A/N Ab jetzt darf ich wieder phantasieren und mus keine Buch-Dialoge mehr abpinnen...


Kapitel 37 Nachspiel

Minerva kletterte über den zerstörten Wasserspeier, der stets den Eingang zum Büro bewacht hatte, und sich nun einen feuchten Kehricht um Passwörter kümmerte. Sie hatte Albus altes Büro noch nicht ganz betreten, als die ehemaligen Schulleiter in den Gemälden aufstanden und ihr applaudierten. Am lautesten klatschte Albus.

Wider besseren Wissens war Minerva gerührt.

„Womit habe ich das verdient?", fragte sie Albus.

„Solche Fragen kannst auch nur du stellen", sagte er und lächelte. „Womit du den Beifall verdient hast? Mit der energischen Verteidigung der Schule letzte Nacht. Harry war hier, bevor er zu Bett ging und die anderen Portraits haben mir auch einiges erzählt. Ich habe gehört, du hast dich sogar mit Voldemort persönlich duelliert!"

„Nun ja...", begann Minerva, wurde aber von Albus unterbrochen:

„Ich denke, ich weiß, was du mich fragen willst, Minerva, warum du hergekommen bist und ich werde dir gerne alles erklären. Aber setzt dich doch, das wird eine Weile dauern."
Der gemalte Dumbledore deutete mit der Hand auf seinen alten Stuhl hinter dem Schreibtisch und widerstrebend nahm Minerva Platz und drehte den Stuhl zu ihm um.

„Warum habe ich dir nicht gesagt, was ich vorhatte, womit ich Harry beauftragt habe? Ganz einfach, Minerva: Um dich zu schützen. Um Harry zu schützen, um den Plan gelingen zu lassen. Sicher, du hättest dem Jungen helfen können, aber ich brauchte dich viel dringender hier in der Schule und im Orden. Und mit Voldemort und seinen Getreuen auf dem Vormarsch hätte jeder weitere Mitwisser den Plan gefährden können. Severus habe ich eingeweiht, damit außer Harry, Ron und Hermine noch jemand wusste, was zu tun sei, außerdem beherrscht er Okklumentik und Voldemort hätte nichts von ihm erfahren können. Bei dir liegt die Sache da etwas anders, Okklumentik hast du nie besonders gut beherrscht. Außerdem hatte Severus es weitaus einfacher, den dreien unauffällig unter die Arme zu greifen als du, weil er sich viel freier bewegen konnte."

Und endlich erzählte Dumbledore ihr alles. Er erzählte ihr, wie es dazu kam, dass Snape für den Orden spionierte, wie er auf die Idee mit den Horkruxen gekommen war, welche Schritte er unternommen hatte, um Gewissheit zu erlangen und wie es dazu kam, dass er seine Hand verletzte. Er erzählte Minerva, was sich in der Nacht seines Todes zugetragen hatte und was er zuvor mit Severus vereinbart hatte. Er erklärte ihr endlich, warum er sie und Septima um Diskretion gebeten hatte, nämlich um sie beide vor Voldemort zu beschützen, damit Voldemort Septima nicht nicht benutzen konnte, um sie, Minerva, zu erpressen seine Anweisungen auszuführen. Und er erzählte ihr auch, dass Severus die ganze Zeit von ihr und Septima gewusst hatte und sich bemüht hatte, sie zu schützen, dass er Septima an Weihnachten erkannt hatte, als er ins Schloss zurückkehrte, nachdem er Harry das Schwert von Godric Gryffindor zugespielt hatte und sein ätzender Kommentar als Warnung gedacht war und nicht zur Häme.

„Und dass Severus wirklich nicht der Verräter ist, für den du und alle anderen ihn gehalten haben, hat Harry ja heute früh recht eindrucksvoll erklärt, wenn ich mich nicht irre", schloss er dann.

„Ja. Ja, das hat er allerdings", gab Minerva zu, noch immer ganz sprachlos von all den Informationen, die Dumbledore plötzlich über ihr ausschüttete.

„Trotzdem ist mir Severus mit seiner verdammten Art und Weise im letzten Jahr furchtbar auf die Nerven gefallen", sagte sie dann endlich. „Doppelagent oder nicht, musste er wirklich immer so zynisch sein?"

