Am nächsten Tag verließ Remus das Zimmer sehr früh. Er war so leise wie möglich und schaffte es, Morrigan nicht zu wecken. Die halbe Nacht hatte er damit verbracht sie sich dieses Mal vom Hals zu halten. Seine kleinen Wunden waren verheilt. Kavanagh hatte den Heilungsprozess bereits gestern Abend angeregt und auf seine Medizin konnte man sich verlassen. Während der kurzen Behandlung mit ein paar Tränken und Salben konnte Remus dem Zaubertrankmeister eine Nachricht zukommen lassen und ihn über Tonks in der Gestalt von Mrs. Kelly informieren.
Im Salon musste er sich nur wenig später mit Olfus Pickel herumschlagen. Dieser hatte gleich die restlichen Pergamente mitgebracht, die er nun Blatt für Blatt mit Lupin durchging. Remus hörte kaum zu. Der Werwolf in ihm spie eine unmögliche Beschimpfung nach der anderen über das Ministerium, die Registrierung der Werwölfe, die Gesetze für Werwölfe und natürlich auch über Olfus Pickel im Besonderen aus.
Gelangweilt trommelte Lupin auf dem Tisch herum, versuchte, interessiert auszuschauen, ab und zu zu nicken und Floskeln an den richtigen Stellen unterzubringen. Hinzu kamen seine erforderlichen Unterschriften, die er so schnell wie möglich tätigte, sobald ihn Pickel dazu aufforderte.
„ … erreichbar sein, damit wir Sie im Auge behalten können", sagte der Ministeriumsbeamte gerade und sah ihn mahnend an.
„Ja, ja, natürlich", brummte Lupin zustimmend. „Sagen Sie, sind Sie zufrieden mit ihrem kleinlichen Beruf? Mit diesem Beruf, der mit diesen völlig überflüssigen, diskriminierenden Gesetzen angefüllt ist?" fragte er dann langsam und bedächtig.
„Wie bitte?" Olfus Pickel schien erst verwirrt und dann verärgert zu sein. „Ohne Regeln regiert das Chaos. Und Sie selbst haben doch damals am eigenen Leib erfahren müssen wie gefährlich ein Werwolf ist, Mr. Lupin!"
Remus lachte freudlos auf. „Ja, genau. Als wenn diese Gesetze und Regeln Fenrir Greyback aufgehalten hätten!" Er schüttelte bitter den Kopf. „Die Werwolfregistrierung ist nichts anderes, als das, was Voldemort jetzt gegen die Muggelgeborenen anstrebt!"
Pickel zuckte bei der Nennung des Namens zusammen, sagte jedoch nichts dazu. „Diese Gesetze machen Sinn, Mr. Lupin! Jemand wie Sie ist viel zu gefährlich. Wenn Sie mich fragen, sollte man alle Werwölfe komplett einsperren. In Askaban. Oder sie direkt ausrotten. Wir würden dann alle viel sicherer sein." Er sprach es aus, als würde er weiter über die Pergamente sprechen. Es war keine Häme oder Provozierung auszumachen. Der Beamte redete ganz ruhig in dergleichen, langweiligen Tonlage.
Doch der Werwolf in Remus heulte vor Zorn auf. Lupin hoffte, er würde ihn bändigen, indem er aufsprang, sich mit den Händen durchs inzwischen viel zu lange Haar fuhr und begann hin und her zu gehen. Doch seine Beherrschung bröckelte rasch. In dieser Umgebung, mit diesen Leuten war alles verhasst. Er hatte es so satt, unendlich satt! „Und nachdem es die Werwölfe und die Muggelgeborenen getroffen hat, werden Zauberer mit einem Bein nach Askaban gebracht oder getötet, dann Zauberer mit einem Arm, dann die Alten, Frauen mit blondem Haar, Männer mit braunem Haar oder …" Mit einem dünnen bösen Lächeln auf den Lippen stützte sich Lupin auf die Pergamente auf dem Tisch und sah Pickel herausfordernd an. „ .. Ministeriumsbeamte! Weil sie mit ihrem Zauberstab viel zu .. gefährlich sind, Sie paragraphenreitender Minderheitenhasser! Sie können froh sein, dass ich Sie nicht gleich hier beiße, um Ihnen ebenfalls etwas von dieser wunderbaren .. Krankheit abzugeben! Und jetzt lassen Sie mich mit Ihren Gesetzen in Ruhe, bevor ich noch böser werde!" Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, packte er ein paar Pergamente und warf sie dem Beamten gegen die Brust.
