Es war ein schöner sonniger Spätnachmittag. Viele Leute nutzten das schöne Wetter, um an der Pier spazieren zu gehen. Adam überlegte, wo er seinen Freund finden konnte. Er hoffte nicht, dass sich Frederic nach dem Gespräch mit seinem Vater in irgendeine Bar geflüchtet hatte und sich volllaufen ließ. Ganz unbewusst drehte Adam seinen Kopf in Richtung Wasser, um sich den leichten Wind ins Gesicht wehen zu lassen. Gerade als er sich wieder auf den Weg vor ihm konzentrieren wollte, sah er Frederic auf einem der Poller sitzen. Sein Blick war auf das Meer gerichtet. Adam näherte sich langsam und setzte sich auf den Poller daneben. Erfolglos wartete er ab, ob sein Freund das Gespräch beginnen würde. „War es so schlimm, Frederic?"

Sein Freund lachte leise auf. „Du kennst meinen Vater nur aus dem Büro oder von den wenigen Sonntagsessen bei uns zu Hause." Er sah zu Adam. „Ich bezweifle auch, dass er jemals so mit dir reden würde wie mit mir. Du bist doch der Sohn, den sich mein Vater immer gewünscht hat."

Adam setzte sich gerade ihn und sah Frederic empört an. „Frederic, das ist nicht wahr und das weißt du auch."

Frederic lachte wieder. „Natürlich ist das die Wahrheit. Seit ich mit dir befreundet bin, muss ich mir anhören, wie talentiert und verantwortungsbewusst du bist. Von deiner Zielstrebigkeit will und kann ich nicht sprechen. Auch heute musste ich mir anhören, dass dir das sicher mit Giovanna nicht passiert wäre." Mit einem leichten Lächeln fuhr Frederic fort. „Adam, meinst du, ich weiß nicht, was für ein Angebot mein Vater dir gemacht hat? Auch davon hat er mir recht früh erzählt." Frederic holte noch einmal tief Luft. „Ich bin weder sauer noch neidisch auf dich, Adam. Du bist so wie du bist und genauso mag ich dich. Und dass mein Vater später dich lieber in der Leitung sehen will als mich, kann ich auch nachvollziehen. Ich weiß selber ganz genau, was ich kann und was nicht. Ich habe mich nie als seinen Nachfolger gesehen."

Mit leichtem Kopfschütteln sah Adam auf das Wasser. „Frederic, ich wollte nie mit dir in Konkurrenz stehen. Dein Vater ist ein knallharter Geschäftsmann. Ich könnte gar nicht mit ihm zusammen arbeiten. Denn wer nicht seiner Meinung ist, fliegt schnell von seiner Gehaltsliste."

„Oh, nein mein Freund. Du kannst dir - warum auch immer - sehr viel bei ihm herausnehmen. Er denkt auch genau darüber nach, was du ihm sagst. Ich habe viele von euren Gesprächen im Büro mitbekommen. Ich kenne kaum einen, der ihm so die Meinung sagen darf." Frederic machte eine kurze Pause. „So wie es aussieht, wirkt dein Nevada Charme bei unserer gesamten Familie."

„Frederic, glaube mir. Es lag nie in meiner Absicht, einen Keil zwischen deinen Vater und dir zu treiben. Wenn ich geahnt hätte, dass er dich ständig mit mir vergleicht, hätte ich mir schon früher eine andere Stelle gesucht. Aber….." Er sah seinen Freund ernst an. „….dass er dich jetzt rausgeworfen hat, hat nichts mit mir zu tun. Eure Probleme miteinander haben schon vor meiner Zeit angefangen."

Jetzt lachte Frederic laut auf. „Adam, er hat mich nicht rausgeworfen und das habe ich auch mal wieder dir zu verdanken."

„Wie bitte?"

„Adam, du brauchst nicht so erstaunt zu sein. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft du mir den Hintern gerettet hast. Natürlich durfte ich mir erst einmal anhören, wie enttäuscht er von mir ist und dass er eigentlich nichts anderes erwartet hat von einem, der sein Leben nicht im Griff hat. Nachdem wir uns dann angeschrien haben, habe ich ihm gesagt, dass ich nicht auf ihn angewiesen bin. Ich habe meinem Vater erklärt, wie die Zukunft mit Giovanna aussehen wird und ich sein Geld dafür nicht brauchen werde." Mit dem Fuß kickte er einen Stein ins Wasser und sah dann hoch zu Adam. „Mein Vater schaute mich mit großen Augen an. Dann lief er zum Fenster und blickte in den Garten. Ich wollte schon gehen, weil er nichts sagte. Doch dann drehte er sich plötzlich um und meinte, er würde gerne mit mir in den Park gehen, um sich mit mir in Ruhe über meine Zukunftspläne zu unterhalten."