„Von ihm habe ich ähnliche Klagen über dich gehört", schmunzelte Dumbledore. „Ihr habt euch beide gegenseitig das Leben ganz schön schwer gemacht!"

„Woran du nicht ganz unschuldig warst", gab sie kurz zurück. „Ich habe wochenlang hier gearbeitet, mit deinem Bild an der Wand und du hast es nicht mal eine Sekunde lang für nötig gehalten, mir einen Tipp zu geben?"

„Ich hätte es gerne getan, aber dein Abscheu Severus gegenüber war eine so wunderbare Tarnung", antwortete Dumbledore ein wenig zerknirscht. „Wer euch beide zusammen erlebt hat, musste einfach davon ausgehen, dass ihr für verschiedene Seiten arbeitet. So perfekt hättest du das gar nicht spielen können, ich habe mich mitunter köstlich über eure Schlagabtäusche amüsiert!"

„Schön, dass du Spaß hattest", sagte sie eisig. „Aber Albus, was hast du dir dabei gedacht, die Kinder nach Horkruxen suchen zu lassen? Alleine! Ist dir nie der Gedanke gekommen, dass das auch fürchterlich hätte schiefgehen können? Immerhin mussten sie es mit Teilen von Voldemorts Seele aufnehmen, wenn ich den Terminus richtig verstehe."

„Doch, doch, das hast du durchaus richtig verstanden. Aber Harry und die anderen wussten genau, worauf sie sich einließen, was sie zu tun hatten und auch, um die damit verbundenen Gefahren. Ich habe Harry alles beigebracht, was er dazu wissen musste."

„Schön und gut", sagte Minerva kurz, „aber ich bin dennoch ärgerlich auf dich."

„Das darfst du auch gerne sein, aber ich weiß, dass du mir über kurz oder lang verzeihen wirst, wenn du dich mit den Tatsachen auseinandergesetzt hast", meinte Albus versöhnlich. „Außerdem habe ich eine persönliche Nachricht für dich."

„Für mich?", fragte Minerva erstaunt. „Von wem?"

„Von Severus", sagte Dumbledore traurig. „Es wäre mir allerdings lieber gewesen, er hätte sie dir persönlich geben können."

Er kramte in seinen Roben herum und förderte schließlich ein zusammengerolltes und versiegeltes Pergament zutage.
„Jetzt müsstest du mir allerdings helfen", sagte er dann und hielt das Pergament empor. „Ein Aufrufezauber sollte das Pergament aus meinem Bild zu dir bringen können. Wenn nicht, muss ich es dir vorlesen."

„Accio Pergament!", rief Minerva und fing die heran sausende Pergamentrolle geschickt auf.

„Vielleicht liest du es besser alleine? Oder mit Septima?", schlug Dumbledore ihr vor.

„Du weißt also, was drin steht?"

„Sagen wir mal, ich habe eine recht gute Vorstellung davon, was Severus geschrieben haben mag", sagte Dumbledore. „Er hat es nicht hier geschrieben, sondern in seinen Räumen. Ich nehme mal an, er wollte nicht, dass ich ihm über die Schulter schaue", räumte Dumbledore ein und lächelte verlegen. „Das habe ich gerne gemacht und meistens ging ihm das furchtbar auf die Nerven. Manchmal hat er sogar mein Bild zu gehangen, damit er seine Ruhe hatte."

„Das sieht euch beiden mal wieder ähnlich", kommentierte Minerva trocken. Dann ging ihr ein Gedanke durch den Kopf. „Wieso ist sein Portrait nicht hier?"

„Als er starb, war er nicht mehr Schulleiter von Hogwarts", erklärte Dumbledore traurig. „Als er seinen Posten verließ, während die Schule ihn brauchte, hat Hogwarts selbst ihn abgesetzt, deshalb erschien sein Bild nicht hier."

„Das ist doch totaler Blödsinn!", fuhr Minerva auf. „Wenn er nach deinem Plan handelte, versuchte er, die Schule zu schützen! Sein Bild sollte hier hängen, Albus. Das wäre nur fair! Du bist doch jetzt endgültig ein Teil von Hogwarts, oder? Dann kümmere dich darum, dass Severus verdammtes Portrait hier erscheint, wo es hingehört und wie er es verdient hat!"

Sie schloss die Hand fester um ihr Pergament. „Wenn du mich jetzt entschuldigen Würdest, Albus, ich habe einen Brief zu lesen. Ohne deine neugierige Nase im Nacken!"