Olfus Pickel sah Lupin hinterher und seufzte. Werwölfe, sie waren immer so unbeherrscht und uneinsichtig!
Es war niemand zu sehen, als Lupin aus dem Haus heraus trat und sich aufmachte seine innere Unruhe durch einen Spaziergang über das Gelände in den Griff zu bekommen. Seine Gedanken kreisten über viele Dinge und sprangen von einem Was-wäre-wenn zum nächsten. So in seine Grübeleien vertieft lief er fast den Hünen über den Haufen, der plötzlich vor ihm stand.
„Remus", grüßte ihn Aengus nickend. Er stand hoch aufgerichtet vor der Barriere, den Zauberstab in der Hand. „So früh schon unterwegs?"
„Ah, du weißt ja wie das ist, Aengus, kalte Füße vor der Hochzeit und so", erwiderte Lupin die Lüge, die er sich bereits zuvor zurechtgelegt hatte.
„Nein", gab Aengus zurück. „Ich weiß nicht wie das ist." Sein Zauberstab war jetzt auf Remus Brust gerichtet, was dieser mit hochgezogenen Augenbrauen verwundert zur Kenntnis nahm. „Ich weiß, dass hier irgendwas im Busch ist, Remus."
Der Werwolf biss die Zähne zusammen. Aengus war ein harter Brocken. Und er stand gerade zwischen ihm und der Freiheit, zwischen ihm und der Barriere. Langsam ging Lupin am Hünen vorbei und berührte mit dem Zeigefinger das magische Kraftfeld, welches sofort in verschiedenen Farben aufzuleuchten begann. „Und wenn es so wäre?" Er drehte sich wieder um und blickte Aengus fest in die Augen. „Ich .. sollte nicht hier sein, Aengus. Ich weiß nicht genau, was mich geritten hat hierher zu kommen und es zu versuchen. Ich dachte, es wäre mein Kind. Ich dachte, ich könnte alles andere vergessen und hinter mir lassen. Ich habe einen Fehler gemacht."
Aengus Zauberstab beschrieb einen kleinen Kreis, dann steckte er ihn in die Falten seines Umhangs. „Du hast also einen Fehler gemacht", wiederholte er Remus Worte, ließ seine Fingerknöchel knacken und verpasste Lupin unvermittelt eine saftige Ohrfeige. „Du bringst mich in Teufels Küche, verdammter Werwolf! Bist du immer noch der Meinung, einen Fehler begangen zu haben?"
Eine feuerrote Hand brannte auf Remus Wange und er musste sich kurzzeitig auf seinen Oberschenkeln abstützen. „Ja, bin ich immer noch. Was wirst du tun?" fragte er dann leise.
„Roisin ist dabei, richtig?" fragte Aengus und kniff die Augen zusammen. „Ich weiß es. Ich ahne es. Dieser Muggel geht ihr schon so lange nicht aus dem Sinn!"
Lupin lächelte schief. „Du musst mir schon einen Zauber anhexen, um mehr zu erfahren. Ich bin kein Verräter."
„Und ich bin loyal! Bin es immer gewesen", schnaubte Aengus und deutete Richtung Haus. „Das da ist mein Zuhause, meine Familie, mein Arbeitgeber. Eben alles. Was soll ich denn tun? Wie stellst du dir das vor, Lupin? Ich habe sie immer beschützt und mich um so vieles gekümmert und dann kommst du und .. „ Er winkte ab.
„Du musst tun, was du tun musst, Aengus. Und ich .. „ Remus sah wieder sehnsüchtig zur Barriere. „ … ich werde das tun, was ich tun muss." Wieder sahen sie sich sekundenlang fest in die Augen. „Ich werde niemanden töten, Aengus. Ich will nur eine Chance."
