36. Unsaid

Sie apparierten bis zur Grenze der Ländereien, die zu ihrem Versteck in den Highlands führte. Als sie die Grenze erreicht hatten, brach die Lamia, wie sie es erwartete hatte, bewusstlos zusammen. Ginny stöhnte überrascht auf.

"Sie hat sicherlich noch nie appariert und ist zudem viel zu schwach", erklärte die ehemalige Gryffindor und beugte sich zu der bewusstlosen Lamia herunter, um nach ihrem Puls zu tasten, "sie ist sehr schwach. Geht zur Hütte und holt Hilfe. Wir müssen sie ins Haus bringen. Sie braucht Blut." Sie drehte sich um und sah Malfoy an, der sichtlich wackelig aber immer noch hinter ihr auf den Beinen stand.

"Mir geht es gut", sagte er.

"Ich lasse dich nicht mit ihr allein", sagte Ginevra fest.

"Jetzt geht endlich", fluchte sie und hielt der Lamia ihren entblößten Arm hin. Jedoch passierte nichts.

"Sie ist bewusstlos", hörte sie Malfoy hinter sich sagen.

Mione zog den Arm wieder zurück, sah dass sich Ginny alleine auf den Weg gemacht hatte. Sie runzelte die Stirn und musterte ihn dann. "Ich dachte, es passiert vielleicht automatisch", flüsterte sie und musterte dann die junge Frau, die nackt, blutverschmiert und immer noch stark verbrannt vor ihnen im Grass lag.

"Tut es offensichtlich nicht", sagte er und ließ sich neben ihr im Grass nieder. Als seine nackte Haut den Boden berührte, zuckte er zusammen und richtete sich langsam wieder auf.

Mione sah ihn besorgt an.

"Es ist nur-", er sah an sich herab, "meine Haut ist etwas empfindlich."

"Hast du Durst?", fragte sie.

"Nein", entgegnete er schneidend.

Sie sah ihn an. Musste gegen den Drang ankämpfen, ihn zu berühren. Denn da er stand und sie neben ihm hockte, konnte sie gerade nur die rosige Haut an seinen Beinen oder an seinem rechten Arm berühren. Und das war, seiner aktuellen Worte nach, keine besonders gute Idee.

Die ehemalige Gryffindor wollte etwas erwidern. Irgendwas. Es wollte ihr aber einfach nichts Passendes einfallen. Doch es blieb ihnen eh keine Zeit mehr zu reden. Denn Harry, Arthur und die anderen erschienen auf der Lichtung und es brach eine kleine Hölle über sie herein, die aus Umarmungen und einem erleichterten Stimmengewirr bestand.

In diesem wurde Malfoy etwas beiseite gedrängt.

Er blieb mit Neville, Luna und Remus zurück, die die Lamia gemeinsam zum Haus brachten.

Dort brachte man die bewusstlose Frau in ein fensterloses kleines Zimmer, welches sie mit verschiedenen Zaubersprüchen absicherten. Dann versorgte Mione sie mit einigen Transfusionen und machte sich dann auf den Weg zu Malfoys Zimmer, um ihn ebenfalls an zwei Beuteln anzuschließen.

Er saß auf dem Bett und zu ihrer Überraschung waren Ginny, Harry und Arthur bei ihm.

Sie blieb irritiert in der Tür stehen. Und beide Weasleys verließen leise murmelnd das Zimmer. Arthur tätschelte kurz ihre Schulter, als er an ihr vorbeiging. Harry blieb vor ihr stehen und sah sie an.

"Wir haben eine Nachricht aus Australien. Deine Eltern sind frei und wohlauf", sagte er.

Sie nickte erleichtert und zog den Schwarzhaarigen in eine innige Umarmung. "Danke. Ich werde dennoch gleich morgen nach ihnen sehen."

Er lächelte schwach. "Ich weiß. Ich wollte es dich aber trotzdem sofort wissen lassen."

"Harry", sagte sie und beugte sich etwas näher zu ihm, "wir haben nicht genug Blut für beide", flüsterte sie dann.

"Ich höre dich trotzdem, Granger", knurrte der Blonde, der nun auf dem Bett lag und an die Decke starrte. Seine Beine baumelten jedoch nach wie vor neben dem Bett in der Luft.

Sie räusperte sich, ignorierte ihn jedoch. Jedenfalls für einen Moment.

"Können wir spenden?", fragte Harry. „Auch Ron und Ginny haben sich sofort bereit erklärt, der Lamia Blut zu geben", er sah Malfoy an, der immer noch auf dem Bett lag, "und dir natürlich auch."

Malfoy lachte leise. "Besten Dank, Sankt Potter", zischte er, doch zu ihrer Überraschung lachte Harry nur und winkte kopfschüttelnd ab.

"Das wäre fantastisch. Ich werde alles vorbereiten", sagte sie und blickte dann rüber zum Slytherin, der sie und Harry skeptisch musterte. "Ich werde allerdings vorher noch einmal nach ihm sehen."

Harry verschwand mit einem Nicken und schloss die Tür hinter sich. Plötzlich fühlte sie sich bedenklich merkwürdig und irgendwie fehl am Platz. Die ganze Zeit über hatte sie bei ihm sein wollen. Ihm all die Dinge sagen wollen, die ihr zu Hauff in den vergangenen Stunden durch den Kopf geschossen waren. Und nun stand sie hier und starrte ihn an. Unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen.

Er musterte sie vom Bett aus und schüttelte schließlich den Kopf. "Bitte, Granger. Ich bin sicher, dass ich jedes Wort weiß, was du sagen willst. Lass es uns dabei belass-"

Die Tür flog auf, wurde so heftig in den Raum gestoßen, dass man sie ihr schmerzhaft in die Seite rammte. Sie wich mit einem schmerzerfüllten Schrei vor und starrte auf den Eindringling. Ronald blickte sie schuldbewusst an und rieb sich den Unterarm. Den blutverschmierten und notdürftig verbundenen Unterarm.

"Hast du-", zischte sie, "hast du dir etwa selbst Blut abgenommen? Bist du total verrückt geworden?"

Rons Miene wurde noch schuldbewusster. "Sie ist wach", sagte er und rieb sich den Unterarm noch fester. "Ginny sagt, du sollst kommen."