Adam konnte seine Überraschung nicht verbergen. „Du machst einen Witz?"

„Nein, mache ich nicht. Er war beeindruckt, dass ich, wie er sagte, zu meinem Fehler stehe und mir Gedanken gemacht habe, wie es weitergehen sollte. So viel Weitsichtigkeit hätte er mir nicht zugetraut." Frederic setzte sich jetzt so hin, dass er Adam direkt ansehen konnte. „Adam, ich möchte nicht mehr, dass mein Leben so ein Chaos ist. Ich kann doch nicht immer darauf hoffen, dass du für mich alles in Ordnung bringst. Bei dem Gespräch im Park habe ich das auch meinem Vater gesagt, und dass ich ohne dich nicht gewusst hätte, wie es weitergeht und obwohl ich ihm die Wahrheit gesagt habe, hörte er mir weiter zu."

Frederic stand auf und lief am Kai entlang. Auf der Höhe von Adam blieb er wieder stehen. „Adam, ich muss nicht nur ohne meinen Vater klarkommen, sondern auch ohne dich."

Jetzt lachte Adam. „Wirfst du mich jetzt aus meinem Haus raus?"

„Das wäre doch mal eine Überlegung wert. Nein, aber ich werde bei meinem Vater aufhören zu arbeiten und mir eine andere Stelle suchen und nach unserem Abschluss mache ich dann mein eigenes Büro auf. Wenn ich das dann in den Sand setze, bin nur ich daran schuld und Adam…" Adam stand langsam auf. „…Ich möchte nicht mehr, dass du mich morgens weckst. Wenn ich nicht rechtzeitig aufstehe, bin ich dafür verantwortlich und nicht du und sollte ich nicht genug Geld für die Miete haben, dann muss ich halt neben dem Studium noch mehr arbeiten."

Mit verschränkten Armen betrachtete Adam seinen Freund. „Kannst du mir mal verraten, was im Park mit dir passiert ist?"

„Laufen wir ein Stück?" Adam nickte. „Mir ist auf den Weg zu meinem Vater schon einiges klar geworden. Ich habe mich mein ganzes Leben immer auf andere verlassen und als wir dann heute bei dir im Wohnzimmer saßen, fühlte ich mich wie ein kleines Kind. Giovanna, meine Schwester und du, ihr meistert euer Leben ohne Probleme.

Adam, du bist tausende von Meilen von zu Hause entfernt und regelst alles selber und ich bin nicht einmal in der Lage, morgens pünktlich aus dem Bett zu kommen. So kann es mit mir nicht weitergehen schon gar nicht, wenn ich jetzt eine eigene Familie haben werde. Es wird Zeit, dass ich jetzt Verantwortung übernehme."

„Und dein Vater? Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er Giovanna als Schwiegertochter akzeptiert."

„Begeistert ist er nicht, aber wie hat er gesagt, ein Francois stellt sich immer der Verantwortung und wenn sie auch mit dir befreundet ist, muss sie ganz vernünftig sein."

Adam hielt Frederic am Arm fest und blieb stehen. „Das hat er aber nicht wirklich so gesagt?"

„Nein, aber ich liebe es, dein geschocktes Gesicht zu sehen. Er hat mir gesagt, dass ihm bewusst geworden ist, dass - wenn er weiter blind für das Wesentliche im Leben ist -, er seine Kinder verlieren wird und das will er nicht.

Ich habe zwar kein Wort verstanden, aber für mich war nur wichtig, dass er uns seinen Segen gibt. Also nimm dir Freitag nächste Woche nichts vor. Ich will, dass du mein Trauzeuge bist."

„Nächste Woche schon? Ich denke, die Hochzeit sollte erst in zwei Wochen sein?"

„Adam, ich treffe jetzt meine eigenen Entscheidungen."

„Na, da bin ich mal gespannt, aber heute hat mich ja auch dein Vater schon überrascht, warum nicht auch du."