Der Hüne nickte plötzlich mehrfach. „In Ordnung, Remus. Du bekommst deine Chance. Vielleicht wird es dann endlich wieder ruhig und normal hier. Erwarte aber keine Hilfe von mir." Er hob leicht drohend einen Zeigefinger. „Ich werde euch nicht helfen. Nicht aktiv. Aber ich .. gebe euch eine Chance. Bleib da! Ich will weder deine Hand schütteln noch werde ich eine Umarmung dulden, Werwolf! Gib nur gut acht auf Roisin und sag diesem Muggel, ich werde ihn finden, wenn er ihr auch nur ein Haar krümmt!" Mit diesen Worten stapfte Aengus davon ohne auch nur einen Blick zurück zu Lupin zu verschwenden.
Der Tag verlief bis zum Nachmittag relativ belanglos. Bis dahin hatte Remus keine Möglichkeit allein mit Mrs. Kelly alias Tonks, Roisin oder Kavanagh zu sprechen. Die Anwesenheit der Todesser, mit Malfoy und Snape waren noch drei weitere im Haus, erhöhte das Risiko nur noch. Zudem hing Morrigan wie eine Klette an Remus seit sie erwacht war. Nur zu gern würde er sie mit seinem Wissen konfrontieren, dass sie ihn doch erneut an Voldemort ausliefern will, damit der Werwolf von ihm getrennt werden würde. Aber er hielt sich zurück. Ob es in der Nacht passieren würde? Nur dann würde ein Fluchtversuch Sinn machen. Im Dunkeln ließen sich Dinge viel eher verschleiern.
Remus befand sich mit Morrigan und ihrer Mutter in der Bibliothek, als Mrs. Kelly hereinkam, sich zu ihm herunter beugte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Morrigan hob den Kopf und sah sie beide fragend an. Lupin grinste sie schauspielernd an. „Es gibt Unstimmigkeiten mit meinen Papieren. Ich komme gleich wieder, schöne Frau!" Niamh verdrehte die Augen, Morrigan lächelte ihn zurück an. „Aber beeil dich!" forderte sie ihn auf.
„Jetzt?" fragte Lupin Tonks, als sie das Zimmer verließen. „Nicht in der Nacht?"
„Shhhh!" Mrs. Kelly veränderte ihr Aussehen. Seamus O'Shee stand plötzlich neben ihm und grinste ihn an wie es ein Seamus O'Shee nie tun würde. „Los jetzt! Folge mir!"
Verwundert folgte Remus Tonks aus dem Haus und Richtung Barriere. „Aber wie .. wo ist der richtige Seamus O'Shee? Wo sind die anderen? Roisin und Kavanagh?" raunte er unterwegs.
„Shh!" zischte Tonks ein weiteres Mal. Sie oder er grinste schon wieder, aber nur kurz. „Sie sind bereits draußen. Du bist der letzte."
„Was? Wie ist das möglich?" fragte er und sah sich nun um. Das Haus war schon sehr weit entfernt und niemand folgte ihnen. „Wie ist das möglich?"
Die Aurorin ergriff seinen Oberarm und zog ihn mit sich. „Wir haben einen Weg durch die Barriere gefunden. Zudem ist sie seit kurzem sehr viel schwächer an dieser Stelle geworden. Wir können immer nur einen hindurch bringen. Aber da wir zwei die letzten beiden sind, dürfte das kein Problem sein." Seamus O'Shee kicherte vergnügt. Lupin jagte dies einen gruseligen Schauer über den Rücken.
Unbehelligt erreichten sie die Barriere und Remus sah sich erneut zum Haus um. Niemand war zu sehen. Tonks zog ihren Zauberstab und berührte die Barriere an einer Stelle mit einem grüngelben Strahl. Ein Loch tat sich langsam, Stück für Stück auf. Offenbar traf Tonks Strahl auf der anderen Seite auf ein Gegenstück.
Vom Haus her kamen die ersten Rufe. Zögerlich, verwundert. Dann stand Seamus O'Shee, das Original, auf der Veranda brüllte Befehle und ein Trupp von sechs Zauberern machte sich rennend auf den Weg zu ihnen. Tonks kicherte erneut und nahm augenblicklich ihr eigentliches Aussehen an. Flüche trafen neben ihnen auf den Boden und auf die Barriere. Lupin versuchte die besser gezielten Flüche mit seinem Zauberstab so weit wie möglich abzuwehren. Das Loch in der Barriere wurde größer und größer.
