Wie ein Kind
„Danke Kleine!" Fred fuhr Helena übers Haar während George das Buch begutachtete. Wozu sie das wohl brauchten?
„Aber gebt es mir dann zurück! Bitte." Es war ihr immer noch nicht wohl dabei. Immerhin hatte sie Snape bestohlen. Wenn er das rausfinden würde, konnte sie sich nicht nur auf Hausarrest gefasst machen. „Wozu braucht ihr das eigentlich?"
„Forschung, meine Liebe, Forschung! Sicher geben wir es der Kerkerfledermaus wieder! Keine Frage. Aber wir werden es wohl eine Zeit lang in Anspruch nehmen müssen", lachte George. Schon länger planten sie etwas mit Speisen zu entwickeln. Und jetzt hatten sie endlich einen Ansatz dafür.
Inständig hoffte die Schwarzhaarige, dass Snape das Verschwinden des Buches nicht merken würde. Immerhin fiel ihm fast alles auf.
Ron und Harry waren aus dem Häuschen, nachdem Gryffindor gesiegt hatte. Trotz Snape als Schiedsrichter. Unzählige Male musste Helena sich die Manöver des Spiels anhören. Bis dem Jungen mit der Brille wieder etwas einfiel. „Nach dem Spiel ist Snape mit Quirrell im Wald verschwunden. Ich bin ihnen gefolgt. Anscheinend weiß dein Dad, dass Quirrell vor hat den Stein zu stehlen." Selbst Hermine sah nun von ihren Notizen auf.
„Wieso hast du das nicht eher gesagt? Wir müssen Snape helfen! Wozu Quirrell auch immer den Stein braucht, gilt es nun heraus zu finden." Hermine kramte ihre Bücher und Notizen zusammen und zog die drei mit in die Bibliothek.
„Hermine! Du lernst schon für die Abschlussprüfungen, da wollten wir dich nicht stören!", stöhnte Ron. Er hasste ihren Übereifer. Helena seufzte. Zehn Wochen noch, dann waren die Prüfungen. Vielleicht sollte sie auch zu lernen beginnen. Gut dass sie schon mal in der Bibliothek waren.
Hermine zog ein großes Buch aus einem Regal und knallte es auf den Tisch. „Da steht was über Flamel und den Stein drinnen!" Die junge Halliwell nickte. Dasselbe Buch hatten sie am Dachboden zur Rate gezogen.
Plötzlich nieste jemand hinter ihnen und die Vier fuhren zusammen. Hagrid hatte ein staubiges Buch aus dem Regal gezogen. Nun versteckte er es hinter seinen Rücken und kam lächelnd zu den Kindern. „Na, lernt ihr schon brav?"
„Nein, nicht wirklich. Wir stellen Nachforschungen an!", grinste Harry und seine Augen glitten über die Zeilen. Er war damals krank gewesen, als Ron und Helena das mit dem Stein herausfanden.
Geschockt starrte der Halbriese seine kleinen Freunde an. „Was? Ich sagte doch, lasst es bleiben!" Damit er zufrieden war und abzog, schloss die Braunhaarige das Buch.
„Tja, wir wollen eben mehr wissen über den Stein der …" „Scht! Seid ihr verrückt geworden? Kommt heute in meine Hütte!" Damit machte er sich schnell aus der Bibliothek. Ron huschte zu dem Regalen, von denen Hagrid ein Buch genommen hatte.
„DRACHEN! Wieso hat er ein Buch über Drachen ausgeliehen?", fragte der Rotschopf ratlos. Helena und Harry schluckten. Schnell erklärten sie den beiden, dass Hagrid ein absoluter Drachenfan war. Und das Buch handelte von Drachenhaltung. Ein Vortrag von Ron folgte, da Charlie, sein großer Bruder bei den Drachen in Rumänien arbeitete.
Hatte Hagrid also einen Drachen? Die Frage des Tages. So früh wie nur möglich liefen die vier zu Hagrids Hütte. Dabei liefen sie jedoch Snape über den Weg. „In den Gängen wird nicht gelaufen! 5 Punkte Abzug für jeden von ihnen! Helena? Ich hoffe das du bereits zu lernen begonnen hast!" Das Mädchen nickte heftig und eilte dann mit ihren Freunden weiter. Hastig klopften sie an die Tür der Hütte.