"Hör auf daran zu reiben", fluchte sie und schob sich so hastig an ihm vorbei durch die Tür, dass sie ihn dabei etwas beiseite schubste, "und du solltest im Bett bleiben", warf sie Malfoy über die Schulter zu und verschwand dann auf dem Flur.

-v-

Granger hörte endlich auf zu grübeln und zu reden und verließ wieder den Raum. Und Draco wusste nicht wirklich, ob er darüber erfreut sein sollte oder nicht. Vor ein paar Tagen hatte sie angedeutet, dass sich so ungemein viel geändert hatte, seitdem er hierher gekommen war.

Natürlich stimmte das auf so vielerlei Art und Weise. Doch wie sehr es zutraf, war ihm heute Nacht erst bewusst geworden.

Oder eher: Er ahnte es bereits seit geraumer Zeit, nur wollte er sich einfach keine näheren Gedanken darüber machen. Jetzt gerade schien sein Kopf aber scheinbar klarer denn je und somit war es etwas schwer, bestimmte Gedanken und Dinge zu verdrängen.

Es fühlte sich so an, als wäre ein Teil von ihm bereits heute Nacht in diesen Flammen gestorben. Vielleicht war dieser Teil aber auch nach und nach gestorben und es war im erst heute, unter seinesgleichen, bewusst geworden.

Weasley schloss die Tür. Scheinbar versucht leise, was ihm aber nicht wirklich gelang, da seine Hände zu zittern schienen. Er war eh bedenklich wackelig auf den Beinen, was sicherlich zum einen an seiner Kopfverletzung lag, die nach wie vor alles andere als ausgeheilt war – und zum anderen sicherlich auch am Blutverlust, den dieser Depp sich eindeutig selbst unterzogen hatte.

"Granger hat recht: Du bist wirklich total verrückt geworden", lachte er und versuchte sich selbst in eine Position zu bringen, in der er sich nicht so entsetzlich wund fühlte.

Anscheinend hatte das Adrenalin oder was auch immer zuvor in dieser Burg durch seine Adern geschossen war, ihn größtenteils taub zurückgelassen. Jetzt befand er sich in einer Art dazwischen. Er hatte zwar keine unerträglichen Schmerzen, fühlte sich aber eben merkwürdig ausgezehrt und wund. Außerdem dröhnte ihm der Kopf, er war unfokusiert und entsetzlich müde.

Doch er versuchte diese Gefühle ebenso zu verdrängen, wie er den leichten Schmerz verdrängt, der ihn jedes Mal plagte, wenn seine Beine etwas berührten. Seinem Rücken war es vor einigen Minuten noch ähnlich ergangen, aber er fühlte sich stetig etwas besser an.

Mit jedem Tropfen Blut etwas mehr. Draco schaute hinauf zu einer der beiden Blutkonserven, an die Granger ihn angeschlossen hatte.

Weasley ließ sich neben ihm auf dem Bett nieder – natürlich nicht ohne ein gehöriges Maß Abstand zu halten. Er sah ebenso müde und erschlagen aus, wie Draco sich fühlte.

"Sie hat euch schon wieder das Leben gerettet. Das war das Mindeste, was ich tun konnte", sagte der Rotschopf und musterte ihn einen Moment.

Der Blonde nickte, schwieg aber. Ihm fielen gefühlt Tausend Wege ein, dem lächerlichen Wiesel eins reinzuwürgen. Doch er entschied sich, einfach zu schweigen.

Schließlich räusperte der Dorfdepp neben ihm sich und Draco blickte auf. Natürlich hatte er geahnt, dass Weasley ein bestimmtes Anliegen hierher getrieben hatte. Wahrscheinlich wollte er von ihm wissen. Ob er 10 ultimative Tipps für ihn hatte, wie er eine Lamia für sich erobern konnte.

Er musste schon allein bei dem Gedanken daran leise lachen.

"Sag mal. Ich hatte echt merkwürdige Träume", begann er aber dann leise und dem Slytherin erstarb das Lächeln regelrecht im Hals. Er zog eine Augenbraue hoch und musterte das Wiesel fragend, welches ihn einmal ausgiebig von oben bis unten musterte – und dabei mehr als offensichtlich an seiner nach wie vor verdreckten und nackten Haut hingen blieb.

Bisher hatte er weder die Zeit noch die Kraft dafür gefunden, sich zu reinigen und etwas Unversehrtes anzuziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass Granger es ihm untersagt hatte, als sie ihn vor einiger Zeit in seinem Zimmer abgesetzt hatte.

Sie wollte erst die Wunden begutachten und wollte zudem eine Paste mischen, mit denen sie diese zusätzlich behandeln konnten.

"Das heißt?", fragte er schließlich schnappend, als der Idiot neben ihm einfach nicht weiter sprach.

Weasley räusperte sich erneut, deutete auf ihn und dann auf sich, "na ja. Du und ich, in deinem Bett. Ziemlich... nackt", er zögerte und ihm schoss sichtbar ein ganzes Fass Blut in den Kopf. Würde im Draco diesen spalten und das ganze Zeug in seine eigenen Adern umleiten, ginge es ihm sicherlich binnen Sekunden besser.

"Weasley, ich weiß nicht, was du da für einen ekelerregenden Unsinn träumst. Aber um deine jämmerliche Frage zu beantworten, die sich da so kläglich zwischen deinen Zeiten versteckt: Nein. Du warst in dieser Nacht und in diesem Zustand ganz sicher nicht in meinem Bett."

"Ich wollte diesen Scheiß ganz sicher nicht träumen. Aber, das wirkte alles so real. Und ich hab eindeutig", er deute auf Dracos nackte Schulter, "dein blödes Muttermal gesehen."

Der Slytherin folgte kurz Weasleys Blick, der auf besagtem Leberfleck lag.

Dann blickte er sein Gegenüber wieder an. "Du hast mich schon ein Dutzend Male oben ohne gesehen. Sogar noch kurz zuvor."

Der unsinnige Rotschopf musterte ihn skeptisch.

