Secrets Are Walls That Keep Us Alone
Kapitel siebenunddreißig
Am nächsten Nachmittag stand Sirius wieder vor seinen Eltern im Wohnzimmer. Er hatte die ganze Nacht und den ganzen Tag gearbeitet.
„Das hast du heute gut gemacht, Sirius," sagte Walburga, doch es war kein Kompliment. Es war Spott; sie verhöhnte ihn mit der Tatsache, dass sie ihn gebrochen hatte.
„Danke," flüsterte er trotzdem. Er war so müde, er hatte Schmerzen, und er war gebrochen.
„Es ist an der Zeit für dich zurück in die Schule zu gehen," begann sie. „Sorg dafür, dass du den Familiennamen in Ehren hälst. Ich werde nicht zulassen, dass du dich mit Schlammblütern oder Verrätern abgibst."
„Vielleicht braucht dein Gedächtnis noch eine kleine Erinnerung," schlug Orion vor und machte einen Schritt in seine Richtung, „an die Konsequenzen, falls du mit den falschen Leuten gesehen wirst oder deine Noten schlechter werden."
Sirius schüttelte hastig den Kopf, zuckte jedoch zusammen, als die Bewegung an seinen strapazierten Muskeln zog.
„Schüttel nicht den Kopf, Junge!", schrie Orion und schlug Sirius mitten ins Gesicht.
„Entschuldige," sagte Sirius und versuchte sein Gleichgewicht wiederzufinden.
„Vergiss nicht was wir dir befohlen haben," sagte Walburga. „Und jetzt geh zurück zur Schule."
Seine Eltern ließen ihn mitten im Raum stehen. Langsam erklomm er die Treppen hoch in sein Zimmer um seine Sachen zu hohlen.
Regulus saß auf seinem Bett als er eintrat.
„Sirius?"
„Was willst du, Reg?" fragte Sirius müde, während er einige Kleidungsstücke in seinen Rucksack packte.
„Sie stehen sehr unter Druck," sagte Regulus. „Der dunkle Lord verlangt in letzter Zeit sehr viel von ihnen. Sie haben Angst, dass die Dinge die du tust ihnen noch mehr Ärger bringen."
„Du verteidigst sie?", fragte Sirius ungläubig. „Bist du noch ganz bei Trost?"
„Es ist nur...du solltest vorsichtig sein, Sirius," meinte Regulus vorsichtig.
„Verdammt nochmal, Reg," sagte Sirius. Er zog den Reißverschluss seines Rucksacks zu und setzte ihn vorsichtig auf seinen schmerzenden Rücken.
„Ich versuche nur dir zu helfen!" protestierte Regulus.
„Ich brauch deine Hilfe nicht. Lass mich einfach in Ruhe."
Die Treppenstufen schwiegen unter seinen Turnschuhen; die Köpfe der Hauselfen, die an den Wänden aufgereiht waren starrten regungslos auf ihn herab. Der einzige Ton kam vom Rauschen des Feuers und seiner eigenen Stimme, die es schaffte ein „Gryffindor-Gemeinschaftsraum." herauszupressen.
Der Gemeinschaftsraum war ziemlich leer als er ankam, da viele Schüler das warme Wetter voll ausnutzen.
Sirius schleppte sich die Wendeltreppe zum Schlafsaal hoch. Er war überrascht Remus, Peter, James und Lily über den Raum verteilt zu sehen, anscheinend am Hausaufgaben machen.
„Sirius?" sagte Peter überrascht. Die anderen schauten hoch um ihn anzusehen.
„Merlin, Sirius, was haben sie mit dir gemacht?" fragte James, sprang von seinem Bett auf und kam zu seinem Freund hinüber. James hob eine Hand um Sirius Haar beiseite zu schieben, damit er die große Wunde auf seiner Wange sehen konnte. Sirius zuckte zusammen und entzog sich James' Berührung.
Verwirrt senkte James seine Hand, hob sie jedoch wieder um nach Sirius' Rucksack zu greifen. „Hier, lass mich das nehmen."
Sirius erlaubte ihm stumm die Tasche zu nehmen. Er stand immer noch unsicher in der Tür.
„Komm, Sirius," sagte Remus. „Setz dich hin." Er deutete auf sein Bett. Sirius ging hinüber und setzte sich auf die Bettkante neben Remus.
„Vielleicht solltest du in den Krankenflügel gehen," meinte Lily und setzte sich auf seine andere Seite.
Sirius schüttelte den Kopf. „Ich will nicht gehen."
„Was ist passiert?" fragte James und ließ sich vor Sirius auf die Knie sinken.
Sirius schüttelte abermals den Kopf.
„Du kannst es uns erzählen," sagte Remus sanft.
„Bitte, Tatze. Rede mit uns," flehte James.
„Meine Eltern –" er stockte. Seine Stimme klang erschöpft, wie raues Schmirgelpapier, gedämpft.
„Deine Eltern haben dir das angetan?", fragte Peter völlig verstört.
Sirius nickte. „Ich hätte ihnen nicht widersprechen dürfen."
„Das ist keine Entschuldigung für das was sie dir angetan haben!" sagte James aufgebracht.
