Drei Tage später. Krankenzimmer.

Rodolphus hat sich bisher noch nicht gemeldet. Alle machen sich Sorgen um ihn.

Immerhin konnte ich Severus davon überzeugen, ihn nicht zu rufen, denn ein loyaler Mann wie mein Onkel nun mal einer ist, hat einen triftigen Grund, warum er nicht an der Seite seines Lords ist. Ihn intensiv zu rufen und damit zusätzlich zu quälen, kommt mir äußerst unfair vor.

Trasher hängt eigentlich die ganze Zeit schon mit seinen Leuten rum, die uns von Zeit zu Zeit misstrauisch beäugen.

Nur dieser Wesley nicht, er hat immer den gleichbleibenden, verschlossenen Gesichtsausdruck. Unmöglich den Mann zu deuten.

Mittlerweile habe ich geschnallt, was hier abgeht. Vor außen betrachtet ist das nur ein schäbiges Casino, das ab und zu eine Art Western-Show abzieht, doch in Wahrheit laufen hier ganz andere Sachen.

Unter den normalen Zimmern und Spieltischen werden reihenweise hochrangige Muggelpolitiker durchgeschleust. Solche, die sich in den feinen Casinos nicht sehen lassen wollen, weil ihre beachtliche Spielsucht dort auffallen würde.

Millionen wandern hier über die Tische.

Jeder will für sich bleiben und niemand stellt Fragen. Gut für uns...

Wesley und seine Angestellten bewohnen die Obergeschosse, wo wir bisher noch nicht waren, mangels Zutrittsberechtigung.

Ein Haufen bulliger Türsteher bewacht den ganzen Laden und noch dazu sind überall Wärmekameras installiert. Alles unter 36 Grad Celsius Körpertemperatur löst einen stillen Alarm aus.

Woraufhin verschiedene Essenzen in die Klimaanlagen eingesprüht werden und diverse UV-Lampen auf dem Dach anspringen.

Im Moment bin gerade ich dran, Manilow zu assistieren, was sich als überaus anstrengend erweist, denn Nevilles Zustand verschlechtert sich zusehends.

Dolohow muss bald unter einen Dormenosus und/oder Imperius gesetzt werden, denn er vibriert förmlich vor unterdrückten Schmerzen, Sorge und Ungeduld. Er verweigert seine Schmerztränke, damit Neville die wenigen Phiolen bekommen kann. Es ist nicht leicht für Antonin zu sehen, dass Neville im Gegensatz zu ihm selbst einfach nicht heilen will.

Wütende Worte reißen mich schließlich aus meinen Gedanken, Freddie legt sich ernsthaft mit Sev an.

Mein Blick wandert belustigt zu Dolohow, der aber weiterhin stur geradeaus starrt.

„Wie ich bereits sagte, SO kann ich unmöglich arbeiten!", meckert Manilow und schafft es tatsächlich streng zu klingen.

Wenn der Gute sich weiter so echauffiert, rennt er bald mit glasigem Blick durch die Gegend.

Ich kann an Sevs ausbleibender Reaktion erkennen, dass er sehr erschöpft ist.

Soweit ich das mitbekommen habe, hat er sich in den drei Tagen, die wir nun schon hier sind immer noch nicht richtig ausgeschlafen und sieht jedes Mal, wenn ich ihn kurz sehe, fürchterlicher aus.

Raluca flattert draußen herum und sucht hoffentlich nach Rodolphus. Ab und an verlasse ich in wechselnder Gestalt unseren erstaunlich sicheren Unterschlupf und warte auf ihren Bericht unter einer speziellen Leuchtreklame am P.C.

Auch sie macht sich zunehmend Sorgen um Severus, der sich fast ausschließlich um die Klone kümmert. Zusammen mit Croaker. Nicht einmal ich habe Zutritt und helfen lässt er sich diesmal auch nicht von Hermine.

„Dieser Irre macht mich wahnsinnig! Haben Sie ihm schon einmal für längere Zeit in die Augen gesehen? Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn er mich die ganze Zeit beobachtet, als würde ich pausenlos Schaden anrichten! Noch dazu unterbricht er mich mit ständigen Fragen über die Physiologie des menschlichen Gehirns, andauernd muss ich ihm gegenüber jeden meiner Schritte rechtfertigen! Entweder, Sie entfernen ihn aus diesem Zimmer oder Sie müssen sich eine andere Geisel suchen!", mault Manilow weiter laut – viel zu laut - herum.

Ich lege den Waschlappen, mit dem ich eigentlich Nevilles Gesicht vom jüngsten Speichelschaum befreien wollte – er leidet neuerdings unter Krampfanfällen – zurück in die Waschschüssel und begebe mich ebenfalls hinaus auf den Flur zu dem zickigen Heiler.

„Ich - und Antonin übrigens auch - kann Sie durch drei Zimmerwände schreien hören, Freddibär! Vielleicht sollten Sie ein BISSCHEN leiser rumzicken!", fauche ich ihn an, denn das Zimmermädchen, das auffällig gründlich den Flurteppich staubsaugt, starrt nun ungehemmt zu uns herüber.

Wesley hat den Angestellten verboten, sich unseren Zimmern zu nähern, hat ihnen irgendeine Lüge von wegen wir seien Künstler und wollen in unserer Kreativität nicht gestört werden, aufgetischt.