"Ich werde es nur einmal in Ruhe sagen. Das nächste Mal werde ich dir den Kopf spalten, wenn du es noch einmal wagst, mir so einen Mist zu unterstellen", zischte er und richtete seinen erhobenen und verdreckten Finger auf Wiesels schneeweißes Shirt, "ich stehe nicht auf Männer und ich habe deinen Zustand nicht ausgenutzt. Du warst nicht in meinem Bett. Weder nackt noch angezogen."

Weasley lachte gehässig. "Na ja, da haben sie in der Schule anderes erzählt."

Draco entgleisten einen Moment sämtliche Gesichtszüge. "Was?", fragte er.

Weasley verschränkte triumphierend die Arme vor der Brust. "Ihr habt miteinander rumgemacht. Du und die anderen Syltherinjungs. Nachts auf den Zimmern und bei versauten Spielchen."

Langsam innerlich bis drei zählend zwang er sich tief durchzuatmen. "Elendes Geschwätz, Wiesel. Aber es war ja klar, dass ausgerechnet ein Troll wie du so einen elenden-"

Der Rotschopf drückte den Rücken durch und schien einen ganzen Kopf größer zu werden, bevor er anfing zu brüllen: "Ich hab es von einem Ravenclaw gehört, dessen Bruder war in Hufflepuff und dessen-"

"Hamster hatte eine Schwester, dessen beste Freundin die Eule eines Slytherins war?", lachte der Blonde herablassend.

Weasley schnaufte wütend und rückte etwas näher an ihn ran, "wenn ich herausfinde, dass du irgendeinen Scheiß-"

"Wenn du mir nicht glauben willst, du dämlicher Troll, dann frag doch einfach Granger. Sie war die ganze Nacht bei mir!" Noch bevor es seinen Mund verlassen hatte, bereute Draco seine unbedachten Worte.

Er sah Weasleys Hand schon vor seinem inneren Auge auf sein Gesicht zufliegen, bevor er weitere Fragen stellen würde. Doch es kam wieder einmal anders, als er es erwartet hatte.

"Jungs, beruhigt euch! Man hört euch im gesamten Haus", ertönte es von der Tür.

... und Draco zuckte zusammen, als er darin keine Geringere als Molly Weasley stehen sah. Sie hielt einen Topf voller geschälter Kartoffeln in den Händen. Wirkte so viel zierlicher und auch ein wenig schlanker als sonst.

Er hatte mitbekommen, dass man sie vor einigen Tagen wieder aus dem St. Mungos entlassen hatte. Doch er hatte nicht gewusst oder gar damit gerechnet, dass sie heute hier sein würde.

Draco wendete den Blick ab. Er war anwesend gewesen, als sie sie beinahe zu Tode gefoltert hatten. Er hatte auch mit angesehen, wie sie den Fluch auf sie hetzten, der sie für Monate aus dem Verkehr gezogen hatte – ein enorm starker Verwirrungszauber, der sie hatte weder Mann noch Kinder erkennen lassen. Wahrscheinlich war der Todesser, der diesen ausgesprochen hatte, vor einigen Tagen gefallen.

Das war oft der Fall, wenn magische Verwirrungszauber oder ein magisches Koma ganz plötzlich wieder ein Ende fanden.

"Was gibt es denn zu essen?", fragte Weasley leise neben ihm.

Draco schüttelte den Kopf und rollte mit den Augen.

"Kartoffeln und etwas Braten", antwortete sie und er konnte sie regelrecht lächeln hören.

"Draco", sagte sie und allein die Tatsache, dass sie so sanft seinen Namen sagte, jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken. Er zwang sich, sie anzusehen. "Du solltest auch kommen. Du bist dünn geworden. Als wir uns das letzte Mal sahen, warst du kräftiger."

Der Blonde nickte schwach, antwortete dann aber, "ich habe keinen Hunger."

"Papperlapapp. Du solltest in deinem Zustand wenigstens gut essen", sagte sie und schloss die Tür wieder hinter sich – aber nicht ohne ihnen ein schroffes "hört auf euch zu streiten, sonst ziehe ich euch beiden die Ohren lang" zuzuwerfen.

Ein Seufzen... von Weasley.

Der Slytherin ließ sich langsam auf das Bett fallen und lehnte sich so weit es ihm möglich war mit dem Rücken in die Kissen.

"Du solltest wirklich etwas essen", sagte der Rotschopf dann.

"Ich weiß, Weasley. Aber glaube mir, heute würde mein Magen das nicht vertragen", antwortet er und deutete auf die Blutbeutel, die am Bettpfosten hingen, "das ist gerade alles, was ich brauche."

"Versuche einfach nicht zu sterben." Er sah ihn nicht einmal wirklich an, als er sprach.

Der Blonde nickte heiser lachend. "Genau das versuche ich."

Weasley musterte ihn aus kühlen blauen Augen. "Ich meine es, wie ich sage, Malfoy. Versuche nicht zu sterben! Wir brauchen dich. Wir alle, aber der eine mehr und der andere-" Er sprach alles Weitere was im Raum stand nicht aus.

"Ich meine ebenfalls, was ich sage: Ich versuche es", flüsterte er eindringlich.

Sein Gegenüber erwiderte nichts und so verfielen sie einen Moment in Schweigen. Weasley starrte eine Weile überall und nirgendwo hin. Dann fixierte er kurz seinen Arm – oder eher die Stelle, in der die Transfusionsnadel verschwand. Um diese herum hatten sich bläuliche Adern gebildet, die seine Arme hinauf verliefen.

Das war immer der Fall. Heute war es jedoch besonders auffällig.

"Sie kocht einfach, aber gut", sagte Wiesel plötzlich, "hat deine Mutter gekocht?"

"Nein", sagte Draco mit einem Stirnrunzeln.

Weasley nickte, scheinbar wissend oder auch verständnisvoll. "Ich, George und Harry haben gedacht... wir spielen manchmal ein bisschen Quidditch auf den Ländereien." Er deutete auf das Fenster, "hinter dem Haus. Seit Seamus tot ist, fehlt uns ein Mann. Falls du also Lust hast", er zuckte mit den Schultern und blickte wieder ins Leere.

'Was sollte das werden?', schoss es ihm durch den Kopf.

Aber da er eine leise Ahnung hatte, sagte er stattdessen ehrlich: "Ich kann es versuchen. Ich weiß aber nicht, ob das noch funktioniert."