Die beiden liefen zurück zum Haus und kurze Zeit später machten sich Frederic und Giovanna auf den Weg zu ihren Eltern.

Bridget und Adam sind noch etwas essen gegangen und später brachte Adam sie nach Hause. Beide standen nun vor dem großen Haus ihrer Eltern. „Adam, willst du mir sagen, was dich noch beschäftigt?" Bevor er antworten konnte, hob sie ihre Hand. „Wehe, du sagst jetzt, du hast nichts. Ich kenne dich bereits sehr gut und wenn du wieder diesen Blick hast, sagt mir das, dass dort etwas ist, das dich zum Grübeln bringt."

Seine Augen sahen sie zärtlich an. „Ich weiß jetzt nicht, ob das so gut ist." Sein Blick ging kurz zu den Sternen am Himmel und dann wieder zurück zu ihr. „Frederics Entscheidung, die Hochzeit bereits nächste Woche stattfinden zu lassen, bringt meine Pläne etwas durcheinander. Ich weiß, das ist jetzt egoistisch von mir, aber ich wollte eigentlich für ein paar Tage in das Tal außerhalb von Boston reiten."

„Das Tal, von dem du mir erzählt hast? Dort, wo du immer wieder zu dir selbst finden willst?"

„Ja, genau. Nicht, dass ich es unbedingt brauche, aber ich hätte es gerne getan."

„Dann ändere doch nicht deine Pläne. Du wärst doch rechtzeitig zurück."

„Bridget, ich kann doch jetzt nicht einfach gehen. Es muss doch sicher noch einiges vorbereitet werden."

Sie legte ihre Hand auf die Höhe seines Herzens, wie es auch bei ihrer ersten Tanzstunde getan hatte. „Du sollst dich doch nicht ständig für alles verantwortlich fühlen. Denk jetzt einfach nur an dich. Ich weiß, wie wichtig dir die Ruhe ist und denke daran, wie anstrengt die letzten Wochen für dich waren. Man sieht es dir an, dass du müde und geschafft bist." Sie hielt kurz inne. „Adam, du hast mir von den zwei Wölfen in deinem Herzen erzählt. Ich möchte nie den falschen Wolf kennenlernen, also lass es nicht erst wieder soweit kommen. Gehe in dein Tal und finde deine Ruhe."

Adam sah in ihre strahlenden grünen Augen, in die er sich immer so verlieren konnte. Sie erinnerten ihn an eine Wiese im Frühling, auf dem die Sonne auf dem Morgentau schien und alles zum Funkeln brachte. Er merkte, wie er schrittweise die Kontrolle über seine Gefühle verlor. Sollte er sie einfach zulassen und sehen, was passieren wird? Beide sagten kein Wort. Sie sahen sich nur tief in die Augen. Um sie herum war nur das sanfte Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume zu hören. Adam strich ihr vorsichtig eine Strähne aus der Stirn und dann näherte er sich ihr ganz langsam. Mit einem mal waren da aber wieder die Bilder aus Nevada in seinem Kopf und die Stimme der Vernunft meldete sich lautstark zurück. Auf keinen Fall sollte er etwas beginnen, was keine Zukunft hat. Er darf nicht so egoistisch sein und sie in eine fremde Welt mitnehmen. Er würde es nie zulassen, dass sie unglücklich ist oder dass ihr etwas passierte. Und beides würde sicher in Nevada geschehen.

So besann er sich in der letzten Sekunde und gab ihr nur einen Kuss auf die Stirn. „Bridget, auch der Mann, den du später heiratest, kann sich glücklich schätzen, dich als Frau zu bekommen. Du hast so ein großes Herz und bist immer erst um das Wohl des anderen besorgt, bevor du an dich denkst." Adam atmete tief durch und ging einen Schritt zurück. „Ich bin dann am Mittwoch wieder zurück. Ich wünsche dir eine gute Nacht, Bridget."

Mit einer nicht ganz so kräftigen Stimme wünschte sie ihm auch eine gute Nacht und sah zu, wie er das Grundstück ihrer Eltern verließ. Ihre Stimme war nur ein Flüstern und Tränen liefen ihr das Gesicht hinunter. „Adam, warum gibst du uns beiden keine Chance? Warum hast du nur so eine Angst vor einer gemeinsamen Zukunft."

