Kapitel 36
Als Draco wieder langsam aus dem Reich der Träume
zurückkehrte, spürte er einen warmen Körper neben
sich. Ein Geruch von Myrre und Salbei stieg ihm in die Nase.
Instinktiv kuschelte sich der Blonde näher an die Wärmequelle
und vergrub sein Gesicht in der Halsbeuge des anderen. Den Körper
neben sich mit den Armen fest umschlungen.
"Draco...bitte, lass
mich los.", hörte er die unsichere und raue Stimme von
Blaise.
Verwundernd blinzelnd öffnete er die Augen und hob
den Kopf leicht an, um in das angespannte Gesicht von Blaise zu
sehen.
"Blaise?", fragte Draco verschlafen und versuchte sich
daran zu erinnern, was genau Blaise mit ihm in einem Bett verloren
hatte. Hatte er sich endlich getraut? Nein, er trug ja noch seine
Kleider. Ebenso wie sein Gegenüber. Aber was war dann
passiert?
"Draco, bitte.", hörte er die flehende Stimme
von Blaise.
Verletzt zog der Blonde sich etwas von Blaise zurück.
Er hatte seine Antwort. Blaise mochte ihn nicht zu nahe an sich
haben. Es war ihm unangenehm.
"Tut mir leid.", meinte Draco
traurig und drehte sich auf die andere Seite. Er wollte nicht, dass
der Schwarzhaarige mitbekam, wie sehr er ihn verletzt hatte. Ein
trüber, schwarzer Schleier legte sich über seine traurigen
Augen.
Blaise atmete ein mal tief durch, als Draco sich von ihm
löste. Er hätte sich fast nicht mehr unter Kontrolle
gehabt. Die Nähe des Blonden war einfach zu berauschend und
erregend gewesen. Verwundert sah er zu Draco, der ihm den Rücken
zuwandte.
Er hörte die Traurigkeit aus der Stimme seiner
heimlichen Liebe und es brach ihm fast das Herz.
"Das war nicht
böse gemeint, bitte, glaub mir."
"Schon gut.", der
Halbveela konnte nicht verhindern, das Trauer in seiner Stimme
mitschwang.
"Ich will dich nicht verletzten."
"Schon
klar."
"Wirklich."
"Warum?"
"Wie meinst du
das?"
"Warum sagst du, dass du mich nicht verletzten willst
und tust es doch? Bin ich dir so zuwider, dass du mich nicht mal in
den Arm nehmen willst?"
"Nein. Du bist mir nicht zuwider. Wie
kommst du auf so eine Idee?"
"Früher hast du mir immer
alles gesagt. Aber seit einiger Zeit redest du kaum noch mit mir. Ich
spüre, dass dich was bedrückt. Aber du willst es mir
einfach nicht sagen. Was? Was hab ich falsch gemacht, dass du mich
nicht mehr magst?"
"Du hast nichts falsch gemacht. Es...es
liegt an mir."
"Wie meinst du das?"
Blaise schluckte.
Angst überflutete ihn. Er musste es ihm sagen, aber...was, wenn
er ihn dann nicht mehr leiden konnte? Aber wenn er jetzt schwieg,
würde er Dracos Freundschaft endgültig verlieren. Er hatte
keine andere Wahl. Entweder er schwieg und verlor Draco ein für
alle mal, oder aber er sagte es endlich und vielleicht, ja,
vielleicht wurden seine Gefühle ja erwidert. Er hatte nichts
mehr zu verlieren.
"Ich...ich hab vor einiger Zeit etwas
bemerkt, was ich dir nicht sagen konnte. Ich hatte Angst, dich zu
verlieren. Angst, dass du mich dafür hassen würdest. Ich
konnte es nicht mehr ertragen, dir zu nahe zu sein, aber es schmerzte
auch, wenn du nicht da warst.", Blaise atmete noch ein mal tief
durch. "Draco, ich...ich hab mich in dich verliebt."
Draco
richtete sich auf und sah ungläubig zu Blaise, der ihn unsicher
ansah.
Die tränennassen Augen des Blonden begannen leicht zu
leuchten und der schwarze Schleier war bei den Worten des jungen
Vampirs verschwunden.
"Wirklich?", fragte er
hoffnungsvoll.
"Ja. Wirklich.", antwortete Blaise
unsicher.
Lächelnd beugte Draco sich vor und verschloss die
Lippen des anderen mit seinen. Dieser riss zuerst ungläubig die
Augen auf, doch dann schloss er sie genießerisch. Alle Ängste,
Zweifel und dunkle Gedanken der beiden, waren auf einmal
verschwunden. Blaises Hände fuhren in Dracos Nacken und zogen
den Blonden näher an sich, sie vertieften den Kuss. Zögernd
fuhr Blaise mit seiner Zunge über die Lippen des anderen. Blaise
drehte sich, so das Draco unter ihm zum liegen kam. Dieser öffnete
seine Lippen einen Spalt, um Blaise Einlass zu gewähren. Ein
leidenschaftliches Zungenduell entbrannte. Keiner der beiden
bemerkte, dass die blaue Schrift an der Tür verschwand und die
Tür in einem zarten rot kurz aufleuchtete.
Durch ein
unbekanntes Gefühl wurde Harry geweckt und kuschelte sich näher
an Tom, der schlummernd neben ihm lag.
'Was war das?', wollte
er von Krenjo wissen.
'Die Tür hat sich wieder geöffnet.
Der Zauber ist so konzipiert, dass er dem Sprecher bei Beendigung der
Wirkung ein Signal sendet.'
'Meinst du, sie sind jetzt
zusammen?', fragte Harry ängstlich, dem die anderen beiden
Möglichkeiten wieder eingefallen waren.
'Sicher. Ich
bezweifle, dass sie sich angegriffen haben. Dazu war die Zeit zu kurz
bemessen. Vor allem hätte uns der Zauber bescheid gesagt.'
'Dann
ist ja gut.', meinte Harry, gähnte kurz und kuschelte sich
dann näher an seinen Liebsten, um dessen Nähe noch etwas zu
genießen.
"Kleiner Panther?", kam es leise murmelnd von
Tom, der auf Grund der Stimmen neben sich aufgewacht war.
"Hm?"
"Was
ist denn?"
"Die Tür ist wieder offen."
"Dann
sollten wir die beiden später abholen, falls sie
zu...beschäftigt waren, es mitzubekommen."
"Von mir aus,
aber erst will ich noch ein bisschen mit dir kuscheln.", meinte
Harry und rückte näher an Tom, der lächelnd seine Arme
um ihn schlang und ihn noch näher zu sich zog.
"Na, wenn du
das willst."
"Hey. Mach dich nicht lustig über
mich."
"Würde mir nicht mal im Traum einfallen.",
meinte Tom, beugte sich über Harry und zog seinen Liebsten in
einen tiefen Zungenkuss, während er ihm beruhigend die Seiten
entlang strich.
'Das will ich auch hoffen.', brummte der in
Gedanken und erwiderte den Kuss.