Das wusste er tatsächlich nicht. Und er hatte sich bisher auch keine ausgiebigen Gedanken darüber gemacht. Weil es besser so war.

Weasley brauchte einen Moment, um zu verstehen. Dann nickte er und entschuldigte sich leise. "Daran habe ich nicht gedacht."

Draco erwiderte mit einem Nicken. Das war alles, was er ihm geben würde.

"Wie fühlt sich das eigentlich an?", durchschnitt Wiesels Stimme die Stille. Wieder war sein Blick auf die Transfusionsnadel und auf die bläulichen Adern gerichtet.

Er zuckte mit den Schultern. "Ich kann es nicht beschreiben. Normal würde ich sagen. Doch ich weiß nicht, ob ich mich einfach nur daran gewöhne."

-v-

Mione schloss leise wieder die Tür hinter sich, nachdem Harry, George und Arthur ebenfalls den Raum verlassen hatten. Die Lamia schlief, hatte sich so weit erholt, dass sie wahrscheinlich außerhalb der Lebensgefahr war, in der sie bis vor wenigen Stunden noch schwebte.

Sie war tatsächlich wieder zu sich gekommen, hatte einen Großteil der frischen Blutkonserven nicht durch Transfusionen, sondern dadurch zugenommen, dass sie sie getrunken hatte. Und es hatte noch schneller und noch besser gewirkt, als es die Transfusionen zuvor getan hatten.

Allerdings war sie alles andere als gesprächig gewesen. Hatte ihnen nicht einmal auf mehrfache Nachfrage ihren Namen verraten.

Und schließlich hatten sie sie mit einem extrem starken Schlaftrank für den weiteren Verlauf der Nacht außer Gefecht gesetzt.

Sie blickte in die Runde, schlug die Arme vor der Brust zusammen. "Sie ist in der Lage uns alle zu töten", sagte sie dann, "wir sollten sie bewachen."

Arthur nickte. "Das werden wir tun. Du und Ginny", er zögerte, deutete auf das Ende des Flurs, "und auch Malfoy. Ihr benötigt alle Ruhe. Geh und leg dich schlafen. Wir kümmern uns um den Rest."

Etwas in ihr wollte widersprechen, aber da plötzlich wieder die gesamten Ereignisse des Tages über sie hereinbrachen, stimmte sie schließlich doch zu.

Da war wieder die Sorge um ihre Eltern, die sie gleich morgen früh noch einmal ganz final aus der Welt schaffen würde – auch wenn Harry bereits zwei ihrer Leute mit dieser Aufgabe betraut hatte.

Doch dann war da all der Schmutz und er Gedanke an Flint und seine ekelhaften Berührungen, die sie plagten. Diese würde sie jetzt gleich mit einer kurzen heißen Dusche fortwaschen.

Kurz, weil es sie auch nach Malfoy zog.

Zum einen, weil sie bisher immer noch keine Zeit gefunden hatte, um seine Wunden ausgiebig zu versorgen. Zum anderen aber auch, weil sie bisher noch keine Zeit gefunden hatte, mit ihm allein zu sein. Mit ihm zu sprechen... über was auch immer ihr vernebelter Kopf zustande bringen würde.

Als sie eine weitere halbe Stunde später mit einer Kräuterpaste, welche die Heilung seiner Wunden zusätzlich beschleunigen sollte, und mit einer großen Schüssel Wasser Malfoys Zimmer betrat, lag dieser dösend auf dem Bett.

Mione stellte die Schüssel Wasser und die Paste auf dem Schreibtisch ab, der an der Wand neben seinem Bett stand, und betrachtete ihn einen Augenblick lächelnd.

Dann wurde ihr bewusst, wie absurd es war: Sie stand hier und betrachtete ihn selig lächelnd. Ausgerechnet ihn. Doch es würde ihr sicherlich immer wieder absurd erscheinen. Egal wie oft sie noch darüber nachdenken würde.

Sie hustete, sodass er aus dem Schlaf hochschreckte und sie mit verschlafenen Augen musterte.

"Granger", raunte er und richtete sich langsam und sichtlich ungelenk auf.

Offensichtlich bereitete es ihm immer noch Probleme, die Stellen, an denen seine Haut noch rosig war, zu belasten. Das war ganz sicher nichts Ungewöhnliches. Sie fragte sich nur, wie lange es wohl dauern würde, bis sein Körper sich gänzlich regeneriert hatte.

Sie betrachtete die Blutkonserven, die offensichtlich erst vor Kurzem ausgetauscht wurden.

"Weasley", erklärte er, "das Weibliche."

"Bin ich wirklich ein offenes Buch?", fragte sie grinsend und drehte sich wieder zum Schreibtisch um, "mir kam zu Ohren, dass du duschen wolltest."

Er räusperte sich. "Ich stinke, nach Ruß, Feuer und Asche. Und nach was weiß ich noch alles. Es ist ekelhaft", sagte er und sie konnte ihn regelrecht die Nase rümpfen hören.

Sie musste lächeln, tunkte einen Waschlappen in die Schüssel mit Wasser. "Du solltest mit offenen Wunden nicht duschen", sagte sie.

"Ich fühle mich jetzt schon wie ein verdammter Undog", knurrte er.

Sie entschloss sich, diese elende Spitze zu ignorieren. Dennoch ließ es sie einen Moment in jeder Bewegung stocken: oder eher der Gedanke daran, dass er einmal eines dieser Wesen werden könnte.

Mione sah ihn an. Schweigend. Doch er verstand eindeutig auch wortlos was sie ihm sagen wollte. Er rollte mit den Augen und wandte den Blick ab.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass ich das hier unbeschadet und nicht tot oder ohne massiven Dachschaden überstehe, ist verschwindend gering, Granger."

Sie warf den Lappen so kräftig zurück in die Schüssel, dass das Wasser überall hin spritzte. "Das ist mir bewusst, Malfoy. Ebenso wie mir bewusst ist, dass es nichts bringt, diese Sache zwischen uns zu bereden, bis sie uns bis zum Hals steht."

"Das sagte ich bereits", gab er zurück.

Sie nickte und beugte sich erneut über die Schüssel. "Also belassen wir es dabei."

Seine Blicke durchbohrten ihren Rücken, dem sie ihm zugewandt hatte. Das konnte sie spüren.

