Kapitel 37
Es waren 4 Wochen vergangen seitdem Andy um Sharons Hand angehalten hatte. Lange hatten beide über eine Heirat vor der Geburt diskutiert, sich aber dann doch dagegen entschieden. Andy hatte in erster Linie Angst das es für die werdende Mama zu viel Stress wäre und Sharon hatte schließlich eingesehen, dass Andy recht hatte. Beide hatten gemeinsam den Termin für ihre Hochzeit festgelegt, er sollte 3 Monate nach der Geburt ihrer Tochter stattfinden. Sharon war nun bereits in der 37. Woche schwanger und wollte mit jeden Tag mehr endlich ihr Baby auf die Welt bringen. Der Entbindungstermin rückte immer näher und in 3 Wochen sollte es endlich soweit sein.
Sharon saß allein im Warteraum von Dr Millers Praxis, in den letzten Monaten hatte Andy sie zu jeden Termin begleitet doch ausgerechnet heute musste er unbedingt im Restaurant seines Neffen aushelfen. 2 Angestellte wurden krank und somit musste Andy wohl oder übel einspringen. Ihm war ganz und gar nicht wohl dabei Sharon allein fahren zu lassen aber sie versicherte ihn das es ihr gut ginge und sie direkt nach dem Termin zum Restaurant kommen würde. Rusty war schon sehr zeitig mit James zum Angeln gefahren und die beiden wollten 2 Tage an einem See campen. Sharon gefiel es nicht das ihr Vater mit fast 80 Jahren draußen schlafen sollte und sie äußerte auch ihre Bedenken. James hingegen sah seine Tochter nur beleidigt an und drohte ihr mit einem Bungee Sprung, was alle anwesenden zum lachen brachte. Während Sharon in den Zeitungen blätterte, musste sie lächeln als sie an ihren Vater und Rusty dachte. Die beiden hatten so viele gemeinsame Interessen und Sharon war glücklich das sich Rusty so in ihre Familie eingelebt hatte. Er war ihr Kind, ebenso wie Emily und Ricky und auch bald die kleine Mary Eileen. Nach langen Diskussionen hatten sich Andy und Sharon auf einen Doppelnamen geeinigt, wobei sich Sharon mit Mary als Rufname durchsetzten konnte.
„Mrs Raydor bitte."
Sharon legte ihre Zeitung weg und betrat das Behandlungszimmer von Dr Miller.
„Hallo Sharon, wie geht es Ihnen?" fragte er Arzt freundlich und lächelte die werdende Mutter an.
„Hallo Dr. es geht mir gut, ich hatte lediglich ein wenig Bauchschmerzen in der vergangenen Nacht. Zuerst dachte ich es wären Wehen aber es fühlte sich nicht so an und nach kurzer Zeit war es weg."
„Vielleicht handelte es sich um Senkwehen, Sie sind ja schließlich fast so weit. Bitte legen Sie sich hin und machen den Bauch frei."
Sharon stand auf und legte sich auf die Liege, langsam zog sie ihr Shirt nach oben und ließ den Arzt ihren Bauch abtasten. Sharon spürte plötzlich eine großer Nervosität, den der Blick des Arztes gefiel ihr ganz und gar nicht.
„Hmmmm, verspüren Sie häufiger Tritte?" fragte er und tastete weiter an ihrem Bauch.
„Häufiger nicht, nur etwas stärker. Warum? Was ist los?" fragte Sharon voller Sorge um ihr Baby.
„Ich möchte erst noch einen Ultraschall machen. Entspannen Sie sich Sharon." er verteilte etwas Gleitgel auf ihrem Bauch und begann mit dem Ultraschall „Hmm, ich habe es mir fast gedacht."
„Dr Miller? Was ist los?" fragte Sharon wieder und ihre Stimme begann zu zittern.
„Sehen Sie das hier?" er deutete auf eine Stelle auf dem Bildschirm wo letztens noch der Kopf des Babys zu sehen war „Ihr Baby hat sich in die Beckenendlage gedreht. Das bedeutet es liegt mit dem Kopf nach oben, deswegen hatten Sie die Nacht auch Schmerzen. Die Kleine hat sich wohl mit aller Gewalt nach oben gedreht."
Sharon sah den Arzt hilfesuchend an, sie wusste in diesen Moment nicht was das zu bedeuten hatte und wurde immer nervöser.
„Keine Sorge, das passiert häufiger. Allerdings werden wir das Baby mit einem Kaiserschnitt holen müssen wenn es sich nicht noch einmal dreht, was ich leider nicht denke." Er wischte das Gleitmittel von Sharons Bauch ab und half ihr beim aufstehen, er sah die große Angst in den Augen seiner Patientin und sprach mit ruhiger Stimme weiter „Ein Kaiserschnitt ist heutzutage schon Routine, viele Frauen wollen sogar einen. Ich würde sagen sie machen einen Termin im Krankenhaus für die 39 Schwangerschaftswoche, damit die Gefahr das vorher Wehen einsetzten möglichst gering ist."
Geistesabwesend nickte Sharon und hielt ihren Bauch fest, sie hatte damit nicht gerechnet und sie fühlte sich plötzlich hilflos und verloren. Warum war Andy ausgerechnet heute nicht hier?