„Ich komme gleich!", drang es heraus. Hastige Handgriffe und Schritte waren zu hören. Kurz darauf steckte ein ziemlich verschwitzter Hagrid den Kopf aus der Tür. „Oh, ihr seid schon hier?" Anscheinend hatte er sie erst später erwartet. Doch er ließ sie bereitwillig eintreten. In der Hütte war es unbeschreiblich heiß und Helena legte ihren Umhang und Pullover ab.
„Hagrid? Betreibst du jetzt eine Sauna?", fragte Hermine und zog sich ebenfalls aus. Ron sah die Braunhaarige verwirrt an, während Helena gluckste und sich umsah. Im Kamin brannte Feuer und ein Kessel hing darüber. In diesem lag ein… „Ei? Hagrid du weißt das die Drachenzucht verboten ist, oder?" Auch Ron hat es gesehen. Geschockt starrte er vom Kamin zu seinem großen Freund. Das war gesetzeswidrig und gefährlich! Auch die anderen schienen geschockt. Nur Helena ging fasziniert auf das Ei zu. Es sah viel interessanter als in einem dieser blöden Bücher aus.
„Wann schlüpft es denn?", fragte sie gespannt. Sie lächelte Hagrid an, der zufrieden zurück lächelte.
„Es sollte nicht mehr lange dauern! Du kannst dann füttern kommen, wenn es so weit ist!" Begeistert nickte die Gryffindor und stupste das Ei an. Ob man einen Drachen wie einem Hund Kunststückte beibringen konnte? „Ihr dürft aber nichts verraten! Sonst hab ich ein Problem!", bat der Halbriese. Obwohl Hermine so aussah, als ob sie jeden Moment zu McGonagal laufen würde, stimmte sie in das Versprechen ein. Hoffentlich hieß es jetzt nicht: Mit gehangen. Mit gefangen.
Weit nach dem Abendessen, machten sich die vier wieder auf den Weg nach oben. Helena grinste dabei die ganze Zeit. Hagrid hatte ihr versprochen die Patentante von dem Drachenbaby zu sein. Also würde sie jeden Tag nach unten schleichen und beim Füttern helfen. An ihren Dad dachte sie dabei gar nicht. Dieser stand jedoch schon bereit am Eingangstor um die vier Kinder, die das Abendessen versäumt hatten, gebührlich zu empfangen. Würde er ihnen nun wieder 20 Punkte abziehen? Das war bestimmt die Rache für das gewonnen Quidditchspiel. Manchmal benahm ihr Vater sich wie ein Kind.
„Guten Abend, Sir!", piepsten die vier Gryffindor und gingen langsam weiter an Snape vorbei. Er unterdrückte einen Seufzer und sah auf seine Tochter herab. „Auch wenn ihr euch gern herumtreibt, habt ihr immer auf die Uhr zu achten! Haben wir uns verstanden?" Er spielte mit dem Gedanken ihnen weitere Punkte zu entziehen.
Nicht nur aus der Gefühlsregung, sondern auch aus seinen Gedanken konnte sie lesen, was er vor hatte. Sofort blieb sie stehen und wandte sich zu ihrem Dad und um sah ihn böse an. „Wieso tust du das? Macht es dir Spaß, anderen Angst zu machen? Und warum gerade uns Gryffindor?", kam es empört über ihre Lippen. Dass sie eben zu weit gegangen war, merkte sie an dem funkeln in seinen Augen.
„Man dringt nicht in die Gedanken anderer ein! Und so sprichst du sicher nicht mit mir! 10 Punkte Abzug für Gryffindor und Strafarbeit! Du wirst Filch helfen! Und nun verschwindet in euren Turm", herrschte er sie an.
Helena stiegen die Tränen in die Augen, doch sie unterdrückte es. „Weißt du, Dad, manchmal benimmst du dich wie ein Kind!" In ihrem Blick lag in diesem Moment so viel Verachtung. In Snapemanier wandte sie sich um. Genau wie bei ihm bauschte sich ihr Umhang auf, als sie zügig die Treppen erklomm. Ihre Freunde folgten ihre schnell. Sie erwarteten jeden Moment ein Donnerwetter.
