AN: Huhu :) Es geht weiter! Das ist ein wirklich langes Kapitel geworden mit vielen tollen Gesprächen. Die einen gehen gut aus - die anderen nicht so gut :( Und jetzt viel Spass und schreibt mir ein Review, falls es euch gefallen hat ...
Disclaimer: Die TV Serie CSI NY gehört den Produzenten Bruckheimer / Zuiker und nicht mir :(
Zum Kapitel:
Viele Gespräche werden geführt. Stephen kümmert sich um seinen großen Bruder, seine Söhne kommen nach Hause und es werden ein paar Dinge ausgesprochen ...
In der Lobby traf Rick auf Sully, der sich an der Wendeltreppe im Stehen die Schuhe auszog. Der Colonel tat dasselbe, ging dann erstmal auf das Gäste-WC neben der Kellertreppe um auf die Toillette zu gehen und sich gründlich die Hände zu waschen und spazierte dann in die Küche, wo Mac auf einem der weißen Stühle hockte und an seinem Handy herumspielte. Die New York Times lag zusammengefaltet am Rand des Tisches und ein Fenster war gekippt. Rick fiel sofort auf, dass die Küche sehr aufgeräumt war. Er grinste leicht. Stephen war eben doch der saubere und ordentlichere von den beiden Brüdern.
Ja, das war er schon immer ...
Die Sonne schien durch die Fenster und die verglaste Hintertür hinein. Rick fiel sofort wieder auf, was für eine Ruhe hier doch immer herrschte - im Gegensatz zu seiner turbulenten Base!
Er stellte sich an den Türrahmen, legte die rechte Hand auf das weiße und glatte Holz der Schiebetür und atmete tief aus. Die Bauchschmerzen waren immer noch ziemlich stark und er würde wahrscheinlich nicht um seine Spritze mit Tilidin herumkommen.
Hoffentlich ist es heute Abend besser ... Ich muss Morgen echt fit sein, sonst dreht mir Stephen den Hals um ...
Mac legte das Handy weg und faltete die Hände ineinander, als er Rick an sah. "Du siehst wirklich nicht gut aus, Rick."
Rick grinste leicht, trat dann auf ihn zu und setzte sich dem Cop gegenüber, so dass er hinaus in den schönen Garten sehen konnte, wo Morgen die Party steigen würde. "Danke, Mac!"
Der Polizist grinste. "Nichts zu danken!"
Dann betraten auch Sully und Stephen die kleine Küche. Rick sah sich kurz in dem nicht großen Raum um und überlegte, wie sie es heute und Morgen schaffen würden, mit Brian, Justin, Stephens Jungs und auch noch Jason hier zu essen. Aber sein Bruder hatte bestimmt schon einen Plan aufgestellt und würde das kleine Problem im Nu lösen ... Stephen öffnete seinen Kühlschrank.
"Wollt ihr was trinken, Männer? Wasser, Pepsi, Saft? Für Alkohol ist es noch ein bißchen früh denke ich ..."
Sully, der einen Schritt in den Raum gemacht hatte, zupfte wieder vorsichtig an der Jeans herum und machte eine Grimasse, als sich der harte Stoff wieder erbarmungslos um seinen wunden Po legte. Die Tracht Prügel von Rick hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Es tat immer noch weh - sehr sogar! Sully rollte genervt mit den Augen und seufzte dann leise.
"Eh, ich nehm eine Pepsi, bitte."
"Gute Wahl," meinte Stephen und nahm eine der Dosen heraus und stellte sie auf die Anrichte. "Rick?"
Der Colonel sah seinen Bruder an. "Für Bier ist es noch zu früh sagst du?"
Stephen legte den Kopf schief und trommelte leicht mit den Fingern auf der Kühlschranktür herum, die er immer noch fest hielt. "In deinem jetzigen Zustand ist Alkohol eh tabu, Rick!"
Macintosh seufzte genervt. "Woher willst du das wissen? Hast du meine Krankenakte hier oder was?"
"Nein," gab Stephen genau so zickig zurück. "Die liegt bei deinem ... Hausarzt in TC, oder? Wir können Paul ja mal anrufen und ich frage ihn ganz genau, was du darfst oder nicht, wenn du mit Krämpfen hier auftauchst. Das wird ihn eh interessieren, denkst du nicht? ... Wie wär das?"
Rick befühlte wieder seinen Magen. Touchè, Bruder ...
Sein Ziehsohn grinste leicht und fing dann an zu lachen. Rick warf ihm einen mahnenden Blick zu und Sully schluckte nervös.
"Entschuldigung."
"Das ist ne ganz blöde Idee, Stephen," sagte Rick wieder an Stephen gewandt und schnaufte laut. "Wehe du steckst ihm das! ... Okay, also kein Bier - wenigstens jetzt noch nicht!"
Vielleicht aber später ...
"Na geht doch! Außerdem hab ich gleich ein kleines Attentat auf dich vor ... Also auch ne Pepsi?"
"Ja," erwiderte Rick dann schmunzelnd. "Was hast du mit mir vor?"
Der Arzt holte eine zweite und eine dritte Dose heraus, dann eine Flasche Wasser für seinen Verlobten und drückte die Kühlschranktür wieder fest zu. Er drehte sich um, stellte die Dosen auf dem Tisch ab, öffnete die Flasche und füllte ein Glas, was er vor Mac abstellte und sich dann neben ihn auf den freien Stuhl fallen ließ.
Connors warf einen Blick auf Sully, der immer noch unschlüssig vor ihnen stand. "Sully? Willst du dich nicht setzen?"
Der Junge seufzte leise und schüttelte den Kopf. "Ich passe, danke. Es tut noch ziemlich weh ..." Der nächste Blick galt seinem Vorgesetzten, der an der Dose Pepsi trank. "Rick? Kannst du mir gleich was geben?"
Rick sah ihn an, während er die Dose wieder auf dem Tisch abstellte. "Wenn du lieb bitte sagst, dann vielleicht, Sully!"
Sully grinste etwas. "Kannst du mir gleich bitte was geben?"
"Das klingt schon viel besser," meinte der Colonel und spielte an seiner Dose herum, die langsam Kondenzwasser verlor. "Hast du das Gästezimmer schon gesehen?"
Nicken. Rick legte die linke Hand auf seinen Magen und drückte leicht zu. Schnell zog er die Luft durch den Mund in seine Lungen und schnaufte dann erschöpft. "Gut! Dann ... trinken wir noch aus und gehen gleich mal rauf, damit du dich ein bißchen frisch machen kannst, okay?"
Sully nickte und ging dann langsam um Rick herum und zog den letzten freien Stuhl zurück. Skeptisch warf er einen Blick auf die harte Sitzfläche. "Ehm ..."
Während Rick noch einen Schluck trank, hatte Stephen den Blick bemerkt und streckte einen Arm in Richtung Lobby aus. "Sully! Geh mal ins Wohnzimmer und hol dir ein Kissen vom Sofa!"
"Ja, danke!"
Als Sully aus der Küche verschwunden war, beugte sich Rick über den Tisch und sah seinen Bruder an. Er zog eine Augenbraue nach oben. "Also? Was soll ich denn gleich für dich tun, Stevie?"
Connors trank jetzt auch endlich an der Dose, bevor er Rick antwortete. "Du könntest mir einen großen Gefallen tun, wenn du unseren Neffen und seinen Freund heute Abend vom Flughafen abholst. Natürlich erst, wenn du ein bißchen geschlafen hast."
"Klar," sagte Rick und zuckte die Schultern. "Wann kommt Brian denn?"
Jetzt mischte sich auch Mac ein. "Um sechs landet der Flieger."
"Ja, ok! Kein Problem. Aber wieso fliegt der eigentlich? Pennsylvania und Pittsburgh sind doch direkt nebenan?"
