kam hinter den Wolken hervor und beleuchtete unser Bett, Jasper kniff die Augen wieder zusammen und stöhnte. „Scheiß Sonne" , glaubte ich ihn murmeln zu hören, während er sein Gesicht in meinem Kissen vergrub.

Ich war währenddessen völlig verzaubert von den kleinen Bartstoppeln, die auf seinem Gesicht sprossen. Sie leuchteten golden in der Sonne und ließen ihn glitzern wie einen Vampir. Absolut hinreißend, ich musste mich schwer beherrschen um nicht meine Hand hervorzuholen und über seine bestimmt ein bisschen kratzige Wange zu streichen.

Stattdessen betrachtete ich seine vollen Locken, die aus dem Zwischenraum von Decke und Kopfkissen hervorquollen. Wild standen sie in alle Richtungen ab, und schimmerten in der Sonne mindestens genauso schön wie seine Bartstoppeln.

Leider verzog sich die Sonne bald wieder und Jasper lugte von seinem Kissen hervor. „Ist sie weg?" , fragte er immer noch verschlafen und ich nickte. „Gut" , wisperte er und drehte mir sein Gesicht wieder zu.

Seine Augen fielen zu und ich kämpfte meinen Arm hervor. Sanft fuhr ich durch seine Locken und entlockte ihm ein letztes Lächeln, bevor er endgültig einschlief.

Ungefähr eine halbe Stunde später lagen wir immer noch da. Jasper schlief tief und fest, und ich lag daneben und beobachtete ihn, obwohl ich eigentlich auch müde war. Zu meinem Bedauern hatte er sich auf den Rücken gedreht und seine Arme von mir gelöst, ich vermisste das Gefühl seiner Haut auf meiner schon. Zwar konnte ich seine Körperwärme immer noch spüren, da wir ja eine Decke teilten, doch das war nicht das Gleiche.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und nahm vorsichtig seine Hand in meine. Ein unglaubliches Gefühl von Geborgenheit und Zuneigung durchfloss mich, als ich sich seine Finger mit meinen verschränkten. Endlich fühlte ich mich wohl, und meine Augen schlossen sich von ganz allein.

Der einzige Vorteil daran, in seinen Bruder verliebt zu sein, ist wohl, dass niemand etwas vermutet, wenn man mit ihm zusammen in einem Bett schläft.

Als ich erwachte, war die Sonne endgültig hinter den Wolken verschwunden. Ich wusste nicht genau, wie lange ich geschlafen hatte, ob es zwanzig Minuten oder zwei Stunden gewesen waren. Jasper neben mir schlief immer noch, der Mund leicht geöffnet und die Haare an einer Seite plattgedrückt. Unsere Finger waren nach wie vor miteinander verwoben, und ich strich leicht mit meinem Daumen über seine Hand.

Ich wollte ihn gerade aufwecken, als die Tür aufgerissen wurde und Alice hereintanzte. Sie grinste mich breit an und krabbelte mit auf unser Bett. Notgedrungen ließ ich Jaspers Hand los und rutschte ein Stück. Die kleine Elfe setzte sich rittlings auf den immer noch schlafenden Jasper und beachtete mich gar nicht weiter, während sie sich hinunterbeugte und seinem Mund gefährlich nah kam. Sie sah mich ein letztes Mal fröhlich an, bevor sie die letzte Entfernung mit ihren Lippen überbrückte und ihn küsste.

Die wohlige Zufriedenheit in meinem Körper wurde von pochendem Schmerz ersetzt und ich schlug hastig die Decke zurück. So schnell wie möglich stand ich auf und ging ins Bad, während Jasper blinzelte und schlussendlich die Augen aufschlug. Ich krachte die Tür hinter mir zu und rutschte an dem harten Holz zu Boden.

Warum musste dieser kleine Giftzwerg immer alles zerstören? Was hatte sie nur gegen mich? Konnte man nicht sehen, dass ich gerade die Zeit mit meinem Bruder genoss? Musste man da reinplatzen?