Fassungslos sah er ihr nach. Ihre Stimme und ihr Blick und dann ihr Abgang. Sie wurde schon langsam ein wenig wie er. Aber sie war frech und hatte sich ihm wiedersetzt. Ja, sie hatte ihn sogar zurechtgewiesen. Und ihn vor ihren Freunden bloßgestellt. Eigentlich wollte er sie nicht in die Klauen des schmierigen Hausmeisters geben, doch sie ließ ihm keine Wahl. Etwas in ihm sagte jedoch, dass sie recht hatte. Da war eine kleine Stimme, die verdächtig nach Lily klang und die pflichtete seiner Tochter bei. Wütend wandte er sich um und hätte fast Quirrell umgenietet. Dieser zitterte bei seinem Anblick. „Aus dem Weg, Sie Schmierenkomödiant!", fauchte er seinen Kollegen an. Dem war der Turban verrutscht. Schnell richtete er ihn. Kurz spürte Severus einen Stich in seinem Arm, dem Arm mit dem Mal. Doch er ignorierte es und rauschte davon. Er hatte besseres zu tun als sich hier auf zu halten.
Wütend knallte sie ihre Tasche gegen den Bettpfosten. Manchmal war er einfach unmöglich! Wieder hatten sie Punkte verloren und sie hatte obendrein eine Strafarbeit bei Filch bekommen. Na prima. Ihre Wut verrauchte und sie sank auf ihrem Himmelbett zusammen. Noch bevor die ersten Tränen fließen konnten, kam Hermine bei der Tür herein und legte ihr sofort tröstend einen Arm um die Schulter.
„Es ist Snape!", sagte sie zur Begründung. Wieso sollte man wegen der Kerkerfledermaus auch nur eine Träne vergießen? Und Hermine wusste, dass ihre Freunde schon mehrere wegen ihm vergossen hatte. Mitfühlend sah sie das Mädchen neben sich an. Wieso musste sie nur so einen Vater haben?
„Du hast Recht! Es ist Snape! Und er … vergiss es!", seufzte die junge Halliwell und wischte sich die Tränen weg. Schnell erhob sie sich. Warum hatte er denn keine Spur von Gefühl? Er war kalt und ein Tyrann, der gerne Kinder quälte. Auch sie war da keine Ausnahme. Sie hatte ihren Dad wirklich lieb, aber er ging einfach zu weit. Doch bevor irgendjemand der beiden Mädchen etwas sagen konnte, erschien vor ihr eine Rolle Pergament. Schnell entrollte sie es. Ein neuer Auftrag.
Hermine las es von der Seite mit und keuchte. Wenn sie sowas machen müsste, würde sie dabei drauf gehen. Aber Helena schien Übung darin zu haben. „Du weißt, dass du ihm dein Verschwinden melden musst?" Doch die junge Halliwell schnaubte nur verächtlich. „Gut, aber tu dir nicht weh, ja?" Die Schwarzhaarige nickte und war im nächsten Moment auch schon verschwunden. Nichts war ihr im Moment lieber.