Bridget sah hoch zu den Sternen. „Ich kenne dich nicht Koko, aber ich denke, wenn du hier bei ihm wärst, könntest du ihm diese Angst nehmen."

Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und musste trotz dieses Schmerzes in ihrem Herzen lachen. Jetzt fängt sie auch schon an, mit ihr zu reden. Bridget sah noch einmal die Straße hinunter und ging dann ins Haus.

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Adam kehrte am Mittwochabend zurück und warf seine Satteltasche auf das Sofa. Er streckte sich und überlegte, was er jetzt zuerst machen sollte. Nach oben gehen und sich frisch machen oder sich erst in der Küche etwas zum Essen zuzubereiten. „Hallo, Adam."

Adam sah zur Treppe, auf der Frederic stand und ihn von oben bis unten ansah. „Ich hoffe, am Freitag wirst du etwas besser aussehen."

Adams Blick ging nach unten und dann grinste er Frederic an. „Also ich weiß jetzt nicht so genau, was du meinst? Gefällt dir etwa die Farbe nicht?"

Lachend kam Frederic die Treppe herunter. „Und? Hast du das gefunden, was du gesucht hast?"

„Ja, das habe ich und es war gut, dass ich es getan habe. Erst dort habe ich gemerkt, wie nötig es doch war."

Ja, es war für Adam wirklich nötig gewesen. Gerade nach dem, was beinahe vor dem Haus von Bridget passiert ist. Es würden noch einmal zwei schwere Jahre für ihn werden. Er hatte nie gedacht, dass er einmal solche Gefühle für eine Frau entwickeln würde. Adam wusste zwar immer noch nicht, wie zwei Herzen im selben Rhythmus schlagen, aber sein Herz schlug auf jeden Fall für Bridget. Es hatte ihn viele Stunden im Tal gekostet, bis er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, aber wenn er erst einmal wieder auf der Ponderosa wäre, würde es sicher leichter werden, da er sie ja dann nicht mehr sehen würde und mit den Monaten würde sie dann bestimmt auch sein Herz wieder verlassen.

„Dann bist du ja für morgen und Freitag ausgeruht."

„Morgen?"

„Morgen findet bei Giovanna eine kleine Feier statt."

Adam musste lachen. Feier und klein mit Giovannas Familie in Verbindung sah sehr speziell aus. Klein bedeutete nur, dass nicht der Rest der Familie aus Italien zu Besuch kam. „Und wann findet die kleine Feier statt?"

„Am Nachmittag. Giovanna und Bridget bereiten seit Montag schon alles vor. Ich denke mal, es gibt so viel zu essen, dass ich am Freitag nicht mehr in meinen Anzug passen werde."

„Ich habe mehr Sorge, dass du am Freitag wieder rechtzeitig auf den Beinen bist."

„Dafür wird schon Giovannas Bruder sorgen. Du hast keine Ahnung, was er mir alles angedroht hat, wenn ich am Freitag nicht seine Schwester heirate."

Frederic schlug seinem Freund auf den Rücken und sah dann auf seine staubige Hand. „Adam, gehe nach oben und verwandle dich bitte wieder in einen Menschen."

Frederic lief zur Haustür und sah nochmal zu Adam, bevor er diese öffnete. „Ach Adam, was ich dir schon seit einiger Zeit sagen wollte….du musst dich nicht mehr zurückhalten. Ich habe nichts mehr dagegen."

„Ich weiß nicht, was du meinst."

Das ganze Gesicht von Frederic grinste. „Na, du und Bridget. Ich bekomme doch mit, wie du sie immer wieder ansiehst. Ich habe damit kein Problem mehr. Vielleicht bleibst du ja dann doch hier und wenn du mich lieb bittest, setze ich dich später auf meine Gehaltsliste."

Ganz kurz schloss Adam die Augen, damit der Stich in seinem Herz sich nicht ausbreiten konnte. „Frederic, meine Pläne haben sich nicht geändert. Ich werde zurück nach Nevada gehen, und zwar alleine."

Frederic öffnete die Tür. „Schade. Ich dachte wirklich, du würdest mehr als Freundschaft für sie empfinden. Bis später."

Frederic zog die Tür hinter sich zu. Und Adam stand sicher noch zehn Minuten mit gesenktem Kopf und der Hand vor den Augen auf der Stelle, ohne sich zu bewegen.