„Hier, das ist die Nummer eines Freundes. Er ist Arzt im Krankenhaus und hat schon hunderte Babys mit Kaiserschnitt geholt, er ist der beste. Sie sind in guten Händen bei ihm."
Sharon nahm immer noch wie in Trance die Karte und nickte „Danke Doktor."
10 Minuten später saß sie in ihrem Auto auf den Weg zum Restaurant, sie hatte aus Dr Millers Praxis noch einige Infoblätter über Kaiserschnitte mitgenommen und wenn sie ehrlich war klang es nicht so schlimm wie sie dachte, dennoch war die Nachricht ein großer Schock für sie.
„Tut mir Leid Jungs, aber ich mache eine Pause. Ich bin jetzt seit über 5 Stunden non Stopp in der Küche." rief Andy und goss sich ein Glas Orangensaft ein, als er sah wie seine Freundin das Restaurant betrat. Er begann zu lächeln aber so schnell sein Lächeln erschien, so schnell verschwand es wieder. Etwas war nicht richtig hier, Sharon wirkte blass und geistesabwesend. Er stellte sein Glas ab und ging zu ihr hinüber.
„Sharon? Babe, was ist los? Ist alles in Ordnung?" fragte er besorgt und hielt sie an den Schultern fest.
Andys Neffe kam gerade aus der Küche und sah die beiden mitten im Raum stehen, auch er musste kein Arzt sein um zu sehen das es der Verlobten seines Onkels schlecht ging. Er blickte auf den gerade frei gewordenen Tisch und ging zu den beiden rüber.
„Hey Sharon, man du siehst blass aus. Der Tisch da ist gerade frei, setzt euch doch." Er und Andy tauschten einen besorgten Blick als sie Sharon auf einen Stuhl setzte „Ich hol ihr ein Wasser."
„Sharon, was ist los? Stimmt etwas mit dem Baby nicht?" Andy nahm Sharons Hand und sah ihr tief in die Augen.
„Ja….nein….das heißt, dem Baby geht es so gut aber Dr Miller fand heraus das sich die Kleine gedreht hat und nun mit dem Po nach unten liegt."
Verwirrt sah Andy seine Verlobte an „Und das bedeutet?"
„Ich werde das Kind wohl mit einem Kaiserschnitt zur Welt bringen müssen. Laut Dr Miller soll es in 2 Wochen geholt werden bevor eventuell Wehen einsetzten." ihre Stimme war leise und sie blickte nach unten auf ihren Kugelrunden Bauch.
Andy musste schlucken, er kannte sich nicht wirklich mit Entbindungen aus und noch weniger mit Kaiserschnitte aber er musste ihr Mut zu sprechen, nur wie? In diesem Moment drehte sich eine junge Frau am Nachbartisch um und lächelte das Paar freundlich an. Sie war ende Zwanzig und hatte langes braunes Haar.
„Verzeihung ich wollte nicht lauschen aber ich habe gehört was Sie gesagt haben."
Sharon blickte in die freundlichen braunen Augen der jungen Dame und wartete was sie sagen wollte.
„Ich kenne das, mein erstes Kind lag auch mit dem Po nach unten und musste mit Kaiserschnitt geholt werden. Mein zweites Kind auch und jetzt beim dritten liegt die Plazenta unten und somit muss es auch wieder ein Kaiserschnitt werden. Also Sie sehen, ich bin ein Profi!" lachte die Junge Frau, was Sharon auch ein leichtes Lächeln entlocken konnte „Glauben Sie mir, es ist nicht so schlimm wie man denkt und die Narbe sieht man auch kaum. Viele Frauen denken sie werden eingeschläfert und sehen ihr Baby Ewigkeiten nicht aber das ist Blödsinn. Sicher wird ihr Baby gleich untersucht aber dann werden sie es in den Armen halten können wie bei jeder anderen Geburt auch. Glauben Sie mir, solange ihr Baby gesund auf die Welt kommt ist die Art wie es passiert ist total egal."
Sharon lächelte die junge Frau nun aufgeschlossen an und sie musste zugeben die Worte der Frau halfen ihr wirklich.
„Vielen Dank, ich habe mir nie Gedanken über eine solche Geburt gemacht und muss sagen ich war wirklich geschockt." gab Sharon zu.
„Das verstehe ich, mir ging es ja genau so aber vertrauen sie mir, es ist wirklich nicht so schlimm. Oh verflixt, ich muss los." hastig stand die junge Frau auf und griff ihren Mantel. Sie legte einen 50 Dollar Schein auf den Tisch und wollte gerade den Tisch verlassen, als sie Sharons Hand an ihrem Oberarm spürte. Die Frau drehte sich um und lächelte wieder, als sie in das dankbare Gesicht der älteren Frau sah.
„Danke, Sie haben mir wirklich Mut gemacht." sagte Sharon aufrichtig.
„Ich freue mich das ich helfen konnte. Viel Glück Ihnen beiden."
„Danke, Ihnen auch."
Dann verschwand die junge Frau aus dem Restaurant.
„Ich fühle mich wirklich besser Andy." Sharon war verblüfft wie sehr ihr die aufmunternden Worte geholfen hatten.
Andy stand auf und legte seinen Arm um Sharon „Ich mich auch Schatz." er küsste ihre Stirn und beide standen noch einen Moment da und sahen der Frau nach, die schon lange weg war.