"Keine Ahnung, Rick! Du kennst doch Brian! Der will mit seinem Geld um sich werfen und es so bequem wie möglich haben. ... Danke, dass du sie holst," gab Stephen zurück und legte Mac die rechte Hand sanft auf den Oberschenkel.
Sully betrat wieder die Küche. Er ging um Rick herum und warf ein beiges Kissen auf den Stuhl. Vorsichtig setzte er sich und zuckte dann sofort zusammen. Rick kümmerte sich nicht weiter um die Leiden seines Führungsoffiziers, sondern trank lieber an seiner Pepsi. Doch Mac und Stephen musterten Sully kurz, bis der Junge schließlich genervt den Mund aufmachte.
"Was ist," fragte er und öffnete dann auch seine Dose. Zischend entwich die Kohlensäure aus dem Behälter. "Es tut weh, okay?"
Mac nickte. "Ja, das wissen wir!"
"Kommt eigentlich unsere Schwester auch, Stephen?"
Der Arzt lächelte leicht und streichelte liebevoll Macs Bein. Er sah Stephen an. "Ich hab sie eingeladen, aber sie hat mir abgesagt. ... Aber ich denke, Brian ist das eh ganz recht, wenn er sie hier nicht um sich haben muss."
"Ich finde, Brian könnte sich mal langsam etwas zusammenreißen, meinst du nicht," fragte Rick etwas sauer. Er kannte natürlich das angespannte Verhältnis zwischen Brian und Joan, hatte auch schon öfters versucht zu schlichten, aber war nie wirklich erfolgreich gewesen.
Stephen öffnete den Mund. "Zu einem Streit gehören immer zwei, Rick! Oder? Ich denke, dass unser Schwesterchen da auch ihre Finger im Spiel hat und sie wegen ihrem Sohn nicht kommen will. Sie hat mir am Telefon gesagt, dass sie krank ist, aber ... na ja, das glaube ich Joan nicht so richtig."
Jetzt seufzte Rick laut und fasste sich wieder an den Bauch. "Lass uns damit aufhören, bitte! Sonst lieg ich Morgen flach und du kannst sehen, wer euch verheiratet!"
Sein kleiner Bruder hob beschwichtigend die Hände. "Okay. Ehm, sollen wir mal spritzen gehen? Hm?"
"Tolle Idee, ja," meinte Rick, biss sich auf die Lippe und erhob sich langsam vom Stuhl. Er warf kurz Sully einen Blick zu. "Bleibst du kurz hier bei Mac? Du kannst in einer viertel Stunde raufkommen, wenn du willst."
Sully nickte. "Ja. ... Darf ich denn aufstehen und rumlaufen oder muss ich hier auf meinem wunden Hintern sitzen bleiben, Sir?"
Jetzt grinste Rick leicht, während er sich mit der linken Hand an der Tischkante fest hielt. Stephen beugte sich zu Mac und drückte ihm seine Lippen auf den Mund. Der Cop packte Stephens Hinterkopf, zog ihn näher zu sich und Stephen schnaubte laut, während sie sich innig küssten.
Macintosh betrachtete die beiden Männer. Dann legte er seine rechte Hand sanft auf Sullys Haar und streichelte ihn liebevoll. "Ja, du darfst rumlaufen, aber nur im Haus und Garten, in Ordnung? Ich denke, wenn Brian und Justin heute Abend hier sind, werden wir mal eine der Kneipen aufsuchen." Wieder sah er seinen Bruder und Mac an, die sich immer noch küssten. Stephen hatte Mac eine Hand auf die Seite des grauen T-Shirts gelegt, kraulte ihn sanft und drückte Mac noch weiter nach hinten, so dass der Stuhl bedrohlich wackelte. Rick legte den Kopf schief und grinste. "Richtig, Stephen? ... Wenn Brian kommt, gehen wir aus, oder?"
Endlich ließ der Arzt von Mac ab, grunzte leicht und leckte sich die Lippen. "Entschuldige. Ja, klar! Wenn Brian kommt werden wir die Bars unsicher machen, Sully! Und ich denke, dass Rick dir auch das ein oder andere Bier gönnen wird. Richtig, Rick?"
Rick klopfte Sully auf die Schulter. "Ja! Zur Feier des Tages! ... Stephen, ich bin dann schon mal oben, falls du mich suchst!"
Sein Bruder lächelte entschuldigend, während diesmal Macs Hand sich auf sein Bein legte und leicht zudrückte. Sie sahen zu wie Rick langsam aus der gemütlichen Küche ging und durch die Lobby spazierte. Drei Sekunden später war er nicht mehr zu sehen.
Stephen erhob sich dann ebenfalls, gab Mac noch einen Kuss und ging um den Tisch herum.
"Dann bin ich mal meinen Bruder verarzten," sagte er zu Sully und verschwand dann im Wohnzimmer, wo er in seine Praxis ging und drei Minuten später mit Desinfektionsspray, einer eingepackten Spritze, Nadel, Watte und einem gelben Fläschchen Tilidin in den Händen wieder heraus kam und dann ebenfalls die erste Stufe der Wendeltreppe nahm.
Oben im Flur hatte Rick an der Wand Position bezogen und atmete tief durch. Plötzlich spürte er den Vibrationsalarm seines Handys in der Hosentasche. Schnell schob er zwei Finger in die Jeanstasche und holte das silberne Mobiltelefon hervor. Rick warf einen Blick auf die Caller ID und stöhnte dann leise und verärgert. Paul calling ...
Er hatte ihn vergessen ... "Scheisse, verdammt," zischte Rick leise und drückte dann in dem Moment als sein Bruder die Treppe hinauf kam, auf die Anrufannahmetaste.
Rick meldete sich. "Hey, Paul!"
Stephen betrachtete ihn grinsend und ging dann an ihm vorbei in das Gästezimmer.
"Du lebst also noch, wie ich höre," stellte Paul Westen am anderen Ende der Leitung bissig fest.
Rick verdrehte die Augen. "Ja ..."
"Und ihr wart auch nicht in einen Unfall verwickelt oder so etwas in der Art? Vermute ich?"
Der Colonel schluckte jetzt. "Nein ..."
"Mhm," machte der General leise. "Und wieso rufst du mich dann nicht an, um mir zu sagen, dass ihr gut angekommen seid, Rick? ... Es ist bereits nach eins und wenn ihr gut durchgekommen wärt, dann-"
Jetzt unterbrach Rick ihn etwas sauer. "Stau, okay?"
"Könntest du die Freundlichkeit besitzen, mir auch in ganzen Sätzen zu antworten, Rick oder geht das gerade nicht, weil du vielleicht zu ... übermüdet bist? Weshalb rufst du mich nicht zurück? So hatten wir es doch vereinbart oder nicht?"
Langsam wurde Rick wirklich sauer auf seinen besten Freund. "Kann schon sein, ja ..."
Plötzlich kam Stephen auf den Flur - in der Hand hielt er eine fertige Spritze mit gelbem Inhalt. Die Hände gewaschen hatte er sich bereits unten im Gäste-WC. Er zeigte seinem Bruder die Spritze und deutete in das Gästezimmer.
Rick schnaubte und hielt sich wieder den Bauch. "Paul? Ich muss Schluss machen, Stephen will was!"
"Was," fragte Westen verdutzt. "Kann es vielleicht sein, dass ... es dir nicht gut geht, Rick? Trifft das zu?"
Scheisse ...
Rick schluckte und log. "Es ist alles okay, Paul. Jetzt hör auf dir Sorgen zu ma-"
"Du kannst sehr schlecht lügen, Richard," ermahnte Paul ihn jetzt und wurde dann strenger. "Gib mir Stephen!"
"Wozu?"
"Colonel," blaffte Paul ihn jetzt übers Telefon an und Rick verzog das Gesicht bei dem Tonfall und der Erwähnung seines militärischen Rangs. Immer wenn Paul ihn Colonel nannte, meinte er es todernst und das wussten sie beide! "Los! Gib mir deinen Bruder!"