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Adam stand vor dem Altar und verfluchte seinen Freund. Warum musste das ganze im Sommer stattfinden? Er fasste sich in den Kragen und am liebsten würde er sich seine Jacke ausziehen. „Was ist los, Adam? Ich muss doch nervös sein und nicht du."

„Es ist heiß hier drin, Frederic. Warum konntet ihr nicht draußen heiraten?"

Frederic zuckte mit den Schultern. „Das weiß ich nicht? Das haben wir nicht in Betracht gezogen. Du kannst es ja bei deiner Hochzeit besser machen."

„Das werde ich machen. Auf jeden Fall."

Bridget kam zu den beiden Freunden. „Und Frederic, bist du bereit? Es geht gleich los."

Frederics Blicke wechselten zwischen Adam und Bridget hin und her. „Ich glaube, jetzt werde ich doch so langsam nervös."

„Bruderherz, jetzt ist es zu spät, um einen Rückzieher zu machen. Pietro steht am Ausgang und hat dich genau im Blick."

Sofort schossen Frederics Augen zum Ausgang, an dem Giovannas Bruder stand und ihm zuwinkte. Bridget und Adam konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Frederic lief vor dem Altar auf und ab und Adam stellte sich zu Bridget. Ganz leise sprach er sie an. „Habe ich dir schon gesagt, wie gut du heute aussiehst?"

Bridget sah nach unten und fühlte, wie sie leicht errötete. Bevor sie ihm eine Antwort geben konnte, kam das Zeichen dass es jetzt losgehen würde.

Sowie Adam der Trauzeuge von Frederic war, war Bridget die Trauzeugin für Giovanna und während der ganzen Zeremonie merkte Bridget, wie sie immer wieder mit ihren Gedanken abschweifte. Ob sie doch eines Tages mit Adam vor dem Altar stehen würde? Sie sah zu Adam rüber. Nein. Sie konnte sich nichts vorstellen, das seine Meinung ändern könnte, dass er sie doch mit nach Nevada mitnehmen würde. Sie wusste, was sie jetzt machte, war sehr kindisch, aber sie konnte nicht widerstehen. Als die entscheidende Frage kam schaute sie zu Adam und in ihrem Kopf sagte sie….Ja, ich will. Sie senkte aber sofort den Blick, als Adam sie in diesen Moment auch direkt ansah.

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Die Feierlichkeiten fanden im Garten von Frederics Eltern statt. Adam stand etwas abseits an einen Baum gelehnt und sah schmunzelnd zu, wie die Kinder auf dem Rasen fangen spielten.

„Darf ich Sie stören?"

Mr. Francois stand neben ihm mit zwei Gläsern in der Hand. Adam stellte sich richtig hin. „Natürlich, Mr. Francois."

„Brandy?"

Dankend nahm Adam das Glas entgegen. Sie prosteten sich zu und nahmen einen Schluck. „Adam, Sie kosten mich ganz schön Nerven."

Er sah zum Rasen. „Und Sie haben mich überrascht."

Frederics Vater sah immer noch zu den spielenden Kindern. „Was blieb mir anderes übrig? Ich hatte doch nur die Wahl, es zu akzeptieren oder ihn zu verlieren." Er schaute nun zu Adam. „Auch wenn ich Probleme mit den Einstellungen meiner Kinder habe, so bleiben sie immer meine Kinder und mein Leben hätte keinen Wert mehr, wenn ich sie verlieren würde." Er lachte. „Das werden Sie auch noch verstehen, wenn Sie selber eines Tages Kinder haben. Sie rauben mir den letzten Nerv, aber egal was auch passiert, sie bleiben immer mein Fleisch und Blut und ich würde alles dafür tun, dass es ihnen gut geht."

„Machen Sie sich keine Gedanken Mr. Francois. Mit Giovanna hat Frederic eine gute Wahl getroffen."

„Auch wenn ich nie gedacht habe, dass ich das je über eine Frau aus dem Arbeiterviertel sagen würde, aber auch ich denke, das sie die Richtige für ihn ist."

Mr. Francois sah wieder zu seinem Rasen. „Adam, haben Sie über mein Angebot nachgedacht?"

Adam nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas. „Sogar am Tag der Hochzeit ihres Sohnes versuchen Sie es?"

„Sicher, doch. Gerade bei solchen Veranstaltungen werden die besten Geschäfte gemacht."