Minerva marschierte aus dem Büro.

Dilys Derwent lehnte sich an ihren Bilderrahmen, sah ihr nach und bemerkte zu Albus:
„Ich hoffe, dass sie Severus Nachfolge antritt und Schulleiterin wird. Sie hat auf jeden Fall das Zeug dafür und außerdem wird es höchste Zeit, dass mal wieder eine Frau diesen Posten innehat!"

„Ganz meiner Meinung, meine Liebe, ganz meiner Meinung!", stimmte Albus ihr zu und sah versonnen in die Ferne. „Vielleicht sollte ich mein Bild im Ministerium besuchen und die Leute dort auf das Offensichtliche hinweisen?", schlug er vor.

„Du kannst es einfach nicht lassen, Albus, was?", spöttelte Dilys gutmütig. „Immer musst du deine Finger im Spiel haben. Wenn euer Kingsley nur halb so gut ist, wie ihr immer behauptet, dann kommt er von ganz allein auf die Idee und braucht keine Nachhilfe von dir."

Anstatt einer Antwort sah Dumbledore sie nur an und verschwand aus seinem Rahmen.

Minerva war unterdessen in ihre Räume geeilt, um die Nachricht von Severus zu lesen. Nun, da sie all das wusste, was er gewusst hatte, nun, da sie ihn endlich, wenn auch zu spät, verstand, wollte sie lieber allein sein, wenn sie seine letzte Mitteilung an sie las. Unterwegs hielt sie Ausschau nach Septima, sah sie aber nirgends. Sie hätte sie zwar lieber bei sich gehabt, wenn sie Severus' Mitteilung las, aber sie wollte auch nicht warten. Sie verschloss ihre Tür, setzte sich in ihren Sessel und erbrach das Siegel.

Liebe Minerva,

Wenn Sie dieses Schreiben in den Händen halten, bin ich vermutlich tot und Voldemort ist besiegt. Ich gehe davon aus, dass Sie inzwischen über meine Rolle in Dumbledores Plan im Bilde sind und Sie wissen, was ich getan habe, und aus welchen Gründen.

Es tut mir aufrichtig Leid, dass ich Ihre Gefühle verletzt habe, doch leider hatte ich keine andere Wahl. Ich bedaure sehr, dass unsere Beziehung unter den Umständen auf der Strecke bleiben musste. Dennoch möchte ich Sie wissen lassen, dass ich Sie stets geschätzt habe und Ihnen mit Sympathie und Achtung begegnet bin, auch wenn es nicht immer den Anschein hatte.

Ich hoffe, es ist Ihnen gelungen, Ihre Partnerin Septima vor Schaden zu bewahren. Ich wollte nicht, dass Sie mein Schicksal teilen müssen und Ihre wahre Liebe unwiederbringlich verlieren, wie es mir geschehen ist, durch meine eigene Schuld. Ich gönne Ihnen beiden Ihr Glück und ich hoffe von ganzem Herzen, dass Sie beide weiterhin miteinander glücklich sein können.

Geben Sie auf sich Acht!

Severus Snape"

Minerva las langsam, die Stirn in Falten gelegt.

Als sie Severus' Brief zu Ende gelesen hatte, ließ sie das Pergament langsam sinken und starrte ins Leere. Und dann rannen die Tränen ihre Wangen hinunter und sie weinte um Severus. Sie weinte um den kleinen Jungen von einst, der sich so falsch entschieden hatte und sein Leben lang darunter leiden musste, um den jungen Mann, der nicht verhindern konnte, dass seine einzige wahre Liebe ermordet wurde und der hilflos und machtlos dagegen war. Sie weinte um den Mann, den sie alle verkannt hatten und der seine beste Eigenschaft stets hatte verleugnen müssen und den sie so ungerecht beurteilt und behandelt hatte. Sie trauerte um ihn und alle anderen, die den fürchterlichen Preis für den finalen Sieg hatten zahlen müssen.

So fand Septima sie wenig später, als sie sie vergeblich im Büro des Schulleiters gesucht hatte.

„Minerva!", rief sie besorgt, stürzte praktisch zu ihrem Sessel und nahm die weinende Frau in die Arme.

„Minerva, um Himmels Willen! Was ist denn mit dir?"