„James, beruhige dich," sagte Remus. Er warf einen bedeutungsvollen Blick auf Sirius. Sirius merkte, dass er zitterte.
„Komm Tatze. Du musst in den Krankenflügel," meinte James besorgt.
„Nein."
„Wirst du zulassen, dass ich dich ein bisschen heile?" fragte Lily vorsichtig. Sirius nickte.
Wie sich herausstellte, war Lily ziemlich gut mit Heilsprüchen, obwohl sie nicht annährend so oft mit ihnen in Berührung kam wie die Rumtreiber.
„So ist es besser, oder?" sagte Lily zufrieden.
„Danke," sagte Sirius.
„Bald ist Abendessen," bemerkte Peter.
„Ich hab Bauchschmerzen," sagte Sirius und es war keine Lüge. Sein Bauch hatte weh getan, seit seine Mutter ihm diesen Trank verabreicht hatte. Er ging davon aus, dass genau dies ihre Absicht gewesen war: ihm eine bleibende Erinnerung an das zu geben, was passieren würde wenn er versagte.
„Wie lang ist es her, dass du etwas gegessen hast?" fragte Remus.
„Warum?"
„Essen könnte helfen," antwortete er.
„Ich möchte duschen bevor wir gehen;" sagte Sirius.
„Klar," meinte Lily beruhigend.
Er drehte das Wasser so heiß, dass es auf seiner eisigen Haut brannte. Es fühlte sich gut an auf seinen mitgenommenen Muskeln. Nach seiner Dusche rubbelte er sich die Haare trocken und warf sich eine Jeans und ein T-shirt über, dann ging er seine Freunde im Gemeinschaftsraum suchen.
Er ging mit ihnen hinunter in die Große Halle, musste sich jedoch Mühe geben um mit ihnen Schritt zu halten. Obwohl Lily alle sichtbaren Wunden geheilt hatte, tat ihm immer noch alles weh. Der Cruciatus-Fluch bewirkte das jedes Mal bei ihm.
Die Große Halle war voller Schüler; es schien, als ob alle aus den Ferien zurückgekommen wären. Sie hatten Schwierigkeiten fünf Plätze zusammen zu finden, hatten jedoch Erfolg, als James zwei Zweitklässler so verängstigte, dass sie Platz machten, was Lily dazu brachte seinen Arm zu schlagen und ihn zurechtzuweisen.
„Es ist sinnlos," meinte Remus schließlich, als James nicht das mindeste Interesse an ihrer Belehrung zeigte. „Ich versuche es seit Jahren. James hat kein Gewissen."
James warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Hab ich sehr wohl. Aber mal ehrlich, was interessieren mich so ein paar Zwerge?"
„Sie sind keine Zwerge, James," seufzte Lily. „Sie sind erst elf Jahre alt!"
Das Gespräch plätscherte dahin, während Sirius sich den Teller voller Essen lud. Er war hungrig, nein, am verhungern, trotz seiner Bauchschmerzen. Und Remus hatte gesagt er würde sich nach dem Essen besser fühlen. Er aß einen Bissen von seinem Hühnchen, und noch einen, und noch einen.
Was machte es schon? Seine Eltern hatten gewonnen, er hatte aufgegeben. Nichts was er tat würde etwas daran ändern. Es war vorbei.
„Haben sie dich etwa auch noch hungern lassen?" sagte James, der ihn verwundert anstarrte. „Ich hab dich lange nicht mehr so hungrig gesehen."
„Lass ihn in Ruhe, James," warnte ihn Remus, doch es war zu spät.
Was mache ich da? Dachte Sirius panisch. Ich kann nicht so essen. Das ist ganz falsch! Er legte seine Gabel weg und aß für den Rest des Abendessens nicht einen Bissen. Er war eh schon zu voll.
Als sie sich erhoben fühlte sich Sirius krank. Schlimmer als vor dem Essen. Niemand bemerkte etwas. Lily und James diskutierten, Peter kommentierte und Remus passte auf wer gewinnen würde.
Schuld wand sich in seinem Inneren und nistete sich vor allem in seinem Magen ein, ließ ihn noch mehr schmerzen. Ich hätte das nicht tun dürfen. Ich kann nicht glauben, dass ich das getan habe. Ich hasse mich.
Im dritten Stock konnte er es schließlich nicht mehr ertragen. „Ich treff euch oben. Ich muss kurz aufs Klo." Und schon rannte er den Korridor entlang.
Der Waschraum war leer. Seine Turnschuhe quietschten auf dem Boden und zwangen ihn an jeden einzelnen Schritt zu denken, den er auf das zu tat, was er nicht tun sollte.
Mir ist schlecht, sagte er sich. Das hier ist nicht falsch.
Wind wehte durch eine gesprungene Scheibe, flüsterte um ihn herum. Ich weiß was du tust. Du machst dich selbst krank. Schwach. Armselig.
Sein Bauch tat noch mehr weh, es tat so schrecklich weh...Er stürzte in die letzte Kabine und ließ sich auf die Knie fallen.
Er steckte sich keinen Finger in den Hals. Das musste er gar nicht. Sein Magen leerte sich von selbst, schmerzhaft, seine Augen tränten. Er fühlte sich schrecklich und doch erleichtert.
Ich habe nichts falsch gemacht.