Frederics Vater blickte ihn von der Seite an. „Eigentlich müsste ich sauer mit Ihnen sein." Adam hob nur eine Augenbraue. „Ich habe vorhin mitbekommen, dass sie sich mit meiner Frau auf Französisch unterhalten haben. Sie haben mir nie erzählt, dass Sie meine Muttersprache sprechen."

„Sie haben mich nie gefragt."

„Dann frage ich Sie jetzt."

„Haben Sie nicht einmal gesagt, sie wissen alles von mir?"

„So wie es aussieht, waren meine Informationen doch nicht so ausreichend."

Ein leichtes Lächeln huschte über Adams Gesicht. Frederic hatte recht gehabt. Er konnte wirklich mit seinem Vater in einer Art reden, wie nur wenige in der Firma. „Die letzte Frau meines Vaters kam aus New Orleans. Durch sie habe ich Zugang zu der Sprache bekommen."

„Was sollte ich noch von Ihnen wissen? Sprechen Sie noch mehr Sprachen?"

Adam trank sein Glas leer. „Das Wichtigste, das Sie wissen sollten ist, dass ich Ihr Angebot dankend ablehne. Ich werde in zwei Jahren auf jeden Fall zurück nach Nevada gehen."

Er nahm Adam das leere Glas ab. „Gut. Dann werde ich dieses Thema jetzt ruhen lassen, aber ich kann nicht versprechen, dass ich Sie in einigen Jahren nicht noch einmal fragen werde."

„Wir werden sehen, was in den nächsten Jahren passieren wird."

Frederics Vater sah wieder zu seinem Rasen und ging kopfschüttelnd zu den anderen Gästen.

Es wurde langsam dunkel und Adam setzte sich neben Bridget auf eine Bank im Garten. „Heiraten kann anstrengend sein."

Bridget lehnte sich an ihn an. „Aber nur für die Gäste."

„Was wirst du eigentlich machen, wenn Giovanna dir nicht mehr in der Schule helfen kann?"

Sie setzte sich wieder gerade hin. „Das habe ich dir ja noch gar nicht erzählt. Ich habe deinen Rat befolgt und einen Brief an die Verantwortlichen vom Schulrat geschrieben, ob sie nicht bereit wären, die Schule offiziell anzuerkennen, so dass die Kinder nicht mehr in der Stadt zur Schule gehen müssen."

„Lass mich raten? Sie waren natürlich sofort begeistert, dass sie einmal wieder ein Problem mit Geld lösen konnten."

„Ja, aber in diesem Fall freue ich mich über die Oberflächlichkeit der netten Bostoner Gesellschaft. Ich kann einen richtigen Lehrer suchen, der dann an unserer Schule unterrichtet".

Adam drehte sich zur Seite und schaute Bridget an. „Und was wird dann aus dir? Du willst doch nicht dann etwa auch aufhören?"

„Auf keinen Fall. Ich werde weiter einen Blick darauf haben und schauen, dass ich die neue Lehrkraft bei der Arbeit unterstützen kann."

Adam überlegte kurz. „Bridget hast du eigentlich einmal darüber nachgedacht, ob du nicht auch eine richtige Lehrerin werden willst? Du hast doch Spaß an der Arbeit. Warum machst du es nicht zu deinem Beruf?"

Bridget hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut zu lachen. „Adam, die Frauen in meinen Kreisen gehen keinem Beruf nach und mein Vater hat im Moment schon genug zu verkraften. Wenn ich jetzt sage, ich werde Lehrerin wird das sicher zu viel für ihn sein."

„Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, was dein Vater dazu sagt, was du den ganzen Tag machst?"

„Adam, das geht wirklich nicht."

„Doch das geht und glaube mir, auch das wird dein Vater noch verkraften."

Bridget sah zu den anderen Gästen auf der Tanzfläche und dachte über Adams Worte nach. Nach einer Weile lächelte sie ihn an. „Ich werde ernsthaft darüber nachdenken. Versprochen."

„Gut." Adam stand auf und nahm ihre Hand. „Und jetzt Bridget, brauche ich noch mal eine Tanzstunde. Ich muss doch sehen, ob ich es schon wieder verlernt habe."

Sie hakte sich beim ihm unter und lief mit ihm zur Tanzfläche. „Als ob du je etwas vergisst."