Als Rick merkte, dass sich Paul nicht abspeisen ließ, trat er vor das Gästezimmer und sah Stephen an, der auf dem Bett hockte und auf ihn wartete. Rick nahm das Handy vom Ohr und hielt es seinem Bruder hin. "Er will dich sprechen!"
Stephen zuckte die Schultern und Rick kam auf ihn zu und Stephen nahm das Telefon entgegen. Sollte er Paul Westen jetzt wirklich anlügen, nur damit Rick aus dem Schneider war? ...
"Ja, Paul," meldete sich der Arzt freundlich. "Wie stehen die Dinge in West Virginia? Wie geht es Debbie?"
"Stephen, lass den Mist bitte," sagte Westen leise und schnaufte dann. "Was ist los mit ihm?"
"Was soll mit ihm los sein," fragte Stephen zurück und sah dabei Rick an.
"Du kannst noch viel schlechter lügen, als dein großer Bruder und jetzt sag mir was los ist!"
Connors sah auf die Spritze, die er auf die Kommode gelegt hatte und seufzte leise. "Er hat Krämpfe, das ist los, Paul! Aber wir haben alles im Griff, okay? Also reg di-"
Dicht vor ihm schlug sich Rick mit der flachen Hand auf die Stirn und machte eine Grimasse.
"Mich nicht aufregen," fragte Paul jetzt weiter und in seiner Stimme klang Enttäuschung mit. "Jetzt sag mir bitte nicht, dass er in einem durchgefahren ist, während er gekrampft hat, Stephen!"
Stephen sah kurz zu Rick, der sich auf das Schlafsofa gesetzt hatte, wo Sully die nächsten Nächte verbringen würde. Dann wandte sich Connors wieder an Westen. "Er ist nicht in einem durchgerauscht, keine Angst, aber Sully hat ihn ziemlich aufgeregt und dann musste er ... eingreifen. Sie standen im Stau und deshalb hat sich die Ankunft etwas verzögert."
Stille. Dann war wieder Pauls Stimme zu hören. Er klang etwas ruhiger. "Wie geht es ihm jetzt?"
"Ich hab schon das Tilidin aufgezogen und wollte ihm jetzt was geben," informierte ihn Stephen. "Er legt sich dann hin und versucht eine Runde zu schlafen, bevor hier der Trouble los geht ... Wir kriegen das hin, Paul! Wirklich! Keine Bange!"
"Stephen? Kümmer dich um ihn, okay? ... Gib ihn mir noch mal!"
"Ja, werd ich ... Moment!"
Stephen stand auf und gab Rick sein Handy zurück.
Der Colonel seufzte leise und meldete sich dann wieder bei Paul. "Na los! Gib's mir!"
"Ja, das werd ich, wenn wir uns wieder sehen," sagte Westen streng. "Und bis dahin, hörst du auf deinen Bruder, okay Rick? Versprich mir das! Du musst Morgen eine Trauung durchziehen oder nicht?"
"Ja, doch ..."
"AH! Nicht dieser Ton, Colonel," ermahnte Paul ihn.
"Tschuldige ..."
"Dann lass dich jetzt verarzten und bestell Sully schöne Grüße von mir ... Ach so, ich soll dich von dem Rest hier natürlich grüßen. Es ist alles okay und du wirst nicht vermisst!"
Rick hielt sich den Bauch und grinste leicht. "Ja, schön zu hören! Paul? Stephen hat die Spritze fertig, ich meld mich in zwei Tagen noch mal, okay?"
"Ja und versuch dich zu schonen! Bis dann! Bye!"
"Bye," erwiderte Rick leise und legte dann endlich auf. Er sah Stephen an. "Na ja, das mit der Geheimhaltung hat nicht wirklich gut funktioniert was?"
Stephen schüttelte den Kopf und grinste, während er auf stand. "Nein, nicht wirklich. Aber wenn er mich so direkt fragt, dann muss ich ihm die Wahrheit sagen, Rick! Tut mir leid, dass du deswegen jetzt Ärger bekommst, aber du solltest das nicht immer so herunterspielen! ... Komm! Hosen runter! Ich würde ganz gerne wieder zu Mac ..."
Stephen machte einen großen Schritt zur Seite und Rick etwas Platz, der seufzend die Knöpfe seiner Hose öffnete und sie sich von den Beinen zog. Er legte sie auf den Stuhl, der neben der Tür an der Wand stand, entledigte sich dann den schwarzen Socken und schob sie mit dem nackten Fuß unter das Bett. Dann legte er sich auf das gemütliche Gästebett und auf die linke Seite mit dem Gesicht zur Wand. Er spürte wie die Matratze nachgab, als sein Bruder sich zu ihm setzte und dann das Geräusch der Latexhandschuhe, die er sich über die Hände streifte.
Rick fasste sich in die Shorts und zog sie herunter, so dass Stephen gut an sein Hinterteil kam. Stephen nahm das Spray, schüttelte es kurz und sprühte dann eine Stelle auf der Haut ein, damit alles desinfiziert war. Es würde zwar nur ein kleiner Einstich werden, aber auch bei einer Injektion war Sauberkeit und Hygiene oberstes Gebot bei Ärzten! Als nächstes nahm er die Spritze, zog die Sicherheitskappe ab und presste den Kolben ein kleines Stückchen nach oben, um die Luft entweichen zu lassen.
"Bereit," fragte er Rick spielerisch und grinste.
Rick betrachtete die Hand und schob die linke Hand unter das graue Kopfkissen um mehr Halt zu haben. "Ich bin immer bereit ..."
Stephen lächelte wieder. "Gut, dann los."
Als er die feine Nadel in die Haut stach und den Muskel traf, zischte Rick leise und ruckte ein Stückchen nach vorne.
"Ganz ruhig," sagte Stephen laut und schüttelte den Kopf. "Warum bist du so empfindlich, Rick?"
"Ich bin nicht emfpindlich," verteidigte sich der schwarzhaarige Colonel bissig, während sein Bruder das Tilidin injizierte. "Du bist grob!"
"Hör auf so einen Scheiss zu reden, alter Mann," konterte Stephen jetzt und presste den Kolben langsam herunter. Das Tilidin durfte er nicht zu schnell in den Muskel injizieren, sonst würde es vielleicht einen Bluterguss geben. Nach ein paar Sekunden zog Stephen dann die Spritze endlich heraus und stülpte wieder die Sicherheitskappe über die Nadel. Er legte sie auf die Kommode, desinfizierte noch mal die Haut und gab Rick dann einen Klapps. "Fertig! ... Willst du nen Lolli?"
Rick seufzte und hielt sich wieder die rechte Hand auf den Bauch. "Nein, danke."
"Dann nicht! ... Drehst du dich bitte noch mal eben auf den Rücken, damit ich sehen kann, wie schlimm es im Moment ist?"
Der Colonel zog sich die Shorts wieder nach oben und drehte sich dann um. Locker legte er seine Arme neben den Körper und Stephen schob sein schwarzes T-Shirt ein Stück nach oben. Sanft legte er seine Hand auf Ricks Bauch. Er sah Rick direkt in die Augen, um jede kleinste Reaktion zu erkennen und drückte dann leicht zu. Kein Aufschreien, aber Rick verzog das Gesicht und hielt die Luft an.
Connors legte den Kopf schief. "Schön weiter atmen, komm! ... So funktioniert das nicht."
Als sein Patient dann den Mund öffnete um auszuatmen, drückte Stephen blitzschnell an der Stelle zu, wo der Magen lag und prompt kam ein Aufschrei und Rick riss die Augen auf. Panisch wirbelte er herum und drehte sich auf die rechte Seite. Schützend schlang er seine Arme um seinen Körper, damit Stephen nicht mehr heran kam.
Rick atmete hektisch, aber tief.