Es war unheimlich dunkel. Licht wollte er keines machen. Dazu war er im Moment viel zu wütend. Nicht auf seine Tochter sondern auf sich selbst. Wieso musste er immer alles kaputt machen? Erneut hatte er ihre Gefühle verletzt. Er hatte es gesehen und sogar gefühlt. Dieses Kind war wie er. Bereits in diesem zarten Alter glaubte sie ihren 11 Jahren voraus zu sein. Ihm war es damals nicht anders ergangen. Doch er hatte Lily, an der er sich angehalten hatte. Aber wenn hatte Helena? Den Potterjungen? Die Vorstellung graute ihm. Doch wieso eigentlich? Er war Lilys Sohn. Es war wie damals. Seine Tochter und ihr Sohn waren Freunde, so wie er und Lily einst. Und dennoch hasste er den Jungen. Aber nicht für seine Art, sondern für sein Aussehen. Auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte, Harry hatte die Art seiner Mutter. Severus fuhr sich mit beiden Händen ins Haar und krallte sich fest. Was geschah nur mit ihm? Seit er zu unterrichten begonnen hatte, hatte er sich keine Gedanken um Kinder gemacht. Und jetzt, seit Helena, war er wohl weicher geworden. Das Kind! Wie sehr er seine Tochter doch liebte. Wütend biss er sich auf die Zunge. Und er hatte bereits zum dritten Mal die Tränen in ihre Augen getrieben. Er wanderte ins Badezimmer und machte das Spiegellicht an. „Du bist unfähig! Alles machst du kaputt!", fauchte er sich selbst an und warf einen Schwung eiskaltes Wasser in sein Gesicht. Er würde keine dritte Chance kriegen, er hatte es nicht verdient. Es war auch besser, wenn sie zu ihren Schwestern zurück gehen würde. Wie sehr ihn dieser Gedanke doch schmerzte. Er, Severus Snape, hatte Angst wieder allein zu sein. Wie ein Kind. Ihre Worte hallten in seinem Kopf, selbst als er auf dem Bett lag und um Schlaf bat. Doch er kam nicht, also schwang er sich aus dem Bett und schritt an seinen Schreibtisch. Jetzt würde er etwas tun, was er bisher erst einmal getan hatte. Schnell fischte er Pergament und Feder aus der Schublade.
Geschafft. Es war vollbracht. Helena und ihre Schwestern feierten und freuten sich. Die Quelle war vernichtet worden. Es war zwar ein harter Kampf gewesen und zwischenzeitlich hatte es ziemlich schlecht für die Halliwells ausgesehen, doch nachdem die Ältesten die jüngste dazu gerufen hatten, war es gut ausgegangen. Helena hatte die Quelle abgelenkt und die drei Schwestern hatten es zum Buch geschafft. Denn Phoebe hatte ausversehen den Spruch zwischen den Seiten vergessen. Zu viert hatten sie ihn dann aufgehalten. Cole, der gerade noch rechtzeitig ins Zimmer kam, schwächte das Dämonenoberhaupt zusätzlich mit seinen Feuerbällen. Und nun war es vorbei. Die Quelle war vernichtet und die Schwestern hatten ihre Pflicht erfüllt.
„Ab jetzt wird es langweilig werden!", meinte Paige und nahm einen Schluck Rotwein. Phoebe pflichtete ihr bei.
Nur Piper schnaubte. „Das passt schon so!" Sie schmiegte sich an Leo, der sie liebevoll in seinen Armen hielt. Für einen schrecklichen Moment hatte er die Angst gehabt sie zu verlieren. Doch es war ja alles gut gegangen. Zärtlich küsste er seine Frau.
„Ihr glaubt doch nicht ehrlich, dass es vorbei wäre? Jetzt geht es darum: Wer einen von euch tötet wird neue Quelle!", erklärte Cole den zauberhaften Schwestern und sah sie ernst an. Doch nachdem ein Kuss von Phoebe folgte, lockerte sich seine Miene.
„Das haben wir doch bis jetzt immer geregelt!", lachte sie und küsste ihn nur noch leidenschaftlicher. Wie sehr sie die Gefahr doch liebte.
Helena saß einfach nur grinsend neben ihren Schwestern im Wohnzimmer und genoss die Schokomilch, die sie sich gegönnt hatte. Es war bereits spät, doch sie dachte nicht daran noch Hogwarts zurückzukehren. Sollte Snape doch schmorren. Sie konnte sich schon richtig seine doofe Miene vorstellen, wenn er feststellte, dass sie nicht da war. Mal wieder. Sollte er doch toben, was scherte es sie? Betrübt seufzte sie. Sehr viel sogar. Immerhin war er ihr Dad und sie hatte ihn lieb. Aber was sollte sie schon tun.
Phoebe bemerkte den Stimmungsumschwung ihrer kleinen Lieblingsschwester. „Nicht schon wieder!", stöhnte sie. Keine Frage was los war. „Was hat er diesmal gemacht?" Helena sah auf. Wieso wusste sie nur immer was los war. Doch die junge Hexe erzählte den Schwestern was passiert war.