"Das heißt aber nicht", sie wandte sich um und sah ihn an, "wir lassen es sein, was es ist. Wir stellen keine Fragen und wir zerbrechen uns nicht den Kopf. Aber ich werde es nicht länger verdrängen. Ich werde mich nicht länger davor verstecken."

Malfoy holte tief Luft, doch sie schnitt ihm das Wort ab. "Ich verlange nicht, dass wir", sie stockte und hielt kurz inne. Beobachtete den Lappen dabei, wie er in die Schüssel tropfte, "dass wir uns wie ein Paar benehmen. Dass wir es als mehr sehen, als das, was es ist. Ich will mich aber auch nicht länger verstellen. Sie wissen es eh alle", ein leicht hysterisches Lachen entwich ihr, "sie wissen, dass da etwas zwischen uns ist."

Er schwieg, erwiderte ihren Blick jedoch fest.

Sie atmete tief durch und machte sich wieder am Lappen zu schaffen.

"Granger, das alles führt doch zu nichts. Ich will mich auch nicht verstellen, will meine letzten Tage auch nicht", sie drehte sich zu ihm um, sah gerade noch, wie er mit den Schultern zuckte.

Mione nickte. Wusste auch so, was er meinte.

"Ich will aber weder deine, noch will ich meine Zeit verschwenden", sagte er leise.

Ein schiefes Lächeln stahl sich in ihr Gesicht. "Mir ist bewusst, dass das alles hier ein schlechter Zeitpunkt ist. Ein erdenklich schlechter Zeitpunkt-" Sie stockte. Tränen schossen ihr in die Augen und sie wandte sich wieder ab.

Tunkte den Lappen immer wieder in das Wasser und wrang ihn immer wieder aus. Das Gefühl des nassen Stoffes zwischen ihren Fingern wirkte ein wenig beruhigend auf sie ein.

Natürlich war sie nicht schnell genug, um es vor ihm zu verbergen. Doch er ignorierte es.

Ließ sie einen Augenblick mit ihren Gedanken allein.

Es herrschte Krieg. Im Moment hatte niemand von ihnen Zeit dafür, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als darauf, zu überleben und einen Weg zu finden, diesen zu ihren Gunsten zu beenden. Schon gar nicht auf verwirrende und aufkeimende Gefühle, die in Anbetracht ihrer Abstammung und Vergangenheit ohnehin schon zu nichts Gutem führen würden.

Wenn sie diese Sache einmal so klar wie möglich, und ohne den Hintergrund des Krieges, der herrschte, betrachtete, schien sich das Schicksal bereits einen großen und wenig amüsanten Scherz mit ihnen zu erlauben.

Doch das war in ihrem Fall nicht alles. Ihnen lief die Zeit davon. Sie waren zu großen Teilen auf seine Hilfe angewiesen. Vieles, was er zu sagen hatte, wenn sein Gesundheitszustand es zuließ, war Gold wert.

Nein, ihm lief die Zeit davon. Er hatte weniger Zeit zu verlieren als jeder Einzelne von ihnen.

Und irgendwann, wenn dieser Krieg hoffentlich beendet sein würde und sie alle wieder Zeit für ein normales Leben und all seine kleinen und großen emotionalen Highlights und Tücken hatten... dann würde er nicht mehr hier sein.

Doch genau über diese Tatsache hatte sie sich bereits mehr als einmal den Kopf zerbrochen. Hatte wertvolle Zeit daran verschwendet. Seine, aber auch ihre Eigene. Gemeinsame Zeit.

Mione drehte sich, den Waschlappen immer noch in ihrer Hand, erneut zu ihm um. "Es ist mir jedoch egal. Ich will nicht so tun, als würde all das ein gutes Ende nehmen. Ich will meine Zeit nicht verschwenden. Ich will aber nicht zurückblicken und etwas bereuen, dass ich nicht getan habe." Ihre Stimme war mit jedem Wort etwas leiser geworden.

Malfoy sah sie an. Schwieg. Seine Miene war absolut emotionslos. In seinen markanten und doch feinen Zügen fanden sich kein Hohn und kein Spott. Aber auch nichts anderes. Dann nickte er schwach. Kaum merklich.

Sie runzelte die Stirn. Sollte das eine Antwort sein?

Die Gryffindor holte tief Luft, wollte etwas sagen. Allerdings fehlten ihr die Worte und so blieb sie stumm.

"Gib mir einfach den blöden Lappen", sagte er, richtete sich langsam auf und streckte die Hand nach ihr aus.

Sie nickte, trat einen Schritt auf ihn zu. "Zieh das aus", flüsterte sie, drückte ihm das nasse Stück Stoff in die Hand und half ihm dabei, die Transfusionen abzuklemmen, die Kanülen zu entfernen und sich aus den verkohlten und verrußten Stofffetzen zu befreien.

Ihre Finger begangen leicht zu zittern, als sie immer mehr seiner Haut freilegte. Das tat sie nicht direkt zum ersten Mal und dennoch war es anders als sonst. Plötzlich schien alles anders als sonst. Und sie verstand sein Nicken. Verstand, was anders war.

Es war nicht nur die Tatsache, das er schlussendlich zum ersten Mal mehr oder weniger entspannt und gleichzeitig splitternackt vor ihr stand. Sein Atem rasselte etwas und sie konnte seine Hände ebenfalls zittern sehen, als er den letzten Fetzen von sich streifte.

Sie beugte sich vor, zog ihn an sich und er ließ sie erneut gewähren. Ließ sie gewähren, als sie ihm erst einen flüchtigen Kuss auf den Hals gab und ihre Lippen dann langsam über seinen Kieferknochen und über seien Wange wandern ließ. Er schmeckte furchtbar. Nach Feuer und Asche und nach verbranntem Fleisch. Eine Sekunde fragte sie sich, ob es der Geruch seines eigenen Fleisches war, der auf seiner Haut lag oder doch der Geruch eines anderen.

Doch der bittere Geschmack, der auf ihren Lippen lag, war ihr vollkommen egal. Sie arbeitete sich zögernd zu seinen Lippen vor, während er sie nicht nur einfach gewähren ließ, sondern sie vorsichtig an sich zog. Vorsichtig, um sie nicht zu sehr mit seinen empfindlichen heilenden Wunden zu berühren.