Sein Bruder streifte sich die dünnen chirurgischen Handschuhe von den Händen und nahm die Spritze und die restlichen medizinischen Utensilien an sich. Mit der freien Hand streichelte er sanft Ricks Schulter und redete behutsam auf ihn ein. Langsam wurde sein Bruder ruhiger.
Stephen räusperte sich. "Schlaf ein bißchen, Rick. Das Zeug beginnt ja in den nächsten Minuten schon zu wirken und wenn du ausgeschlafen hast, wirds bestimmt schon besser."
Der Colonel öffnete die Augen. "Verdammter Grobian!"
"Ich war ganz sanft," gab Stephen schmunzelnd zurück. "Wenn ich nur ganz leicht zudrücke, bekomme ich nicht die Reaktion von dir, die ich haben will, oder? Also hör auf zu jammern! ... Paul ist mit Sicherheit viel grober und rabiater als ich!"
"Okay, okay du hast gewonnen," sagte Rick leise. "Wo sind eigentlich meine beiden Lieblingsneffen?"
Der New Yorker Arzt erhob sich vom Bett, trat zum Fenster und zog das Rollo herunter. Es wurde augenblicklich dunkeler im Raum.
"Wo sollen die denn um diese Uhrzeit bitte sein, Rick," fragte Stephen ihn schmunzelnd. "Es ist Freitag Mittag, dann sind sie vielleicht noch in der High School! Du weisst schon: Großes Gebäude, viele Kinder, Erwachsene die ihnen was beibringen, Schulhof und so weiter? Na klingelts, Colonel? ... Aber die kommen gleich!"
"Ach, stimmt ja, sorry ...," gab Rick zurück, schlüpfte unter die Decke und schnaubte dann ruhig und erschöpft in sein dickes Kopfkissen hinein.
"Ich weck dich nachher," meinte Stephen und öffnete dann die Zimmertür. "Schlaf gut, Rick."
Plötzlich stand Sully im Türrahmen und sah erst Stephen an, dann lugte er in den Raum und entdeckte seinen Boss im Bett.
"Kann ich duschen gehen," fragte Sully leise. "Ich stinke etwas."
"Klar," meinte Rick leise und öffnete ein Auge um Sully ansehen zu können. "Nimm deine Klamotten und Stephen zeigt dir alles."
Stephen warf dem Jungen einen Blick zu. "Sully fühl dich wie zu Hause, okay?" Dann überlegte er schnell und fügte hinzu. "Vielleicht doch nicht! Aber bedien dich ruhig aus dem Kühlschrank und du musst wirklich nicht fragen, wenn du duschen gehen willst oder so was! Ja?"
Donavan nickte leicht. "Ehm, okay ... eh b-bist du denn gleich noch wach? Kannst du dann vielleicht ... Kannst du mir was Salbe geben oder so?"
Stephen, der noch immer im Zimmer stand, grinste jetzt leicht. "Sully, du kannst es ruhig aussprechen, okay? Hier weiss jeder Bescheid! Zumindest die, die hier dauerhaft wohnen! In Ordnung? Morgen, wenn die anderen Gäste hier sind, solltest du dich vielleicht dann mit solchen Äußerungen etwas zurück halten."
"Ehm, ja es ist nur komisch," gab der Junge zurück und fuhr sich mit der Hand durch das kurze, braune Haar.
Rick seufzte. "Ja, mach ich gleich. Dann beeil dich aber bitte!"
Jetzt meldete sich Stephen wieder zu Wort. "Ehm, Sully, ich könnte das auch machen. Rick ist ziemlich müde ..."
Sully guckte etwas gequält und sah zuerst Stephen und dann Rick an. "Ich ..."
Der Colonel grinste wissend. "Stevie, lass mal! Sully ist da sehr eigen, weisst du! Ich mach das gleich schon, wenn du mir aus deiner Praxis was nach oben bringst!"
"Ja, okay," gab der andere Arzt zurück und trat dann aus dem Zimmer. "Na komm, Sully! Ich geb dir ein Handtuch!"
Stephen ging durch die Tür und Richtung Bad. Sully sah noch einmal Rick an und lächelte leicht.
"Danke."
"Kein Problem," erwiderte Macintosh und legte sich dann auf den Rücken. "Bis gleich!"
Dann war auch Sully erstmal verschwunden und inspizierte das Bad. Stephen ging dann wieder hinunter um den Müll zu entsorgen und die paar Dinge für Rick bereit zu machen, die er in zehn Minuten für Sullys Hinterteil brauchen würde. Sully hatte unterdessen eine neue Shorts, Socken und ein frisches, graues T-Shirt aus seiner Reisetasche geholt und war im Bad untergeraucht.
Ganze 30 Minuten später lag auch Sully auf dem schwarzen Schlafsofa, was er mit Macs Hilfe ausgezogen hatte. Er lag auf dem Bauch - natürlich! Rick hatte ihn versorgt und ihm dann noch ein Ice-Pack gegönnt.
Jetzt, etwa eine Stunde später, lagen beide Offiziere friedlich in dem abgedunkelten Raum. Sully döste immer noch mit geschlossenen Augen und genoss die Ruhe und kühle Luft. Rick schlief tief und fest.
Dann wurde die Haustür geöffnet und Stephens Söhne spazierten in das Haus. Alex schloss die Tür hinter sich und sie zogen sich die Turnschuhe von den Füßen. Sofort fiel Alex' Blick auf die fremden, grauen Sneakers und dann auf ... die Schuhe seines Onkels.
Er lächelte seinen Bruder an. "Onkel Rick ist da!"
Bevor die beiden Jungs aber nach Rick schreien konnten, kam Stephen aus dem Wohnzimmer, wo er bis eben noch fern gesehen hatte. Er trat auf Alex zu und sah dann beide gleichzeitig an.
"Ja, Rick und Sully sind da," klärte er sie auf. "Rick geht es im Moment nicht so gut. Er schläft jetzt und Sully ruht sich auch im Gästezimmer etwas aus."
Sofort tauschten die Brüder besorgte Blicke aus. Alex fragte als erster nach. "Was ist mit Rick, Dad?"
Connors seufzte leise. "Er hat wieder Bauchschmerzen, weil Sully ein wenig ... Ärger auf der Fahrt gemacht hat, Alex. Außerdem war es sehr heiss im Wagen und sie standen im Stau! Das hat leider auch nicht zu seiner guten Laune beigetragen und er war etwas genervt von all dem. Heute Abend wird das sicher schon etwas besser sein. Also macht euch keine Sorgen, okay? Das will er nicht! Denn er freut sich auf seine Neffen, hm?"
David nickte. "Ehm, okay."
"Gut," gab Stephen zurück und wandte sich um. "Bringt eure Sachen bitte leise nach oben, macht Hausaufgaben und dann kommt in einer halben Stunde in die Küche! Wir haben noch was zu klären!"
Sofort wurden nervöse Blicke unter den Brüdern gewechselt.
Klären? Was wollte er denn bitte klären? Hatten sie Mist gebaut?
David und Alex schlenderten mit ihren Rucksäcken leise die Treppe hinauf und fingen, wie von Stephen verlangt mit den Hausaufgaben an.
Als sie dann nach etwas mehr als einer Stunde wieder hinunter kamen, fanden sie ihren Vater wie erwartet in der Küche vor. Mac war nicht da. Er war nach Hause gefahren, um gemeinsam mit Jason Mittag zu essen und dann ein bißchen Zeit mit ihm zu verbringen. Heute Abend würden die beiden Taylors sich wieder hier her auf den Weg machen und mit dem Rest der Familie zu Abend essen und dann wahrscheinlich ausgehen. Vom Wohnzimmer aus, hörten sie leise den Flat-Screen.
Stephen sass auf dem Stuhl gegenüber der Tür und die Kaffeemaschine brühte hinter ihm auf der Anrichte frischen Kaffee auf.
Er sah David an. "Mach die Tür zu, bitte."