„Wenn zwei Kinder sich streiten, was?", lachte Paige. Die Jüngste rollte mit den Augen. Was sich die Matthews immer einmischen musste? Doch sie sagte nichts.
„Dann solltest du besser wieder ins Schloss!", meinte Piper und sprang auf. Leo zog sie jedoch aufs Sofa zurück und küsste sie. Er liebte es, wenn sie so ungehalten war.
„Nein, darf ich nicht ein paar Tage zu Hause bleiben? Dann hab ich mehr Zeit zum Lernen!", flehend sah sie die Älteste an. Sie schürzte die Lippen und sah sie mit großen Augen an. Bis jetzt hatte das immer funktioniert.
„Gut! Aber nur weil ich so in Feierlaune bin!", gab Piper nach. Außerdem konnte sie bei den Liebkosungen ihres Ehemanns auch nicht normal denken. Helena sprang auf und drückte ihr einen Kuss auf die Wange auf. Auch Phoebe bekam einen. Paige dadurch gezwungener Maßen natürlich auch. Mit einem fiesen Grinsen lief sie dann hoch in ihr Zimmer. Es war ihre kleine Art der Rache ihrem Vater gegenüber. Ob er sie überhaupt vermiesen würde? Vermutlich war es ihm nur recht, dass sie weg war. Als sie in ihrem Zimmer angekommen war, kamen ihr die Tränen. Irgendwie kam es ihr so vor, als würde sie sich mehr bestrafen, als ihn.
Ungeduldig ging er in seinen Räumen auf und ab. Er hatte es getan. Severus hatte einen Brief an seine eigene Tochter geschrieben. Wie peinlich ihm das doch war. Vermutlich lachten sie und ihre kleinen Freunde sich gerade über ihn schlapp. Aber was sollte er sonst tun? Sie wieder ignorieren und warten bis wieder was passierte? Nein, er musste sich seinem Alter entsprechend verhalten. Seine Hände waren schweißnass. Wie er sowas hasste. Nicht einmal Voldemort hatte ihn jemals so aus der Fassung gebracht wie dieses Kind!
Als er ein dumpfes Klopfen aus seinem Büro drang eilte er in dieses und riss die Tür voller Erwartung auf. Sowas war ihm noch nie passiert. Doch vor der Tür stand nicht seine Tochter. Es war eine andere Gryffindor. „Treten Sie ein Miss Granger!", fauchte er enttäuscht. Seine Miene verfinsterte sich noch mehr, als er den Brief in ihren Händen sah. Aber er war noch verschlossen.
Verwirrt sah die Braunhaarige den Tränkemeister an. Natürlich, vermutlich hatte er Helena erwartet und war nun enttäuscht. Die Gryffindor trat ein und folgte ihm zum Schreibtisch. Die beiden nahmen Platz und Hermine begann zu sprechen. „Helena hat einen Auftrag bekommen, gleich nachdem wir in den Gemeinschaftsraum gekommen sind und ist seitdem nicht wieder hier. Nachdem ihr Brief für sie ankam, habe ich entschlossen es Ihnen zu erklären. Auch wenn sie es für unnötig hielt!", erklärte die Besserwisserin.
Severus merkte wie seine Halsschlagader aus Wut pulsierte. Erneut war sie weg und hatte es ihm nicht erzählt. Doch seine Wut schwang schnell um. Weg, einfach weg. Ob ihr was zugestoßen war? Nein das hätte er mitbekommen. Immerhin war das Armband entsprechend präpariert. Das bedeutete nur, dass sie nicht wieder zurück kommen wollte. Er verbarg die Enttäuschung so gut es ging. „Ich danke ihnen für die Information, Miss Granger. Und nun gute Nacht!", fuhr er sie barsch an. Schnell sprang das Mädchen auf und begab sich zur Tür. Oder wollte es, denn plötzlich erschien jemand vor ihr.
„Können Sie nicht einmal in ihrem miesen Leben etwas richtig machen?", ertönte eine strenge Stimme. Hermine wurde aufs Sofa, welches sich im Büro befand, gestoßen. Gideon schritt auf Snape zu und funkelte ihn an. Dieser sah nicht minder wütend drein. Seine Ader pulsierte wieder.