„Lies das", antwortete Minerva erstickt und reichte ihr den Brief von Severus. „Lies das einfach."

Septima nahm den Brief an sich, setzte ihre Lesebrille auf und las das Pergament mit zusammengekniffenen Augen.

„Severus? Dann hat er dir die anonyme Nachricht geschickt, dass du mich verstecken sollst!"

„Ja, Severus. Er wollte uns beschützen." Sie sah Septima an.

„Setz dich, ich muss dir etwas erzählen."

Septima setzte sich auf die Armlehne von Minervas Sessel und Minervas
erzählte Septima alles, was sie von Dumbledore erfahren hatte.

„Oh mein Gott, der arme Mann", sagte sie dann erschüttert und griff nach Minervas Hand. „Er muss sich so furchtbar einsam gefühlt haben, all diese langen Jahre. Immer dem Hass und dem Misstrauen ausgesetzt, und dann die Gefahr, dass Voldemort ihn schließlich doch durchschaut und sein Wissen gegen ihn und uns verwendet. Oh, Minerva, du hast so recht, um ihn zu weinen!"

Minerva nickte langsam.

„Und ich werde dafür sorgen, dass sein Portrait im Schulleiterbüro hängt. Das ist das Einzige, das ich noch für ihn tun kann. Es wäre nur gerecht."

„Sicher wäre es das", stimmte Septima zu. „Unter diesen Umständen wird wohl kaum jemand etwas dagegen haben."
Und vorsichtig, um Minerva nicht sofort wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen, fuhr sie fort:

„Filius hat Severus Körper aus der Heulenden Hütte geholt und zu den anderen Toten gebracht. Wir müssen die Familien benachrichtigen, manche wissen noch nicht, dass... dass ihre Kinder..."
Septima versagte die Stimme.

Nun war es Minerva, die ihre Hand sanft drückte.

„Ich weiß. Darum kümmere ich mich als nächstes, so schwer es auch ist."
Sie zögerte.

„Hast du – hast du gesehen, dass auch Rolanda...?"

„Ja, mein Liebes, ich habe sie gesehen", erwiderte Septima sanft.

„Sie hat keine Familie, niemand, der Anspruch auf ihre – ihre eiche erheben würde. Ich möchte gerne dafür sorgen, dass sie vernünftig begraben wird", sagte Minerva leise, aber entschieden.

„Das sollst du auch", versprach Septima. „Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen."

„Ich hätte sie gerne hier, in Hogwarts, beerdigt, neben Albus. Die Schule war alles, was sie hatte und nachdem sie ihr Leben gegeben hat, um Hogwarts zu verteidigen, sollte sie auch hierbleiben dürfen."

„Das fühlt sich richtig an", stimmte Septima zu. „Ich glaube auch nicht, dass der neue Zaubereiminister etwas dagegen einzuwenden hätte. Nicht Kingsley."
Sie sah Minerva an.

„Hat Severus denn jemanden, der sich kümmert? Gibt es noch irgendjemanden, für den er wichtig war?"

„Ich glaube nicht", antwortete Minerva leise, „das macht es ja so schlimm. Ich glaube, ich möchte ihn auch hier beerdigen, in Hogwarts, in dem einzigen richtigen Zuhause, das er je hatte."

Septima nickte.
„Wir werden ihn auch neben Dumbledore begraben, Liebes, damit niemand vergisst, was er geopfert hat."
Sie küsste Minerva auf die Stirn.

„Und wenn jemand etwas dagegen hat, soll er das ruhig mit mir ausdiskutieren!", schloss sie kriegerisch und entlockte Minerva damit ein schwaches Lächeln.

Sie wischte sich ein letztes Mal die Augen und stand auf.

„Komm! Wir müssen eine Schule wiederaufbauen!"

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Eine wichtige Aufgabe erledigte Minerva sofort:
Sie ging in den Küchentrakt und dankte den Hauselfen für ihren mutigen Einsatz im Kampf und verstärkte damit die Loyalität der Elfen zu ihr. Kreacher, der inzwischen als Sprecher der Elfen fungierte, nahm ihren Dank würdevoll entgegen und versicherte ihr feierlich, dass sie alle nur ihre Pflicht gegenüber Hogwarts getan hätten.