Durch die geschlossene Tür konnte ich hören, wie Jasper etwas in der Art wie „So will ich immer geweckt werden" oder so sagte, und dann war es still. Seine Lippen waren bestimmt andersweilig beschäftigt.

Ich unterdrückte einen lauten, verzweifelten Schrei und rappelte mich mit wackeligen Beinen auf. Unsicher ging ich zum Spiegel und kämmte meine Haare, bevor ich mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht spritzte und Zähne putzte. Das war eine Angewohnheit von mir, ich hasste diesen faden Geschmack im Mund, wenn man gerade geschlafen hatte.

Nach einigen Minuten war ich aber fertig und musste wohl oder übel rausgehen. Seufzend öffnete ich die Tür und wurde genau so empfangen, wie ich es mir auch ausgemalt hatte:

Von einem wild miteinander rummachenden Paar. Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, aber es war schlimm. Und wenn ich schlimm sage, dann soll das schon etwas heißen.

Jasper war so nett und schob Alice ein Stück von sich weg, als er mich sah. Unbeholfen lächelte er mich an, und wäre ich nicht so stinksauer auf seine „Seelenverwandte" gewesen, hätte ich das sogar süß gefunden. So starrte ich ihn nur ausdruckslos an und verließ das Zimmer, damit die beiden weitermachen konnten.

Wütend stapfte ich die Treppe runter und warf mich auf die leere Couch. Was sollte ich jetzt tun, nachdem die beiden mich erfolgreich aus meinem Zimmer vertrieben hatten? „Bella" , rief mich eine weibliche Stimme, wahrscheinlich Esme, aus der Küche, „kannst du mal bitte herkommen?"

Erfreut über die kleine Ablenkung spazierte ich in die Küche. Esme stand am Herd, ein dickes Kochbuch lehnte an der Wand, und rührte in einem großen Topf. Mein Magen knurrte und mit einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass es bereits kurz vor zwölf war.

„Und? Habt ihr beiden gut geschlafen?" , fragte sie und sah mich sanft aus riesigen, haselnussbraunen Augen an. Woher wusste sie davon? Sie sah meinen fragenden Blick und ein liebevolles Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Carlisle wollte nach dir sehen, nachdem du so aufgelöst warst. Als er euch schlafend vorfand, hat er mich geholt. Ihr saht wirklich absolut bezaubernd zusammen aus." Ihr Lächeln wurde breiter. Carlisle hatte ihr davon erzählt? Ich dachte, ich könnte ihm vertrauen... Esme bemerkte meine Reaktion.

„Oh nein, er hat kein Wort gesagt. Ich habe gesehen, wie du in dein Zimmer gegangen bist. Gib Carlisle keine Schuld, bitte." Prüfend sah ich sie an, sie schien es ernst zu meinen.

„Äh..ja, wir haben gut geschlafen. Jasper ist noch oben, mit Alice", sagte ich und kam damit auf ihre ursprüngliche Frage zurück. Ich fragte mich, ob sie, nachdem ich gegangen war, einfach weitergemacht hatten. Der Gedanke, dass Jasper gar nichts von meiner inneren Qual mitbekam, war unerträglich.

Esme schien zu sehen, dass mir etwas auf dem Herzen lag. „Bella, ist alles in Ordnung?" , fragte sie vorsichtig und rührte die Suppe ein weiteres Mal um.

„Esme, warum hast du mich gerufen?" , überging ich ihre Frage und starrte sie an. Sie sah mich besorgt an, ließ das Thema dann aber fallen.

„Die Suppe. Kannst du mir sagen, was noch fehlt? Ich habe in den letzten Jahren fast gar nicht gekocht, meine Geschmackserkennung ist etwas eingerostet."

Ich kostete einen Löffel und nickte abwesend. „Eine Prise Salz, eindeutig."

Ja ich weiß, der Schluss ist etwas komisch. Dafür kam das Kapitel aber sehr schnell, oder? Bitte vergebt mir! ;)