Alex setzte sich ihm gegenüber und David nahm neben seinem älteren Bruder Platz, nachdem er die Schiebetür zugezogen hatte. Gespannt und etwas verunsichert sahen sie ihren Dad an, der bereits eine leere Kaffeetasse auf dem Tisch abgestellt hatte. Ein kleiner Löffel lag daneben.
Bevor der Arzt jedoch das Wort ergreifen konnte, öffnete Alex den Mund. "Okay, wer hat was gemacht?"
David drehte sich zu seinem Bruder um. "Du wahrscheinlich! Ich bin diese Woche das netteste Kind, was es gibt ..."
Alex lachte.
Stephen schüttelte den Kopf. "So ganz stimmt das aber nicht, David, oder? Wenn ich da an die Zigarette denke, die du dir in den Mund geschoben hast am Dienstag ..."
"Ah, okay," gab der 15-Jährige dann zu. "Das war ... dumm von mir."
"Mhm," machte Connors leise und nickte. "Wie war die Schule?"
David zupfte sich sein grünes T-Shirt zu recht und zuckte die Schultern. "Wie immer." Er warf seinem Bruder einen fragenden Blick zu. "Oder?"
"Ja," gab Alex zurück. "Nichts besonderes, Dad!"
"Gut, ich wollts nur wissen," sagte Stephen schmunzelnd und legte die Hände auf die Tischplatte vor sich. "Also Folgendes! Wir haben ja dieses Wochenende ein paar mehr Leute im Haus als sonst, nicht wahr? Wir haben Rick mit Sully und nachher kommt noch euer großer Cousin mit Justin! Morgen wird es dann noch etwas voller werden! ... Ich erwarte von euch beiden, dass ihr euch gut benehmt! Gastfreundlichkeit steht an erster Stelle, Jungs! Ist das klar? Seid nett, zuvorkommend, hilfsbereit und nervt niemanden - auch nicht Onkel Rick! Schon gar nicht, Onkel Rick! Hm?"
Beide Jungs nickten. "Ja!"
Die Kaffeemaschine knatterte im Hintergrund, als Stephen mit seinen Anweisungen fort fuhr. "Dann kommen wir jetzt mal zu Sully ... Ich weiss, dass ihr ein paar Vorurteile hattet, als ihr davon gehört habt, dass er auch kommen wird un-"
"Ich nicht," erwiderte Alex sofort und zeigte mit dem Finger auf seine Brust.
"Lässt du mich bitte ausreden," fragte Stephen ihn. Alex nickte und Stephen fuhr fort. "Gut! Sully ist ein Knacki, denn er ist ja nicht umsonst bei Onkel Rick auf der Base, okay? Ich werde euch jetzt lieber nicht sagen, was er getan hat, um das zu verdienen, denn das fällt unter die Schweigepflicht. Es ist allerdings nichts Schönes, wie ihr euch denken könnt. Wenn ihr es aber unbedingt wissen müsst, dann fragt ihn selber! Sully ist wirklich sehr nett, also behandelt ihn bitte nicht abweisend und helft ihm hier so gut es geht. ... Leider neigt er sehr zu Gewalt, also provoziert ihn bitte in keiner Art und Weise, denn weder Rick noch ich, möchten hier irgendwen zusammenflicken, während dieses Wochenendes. ... Sully macht im Moment wirklich sehr viel durch wegen seinem verstorbenen Pferd. Bitte berücksichtigt das, Jungs!"
Alex zuckte die Schultern. "Ja, gut! Ehm, m-müssen wir denn auf irgendwas achten, oder? Ehm nicht, dass er plötzlich zuschlägt, Dad!"
"Nein, das wird er schon nicht, wenn man ihn in Ruhe lässt und ihm seinen Freiraum gibt, Alex. Außerdem ist Rick ja da und passt auf ihn auf."
David sah wieder Alex an.
Ihr Vater lehnte sich in dem Stuhl zurück und seufzte leise. "Also wenn ihr etwas an ihm bemerkt, das euch komisch vorkommt, dann sagt es sofort Rick oder aber mir, okay? Dann werden wir was unternehmen. ... Aber es wird nichts passieren! Also keine Angst! Ach so, bitte nehmt das Wort Pferd, Tod und so weiter vor Sully nicht in den Mund! Hm? Es könnte gut sein, dass er das nicht so gut aufnimmt."
Nicken. Die Kaffeemaschine röchelte noch mal und war dann still. Stephen stand auf nahm die Kanne heraus und füllte seine Tasse. Dann setzte er sich wieder seinen Söhnen gegenüber und ließ ein Stück Zucker hineinfallen.
"Ach so," sagte er dann. "Ihr könnt euch jetzt ein Sandwich machen oder so was ... Wenn Brian und Justin heute Abend kommen, gehen wir wahrscheinlich irgendwo Essen oder aber wir bestellen was! ... Und später werden wir mal sehen, welche Bar noch geöffnet hat."
David grinste breit und schlug dann mit seinem Bruder ein. Es kam wirklich nicht so oft vor, dass die Patchworkfamilie weg ging und auswärts feierte. Stephen hatte das Grinsen seines Jüngsten natürlich bemerkt und räusperte sich dann leise.
"David?"
"Hm?"
"Dass wir was Trinken gehen, heisst nicht, dass du dich darfst vollaufen lassen! Haben wir uns verstanden? Ich hab ein sehr wachsames Auge auf dich und sobald du auch nur versuchst, dir ohne meine Erlaubnis noch einen Kurzen oder ein Bier zu bestellen, gehen wir beide schon mal nach Hause. Hast du mich verstanden, mein Kleiner?"
Sein Sohn nickte langsam, als ihm sofort klar wurde, was für eine Art Drohung sein Vater soeben ausgesprochen hatte und dass er gut daran tuen würde, den Befehl zu befolgen. Sonst würde er Morgen ernste Schwierigkeiten mit dem Sitzen haben und David würde viel sitzen müssen! "Ja, Dad."
"Gut," entgegnete der Mann und trank dann einen Schluck von seinem Kaffee. "Also seid bitte leise, während Rick noch schläft, okay? Und macht euch was zu Essen! Ich bin draußen im Garten."
Stephen erhob sich vom Stuhl, nahm seine Tasse mit und verließ die Küche durch die Hintertür um in den Garten zu gehen. Als die Tür hinter ihm zugefallen war, warf David seinem Bruder einen Blick zu und trommelte mit den Fingerspitzen auf der blank geputzten Tischplatte herum.
"Was ist," fragte Alex.
"Er hat bestimmt jemanden umgebracht!"
Alex seufzte. "Keine Ahnung, Dave! Aber man kommt ja nicht zu Onkel Rick, wenn man einen Kaugummiautomaten aufbricht, oder?"
"Hm ..."
Dann grinste Alex breit. "Was mich ein bißchen nervöser macht als Sully, ist die Tatsache, dass der Alte dir die Sauferei untersagt hat ...und-"
"Und was?!"
Sein großer Bruder seufzte leise, stemmte sich dann mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab und stützte das Kinn auf die Handfläche. Etwas angespannt sah er David an. "Dass du ... ihn gerade angelogen hast!"
David schluckte bei dieser Feststellung. "Es, es ist doch nichts gewesen, okay? Mir geht es wieder gut!"
Alex lachte bitter. "Ja, wieder ist genau das richtige Wort, David! Wieso darf ich ihm nicht erzählen, dass du in der Schule plötzlich losgeheult hast? Dad versteht das doch und hilft dir! Komm schon! Ich hasse es ihn anzulügen!"
"Du lügst ja gar nicht, sondern ich ... Du hälst einfach nur den Mund, Alex."