„Ich bräuchte außerdem wesentlich bessere medizinische Ausrüstung hier. Ich kann immer noch nicht erklären, weshalb Longbottoms Gehirn im Frontallappen blutet, dazu müsste ich ihm ein spezielles Diagnose-Serum verabreichen, was ich leider nicht hier habe. Die vorherigen Untersuchungen haben keinerlei Verletzung der Stirn gezeigt, sonst hätte ich natürlich für das Serum gesorgt und wir wüssten nun, ob die Anfälle von einer Blutung kommen, oder die Blutungen von den Anfällen! Sie wissen genau, dass so die 50ig prozentige Chance besteht, ihn falsch zu behandeln! Und ihm einfach so aufs Geratewohl ein weiteres Mal den Schädel zu öffnen, lehne ich ab. Ich habe bereits zu viel unter diesen verseuchten Bedingungen riskiert!"

„Vielleicht haben Sie beim ersten Öffnen des Schädels ein bisschen zu tief geritzt und -", beginne ich.

„Miss Tonks! Ich habe einen calciumlösenden Zauber verwendet und keine Axt! Das ist ja auch noch längst nicht alles! Außerdem wurden viele meiner Anweisungen einfach ignoriert! Ich hatte unter anderem Bettruhe verordnet und sie transportieren die Patienten quer durch die Stadt auf MUGGELART! Wir können froh sein, dass diese Rothäute nicht mitsamt den Koffern die Treppen hinunter gestürzt sind!"

Severus´ Kopf ruckt hoch und für einen winzigen Moment hat Manilow echte Todesangst.

Doch Severus rast an uns vorbei den Flur entlang und erschrickt die arme Putzfrau halb zu Tode.

Transportschaden, klar. Wieso sind wir da nicht früher drauf gekommen? Möchte jetzt lieber nicht in der Haut derjenigen stecken, die Nevilles Koffer getragen haben.

*****

Nachdem Wesley sich mit finsterer Miene bei Severus und Manilow für seinen unfähigen Angestellten entschuldigt hat, der schlichtweg das Gewicht des Koffers unterschätzt hatte und dieser mit einer Ecke kurz aber heftig auf dem Boden aufgeschlagen war, hat Neville ein zweites Hirnfenster im Stirnbereich bekommen und Manilow konnte eine weitere ausgeprägte Blutung versorgen, die dem armen Kerl das halbe Hirn abgequetscht hat.

Freddie schläft sich erst einmal aus. So eine Operation am offenen Hirn scheint recht ermüdend zu sein. Die Gefahr, bei einem erneuten unvorhersehbaren Anfall mehr Schaden anzurichten, als Gutes zu tun ist anscheinend ungeheuer groß. Auch bei magischer Heilung.

Severus hat sich mal wieder bei den Klonen eingeschlossen und ich bin auf dem Weg zu Raluca, ihren Bericht in Empfang zu nehmen.

Es regnet – wie immer wenn ich raus muss – aber die knallgelbe Öljacke, die einer von Wesleys Leuten mir geliehen hat, hält das meiste ab.

Zwar glaube ich kaum, dass meine geflügelte Mitanhängerin etwas neues zu berichten hat, aber es tut gut, aus dem stickigen Casino heraus zu kommen.

Winke Raluca, die unter der hell leuchtenden Reklamewand steht kurz zu. In dieser Gestalt Marke Mauerblümchen hätte sie mich bestimmt nicht erkannt. Auch sie trägt eine Regenjacke, deren Kapuze sie tief ins Gesicht gezogen hat.

Um uns herum toben sich jede Nacht die Flederviecher aus. Nicht ganz ungefährlich für die schöne Fürstennichte.

*****

Krankenzimmer.

„Wie geh es ihm?", fragt der zögernd eintretende Draco Hermine, die gerade Nevilles Kopfverband wechselt.

Ein kurzes Nicken Richtung Dolohow, der die geschickten Hände der jungen Frau aufmerksam beobachtet.

„Er hat aufgehört zu krampfen. Heiler Manilow hat die Wunde...das Loch mit einem Bakterienfilter belegt. Er sagte, es sei noch zu früh den Knochen zu schließen, falls er noch einmal den Hirndruck -"

„So genau wollte ich es gar nicht wissen", unterbricht Draco sie und winkt heftig ab.

„Du hattest wirklich Glück damals. Bei deiner Aufnahme, meine ich. Wenn Er dich dazu beauftragt hätte, dich in meinem Spezialgebiet als würdig zu erweisen, wärst du kläglich gescheitert. Ich habe nie einen Anhänger des Dunklen Lords erlebt, der so empfindlich auf Blut reagiert", spottet Dolohow und die Raumtemperatur scheint um ein paar Grad zu fallen.

„Ist es Ihr reinblütiger Inzeststammbaum, der gerade durch schlägt oder das Verdrängen Ihre Schuldgefühle gegenüber dem Sohn Ihrer einstigen Opfer, der jetzt an Ihrer Stelle ums Überleben kämpft?", schnappt Hermine und Dolohow muss ob ihres Beschützerinstinkts gegenüber Draco ein wenig Lächeln.

Sie beendet den Verbandswechsel und zieht Draco am Ärmel mit sich.

„Komm, ich muss hier raus. Lassen wir ihn ruhig ein bisschen über seinem Gewissen brüten, sofern er eins hat."

Die beiden jungen Anhänger des wahren Lords verlassen das Krankenzimmer und Dolohow ist zum ersten Mal seit den Ereignissen, die zu seinem momentanen Zustand führten mit seinem Lebensretter alleine.

xoxoxox

Ich weiß, recht kurz aber die Stelle gefiel mir :-) Liest eigentlich außer Morti noch irgendjemand mit? * hoff*