Hermine saß einfach still da. Oder besser: Sie lag stumm da. Immerhin hatte die Wucht des Stoßes sie längs aufs Sofa gelegt. Das musste wohl dieser Gideon sein, von dem ihre Freundin ihr erzählt hatte. Und anscheinend konnten sich weder Snape noch Gideon leiden.
„Was fällt ihnen ein, einfach so mein Büro zu betreten?", zischte Snape. Er hatte wirklich Mühe sich zu beruhigen. „Verschwinden Sie sofort und unverzüglich!" Doch der Älteste bewegte sich keinen Millimeter. Severus juckte es schon in den Fingern einfach seinen Zauberstab zu ziehen. Wie dreist war dieser man eigentlich? Kam einfach so in sein Büro und war unhöflich.
„Denken Sie nicht einmal daran ihren Holzstab zu ziehen! Sie würden es bereuen!", knurrte Gideon. Allein wenn er den Schwarzhaarigen sah, stieg sein Blutdruck. Wieso hatte er bloß die Idee gehabt, seine Schülerin hierher zu bringen. Und warum um alles in der Welt hatte sich Patty nur mit diesem Monster eingelassen? „Aber zu meinem eigentlichen Anliegen. Bravo! Ich sollte ihnen einen Geschenkkorb zukommen lassen. Gratulation, denn Sie haben es geschafft. Helena möchte Hogwarts nicht mehr von innen sehen!"
Anstatt etwas Böses zu erwidern – wie er anfangs geplant hatte – erblasste der Tränkemischer und sank auf einem Stuhl zusammen. Severus vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Genau das hatte er erwartet. Sie war davongelaufen. Wie oft er es doch versucht hatte und jedes Mal hatte Tobias ihn gefunden und windelweich geprügelt. Wieso zeigte er im Moment eigentlich so offen seine Gefühle? Dieses Kind hatte ihn einfach viel zu sehr verändert.
Gideon war mehr als verwirrt. Er hatte wieder auf einen Streit tentiert, doch das hatte er sogar nicht erwartet. Anscheinen bedeutete ihm seine Tochter tatsächlich etwas. Völlig perplex sah er dem Gegenüber an und öffnete den Mund. Doch er wusste nicht, was er sagen sollte. Er hatte alles erwartet, nur das hier nicht.
Die Einzige, die einen klaren Kopf zu haben schien, war Hermine. Obwohl das alles recht bizarr wirkte. Sie rappelte sich auf und trat an ihren Professor heran. „Ich bin mir sicher, dass sie wieder kommt! Helena hat Sie unheimlich gern und ich bin mir sicher, dass sie sich damit auch nur selbst bestraft!" Ihre Stimme zitterte vor Angst. Immerhin war es Snape, denn sie da aufzumuntern versuchte. Das würde ihr mal wieder niemand glauben. Sie wusste auch nicht, ob sie das jemals weitererzählen würde. Hermine hielt die Luft an und legte behutsam ihre kleine Hand auf die breite Schulter des Mannes. Er zitterte leicht. Er weinte doch nicht etwa. Das war bestimmt nur ein Traum, versuchte sie sich einzureden.
„Hände weg!", schnarrte er. Erschrocken zog sie ihre Hand weg. Severus richtete sich wieder auf. Wie peinlich. „Erzählen Sie auch nur ein Wort weiter und Sie werden das Gelände nie wieder betreten dürfen!" Hermine murmelte ein Versprechen und verstummte dann ängstlich. Snape erhob sich wieder zu voller Größe, während er sich dabei die Haare raufte. „Miss Granger! Sie werden bis auf weiteres vom Unterricht freigestellt und werden unverzüglich ins Halliwell-Manor flohen!" Noch bevor sie etwas erwidern konnte, schubste er sie, mit dem Brief in der Hand, zum Kamin. Dieser Einfall war grandios. „Reden Sie mit ihr! Beschönigen Sie nichts, machen Sie ihr nur klar, dass sie weiter lernen muss!" Er drückte ihr eine Schüssel Flohpulver in die Hand.