Als sich ihre Lippen endlich auf seine legten, zuckte er jedoch zurück und sah sie skeptisch an.

"Das ist ja ekelhaft", flüsterte er und sie musste grinsen.

"Das bist du", hauchte sie und sie musste leise lachen, als er ihr mit dem nassen Lappen einmal quer über das Gesicht wischte. "Gib her", sagte sie, nahm den Lappen an sich und machte sich sanft daran sein Gesicht von Dreck und Ruß zu befreien.

Er beobachtete sie mit zuckenden Mundwinkeln, ließ sie aber immer noch gewähren. Sie ließ sich Zeit, wusch und wrang den Lappen mehrmals in der Schüssel aus, während sie sich behutsam über seinen nackten Oberkörper arbeitete. Dieser hatte, mal abgesehen von seinem Rücken und seinem linken Unterarm, nicht allzu viel von den Flammen abbekommen.

Daher war es einfach, ihn vom Schmutz zu befreien, ohne seine heilenden Wunden zu verdrecken. Auf seinem Rücken und an besagtem Arm sah es jedoch etwas anders aus. Hier wusch sie den Lappen besonders gründlich aus und reinigte ihn zusätzlich mit Magie. Obwohl das wahrscheinlich überflüssig war, denn sein Körper schien in Sachen Infektionsrisiko und Co. wunderbar selbst klarzukommen.

Jede einzelne sichtbare Wunde war tief, reinigte sich aber wunderbar von selbst. Zudem waren zahlreiche Wunden, die sie zuvor während ihrer Flucht noch regelrecht klaffend angelacht hatten, ohne jegliche Narbenbildung verheilt.

Malfoy zuckte zusammen, als sie dennoch so behutsam wie möglich eine Wunde auf seinem Rücken abtupfte und sich dann wieder daran machte, die umliegende Haut vom Dreck zu befreien.

"Das ist Wahnsinn", flüsterte sie, als sie einer kleinen Wunde dabei zusehen konnte, wie sie sich langsam und komplett von selbst verschloss. Natürlich kannte sie dies von verschiedensten magischen Essenzen. Allerdings wirkte keine so schnell – bei vergleichbaren Wunden jedenfalls. Und schon gar nicht gänzlich von allein und ohne jegliches Zutun. Sein Körper hatte ein unbegreifliches Maß an Selbstheilung entwickelt.

Es war zwar noch nicht annähernd so ausgereift, wie das der Lamia, die sich in der kleinen Kammer am Ende des Flurs erholte: Aber dennoch war es beeindruckend.

Der Blonde drehte sich zu ihr um und bedachte sie mit einem skeptischen Blick. "Ist es der Anblick meiner halb nackten Kehrseite, die dich so begeistert oder der Anblick meiner Wunden?", seine Mundwinkel zuckten, als er sprach.

Sie hustete verlegen und machte sich daran ihn weiter zu waschen. "Das ist einfach", sie stockte, "ich verstehe es nicht. Ich sehe es, aber es macht einfach keinen Sinn. Nichts in deinem Blutbild erklärt mir, warum dein Körper so arbeitet. Und ich-"

"-brenne darauf es zu wissen", fiel er ihr grinsend ins Wort.

Mit einem Schulterzucken beugte sie sich wieder vor wischte sanft etwas Dreck fort, der sich in seinem Haaransatz gesammelt hatte. Dann beugte sie sich vor und platzierte einen vorsichtigen und sanften Kuss an der immer noch feuchten Stelle. Sie drängte sich ein wenig näher an ihn. Die Feuchtigkeit, die nach wie vor auf seinem Rücken vorhanden war, durchnässte ihr Shirt an den Stellen, an denen sie seinen nackten Rücken flüchtig berührte.

Er zuckte minimal zusammen und sie wich etwas zurück, als ihr bewusst wurde, dass sie ihm dadurch ganz sicher Schmerzen oder wenigstens ein unangenehmes Gefühl bescherte. Doch er umfasste ihre Hände, zog sie um seine Hüften herum und schließlich hoch an seine Brust.

"Tut das nicht weh?", hauchte sie ihm ins Ohr, dass sie jetzt nur noch erreichte, wenn sie sich hinter ihm auf die Zehenspitzen stellte.

Er lachte leise, drehte den Kopf etwas, sodass er sie über seine Schulter hinweg ansehen konnte. "Ein wenig."

Mione wollte sich von ihm losmachen, doch der Griff um ihre Hände wurde fester. Sie spürte, dass er so fest wurde, dass es den Lappen – der sich immer noch in ihren Händen befand, langsam auf seiner Brust auswrang.

"Es ist erträglich", sagte er heiser.

Sie löste eine Hand aus seiner Umklammerung, ließ den Lappen in ihrer anderen und in seinen Händen zurück – um mit ihrer freien flachen Hand die Feuchtigkeit, die über seine Brust hinab lief, in kreisenden Bewegungen zu verteilen.

Ihre Lippen fanden wieder an seine Haut, nahmen wieder den minimalen Geschmack von Ruß auf, der sich sicherlich erst nach einem ausgiebigen Bad oder einer heißen Dusche komplett verflüchtigen würde. Doch erneut war es ihr egal.

So wie der Schmerz für ihn erträglich war, den ihre Berührung erzeugte, so war der minimal bittere Geschmack für sie erträglich, der nach wie vor auf seiner wunderbaren Haut lag.

Sie knabberte an seinem Ohrläppchen, drängte sich noch ein kleines bisschen näher an ihn und ließ ihre Hand in immer größeren Kreisen über seinen nackten Oberkörper wandern. Und mit jedem Kreis, den sie zog und mit dem sie sich mehr und mehr seinem Unterkörper näherte, verspannte er etwas in ihren Armen.

Der Griff um ihre Hand wurde lockerer und seine Atmung ging mit jedem Mal etwas schneller. Sie musste nicht einmal versuchen über seine Schulter hinweg nach unten zu sehen, um zu wissen, was gerade passierte.