Inzwischen konnte Remus die ersten Gesichter der Zauberer ausmachen, die sie verfolgten. Malfoy und Snape waren dabei, natürlich, aber auch Aengus und einer seiner Leute. Ein zweiter Trupp kam aus anderen Richtungen auf sie zu.
„Schnell, schnell!" rief Lupin Tonks und ihrem Gegenstück zu. „Es werden immer mehr. Sie sind gleich da!"
„Wir haben es gleich", erwiderte eine wohlbekannte Stimme von der anderen Seite. „Es ist gleich groß genug."
Für Remus wurde das Abwehren der Flüche immer schwieriger, Schweiß stand ihm auf der Stirn und der eine oder andere Fluch streifte ihn und Tonks. Dann, endlich war das Loch in der Barriere groß genug für einen erwachsenen Menschen. Tonks schubste Lupin sogleich hindurch und folgte ihm nur fünf Sekunden später. Das Loch begann sich augenblicklich wieder zu schließen. Harry und Hermine standen auf der anderen Seite und beschworen eine zweite Barriere, ein kleines, schwaches Schild an der Stelle, wo zuvor das Loch gewesen war. Dann umarmte ihn Hermine fest, sah zu ihm hoch und mit einem lauten Knallen disapparierten sie.
Es roch nach Heu, nach Kühen und irgendwo gackerten Hühner. Eigentlich müsste er sich umsehen, das Gelände sichern, aber seine Augen klebten an dem Gesicht, das zu ihm aufschaute. „Hermine, ich .. „
„Später!" sagte sie bestimmend, löste sich aus der Umarmung mit Lupin und ging zu Harry und Tonks, die mit ihnen hier angekommen waren. „Wir sind gleich wieder da." Die drei verließen die Scheune und kamen nach etwa fünfzehn Minuten wieder zurück.
Dieses Mal schienen mehr Zeit zu haben und auch willens diese zu investieren. Während Hermine zielstrebend auf Remus zuging, ihn umarmte und sogleich küsste, versuchte Tonks spielerisch Harrys Augen zu zuhalten. Sie lachten.
Lupin hielt Hermine fest in den Armen und löste den Kuss nur widerwillig. „Hallo", sagte er unsicher und lächelte sie an.
„Hallo", erwiderte sie, bevor sie ihn auf den Arm boxte. „Du dämlicher, dummer, dämlicher, Dummkopf!"
„Entschuldige", seufzte er und rieb sich den Arm.
„Harry und ich übernehmen die ersten zwei Stunden. Dann habt ihr eine Weile zum Reden", bestimmte Tonks und gemeinsam verließen sie die Scheune.
„Wir haben einen Schutz errichtet, aber wir sollten wachsam sein", erklärte Hermine, trat von Remus weg und sah ihn aufmerksam an.
„Was ist .. mit den anderen?" fragte er, wich ihrem kritischen Blick aus und betrachtete das Innere der Scheune, als sähe er es jetzt zum ersten Mal.
„Sie sind woanders untergebracht, aber alle noch hier. Es sind Teams mit höchstens vier Leuten. Das ist effektiver, um zu entkommen. Heute Nacht .. „ Achtsam verfolgte sie sein Umschauen. „ .. werden etliche Schiffe Irland verlassen, doch wir sind nicht darauf. Keiner von uns."
„Wie dann?" fragte Remus nun und sah sie unsicher an. Ein merkwürdiges Gefühl, nicht richtig, aber auch nicht falsch, durchströmte ihn. Ein Unwohlsein wie bei einer Fischvergiftung.
Hermine grinste nun zufrieden. „Die anderen fliegen morgen früh mit einem Flugzeug nach England. Wir nehmen den Flug nach Frankreich und von dort ein Schiff nach England. Heute Nacht." Sie ging auf ihn zu und nahm seine Hand in ihre.
„Wir reisen wie Muggel? Das ist .. kein übler Plan." Jetzt musste er nur noch funktionieren. Immer noch verunsichert drückte er ihre Hand. Der Kuss vorhin schien lange her zu sein. Er war gut, ja, aber er war nicht wie früher. Das musste sie auch gefühlt haben.