Jetzt starrte Alex David finster an. "Hallo?! In Dads Universum ist das fast dasselbe, du Hirnie! Kapier das doch mal! Ah ... Nicht zu fassen! David, du hattest einen Schock wegen diesem Unfall!" Angespannt und etwas aufgebracht, warf Alex einen Blick nach draußen in den Garten, wo sein Vater gerade einen der weißen Tische auseinanderklappte und probeweise auf die Wiese stellte. Alex sah wieder David an. "Dad muss wissen, ob es dir gut geht! Und weil du in der Schule ausgeflppt bist, geht es dir anscheinend nicht gut! Geh jetzt da raus und sag es ihm, bitte! Er ist doch grad allein und niemand ist da!"
Sein Bruder schnaufte laut und warf jetzt auch einen prüfenden Blick hinaus durch die Scheiben. Stephen hatte den runden Tisch abgestellt und testete jetzt mit den Händen ob er vielleicht wackelte ... David schüttelte den Kopf. "Nein, das braucht er nicht zu wissen! ... Er hat gerade genug um die Ohren."
"Gott," fluchte Alex jetzt laut. "Du brauchst wirklich nicht den starken Mann zu markieren, nur weil dieser Knacki jetzt hier ist!"
Plötzlich wurde die Schiebetür der Küche aufgedrückt und Sully stand in schwarzer Trainingshose und Shirt vor ihnen. Sein Gesichtsausdruck war müde, aber angespannt. Die Brüder sahen sich an, dann Sully. Alex schluckte.
Hat er uns gehört?
Sully starrte Alex an und öffnete den Mund. "Tut mir sehr leid, dass der Knacki euch hier alles durcheinander bringt! Ich werd versuchen mich im Hintergrund zu halten und in zwei Tagen seid ihr mich ja schon wieder los!"
David konnte nichts sagen. Er war zu perplex, dass Sully sie gehört hatte. Sein Bruder erhob sich vom Stuhl. "Ah, Sully das ... Es-es tut mir wirklich leid! Ich hätte nicht vorschnell urteilen sollen!" Er ging langsam auf Sully zu und streckte ihm die Hand aus. "Ich bin Alex."
Donavan betrachtete skeptisch die dargebotene Hand vor sich und sah dann wieder den schwarzhaarigen Jungen an, der ihn Knacki genannt hatte. Sully mochte diese Bezeichnung nicht wirklich und es nervte ihn immer wieder, wenn andere Menschen Vorurteile gegen ihn pflegten. "Schön für dich! Rick schläft noch. Ich geh was fernsehn, wenn es recht ist? Dann stör ich euch nicht weiter beim Lästern!"
Mit diesem Satz drehte Sully sich in der Tür um und marschierte hinüber ins Wohnzimmer, wo er hoffte seine Ruhe zu haben ... und den riesigen Flat-Screen!
Alex sah seinen Bruder an. "Oh, oh ..."
"Ja, das kannst du laut sagen! Geht schon sehr gut los das Wochenende! ... Juhu!"
"Ich mach mir jetzt was zu Essen."
David seufzte und erhob sich dann vom Stuhl. Während sein Bruder den Kühlschrank öffnete und ein paar Dinge heraussuchte, die eines Sandwiches würdig waren, sah David nervös in die Lobby. Der Fernseher lief und es wurde umgeschaltet.
Er sah wieder Alex an. "Ehm, m-muss man ihn nicht beaufsichtigen oder so was?"
"Was," fragte Alex erstaunt und drehte sich zu ihm um. Ein Messer in der einen und das Glas Majonaise in der anderen Hand. "Was erwartest du denn, was Sully tun wird? Unseren Flat unter den Arm packen und damit zurück nach Virginia trampen oder was?! ... Trottel!"
"Nenn mich nicht Trottel!"
"Du bist'n Trottel," feixte Alex weiter und drehte seinem Bruder wieder den Rücken zu.
David stellte sich neben ihn und schnappte sich dann ebenfalls zwei Scheiben Weißbrot. Er legte sie auf einen großen Teller und wartete auf das Glas Majonaise.
"Ich hoffe, Rick wird bald wach, dann kann ich ihm von meiner Eins in Mathe erzählen ..."
Alex verdrehte neben ihm die Augen. "Du bist so ein Arsch! Wenn du ihm von deiner Eins erzählst, muss ich ihm ja wohl auch von meiner Sechs erzählen, oder?"
"Jup," gab David zurück und zuckte die Schultern. "Ist nicht mein Problem oder?"
"Danke," sagte Alex und zog eine Grimasse in Davids Richtung.
Es hatte schon voll ausgereicht, als Stephen ihm an dem Montag Abend die Leviten gelesen hatte und leider würde das nächsten Woche, wenn sie bei Mrs Miller gewesen waren, seinen Höhepunkt finden. Die Strafe, die er dann für seine Faulheit und Lügerei kassieren würde, war ganz sicher nicht Ohne und Stephen würde ihm verdammt gut klar machen, dass er sich am Riemen reißen sollte, denn sonst würde er nach den Sommerferien leider eine Klasse wiederholen müssen. Das wollte Alex eigentlich nicht!
Und wenn es damit nicht genug wäre, hatte Alex mit Rick noch einen Erwachsenen, der Schule für so wichtig erachtete, dass er sich auf jeden Fall die Zeit nehmen und mit seinem Neffen ein kleines, privates Gespräch führen würde. Sein Onkel aus West Virginia, den Alex viel zu selten zu Gesicht bekam, war da noch mal ein ganz anderes ... Kaliber! Rick konnte man auch nicht so einfach belügen. Und wenn er dann noch in einem Gespräch den angepissten und strengen Colonel raushängen ließ, dann war es um Alex' Standhaftigkeit, Selbstbeherrschung und den Nicht-heulen-denn-du-bist-ja-ein-Kerl-Part schon nach den ersten vier Minuten geschehen! Natürlich würde Rick ihn nicht bestrafen für die Nummer, denn das war der Job seines Vaters, aber ein richtig guter Anschiss von seinem Onkel tat fast genauso weh.
Alex schluckte schwer, als er an den letzten Anpfiff von Rick zurück dachte. Es war schon ein paar Jahre her - vielleicht drei - wo Rick für eine Woche hier bei Stephen Urlaub gemacht hatte. Rick wollte sich etwas von dem Stress seiner Arbeit erholen und da Sully zu dem Zeitpunkt schon ganz gut in das Team intregiert war und sich passabel benahm, hatte Rick die Chance genutzt und war hier her zu seinem Bruder und seinen Neffen nach Woodside gefahren.
Stephen hatte zu dem Zeitpunkt sehr viele Überstunden im Krankenhaus machen müssen und seine Söhne hatten darunter gelitten. Stephen tat es leid - sehr sogar und als er mit Rick telefoniert hatte, bot dieser an, ihn für eine Woche zu unterstützen und Babysitter zu spielen, solange Stephen dem Stress auf der Arbeit ausgesetzt war.
Als Connors dann unerwartet zu einer drei-tätigen Tagung den Staat verlassen musste, war Rick auf sich allein gestellt! Alex und David hatten sich gefreut mal eine gewisse Zeit mit ihrem Onkel allein zu verbringen. Ein Urlaub vom Vater! Das tat allen mal gut! David hatte das zwar nicht so toll gefunden und Stephen angebettelt, dass er doch hier bleiben sollte, doch natürlich durfte Stephen diese dienstliche Anweisung von Professor Holland nicht abschlagen. Alex auf der anderen Seite, der zu diesem Zeitpunkt fast ununterbrochen mit Stephen aneinandergeriet, hatte seinen Dad lächelnd am Flughafen verabschiedet und war sehr glücklich, dass er die nächsten Tage nicht unter Stephens Kontrolle stehen würde.