Und allein der Gedanke daran ließ sie erschaudern und jagte ihr einen Schauer durch den Körper. Sie küsste seinen Hals, stellte sich wieder auf die Zehenspitzen, um sanft an seinem Ohrläppchen zu knabbern – und schließlich ließ er ihre Hand los, sodass sie mit beiden Händen über seinen Oberkörper fahren konnte.

Sie setzte ihre Kreise ein paar Mal mitsamt Lappen und mit beiden Händen fort. Dann schmiss sie den nassen Stoff, an dem nun ein Großteil des Schmutzes klebte, der sich zuvor noch auf seiner Brust und seinem Bauch befunden hatte, in die Schüssel. Das Wasser spitzte so weit, dass sie ein paar Tropfen an ihrer Wange spüren konnte.

Doch da sie ihre Hände gerade in weiteren Kreisen zu seinem Schoss wandern ließ, schenkte sie ihnen nicht viel Beachtung. Malfoy versuchte sich in ihrer Umarmung zu drehen, doch sie ließ ihn nicht gewähren.

Natürlich wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, einfach zu tun, was er wollte. Stattdessen gab er nach einem skeptischen Blick, den sie mit einem etwas missglückten Versuch ihn zu küssen – er war einfach zu groß, um von hinten an seine Lippen zu gelangen – beantwortet hatte, aber nach.

Er stützte sich mit der rechten Hand auf dem Schreibtisch ab, der sich direkt vor ihnen befand und ließ seine linke um ihre Körper herum auf ihre Hüfte wandern. Und damit ließ er sie gänzlich gewähren. Ließ ihren Händen freie Bahn, die sich beide langsam aber sicher nach unten und in seinen Schoss arbeiteten und seinen Bauch hinter sich ließen.

Mione verteilte den Rest der Feuchtigkeit, die sich noch an ihren Händen befunden hatte, auf seiner heißen Haut. Er sog schneidend die Luft ein, ließ sich etwas zurückfallen, was er selbst mit einem Zucken und einem leisen Fluchen quittierte.

Sie drängte ihn wieder vor. Ihre Lippen verfingen sich an der feinen Haut seines Nackens, wo sie erst unzählige feuchte Küsse verteilte und dann langsam zu saugen und zu knabbern begann.

Malfoy keuchte, ließ sich erneut zurückfallen, doch dieses Mal hielt ihn nicht einmal sein Zucken und der Schmerz, den dieses andeutete, davon ab. Der Griff an ihrer Hüfte wurde fester, und als er vom Schreibtisch abließ, um mit der anderen Hand ebenfalls nach hinten zu greifen, gerieten sie beide kurz entsetzlich ins Taumeln.

"Langsam", hauchte sie ihm ins Ohr. Und erst jetzt wurde ihr bewusst, wie atemlos sie war und wie heftig sie atmete.

Offensichtlich wurde ihm dies ebenfalls bewusst. Vielleicht hatte die Tatsache, dass sie gesprochen hatte, den Zauber des Moments aber auch gestört.

Was immer es auch war: Er machte sich von ihr los und drehte sich zu ihr um – um sich mit nur einem flüssigen Bewegungsablauf gegen sie zu pressen und ihr das Shirt über den Kopf zu ziehen. Mione war sich nicht sicher, ob er sich tatsächlich schneller bewegt hatte als möglich, oder ob es ihr einfach nur so schnell vorgekommen war, weil ihr Hirn langsamer arbeitete als sonst.

Es war aber schwer sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf seine nackte Haut, die sich gegen ihre presste und seine Lippen, die sie erst in einen langen Kuss verwickelten, nur um sich schließlich über ihre Wange und an ihrem Hals hinabzurbeiten. Erst als er an ihrer linken Brust angekommen war, machte er Halt.

Mione stöhnte, vergrub ihre Hände keuchend in seinen Haaren, während er sie rückwärts zum Bett bugsierte. Und als sie durch sein Körpergewicht nach hinten gepresst wurde und schließlich rücklings auf das Bett fiel, streifte sie sein stark lädiertes rechtes Bein, was ihn kurz leise aufstöhnen ließ.

"Okay", sagte sie atemlos und drängte ihn fahrig von sich, "okay. Langsam."

Malfoy richtete sich schwer atmend und mit komplett zerzaustem und verdrecktem Haar auf. Seine Augen waren glasig. Er hatte tatsächlich etwas von einem Undog. Einem ziemlich gut aussehenden Undog.

Sie biss sich auf die Unterlippe und musste gegen den Drang ankämpfen, ihn einfach wieder in einen stürmischen Kuss zu verwickeln.

"Wir sollten es etwas weniger stürmisch angehen lassen", brachte sie mühselig hervor.

Er zog ungläubig eine Augenbraue hoch. "Ist es nicht ein bisschen spät, jetzt mit der Lass uns bitte erst einmal nur Kuscheln-Masche anzukommen, Granger?", knurrte er.

Sie schnaufte leise und wollte ihre entblößten Brüste mit den Händen bedecken, doch er schlug ihre Hände mit einem gefährlichen Funkeln in den Augen beiseite. "Deine Wunden sind alles andere als ausgeheilt", flüsterte sie und deutete auf sein Bein, an welchem sich tatsächlich wieder eine Wunde geöffnet hatte.

Malfoy folgte ihrem Blick und fluchte leise. Sie richtete sich auf und küsste seine nackte Schulter. Sofort konnte sie ihre Hände nicht davon abhalten, wieder über seine nackte Brust zu streichen. Ihre Lippen verirrten sich hingegen sofort wieder in einen innigen Kuss, der letztendlich tatsächlich so sehr abdriftete, dass sie sich wenige Sekunden oder auch Minuten später halb über ihm liegend und mit der Zungenspitze in seinem Mund wiederfand.

Sie keuchte rau, als sie sich von ihm löste – und ihr gesamter Körper schien lichterloh zu brennen. Zwischen ihren Beinen war es verräterisch heiß und feucht. Er sah sie mit glasigen Augen an, seine Hände wanderten unruhig an ihren nackten Seiten auf und ab. Erst jetzt merkte sie, dass er ihr die ohnehin schon sehr lose sitzende Schlafanzughose über die Hüften und über den oberen Poansatz geschoben hatte.

Ein weiterer Kuss, sich keuchte gegen seine Lippen, als sie weitersprach. "Ich bin oben und du bewegst dich so wenig wie möglich."