„Du stehst nicht mehr unter einem Imperius, oder?" fragte Hermine ihn, hob ihre andere Hand zu seiner Wange und berührte diese zärtlich. „Das wird schon wieder. Ich bin mir sicher."
„Roisin hat den Imperius jedes Mal gebrochen. Hermine, ich .. „ Lupin wusste nicht wie er es sagen sollte. „ .. ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte nie gehen sollen. Ich habe gedacht, ich müsse es tun."
„Schon gut", murmelte sie und küsste ihn ein, zwei Mal auf die Lippen. Dann versanken sie in einen minutenlangen Kuss, der ihnen viel kürzer vorkam. Das eklige Schuldgefühl in Remus Magengegend wurde direkt von den früheren Gefühlen der Zuneigung hinweg geschwemmt.
Die restliche Zeit verbrachten sie erzählend im Heu. Remus erzählte von seinen Erlebnissen, auch wenn er das eine und andere ausließ und Hermine erzählte von ihren Prüfungen und von dem Plan, den sie Schritt für Schritt ausgearbeitet hatte. Aber auch sie ließ Dinge aus.
Schon bald stand Tonks im Eingang. „Ihr seid jetzt dran, Turteltäubchen!"
Als Hermine und Remus draußen ihre Wache übernahmen, berichtete sie ihm von dem Flugzeug, welches sie nehmen wollten. Lupin war noch nie geflogen, jedenfalls nicht mit einem Flugzeug der Muggel. Auf einem Besen saß er natürlich schon oft, aber in solch einen Blecheimer war er noch nie. Nach ihrer Wache kamen Harry und Tonks bereits in normalen Muggel-Sachen aus der Scheune. Harry kontrollierte seine Jackentasche, aus der bereits die Flugtickets herausschauten.
„Du wirst mit Harry zusammen ins Terminal gehen, ich reise mit Tonks zusammen", erklärte Hermine zum wiederholten Male, als sie sich in ein Muggelkleid zwängte und die Umhänge in einer Handtasche verschwinden ließ. „Harry wird sich um alles kümmern und ich übernehme das gleiche bei Tonks und mir. Wir sitzen dann zwar im gleichen Flugzeug, aber etwas entfernt voneinander."
Lupin lachte leise. „Sie werden uns dort niemals vermuten! Ein wirklich guter Plan!" Das Hemd und die Hose saßen ihm wie angegossen. Sie waren fast so neu wie die Sachen, die er von Morrigan erhalten hatte. „Wisst ihr wie es den anderen geht?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Es herrscht vollkommenes Stillschweigen bis wir alle in England sind. Das erschien mir .. das klügste zu sein. Sollte jemand gefangen genommen werden, dann reißt er die anderen nicht mit sich mit."
„Und sie werden mit den Schiffen heute Nacht zu viel zu tun haben, um uns am Flughafen zu vermuten." Er warf sich das Jackett über und zog es an den Ärmeln zurecht. „Ich bin froh von hier weg zu kommen", sagte er dann fast flüsternd.
Mine trat auf ihn zu, zupfte an seinem Hemdskragen und küsste ihn dann kurz. „Mach dir keine Sorgen, Remus. Der Plan ist zu gut, um nicht zu funktionieren. Wir sehen uns dann drüben, in Frankreich." Ein weiterer Kuss und sie drehte sich herum, um diesen Platz zusammen mit Tonks zu verlassen.
Der Flughafen war viel zu groß für Lupin. Zum Glück kümmerte sich Harry um ihr einchecken und das Gate, bei dem sie auf das Flugzeug warteten. Remus war viel zu beeindruckt von seiner Umgebung, um auch nur einer klugen Handlung fähig zu sein. So schaute er sich Harrys Benehmen ab und handelte in allem genau wie dieser. Misstrauisch beäugte er die anderen Fluggäste. Irgendwann wanderte sein Blick über Hermine und Tonks, doch er zwang sich dazu sie nicht anzustarren.