Kurz bevor Dr. Connors sich dann mit seinem Koffer und den medizinischen Akten unter dem Arm an der Passkontrolle von seinen Söhnen und Bruder verabschiedet hatte, gab es noch einen winzigen Hinweis - einen gut gemeinten Rat - an Alex und David! Rick würde ab jetzt die gleichen Rechte haben und durfte die selben disziplinarischen Maßnahmen ergreifen, wie Stephen das tun würde, sobald einer der Jungs aus der Reihe tanzte! Stephen hatte dann den Zweitschlüssel für seinen Schrank im Wohnzimmer aus der Hosentasche gezogen und ihn demonstrativ an seinen großen Bruder überreicht, der ihn dann an seinen Schlüsselbund gesteckt hatte.
Ab sofort galt Ricks Wort und er bestimmte, was getan wurde und was nicht!
Natürlich hatte es in den paar Tagen Probleme gegeben. Die Jungs testeten immer wieder die Grenzen aus und wie weit sie bei ihrem Onkel gehen konnte, bis er die Geduld verlieren würde. Und dann war es leider so weit gewesen! Rick hatte den damals 13-jährigen Alex mit zwei seiner Kumpels abends im Kilmore Park erwischt ... eine Flasche Vodka inklusive! Alex hatte sich rausgeschlichen, ohne dass sein Onkel etwas bemerkt hatte. Der Anschiss, den Rick dann später seinem Neffen zu Hause im Wohnzimmer verpasst hatte, war hart gewesen und Alex hatte bereits nach den ersten drei Minuten laut losgeheult und ihm hoch und heilig versprochen, dass er so etwas nie wieder machen würde. Und danach hatte Rick seinen Neffen über die Sofalehne bugsiert und es ihm mit der Hand ordentlich gegeben.
Als Stephen dann wieder nach Hause zurück gekehrt war, durfte Alex seinem Dad die ganze Gesichte noch mal haarklein berichten, während Rick hinter ihm stand, um ihm notfalls einen kleinen Denkanstoß zu geben. Connors hatte dann seinen Bruder gemeinsam mit David einkaufen geschickt und sich seinen minderjährigen Sohn noch mal vorgeknöpft. Der Gürtel hatte weh getan und Alex hatte für den nächsten Tag, an dem er eigentlich Schule hatte, einen Freifahrtsschein von seinem Dad bekommen, um seinen Allerwertesten auszukurieren. Natürlich hatte Stephen ihm diesen freien Tag so unangenehm wie möglich gemacht! Schreibarbeit, diverse Räume sauber machen und so weiter. Das war wirklich hart gewesen, doch an den Anpfiff seines Onkels konnte sich Alex nur all zu gut zurück erinnern ...
Alex schüttelte den Kopf, als er wieder das wütende Gesicht von Rick vor Augen hatte, schniefte dann und reichte seinem Bruder endlich die Majo und das Messer. Dann belegte er seine Scheibe Weißbrot mit Käse und begann die Tomaten zu waschen und zu zerschneiden.
David legte das Messer wieder weg. "Sollen wir nicht Sully fragen, ob er auch was will?"
"Frag ihn doch ..."
"Warum ich," fragte David. "Du hast ihn Knacki genannt und hast jetzt ein Problem mit ihm!"
In diesem Moment ging die Hintertür leise auf. "Wer hat mit wem ein Problem?"
Ups ...
Alex schluckte, als er die Stimme seines Vaters hinter sich hörte und sich dann zu ihm umdrehte. Auch David wirkte auf Stephens unerwartete und plötzliche Präsenz in der Küche etwas nervös. Stephen schloss mit der linken Hand die Tür hinter sich, ohne seine Söhne aus den Augen zu lassen und legte den Kopf schief.
"Hallo? Ich rede mit euch, Jungs! ... Mit wem gibt es hier Probleme?"
"Niemandem, Dad," meinte Alex sofort und klappte sein Sandwich zu.
Der nächste Blick galt dem anderen Connors Sproß. "Keine Probleme, ja?"
"Nein," antwortete David.
Stephen seufzte leise. "Gut. ... Ich geh mal duschen."
Seine Kinder nickten und setzten sich dann an den Küchentisch um zu essen. Alex holte noch eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und stellte zwei Gläser dazu, als sein Vater die Küche verließ.
Gegen 15.30 Uhr kam Rick in Jeans, weißem T-Shirt und barfuß langsam die Wendeltreppe hinunter spaziert. Er hatte nach dem Aufwachen bereits die Wirkung des Tilidins gemerkt und war dann unter der Dusche verschwunden, um sich endlich frisch zu machen. Der Schweiß hatte immer noch in seinen Haaren und auf seiner Haut geklebt, doch er war wirklich viel zu müde gewesen, um noch vor dem Schlafengehen zu duschen. Die Küchentür war komplett geschlossen.
Als Rick am Wohnzimmer und der halb geschlossenen Schiebetür vorbei ging, hörte er, dass der Fernseher lief. Rick stoppte und warf einen Blick in das Zimmer. Er konnte seinen Ziehsohn sehen, der auf dem beigen Sofa hockte und etwas lustlos mit der Fernbedienung durch die Programme zappte. Der Colonel fasste mit den Fingern das weiße Holz und schob die Tür auf.
"He," sagte er leise und trat die paar Stufen hinunter in den großen Raum.
Sully sah seinen Ziehvater kurz an, zappte dann aber weiter. Er hatte einen besockten Fuß unter sein rechten Oberschenkel geklemmt und versuchte sich nicht ganz auf seinen pochenden Hintern zu setzten.
"Hi ..."
Sofort spürte Rick, dass etwas nicht stimmte. Sully konzentrierte sich wieder auf das Fernsehprogramm von Fox. Langsam ging Rick auf ihn zu und setzte sich mit etwas Abstand neben ihn. Der dicke Stoff des Sofas gab unter seinem Gewicht sofort nach. Rick warf kurz einen Blick auf den Bildschirm, dann legte er seinen rechten Arm auf die Rückenlehne und hinter Sullys Kopf.
Prüfend betrachtete er ihn von der Seite aus. "Was ist los?"
Ricks Stimme war leise und ruhig, liebevoll und auch ... besorgt.
Sully wackelte mit dem Bein und seufzte dann. "Bist du sicher, dass ich hier erwünscht bin?"
Etwas erstaunt rückte Rick ein Stück näher zu ihm heran und öffnete den Mund. "Was?!"
Donavan sagte nichts mehr, zappte einmal auf einen anderen Kanal und sah Rick schließlich an. "Das war ne einfache Frage, oder? ... Bin ich hier erwünscht, Rick? Ich-i-ich weiss schon, dass du mich auf andere Gedanken bringen wolltest mit diesem ... mit diesem Ausflug, a-aber ..."
Er stoppte mitten im Satz.
Rick legte ihm seine Hand auf den Nacken und kraulte ihn sanft und liebevoll. Dabei musterte er ihn argwöhnisch.
Was ist denn passiert? ... Es muss irgendwas los gewesen sein, während ich geschlafen hab ...
"Sully," sagte Rick leise. "Komm! Sieh mich an und sprich mit mir! Sind Alex und David von der Schule zurück? ... Hat einer von denen was zu dir gesagt? Hm?"
Stille. Sully schluckte und warf wieder einen Blick auf den Fernsehschirm. Werbung. Ein Pferd galoppierte von links nach rechts und setzte dann zum gewagten Sprung über ein Auto an. Sully war so abgelenkt, dass Rick jetzt auch auf den Schirm sah. Er seufzte, langte mit der freien Hand auf Sullys Schoß und nahm die Fernbedienung an sich. Schnell schaltete er den Flat-Screen ab und warf das schwarze Gerät auf das andere Sofa. Seit ein paar Sekunden hatte sich Sullys Herzschlag erhöht. Liebevoll griff Rick mit der linken Hand um Sullys Körper herum und zog ihn sanft zu sich. Sully reagierte sofort auf diese Zuwendung und drückte sich an Rick heran, der ihn fest hielt. Nach Schutz suchend presste Sully sein Gesicht in Ricks Hals und auf das weiße T-Shirt.