Natürlich könnten sie es einfach nur bei ein paar weiteren Zärtlichkeiten belassen. Für heute Nacht. Jedenfalls dachte sie das für ein paar lausige Sekunden, während sie sich etwas ungelenk aus der Stoffhose pellte. Das dachte sie aber auch nur so lange, bis er ihren Hals und schließlich ihr Schlüsselbein küsste und sie erneut viel zu stürmisch an sich zog.

Er war heiß. Nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich. Sein Körper war einfach nur wunderbar warm. Jedoch nicht im fiebrigen Sinne.

"Langsam", ermahnte sie ihn, als sie auf ihn kletterte.

Für den Bruchteil einer Sekunde, und als sie ihre dunklen und zart gebräunten Schenkel neben seinen blassen Hüften platzierte, wurde sie sich wieder der Absurdität dieser gesamten Situation bewusst.

Doch dann richtete er sich auf, umschlang ihren Oberkörper und zog sie an sich. Seine Lippen fanden erst ihre und dann wieder zu ihrer Brustwarze. Erst zur einen, dann zur anderen. Und schließlich vergrub sie ihre Hände wieder in seinem zerzausten und verdreckten blonden Haar, das jetzt gerade einen starken Graustich hatte, und ließ sich keuchend gegen ihn und auf seinen Schoss fallen.

Sie lag noch ein paar Stunden neben ihm wach und beobachtete die zwei Blutkonserven dabei, wie sie wieder frisches Blut in seine Adern beförderten. Nachdem sie die stärkste Hitzewelle überstanden hatten, hatte sie ihn direkt wieder an die Transfusionen angeschlossen.

Nicht ganz grundlos, denn obwohl sie tatsächlich mehr oder weniger sanft und behutsam gewesen waren, hatten sie ihm zwei weitere aufgerissene Wunden zugefügt – eine am Rücken und eine am Arm.

Mittlerweile sahen beide Blessuren aber wieder sehr gut aus.

Mione atmete erleichtert durch, drängte sich unter der Bettdecke etwas näher an ihn. Dabei versuchte sie sich nicht so nahe an seinen Körper zu drängen, dass sie erneute Wunden verursachte.

Ihre Hand wanderte in kleinen sanften Kreisen über seine nackte Brust, die sich ganz langsam und gleichmäßig immer wieder hob und senkte. Es war ihr ein Wunder, wie er es fertigbrachte nach alle dem, was in dieser Nacht passiert war zu schlafen.

Allerdings hatte er bereits als sie sein Zimmer betreten hatte extrem erschlagen und müde ausgesehen. Ihre Berührungen schienen es nur etwas aufzuschieben. Oder eher seine Hormone und das Adrenalin, welches er sicherlich ausgeschüttet hatte.

Sie küsste seine nackte Schulter. Scheinbar zum einhundertsten Mal in dieser Nacht: Und es fühlte sich immer noch ein wenig merkwürdig an. Sowohl ihn zu berühren als auch nackt neben ihm zu liegen.

Ihr Blick ging in die Dunkelheit der Nacht hinein und ihr Kopf war zum ersten Mal seit langer Zeit angenehm leer. Angenehm, aber auch merkwürdig leer. Bevor er neben ihr eingedöst war, hatte er sie im Halbschlaf gefragt, ob sie sich ihrer Gefühle sicher war. Ob es nicht vielleicht daran lag, was er langsam aber sicher wurde... und daran, welchen Einfluss seine Art auf Menschen hatte.

Das war eine verdammt gute Frage. Und natürlich wusste sie keine Antwort darauf.

Wieder sah sie ihn an. Ließ ihren Kopf langsam auf seine Brust sinken und lauschte seinem Herzschlag. Das Geräusch beruhigte sie auf so vielerlei Arten. Ja, sie wusste es nicht. Vielleicht lag es daran. Vielleicht nicht. Vielleicht würde sie es erfahren, wenn er die Umwandlung nicht überstehen würde. Wenn der Zauber plötzlich enden würde.

Ein Teil von ihr hoffte genau das. Aber sie wusste, dass er nur hoffte, weil er Angst davor hatte, dass es nicht enden würde. Dass sie mit all diesen Gedanken und Gefühlen allein zurückbleiben würde.

Doch sie verdrängte den Gedanken daran.

Sie hatte gewusst, worauf sie sich eingelassen hat. Und sie hatte sich dafür und nicht dagegen entschieden.

Mione schloss die Augen. Machte ihren Kopf leer und lauschte seinem Herzschlag. Ließ ihn wie ein leises Mantra auf sie wirken. Und schließlich schlief auch sie ein.


Vorschau:

Draco runzelte die Stirn. "Du willst mir weiß machen, dass du nicht weißt, warum du hier bist? Warum du mir immer wieder mein elendes Leben retten musst?"

"Genau das ist es: Ich bin hier, damit du überlebst", gab sie zurück und in ihrer Miene sah er, dass sie ihn belog. Dass sie sie alle belog. Sie hatte alle Fragen auf ihre Antworten. Doch sie würde sie ihnen nicht geben.


Hola, hier sind wir wieder... mit einem neuen Chapter, neuen Erkenntnissen und sicherlich auch ein paar neuen Rechtschreib- und sonstigen Fehlern. Ich überarbeite immer noch alles im Alleingang und zwei Augen sehen nun einmal weniger als vier. :P

Wie immer für die Favos, Klicks, Hits und natürlich an Cruella (Da kann ich jetzt ja leider gar nichts zu sagen... außer vielleicht: We will see?!), Nibin (Danke und das freut mich. Wirklich! :) Ich fand die Szene in der reinen Vorstellung auch sehr cool. Lach) und Die-Na (Ja... weiß ich nicht. War es so düster, wie du gedacht hast? hehe) für die Reviews. :)

Vor allem was Letzteres angeht, kann ich scheinbar nicht oft genug betonen, dass ich mich über ein paar Worte freuen würde. Leider machen sich nach wie vor die meisten Leser nicht die Mühe... was wirklich schade und auch enttäuschend ist. Also, ran an die Tasten und lasst mir eine Review da! Das sorgt trotz Stress und Zeitmangel für mehr Elan beim Schreiben und Überarbeiten der Fics. ;)