Danach hatte sie endlich Gelegenheit, Harry zu erwischen, um mit ihm zu sprechen, auch wenn er Dumbledores Ausführungen nicht mehr viel hinzuzufügen hatte. Minerva war froh darüber, als sie dieses Gespräch hinter sich gebracht hatte, denn weder Harry noch sie selbst fühlten sich allzu wohl dabei, immer wieder in den Dingen herumzurühren.

In den nächsten Tagen herrschte ein stetiges Kommen und Gehen in Hogwarts. Viele der Schüler, die geblieben waren, wurden von ihren Familien abgeholt, wogegen Minerva nicht das Geringste einzuwenden hatte – immerhin glich das Schloss in weiten Teilen mehr einer Ruine und sie hatte Probleme, alle unterzubringen.

Außerdem kamen all die Familien der Opfer, um ihre Toten nach Hause zu holen. Minerva ließ es sich nicht nehmen, sich persönlich um sie alle zu kümmern und sicherzustellen, dass alle Trauernden mit dem größtmöglichen Respekt behandelt wurden und - nach Rücksprache mit Kingsley wurde eine der frisch renovierten Wände in der Eingangshalle mit den Namen derer versehen, die gestorben waren, um Hogwarts zu verteidigen. Es lag ihr daran, dass die tapferen Männer, Frauen und Kinder nicht vergessen wurden und sie war davon überzeugt, dass es den Angehörigen einen gewissen Trost spenden mochte. Sie selbst fühlte sich auf jeden Fall besser, als sie dafür gesorgt hatte, dass Severus' und Rolandas Namen an der Wand erschienen.

Minerva fragte sich, was sie mit dem Leichnam Voldemorts machen sollte. Einerseits widerstrebte es ihr, ihm, der all diesen Kummer verursacht hatte, ein ordentliches Begräbnis zu bereiten, andererseits konnte sie ihn auch nicht einfach liegenlassen.

Voldemort löste das Problem selbst.

Anscheinend hatte die Zersplitterung seiner Seele und die letztliche Zerstörung seiner Horkruxe eine fatale Wirkung:

Sein Körper löste sich einfach in Staub auf.

Staub, den Minerva dann ohne schlechtes Gewissen einfach verschwinden ließ und ihn damit vollständig vom Angesicht der Erde tilgte.

Vollauf mit dem Wiederaufbau der Schule beschäftigt, nahm Minerva es nur mit Belustigung zur Kenntnis, dass sie nach verhältnismäßig kurzem Hin und Her tatsächlich zur neuen Schulleiterin von Hogwarts ernannt wurde, sie hatte zu viel zu tun, um sich darüber weiter den Kopf zu

zerbrechen.

Sie setzte durch, dass Professor Sprout zu ihrer Stellvertreterin ernannt wurde und niemand wagte es, ihr allzu laut oder all zulange zu widersprechen, am wenigsten Pomona selber, die eigentlich viel lieber in ihren Gewächshäusern nach dem Rechten gesehen hätte als die Aufgaben zu übernehmen, die Minerva an sie delegierte, da sie, wie des öfteren zu bemerken pflegte: „Den gleichen Einschränkungen in Raum und Zeit unterliege wie alle anderen auch. Ich kann vielleicht hexen, aber keine Wunder wirken!"

Kurz nachdem sie offiziell zur Direktorin der Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei ernannt wurde, erschien an der Wand in ihrem Büro tatsächlich das Portrait von Severus Snape, direkt neben dem von Dumbledore. Irgendwie hatte Albus tatsächlich an der schlosseigenen Magie drehen können, um das zu bewerkstelligen. Minerva wollte gar nicht wissen, welche Tricks er angewandt hatte, ihr genügte es vollkommen, dass Severus' Bild endlich da war, wo es ihrer Meinung nach hingehörte.

Auf diese Weise hatte sie zumindest die Gelegenheit, Snape doch noch für alles zu danken und sich dann und wann mit ihm zu streiten wie früher.

Viel intensiver allerdings musste sie sich mit der Frage befassen, ob es in Hogwarts weiterhin die traditionellen vier Häuser geben sollte oder man die rivalisierenden Häuser einfach abschaffen sollte.

Minerva lehnte das entschieden ab, und die Portraits der früheren Schulleiter einschließlich Dumbledore und Snape, stimmten ihr darin zu.

Ihrer Meinung nach war ein gewisser gesunder Konkurrenzkampf genau das richtige, um die Schüler zu besseren Leistungen und besserem Betragen zu motivieren.