Der Colonel versuchte ganz ruhig zu bleiben. Er streichelte Sullys Rücken. "Sch ... ganz ruhig. Es ist alles gut. Wein ruhig. ... sch ..."
Nach ein paar Minuten in denen Sully in Ricks Schulter geschluchzt und geweint hatte, versuchte Rick noch einmal ihn zum Reden zu bringen. Natürlich konnte er sich denken, dass dieser Werbespot von vorhin zu diesem Gefühlsausbruch beigetragen hatte, aber da war noch etwas mehr, als das ...
"Sag mir was los war," sagte Rick leise und rieb ihm den Rücken.
Sully schniefte und nuschelte dann in Ricks T-Shirt hinein. "S-sie ham ... mich geläst-ert."
Rick hob eine Augenbraue an. "Wie bitte? ... Komm ..." Er streichelte Sully jetzt das braune und kurze Haar und drückte ihn sanft von sich weg. "Setz dich mal richtig hin und dann sag mir noch mal was los war!"
Sully tat was er ihm gesagt hatte und wischte sich kurz mit der Hand durch das Gesicht. "Sie haben über mich abgelästert."
Aha! Also doch!
Rick musterte seinen Jungen eingehend. "Alex und David? Die zwei haben über dich gelästert, Sully? Wann?"
"Vorhin."
"Was haben sie gesagt?"
Sully fuhr sich mit der Hand durch die kurzen Haare. "Alex hat mich Knacki genannt u-und er denkt, d-dass ich die schöne Routine hier kaputt mache."
Rick schüttelte etwas fassungslos den Kopf. "Das glaub ich jetzt nicht!" Er reckte seinen Kopf hoch und schrie nach seinem Bruder. "STEPHEN?!"
"Ich ... bin schon hier," hörte er plötzlich Stephens Stimme von der Schiebetür aus.
Macintosh wandte seinen Kopf herum, legte Sully beruhigend die Hand auf die Schulter und sah seinen Bruder an. "Ich dachte, du hast den beiden Jungs, etwas zu Sully erzählt?"
Stephen öffnete den Mund. "Das hab ich auch. Vor zwei Stunden ungefähr. ..." Er warf einen ernsten Blick in Richtung Küche. Dann wandte er sich an den Ziehsohn seines Bruders, der immer noch etwas aufgelöst auf dem Sofa sass. "Sully? Es tut mir leid. Ich bin gleich zurück."
Und er hielt Wort!
Nur wenige Sekunden vergingen und dann stand Stephen wieder in der Schiebetür, die er mit der freien Hand ganz aufschob. In der anderen Hand hielt er den T-Shirtstoff seines Sohnes Alex fest und zog ihn grob neben sich. Sie kamen die Stufen hinunter und auch David folgte seinem Vater reumütig in das Zimmer.
Sully betrachtete Alex etwas sauer. Dann sah Rick Alex ins Gesicht und öffnete den Mund.
"Ich ... finde es wirklich sehr schade, dass unser erstes Wiedersehen ... unser erstes Gespräch, so ablaufen muss, Alexander! Und ich bin ziemlich enttäuscht, dass du feige hinter Sullys Rücken über ihn lästern musst!"
Stephen ließ den Stoff jetzt fallen, doch funkelte Alex immer noch äußerst wütend an. Dann wandte er sich jedoch zuerst an seinen Bruder. "Rick? Darf ich ganz kurz?"
"Ja."
"Ich dachte, wir hätten das in der Küche geklärt, Alex," fragte der Arzt mit strenger Stimme und sah dabei seinen Sohn an. "Ich habe euch beiden die momentane und schwierige Situation von Sully erklärt und darauf gehofft, dass ihr so viel Einfühlungsvermögen besitzt, dass ihr ihn nett aufnehmt, aber da habe ich mich leider getäuscht, so wie es aussieht!" Er seufzte und warf seinem Bruder einen Blick zu. "Meine Söhne haben ihre guten Manieren vergessen, so wie es aussieht. Ich entschuldige mich dafür Sully und Rick!" Wieder ein Blick zu Alex. "Geh zu ihm und entschuldige dich!"
Alex schluckte. "I-ich hab mich schon-"
"Alexander," fauchte Stephen jetzt wütend und funkelte seinen Sohn streng an. "Ich habe keine Lust auf diese Spielchen, in Ordnung? Muss ich deinen Onkel mit Sully eine Runde um den Block schicken, damit wir zwei das Thema Befehle befolgen noch mal eingehend besprechen können?"
"N-nein, Sir!"
"Mhm," machte der Arzt leise und wies mit der Hand auf Rick. "Dann bitte!"
Langsam ging Alex zu Sully hinüber und baute sich vor ihm auf. Er schluckte und fummelte nervös an seinen Fingern herum, während er nach den richtigen Worten suchte, die auch Stephen gefallen würden.
"Sully! Entschuldige bitte noch mal! Es tut mir wirklich sehr leid! Ich urteile eigentlich nicht vorschnell über Leute, die ich nicht kenne. Es ... ich wollte dir diesen Kurzurlaub wirklich nicht kaputt machen."
David meldete sich auch zu Wort. "Ja, ich ... ehm auch mir tut es leid, dass wir in der Küche über dich geredet haben. Es kommt nie wieder vor!"
Rick sah seine Neffen abwechselnd an. "Nein! Das wird es nicht! ... Falls ich aber doch noch mal so etwas aus eurem Mund höre, Jungs ... Dann werde ich mich darum kümmern, okay? Ich weiss nämlich wo die Seifenvorräte in diesem Haus lagern und ich werde sie benutzen! Alles klar?"
"Ja, Sir," erwiderten beide Connors Brüder schnell und nickten.
Rick wandte sich an Sully. "Nimmst du die Entschuldigung der beiden an, Großer? Ich glaube Stephen will hier wirklich keinen Mord- und Totschlag erleben und ich auch nicht."
Sully nickte. "Ja, ich nehme an!"
Donavan erhob sich und reichte Alex die Hand. Auch David kam noch mal zu ihnen und schüttelte mit ihm die Hände.
"Na also," meinte Rick schmunzelnd und drückte dann endlich seine Neffen zur Begrüßung an sich.
Nachdem dieses kleine Problem endlich bereinigt war, setzten sich alle in die Küche und Stephen brühte frischen Kaffee auf. Er holte ein paar Kekse aus dem Kühlschrank und Rick hörte gespannt seinen Neffen zu, was in den letzten zwei Monaten so vorgefallen war. Stephen erzählte ihm von Sues Kurzbesuch und der Sache mit Gary und der Fehlgeburt. Die Details von Brians unerwartetem Auftauchen verschwieg der Arzt allerdings seinem Bruder noch! Die Schweigepflicht galt auch für Familienangehörige und Stephen würde sie auf keinen Fall brechen. Ja und den Rest, die schlechten schulischen Leistungen von Alex und der Verkehrsunfall, bei dem David und er geholfen hatten und David dann einen Schock erlitten hatte, würde Stephen mit seinem Bruder unter vier Augen besprechen. Da musste Sully nicht unbedingt dabei sein.
Tbc ...
AN2: Puh! Da wurden aber viele Dinge geklärt was? Ich kann mich hier nicht wirklich für eine Lieblingsszene entscheiden, aber ich glaube der Kontrollanruf von Paul und dann die Untersuchung von Rick durch Stephen waren schon spitze, lol ... Aber auch der kleine Rückfall von Sully im Wohnzimmer mit Rick war wieder sehr schön. Er leidet natürlich immer noch und es wird hier und da vielleicht noch weitere Anspielungen auf das Thema Django geben. Schön, dass Rick da war und ihn sofort getröstet hat :) Und Stephens Jungs wissen jetzt auch wo sie bei ihrem Onkel dran sind! Im nächsten Kapitel tauchen dann auch Brian und Justin auf. Also es bleibt spannend ... Danke für eure schönen Reviews! Eure Vanessa