Völlig durcheinander sah sie den Tränkemeister an. Was war nur los mit ihm. Zuerst giftete er sie an und nun bat er sie etwas um einen Gefallen? Die Welt musste aus den Angeln gehoben worden sein, und umgekippt. Irgendwas stimmte hier nicht. „S…Sir! Ich brauche doch noch meine Sachen", murmelte sie verstört.
„Die Hauselfen kümmern sich drum! Sputen Sie sich und berichten Sie mir immer alles! Los!" Er drängte sie nur mehr zum Kamin. Wieso trödelte dieses Kind nur so? Frauen! Am liebsten hätte er sie aus dem Büro geworfen, aber er musste es eben anders versuchen. Außerdem würde er von nun an alles versuchen, um an Helena heran zu kommen.
Mit zitternden Händen griff sich Hermine etwas Pulver, warf es ins Feuer und sprach die Worte. „Halliwell-Manor!" Dann trat sie in die grün gefärbten Flammen und verschwand.
Erleichtert atmete er auf und wandre sich zu Gideon um. „Immer noch hier?", fragte er den Ältesten kühl und begab sich zum Schreibtisch. Es warteten Aufsätze auf ihn. Außerdem brauchte er etwas um sich abzulenken.
„Ja immer noch. Ich werde nicht schlau aus Ihnen! Aber das tut angeblich keiner!", meinte der Lehrer und rieb sich die Schläfen. Kurz vor dem Schreibtisch hielt Severus inne und wandte sich zu einem versteckten Schrank. Daraus holte er zwei Gläser und eine Flasche mit bernsteinfarbener Flüssigkeit. Er goss in die beiden Gläser ein und reichte eines davon an Gideon. Dieser nahm dankend an. „Auch wenn Sie es glauben oder nicht, aber insgeheim bewundere ich Sie! Ich habe Jahre gebraucht um das Vertrauen des Kindes zu bekommen und ihnen hat sie es von Anfang an gegeben, auch wenn sie es immer wieder missbrauchen! Außerdem bewundere ich ihren Mut!", gab der Älteste zu und setze sich neben Severus auf das Sofa.
Der Tränkemeister kippte sein Glas, bevor er sich nachgoss und antwortete. „Erklären Sie das genauer!" Damit sprach er auf den Mut an und das wusste Gideon auch.
„Sie haben einen der mächtigsten Zauberer ihrer Welt ausspioniert und in ihrer Zukunft steht auch noch Großes bevor. Langsam frage ich mich nicht mehr, wieso Helena Wächter des Lichts Kräfte hat. Außerdem habe ich nachgeforscht, wieso sie so mächtig ist. Das Kind ist das Bindeglied zwischen dieser magischen Welt und unserer. Ihr steht noch ein großes Schicksal bevor!" Der Älteste nippte an seinem Glas. Er war zwar im Dienst, aber es sprach nichts gegen ein wenig Alkohol.
Severus schluckte. Schicksal! Wie sehr er dieses Wort hasste. Und was bedeutete jetzt das mit diesen Wächter Kräften. Irgendwie war sein Hirn heute auf Standby. Snape bekam einfach nichts mehr logisch gedacht. Ein zweiter Glasinhalt wurde gekippt und ein dritter folgte. Auch Gideon zog mit. „Was bedeutet das jetzt genau?", fragte er schließlich.
Der Zauberschuldirektor seufzte. „Ich darf keine Zunkunftsvorhersagen machen!" Damit erhob er sich. „Gut ich werde dann gehen! Man sieht sich vermutlich noch oft genug!" Kurz verneigte er sich und beamte sich weg.
Verwirrt blieb Severus sitzen und widmete sich der Flasche Cognac. Die Hausaufgeben würden schon nicht davon laufen. Alleine dieser Gedanke versetzte ihn einen Stich. Nein, Papiere konnten nicht aufstehen und davon gehen, die nicht. Aber Kinder konnten es. Seufzend goss er sich etwas ein und betrachtete es durch das Glas. Wieso tat er es schon wieder? Zur Flasche greifen? Alte Gewohnheit bei Schmerz. Und dabei hatte er sich doch geschworen … er brachte den Gedanken nicht zu Ende, sondern trank das Glas aus.