Der Flug verlief friedlich, auch wenn Remus mit dem Start und der Landung Probleme hatte. Das Grüne in seinem Gesicht nahm ab, als sie mit einem Bus bis zur Fähre fuhren. Auch dort kümmerten sich Harry und Hermine um die Überfahrt und kauften die entsprechenden Tickets. Alles verlief nach Plan, alles verlief ruhig. Es konnte gar nicht besser sein.
Um sich die Überfahrt zu vertreiben brachte Harry Lupin nach unten und zeigte ihm die vielen Muggelautos, die ebenfalls mit ihren Besitzern die Überfahrt mitmachten. Sie entdeckten alle möglichen Autotypen und Harry meinte, dass sich Mr. Weasley hier vermutlich sehr wohl fühlen würde. Überall auf dem Autodeck liefen Muggel herum oder saßen noch in ihren Autos. Autotüren klappten. So auch, als Harry ein Stück voran gegangen war und auf einen alten Berkeley deutete. „Ist der nicht schön?"
Nach dem Klappen einer Autotür gab es einen Knall, den selbst die Muggel nicht überhörten. Jeder auf dem Autodeck zuckte zusammen und sah sich nach dem Grund für dieses Geräusch um. Harry wirbelte herum und Lupin war verschwunden. Seine leisen Rufe nach ihm bekamen keine Antwort. Das laute Geräusch war ein Knall nach einem Disapparieren und nun musste er es Hermine beibringen. Verdammt! Harrys Faust umschloss den Zauberstab in seiner Jackentasche, als er innerlich fluchend das Autodeck verließ.
Bevor Remus etwas sehen konnte, hatte ihm schon jemand einen Leinensack über den Kopf gezogen. Feste Seile legten sich ihm um den ganzen Körper und er fiel seitlich auf den Boden. Ein Holzfußboden, es roch nach Fisch und Öl. Dem Knattern nach zu urteilen war es ein Fischerboot. Und dem leisen Lachen im Hintergrund zu urteilen war Malfoy an Bord. Die bestätigte auch der Fußtritt, der ihn in der Magengegend traf. „Genieß die Fahrt, Werwolf!"
Dann hörte er nichts mehr, als er sprechen wollte war ihm auch dies verwehrt. Trotz der Aussichtslosigkeit wand Lupin sich eine Weile in den Fesseln. Doch er konnte sich nicht befreien und sein Zauberstab wurde ihm aus der Tasche gezogen. Also blieb ihm nichts weiter übrig, als ruhig liegen zu bleiben. Die ganze Zeit spürte er nur das Ruckeln. Er sah nichts, hörte nichts und konnte nicht sprechen.
Stundenlang muss er so gelegen haben. Danach wurde er wie ein Sack Kartoffeln herumgereicht. Offenbar fand es keiner notwendig ihn von den Flüchen zu befreien, die ihn stumm und gehörlos sein ließen. Und niemand nahm ihm den Sack vom Kopf. Stattdessen wurde er von zwei Männern getragen, dann schwebte er durch die Luft, nur um dann wieder getragen zu werden. Irgendjemand hatte ihn sich auf die Schulter geworfen. Am Ende schwebte er wieder, was nur dadurch merkte, dass der Zauberer, der den Zauber wirkte nicht sehr aufmerksam mit ihm umging. Ständig stieß er gegen Bäume, Zweige und Steine. Seine Schmerzenslaute waren allerdings noch immer nicht hörbar.
Später löste jemand die Flüche und sein Schwebezustand verschwand. „Uff!" brachte Remus hervor, als er unsanft auf einem Steinboden landete.
„Sieht so aus, als hätten wir ihn wieder", ertönte eine bekannte Stimme. Man zog ihm den Sack vom Kopf und er sah über sich drei Gesichter im Kerzenschein.
Dumbledore lächelte ihn an. Er war es auch, der gesprochen hatte. Neben ihm grinste Hermine glücklich. Snape war der einzige, der nicht freundlich auf ihn herunter blickte. Wie immer sah er vielmehr so aus, als hätte er in eine Zitrone gebissen.
„Ich hoffe", sagte er bitter. „Es war es wert, meine Tarnung auffliegen zu lassen, Lupin!"
ENDE
PS: Danke fürs Mitlesen und Durchhalten und für eure reviews im Laufe der vielen Jahre! :)