„Es macht schon einen gewissen Sinn", erklärte sie den hastig neu ernannten und irgendwie zusammengewürfelt wirkenden Schulräten. „Erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit: War es für Sie nicht auch ein Ansporn, sich mehr Mühe zu geben, damit man Ihnen keine Hauspunkte abzog? Haben Sie sich nicht auch mehr angestrengt, um den Hauspokal zu gewinnen?"

Die Schulräte steckten die Köpfe zusammen und stellten nach kurzer Beratung fest, dass sie im Grunde vollkommen Recht hatte.

„Aber wie sollen die Schüler in ihre Häuser verteilt werden, wenn der Sprechende Hut nicht mehr existiert? Ich hörte, er sei von V-V-Voldemort in Brand gesetzt worden", wandte ein junger Mann ein, der sich mit Sicherheit fragte, wie um aller Welt er in diese Versammlung geraten war.

„So wie es aussieht, haben die vier Gründer der Schule ein wenig mehr Magie in den Hut gegeben, als es immer den Anschein hatte", erklärte McGonagall. „Bei den Aufräumarbeiten wurde der Hut gefunden und er ist durchaus in keinem schlechten Zustand. Er ist ein wenig angesengt, aber vollkommen in der Lage, auch weiterhin zu entscheiden, wer in welches Haus gehört. Und ich werde den Kindern am ersten September den Hut aufsetzen wie immer und sie in ihre Häuser sortieren lassen!", schloss sie mit so viel Entschiedenheit, dass wirklich niemand mehr widersprach.

Ähnlich entschieden setzte sie durch, dass Rolanda Hooch und Severus Snape auf den Schulgelände begraben wurden und auch an ebenjener Stelle, die sie dafür ausgewählt hatte, neben Dumbledore. Sie sorgte auch dafür, dass Snape nicht in aller Stille beigesetzt wurde, sondern mit den Ehren, die er ihrer Meinung nach redlich verdient hatte. Die übrigen Hogwartsprofessoren und der Minister unterstützten sie dabei und sie bekam tatsächlich ihren Willen.

Erstaunlicherweise schaffte Minerva es, trotz ihrer gegenteiligen Aussage, Wunder zu wirken.

Pünktlich zum ersten September war das Schloss renoviert. Die eingestürzten Wände standen wieder, die Fenster waren neu verglast, kurz: Alles war wieder so wie es seit 1000 Jahren gewesen war.

Minerva hatte es sogar geschafft, pünktlich die freien Stellen neu zu besetzen.

Dank ihres entschiedenen Auftretens hatte sie es durchgesetzt, eine fähige junge Frau als Sekretärin und Assistentin einzustellen, damit Minerva Zeit genug blieb, um selbst weiter Verwandlungslehre zu unterrichten. Ihre Aufgabe als Hauslehrerin von Gryffindor trat sie allerdings an Professor Sinistra ab, da sie als Schulleiterin unparteiisch bleiben sollte.

Entgegen seiner eigentlichen Absichten, blieb Slughorn als Hauslehrer für Slytherin und als Professor für Zaubertränke, nachdem Minerva ihn gehörig unter Druck gesetzt hatte.

Percy Weasley erklärte sich bereit, Muggelkunde zu unterrichten. Ihm fehlte zwar das Charisma einer Charity Burbage, aber Minerva war sich sicher, dass er die Fakten wahrheitsgetreu wiedergeben würde und dass er, dank seines muggelbegeisterten Vaters, über reichliche Informationen verfügen dürfte.

Hagrid, der trotz seiner eher unangenehmen Erfahrung mit den Acromantulas wohl nie von seiner Schwäche für monsterhafte Kreaturen kuriert werden konnte, übernahm wieder seinen alten Posten und unterrichtete Pflege magischer Geschöpfe, wogegen Minerva Wilhelmina Raue-Pritsche dazu bringen konnte, Verteidigung gegen die dunklen Künste zu unterrichten.

Als neue Fluglehrerin und Quidditchcoach der Schule gelang es Minerva, Joscelind Wadcock zu verpflichten, die ehemalige Jägerin von Puddlemere United und die Rekordhalterin im Tore werfen von 1931.

Hogwarts war endlich wieder in der Normalität angekommen.

Allerdings nicht für lange.